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Ein phantastischer Filmklassiker - Ein Strauß Totentänze nach Robert Bloch

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 57
Ein Strauß Totentänze nach Robert Bloch

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Manchmal gibt es den Schrecken auch in kleinen Häppchen.


Totentanz der Vampire (The House that dripped Blood)Totentanz der Vampire (The House that dripped Blood)
Was es für das Buch gibt (auch gerne Anthologie genannt), dass nennt man beim Film schlicht in Deutschland einen Episoden-Film. Hier tat sich besonders das Studio AMICUS hervor, dass in direkter Konkurrenz zu den HAMMER Studios stand, wenn es um den gepflegten Gruselfilm ging. Und ich kann euch hier schon mal versprechen, dieser Artikel wird lang.

Das AMICUS hier mit den Jahren recht fleißig zu Werke ging, lässt sich leicht an den Titeln ablesen, die man hierfür abgedreht hatte. Zwar befinden sich in meiner Sammlung nicht sehr viele dieser Titel (ehrlich gesagt nur Zwei), aber der Vollständigkeit halber und um mal einen gewissen Überblick zu geben, seien die jeweiligen Episoden-Horrorfilme hier einmal aufgeführt:

  • Die Todeskarten des Dr. Schreck (1965)
  • Der Foltergarten des Dr. Diabolo (1967)
  • Totentanz der Vampire (1970)
  • Irrgarten des Schreckens (1972)
  • Geschichten aus der Gruft (1972)
  • In der Schlinge des Teufels (1973)
  • Die Tür ins Jenseits (1973)
  • Monster Club (1980)

Man sieht hier sehr schön, dass es ab dem Jahr 1972 so ziemlich Schlag auf Schlag ging, während es danach eine ziemlich lange Durststrecke gab, bis man 1980 dann nochmals einen letzten Versuch nachschob. Wirklich gezündet scheint der Episoden-Film MONSTER CLUB allerdings nicht mehr zu haben, denn danach war in Sachen Horror in verdaulichen Häppchen endgültig Schluss bei AMICUS. Dabei muss ich gestehen, machen solche kleinen Häppchen durchaus Spaß und haben wirklich ihr eigenes Flair. Besonders, wenn sie durch eine gewisse Rahmenhandlung miteinander verbunden sind, wie ich bei meinen zwei Exemplaren feststellen konnte. Den Titel des anderen Episoden-Films möchte ich hier allerdings noch nicht nennen, den ich mein Eigen nennen darf. Denn den werde ich euch natürlich auch noch in meiner Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER vorstellen.

Das die einzelnen Episoden, eingebettet in einer Rahmenhandlung auch so richtig schön zünden, dafür sorgte Robert Bloch höchst persönlich, der auch heute noch in Sachen Horror und Kurzgeschichten einen recht bekannten Namen hat. Um TOTENTANZ DER VAMPIRE jedoch weltweit vertreiben zu können, musste man seitens des Studios schon einiges aufbieten. Cinerama nämlich, die für den weltweiten Vertrieb des Films zuständig waren, sicherten dieses nur unter der Voraussetzung zu, wenn die Größen des Horrors Peter Cushing und Christopher Lee mitspielen würden. Die Entscheidung, einen neuen Episoden-Horrorfilm zu drehen, fasste Milton Subotsky, Chef der AMICUS PRODUCTIONS übrigens nach einer Gemeinschaftsproduktion zwischen AMICUS und AIP (AMERICAN INTERNATIONAL PRODUCTIONS) von 1970.

Der Film DIE LEBENDEN LEICHEN DES DR. MABUSE (SCREAM AND SCREAM AGAIN), in denen neben Vincent Price ebenfalls Peter Cushing und Christopher Lee mitspielten, sagte Subotsky nämlich alles andere, nur eben nicht zu. So wurde aus etwas unbefriedigendes im Auge des Chefs umgehend der Startschuss für den Episoden-Film THE HOUSE THAT DRIPPED BLOOD. Der letzte Episoden-Horrorfilm seitens AMICUS PRODUCTIONS mit dem Titel TORTURE GARDEN (DER FOLTERGARTEN DES DR. DIABOLO) lag schließlich schon drei Jahre zurück. Auch hier hatte Robert Bloch übrigens die Storys/Drehbuch geliefert (und bei diesen zwei Beispielen blieb es auch nicht für Robert Bloch). Was die Episoden-Horrorfilme von AMICUS insgesamt anging, so galt das Drehbuch, geschrieben von Robert Bloch und Russ Jones für TOTENTANZ DER VAMPIRE im nach hinein als das Beste überhaupt.

