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Ein phantastischer Filmklassiker - Jennifer Hills oder kein Film für zarte Gemüter

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 59
Jennifer Hills oder kein Film für zarte Gemüter

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Da gibt es auch Filme, bei denen nicht jeder hinsehen sollte.


I Spit on Your Grave (Ich spuck auf dein Grab)I Spit on Your Grave (Ich spuck auf dein Grab)
Was hatte sich Regisseur Meir Zarchi sowie die Produzenten Joseph Zbeda und Bill Tasgal nur dabei gedacht, als sie 1978 den Film I SPIT ON YOUR GRAVE auf die Menschheit losgelassen haben? Manche Kritiker hielten vor lauter Panik ihren Kopf wohl gleich in die Kloschüssel um danach die passenden Worte formulieren zu können über das, was in diesem Film thematisiert wurde. Andere Kritiker wie Roger Ebert moniert darüber hinaus, dass nicht einmal die Dialoge verständlich wären und man daran wohl einen miesen Filmerguss erkennen könnte. Nun, ich habe ärztlich nachgewiesen nur ca. 60 Prozent auf meinen Ohren und damit ziemliche Schwierigkeiten mit hohen Tönen (nicht das mir diese nervig-kreischenden Töne jetzt fehlen würden), doch wenn ich mir den Film ansehe, habe ich keinerlei Schwierigkeiten dabei, den Dialogen zu folgen. Selbst im Originalton sehe ich da die einzige Schwierigkeit darin, dass ich und die englische Sprache schon immer auf Kriegsfuß standen. Vielleicht hatte Roger Ebert nur nicht mehr hinsehen wollen und versuchte dann die Hände vor die Augen zu schlagen. Da kann es bei weniger treffsicheren Zeitgenossen schon mal passieren, dass sie sich statt der Augen versehentlich die Ohren zuhalten. Oder wollte er heimlich doch sehen, wie der Film weitergeht?

Die Damen und Herren vom Jugendschutz in Deutschland müssen wohl sogar blutunterlaufene Augen und eine rosa Haut durch die Zornesröte gehabt haben. Da gab es wohl laut Wikipedia die Kritik, dass die Vergewaltigungsszenen eher „zelebriert“ anstatt „inszeniert“ worden wären. Okey, „inszenieren“ bedeutet dabei, möglichst nur andeuten und möglichst schnell weg blenden, was irgendwie - wenn man dies sehr gehässig auslegt – in Richtung Verharmlosung bzw. Verniedlichung hinaus laufen wird. Das würde in die damalige Zeit durchaus noch hinein passen, denn bei Vergewaltigungen gehörte es noch oftmals zum guten Ton, den Opfern (z.B. durch eine etwas lockere Kleidung) eine gehörige Mitschuld zuzusprechen und die Vergewaltigung innerhalb der Ehe sah man daher fasst schon als Kavaliersdelikt an. Ziemlich realistisch zu sehen, wie ein Opfer leidet, passte da nicht in die bunte Welt der BRD.

I Spit on Your Grave (Ich spuck auf dein Grab)Und dann machte man in dem Film auch noch gleich einen weiteren Fehler, indem die Rache des Opfers an ihren Peinigern thematisiert wurde. Das geht ja nun in unserem Ländle schon mal überhaupt nicht und so holte man gleich auch den § 131 StGB heraus um den Film beschlagnahmen zu können. Damit man mich jetzt hier nicht missversteht: Ich bin kein Befürworter der Selbstjustiz. Ganz im Gegenteil. Nur bitte ich da auch mal zu bedenken, wie es seelisch in einer jungen Frau aussehen muss, wenn sie fasst zu Tode misshandelt wird und dann noch weit und breit niemand ist, der ihr hilft bzw. diese perfiden Verbrecher ihrer gerechten Strafe zuzuführen gedenkt. Rache wird den Schmerz (und hier ist nicht nur der rein körperliche gemeint) nicht lindern und Rache bringt auch mit Sicherheit kein Gefühl von Genugtuung oder erfahrener Gerechtigkeit. Aber Rache ist durchaus eine menschliche Regung die man nicht einfach wegdiskutieren kann. Rache gibt es sogar selbst im Tierreich und dort gerade bei den Tieren mit relativ hoher Intelligenz. Quälen sie mal einen jungen Elefanten und begegnen sie diesem dann - in sagen wir mal - zehn Jahren wieder. Also ich werde mich dann wohl nicht in ihrer unmittelbaren Nähe aufhalten wollen, wenn der Dickhäuter (wie man sie so schön nennt) sie wiedererkennt, aber vielleicht komme ich ja zu ihrer Beerdigung.

