Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Zwei Welten zwischen Roman und Film - »Der schwarze Pfad«

Der schwarze Pfad Zwei Welten zwischen Roman und Film
»Der schwarze Pfad«

Molly Fountain verlebt ihren Ruhestand vom britischen Geheimdienst in Frankreich, ganz in der Nähe von St. Tropez. Als dann jedoch im Nachbarhaus ein äußerst junges, englisches Mädchen einzieht, welches am Tage sich nur im Haus aufhält und nur in der Nacht durch die Umgebung zieht, wird Molly recht neugierig. Ist das Verhalten für ein so junges Mädchen doch recht ungewöhnlich. Also macht sich Molly auf, die Nachbarin mal zu besuchen, welche sich bei ihr dann als Christina Mordant vorstellt.

Der schwarze PfadRecht schnell wird Molly klar, dass dieses junge Mädchen sich am Tage eher zu verstecken scheint und seitens ihres Vaters hier hingebracht wurde, um völlig alleine die verbleibende Zeit bis kurz nach ihrem 21. Geburtstag (damals wurde man ja mit diesem Alter erst volljährig) zu verbringen, bevor sie nach England zurückkehren soll. Molly gewinnt dabei schnell das Vertrauen von Christina und merkt immer mehr, das hier etwas ganz und gar nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Hilfe hierbei erhofft sie sich auch von ihrem Sohn John, der kurz darauf bei ihr eintrifft, um einige Zeit bei ihr zu verbringen.

Zwar ist Christina nicht das, was man als eine perfekte Schönheit bezeichen würde, aber sie ist durchaus attraktiv, mitunter aber auch noch etwas naiv und bringt bei John trotzdem bald eine Seite zum schwingen, welche schnell über die Form einer eher freundschaftlichen Zuneigung hinausgeht. So erfahren Molly und John auch recht bald von Christina, dass sie seitens ihres Vaters auf keinen Fall vor ihrem Geburtstag nach England zurückkehren darf, oder gar Kontakt zu ihm oder anderen bekannten Personen aufnehmen soll. Dies scheint besonders für den Kanonikus Copely-Syles zu gelten, den Christina eher als eine Art "Onkel" in ihrem bisherigen Leben beschreibt. Doch genau der ist bereits plötzlich hier aufgetaucht und weiß nun, wo sie sich befindet.

Sowohl John als auch Molly müssen indessen feststellen das wirklich nicht nur sie ein Auge auf Christina geworfen haben, die in der Nacht scheinbar eine völlige Verwandlung ihrer Persönlichkeit durchmacht. Denn der Marquis de Grasse und sein Sohn Jules, den John noch von früher kennt, bemühen sich mit allen Mitteln darum, Christina unter ihren Einfluss zu bringen, um sie vor ihrem Geburtstag wieder nach England zu bringen. Und dies scheint für Jules auch kein Problem zu sein, da sich Christina in den Nächten  sehr seltsam in seinem Sinne verhält. Als sie von Jules dann eines Nachts auf die Jacht des Marquis de Grasse gebracht wird, setzen Molly und John alles daran, sie von dort wieder zurück zu holen, bevor die Jacht eventuell in Richtung England in See stechen kann.

Für Molly sieht das ganze nämlich eher nach einem möglichen Verbrechen aus, da der Marquis seine Hände in vielen dubiosen Geschäften wie Schmuggel oder auch Mädchenhandel hat, ohne das man der Familie aber bisher hätte etwas nachweisen können. Es gelingt ihnen trotzdem mit einigem Aufwand, Christina am Abend wieder von der Jacht mitzunehmen, aber als Christina mit einem Kruzifix in Berührung kommt, zeigt dies bei ihr eine recht eigenartige Reaktion. Molly ist sich daher gleich bewusst, das Christina wie besessen in den Nächten unter einem schwarzmagischen Einfluss steht. Daher bittet sie den alten Lieutenant-Colonel William Verney um Hilfe, welcher sich in okkultistischen Dingen mehr als sehr gut auskennt. Verney, der von seinen Freunden auch nur Conky Bill oder einfach C.B. genannt wird, trifft auch kurz danach ein und bestätigt Mollys Verdacht.

