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Ein phantastischer Filmklassiker - Von Pflanzen, UFOs und jede Menge Blutverlust

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 3
Von Pflanzen, UFOs und jede Menge Blutverlust

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden.  Dabei kommen wir jetzt zum ersten Salatkopf aus dem All.


Das Ding aus einer anderen WeltDas Ding aus einer anderen Welt
(The Thing from Another World)
Ich weiß, viele werden jetzt wieder direkt auf die Verfilmung von John Carpender und William Lancaster anspringen, dessen Verfilmung sich inhaltlich weitaus näher an der Kurzgeschichte WHO GOES THERE? von John W. Campbell Jr. aus dem Jahre 1938 anlehnt. Dabei vergisst man aber nur zu schnell, dass diese eher freie Version aus dem Jahre 1951 der eigentlich wegweisende filmische Klassiker im Science Fiction Genre ist. Und auch wenn selbst nicht offen genannt, so führte hier auch der bekannteste Produzent seiner Zeit,  Howard Hawks ( RIO BRAVO, TOTE SCHLAFEN FEST oder LEOPARDEN KÜSST MAN NICHT) über einen gewissen Teil persönlich Koregie bei diesem SF-Klassiker.

Die Kurzgeschichte (mehr ist es ja nicht) WHO GOES THERE? lieferte hierfür nicht mehr, aber auch nicht weniger, die eigentliche Drehbuchvorlage, die jedoch bewusst in vielen Dingen geändert wurde. Das fängt schon mit den Örtlichkeiten der Handlung an, die in der Kurzgeschichte am Südpol lag, für den Film aber konsequent an den Nordpol verlegt wurde. Auch kann sich der Alien nicht beliebig in eine andere Lebensform umwandeln, was für die damaligen Verhältnisse von 1951 durchaus logisch ist. Vieles was schon einige Jahre später an Spezialeffekten möglich wurde, dürfte zu diesem Zeitpunkt noch weniger als nur in den Kinderschuhen gesteckt haben. Was liegt also näher, als aus einem Gestaltwandler-Alien, eine völlig von uns fremdartige Spezies zu machen und diesen Punkt konsequent ohne  optische Veränderungen durchzuziehen. Das diese Festlegung wiederum mehr oder weniger Anpassungen in der Gesamthandlung erforderten, ist hierbei nur eine logische Konsequenz.

Man könnte also durchaus sagen, dass die Kurzgeschichte WHO GOES THERE? von J. W. Campbell Jr. richtig betrachtet nur das grobe Grundgerüst für diesen SF-Klassiker aus dem Jahre 1951 darstellt. In diesem Sinne kann und muss man diesen Film auch eigentlich unabhängig von der Carpenter-Version von 1982 betrachten.

SzenenfotoGutes Militär, gefährliche Wissenschaftler und eine Art Riesenrübe:
Eine Gruppe von Forschern und renommierten Wissenschaftlern schlagen per Funk gehörig Alarm, weil sie ein höchst seltsames Objekt am Himmel ausmachen konnten, dass nach einigen Kapriolen, die kein bekanntes Flugobjekt zu leisten im Stande ist, plötzlich abstürzte. Daraufhin werden Captain Patrick Hendry und seine Truppe vom US-Militärstützpunkt damit beauftragt, der Forschungsstation mitten im ewigen Eis einen Besuch abzustatten und dabei gleich mal nach dem rechten zu sehen. Dem schließt sich auch der Fotoreporter Ned Scott an, der sich eh gerade auf dem Stützpunkt mehr als Langeweile schiebt und den Vorgesetzten von Hendry dabei gehörig auf die Nerven geht.

Damit verschlimmert sich der respektive Stand von Cap. Hendry jedoch noch etwas mehr, denn seine Kameraden haben eh schon nichts besseres zu tun, als ihn bei jeder Gelegenheit auf den Arm nehmen zu wollen. Und das dürfte sich noch steigern, denn in der Forschungsstation befindet sich auch noch die hübsche junge Sekretärin Nikki, bei der er Dank zu viel Alkohol schon irgendwie aus der Rolle gefallen sein muss. Dumm nur das er selbst hierzu einen ziemlichen Filmriss in Sachen Erinnerungen hat.