Das es auch andere Stimmen gab, die den Film I SPIT ON YOUR GRAVE nicht nur gutbürgerlich emotional oder verbrämt moralisch betrachteten, sondern sich durchaus einen Kopf über das gesehene machten, zeigt dieses angeführte Zitat:

Unter dem Strich repräsentiert der Film I SPIT ON YOUR GRAVE beileibe keine Unterhaltung im üblichen Sinne des Begriffs – und dennoch ist dieser Film alles andere als ein Schundprodukt. Doch Zensoren verfahren bekanntermaßen nach einem alten Sprichwort, das besagt: „Wer sein eigenes Spiegelbild nicht mehr ertragen kann, der wird den Spiegel zerschlagen.

(DVDForum.at)

Das die Charakterentwicklung des Opfers hin zur Rächerin innerhalb der gesamten Thematik recht kurz abgehandelt wird, ist dabei durchaus endlich einmal eine berechtigte Kritik. Nur muss man dem Film hier zugute halten, dass es sich hier eben nicht um eine Spiellänge handelt, die über zwei bis drei Stunden hinaus geht. Bei der Spieldauer von ca. 101 Minuten hätte man sonst erhebliche Abstriche im sonstigen Handlungsverlauf machen müssen. Eine weitere Kritik die ich hier von meiner Seite her anmerken möchte, sind die logischen Fehler bei der Darstellung der Täter zirka ab der Hälfte des Films. Wurden sie nämlich zu Beginn eher skrupellos bzw. gefühllos dargestellt, so wandelt sich hier das Verhalten plötzlich, als es darum geht, dass Opfer letztendlich zu beseitigen. Das passte irgendwie nicht weil der plötzliche Sinneswandel (Ängstlichkeit der Täter) einfach nicht logisch nachvollziehbar war. Dieses Manko bereinigte man jedoch in dem Remake aus dem Jahre 2010, was dort die Handlung im positiven Sinne durchaus auch realistischer machte.

I Spit on Your Grave (Ich spuck auf dein Grab)Der Film blieb nicht wie (von manchen) gewünscht im Giftschrank:
In Deutschland erschien der Film I SPIT ON YOUR GRAVE damals bei den Labels JVP Austria und Toppic jeweils als VHS-Version. Auch seitens des Labels Astro gab es sowohl eine VHS als auch eine DVD Veröffentlichung. Als DVD erschien des weiteren der Film bei den Labels cmv-Laservision und Cine Silver (jeweils als Bootleg). Dabei sind alle Veröffentlichungen als ungeschnittene Fassungen erschienen.

1993 gab es unter dem Titel SAVAGE VENGEANCE eine offizielle Fortsetzung, in der Camille Keaton wieder in die Rolle der Jennifer Hills schlüpfte. Zu diesem Film kann ich allerdings nichts sagen, da dieser mir als einziger nicht bekannt (also auch nicht gesehen) ist.

Bereits 1992 gab es aber von Rick Thompson eine inoffizielle Fortsetzung unter dem Titel EYES OF PREY, der auf dem deutschen Markt unter dem Titel ICH SPUCK AUF DEIN GRAB 2 mit einer 18er Freigabe (Uncut-Version) erhältlich ist. Dieser Film enttäuscht jedoch über weite Strecken der Handlung und wirkt schlicht wie eine handelsübliche wie auch billige Fernsehfassung mit eher mäßigen Gewaltdarstellungen.

