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Ein phantastischer Filmklassiker - Von Wölfen, einer Paraderolle und anderen Ähnlichkeiten

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 23
Von Wölfen, Paraderollen & anderen Ähnlichkeiten

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Hierzu zählt der Werwolf als einer der berühmtesten Vertreter.


Der Wolfsmensch (The Wolf Man)Der Wolfsmensch (The Wolf Man)
Wie ist das in den bekannten Gruselfilmen eigentlich mit dem Vollmond bei Wölfen. Es ist Nachts, der Vollmond hängt (oftmals im Bild stark vergrößert) am Himmel und ein Wolf heult ihn an. Nun, grundsätzlich ist das nicht falsch, denn Wölfe heulen den Vollmond wirklich an, aber das hat nichts damit zu tun das gerade Vollmond ist. Wölfe heulen den Mond nämlich in allen seinen Phasen an, egal ob nun Vollmond oder etwa Halbmond, dass ist ihnen eigentlich völlig egal. Böse Menschen sind ja auch der Meinung, Wölfe heulen den Mond an um jemandem lautstark mitzuteilen das endlich einer das überflüssige Licht ausmachen sollte.

Warum aber jetzt eine Metamorphose vom Menschen in einen Werwolf nur bei Vollmond einsetzen soll, dass bleibt das dunkle Geheimnis derer, die damals überhaupt diese Legenden der Werwesen in Umlauf gebracht hatten. Im Roman oder gar im Film wird dies mittlerweile ja auch nicht mehr so eng gesehen. In der TWILIGHT-SAGA verwandeln sich die Werwölfe ja nach Lust und Laune, sind zwar recht überdimensioniert groß, laufen aber dafür nicht aufrecht wie ein Mensch. In anderen Filmen wie VAN HELSING ist die Rückverwandlung in einen Menschen nur noch eine Frage der Zeit und schon bald bleibt ein Werwolf auf Dauer ein Werwolf.

Noch verrückter wird es dann bei HARRY POTTER UND DER GEFANGENE VON ASKABAN, wo sich sein Pate Sirius Black zwar in eine Art vierbeinigen Wolf (oder war es doch eher ein Hund) verwandeln kann, während sein neuer Lehrer der dunklen Künste, Remus Lupin, sich bei Vollmond recht unfreiwillig in einen durchaus ansprechenden Werwolf verwandelt, der jedoch aussieht, als hätte man ihm vorsorglich wegen der günstigen Witterungsverhältnisse das Fell völlig abgezogen. Nun gut, zumindest kann Alice Cullen aus den TWILIGHT Filmen bei Remus Lupin damit nicht beanstanden, dass er aufgrund eines Fells nach nassem Hund stinken würde.

SzenenfotoDie Maske des Werwolf ist nicht unbedingt weit hergeholt:
Zumindest, was die frühere Version betrifft, die der Schauspieler Lon Chaney jun. für den Film DER WOLFSMENSCH trug. Da gibt es nämlich eine Krankheit die man Hypertrichose oder auch Hypertrichosis nennt. Im schlimmsten Fall kann sie bis auf Ausnahme der Handfläschen und Fußsohlen den gesamten Körper betreffen. Man spricht hier auch vom Fortbestand der fetalen Lanugohaare, so das von ihnen der gesamte Körper und damit auch das Gesicht wie mit einem Fell bedeckt wirkt. Im volkssprachlichen Umgang nennt man solche Menschen daher auch wohl „Wolfsmenschen“.

Natürlich hat einen als sehr junger Mensch diese Maske im Film DER WOLFSMENSCH schon ein klein wenig gegruselt. Doch mit dem älter werden war diesem Gruselgefühl aber auch sehr schnell ein logisches Ende gesetzt. Denn wenn man erst einmal wusste, wie der Kopf eines Wolfes aussieht, dann fragte man sich unwillkürlich, welchen Blödsinn die Filmemacher damals einem verkaufen wollten. Denn einem Wolf ist unser Schauspieler ungefähr so ähnlich wie eine bunte Kuh einem Backenhörnchen. Aber was rede ich da. Würde heute ein Zwölfjähriger diesen alten Schwarzweißfilm-Klassiker zur besten Sendezeit im Fernseher sehen, er würde wahrscheinlich begeistert ausrufen: „Papa (oder wahlweise die Frau Mama), da ist Chewbacca im Fernsehen und der hat sogar trotz Fell Klamotten an.“

Solange der Nachwuchs allerdings nicht wegen der mangelnden Größe unseren Werwolf gleich noch mit einem der putzigen Ewoks vergleicht, geht es ja noch.