Dass dieses seltsame Objekt immer noch recht aktiv in seine Umwelt eingreift, zeigt sich für Hendry und seine Mannschaft schon beim Anflug, denn dieses Objekt wirkt sich enorm störend auf das umliegende Magnetfeld aus.

Mit Hilfe aus der Forschungsstation kommt man aber doch noch punktgenau an und bei den Informationen, die der angesehene, aber auch recht eigensinnige Dr. Carrington vorzulegen vermag, verdichten sich die Hinweise, dass es sich bei diesem mysteriösen Objekt um ein UFO aus dem Weltraum handeln könnte. Damit nicht genug für Hendry, füttert ihn nun auch noch Nikki mit kleinen Details bezüglich seiner Dummheiten, die er sich im volltrunkenen Zustand bei ihr geleistet hatte. Ein gefundenes Fressen für seine Kameraden, wenn die etwas davon mitbekommen sollten.

Als man die Absturzstelle per Flugzeug erreicht, müssen Hendry und seine Männer, wie auch die mitgenommenen Wissenschaftler feststellen, dass besagtes Flugobjekt unter dem Eis kreisrund ist und das Material niemals von der Erde stammen kann. Man feilt eine Probe von einem Teil des UFOs, dass aus dem Eis heraus ragt ab und versucht das Objekt mit Brandbomben von den Eismassen frei zu legen. Letzteres geht jedoch gründlich schief und das UFO wird vernichtet. Als man glaubt, alle Beweise verloren zu haben, findet man jedoch im Eis einen Alien, der aus dem UFO heraus geschleudert worden sein muss. Genau diesen nimmt man, eingeschlossen in einem Eisblock mit zur Forschungsstation.

SzenenfotoDie Lage wird für Cap. Hendry damit aber nicht besser. Ein Schneesturm schneidet die Station fasst völlig von der Außenwelt ab, was auch sein gutes hat, denn Ned Scott möchte die Informationen am liebsten gleich bei der Presse an die große Glocke hängen. Schlimmer noch ist der Forschungseifer von Dr. Carringtons und seinen Männer, die den Alien am liebsten gleich aus dem Eisblock befreien würden. Letzteres muss Hendry ihnen jedoch verweigern, weil niemand weiß, welche Gefahren z.B. durch unbekannte Vieren drohen, die es auf der Erde eventuell nicht gibt.

Während sich Cap. Hendry darum bemüht, bei Nikki wieder einen guten Eindruck zu hinterlassen, nimmt das Übel jedoch seinen Verlauf. Durch Unachtsamkeit schmilzt der Eisblock und der Ausserirdische kann daraus entkommen. Auf der Suche nach ihm, findet man ein Mitglied der Forschungsstation, dass man wie ein Tier zum ausbluten im Gewächshaus an den Beinen aufgehangen hat. Zwar gelingt es dem Alien, die Station fluchtartig zu verlassen, doch dabei beißt ihm einer der Schlittenhunde die Hand ab. Bei näherer Untersuchung der abgetrennten Klaue stellt man fest, dass diese dem Alien wohl schnell nachwachsen dürfte. Mehr noch, der Alien scheint einer Rasse intelligenter Pflanzen zu entstammen, die sich ohne Geschlechtsverkehr vermehren können und dabei fasst unzerstörbar erscheinen.

Alles was dieses Wesen für sich und den möglichen Nachwuchs benötigt, ist frisches Blut als Nahrung. Schnell sehen sich Cap. Hendry und seine Leute an zwei Fronten kämpfen, denn während der Alien damit beginnt, ihnen langsam die Lebensgrundlagen in der Station zu entziehen, sind es Dr. Carrington und sein Gefolge von Forschern, die insgeheim mit den vorrätigen Blutkonserven begonnen haben, weitere Aliens zu züchten. Ein verzweifelter Abwehrkampf beginnt, denn auch der Alien greift immer offensiver an und selbst Feuer scheint ihn nur kurzzeitig stoppen zu können.