Doch schon recht bald entführt Jules de Grasse Christina fasst vor ihren Augen wieder auf die Jacht, die auch sofort in See sticht. Ihr Ziel ist jedoch nicht England, sondern eine Bucht, wo Christina scheinbar mittels eines Wasserflugzeuges nach England verbracht werden soll.

Getrennt machen sich hierbei John wie auch C.B. auf, um Cristina vorher noch wieder aus den Klauen ihrer Entführer zu befreien, was wahrlich nicht so einfach erscheint. Doch es gelingt ihnen und man greift nun zu einer List, indem C.B. durch seine Kontakte in Nizza dafür sorgt, das Christina bis nach ihrem Geburtstag in Untersuchungshaft genommen wird. Denn alles scheint entscheidend mit genau diesem Datum zusammenzuhängen.

Zwar wähnt man Christina, die eigentlich wirklich Ellen Beddows heißt (der falsche Name sollte sie in Frankreich schützen) nun in Sicherheit, jedoch sieht C.B. damit die Gefahr für das Mädchen nicht wirklich gebannt. Und da man sie auch vor dieser nächtlichen Besessenheit befreien will, bleibt nur zu versuchen, so schnell wie möglichst den Kontakt zu ihrem Vater Henry Beddows aufzunehmen. Also reisen C.B. und John auf dem schnellsten Wege nach England, wo Beddows sich jedoch seitens seiner Angestellten verleugnen lässt. Dafür macht man jedoch den Kanonikus Copely-Syles aus, dem C.B. direkt unter einem falschen Vorwand auf die Pelle rückt. Und der erweist sich tatsächlich als das Zentrum der schwarzmagischen Gefahr. So versucht dieser Satanist wie Gott Leben aus dem Nichts zu erschaffen (einen perfekten Homunkulus). Damit dies jedoch gelingt, benötigt er das Blut einer Jungfrau, die er an ihrem 21. Geburtstag bei einem satanischen Ritual opfern kann. Wie gefährlich Copely-Syles ist, bekommt C.B. dann auch recht bald am eigenen Leib zu spüren. Nur mit Hilfe von John kann C.B. aus dem unheiligen und gefährlichen Domizil des Satanisten unbeschadet fliehen, sowie auch mit dem Leben davonkommen.

Nun wissen sie, dass dieser Satanist alle seine schwarzmagischen Fähigkeiten aufbringen wird, um Ellen/Christina noch rechtzeitig in seine Gewalt zu bekommen. Um sie also wirklich schützen zu können, benötigen sie handfeste Informationen seitens ihres Vaters und dringen so in der Nacht noch gewaltsam in sein Anwesen ein. Hier müssen sie sich nicht nur einem gefährlichen Affen erwehren, der hier angekettet wie eine Art Wachhund fungiert, sondern auch einige Fallen überwinden. Dann jedoch treffen sie in einem leeren Raum auf Henry Beddows, der sich in einer Art Pentagram am Boden und völlig in Panik befindlich, selbst vor dem dämonischen Bösen schützen will, welches ihm seitens Copely-Syles droht. Mit einiger Mühe gelingt es John und C.B. jedoch, Beddows zum reden zu bringen. So erfahren sie das Beddows selbst ein Satanist ist und nach der Geburt seiner Tochter deren Seele sogleich für Macht und Erfolg über Copely-Syles dem Teufel in einem Pakt überschrieben hatte. Es gelingt ihnen jedoch nicht, Beddows dazu zu bewegen, sich nun offen gegen Copely-Syles zu stellen, um seine Tochter zu retten.

Da es Copely-Syles mittels seiner schwarzmagischen Fähigkeiten durchaus gelingen wird, Ellen/Christina doch noch rechtzeitig in seine Gewalt zu bringen, versuchen C.B. und John diesen Hexenmeister nun zu stoppen, bevor er nach Frankreich samt seinem dämonischen Homunkulus mittels des Wasserflugzeuges abreisen kann. Doch dieses Unterfangen ist nicht ungefährlich für sie und Copely-Syles scheint ihnen dabei immer einen teuflichen Schritt voraus zu sein.