Kommen wir aber jetzt auch gleich zum Film DER WOLFSMENSCH selbst, der im Jahre 1941 noch die Kinobesucher zum gruseln brachte, auch wenn das reale Weltgeschehen zu dieser Zeit wohl an manchen Stellen der Erde diese Art des Schreckens noch weit in den Schatten stellte. Als Bela der Zigeuner trat dabei niemand anders auf als Mister Dracula, Bela Lugosi persönlich. Und „Bela“ setzt den Kreislauf des Bösen erst so richtig auf Schleudergang.

SzenenfotoRückkehr, Verliebtheit und der Tod:
Lawrence „Larry“ Talbot kehrt nach 18 Jahren in den USA wieder nach Wales in England zurück, wo er laut seinem Vater sich nun in die Aufgaben eines Gutsbesitzers festigen soll. Diese Aufgabe wäre von Sir John eigentlich seinem älteren Bruder zugefallen, doch dieser starb unerwartet durch einen Unfall.
Im Schloss eigenen Observatorium repariert Larry derweilen aus Langeweile ein Fernrohr, dass er jedoch eher dazu nutzt, statt die Sterne das nahegelegene Dorf auszukundschaften. Dabei fällt sein Blick auch auf einen Laden, in dem die hübsche Gwen ihre Kunden bedient. Larry ist fasziniert von ihr und sucht sie sogleich im Laden auf, wo sie ihm einen Gehstock mit einem silbernen Wolfskopf verkauft und sich sogleich auch mit ihm zu einem abendlichen Spaziergang verabredet.

Doch statt eines romantischen Abends erwarte Larry nicht nur Gwen, denn die hat gleich auch ihre Freundin Jenny im Schlepptau. Im Wald selbst treffen sie auch noch auf eine alte Zigeunerin und ihren Sohn. Fasziniert will sich Jenny dort die Zukunft aus der Hand lesen lassen, während Larry und Gwen vor dem Zelt warten. Doch plötzlich erscheint in ihrer Handfläche ein Pentagram, worauf sie von dem Zigeuner barsch angewiesen wird, schnellstens zu verschwinden. In Panik rennt Jenny davon und wird kurz darauf im nebeligen Wald von einer Art Wolf angegriffen. Larry liefert sich einen tödlichen Kampf mit der Bestie, wird dabei gebissen, kann sie jedoch mit seinem Stock erschlagen. Doch nach einem kurzen Moment nimmt der Wolf die Gestalt des Zigeuners an, bevor Larry das Bewusstsein verliert.

Durch seinen Einfluss versucht Sir John Larry vor der Polizei und der Justiz zu schützen, denn als dieser erwacht, liegt statt eines toten Wolfes nur der tote Zigeuner da und von der Bisswunde ist ebenfalls keine Spur mehr an Larry zu finden. Die Polizei glaubt seiner Aussage nicht und Sir John versucht ihn als verwirrt darzustellen, so das er sich an den Hergang nicht mehr eindeutig erinnern kann.

SzenenfotoLarry indessen beobachtet die alte Zigeunerin Maleva in einer nahen Kapelle, wo sie mit einem Geistlichen die traditionelle Bestattung ihres toten Sohnes bespricht, bevor sie an seinem Sarg ein Gedicht über Unschuld, Leid und Tränen spricht. Neugierig folgt Larry ihr ins Zelt und stellt sie wegen des ungewöhnlichen Hergangs zur Rede. Minerva offenbart Larry das ihr Sohn unter dem Fluch eines Werwolf litt, der durch den Biss nun auf Larry übergegangen sei. Dabei überreicht sie ihm ein Amulett, dass die Möglichkeit haben könnte, diesen grausamen Fluch bei ihm zu brechen. Das Pentagramm als Zeichen des Werwolfes könne er nur in der Handfläche der Menschen erblicken, die Opfer des Werwolfes werden, Diesen Werwolf jedoch könne man nur mit einer silbernen Waffe vernichten. Doch Larry kann diesen Aberglauben nicht ernst nehmen und verlässt die Zigeunerin wieder.

