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Ein phantastischer Filmklassiker - Eine Gottheit als Dämon im Christentum

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 44
Eine Gottheit als Dämon im Christentum

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Manchmal bekommt der Teufel hier auch Besuch aus der mythologischen Ecke.


Der Exorzist (The Exorcist)Der Exorzist (The Exorcist)
Nun seien wir ehrlich, man kann in der Bibel eigentlich suchen bis man schwarz wird, aber einen Dämon mit dem Namen Pazuzu wird man dort nicht finden.

Dabei ist Pazuzu nicht einmal eine Erfindung eines phantasievollen Autors wie William Peter Blatty, denn Pazuzu dürfte schon bekannt gewesen sein, lange bevor das Christentum mit Jesus um die Ecke geschlichen kam.

Pazuzu ist nämlich ein Dämon der babylonischen sowie assyrischen Mythologie und galt als Beherrscher des kalten Windes, der neben eben der Kälte auch das Fieber verbreitete.

Als Dämon hat er jedoch ebenfalls familiäre Verbindungen und so gilt er wiederum als Sohn des Dämons Hanbu.

Keine Angst, ich werde jetzt nicht die gesamte Mythologie hier zum besten geben, zumal dies mittlerweile auch recht schwer sein dürfte, dieses noch genau in allen Einzelheiten hier zusammen zu bekommen. Aber wir schreiben hier ja einen Filmartikel und keine geschichtlich-religiöse Doktorarbeit. Nur seien wir mit der Stigmatisierung als Dämon im christlichen Sinne hier vorsichtig, denn die Bezeichnung „Dämon“ hatte in anderen Religionen und Mythen durchaus auch einen anderen Stellenwert. So brachte dieser Dämon Pazuzu nicht nur Krankheit und Kälte, sondern wurde gleichsam auch wiederum als Schutzdämon betrachtet, der wiederum gegen andere böse Wesenheiten Schutz bieten sollte. In diesem Sinne wurde Pazuzu, selbst nicht gerade der Typ Kumpel von nebenan, durchaus von den Menschen auch angebetet bzw. verehrt.

Die generelle Besetzung der Bezeichnung „Dämon“ als grundlegend negativ verdanken wir wiederum dem Christentum. Und hier auch gleich genannt der Unterschied zum Judentum, denn das Judentum kennt eigentlich überhaupt keine Hölle im christlichen Sinne. Dies möchte ich hier nur zur Klarstellung mit einfügen, denn nur zu leicht schmeißt man heute so einiges zwischen Christentum und Judentum im religiösen Sinne durcheinander.

Doch seien wir auch hier ehrlich, denn auch der Gott des Christentums war nicht immer der Vertreter von Güte, Nettigkeit und Frieden. Das frühe Christentum kannte durchaus Gott auch als eine äußerst rachsüchtige Figur, die sich nicht scheute, auch mal die Opferung eines Erstgeborenen zu verlangen oder gleich ganze Städte in Schutt und Asche legte, wenn ihm der Lebenswandel der dort lebenden Menschen zu sehr gegen den Strich ging. Der freie Wille, den Gott laut der Kirche den Menschen heute gerne zugesteht ist schlicht ein Produkt der häufigen Anpassungen der Bibel eben durch die Menschen selbst an dem jeweils vorherrschenden Zeitgeist.

Der Exorzist (The Exorcist)Auch sonst gibt es mittlerweile einige Ungereimtheiten in der Bibel zu finden, denn Luzifer und Satan sind nicht eindeutig ein und dieselbe Figur. Luzifer gilt als ein Erzengel, der sich gegen Gott auflehnte und mit seinen Getreuen von Gott deshalb aus dem Himmel verbannt wurde. Satan indessen kommt in der Bibel sehr wohl einmal kurz vor, jedoch eher in der Position eines Richters. Das Böse selbst wird im frühen Christentum eher ungenau als „Das Tier“ bezeichnet, wobei jedoch wiederum keine wirklich eindeutigen Verbindungen zu Luzifer oder Satan hergestellt werden. Pazuzu kam also irgendwie in diese Geschichte hinein wie die Jungfrau zum Kinde, denn das Christentum hatte bei seiner Ausbreitung die nette Angewohnheit, die von den Menschen vorher angebeteten übermenschlichen Wesenheiten in die Reihen der Höllenvertreter einzureihen, man sollte ja schließlich keine anderen Götter neben dem „einzigen wahren“ Gott haben.