2010 kam dann das Remake von I SPIT ON YOUR GRAVE heraus, dessen Handlung weitgehend modernisiert und angepasst wurde, ohne die eigentliche Handlung zu beeinträchtigen. Er wirkt in sich geschlossen logischer (Handlungsweisen der Täter) und sogar in der Gesamtdarstellung realistischer. Man kann hier durchaus sagen dass das Remake sowohl in der Handlung und den schauspielerischen Leistungen das Original aus dem Jahre 1978 nochmal toppen konnte. Herausragend, was das die Darstellung angeht, ist hier die Schauspielerin Sarah Butler zu nennen.

2013 kam der zweite Teil heraus, der die Handlung wesentlich verändert, indem das Opfer aus den USA (sucht Job als Fotomodell) von ihren Peinigern nach Sofia (Bulgarien) verschleppt wird. Die Handlung selbst steht hier nicht in Verbindung mit der des Remake bzw. des Original von 1978. Hier spielte die Hauptrolle Jemma Dallender als Opfer Katie Carter.

2015 kam dann der bisher letzte Teil heraus mit dem Titel I SPIT ON YOUR GRAVE 3: VENGEANCE IS MINE, mit dem man wieder an das Remake aus dem Jahre 2010 anschloss und den weiteren Lebensweg des Opfers Jennifer Hills beschreibt, dessen davongetragenen seelischen Schäden immer noch vorhanden sind und zu einem permanenten, mitunter irrationalen Hass auf Männer führt. Nachdem eine Freundin vergewaltigt und ermordet wird, steigert sich dieser Hass ausnahmslos gegen alle Männer und führt durch den nun krankhaften Hass zu weiteren Morden. Für die Hauptrolle konnte hier wieder Sarah Butler gewonnen werden, die durch die grausame Vergangenheit die psychisch extrem labile Jennifer Hills erneut recht glaubwürdig verkörpert. Die Gewaltdarstellungen wurden hier aber zum Vorteil der Darstellung der psychischen Zerrissenheit der Figur Jennifers ziemlich zurück gefahren.

I Spit on Your Grave (Ich spuck auf dein Grab)Der Originalfilm und die wechselnden Titel:
Der Film I SPIT ON YOUR GRAVE hatte aufgrund seiner drastischen Gewaltszenen wie gesagt einige nicht wohlgesonnene moralisierende Geister geweckt (und das nicht nur in Deutschland), die ihm damals ziemlich zu Leibe rücken wollten. Wollte man also das Rennen gegenüber den Verfolgern gewinnen, empfahl es sich, den Film auch unter anderen Titeln zu veröffentlichen (bei einem Wettrennen kann ein kleiner Vorsprung manchmal schließlich Wunder bewirken). Im Folgenden seien hier einige Alternativtitel aufgeführt:

  • I HATE YOUR GUTS
  • BLOOD ANGEL
  • BLOOD FORCE
  • DAY OF THE WOMAN
  • THE RAPE AND REVANGE OF JENNIFER HILL
  • HORROR WEEKEND
  • ICH SPUCK AUF DEIN GRAB (Deutscher Titel)

Mittlerweile laufen allerdings alle weiteren Filme nach dem Remake von 2010 unter dem Sammeltitel I SPIT ON YOUR GRAVE. Doch kommen wir nun in einer Kurzform zur eigentlichen Handlung des Films I SPIT ON YOUR GRAVE von 1978.

I Spit on Your Grave (Ich spuck auf dein Grab)Der blanke Horror für eine junge Frau:
In einem mehr als nur abgelegenen Ferienhaus in den Wäldern New Englands (USA) hofft die junge Schriftstellerin Jennifer Hills die Muße zu bekommen, um ihren Roman schreiben zu können.

Weil das Haus allerdings auch nicht leicht zu finden ist, macht sie einen Zwischenstopp an einer Tankstelle, an der sich eine Gruppe von ziemlich gelangweilten  wie vorlauten Männern befindet. Ohne es zu ahnen, gelangt die hübsche Jennifer somit in den Fokus dieser gewaltbereiten Truppe.