John (der sich seine Liebe zu Ellen/Christina eingesteht) und C.B. ziehen den Kürzeren und müssen hilflos zusehen, wie Copely-Syles in Richtung Nizza verschwindet. Nun drängt die Zeit enorm und retten wird man das Mädchen nur noch, wenn man Beddows dazu bringen kann, dem Satanismus abzuschwören um einerseits den dämonischen Bann der nächtlichen Besessenheit von seiner Tochter zu nehmen und andererseits, sich aktiv an ihrer Rettung zu beteiligen. Doch während Copely-Syles seinen finsteren Zielen an einem unbekannten Ort nun gefährlich nahe kommt, geraten C.B. und John immer mehr unter Zeitdruck.

Der schwarze PfadDer Roman und die Hammer-Verfilmung:
Der Originaltitel des Roman aus dem Jahre 1953 lautet wie auch der Titel des Films von 1976 aus der Hammer-Produktion (gemeinsam mit der deutschen Terra Filmkunst) TO THE DEVIL - A DAUGHTER. Letzterer kam auch in Deutschland in die Kinos unter dem Titel DIE BRAUT DES SATANS mit Christopher Lee, Richard Widmark, Nastassja Kinski und Honor Blackman in den Hauptrollen. Der Roman von Dennis Wheatley selbst ist übrigens auch heute noch erhältlich unter dem Titel DER SCHWARZE PFAD seitens des Apex Verlag, welchen ich ebenfalls vor kurzem gelesen habe.

Die Hammer-Verfilmung von 1976 stand ja bei Filmkritikern und Fans nicht gerade unter einem guten Stern. Das Drehbuch wirkte eher wirr und musste nochmals überarbeitet werden. Aber auch danach schien man nicht mehr viel retten zu können, auch wenn Christopher Lee z.B. hier durchaus alle Register zog. Wer hier also etwas mehr über die Verfilmung lesen möchte, der möge als Beispiel meine Filmkritik zum Film DIE BRAUT DES SATANS im Zauberspiegel lesen, welche ebenfalls kürzlich hier veröffentlicht wurde.

Das der Autor Dennis Wheatley mit dieser Verfilmung alles andere als glücklich war, kam dann noch hinzu und hatte zur Folge, dass dieser Hammer nachträglich untersagte, weitere seiner okkulten Romane zu verfilmen. Das Wheatley jedoch nur deshalb so aufgebracht war, weil man die Handlung in die (damalige) Moderne der 1970er Jahre verlegt hatte, dürfte wohl nur zum Teil den Tatsachen entsprechen. Dabei ist es durchaus richtig, das Wheatley die Zeit gegen Ende der 1960er bis in die 1970er Jahre als Handlungsraum für eine Verfilmung seiner Romane nicht mochte. Sah er doch diese Jahre sowohl politisch als auch gesellschaftlich eher als zutiefst reaktionär an. Doch liest man sich mal den Roman von Wheatley durch und vergleicht diesen mit der Hammer-Verfilmung, dann fällt auch recht schnell auf, dass der Film selbst nur sehr rudimentär noch etwas mit seinem Roman zu tun hat. So übernahm man für die Verfilmung ein paar Namen und nutzte ein wenig die Grundhandlung aus der Romanhandlung. Damit sind die Ähnlichkeiten zwischen Roman und Film allerdings auch schon ziemlich erschöpft.

Denn im Roman feiert Christina/Ellen nicht wie im Film Catherine Beddows ihren 18. Geburtstag und lebte auch nicht wie eine Nonne irgendwo in Bayern und Henry Beddows sucht auch nicht in England die Hilfe von Verney, der im Film einen Schriftsteller über das Okkulte darstellt. Überhaupt scheint man hier bei genauer Betrachtung zu der Feststellung zu kommen, dass die Verfilmung eigentlich recht wenig mit dem Roman von Dennis Wheatley zu tun hat. Viel eher hatte man für den Film nur einige wenige Ideen und Namen aus dem Roman übernommen und daraus eher eine ganz eigene Geschichte gezimmert.