Eine Verbindung stellte sich dann jedoch doch dar in Form von Adams erster Frau vor Eva im Paradies – Lilith. Babylonisch kennt man sie auch als Lilitu, was im hebräischen wiederum „weiblicher Dämon“ bedeutet. In der sumerischen Mythologie wird aus ihr wieder eine Göttin mit Verbindung eben auch zu Pazuzu. Und ganz nebenbei wurde aus ihr später die erste Vampirin, die Kindern das Blut aussaugt. Man merkt also, dass das frühe Christentum gerne andere, zumeist sogar kleinere Religionen sprichwörtlich assimilierte. Hier als Beispiel zu nennen wäre auch die Gottheit Baal, die ebenfalls als Dämon in die Hölle verschoben wurde.

Weitere Besonderheiten von Pazuzu, der als Mischwesen mit Löwenkopf, Füßen eines Adlers, dem Schwanz eines Skorpions sowie einem schlangenförmigen Penis und vier Flügeln dargestellt wird, liegt in seiner Schutzfunktion gegen Lamastus (noch ein Dämon), der das Leben der Mütter und Kinder angeblich im Kindbett bedroht. Hier gibt es nämlich wiederum Parallelen zum ägyptischen Dämon Bes, der damit ebenso einen Bezug zu Pazuzu haben könnte. Die weitere Besonderheit besteht in seiner Darstellung als Statue. Denn während sein Kopf als Schutzamulett getragen wurde, weisen seine Arme und Hände als Statue stets einmal nach oben und einmal nach unten. Dieses wird ausgelegt nach dem Grundsatz: „Wie hier oben, so dort unten“.

Die gleiche Arm- und Handhaltung nach oben wie nach unten findet man wiederum bei dem ziegenköpfigen und geflügelten Baphomet (Darstellung von Eliphas Levi) der auf der Weltenkugel sitzt. Baphomet wiederum gilt sowohl als Dämon wie auch als Sinnbild des Teufels selbst, den angeblich die Tempelritter im geheimen angebetet haben sollen, als sie von der Kirche verfolgt wurden (die Gründe ihrer Verfolgung durch die Kirche hatten allerdings eher rein weltlich bezogene Hintergründe). Nun kann ich diese optisch gleiche Besonderheit recht gut betrachten, denn in meinem Wohnzimmer steht sowohl eine recht große Figur des Baphomet, als auch die Nachbildung des Pazuzu, dessen Standfigur man im Louvre (Museum in Paris) bewundern kann.

Faktisch könnte man also sagen, Pazuzu ist eigentlich nur zu Besuch beim Christentum und dort irgendwie in die Familie mit aufgenommen worden. Seit er sich jedoch mit dem Jesuitenpater Lankester Merrin im Film DER EXORZIST angelegt hat, wurde Pazuzu zu einer Art Superstar, der mitunter einige Gastauftritte absolviert. Sei es nun in der Zeichentrickserie FUTURAMA, in einem Musikvideo der Band GORILLAZ oder als künstliche Intelligenz auf der Basis von Nanotechnologie in der SF-Romanserie PERRY RHODAN.

SzenenfotoVom vorchristlichen Dämon zum Superstar:
Doch genug der Querverbindungen religiöser Art oder anderen hübschen Besonderheiten zu einer Figur der frühen Mythologie, denn zum Star wurde Pazuzu schlicht durch einen Horrorfilm nach dem gleichnamigen Roman von William Peter Blatty (der auch das Drehbuch beisteuerte) im Jahre 1973, dessen Spezialeffekte nicht unbedingt zu dieser Zeit wirklich weltbewegend neu waren, jedoch dafür sorgten, dass mancher Erwachsene recht blass um die Nase herum das Kino verließ. Eigentlich dürfte es niemanden geben, der diesen Film nicht kennt, zumal er ungeschnitten sogar seit längerem ab 16 Jahre freigegeben (mit rund 10 Minuten zusätzlichem Material gegenüber 1973) als DVD bzw. Blu-ray überall erhältlich ist.