Aufgeheizt wird das ganze noch, als der Dorftrottel ihr nicht nur die Lebensmittel liefert, sondern auch einige Reparaturen im Haus erledigt. Ihre unbekümmerte Art zu dem Burschen dürfte ihr jedoch bald zum Verhängnis werden, denn der Trottel erzählt den anderen recht ausführlich, wie schön Jennifer ist und das sie zu ihm mehr als nur freundlich gewesen sei. Natürlich geht hier die Phantasie des Dorftrottels etwas an der Realität vorbei, doch für die anderen Männer reicht dies aus, um den Plan zu fassen, ihr Angst einzujagen, damit sie danach ihren „Spaß“ mit ihr haben können.

Im Zuge dieser Aktion überfallen sie Jennifer, bedrohen sie massiv und reißen ihr die Kleider vom Leibe. Doch es bleibt nicht bei einer Vergewaltigung. Sie jagen die nackte und geschundene Jennifer wie ein Tier durch den Wald um sie immer wieder auf grausame Art und Weise zu missbrauchen. Als sie sich Bewusstlos und mit üblen Verletzungen und Blutergüssen wieder im Haus befindet, will die Bande sich wieder aus dem Staub machen. Doch um späterhin nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen - sollte Jennifer wieder erwartend trotz der grausamen Folter doch überleben – zwingen sie den Dorftrottel, ins Haus zurück zu kehren und das Mädchen mit dem Messer zu ermorden. Doch das kann dieser nicht, beschmiert das Messer nur mit ihrem Blut aus ihren Wunden und beteuert bei seinen Kumpels, sie für immer zum schweigen gebracht zu haben.

Doch Jennifer erwacht wieder und im Laufe der nächsten Zeit gelingt es ihr, sich von den üblen Verletzungen wieder zu erholen. Zwar haben sie Jennifer nicht das Leben genommen, aber irgend etwas hat ihren seelischen Zustand völlig auf den Kopf gestellt. Sie hat nun nur noch ein Ziel: Sie will sich für das Grauen das man ihr angetan hat und das sie nie wieder vergessen können wird blutig rächen.

Bei ihrem Rachefeldzug erhängt sie zuerst Matthew, den Dorftrottel an einem Baum. Dann nähert sie sich wieder dem Anführer der brutalen Bande an, um ihn in einem passenden Moment zu kastrieren und verbluten zu lassen. Stanley und Andy, die zwei restlichen Täter der Gruppe nähern sich indessen mit einem Boot wieder dem Haus in dem Jennifer lebt, um nun die Sache selbst in die Hand zu nehmen und Jennifer endgültig zu erledigen. Doch auch dieser mörderische Plan geht Dank Jennifers Umsicht nicht auf. Während bei dem erbitterten Kampf der eine Täter durch den Außenbordmotor des Bootes stirbt, tötet sie zuletzt den anderen mit einer Axt, während dieser eher schon hilflos im Wasser zu ertrinken droht. Als sie damit alle ihre grausamen Peiniger zur Rechenschaft gezogen hat, bricht sie mit dem Boot zu einem unbekannten Ziel auf.

I Spit on Your Grave (Ich spuck auf dein Grab)Meine Filmkritik:
Nein, für jeden ist der Inhalt des Film wirklich nicht gut verdaulich. Zu eindringlich und zu realistisch werden die brutalen Vergewaltigungen in Szene gesetzt. Doch macht dies einen schlechten Film aus? Wieder ein Nein. Der Film zeigt mit der vollen Härte, dass Vergewaltigungen eben kein Kavaliersdelikt sind und das ist auch gut so. Ist es darüber hinaus richtig, dass hier ein gequälter und geschundener Mensch zur Selbstjustiz greift? Ja, gesetzlich wie auch moralisch ist Rache in der Realität durchaus auch nicht gut zu heißen. Darf das aber ein Grund sein, einen Film wie diesen förmlich zu ächten? Wiederum von mir ein klares Nein, denn weder ein Gesetz noch eine Moral werden etwas nützen, wenn man zwar körperlich solche Grausamkeiten überstanden hat, die Seele in einem Menschen aber erfolgreich durch die Täter zerstört wurde. Die Tat ist also nicht zu trennen von dem erlebten Schrecken. Mit dem Prinzip: „Es darf nicht sein, was nicht sein darf“, kann man eine solche Ausnahmesituation nicht bewerten. Da uns so etwas nicht passiert, können wir uns daher auch nicht in einen Menschen hinein versetzen, der auf sich alleine gestellt, solchen unmenschlichen Grausamkeiten ausgeliefert war. Ich würde daher weder für mich noch für einen anderen Menschen die Hand ins Feuer legen, dass man nach einem solch grausamen Erlebnis noch zu rational durchdachten bzw. gesetzeskonformen Handlungsweisen fähig ist.