Totentanz der Vampire (The House that dripped Blood)Für die Regie konnte man Peter Duffell verpflichten, der sein Können bereits bei Fernsehserien wie MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE (THE AVENGERS) unter Beweis stellen konnte und nun hier seinen ersten abendfüllenden Spielfilm an Land ziehen konnte. Zur Verfügung standen wieder einmal rund 50.000 Dollar, was wohl das übliche Budget darstellte, dass AMICUS PRODUCTIONS so in ihre Filmproduktionen zu stecken pflegte. Duffell hatte auch was den Titel anging seine festen Vorstellungen bereits in der Tasche. So sollte der Film eigentlich DEATH AND THE MAIDEN heißen. Da hatte er aber leider schon die Rechnung ohne Milton Subotsky gemacht, der in Sachen Filmtitel bereits auf einen ganz anderen Zug gesetzt hatte und entsprechend dann auch durchsetzte. Neben Cushing und Lee konnte man hier allerdings auch auf weitere, später bekannte Namen aus dem Bereich gerade des phantastischen Films zurück greifen. So lässt Ingrid Pitt hier ihre Vampirzähne wetzen, die man bereits ein Jahr später in Filmen wie COMTESSE DES GRAUENS (1971) und GRUFT DER VAMPIRE (1971) seitens der HAMMER Studios zu schätzen wusste. In der Episode THE CLOAK an ihrer Seite spielte der Schauspieler Geoffrey Bayldon eine kleinere Nebenrolle, der sich als etwas wirrer Zauberer aus der Vergangenheit in einer beliebten Fernsehserie gerade (1970) einen Namen machte. Ich muss hier wohl nicht viel mehr zu Baylton sagen, außer, dass er uns wohl allen aus unserer Jugend als CATWEATZLE noch bestens in Erinnerung ist. Schon beim Gedanken an diesen schrulligen, ziegenbärtigen Hexenmeister aus dem Jahre 1066, der mit seiner Kröte Kühlwalda und dem Zauberspruch „Salmei, Dalmei, Adomei“ in der Zukunft jede Menge Dummheiten anstellt, lässt liebgewonnene Erinnerungen wieder wach werden.

Entsprechend ist die Episode THE CLOAK (auch im Gesamtkontext) nicht ganz so ernst zu nehmen und gehört eher in die Sparte Blödeleien mit Eckzähnen. Aber auch Jon Pertwee (Dr. Who) liefert neben Ingrid Pitt als Schauspieler Paul Henderson sein komödiantisches Talent ab. Ein gewisser uns allen bekannter Autor des Heftromans dürfte die Episode diesen Film möglicherweise auch gekannt haben, zumindest kommt die Grundidee auch in einem Roman von Jürgen Grasmück (Dan Shocker) vor. Doch da komme ich noch drauf zurück.

Die Rolle von Jon Pertwee sollte übrigens eigentlich ein anderer spielen. Vincent Price hätte sie wahrscheinlich ebenso lustig wieder gegeben, doch leider stand er bei AIP unter Vertrag und musste daher von AMICUS PRODUCTIONS von der Wunschliste gestrichen werden. Doch kommen wir nun langsam und in der gebotenen Kürze zum Inhalt der Rahmenhandlung und den einzelnen Episoden von TOTENTANZ DER VAMPIRE:

Totentanz der Vampire (The House that dripped Blood)Die Rahmenhandlung:
Der Filmstar Paul Henderson hat sich in ein altes Landhaus eingemietet und verschwindet bald darauf völlig spurlos. Detective Inspector Holloway vom Scotland Yard hat bald den guten A. J. Stoker im Verdacht, der für die Vermietung/Verkauf des Landhauses als Immobilienmakler zuständig ist. Doch Sergeant Martin hält das Haus selbst für das eigentliche Übel und weist Holloway darauf hin, die Akten über das Landhaus etwas genauer zu lesen, die so einige Schrecken bereit halten. Ab hier werden die einzelnen Geschichten im Verlauf des Films als in sich geschlossene Episoden erzählt, wobei die Rahmenhandlung zwischen den jeweiligen Episoden natürlich fortgesetzt wird.