Bei einem Gespräch mit seinem Vater Sir John liest dieser Larry das Gedicht der Wolfsblume vor. Aber auch er glaubt nicht, dass dieser Aberglaube an einen Werwolf der Realität entspricht. Doch, so führt er weiter aus, könne eine geistige Erkrankung dazu führen, dass jemand glaube, er könne sich in ein solches Monstrum verwandeln um dann schreckliche Taten zu vollbringen.

Auf der Totenfeier der Zigeuner, die eher einem Jahrmarkt gleicht, tauchen auch Larry und Gwen wieder auf. An einem Schießstand gelingt es Larry dann jedes Ziel zu treffen, bis er plötzlich ein seltsames Gefühl empfindet, als dann als Ziel ein dargestellter Wolf zu sehen ist. Verunsichert schickt er Gwen nach Hause, überreicht ihr aber vorher das Amulett der Zigeunerin. Auch er selbst geht zurück ins Schloss, denn irgendetwas stimmt nicht mit ihm und dann setzt plötzlich die Verwandlung in einen Werwolf ein. Das Grauen nimmt seinen Lauf und auf dem Friedhof am Waldrand fällt Larry als Werwolf über den Totengräber her und zerfleischt ihm die Kehle.

Am Morgen erwacht er wieder in seinem Bett, doch dort, wo eigentlich die Bisswunde sein sollte, ist nun ein Pentagramm zu sehen und von seinem Fenster bis zum Bett sind deutlich Tierspuren zu sehen, die Larry nun in Panik schnell verwischt.

Die Polizei tappt derweilen im Dunkeln, denn bei der Leiche des Totengräbers finden sie nur die Abdrücke eines Wolfes. Das hält die Menschen im Dorf jedoch nicht davon ab, Larry nun für den Mord verantwortlich zu machen, so das sich schon bald ein Lynchmob bildet.

Auf der Flucht verwandelt sich Larry erneut in die Bestie und gerät in eine Bärenfalle, aus der er sich jedoch selbst nicht mehr befreien kann. In diesem Moment taucht die alte Minerva wieder auf, spricht erneut das Gedicht und Larry verwandelt sich wieder zurück zu einem Menschen so das es ihm nun gelingt, sich zu befreien.

SzenenfotoLarry zweifelt nun nicht mehr an dem Fluch, wovon sein Vater jedoch nichts wissen will. Daraufhin beschließt Larry das Land wieder zu verlassen und eilt ins Dorf um es auch Gwen mitzuteilen. Doch dann erblickt er in ihrer Handfläche plötzlich ein Pentagramm und weiß, dass sie sein nächstes Opfer sein wird. Wieder auf dem Schloss übergibt er seinem Vater den Gehstock mit dem silbernen Wolfskopf. Um überhaupt zu sehen, was an der Geschichte dran ist, fesselt Sir John Larry an einen Stuhl, lässt ihn aber dummer Weise danach völlig unbeaufsichtigt wieder alleine.

Derweil versammeln sich die aufgebrachten Dorfbewohner zu einer nächtlichen Treibjagd im Wald. Sir John selbst sucht indessen die alte Zigeunerin auf um sie zur Rede zu stellen, denn er ist der festen Überzeugung, dass sie seinen Sohn mit ihrem Aberglauben nur völlig verrückt gemacht hat. Auch Gwen sucht indessen nach Larry und gerät dabei in den Wald, wo dieser bereits als Werwolf verwandelt nach einem Opfer sucht (der Befreiungsakt aus den Fesseln wird im Film selbst nicht gezeigt). Er trifft auf Gwen und will sie angreifen, als Sir John, angelockt durch ihre Schreie hinzu stößt und die Bestie dann mit dem silbernen Gehstock vorher noch erschlagen kann. Aber auch Minerva ist Sir John gefolgt und spricht nun vor dem Monster ihr Gedicht, worauf sich der Werwolf vor den erstaunten Augen von Sir John wieder in seinen nun, toten Sohn Larry, zurück verwandelt.  

