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Ein phantastischer Filmklassiker - Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 21
Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Was dürfte schauriger sein als die Rückkehr der Toten.


Zombie (Dawn of the Dead)Zombie (Dawn of the Dead)
Im Bereich der Sparte Gothic kennt man den Zombie bereits. Meist ist es Toter (oder Scheintoter) der übel missbraucht wird durch einen bösen Voodoo-Zauber. Hinter dem Zauber steht natürlich wiederum eine böse Person. Zu dieser Zeit fraß sich ein Zombie jedoch noch nicht durch warme, dampfende Gedärme oder (wie es später moderner wurde) durch menschliches Hirn. Schlauer wurden die Zombies durch mehr Hirn aber auch nicht wirklich. So waren die Gothic-Zombies zwar etwas erschreckendes, aber nicht gerade ein absoluter Kassenrenner. Dies änderte sich aber spätestens mit dem Regisseur George A. Romero.

Mit seinem Schwarzweißfilm NIGHT OF THE LIVING DEAD um die Geschwister Barbara und Johnny aus dem Jahre 1968 war Schluss mit den eher handzahmen Voodoo-Sklaven. Nun krochen die Toten aus eigener Kraft aus ihren Gräbern und schlurften stets hungrig nach lebendigem Fleisch umher. Wer ihnen in die Klauen geriet wurde förmlich bei lebendigem Leib gefressen. Und einmal angefressen kamen auch diese Leichen wieder zurück und verstärkten das Heer der wandelnden Toten.

Finanzschwierigkeiten und Dario Argentos Beitrag:
NIGHT OF THE LIVING DEAD war dabei wahrscheinlich erst einmal nur  als Einzelprojekt angedacht, wobei er trotzdem als Grundstein der  Living Dead-Reihe anzusehen ist. Grundstein für die Idee war im übrigen für Romero der Roman I AM LEGEND von Richard Matheson. Laut Romeros eigener Aussage war dieser Film eher ein Freizeitprojekt, dass jedoch schnell einen gewissen Kultstatus erreichte. Es dauerte daher fasst 10 Jahre bevor Romero den Faden wieder aufnahm und das Drehbuch für den Film DAWN OF THE DEAD (ZOMBIE) umsetzte. Doch es gab ein gewaltiges Problem und das war die Finanzierung. Romeros Film MARTIN war vorher jedenfalls ein finanzielles Desaster geworden, so das man es sehr schwer hatte, geeignete Investoren für die Fortsetzung von NIGHT OF THE LIVING DEAD in den USA zu finden.

Das erst bis zur Hälfte fertige Drehbuch gelangte so in die Hände des italienischen Filmproduzenten Alfred Cuomo, der es ins italienische übersetzen ließ und es sodann an den befreundeten Produzenten Claudio Argento weiterreichte. Dieser wiederum präsentierte es seinem Bruder, dem Regisseur Dario Argento, der wiederum ein großer Fan von Romeros Film NIGHT OF THE LIVING DEAD war. Da Dario Argento sehr an einer Fortsetzung interessiert war, lud er kurzerhand Romero nach Rom ein, wo dieser in nicht ganz vier Wochen das Skript fertigstellte. Doch es blieb nicht nur bei der Einladung für Dario Argento, denn er investierte gleich auch rund 250.000 US-Dollar in die eigentliche Produktion des Films. Dafür erhielt er die Rechte, eine eigene Schnittfassung für alle nicht englischsprachigen Länder sowie unter Ausnahme Lateinamerikas zu erstellen und auch auf eigene Rechnung zu vermarkten. Auch die speziell für den Film produzierte Musik seitens der Band GOBLIN wurde von Dario Argento finanziert.

SzenenfotoAus großem Respekt vor der Schaffenskraft von George A. Romero mischte Argento sich jedoch nicht weiter in die Dreharbeiten ein und besuchte selbige auch nur ein einziges mal. Zwar gab Romero selbst bekannt, dass ihm die Schnittfassungen z.B. für Europa (außer England) nicht wirklich zusagten, jedoch wäre an einer Fortsetzung von NIGHT OF THE LIVING DEAD ohne Dario Argentos Unterstützung zu diesem Zeitpunkt wohl kaum zu denken gewesen.

„Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück“

Es herrscht nicht nur Panik auf den Straßen, sondern auch in den Fernsehstudios, in denen immer mehr Meldungen über lebende Tote eingehen, die in den Straßen über die Lebenden herfallen. Einmal von einem Zombie gebissen stirbt man recht schnell und erhebt sich dann selbst als lebender Toter wieder. In der zivilisierten Welt bricht das Chaos aus und selbst Plünderungen sind an der Tagesordnung, so das die Regierung das Kriegsrecht ausruft.

Stephen Andrews, Hubschrauberpilot und Mitarbeiter des Fernsehsenders WGON TV und seine Freundin Francine Parker, die ebenfalls für WGON TV arbeitet versuchen die Flucht und treffen dabei auf die SWAT-Beamten Roger DeMarco und Peter Washington, die mit ihnen im Hubschrauber des Senders aus dem Hexenkessel fliehen. Dabei legen sie auch einen Zwischenstopp auf einem entlegenen Einkaufszentrum ein.
Schnell erkennen sie die günstigen Voraussetzungen, die ihnen die Lage und die Geschäfte sowie die zahlreichen Vorräte an Lebensmitteln bieten. So beginnt man sich zu verbarrikadieren und danach auf die Jagd zu gehen, um die sich im Einkaufszentrum befindlichen Zombies per Kopfschuss zu erledigen. Nun können sich die Vier mit allen nötigen Dingen eindecken, während sie die Leichen in den Kühlraum des Einkaufszentrums verbringen. Erst jetzt wird Roger und Peter klar, dass Francine schwanger ist. Mit Schrecken erfahren sie über Fernsehen und Radio das die Zombies immer mehr werden und die Menschheit auszurotten drohen, bis das auch der letzte Sender seinen Sendebetrieb einstellt. Francine besteht indessen darauf, dass man ihr beibringt, wie man im Ernstfall den Hubschrauber fliegt um so nicht nur ein hilfloses Anhängsel zu sein.

SzenenfotoDa das Einkaufszentrum weiterhin von vielen Untoten belagert wird, beschließt man die Außentüren mit LKWs abzusichern. Die gefährliche Aktion wird jedoch zu einem Fiasko, weil Roger DeMarco in kopflosem Leichtsinn die Gefährlichkeit der Untoten unterschätzt und dabei von einem Zombie gebissen wird. Zwar überlebt Roger noch einige Zeit, doch der Virus der Untoten zehrt immer mehr an ihm bis das er verstirbt und durch einen Kopfschuss von Peter Washington nochmals getötet werden muss, bevor er als Zombie sein tödliches Unwesen treiben kann.

Die nächsten Monate leben die Drei verbliebenen in relativer Sicherheit und Überfluss, was ihnen jedoch auch bald an den Nerven zerrt, da sie wie Gefangene das Einkaufszentrum nicht verlassen können. Da meldet sich plötzlich eine Stimme über Funk. Den Dreien ist klar, dass es mit ihrer Sicherheit nicht mehr weit her ist, wenn sie die Fremden herein lassen. Die nicht vom Zombie-Virus infizierten stellen sich schnell als eine Bande von Rockern heraus, die plündernd durch die Lande ziehen. Nicht in der Lage das Einkaufszentrum vor den anstürmenden Marodeuren zu verteidigen, beschließt man sich zu verstecken und abzuwarten, bis die Rockerbande wieder verschwindet. Doch als diese plündernd in das Einkaufszentrum eindringen, bei dem sie auch von den Horden der Zombies verfolgt werden, brennen bei Stephen alle Sicherungen durch und er beginnt auf die Rocker zu schießen.

Zwar gelingt es Peter und Francine sich in Deckung zu halten, während die Rocker sich mit Stephen und den Zombies anlegen, doch Stephen wird dabei von den Untoten zu Tode gebissen und steht kurz darauf selbst als Zombie wieder auf.