Man merkt hier recht schnell das unser Mann vom Yard ein Realist ist, der mit dem Übernatürlichen nicht viel am Hut hat. Ob ihm dieser Realismus nicht irgendwann ein gehöriges Bein stellt, wird man jedoch erst am Ende des Films erfahren.

Totentanz der Vampire (The House that dripped Blood)Method For Murder:
Zuerst zieht es den Horrorautor Charles Hillyer und dessen Frau Alice in das Landhaus. Charles ist fasziniert von der Bibliothek des Hauses, in dem sich einige Schätze der düsteren Literatur des Schreckens (z.B. Edgar Allan Poe) befinden. Charles beschließt das Haus zu kaufen um Ruhe für seinen nächsten Roman zu haben, der über einen erfundenen Serienmörder namens Dominic handelt, der aus der Irrenanstalt ausgebrochen ist. Zwar handelt es sich bei Dominic natürlich um eine fiktive Figur und der Roman scheint sich fasst von alleine zu schreiben, doch dann quälen Charles plötzlich immer schlimmere Visionen, in denen er nicht mehr unterscheiden kann, ob der Mörder Dominic nun eine Figur seiner Fantasie ist, oder ob er doch Realität zu sein scheint und bereits um und in dem Landhaus herum schleicht. Der erste grausame Todesfall lässt auch nicht lange auf sich warten und Charles fiktive Figur scheint einen Weg in die reale Welt gefunden zu haben.

Nicht alles was als Horror erscheint, muss auch zwangsläufig einen übernatürlichen Hintergrund aufweisen. Manches entpuppt sich daher auch am Ende wie ein grausamer Krimi, der aber nicht im Sinne aller Beteiligter perfekt ausgeht.

Totentanz der Vampire (The House that dripped Blood)Waxworks:
Alles was der wohlhabende Philip Grayson auf seine alten Tage noch in dem Landhaus möchte, ist klassische Musik hören, den Garten umgraben und lesen. Doch ein Besuch in einem Wachsfigurenkabinett hält einen Schrecken für Grayson bereit, denn die Figur einer jungen Frau sieht seiner verstorbenen Liebe früherer Jahre täuschend ähnlich. Doch der Besitzer des Kabinett behauptet, dass es sich hierbei um die Nachbildung seiner verstorbenen Frau handelt. Grayson verlässt das Kabinett und beschließt darauf hin, dieses auch nicht wieder aufzusuchen. Doch dann trifft sein Jugendfreund Neville Rogers überraschend ein und reißt alte Wunden erneut auf, denn ehemals stand diese junge Frau (auf Graysons Foto) mit ihrer Liebe zwischen den beiden Männern. Bei einem gemeinsamen Spaziergang in der Stadt ist Rogers versessen darauf, dass Wachsfigurenkabinett zu besuchen und ist seinerseits ebenfalls über die verblüffende Ähnlichkeit fasziniert. Ein innerer Zwang führt dazu, dass Rogers wie Grayson sich immer wieder zu der Wachsfigur hingezogen fühlen. Doch handelt es sich wirklich nur um eine Wachsfigur und bei der Ähnlichkeit um einen reinen Zufall? Der Besitzer des Kabinetts weiß hier wahrlich einiges mehr, doch Faszination, Neugierde und Eifersucht können eine tödliche Kombination sein.

Holloway versteht leider nicht ganz, was Martin ihm damit nun sagen will. Um dies zu ändern empfiehlt Sergeant Martin Holloway, sich doch mal eingehender mit dem Immobilienmakler Stoker zu unterhalten.

Das ganze entwickelt sich sehr geheimnisvoll und so wirklich hat man den Besitzer des Wachsfigurenkabinett zuerst nicht auf dem Schirm. Die Story ist durchweg spannend, nur bei der Ähnlichkeit zwischen dem Gesicht der weiblichen Wachsfigur und der jungen Frau auf dem Foto hapert es doch leider erheblich.