Und eigentlich nennt man diesen Film immer noch in einem ehrfürchtigen Ton, denn wohl kaum ein anderer Horrorfilm hat den damals erwachsenen Zuschauern in den Kinos dermaßen Gänsehaut und Angst beschert, wie eben der Film DER EXORZIST.

Sein Ruf und sein Erfolg sorgten schlicht dann auch für weitere Fortsetzungen und einigen Prequels bis hin zu einer Persiflage im Jahre 1990, in der die damalige Hauptdarstellerin Linda Blair wieder neben dem Komiker Leslie Nielsen in die Rolle der Besessenen schlüpfte. Diese Fortsetzungen usw. kamen jedoch alle nicht annähernd mehr an diesen Erfolg von DER EXORZIST heran. Der Originalfilm DER EXORZIST lief diesen weiteren Verfilmungen sogar nochmals den Rang ab, als er als Director's Cut (mit eben den 10 Minuten Zusatzmaterial) und digital überarbeitet im Jahre 2001 erneut die Kinokassen mehr als ordentlich klingeln ließ. Schauen wir also in gebotener Kürze einmal in die Handlung hinein, die selbst gestandene Männer nach dem Kinobesuch sich ängstlich in der Nacht umschauen ließen.

SzenenfotoVom Nordirak nach Washington D.C.:
In einer Ausgrabungsstätte im Nordirak findet Pater Merrin weitere Nachbildungen eines heidnischen Dämonen namens Pazuzu, was ihn sichtlich beunruhigt. Bei einem Gespräch darüber bleibt sogar eine Pendeluhr plötzlich stehen. Der Jesuitenpater beschließt daraufhin umgehend wieder nach Washington D.C. zurück zu kehren, zumal er auch gesundheitlich mehr als angeschlagen ist, um die klimatischen Strapazen weiter über sich ergehen lassen zu können.

In Georgetown, einem Stadtteil von Washington D.C. Hadert indessen der Jesuitenpater Damien Karras nicht nur mit seinem Glauben an Gott, sondern leidet auch darunter, dass er seiner kranken Mutter nicht helfen kann, die in einem heruntergekommenen Mietshaus ein eher kärglisches Leben fristet. Als sie von ihrem Bruder in ein armseliges Krankenhaus für Mittellose und Geisteskranke gebracht wird, wo sie bald darauf verstirbt, macht Karras sich selbst Vorwürfe und hadert noch mehr mit seinem Glauben, weshalb er sich auch von seiner Aufgabe als psychiatrischer Berater entbinden lassen möchte.

Während es in einer Kirche in Georgetown zu einer obszönen Schändung einer Marienstatue kommt, bewohnt im gleichen Stadtteil die Schauspielerin Chris MacNeil mit ihrer 12-jährigen Tochter Regan, sowie dem Kindermädchen Sharon Spencer und dem Hausdiener Karl samt seiner Frau eine Stadtvilla während der laufenden Dreharbeiten zum neusten Film des Regisseurs Burke Dennings. Des Nachts jedoch wird Chris immer wieder durch seltsame scharrende Geräusche auf dem Dachboden geweckt. Sie hält diese für Geräusche von Ratten. Doch selbst als Karl Fallen aufstellt, wird keines dieser unliebsamen Hausbewohner gefangen oder entdeckt. Jedoch scheint auch Regan zunehmend gesundheitlich angeschlagen, weshalb man sich dazu entschließt, sie umfangreich auf krankhafte Störungen im Gehirn zu untersuchen.

SzenenfotoHierbei zeigt das eher wohlerzogene und stille Mädchen plötzlich immer intensivere Verhaltensstörungen, bei denen sie höchst aggressiv und selbstzerstörerisch agiert und auch äußerst obszöne Äußerungen tätigt, die man so von ihr noch nie vernommen hatte. Sowohl die Untersuchungen am Gehirn als auch jegliche psychiatrische Behandlung scheinen fehl zu schlagen, während Regans Verhalten sich immer weiter verschlimmert. Eines Abends bei einer Party im Haus taucht Regan plötzlich im Nachthemd unter den Gästen auf und uriniert im stehen, während sie einem Astronauten der NASA mitteilt, dass er bei seiner nächsten Mission dort oben sterben wird. An einem weiteren Abend, an dem Sharon auf Regan achten soll, verlässt diese das Haus um für das Mädchen wichtige Medikamente zu besorgen, während Dennings, der gerade zu Besuch ist, auf sie aufpassen soll. Als Chris zurück kehrt, ist Regans Zimmerfenster bei hoher Kälte weit geöffnet und niemand ist bei ihr. Zur Rede gestellt gibt Sharon an, Dennings habe sich während ihrer Abwesenheit bei Regan  befunden, doch von ihm fehlt jegliche Spur.