Während sich die Rocker mit reichlich Beute und einigen Verlusten wieder verziehen ist es daher Stephen, der mit einer Art verbliebener Resterinnerung die nach menschlichem Fleisch gierenden Zombies direkt zum Versteck seiner ehemaligen Kameraden führt. Peter zwingt Francine alleine mit dem Hubschrauber zu fliehen, während er selber scheinbar gewillt ist, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch im letzten Augenblick eilt er hinter ihr her  und beide fliehen mit dem Hubschrauber und einem nicht mehr vollen Tank ziellos in die Morgendämmerung. Das Einkaufszentrum hinter ihnen wird indessen von den Untoten förmlich überrannt.

Die Filmarbeiten und der schmale Geldbeutel:
Wenn im Geldbeutel kein Geld mehr ist, dann ist man gezwungen zu improvisieren … könnte man in Anlehnung des berühmten Satzes aus diesem Film sagen. Letzteres machte Romero mit Bravur. Dies fängt dann auch mit dem Casting der Schauspieler an, das Romero direkt nach New York City verlegte, wo er und seine spätere Ehefrau Christine jede Menge befreundeter Schauspieler hatten.

John Amplas übernahm so die Rolle des Martinez. Im Film MARTIN hatte Romero ihn vorher schon in der Titelrolle besetzt. Scott H. Reiniger arbeitete zu der Zeit als Bedienung, bevor er die Rolle des Roger übernahm. Ein weiterer unbekannter Schauspieler war David Emge, der vor seiner Rolle als Stephen seine Brötchen noch als Koch in einem Restaurant verdiente. Daneben hatten z.B. noch Mitarbeiter der Polizei, des Militärs usw. freiwillig und ohne jegliche Bezahlung nicht nur mitgespielt, sondern auch maßgeblich dafür gesorgt, dass ihre Ausrüstung genutzt werden konnte. In Sachen Zombies wurden Verwandte, Freunde und gute Bekannte sowie Mitglieder der Filmcrew eingesetzt. Selbst bei der Rockerbande im Film handelte es sich im allgemeinen um Mitglieder des Pagan's Motorcycle Club, die gleich mit ihren eigenen Motorrädern die Filmauftritte kostenlos bestritten.

George A. RomeroNur solche mit Sprechrollen erhielten eine kleine finanzielle Zuwendung. Nebenbei ist hier auch Tom Savini (FROM DUSK TILL DAWN mit George Clooney) und Taso Stavrakis zu nennen, die eigentlich als Maskenbildner engagiert waren, aber auch selber eigene Rollen in dem Film übernahmen. Besonders Tom Savini entwickelte mit Romero direkt am Set viele der Gore- und Splatter-Szenen, wozu auch die Tortenschlacht zwischen den Rockern und den Zombies gehörte, die nicht im Drehbuch stand. Savini leistete jedoch auch einen nicht unerheblichen Teil der Stunts im Film. Viele Jahre später erhieltTom Savini im übrigen im Remake von DAWN OF THE DEAD von 2004 unter der Regie von Zeck Snyder wieder eine kleine Nebenrolle.

Der Knaller war jedoch Gaylen Ross, die für die Rolle der Francine Parker gleich ihren beim Casting eingereichten Lebenslauf fälschte. Berufserfahrung als Schauspielerin besaß sie vorher keine und nahm erst während der Dreharbeiten Schauspielunterricht. Der Film selbst, der zwischen November 1977 bis Februar 1978 gedreht wurde, kostete so um die 500.000 US-Dollar, wobei Produzent Richard P. Rubinstein gerne behauptete das ZOMBIE das dreifache gekostet habe. Schließlich wollte man, dass der Film im Business ernst genommen wurde. Nur im Dezember 1977 wurden die Filmarbeiten im Einkaufszentrum unterbrochen, weil das Weihnachtsgeschäft lief und man für die Dreharbeiten sonst die entsprechenden Dekorationen hätte ab und wieder aufbauen müssen. Diese Zeit nutzte man daher dafür, dass vorhandene Filmmaterial zu schneiden.