Der Roman jedenfalls folgt durchweg einem gut nachvollziehbarem roten Faden und weiß mit seiner Handlung durchaus für einige Spannung beim Leser zu sorgen, auch wenn sich die Schreibe von Wheatley mittlerweile doch ein wenig veraltet liest. Letzteres Problem hat der lesende Fan allerdings auch bei den Werken von H.P. Lovecraft oder etwa Robert E. Howard durchaus hinzunehmen. Ich persönlich kann jedoch sagen, dass sich Wheatley trotzdem flüssig lesen lässt, wenn man mal von so einigen Wortfehlern absieht, die man leider bei Büchern aus dem Apex Verlag mitunter öfter vorfindet, weil Apex aus Kostengründen (laut mir bekannt eigener Aussage) hierzu nicht mehr vor dem Druck bereinigend den Text einer entsprechenden Korrektur unterzieht. Abschrecken lassen sollte man sich davon allerdings nicht, denn Wheatley schreibt durchaus so interessant und spannend, das man mit der Zeit eigentlich die meisten Wortfehler schlicht überliest. Und mal ehrlich, hier hauen wir ja auch schon mal im Gefecht den einen oder anderen Fehler in den Text rein, der uns eventuell erst nach der Veröffentlichung plötzlich ins Auge springt.

Wheatley weiß allerdings auch durchaus seinen Roman an einigen Stellen positiv aufzulockern. So zaubert es dem Leser manchmal ein Grinsen ins Gesicht, wenn John bei seiner Mutter Molly rauskitzeln will, ob sie früher beim britischen Geheimdienst nicht doch eine aktivere Rolle spielte, statt nur auf einem Büro gesessen zu haben. Oder man nehme die Szenen, wenn die resolute Molly unverholen ihre Freude an Handfeuerwaffen und Sprengstoff offenbart, von C.B. allerdings immer wieder mit einem Augenzwinkern davon abgehalten wird, diese Waffen auch mal zu benutzen, die sie lustiger Weise in ihrem Heim an einem sicheren Ort versteckt hält.

Der schwarze PfadDennis Wheatley und der Okkultismus:

Wieder begab sich C.B. aufs Glatteis. Er wusste, dass Crowley sich im Verlauf der Dreißiger Jahre viel in London aufgehalten hatte und dass sich die Satanisten meistens in Privathäusern trafen. Deshalb sagte er: "Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, bei welcher Gelegenheit es war, aber mir scheint, es war bei einer Party in Regent's Park oder in St. John's Wood."
"Ah! Dann muss es in Mocatas Haus gewesen sein oder vielmehr in dem Haus eines reichen jungen Juden, der sein Schüler geworden war und es ihm als Huptquartier zur Verfügung gestellt hatte."

(Dennis Wheatley: Der schwarze Pfad/Seite 139 - 140)

Dennis Wheatley kannte sich hinsichtlich seiner Romane durchaus in Sachen Okkultismus und Satanismus aus, denn ziemlich locker und zugleich recht glaubwürdig mischt er reale Personen mit seinen Romanfiguren, wie man in Sachen Aleister Crowley und seiner Romanfigur des Satanisten Mokata sehen kann. Mokata wiederum taucht nämlich in Wheatleys Roman THE DEVIL RIDES OUT auf, welcher ebenfalls und sogar recht vorbildlich im Jahre 1968 mit Christopher Lee (als Duc de Richleau) sowie Charles Gray (als Mokata) seitens Hammer unter gleichem Titel verfilmt wurde (eine entsprechende Filmkritik meinerseits ebenfalls hier im ZAUBERSPIEGEL bereits erschienen). Auch dieser Roman ist übrigens im Apex Verlag unter dem Titel DIENER DER FINSTERNIS erhältlich und hatte seine Erstveröffentlichung in Deutschland allerdings erst im Jahre 1978 (Bastei-Lübbe/Horror-Bibliothek).