Den entscheidenden Hinweis, dieses Monster aus dem All zu stoppen ohne dabei die gesamte Station in Brand zu setzen, liefert indessen Nikki, indem sie darauf hinweist, dass man „Gemüse kochen oder dünsten“ kann. Schnell entwickelt man eine Falle aus Starkstrom gegen den finalen Angriff des Aliens, wobei es wiederum Dr. Carrington ist, der seine Forschung über Menschenleben stellt und somit zu einem unberechenbaren Faktor in der finalen Auseinandersetzung wird.

SzenenfotoFilmisch eine perfekte Mischung:
SF-Filme boomten in den 1950er Jahren förmlich, wobei man mit ihnen auch offensichtlich die bestehenden Invasionsängste seitens der Sowjetunion kompensierte. Alles was Fremdartig erschien, wurde zur Gefahr erhoben, dazu gehörten eben auch politische Systeme, die man ablehnte oder (zum nicht geringen Teil) auch einfach nicht verstand bzw. verstehen wollte. Christian Nyby und Howard Hawks gelang es dabei, eine einfache Story zu kreieren, die jedoch über einen ausgewogenen Anteil sowohl an Spannung, Phantastik wie auch komödiantischen Elementen verfügte.

Besonders letzteres macht diesen SF-Klassiker noch heute recht sehenswert. Egal ob Hendrys Kameraden ihn mal wieder auf den Arm nehmen wollen, oder der Fotoreporter Ned Scott wieder einmal etwas zu meckern hat, weil er nie wirklich zum Schuss kommt. Das Sahnehäubchen liefert dabei die Schauspielerin Margaret Sheridan als Nikki Nicholson, die nicht nur als hübscher weiblicher Blickfang fungiert, sondern ihrerseits so manchen komödiantischen Treffer landet, was die zum Teil düstere Gesamtstory perfekt aufzulockern weiß.

Das Element der Bedrohung besteht eigentlich oft nur in dem einfachen erscheinen des knapp über 2 Meter großen James Arness als Alien, der den deutschen Zuschauern eher bekannt sein dürfte durch die Westernserie RAUCHENDE COLTS. Doch auch in diesen eher minimalistischen Elementen gelingt es, durch das perfekte Zusammenspiel aller Darsteller, dem Zuschauer eine angemessene und emotional realistische Bedrohung zu liefern und somit den Spannungsbogen stets weit oben zu halten. Damit nicht genug, weiß die Story darüber hinaus mit dem Gewissenskonflikt zwischen den militärischen Vorgehensweisen und dem manchmal gefährlichen Forschungsdrang zu punkten, der sich besonders in dem Spiel von Dr. Carrington niederschlägt, der leichtfertig das Leben anderer zu opfern bereit ist um nur seinen unstillbaren Forschungsdrang zu befriedigen.

Man könnte die Rolle von Robert Cornthwaite als verbohrten Wissenschaftler mit einem düsteren Sheldon Cooper vergleichen, nur eben nicht auf witziger Art, weil seine Verbohrtheit sowohl eine akute Gefahr für andere als auch für sich selber bedeutet.

SzenenfotoCornflakes und kaputte Glasscheiben:
Natürlich kam der Dreh an Originalschauplätzen zur damaligen Zeit schon aus finanziellen Gründen nicht in Frage, so das hierfür ein Gelände der RKO-Studios in San Fernando Valley herhalten musste, wo man mangels Schnee und Eis auf jede Menge Mehl und Cornflakes zurück greifen musste. Auch bei der Freilegungsszene des UFOs dürften die Menschen im Umfeld kurz das Herz in die besagte Hose gerutscht sein, denn bei der Explosion gingen im Umfeld nicht wenige Fensterscheiben zu Bruch. Einen Schnittfehler gibt es zudem im Film ganz kurz auch zu bewundern, wenn die Kamera der Rauchwolke folgend, plötzlich den Rand der Polarhimmelkulisse streift.