George A. RomeroDer Artikel könnte verdammt lang werden wenn...
...man auf die gesamte Flut an Informationen und kuriosen Begebenheiten eingehen würde. Auch die verschiedenen Versionen und  Schnittfassungen (nicht nur für Deutschland) würden da glatt einen weiteren Artikel locker füllen. Man kann aber sagen das George A. Romero mit NIGHT OF THE LIVING DEAD ca. 10 Jahre vorher einen Kultfilm geschaffen hatte, der dann mit Drehbeginn zu DAWN OF THE DEAD (und damit dem zweiten Beitrag der sogenannten LIVING DEAD-Reihe) 1977 eine wahre Zombie-Welle ausgelöst hatte. Neben einigen Perlen des Zombie-Subgenre waren aber schon zu dieser Zeit eine Menge an zweit- bis drittklassigen Zombiefilmen dabei, die man eher mit einiger Vorsicht genießen sollte, weil sie nicht wirklich an die vorgegebene Klasse heranreichen konnten, die Romero hier vorgelegt hatte.

Gerade aus Italien ergoss sich bald eine wahre Flut von Zombiefilmen der wirklich billigen Machart. Die damalige Kinofassung in Deutschland im Jahre 1979 war eine leicht gekürzte Fassung des Argento Cuts. Die Kürzungen bezogen sich nur auf die Schädelspaltung eines Zombies sowie einer Fressszene. Die Neue Constantin Filmgesellschaft unter der Führung von Bernd Eichinger betrieb zudem zum Kinostart einen gewaltigen Werbeaufwand um ZOMBIE im deutschsprachigen Raum bestmöglich vermarkten zu können. Selbst als VHS bekam man diese Fassung eine kurze Zeit lang noch (fasst) völlig ungeschnitten ausgeliehen. Doch bald schlug dann der § 131 StGB zu, der jede weitere Veröffentlichung auf allen Medienträgern wie ein Bluthund verfolgte.

Wenn man alle gedrehten Szenen für die verschiedenen Schnittfassungen von ZOMBIE zusammen fasst (auch eine solche Version gab es), kommt der Film locker auf 156 Minuten. Die mir nun vorliegende Fassung, die sogar die deutsche FSK-Freigabe ab 16 Jahre aufweist, nennt sich daher gerne eine „überarbeitete Langfassung“, was jedoch eher dem Marketing geschuldet sein dürfte, denn diese Fassung mit 141 Minuten sowie zusätzlichen 40 Minuten Bonusmaterial ist fasst völlig befreit von allen härteren Gore- und Splatter-Szenen. Auch die Bildqualität ist eher auf VHS-Kasetten-Niveau, was den Genuss zusätzlich eintrübt. Um hier besser bedient zu werden (besonders in der Frage der Splatter-Szenen), sollte man sich daher eher eine Fassung aus unseren direkten Nachbarländern an Land ziehen, die aber mit den Splatter-Szenen auch ihren Preis haben.

SzenenfotoDie Kirche und die Zombie-Kritik:
Erwähnenswert ist hier noch die harsche Kritik seitens der Katholischen Filmkommission für Deutschland. Man interpretierte ja in den Film ZOMBIE gerne eine versteckte Kapitalismuskritik seitens George A. Romeros hinein, was dieser allerdings etwas lockerer betrachtend so aussagte im Hinblick auf die Konsumfixierung der Menschen...

„Die Art, wie die Gesellschaft konditioniert wurde zu denken, dass, solange man dieses Zeug besitzt, das Leben wundervoll ist. Und wie man fälschlicher Weise von Dingen angezogen und verführt wird, die in deinem Leben eigentlich nicht wichtig sein sollten, es aber dennoch sind.“

(George A. Romero)

Romero bezieht dabei insbesondere auf die Szenen, in denen unsere Hauptdarsteller in dem Luxus des Warenangebot des Einkaufszentrums schwelgen, während um sie herum die Welt zusammen bricht.