Das Ellen, die sich ja zuerst fälschlicher Weise als Tarnung Christine nannte, hier vor ihrem 21. Geburtstag steht, liegt auch nicht so einfach an der Tatsache, dass man damals wirklich erst in diesem alter die Volljährigkeit erreichte. Denn die Volljährigkeit und die Frauwerdung (mit 18. Jahren in der Verfilmung seitens Hammer) haben nicht wirklich etwas miteinander zu tun. Jedoch beinhaltet die Zahl Einundzwanzig insgesamt dreimal die Zahl Sieben, und diese Zahl Sieben hat wiederum innerhalb des Christentum und der Bibel (oder auch der Kabala) eine durchaus besondere Bedeutung (etwa bei den sieben von zehn Plagen der Endzeit, die in der Bibel als "Schalen des Zorns" bezeichnet werden, oder die eher bekannten sieben Todsünden usw.). Das hierbei die Zahl Sieben dreimal auftaucht, lässt wiederum auch Verbindungen zur christlichen Dreifaltigkeit im Guten wie auch im Bösen ziehen. Die Frauwerdung, wie in der Verfilmung angegeben, hat also recht wenig damit zu tun und spielt auch kaum eine Rolle, weil eher zur weiteren Voraussetzung die Jungfräulichkeit gehört, die bei der Frauwerdung ebenfalls zur Disposition gestanden haben könnte, da eine Eheschließung mit Einwilligung der Eltern und die erste Mutterschaft damals durchaus nicht selten vor der eigentlichen Volljährigkeit erfolgte.  

Man kann bei Dennis Wheatley also durchaus davon ausgehen, dass  hier die okkulten Elemente seinerseits nicht einfach aus der Luft gegriffen wurden, sondern der Autor sich durchaus mit den damlig verfügbaren okkulten Schriften im Vorfeld auseinandergesetzt hatte. Und letzteres macht den Roman DER SCHWARZE PFAD wiederum recht interessant zu lesen. Besonders dann, wenn man sich auch außerhalb des reinen Unterhaltungsbereich mit diesen Dingen etwas intensiver beschäftigt hat.

Der schwarze PfadMeine kritische Betrachtung:
Die okkulten Romane von Dennis Wheatley waren damals in Deutschland nicht wirklich populär gewesen, was allerdings nicht nur alleine an einem fehlenden Zuspruch der Leserschaft lag, sondern auch an den Verlagen selbst, die kaum seine Werke wirklich für den deutschen Markt und damit einer entsprechenden Leserschaft dieses Genre verfügbar machten.

Des weiteren sollte man bei Wheatley nicht auf einen üblichen Horrorroman hoffen, der mit einigen beschriebenen Schockelementen und einer recht düsteren Atmosphäre daher kommen. Wheatley greift vielmehr alles das auf, was man damals in Sachen Okkultismus und Satanismus an fachlicher Literatur aufgreifen konnte um es dann in eine entsprechend spannende Handlung zu gießen. Da mag sich - sofern man sich in Sachen Okkultismus und Satanismus etwas auskennt - der eher breit bekannte Horror z.B. aus dem Bereich des Heftromans zu Recht wie völlig an den Haaren herbeigezogen und der Phantasie der entsprechenden Autoren geschuldet darstellen, ohne dies hier nun abwertend festzustellen. In diesem Punkt sind Romane von Dennis Wheatley also durchaus eine andere Klasse mit ganz eigenen Ansätzen. Horror ist es dabei allerdings immer noch, doch sucht man hier phantasievolle Schockelemente wie auch blutige Passagen eher vergeblich. Dafür kommt allerdings der Fan des Genre auf seine Kosten, welcher gerne zu einem Roman greift, der eher dem ruhigerem Old-School-Horror nahe steht.

Und wer sehr kritisch zur Verfilmung DIE BRAUT DES SATANS seitens der britischen Hammer-Filmproduktion steht, der sollte durchaus trotzdem mal zu dem Roman DER SCHWARZE PFAD von Dennis Wheatley greifen, denn der enorme Unterschied in der Handlung könnte hier wohl kaum offensichtlicher ausfallen. Die Verfilmung nämlich glänzte für mich zu mindestens 80 bis 90 Prozent aus einer damals eigenen gestalterischen Freiheit des Drehbuch, welche mit dem Roman allerdings nicht wirklich etwas zu tun hat. Oder anders gesagt, während man bei dem Roman einen ordentlichen und durchaus schmackhaften Fisch serviert bekommt, legt die Hammer-Verfilmung eigentlich nur noch die Gräten auf den Teller. Der Unterschied ist also so offensichtlich wie Tag und Nacht.