Kleiner Einblick:
Maria Ouspenskaya spielt übrigens neben Lon Chaney jun. die Zigeunerin nochmals in dem Film FRANKENSTEIN TRIFFT DEN WOLFSMENSCHEN (1943). Lon Chaney jun. wurde durch den Kassenerfolg von DER WOLFSMENSCH noch einige weitere male von Universal in die Rolle des Werwolf gesteckt und fand so in ihr seine Paraderolle im damaligen Horror-Genre, so das mit dem Begriff Werwolf damals auch gleich sein Name mit in einem Atemzug genannt wurde. Ein Staraufgebot des Horrors gab es dann zum letzten mal in der Grusel-Parodie ABBOTT UND COSTELLO TREFFEN FRANKENSTEIN (1948), wo auch Bela Lugosi und Glenn Strange ihre jeweiligen Paraderollen noch einmal einnehmen konnten.

Man kann auch sagen das DER WOLFSMENSCH damals auf Augenhöhe mit den Klassikern DRACULA und FRANKENSTEIN (beide 1931) zu nennen ist. Auch wenn der Film heute eher in seinem Genre als harmlose Variante zu bezeichnen ist, die eher einem Märchen als dem Horror zugeordnet werden könnte, besitzt der Film aber immer noch unter den Fans einen gewissen Schauwert.

Die weiteren Filme, in denen Lon Chaney jun. in die Rolle des Werwolf schlüpft sind neben den oben bereits aufgeführten Filmen...

  • Frankensteins Haus (1944)
  • DRACULAS HAUS (1945)

SzenenfotoMeine Filmkritik:
Wer den Film als Freund phantastischer Filmklassiker noch nicht gesehen haben sollte, der sollte unbedingt mal zugreifen um die Bandbreite des damaligen Horror-Genre noch zu vervollständigen. Dazu reicht es allerdings nicht, hier ersatzweise die Neuverfilmung aus dem Jahre 2010 unter dem Titel THE WOLFMAN als Ersatz heran zu ziehen. Denn THE WOLFMAN mit Benicio del Toro und Anthony Hopkins fällt gegenüber dem Original doch etwas schwermütiger und über manche Passagen auch langatmiger aus. Die Story selbst gab schon im Jahre 1941 nicht wirklich viel her, so das fasst 70 Minuten Spieldauer auch völlig ausreichend waren um keine unnötigen Längen zu Lasten des Zuschauers zu provozieren.

Es passt bei dem Original einfach alles, so das seine Sichtung durchaus auch heute noch Spaß macht. Doch seien wir ehrlich, was früher zur Jugendzeit z.B. bei unseren Eltern noch mangels Alternativen als Horror durchging, kann man heute nur noch als gut umgesetzten Gruselfilm mit einem gewissen Gothic-Einschlag wahrnehmen, der im Romanbereich ja gerne der weiblichen Leserschaft zugeordnet wird, obwohl es heute durchaus viele weibliche Leserinnen gibt, die es zumindest im Buch gerne auch einige Zacken härter haben wollen. Im Film jedoch, so habe ich mir von einigen Damen und weiblichen Fans der Horrorliteratur sagen lassen, will man nicht unbedingt etwas was zwar drastisch zu lesen ist, auch in ebenso drastischen Bildern verfilmt anschauen müssen. Das liegt auch etwas daran, dass man das eigene Kopfkino beim lesen doch noch unter einer gewissen Kontrolle hat, während im Film die Bilder unkontrolliert und ohne Filter auf einen einstürmen. Da passt dann so ein nostalgischer Klassiker wie DER WOLFSMENSCH wieder recht gut, um im heimischen Sofa schön aneinander gekuschelt etwas mehr als eine Stunde gemeinsam zu verbringen.

Will sagen: Auch wenn man mit den Jahren einiges mehr gewohnt ist, als dieser Film heute bieten kann, so ist dieser Film doch durchaus immer noch sehenswert und versprüht keine Sekunde lang Langeweile, was man leider von der Neuverfilmung THE WOLFMAN mit satten über 100 Minuten nicht völlig ausschließen kann, zumal er die Handlung doch auch durch seine schwermütige Art an manchen Stellen zieht wie einen alten Kaugummi. In diesem Sinne von mir für diesen Klassiker  mit einem gewissen Schmunzeln immer noch gute vier von fünf Sternchen (wenn ich denn welche vergeben dürfte).