Das für die Katholische Filmkommission ein Horrorfilm nicht gerade etwas sehenswertes darstellt, dürfte noch nachvollziehbar sein. Man hat ja schließlich eine gewisse religiöse Weltsicht zu predigen. Doch man arbeitete sich nicht nur an der Gewaltdarstellung ab, die man dann noch dümmlicher Weise mit einer Art Herrenmenschenideologie in Verbindung bringen wollte, sonder stuft den Film ZOMBIE sogar als gefährlich in der Hinsicht ein, dass er sich durch seine innewohnende Botschaft gegen das herrschende kapitalistisch geprägte Gesellschaftssystem und dessen Werte stelle. Nun ja, die Freiheit zu raffen und auszubeuten um als Minderheit gegenüber der Mehrheit im Luxus zu schwelgen (gefahrlos eben), muss ja schließlich auch jemand verteidigen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Joe Hill beschrieb so in seiner Kritik im Katholischen Film-Dienst Romeros Film als äußerst gefährlich weil...

 „...da die Zombies auch für die Unterprivilegierten dieser Erde stehen könnten, die aufgebrochen seien, um am Reichtum der anderen teilzuhaben.“

(zitiert nach Wikipedia)

Grundsätzlich hat die Kirche ja den Standpunkt, dass der bestehende Status Quo nicht nur zu akzeptieren ist, sondern das eine Auflehnung gegen diesen sogar unchristlich sein, da mit Gewalt verbunden. Da bleibt den Reichen ja nichts anderes übrig, als die Unterprivilegierten selbst mit Gewalt wieder zurecht zu stutzen.

Überraschend ist dann jedoch der Wandel in den Kritikergüssen der katholischen Filmkritik im Jahre 1997. Plötzlich ist der Film von George A. Romero ein „Perfekt inszenierter Schocker“ und „Überraschungserfolg“. Dazu findet man dann auch gleich lobende Worte für den Film von 1968 unter dem deutschen Titel DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN. Interessant, was die Systemfrage angeht ist dann auch diese gewandelte Aussage interessant, wenn man schreibt:

„Nebenbei lässt der Film durchblicken, dass er als Metapher für die selbstzerstörerische Konsumgesellschaft gedacht sei.“

(Lexikon des internationalen Films)

Man staune wie lernfähig und wandelbar die Kritiker der katholischen Kirche doch mitunter sein können.

SzenenfotoMeine Filmkritik:
Ich weiß, man könnte noch jede Menge mehr erzählen, doch irgendwo sollte ein Artikel auch seine Grenzen kennen. Vielleicht mag er so auch als Anregung gesehen werden, sich z.B. im Internet weiter und noch intensiver zu informieren. Die Frage steht aber auch im Raum, ob der Sammler von phantastischen Filmklassikern nun unbedingt diese „Langfassung“ in seiner Sammlung haben muss? Eigentlich Ja und Nein. Diese eher von allen Splatter-Szenen kastrierte Version (ein Zustand den viele weitere Versionen auch aus dem Ausland leider teilen) dürfte da nur für weich gespülte Fans von Interesse sein. Ansonsten ist es nur schmückendes Beiwerk.

Der wirkliche Fan sollte da eher im europäischen Umland nach den härteren und damit authentischeren Versionen Ausschau halten und dann zuschlagen. Wer wie ich die ungeschnittene Version des Remake aus dem Jahre 2004 besitzt, der wird schon wegen der Bildqualitäten und der Preisgestaltung hiervon Abstand nehmen. Zwar hängen sich die Darsteller unter George A. Romero in ZOMBIE richtig rein und es gibt da kaum etwas zu mäkeln, doch Snyders Version des Stoffes wirkt realistischer und selbst schon durch die Geschwindigkeit, die die Zombies hier an den Tag legen, weitaus spannender. Das man vor Romero trotzdem den Hut ziehen muss, liegt auch zu einem gewissen Teil an der Tatsache, dass er ein völlig neues Bild des Schreckens durch die Auferstehung der Toten beigetragen hat.