Totentanz der Vampire (The House that dripped Blood)Sweets to the Sweet:
Der nächste Fall über das Landhaus des Schreckens beginnt mit einem weiteren Bewohner. Es ist Mr. John Reid, der mit seiner hübschen kleinen Tochter dort einzieht und nun nur noch eine Privatlehrerin für die Kleine sucht. Die ist auch in Ann Norton schnell gefunden, die sich allerdings so ihre Gedanken macht über das seltsame Verhältnis, dass Reid als Vater gegenüber seiner kleinen  Tochter Jane an den Tag legt. Das Mädchen hat panische Angst vor Feuer und als Ann dem Kind, dass über kein Spielzeug verfügt, eine Puppe schenkt, rastet Reid aus und wirft die Puppe in den brennenden Kamin. Bald erfährt Ann, dass Raid sogar panische Angst vor seiner Frau hatte, als sie noch lebte und diese Panik nun scheinbar auf seine Tochter überträgt. Als man bei einem Stromausfall plötzlich merkt, dass einige Kerzen fehlen, wird Ann auch bald Zeuge davon, dass Raids Angst vor seiner niedlichen Tochter einen recht beängstigenden wie realistischen Hintergrund hat.

Auch die Schilderungen Stokers scheinen Holloway nicht überzeugen zu können. Sein realistisches Weltbild stellt ihm ein sichtliches Bein, wenn es darum geht zu verstehen, was man ihm hier warnender Weise mitteilen möchte.

Die Story hat eine schön düstere Atmosphäre und dürfte im Reigen der einzelnen Episoden die erste sein, die sich offensichtlich um den Bereich des Übernatürlichen dreht. Die kleine Chloe Franks  ist einfach als Jane eine niedliche Teufelin und als Bösewicht hat man eigentlich zuerst eher den Vater mit seinem seltsamen und zum Teil barschen Benehmen im Visier. Man sollte sich aber nicht täuschen lassen, denn das Böse hat nicht selten eher ein süßes Lächeln auf dem Gesicht.

The Cloak:
Paul Henderson ist ein alternder Filmstar, den es nun in das alte Landhaus zieht, weil er gerade in der Gegend einen Vampirfilm dreht. Was ihm jedoch bald gegen den Strich geht, sind die billigen Kulissen und Requisiten. Flugs macht er sich auf zu einem nahe gelegenen Kostümhandel und besorgt sich bei einem seltsamen älteren Herrn gleich selbst einen passenden Vampirumhang für 13 Schillinge. Doch als er sich bei den Dreharbeiten den Umhang anlegt, passiert seltsames. Plötzlich hat er kein Spiegelbild mehr und dann beißt er auch noch seinen hübschen Co-Star Carla Lynde, statt sie zu küssen. Empört verlässt Carla darauf hin das Filmset. Als er den Umhang wieder abgelegt hat und wieder normal reagiert, entschuldigt er sich zwar bei Carla, stutzt aber bei einem Zeitungsartikel. Der Laden, wo er den Umhang gekauft hat, ist abgebrannt und im Keller fand man einen Mann, der vor dem Brand bereits seit langem Tod in einem Sarg gelegen hatte, jedoch recht gut erhalten geblieben war. Carla hält es für Schwachsinn, als Paul ihr erzählt, dass dieser Mann ein echter Vampir gewesen sein muss und der Umhang ihn ebenfalls verwandelt, sobald er ihn überzieht. Doch dann rät sie ihm, den Umhang nochmals anzuziehen um selbst zu sehen, dass es sich hier nur um seine Einbildung handelt. Er windet sich zwar etwas, zieht dann aber den Umhang an und siehe da, es passiert nichts. Alles bleibt normal. Oder zumindest fasst normal, denn als Paul merkt, dass er gerade den falschen Umhang trägt als den, den er gekauft hatte, muss er leider feststellen, dass Carla sich den richtigen Vampirumhang längst unter den Nagel gerissen hat. Und Carla weiß genau, was sie gerade von Paul will.

Draculas LiebesbissHier kam mir unwillkürlich Jürgen Grasmück in den Sinn. Oder besser gesagt sein zweiteiliger Roman der Serie LARRY BRENT mit den Titeln DRACULAS LIEBESBISS und DRACULAS HÖLLENFAHRT. Beide Romane brachte der Zauberkreis Verlag auch als Taschenbuch heraus, dass meine erste Begegnung mit Dan Shocker in jungen Jahren war. Laut Info erschien im Silber-Grusel-Krimi der Roman DRACULAS LIEBESBISS im Februar 1971 und Teil Zwei, DRACULAS HÖLLENFAHRT im März 1971 zum ersten mal. Interessant hieran ist, dass es sich hier zu Beginn um einen Vampirumhang handelt, der dem Grafen DRACULA gehört haben soll. Dieser wiederum besaß noch Flecken von geronnenem Blut des Vampir und verwandelte den neuen Besitzer, der sich den Umhang kaufte eben in DRACULA, wobei sich das geronnene Blut am Umhang sich mit dem Blut des neuen Besitzers (wegen einer Verletzung) vermischte. Als ich diese Episode jedenfalls sah, fiel mir sofort eben diese Handlung wieder ein, mit der mich Jürgen Grasmück ehemals recht nachhaltig faszinierte. Da fragt man sich eben schon, ob unser Dan Shocker hier den Film im Vorfeld gesehen hatte und diese Grundidee mit dem Umhang freudig aufgegriffen haben könnte. Ansonsten (was den Film betrifft) handelt es sich hier eher um den lustig aufgebauten Abschluss der Episoden. Doch was passiert eigentlich noch mit unserem Mann vom Yard?