Letzteres fällt aber ehrlich gesagt nur dann wirklich auf, wenn man gezielt darauf achtet. Die Handlung hält einen nämlich ziemlich in seinem Bann und da kann einem schon mal so ein grober Schnitzer glatt durchgehen.

James Arness und Margaret SheridanMeine Filmkritik:
Wirklich kritisch betrachten kann man aus heutiger Sicht das schon als Verlogen zu bezeichnende Bild, dass hier vom US-Militär gezeichnet wird. Da sind die tollen Jungs und Kameraden die immer einen Witz auf den Lippen haben und der Dienst selbst wird geradezu angepriesen, als Bestände er seitens den USA aus einer Art mittelmäßig bezahltem Dauerurlaub. Das dieses Bild mit der Realität schon zur damaligen Zeit nicht überein stimmte, dürften manche Veteranen locker bestätigen können.

Aber es handelt sich ja schließlich um einen US-Film und die sind schließlich bekannt dafür, ein einfaches aber falsches Bild von Gut und Böse auf der Welt zu zeichnen. Das war schon damals so und hat sich bis heute nur bedingt geändert. Auch der Wissenschaftler, für den nur die Forschung zählt, koste es was es wolle und für den Menschenleben verschmerzbar sind, dürfte einem reichlich überzogenen Klischee folgen. Fakt ist, dass in den USA in den damaligen Jahren eine gewisse kritische Haltung gegenüber Wissenschaftlern bestand, die dann in solchen düsteren Darstellungen ihren Niederschlag fanden.

Macht man bei diesen Punkten aber die Augen mal fest zu (es bleibt einem ja auch nichts anderes übrig), dann wird man hier in insgesamt 83 Minuten perfekt unterhalten.  Sowohl die Story, die sich grob um die Kurzgeschichte WHO GOES THERE? formiert, als auch die Mischung von Spannung, Phantastik und Wortwitz wissen zu überzeugen und machen diesen SF-Film aus dem Jahre 1951 zu einem wahren Klassiker, der in keiner phantastischen Filmsammlung fehlen sollte.

Ausblick:
Da gibt es Filme, die quasi die Geburtsstunde einer gewissen Richtung im Bereich des phantastischen Films markierten, auch wenn sie gänzlich ohne Monster, Dämonen oder UFOs auskommen. Dazu gehören zum Beispiel Filme die später als Slasher-Filme eine eigene Richtung kreierten. Man denke da nur an Filme wie HALLOWEEN, SCREAM oder SAW.

Auch Alfred Hitchcocks PSYCHO gehört bereits in diese Sparte, auch wenn dieser noch nicht so intensiv mit jeder Menge Blut und Sex kombiniert wurde, sondern eher auf die düstere Stimmung setzt. Letzteres bietet uns aber eine Gemeinschaftsproduktion zwischen Italien und den USA, der 1965 entstand. Da habe ich eine ungeschnittene Fassung in meiner Sammlung, in der man Elemente des Horrors ebenso verarbeitet hat wie die einer Rachestory, jeder Menge blanker weiblicher Hautpartien und diverser Folterspielchen.

Das ganze ist jedoch so skurril und billig in Szene gesetzt, dass ich mir oftmals das Lachen nicht verkneifen konnte. Doch lasst euch überraschen wenn beim nächsten Klassiker nahtlos der Bogen von einem bösen Fluch zum Zwerchfell reizenden Trash gespannt wird.

Das Ding aus einer anderen WeltDas Ding aus einer anderen Welt
(The Thing from Another World)
mit Kenneth Tobey, James Arness, Margaret Sheridan, Robert Cornthwaite, Douglas Spencer, Dewey Martin, Paul Frees, Eduard Franz, John Dierkes, Robert Bray u.a.
Regie: Christian Nyby
Drehbuch: Charles Lederer, Ben Hecht
Produzent und Regie: Howard Hawks
Produktion: RKO Pictures-Studios
Genre: Science Fiction
Laufzeit: 83 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Arthaus
USA 1951

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