Wer auf Vollständigkeit seiner Sammlung besteht, dem kann man dieses Meisterwerk Romeros nur empfehlen, doch man sollte hierzu wie gesagt im Ausland eher die  leicht geschnittene Argento-Fassung an Land ziehen, bevor man enttäuscht vor einer kastrierten deutschen Fassung verzweifelt. In dieser Hinsicht bin ich sogar Dankbar dafür, dass ich diesen Film im deutschen Kino und kurz darauf  nochmals auf VHS in jungen Jahren sehen konnte, bevor dieses Meisterwerk durch die deutsche Gesetzgebung sinnlos verstümmelt wurde.

Ausblick:
Es gab gerade seitens Italien eine ganze Menge grenzwertiger Zombiefilme, die man wenn, nur mit einem gewissen Alkoholpegel noch als gut durchgehen lassen konnte. Doch es gab in Italien einen Regisseur, der es mit George A. Romero locker aufnehmen konnte. Darum bleiben wir auch im nächsten Artikel noch etwas bei den wandelnden Toten die nach menschlichem Fleisch gieren, bevor wir dann wieder einen weiten Sprung zeitlich nach hinten machen werden. Wenn also jetzt jemand meint, des Rätsels Lösung wären wieder Zombies, der flunkert hier.

Natürlich geht es um einen Zombiefilm und zwar aus dem Jahre 1979, den ich ebenfalls im Kino ungeschnitten sehen durfte und heute auf DVD ebenfalls unverstümmelt mein Eigen nenne kann. Hinzu kommt ein lustiges Erlebnis im Kino, während sich die Zombies gerade auf der Leinwand durch einige Gedärme fraßen. Aber dazu mehr im nächsten Artikel. Wie gesagt, den Regisseur kann man ohne weiteres in einem Atemzug mit George A. Romero nennen. Sein Film von 1979 trug in Deutschland auch neben einem Langtitel den Originaltitel ZOMBIE 2, obwohl er nicht mit dem Film von Romero ein Jahr vorher gemein hatte und auch nicht zur „LIVING DEAD-Reihe“ von Romero gehört. Na, wie ist der Name dieses Regisseur, der damals ebenfalls in aller Munde bei den Fans der lebenden Toten war.

Zombie (Dawn of the Dead)Kleiner Hinweis: Der gesuchte Filmtitel dieses ebenso gesuchten Regisseurs wird heute unter seinem Originaltitel ZOMBIE 2 kaum noch zu finden sein, aber wenn ich den deutschen Titel nenne, dürfte jeder wissen, wessen Regisseur ich meine.

Zombie
(Dawn of the Dead)
mit Gaylen Ross, David Emge, Ken Foree, Scott H. Reiniger, Tom Savini, Howard Smith, Fred Baker, Rod Stouffer, Rudi Ricci, John Amplas, Richard France, David Crawford, Taso N. Stavrakis u.a.
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero
Genre: Horror
Laufzeit: 141 Minuten plus 40 Minuten Bonusmaterial
DVD/FSK: 16 Jahre (Für Deutschland freigegebene Langfassung)
Vertreib: Keine Coverangaben
USA/Italien 1978

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Kommentare  

#16 Mainstream 2015-11-29 23:26
-
Ist eigentlich jemanden von Euch aufgefallen, dass
ein Laden in der Shopping Mall 'Gaylen Ross' benannt
ist.
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#17 Laurin 2015-11-30 16:08
(Zitat) #14 Des Romero: Vor mir liegt "Day of the Dead". 102 Minuten, Format: 1.85:1, strong uncut, wie eine rote Cover-Banderole versichert.
Ich hoffe doch mal schwer, Laurin, da kommt noch ein Review von Dir.