Abschluss der Rahmenhandlung:
Holloway, unser an Fakten klebender Mann vom Yard will natürlich auch Stoker nicht glauben, der ihn ebenfalls vor dem dunklen Einfluss des alten Landhauses warnt. Also macht er sich selbst noch am Abend in das alte Haus auf und verschafft sich dort auch gewaltsam Zugang zu einem Raum im Keller. Dort wird er zwar von dem Vampir Paul Henderson angegriffen, kann aber den quasi „Jungblutsauger“ noch rechtzeitig pfählen. Genutzt hat es ihm aber wohl nichts, denn Carla ist samt Umhang des Vampir ja auch noch da und ist in Sachen Blutsauger um einiges Gefährlicher als Henderson es je hätte sein können. Gut, Scotland Yard hat wohl gerade wieder eine Stelle frei, falls sie sich nun beruflich etwas verändern möchten.

Totentanz der Vampire (The House that dripped Blood)Da war noch was lustiges wegen der Alterseinstufung:
Das British Board of Film Classification hätte ja am liebsten dem gesamten Episoden-Horrorfilm TOTENTANZ DER VAMPIRE (bei vollen 102 Minuten Laufzeit) eine niedrige und damit überaus familientaugliche Einstufung vergeben, zumal der Film ja selbst auf die Darstellung von plastisch dargestellter Gewalt weitgehend verzichtete. Also ein Film für die Omi bis zum kleinen Enkel, sollte man glauben. Doch das ging den Produzenten nun doch etwas zu weit, denn so lief man Gefahr, dass eigentliche Zielpublikum nicht mehr anzusprechen. Also bestand man kurzerhand auf eine höhere Alterseinstufung. Die BBFC ließ mit sich reden und stufte den Film dann mit einer Empfehlung ab 12 Jahre ein. Die Originalversion hatte dabei durchaus (wie oben bereits gesagt) eine Laufzeit von 102 Minuten. Die mir vorliegende Version aus der CLASSIC HORROR Reihe von KOCH MEDIA hat allerdings nur eine Laufzeit von 98 Minuten, wobei hier schon ein paar nicht synchronisierte Dialogszenen für die „Kinoversion“ wieder eingefügt worden waren.

Die Schnitte die man damals an die deutsche Kinoversion insgesamt anlegte, galten jedoch auch keinen sogenannten „gewalttätigen“ Szenen, sondern sollten den Film schlicht nur etwas straffen. Der Schere vielen daher nur einige Dialogszenen zum Opfer, auf die man locker auch verzichten konnte, weil sie weder für die Handlung wichtig waren und zur Spannung auch nicht wesentlich beitrugen. So locker wie bei den Engländern sah man die Alterseinstufung bei der deutschen Freiwilligen Selbstkontrolle dann jedoch nicht, der bekanntlich ein noch verpacktes Tampon bereits schon zu blutig sein konnte. Die hauten daher den Episoden-Film TOTENTANZ DER VAMPIRE in der hier vorliegenden Kinoversion mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahre heraus. Warum? Das dürfte wohl ewig ein Geheimnis der deutschen (sogenannten) Jugendschützer bleiben, die wohl selbst mal wieder keine wirklich intelligente Antwort auf diese Frage geben dürften.

Da könnte man genauso gut auch eine Kartoffel nach einer schlüssigen Begründung fragen - der Erfolg bliebe wohl exakt der gleiche. Ansonsten war die damalige deutsche Kinofassung mit den diversen Straffungen (Schnitte) im Bereich der Dialoge allerdings wohl die Hochwertigere, eben wegen der überwiegend sauberen Synchronisation. Die Videokasette von 1983 zum Film hatte in Deutschland sogar die vollen 102 Minuten Laufzeit, wobei man sich entschloss, den Film in voller Länge auch völlig neu zu synchronisieren. Leider nahm man hier aber zum Teil völlig andere Sprecher, die schlicht nicht zu den Darstellern passten. Auch das Bildmaterial selbst war wohl von geringerer Qualität. Diese VHS-Version wurde übrigens nicht einmal von der FSK geprüft. Hatte man hier von Amtswegen etwa gerade geschlafen?