Das zarte Gemüter nach solchen Bildern nicht gerade einen gesunden Schlaf haben und deshalb solche Filme mit ebensolchen drastischen Szenen meiden werden, ist allerdings ebenfalls verständlich. Das man solche Filme nicht in die Hände z.B. von Kindern kommen lässt, dürfte einem darüber hinaus der gesunde Menschenverstand sagen. Sehen wir uns dagegen mal in der Realität um, sei es das Fernsehen, dass Internet oder auch andere Medien, kann man nur im Umgang mit Filmen (oder z.B. damals mit dem Medium Heftroman) nur noch den Kopf schütteln. Während wir in der Realität nämlich durch alle Medien hinweg mitunter ungefiltert mit realer Gewalt konfrontiert werden (wie übrigens auch Jugendliche), oder gar mit flotten Werbeslogans selbst die Jüngsten an Schulen schon für das Militär geködert werden sollen, dessen Einsätze eher fragwürdiger Natur sind und sie dann auch mal lustiger Weise bei einer Bundeswehrveranstaltung mit echten Waffen hantieren dürfen, hat daher etwas verlogenes. Das bei letzteren keine Munition mit im Spiel war, lasse ich da als Entschuldigung auch nicht gelten, denn diese Waffen wurden gebaut um real zu töten und gehören einfach nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen. Und selbst die Bundeswehr ist längst kein Abenteuerurlaub mehr, auch wenn man diese immer wieder in Werbesendungen als solche anzupreisen versucht. Den Menschen daher einen Film wegen drastischer Szenen vorzuenthalten, ist für mich schon irgendwo eine Zumutung an mein persönliches, demokratisches Rechtsverständnis als sogenannter „mündiger Bürger“.

Da der Film I SPIT ON YOUR GRAVE trotz seines Alters durchaus ziemlich harter Tobak ist, verkneife ich mir hier mal eine Punktebewertung an dieser Stelle. Ob man den Film in seiner persönlichen Sammlung von PHANTASTISCHEN KLASSIKERN haben sollte, muss nach meiner Meinung auch jeder frei für sich selbst entscheiden. Meiner persönlichen Meinung nach hat dieser Film jedoch neben seiner Existenzberechtigung durchaus seinen Platz auch in den PHANTASTISCHEN FILMKLASSIKERN verdient. Die Faustregel gilt nämlich auch hier: Niemand wird gezwungen sich etwas anzusehen, was er oder sie nicht will. Das gleiche muss allerdings meiner bescheidenen Meinung auch umgekehrt gelten. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof – Zeit also, dies auch mal offen in der Unterhaltung zu thematisieren.

I Spit on Your Grave (Ich spuck auf dein Grab)Ausblick:
Kommen wir aber jetzt wieder zurück zu den eher klassischen Themen in den PHANTASTISCHEN FILMKLASSIKERN. Ich will euch ja auch nicht zu sehr verschrecken. Was erwartet euch in der 60ten Folge dieser Reihe?
Nun, da hätte ich was recht klassisches für euch. Nur leider kam der wohl beim Jugendschutz damals auch nicht so gut an, dass man dort in Jubelstürme ausbrach. Ich frage mich da ehrlich, ob sogenannte Jugendschützer überhaupt lachen können?

Aber was soll es. Schließlich bin ich ja hier nicht dafür da, irgendwelche amtlichen Spaßbremsen zu belustigen.

Wie wir alle wissen, waren Vampire so ziemlich die größten Stars in den berühmten Studios, die sich wie zum Beispiel HAMMER, gerne den düsteren Themen des Schreckens annahmen. Da macht der Film für nächste Woche keine Ausnahme. Was ich dazu noch sagen kann ist, dass der Film wirklich verdammt stimmungsvoll, also gruselig daher kommt, auch wenn er kein Tüpfelchen Farbe aufweist.