Kurz darauf erhalten sie jedoch durch Lieutenant Kinderman vom Morddezernat die Mitteilung, dass man Dennings Leiche am Fuße einer langen Treppe gefunden hat, die direkt unter dem Zimmerfenster von Regan entlang führt. Sein Kopf war dabei um 180 Grad verdreht, was für Kinderman nicht unbedingt durch einen Sturz aus dem Fenster zu erklären ist.

Zu den aggressiven Reaktionen Regans kommen nun noch höchst seltsame Spasmen, bei der sich sogar das Bett bewegt, obwohl sich Cris selbst mit darauf befindet. Die Ärzte gehen mittlerweile von einer gespaltenen Persönlichkeit bei Regan aus und müssen eingestehen, dass sie mit ihrem gesamten Wissen am Ende sind. Man schlägt Chris daher vor, einen Exorzismus durchführen zu lassen, in der Hoffnung, dass der Schock einen heilsamen Effekt auslösen könnte. Für Chris, die selbst nicht religiös ist, grenzt diese angedachte Methode jedoch an blankem Wahnsinn.

SzenenfotoEinige Zeit später, in der sich Regans Zustand immer weiter verschlechtert hat, wendet sich Chris jedoch verzweifelt an Pater Karras, der wiederum selbst einem Exorzismus eigentlich rational ablehnend gegenüber steht. Er verspricht jedoch, sich Regan einmal intensiv anzusehen. Was ihn hierbei erwartet, übersteigt sein bisheriges Weltbild. Regan ist nicht nur äußerst aggressiv, sondern scheint auch Sprachen zu sprechen, die sie nie gelernt hat und Dinge mit reiner Geisteskraft bewegen zu können. Selbst die schlimmen Ereignisse aus Pater Karras kürzlicher Vergangenheit scheint sie zu kennen, obwohl sie sich noch nie vorher im Leben begegnet sind. Zwar zweifelt Karras immer noch daran, dass Regan von einem Dämon der Hölle besessen sein könnte, doch vorsorglich leitet er das Ansinnen von Regans Mutter weiter um gegebenenfalls eine Erlaubnis zu einem Exorzismus zu erhalten.

Die Aktivitäten des Bösen werden jedoch immer offensichtlicher und bedrohlicher, so das man Regan bereits ans Bett fesseln muss, während sie körperlich trotz ihres Terrors gegen die Familie immer weiter zu verfallen scheint. Bischof Michael erlaubt daher die Durchführung eines Exorzismus. Da Pater Karras allerdings in seinem Glauben schwankt und er auch hierzu keinerlei Erfahrung aufweisen kann, stellt man ihn dem darin erfahrenen Pater Merrin zur Seite, den man extra für diesen Fall ruft. Schließlich hatte Merrin bereits einmal in Afrika eine Teufelsaustreibung vorgenommen, bei der er nach eigener Aussage auf den Dämon Pazuzu traf. Was Pater Merrin jedoch noch nicht ahnt, ist die Tatsache, dass er bei Regan wieder auf seinen dämonischen Widersacher  von damals treffen wird. Auch Kinderman bleibt hartnäckig am Fall und sucht einen möglichen Täter im Umfeld des Jesuitenordens, weshalb er sich intensiv an Pater Karras hängt.

Als Merrin und Karras den Exorzismus beginnen, ist Merrin noch voller Hoffnung, auch dieses mal den Dämon besiegen zu können und Regan zu retten, auch wenn man mit äußerster Vorsicht und Disziplin vorgehen muss. Doch welchen grausamen Preis sie hierfür beide zu zahlen haben, wird ihnen erst im Verlauf des Rituals bewusst.