Totentanz der Vampire (The House that dripped Blood)Meine Filmkritik:
Das die deutsche Kinofassung wenige nicht synchronisierte Stellen aufweist, fällt fasst schon nicht mehr auf und so bin ich KOCH MEDIA auch recht Dankbar, dass sie diese hochwertigere Fassung als DVD herausgebracht hat.

In sich bietet dieser Episoden-Film dann auch schlicht für jeden etwas, wie eine kleine Pralinenschachtel. Die Palette reicht vom Gruselfilm, der sich als eine düstere Kriminalgeschichte entpuppt über mysteriöse Geschehnisse bis hin zu schaurig-okkulter Spannung und einer Portion Komik. Eine nette Zusammenstellung, die ich zu schätzen weiß. Ob dieser Episoden-Horrorfilm aus dem Hause AMICUS nun wirklich der beste ist, kann ich mangels Vergleichsmöglichkeiten zu den anderen nicht abschließend beantworten. Schließlich befindet sich nur noch ein weiterer der insgesamt Acht Episoden-Horrorfilme bis jetzt in meinem Besitz. Als schlecht würde ich ihn allerdings wirklich nicht bezeichnen wollen, da jede Episode wie auch die Rahmenhandlung ihren jeweils ganz eigenen, speziellen Reiz versprühen.

Ob man diese Art der klassischen Horrorfilme nun unbedingt in seiner Sammlung benötigt, möchte ich allerdings jedem Filmfreund des Phantastischen selbst überlassen.

Von mir erhält TOTENTANZ DER VAMPIE zumindest satte vier von möglichen fünf Punkten und in meiner Sammlung ist dieser Beitrag eine für mich durchaus nette und gelungene Ergänzung, die ich mir immer gerne mal wieder anschaue. Daher von mir für alle Interessierten zumindest beide Daumen hoch – Der Film macht wirklich Spaß. 

Ausblick:
Folge 58 der Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER steht nun in den Startlöchern. Was soll ich euch also für den nächsten Samstag jetzt schon mal so alles verraten?

Auch im nächsten Film geht es um jede Menge Blut und der Film beginnt in klassischer Manier wie bei einem Vampirfilm.

Doch handelt es sich hier wirklich um einen Vampirfilm? Irgendwie habe ich den Verdacht, man wollte bereits die Zuschauer von damals mit besagter Eingangssequenz irgendwie aufs Glatteis führen.

Mitunter wirken dann in der weiteren Handlung die eingebauten Hunde sogar noch am gruseligsten. Zumindest machen die im Film wohl keinen Unterschied zwischen einem armen Tölpel auf der Flucht oder einer Dose Chappie (gibt es dieses Hundefutter eigentlich noch?).

Nun ja, das ganze spielt dann doch irgendwie im Jahre 1874 in Transsilvanien. Macht euch also schon mal selbst einen Reim daraus, ob die Sache mit dem Vampir hier eher ein Windei ist, dass die Macher des Films sich für den Anfang erdacht haben könnten.

Was kann ich euch noch sagen? Nun, manches erinnert mich an Frankenstein, auch wenn hier keine Leichen zusammengebaut werden wie beim Friedhof-Freizeitspaß. Aber vieles spielt in zwei seltsamen Labors, wovon eines eher offiziell, dass andere dann allerdings doch eher etwas inoffiziell daher kommt.

Ach ja, da wäre noch unser „Held“ der aber eigentlich erst einmal ganz dicke in der besagten Scheiße hängt und es nicht gerade leicht hat, aus seiner Zwangslage wieder heraus zu kommen.

Das Geheimnis zumindest hat mit Blut zu tun, mehr darf ich euch aber in dieser Hinsicht nicht verraten.