Ausblick:
Nun hören wir aber mal auf, den Mond heulend hinter die nächste Wolke zu scheuchen und bewegen uns im nächsten Artikel mal wieder weg vom Horror- und Gruselbereich. Das Weltall ruft und keiner geht ans Telefon … ach nein, dass ging ja im Film von nächster Woche etwas anders.
Aber wenn schon nicht das Weltall ruft, dann doch zumindest die Aliens, die bei aller fortschrittlichen Technik ihr größtes Problem nicht mehr alleine in den Griff bekommen.

Aber ehrlich, kein Alien kommt einem auf halben Weg entgegen, rudert mit einem Arm in der Luft herum und sagt: „Alter von der Erde, komm mal rüber und pack mal eben mit an.“
Unsere Außerirdischen suchen schließlich auch eher Leute mit genügend Hirn im Kopf statt Schmalz in den Armen. Da man aber solche Erdlinge nicht per Annonce in der Tageszeitung suchen kann, unterzieht man sie natürlich einem außergewöhnlichen Test, vorzugsweise direkt an ihrem Arbeitsplatz.

Na, schon eine Idee welchen Film ich für euch am nächsten Samstag rausgesucht habe aus meiner Klassik-Sammlung?
Bisher seit ihr ja so etwas von fix, dass diese Hinweise eigentlich schon wieder für euch ausreichen müssten um den Titel gleich laut in den Raum zu schmettern.

Aber gut, ich sehe schon die rollenden Augen von euch vor mir, also gibt es noch einen Tipp von mir, aber dann muss gut sein.

Stellt euch einfach mal vor, ihr würdet wieder Kind sein und jemand liefert euch plötzlich unbestellt einen dieser schönen Fischer-Technik-Baukästen an (gibt es die überhaupt noch?). Ihr habt ihn zwar nicht bestellt, aber die Lieferpapiere scheinen in Ordnung zu sein und bezahlen müsst ihr auch nichts. Und dann macht ihr den Karton auf und findet zwischen den ganzen Teilen plötzlich einige Bauteile, die durchaus passen müssten, aber das Problem ist eher, dass es diese Bauteile eigentlich nach neustem Stand überhaupt nicht geben dürfte. Und schwupp … euer Test beginnt: Welchen Science Fiction Film bringe ich euch am nächsten Samstag etwas näher?

Und sagt mir bitte jetzt nicht, ihr könnt das Rätsel nicht lösen weil ihr früher nur mit Lego gespielt habt.
Der Wolfsmensch (The Wolf Man)
Der Wolfsmensch
(The Wolf Man)
mit Lon Chaney junior, Claude Rains, Evelyn Ankers, Bela Lugosi, Ralph Bellamy, Warren William, Partric Knowles, Maria Ouspenskaya, J. M. Kerrigan, Fay Helm, Forrester Harvey u.a.
Regie: George Waggner
Drehbuch: Curt Siodmak
Genre: Horror
Laufzeit: 67 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Universal-Pictures
Extras: 2 Disc Special Edition mit umfangreichen Zusatzmaterial
USA 1941

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Kommentare  

#1 Mainstream 2015-12-12 00:20
-
Oh ha, den "Ausblick" habe ich schon sehr lange
nicht mehr gesehen. Das ist ein sehr guter Hinweis,
um ihn mal wieder zur Gemüte zur führen. Ich kann
mich noch gut daran erinnern, das er mich als Kind
tatsächlich zum Nachdenken anregte, weil ich das
'Kalter Krieg' prinzip nicht wirklich verstand.
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#2 Andreas Decker 2015-12-12 12:09
Spätestens, nachdem Abott&Costello - wie ich diese dämlichen Parodien verabscheue - den Wolfsmann Bällchen spielen ließen, kann ich das Universal-Makeup nicht mehr so richtig ernst nehmen.

Für mich bleibt der Maßstab bis heute der dann oft nachgemachte Werwolf aus The Howling 1. Dem hat man wirklich geglaubt, dass er einen Stücke reißen kann.