Nun kennt man mich ja und weiß, das ich eher in Sachen Romane auf ordentlich blutige bis ekelige Schockelemente stehe. In Sachen Okkultismus, in den ich mich so nebenher auch etwas eingelesen habe (neben der reinen Unterhaltungsliteratur), lege ich allerdings durchaus auch Wert auf nachvollziehbare und fachlich saubere Umsetzungen, auch wenn es dafür an blutigen Szenen usw. eher etwas mangeln sollte. Und genau in diesem Punkt zeigt sich, das Dennis Wheatley als Schriftsteller sein Handwerk durchaus verstand und innerhalb eines Romans der Unterhaltungsliteratur sein Wissen recht ansprechend auch umzusetzen wusste. Das dabei die textliche Umsetzung sprachlich nicht mehr so ganz auf der Höhe unserer Zeit liegt, mag hierbei kein wirkliches Manko sein, denn Wheatley gelang es trotzdem recht gut, mich durch die Handlung mit voller Spannung mitzunehmen. Wer also in Sachen Horror eher Wert auf eine ansprechende Atmosphäre statt auf Splatter und Gore  legt, der sollte durchaus bei DER SCHWARZE PFAD einmal einen Blick riskieren. Aber auch wer die Verfilmung seitens Hammer kennt, dieser aber nicht wirklich etwas abgewinnen kann, dürfte an dem Roman von Dennis Wheatley durchaus seine Freude haben, da das Buch sich doch enorm, wie oben schon gesagt, von der Filmhandlung unterscheidet.

Von mir erhält der Roman DER SCHWARZE PFAD daher durchaus satte vier von insgesamt fünf Pentagramme als Höchstbewertung. Eine Empfehlung für den Roman DER SCHWARZE PFAD von Dennis Wheatley kann ich dabei ebenfalls mit ruhigem Gewissen aussprechen.
Der schwarze Pfad
Der schwarze Pfad
(To the Devil - a Daughter)
von Dennis Wheatley
Originalausgabe: London - Hutchinson 1953
Genre: Okkultismus/Horror
Seitenanzahl: 306 Seiten
Übersetzung: Rosemarie Hundertmarck & Christian Dörge
Ausführung: Paperback
ISBN: 978-3-7485-0255-5
Preis: 11,99 Euro
Apex Verlag

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2020-02-12 10:29
Zitat:
der sollte durchaus trotzdem mal zu dem Roman DER SCHWARZE PFAD von Dennis Wheatley greifen,
Eigentlich nicht. Das Original hat einen Umfang von 384 Seiten. Im kleinen Satz. Die Bastei-Ausgabe hat 206 Seiten und ist kräftig gekürzt.

Ich habe das nie genau verglichen, aber der flüchtige Blick zeigt, das vor allem bei Wheatleys politischen Tiraden der Stift angesetzt wurde. Da wurden die Satanisten stets als Triebkraft hinter zuerst den Nazis - man darf nicht vergessen, dass Wheatley schon 1941 Romane geschrieben hat, in denen die Satanisten und die Nazis zusammenarbeiten wie in "Strange Conflict" - und nach dem Krieg den Kommunisten waren. "Daughter" ist von 1953, da kam der Kalte Krieg erst in Schwung.

Im Original klärt Molly den Leser auf: "Sie [die Satanisten] tun alles, um Kriege, Klassenhass, Streiks und Hungersnöte zu schüren, sie fördern Perversionen, moralischen Verfall und Drogenkonsum. Es gibt Grund zu der Annahme, dass dass sie hinter vielen politischen Attentaten stehen, die der Welt gute Führer und ehrliche Staatsmänner beraubt haben, und natürlich ist der Kommunismus jetzt ihre erfolgreichste Waffe geworden." Kapitel 6. Solche "Fakten" gibt es zuhauf.

Wheatley hatte einen erzkonservertiven politischen rechten Standpunkt, den er nie müde wurde in seinen Romanen zu verkünden. Hungersnöte mit Streiks von Arbeitern gleichzusetzen ist schon eine Nummer. Für ihn war Labour der Feind, und seine Helden waren stets bestrebt, das Klassensystem und die Moral zu beschützen.

Wheatley wäre nie auf die Idee gekommen, dass Christina nur mit ihrem Verehrer hätte vögeln müssen, um Ruhe vor den Schurken zu haben :-)

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Apex die fehlenden Teile wieder eingefügt hat. Lasse mich da aber gern belehren. Das Zitat oben würde bei Bastei auf Seite 39 gehören.