Nun, schon eine Idee um welchen Film es sich das nächste mal handelt? Ich will euch daher noch einen kleinen Wink geben: Dr. Christiaan Barnard hätte bei manchen Szenen glatt mit fachsimpeln können (wenn man jetzt wüsste, wer das nochmal war?) und der eigentliche Bösewicht mit dem gewichtigen (heute eher lustigen) Namen ist Krank. Allerdings nicht nur im Kopf. Und Igor … ach Nein, hier im Film heißt er anders … verliebt sich doch glatt in die Holde des Helden und wendet sich am Ende gegen seinen Herrn.

Aber jetzt reicht es wirklich, sonst kann ich hier gleich die Lösung präsentieren.

Also dann bis in einer Woche, wenn ich wiedermal hier einen Klassiker der Phantastik vorstelle.


Totentanz der Vampire (The House that dripped Blood)Totentanz der Vampire
(The House that dripped Blood)
mit Christopher Lee, Peter Cushing, Jon Pertwee, Ingrid Pitt, Nyree Dawn Porter, Denholm Elliott, Joss Ackland, John Benett, Geoffrey Bayldon, Chloe Franks, Joanna Dunham, Robert Lang, Wolfe Morris u.a.
Regie: Peter Duffell
Drehbuch: Robert Bloch, Russ Jones
Genre: Horror/Episoden-Film
Filmreihe: Classic Horror
Laufzeit: 98 Minuten
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Koch Media
Großbritannien 1970

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2016-08-06 14:47
Ich kenne die meisten der Amicus-Filme. Subotsky und Rosenberg mochten keine Gewalt und keinen Sex auf der Leinwand, insofern sind die Filme schon vom Ansatz bieder und familienfreundlich.

Ich habe den Film die Woche mal in den Player geschoben, um die Erinnerung aufzufrischen. Die Bloch-Episodenfilme sind alle naturgemäß sehr gleich. Ich finde House noch immer ziemlich schwach. Die Regie ist doch sehr fernsehmäßig und unspektakulär, das Budget offensichtlich sehr klein.

Klar, die Storys sind Geschmacksache. Am besten gefiel mir noch die Lee-Story, die hatte einen Hauch von Biss. Der Rest ist ziemlich beliebig.

Cushing ist hier verschwendet, das kann aber auch an dem superbilligen Wachsfigurenkabinett liegen. Ist das schlecht gemacht! Das ist laut AK vom Regisseur wohl die Geschichte, die er zu Blochs Unmut am meisten umgeschrieben hat. Leider kenne ich das Original nicht; ich kann mir nicht vorstellen, dass die Filmfassung wirklich eine Verbesserung ist.

Die Pitt-Story ist mir zu klamaukig. Übrigens hat sie die Episode laut ihrer Autobiographie nach The Vampire Lovers gedreht. Sie wollte in der ersten Story mitspielen, wo sie auch wesentlich besser reingepasst hätte als die farblose Alice Hillyer, aber das hat ihr der Regisseur ausgeredet. Idiot. Wenn Ingrid was auf die Leinwand brachte, dann Leidenschaft.

Geschichten aus der Gruft dürfte wohl die beste der Amicus-Produktionen sein, gefolgt von Irrgarten des Schreckens, auch ein Bloch. Da funktioniert die Rahmengeschichte wesentlich besser als hier und die Storys sind auch besser.

Okay, bei der nächsten Woche muss ich passen :-)
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#2 Laurin 2016-08-06 19:12
@ Andreas Decker:
Am schwächsten fand ich persönlich die erste Episode METHOD FOR MURDER. War schlicht zu durchschaubar vom ersten Moment an. THE CLOAK, zwar kein großes Kino, fand ich zum Abschluss aber sogar ganz witzig. SWEETS TO THE SWEET mit Lee empfand ich hier auch als das Sahnehäubchen unter den Episoden. Gesamt gesehen war der Episodenstreifen allerdings nicht langweilig. Gut, in das Wachsfigurenkabinett hätte man etwas mehr investieren müssen, sah irgendwie billig aus mit Schaufensterpuppen, aber AMICUS hatte in Sachen Finanzierung wohl ziemlich eiserne Regeln. GESCHICHTEN AUS DER GRUFT bzw. IRRGARTEN DES SCHRECKENS habe ich (soweit ich mich erinnern kann) noch nie gesehen, kann da also nichts zu sagen oder Vergleiche anstellen.

Was den Film der nächsten Woche angeht, nicht so schnell die Flinte ins Korn werfen. Ich glaube gelesen zu haben, dass dieser Film zumindest im Pay-TV schon mal (wohl noch bei PREMIERE) gezeigt wurde. ;-)
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