Das ist schon ein sehr sorgfältig gemachter Film. Siodmak konnte schon was. Chaney jr. ist vom Typ her ein echter Allerweltsmensch, was die leise Romanze recht glaubhaft macht. Und was den schmalen Rains als Vater eher unglaubwürdig erscheinen lässt. Okay, das Wales hier ist das typische Hollywood-Europa, nur einen Schritt vom noch erfundenereren Kontintaleuropa wie zb in den Laurel&Hardy Filmen entfernt. Aber es passt genau wie die Operetten-Zigeuner, die noch weniger mit der Realität zu tun haben.

Denn der Film hat Atmosphäre, das okkulte Element schadet nicht, und man kann ihn immer noch gut sehen. Ganz im Gegenteil zu dem öden Remake, das in die Kategorie "Filme, die die Welt nicht braucht" gehört.

Und nächste Woche bauen wir einen Interrozitor? Cool :-)
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#3 Friedhelm 2015-12-12 18:07
Zitat:
Warum aber jetzt eine Metamorphose vom Menschen in einen Werwolf nur bei Vollmond einsetzen soll, dass bleibt das dunkle Geheimnis derer, die damals überhaupt diese Legenden der Werwesen in Umlauf gebracht hatten.
Diese Vollmondgeschichte hat der Drehbuchautor selber erfunden. Und Siodmak war dann auch für die 3. Fortsetzung mit dem Titel "Frankenstein meet the Wolfman/1943" zuständig.

In einigen Naschy-Werwolfmovies gibt es gar keinen Vollmond, der zur Verwandlung führt Und in Joe Dantes "Das Tier/The Howling" kann das - wenn mich nicht alles täuscht- von den Charakteren selber herbeigeführt werden.

Zu meinen alten "Super 8-Zeiten" hatte ich auch Chaneys "House of Frankenstein/1944 im Heimkino. Dieser und besagte 3. Fortsetzung befindet sich jetzt -in Originalfassung- in meinem DVD-Archiv.. Seems like old Times...

Ach ja, der Ausblick....Ein Hoch auf den Mutanten mit dem Riesenschädel...
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#4 DarkDancer 2015-12-12 19:07
Nur der Korrektheit halber..bei den Wölfen der Twilight Sags handelt es sich mitnichten um Werwölfe sondern um Gestaltwandler.
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#5 Mainstream 2015-12-13 00:46
-
Die riesen Schädel im "Ausblick" blieben mir echt im
Hirn hängen. Selbst als Jugendlicker, war mir das zu
auf gesetzt. Ich habe den Film in keiner guten Erinnerung.
Bin gespannt auf die Wiederholung.
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#6 Laurin 2015-12-13 00:58
@ DarkDancer:
Ein Werwolf ist ein Gestaltwandler. Hier mal einige Zitierungen zum Thema Gestaltwandler oder Formwandler usw. die ich hierzu mal rausgesucht habe:

Zitat 1.:
"Der Begriff Formwandler, Gestaltwandler oder Metamorph bezeichnet fiktive Wesen oder Sagengestalten, die ihre eigene äußere Form verändern können."

Und...

Zitat 2.:
"Eine Art kann von der eigenen (meist menschlichen) Form in die einer anderen Spezies (meist Tiere) wechseln. Bekannte Beispiele sind Werwölfe (siehe auch Lykanthropie) und Vampire."

Im Prinzip sind die Wölfe also in der Twilight-Saga ebenfalls nichts anderes als Werwölfe. Gestalt- oder Formwandler sind nämlich Oberbegriffe hierzu. ;-)
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#7 DarkDancer 2015-12-13 10:40
@ Laurin
Der klassische Werwolfmythos wie ich ihn kennengelernt habe besagt das ein Werwolf sich bei Vollmond verwandelt und seine Opfer sich ebenfalls bei Vollmond verwandeln.
Dieses trifft bei den Quileute nicht zu weshalb ich diese nicht zu den "klassischen" Werwölfen zählen mag.Selbst die Autorin versteht sie nicht als solche.
Gruß
DD
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#8 Laurin 2015-12-13 11:04
@DarkDancer:
Richtig, die Autorin Stephenie Meyer benutzt diesen Kniff nämlich, um hier eine Einteilung zwischen guten und bösen Gestaltwandlern vorzunehmen. Dazu hier nochmal ein Zitat.