So ermüdend Wheatleys Tiraden auf die Dauer auch sind, sind seine Okkult-Romane zweifellos interessant und gut gemacht. Der Mann war nicht umsonst in England ein Millionenseller, und das von 1933 bis Ende der 70er.

Aber die wenigen deutschen Ausgaben sind schrecklich.
Zitieren
#2 Friedhelm 2020-02-12 13:27
Na dann werde ich mir das Werk wohl demnächst "zu Gemüte führen" - zumal ich schon seit geraumer Zeit keinen Horrorroman mehr gelesen habe. Ich wusste zwar, dass es den Roman gibt, hatte aber kaum wirklich Interesse daran, ihn zu lesen. Schuld daran mag die Verfilmung gewesen sein, der zumindest ich überhaupt nichts abgewinnen konnte.

Ich kann mir - auch, ohne das Buch gelesen zu haben - schon vorstellen, dass der gute Wheatley über die verhunzte Verfilmung not amused war - damit ist er bekanntlich nicht alleine. Man muss sich da nicht unbedingt wundern - kommt ja immer wieder vor, dass ein Roman nicht adequat verfilmt wird;
aber auch dafür gibt es bekanntlich Gründe.

Hin und wieder hat man aber doch das Glück, Roman und Film als "Einheit" wahrnehmen zu können. So ging mir das damals mit William Peter Blattys "Exorzist" - der tatsächlich optimal umgesetzt wurde.


Ich kann mich dann auch noch an Michael Endes "Unendliche Geschichte" erinnern (gehört hier zwar nicht unbedingt her - aber... :-* ) - in dem Fall ist mir die Leinwandadaption total sauer aufgestoßen. Und Ende selber nannte das Endergebnis nach Sichtung eine "unsägliche Geschichte..." Die beiden bescheuerten Fortsetzungen müssen ihm dann endgültig den Rest gegeben haben. Dieses einfach mal kurz als Beispiel zur Thematik.. :-)

Man könnte noch mehr Beispiele nennen, z.b. Peter Benchleys "Jaws/Der weisse Hai" (ich weiss, hat mit Wheatley auch nichts zu tun... ;-) :-* ). Das Buch habe ich im Kino über sehr weite Strecken gar nicht mehr erkannt.

Aber wie bereits erwähnt - es gibt diverse Gründe - manchmal muss ein Stoff eben erst in ein leinwandtaugliches Script umgeschrieben werden. Und in dieser Hinsicht hatte Dennis Wheatley' halt doppeltes Pech :lol:
.
Zitieren
#3 Laurin 2020-02-12 13:37
Nun ja, politisch wäre ich mit Wheatley wohl auch nie auf einen Nenner gekommen. Seine erzkonservative Sichtweise blitzt da durchaus auch trotzdem noch etwas im Text durch. Da muss man z.B. nur mal sehen, wie er seine "Helden" umschreibt um zu erkennen, welchen politischen und gesellschaftlichen Leitbildern er eigentlich ab Ende der 1960er und 1970er Jahre nachtrauerte. Allerdings hatte er hier im Text die Lösung der "Jungfrauenfrage" durchaus aufgegriffen, denn John versucht ja die Bösen zu stoppen, indem er ihnen zumindest vorlügt, er hätte Sex mit Ihr gehabt, was dann unseren Obersatanisten allerdings auch nicht mehr von seinem Tatendrang abhielt. :-*
Fakt, und das muss man ihm lassen, ist aber, dass er sich mit dem Okkultismus durchaus auseinandergesetzt hatte und dies auch gut in die Handlung einfließen lässt, so das der mir nun seitens Apex Verlag vorliegende Roman um Längen besser ist, als die entsprechende Verfilmung seitens Hammer.
Zitieren
#4 Thomas Mühlbauer 2020-02-12 20:16
Außerhalb der "Horror-Bibliothek" ist in Deutschland kaum Phantastik von Wheatley erschienen, aber immerhin hat Bastei dort vier Romane veröffentlicht, darunter die drei von Hammer verfilmten.
Zitieren

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.