SzenenfotoMeine Filmkritik:
Ja, nach mehrmaligem ansehen merkt man durchaus die kleinen Mankos im Film, die eigentlich nur darin bestehen, dass nicht alle Szenenanschlüsse wirklich sauber gemacht wurden. Als „plump“ und „minderwertig“ kann man den Film deshalb trotzdem nicht bezeichnen, wie dies seitens der Kritik geschehen ist (siehe hier Wikipedia/Filmkritik von William K. Everson).

Ganz im Gegenteil, denn dieser Film schaffte damals eigentlich das, was man sich von einem Horrorfilm eigentlich immer erhofft, was aber schlicht kaum wirklich gelingt. Er machte den Zuschauern Angst und das manchmal in beträchtlichem Maße. Und selbst heute, durch mehrmaliger Sichtung eher abgehärtet, hinterlässt der Film DER EXORZIST immer noch ein ziemlich mulmiges Gefühl bei mir. Da verwundert es mich auch, dass der längere Director's Cut nach nochmaliger Prüfung in Deutschland von einer Freigabe ab 18 Jahre auf nunmehr 16 Jahre heruntergestuft wurde. Denn letztendlich gibt es im Bereich Horrorfilme eine Menge, bei der man die Freigabeeinstufung ab 18 Jahre nur mit einem verständnislosen   Kopfschütteln quittieren kann.

Gute Horrorfilme hinterlassen bekanntlich ja eher eine gute Portion Nervenkitzel und Gänsehaut. DER EXORZIST hingegen ging bei der ersten Sichtung weit darüber hinaus und bescherte selbst meinen Eltern eher eine schlaflose Nacht. In diesem Sinne dürfte es kaum übertrieben sein, wenn man den Film gerade für den Zeitraum seiner Entstehung und Erstsichtung als Überragend in seinem Genre bezeichnet. Kaum ein anderer Horrorfilm hat schließlich eine weltweite Diskussion in diesen Dimensionen auslösen können. Dabei fällt nicht einmal auf, dass in der Rolle der Regan nicht nur die damals noch sehr junge Darstellerin Linda Blair schlüpfte, sondern auch Eileen Dietz, die ebenso wie Mercedes McCambridge (sie steuerte die dämonische Stimme hinzu) nicht im Abspann erwähnt wurde. Nur McCambridge erstritt sich per Gericht später ihre nachträgliche Namensnennung, auch wenn sie im Film selbst nicht zu sehen ist.

Für mich persönlich ist und bleibt der Film DER EXORZIST daher ein Meilenstein des Horrorgenre, an dem selbst seine diversen Fortsetzungen und Prequels nicht einmal mehr im Ansatz heran reichen konnten. An sich (selbst alles andere als ein religiöser Mensch) mag ich diese Form des Horrors am liebsten. Da kommen auch die eher klassischen Formen mit Vampiren, Werwölfen und anderen Monstern nicht wirklich mit, auch wenn es hier durchaus einige Perlen im filmischen wie literarischen Sinne gibt.

Der Effekt, den man bei der ersten Sichtung des Filmes gehabt hat, ist natürlich merklich zurück gegangen, je häufiger man den Film gesehen hat. Doch der Reiz ist einfach geblieben, so das ich den Film in gebührenden Abständen immer wieder einmal gerne sehe und mich auf die leichte Gänsehaut freue, die er mir immer noch zu bescheren weiß.

SzenenfotoUnd so sehr man als Fan des Genre auch hofft, dass es einmal jemandem wieder gelingen sollte, einen Horrorfilm zu drehen, der dermaßen unter die Haut geht, so bin ich doch der Meinung, dass man auf diesen wird ziemlich lange warten müssen. In Sachen phantastischer Filmklassiker und explizit dem Horrorfilm kommt man meiner Meinung nach einfach nicht um den Film DER EXORZIST herum. Aus diesem Grunde bekommt er auch noch heute von mir fünf (ach, was sage ich, zehn...) von möglichen fünf Punkten und darf eigentlich nicht in einer ordentlichen Genre bezogenen Sammlung fehlen.

Ausblick:
Ja, wir bleiben noch etwas bei der Besessenheit und wenden uns einer Filmreihe zu, dessen erster Film längst schon ein (durchaus ansprechendes) Remake erfahren hat. Spätestens nach dem zweiten Teil der Filmreihe flachte auch diese Reihe immer etwas mehr ab, weil man schlicht begierig war, möglichst schnell Fortsetzungen in die Kinos zu bringen um die Kuh zu melken, solange sie noch auf vier Beinen stehen konnte.