Nun ja, irgendwann kommt noch ein Artikel zu "Land of the Dead", aber nicht im Rahmen der "phantastischen Klassiker". Dafür ist er dann doch etwas zu neu. "Day of the Dead" befindet sich allerdings auch nicht in meinem Filmarchiv. :oops: Da sind die Zombies eigentlich recht exotische Monster mit Seltenheitswert. Oder anders gesagt, an fünf Fingern abgezählt, komme ich auf rund vier Zombiefilme. Wobei ich die "reitenden Leichen" nicht mit hinzu zähle, denn die haben mit den Zombies (außer das sie tot sind :eek: ) eigentlich nicht viel gemeinsam. ;-)

Und nein, Mainstream, ehrlich gesagt ist mir der "Laden Gaylen Ross" nicht aufgefallen. Asche auf mein Haupt. :cry:
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#18 Andreas Decker 2015-11-30 17:45
Was mich schon bei der ersten Sichtung schwer beeindruckt - und mehr erschreckt hat als die Zombies - war der Knarrenladen im Einkaufszentrum.

Heute brauche ich Milch, Butter, Wurst und ein Sturmgewehr. Kann ich bis heute nicht nachvollziehen. Aber so sind sie halt, die Amis.
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#19 Laurin 2015-11-30 19:26
Wenn ich die Recherche noch richtig im Kopf habe, gab es in dem original Einkaufszentrum damals überhaupt keinen Waffenladen. Die Szenen wurden gesondert in einem Waffengeschäft außerhalb gedreht. Aber an sich hast du recht, Andreas Decker, so sind die Amis.
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#20 Des Romero 2015-12-01 08:29
zitiere Mainstream:
-
"strong uncut" ?
Auf IMDb wird eine Unrated Edition mit 103 Minuten
angegeben. Hoffentlich bist du da nicht jemanden
aufgesessen.

So, ihr Nasen. Und wegen Euch habe ich mir jetzt die
Ultimate Edition in Amerika bestellt. Die 138 Minuten
Langfassung kenn ich nicht, die müsste dann aber
auch von Romero gefertigt sein. Und jetzt will ich es
wissen.


"Day of the Dead" läuft sogar nur 96:47 Minuten; da ist schlicht der Coveraufdruck falsch. Wird der Film nicht in PAL, sondern NTSC abgespielt, ergibt sich eine Laufzeit von 100:55 Minuten.
Laut IMDB wurde von Anchor Bay eine Unrated veröffentlicht, die aber auch nur 100:45 Minuten läuft (NTSC). Kleinere Laufzeitunterschiede im Sekundenbereich ergeben sich häufig durch unterschiedliche Logo-Einblendungen.
Also, ich denke mal, die Fassung von XT lässt keinen Gore vermissen. :-)

Die US Ultimate Edition von "Dawn" enthält alle drei von mir angesprochenen Fassungen. Da bist du also hervorragend bedient.
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#21 Des Romero 2015-12-11 19:21
So, habe mich just mit Konrad auf FB ausgetauscht. Einigen mag es aufgefallen sein, für andere ist es unter Umständen interessant. Da Dario Argento die Verwertungsrechte für Europa hatte, ist es zunächst verwunderlich, dass in England der Romero-Cut erschien.
Die BBFC – British Board of Film Classification – hatte so ihre Probleme mit dem Argento-Cut. Zu düster, zu brutal – kurzum: keine Freigabe.
George Romero machte nun den Vorschlag, seinen damaligen Director's Cut an die Prüfbehörde zu übergeben. Und siehe da: Der Film wurde (mit einigen Kürzungen) ab 18 freigegeben. Grund: Der Film sei nicht vordergründig actionorientiert, skizziere die Charaktere besser und beinhalte zusätzlich eine leicht humoristische Haltung. Alles Eigenschaften, die der Version von Argento abgehen.
So kam ich Mitte der 1980er Jahre also erstmals unfreiwillig in den Genuss des Romero-Cuts, als ich mir das VHS-Tape in einer englischen Airbase-Videothek in Wildenrath (das ist im Raum Aachen – Mönchengladbach) ausgeliehen habe.
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#22 Laurin 2015-12-11 19:32
Danke dir Des Romero,
diese Information hatte ich nämlich nicht vorliegen, außer das Romero die Rechte in allen englischsprachigen Ländern gehabt hätte. Man sieht also, man lernt nie aus. ;-)
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