Zitierung hierzu:
"Ebenfalls eine große Rolle spielt der Werwolf in Stephenie Meyers Twilight-Reihe. Dort sind es die Heranwachsenden des Quileutestamms (eines auf der Olympic-Halbinsel, im Nord-Westen Washingtons, lebenden Indianerstammes), die sich zum Schutz ihres Stammes in riesige Wölfe verwandeln. Diese Verwandlung dient speziell dem Schutz vor ihren Erzfeinden, den Vampiren. Später jedoch stellt sich heraus, dass die Werwölfe Gestaltwandler sind. Die "echten" Werwölfe wurden bereits fast ausgerottet, jedoch existieren sie dort auch und verwandeln sich nur bei Vollmond."

Es gibt darüber hinaus auch mittlerweile Werwolf-Romane (und Filme) die sich nicht mehr an die klassische Vollmond-Sage halten. Siehe hierzu z.B. die Filme zu UNDERWORLD. Die Auslegungen können also bei allen voneinander getrennten Geschichten anders sein, ändern aber nichts daran, dass Werwölfe eben durch die Möglichkeit der Verwandlung zu den Gestalt- oder Formwandlern gehören. Unabhängig erst einmal davon, wie wir den Mythos kennengelernt haben. Ob ich also der Auslegung von Frau Meyer in ihren Romanen bzw. Filmen folge oder nicht, ist daher eine persönliche Positionierung des Einzelnen. In der Sache will ich dir diese Meinung also auch nicht nehmen wollen, aber sie ist im Genre gesehen nicht allgemeingültig, was Gestaltwandler angeht. Abgesehen davon lässt Fr. Meyer ihre Vampire ja auch am Tage herumlaufen (und im Sonnenlicht glitzern), was ebenfalls nicht dem klassischen Vampir-Mythos entspricht. Es handelt sich also auch in diesem Punkt um eine rein auf die Filmreihe (die ich sogar recht gerne mag) bezogene Variante und ist im Genre nicht allgemeingültig.
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#9 DarkDancer 2015-12-13 11:27
Klar hast Du völlig recht. Man kann jedes Wesen welches die Erscheinung wechseln kann mit Fug und Recht als Gestaltwandler bezeichnen.
Bleiben wir aber mal im Twilight Universum tritt die Fähigkeit zur Verwandlung nur zutage wenn Vampire den Stamm bedrohen oder in der Nähe sind. Was natürlich klar gegen Werwölfe spricht deren Verwandlungszyklen doch recht pünktlich eintreten.
Uber die Glitzervampire mmöchte ich lieber gar nicht erst reden.
Gruß
DD
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#10 Laurin 2015-12-13 17:39
Wie gesagt, wer an dem Mythos festhalten will, dass Werwölfe sich nur bei Vollmond verwandeln, der soll dies auch tun. Frei nach dem Motto, jedem das was er mag und für gut befindet. Aber letztendlich sollte man die Umdeutungen und Veränderungen die in den Tweilight-Filmen gemacht wurden, um sie für die zugrunde liegende Love-Story zu nutzen, nicht zum Maßstab machen, dafür ist dieser Bereich des Genre und die verschiedenen vorgenommenen Modernisierungen und Änderungen bereits im Vorfeld zu umfangreich gewesen. Es ist eben wie bei meinem oberen Beispiel: Die Wölfe heulen den Vollmond an - das ist richtig und doch zugleich falsch, weil sie jeden Mond anheulen, voll oder eben auch nur halbvoll. ;-)
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#11 Johannes 2015-12-13 22:28
Wie klassisch der Film ist und wie groß sein Einfluss, sieht man daran, dass der Werwolf heute untrennbar mit dem Vollmond verbunden ist. Wie Friedhelm treffend anmerkte, ist das tatsächlich eine Erfindung des Drehbuchautors. In den alten Sagen des Spätmittelalters und vor allem der frühen Neuzeit ist ausschließlich eine gewollte Verwandlung belegt. Der Mensch verkauft seine Seele dem Teufel, um als Werwolf seine Mordlust stillen zu können. Mittels eines Gürtels oder Rings aus Wolfshaaren erfolgt die Verwandlung.
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#12 Laurin 2015-12-13 23:51
Ob das jetzt tatsächlich eine Erfindung des Drehbuchautoren war? Ich habe da noch mal ein kleines Zitat für euch gefunden:

Zitat:
"Petronius Arbiter, ein Satiriker des 1. Jahrhunderts, erzählt im Gastmahl des Trimalchio von einem Mann, der sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt (...)"