Das Thema Besessenheit wurde in dieser Filmreihe eigentlich jedoch erst richtig im zweiten Teil der Reihe thematisiert, während das Böse sonst mehr oder weniger eher unsichtbar wirkte.

Da rankten sich um ein bestimmtes Haus bald auch einige weitere unheimliche Legenden aufgrund der Thematik der Filme, bis das man sich entschloss, es schlicht äußerlich umzubauen, damit es aus dem Fokus etwas heraus kommt und weniger Angriffsfläche für diverse, über die Filme hinaus gehende Gerüchte, zu bieten. Schließlich wollten die eigentlichen Bewohner  nicht ständig gefragt werden, wie sie die letzte Nacht in diesem (Höllen-) Haus „überlebt“ hatten. So etwas passiert eben, wenn zwischen Fiction und Realität die Grenzen für die Menschen verschwimmen. Der Werbung für die Filmreihe hat es indessen eher genutzt als geschadet.

An DER EXORZIST kommt dieser zweite Beitrag der Filmreihe natürlich nicht heran, jedoch muss ich hier einmal von mir aus äußern, dass er um Längen spannender und gruseliger ist als z.B. die ersten zwei Fortsetzungen von DER EXORZIST.

Als DVD z.B. ist dieser zweite Teil seit geraumer Zeit wenn, dann nur noch gebraucht zu bekommen, wobei eventuell auch diverse preisliche Vorstellungen jenseits von Gut und Böse liegen können, denn hier hat mancher Anbieter ja durchaus die Fraktion der Sammler scharf ins Auge gefasst. Mir gelang es nach einigem suchen und ausharren dann doch, zu einem recht fairen Preis eine DVD zu ergattern.

Was für den Freund meiner Rätsel hier noch interessant sein könnte ist schlicht der Umstand, dass man diesen zweiten Teil locker vor eben dem ersten Film sehen kann. Behandelt doch diese Fortsetzung eigentlich die Vorgeschichte zum Inhalt des ersten Films.

Nun könnte ich ja noch den Namen der Stadt (oder ist es nur der Stadtteil?) nennen, in dem das ganze spielt. Doch dann wäre dieses Rätsel, um wessen Film es sich nächstes mal handelt auch faktisch gelöst. Also werde ich euch diesen Gefallen nicht tun. Einen kleinen Hinweis gebe ich euch aber doch noch. Das Haus, in dem sich die Handlung abspielt, liegt an einem großen See.

Na, schon eine Idee? Dann mal viel Spaß beim rätseln.

Und für die darauf folgende Folge (Teil 46) dieser Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER habe ich dann einen Film für euch im Auge, der wiederum über dem recht schmalen Grad zwischen Science Fiction und Horror wandelt.

Der Exorzist (The Exorcist)
Der Exorzist
(The Exorcist)
mit Linda Blair/Eileen Dietz, Ellen Burstyn, Max von Sydow, Lee J. Cobb, Jason Anthony Miller, Barton Heyman, Jack McGowran, Kitty Winn, William J. O'Malley, Rudolf Schündler, Vasiliki Maliaros, Titos Vandis, Donna Mitchell, Peter Masterson,  Thomas Bermingham, Robert Symonds, Arthur Storch, Wallace Rooney u.a.
Regie: William Friedkin
Drehbuch und Romanvorlage: William Peter Blatty
Genre: Horror
Laufzeit: 127 Minuten/Director's Cut
DVD/FSK: 16 Jahre/nach einer späteren Neuprüfung
USA 1973

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2016-05-07 11:40
Das ist mal ein Film, der mit den Jahren sehenswerter wurde. Die Aufnahmen von New York, das in der Zeit pleite war und verfiel, die alten Viertel, die Menschen im Hintergrund, die Depression des Ganzen. Man vergleiche das mit dem disneyfizierten NY, das heute meistens abgefilmt wird.

Das Gruseligste ist für mich ist nicht der pathologische religiöse Irrsinn, der hier für bare Münze genommen in der Mitte der Geschichte steht, sondern die Medizin, mit der das arme Kind traktiert wird. Die Szene, in der Regan im Krankenhaus gequält wird, die ja sehr realistisch ist, geht ins Mark. Wenn man so was sieht, kann man nur dankbar für die Fortschritte sein. Ist eindringlicher als die "Schockszenen", wenn eine 12jährige rumflucht.

Ehrlich gesagt ist mir die Schundversion vom Exorzisten, "Das Omen" lieber, weil er launiger und viel pathetischer ist. Der Exorzist ist eigentlich nur gruselig, weil zu viele Leute das irgendwie glauben.

Großartige Zusammenfassung der Hintergründe übrigens. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die Filmreihe der nächsten Woche hat mich absolut kalt gelassen. Die mauen Fortsetzungen vom Exorzisten zu übertrumpfen ist nicht schwer, und das Ganze ist so ein Schwachsinn. Als hätte "das Böse" nichts besseres zu tun, als sich im Kleinstadtamerika einzunisten. Andererseits, wenn man die Vorwahlkampfberichte verfolgt, kommt man ins Grübeln ...

Sag mal, de Ossorio muss doch dein Lieblingsregisseur sein :lol: Die sollen wohl alle vier dieses Jahr als neue unrated DVD rauskommen.
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#2 Friedhelm 2016-05-07 15:04
Moin...Moin....irgendwie komme ich in letzter Zeit nicht mehr sooft dazu, die Artikel im Zauberspiegel zu lesen. Aber wenn, dann macht es immer wieder Spass. Als dann...

Also, ganz ehrlich, Friedkins' "Exorizist" ist tatsächlich der erste Horrorfilm, bei dem mir "die Haare zu Berge standen.." Danach konnte ich nächtelang nur bei Licht schlafen - immerhin war ich da erst 14 Jahre alt. Ich wurde ja des öfteren gefragt, wie ich es damals geschafft habe, in die Vorstellung zu kommen. Ist ja immer gut, wenn man den Typen an der Kasse recht gut kennt, gelle?

2000 habe ich dann den Directors' Cut gesehen, und da war dann irgendwie doch "die Luft raus." Ich finde schon, dass die deutsche Neu-Synchro dem Film beträchtlich geschadet hat - der Teufel spricht mit verfremdeter Computer-Voice - ehrlich lachhaft...

Direkte Fortsetzungen hat es ja nur zwei gegeben.. "Exorzist II"/1977...mit Richard Burton, hat mich dann gleich kalt gelassen - und Teil 3 (1990) war auch eher harmlos,

Was die "Prequels" betrifft - da gibt es einen Teil von Renny Harlin ("Der Anfang") - der dann von Paul Schrader nochmals als überarbeitete Version ("Dominion") herausgebracht wurde.
Beide Filme gibt es bekanntlich auch auf DVD..

Zum Ausblick: Das Original habe ich nur auf Video (und einmal im TV) gesehen - und die erste Fortsetzung tatsächlich im Kino. Wenn ich richtig liege (beim Ausblick...) dann war für den zweiten Film ein bekannter, italienischer Regisseur verantwortlich, von dem man auch ein paar Maifia-Filme ...und Teile einer ebensolchen Serie (Achtziger) kennt.
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#3 Laurin 2016-05-07 20:35
@ Andreas Decker:
Ja, die Szenen im Krankenhaus sind auch ziemlich heftig, da gebe ich dir recht. Aber "Das Omen" würde ich nun nicht als Schundversion betrachten, sondern hat irgendwie seinen eigenen Wert. Rein von der Handlung würde ich ihn auch nicht direkt mit "Der Exorzist" vergleichen wollen. Da mein Artikel zu Pazuzu damals leider mit vielen anderen Artikeln ins Nirvana eingegangen ist und ich ihn auch damals nicht abgespeichert hatte, war dieser Artikel natürlich eine Möglichkeit, die Zusammenhänge in Kurzform nochmals unter zu bringen. ;-) Amando de Ossorio kenne ich eigentlich nur wegen den Filmen zu den "reitenden Leichen", wobei der erste sich bei mir im Player nicht einmal sauber abspielen ließ, denn die DVD hatte immense Störungen. Mal sehen, wenn die wieder raus kommen, ob ich da nochmals zugreife (weiß ich aber noch nicht so genau).