Ob der Drehbuchautor darüber aber Kenntnis hatte, kann ich leider nicht nachvollziehen. Möglich wäre es aber. Und nochmal zum "Vollmond", da gibt es weitere Zitierungen quer durch die Geschichte, wo dieser auch wiederum keine Rolle innerhalb der Mythologie bzw. den Volkssagen spielt.
Aber nun lasse ich es mal gut sein, denn so tief wollte ich mich eigentlich nicht in die Werwolf-Historie hinein graben, wie ich es gerade hier zu den Kommentaren tue.
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#13 Johannes 2015-12-14 20:57
zitiere Laurin:
Ob das jetzt tatsächlich eine Erfindung des Drehbuchautoren war? Ich habe da noch mal ein kleines Zitat für euch gefunden:

Zitat:
"Petronius Arbiter, ein Satiriker des 1. Jahrhunderts, erzählt im Gastmahl des Trimalchio von einem Mann, der sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt (...)"

Ob der Drehbuchautor darüber aber Kenntnis hatte, kann ich leider nicht nachvollziehen. Möglich wäre es aber. Und nochmal zum "Vollmond", da gibt es weitere Zitierungen quer durch die Geschichte, wo dieser auch wiederum keine Rolle innerhalb der Mythologie bzw. den Volkssagen spielt.
Aber nun lasse ich es mal gut sein, denn so tief wollte ich mich eigentlich nicht in die Werwolf-Historie hinein graben, wie ich es gerade hier zu den Kommentaren tue.

Nicht ganz richtig, Laurin. Von Vollmond ist bei Petronius keine Rede:

"Wir machten uns gegen Mitternacht, wann die Hühner schreien, auf den Weg; der Mond schien so helle, als wenn es Mittag wäre. Wir gingen endlich nun über die Gräber. Da fing auch mein Kerl an, die Sterne zu beschwören; ich aber zählte die Sterne und sang vor lauter Angst darauf. Wie ich mich nach meinem Begleiter umsah, so zieht er sich fasernackend aus und legt alle seine Kleider an den Weg. Es schwindelte mir vor den Augen und meine Seele wollte aus der Nase fahren. - Er aber pisste einen Kreis um seine Kleider und plötzlich stand er als ein Wolf da."

Es ist aufgrund der Tatsache, dass der Mond die Mitternacht taghell erleuchtet, von Vollmond auszugehen. Einen Zusammenhang mit der Verwandlung gibt es aber nicht. Den hat eher das Ritual, um seine Kleidung herum zu urinieren.
Die Verwandlung als unwillentlicher Akt, als Fluch, bei Vollmond, sowie die Abneigung gegen Silber stammen aus obigem Film (Zitat Wikipedia: "Das heutige westliche Bild des Werwolfes wurde vor allem durch Filme geprägt. So führte Curt Siodmak im Jahre 1941 in dem Film The Wolf Man die Idee ein, dass Menschen, die von einem Wolf gebissen werden, bei Vollmond zu einem Werwolf mutieren, und dass Silber das einzige Mittel sei, ihn zu töten."
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#14 Laurin 2015-12-14 22:28
Nun ja, Johannes, die Aussage (Zitat) stammt ja nicht von mir, sondern ist eine Auslegung des Textes, den du ja hier passender Weise mal etwas ausführlicher beiträgst.
Aber zumindest weiß ich jetzt, warum ich Werwölfen noch nie wirklich viel abgewinnen konnte, wenn die ihre eigenen Kleider versuchen mit Urin zu markieren. :lol:
Aber Spaß beiseite, Danke für den erhellenden Textbeitrag seitens Petronius.
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#15 Johannes 2015-12-15 00:00
Wer weiß schon, wie viele Werwölfe enttarnt wurden, weil ihre Kleidung unerklärlicherweise immer nach Ammoniak und Tierurin roch? :lol:
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