@ Friedhelm: Eigentlich haben es nur zwei Filme geschafft, mich in einen Panikmodus zu versetzen und "Der Exorzist" war damals der zweite. Beim ersten war ich noch Grundschüler und den behandele ich auch noch hier. Und was den Regisseur betrifft, da stimme ich dir zu, auf sein Konto gehen z.B. Filme wie "Lenin: The Train" von 1989 fürs Fernsehen oder "Nobody ist der Größte" von 1975 (jeweils Regie und Drehbuch) oder eben "Allein gegen die Mafia" von 1984 (nur Regie), um nur ein paar Beispiele zu nennen. :-)
Was die Fortsetzungen bzw. Prequels von "Der Exorzist" angeht, da sagte ich ja schon oben, dass sie nicht an den ersten Film ran kommen. Da hilft auch kein strecken und auf den Zehenspitzen stehen. Schade eigentlich, da hätte ich damals weit mehr erwartet. :cry:
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#4 Toni 2016-05-08 11:10
Der Exorzist hat mir damals auch ganz schön zugesetz, die Fortsetzungen waren dagegen blass. Irgendwie hat bei diesem Film alles gepasst und sogar Mike Oldfield hat den Streifen als Sprungbrett benutzt. Die Kritiken von damals waren ja nicht sonderlich begeistert, aber bei den meisten Leuten ist dieser Streifen hengen geblieben.

Habe das Buch vor ca. einem Jahr nochmals gelesen und da hat mir die Figur von Lieutenant Kindermann besonders gefallen. Der war so eine Art Columbo (ebenfall Lieutenant) nur ohne Trenchcoat. Im Roman kam sein Part besser rüber.
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#5 Friedhelm 2016-05-08 12:04
..."Sag mal, de Ossorio muss doch dein Lieblingsregisseur sein :lol: Die sollen wohl alle vier dieses Jahr als neue unrated DVD rauskommen...."

..."Amando de Ossorio kenne ich eigentlich nur wegen den Filmen zu den "reitenden Leichen", wobei der erste sich bei mir im Player nicht einmal sauber abspielen ließ..."

Eine "Unrated-DVD" würde mich auch interessieren. Ich besitze zur Zeit zwei "Box-Versionen." Eine geschnittene "Blueray.." und die "Legende der reitenden Leichen.." - uncut - wobei hier Szenen mit eingefügt wurden, die nicht synchronisiert sind. Das stört ein bisserl....aber beim Abspielen gibt es bei mir keine Probleme...

"...habe das Buch vor ca. einem Jahr nochmals gelesen und da hat mir die Figur von Lieutenant Kindermann besonders gefallen...."

Wenn ich mich recht entsinne, dann ist das Buch ja so ziemlich 1:1 verfilmt worden - kam mir beim Lesen jedenfalls so vor.

Lee J. Cobb, (u.d. der Richter Garth in der Western-Serie..."Die Leute von der Shiloh-Ranch..) empfand ich als "Kinderman" aber auch nicht schlecht.

Leider war Cobb ja schon längst tot, als sein Charakter für den 3. Teil wieder eingesetzt wurde. Allerdings wäre er 1990, mit 79 Jahren, wohl auch schon zu alt gewesen.

George C. Scott habe ich immer zwar immer gerne gesehen, aber für die "KInderman-Rolle" war er -für mich jedenfalls- fehlbesetzt. Lag vielleicht auch daran, dass er den Part anders als Cobb gespielt hat.
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#6 Andreas Decker 2016-05-09 10:39
zitiere Friedhelm:


Eine "Unrated-DVD" würde mich auch interessieren. Ich besitze zur Zeit zwei "Box-Versionen." Eine geschnittene "Blueray.." und die "Legende der reitenden Leichen.." - uncut - wobei hier Szenen mit eingefügt wurden, die nicht synchronisiert sind. Das stört ein bisserl....aber beim Abspielen gibt es bei mir keine Probleme...


Angekündigt ist das von XT als HD auf Blue-ray. Alle 4 Teile. Aber es gibt noch keinen VÖ-Termin. Das kann also noch dauern. Und sieht man sich die Preisentwicklung an, ist anzunehmen, dass die nicht billig werden. Auch wenn diese Ausgaben eigentlich immer einen Mehrwert bieten, sind diese Neuausgaben ein teures Hobby geworden.
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