Ja, es handelt sich um einen recht ansprechenden und gruseligen Schwarzweißfilm. Verraten kann ich auch, dass DRACULA hier nicht nur den Kutscher gibt, sondern auch für das heranschaffen der blutigen Aufbaupräparate für seine Angebetete zuständig ist. Aber eigentlich taucht der Name DRACULA nur in der deutsch-synchronisierten Fassung und im deutschen Titel auf. Im Original hatte er einen anderen Namen. Doch damit nicht genug, fährt der Film gleich auf Hochtouren, denn hier geht es auch um eine Hexe, lustigem Lagerfeuer mit Menschengrillen und kleinen Ekeltierchen die gelangweilt über modernde Leichen krabbeln, sowie diversem Körperschmuck. Letzteres nennt man heute glaube ich recht modern „Branding“ statt Brandzeichen. Die Guten machen sogar gleich zu beginn mit den wenigen Bösen einen Maskenball – nur eben nicht freiwillig.

Ach ja, gestorben wird in dem Klassiker auch recht ordentlich und das nicht nur durch das zubeißen in Halsnähe. Auch hier ist man durchaus flexibel. Als weiterer Hinweis sei gesagt, dass dieser Horrorfilm (übrigens kein englischer) die Darstellerin sofort recht berühmt machte, jedoch irgendwie dann immer mit dem Genre verband, was sie dann doch hinterher irgendwie zu beklagten wusste. Und zum krönenden Schluss gibt es dann auch noch als Hinweis im Film einen Popel … ähh ...Pöbel … hhmm … Pope? Also so was wie einen Priester.

Der Film selbst schaffte es übrigens erst kürzlich, da frisch im Handel, in einer schönen Box (zwei DVD & eine Blu-ray) mit hübschem Booklet in meine Sammlung. Das ganze hat hierbei eine Menge Zusatzmaterial als Extras. Na? Schon eine Ahnung welchen Film ich nächsten Samstag hier präsentiere? Ich könnte ja jetzt noch den Namen des Mannes sagen, der sich für diesen Film Verantwortlich zeichnet, aber dann wäre das Rätsel fasst keines mehr. Also dann, viel Spaß beim grübeln. Bis nächsten Samstag in alter Frische. 

I Spit on Your Grave (Ich spuck auf dein Grab)
I Spit on Your Grave
(Ich spuck auf dein Grab)
mit Camille Keaton, Richard Pace, Eron Tabor, Anthony Nicholas, Gunter Kleemann, Alexis Magnotti, Ronit Haviv u.a.
Regie und Drehbuch: Meir Zarchi
Produktion: Joseph Zbeda, Bill Tasgal
Genre: Thriller/Horror/Drama
Laufzeit:101 Minuten
DVD/FSK: Ungeprüft
Vertrieb: ILLUSIONS UNLTD.films
USA 1978

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Kommentare  

#1 Postman 2016-08-20 07:18
Ich empfinde deine Analyse als sehr professionell, anders als so mancher hier z.B. mit den Büchern des Festa Verlags oder anderen Genre-Filmen der 80er Jahre umgeht.

Resepekt! Du hast dich mit dem Hauptfilm und der Remake Trilogie inetnsiv auseinander gesetzt,
Ich hoffe du hast die Remakes nur mit österreichischen Fassungen gesehen - die deutsche FSK Versionen sind alle geschnitten, da die Morde sehr drastisch sind.

Ich selbst wäre vmtl. zwar weit weg von jedem Blutrausch oder Rachegedanken, ich kann aber verstehen wenn eine misshandelte Frau solches machen würde und ganz offen gesagt haben die dargstellten Männer es alle verdient. Wenn man sich vor Augen hält, dass in jedem Krieg solches an der Tagesordnung ist oder war *brrr* der Mensch ist schon grausam.

Die Kastrationsszene in der Badewanne im Original verursacht mir auch heute als Mann noch Schmerzen und die gefühlserkaltete Rächerin spielt Camille Keaton wirklich genial. Diese Filme werden aber immer eine Kontroverse auslösen, da es keine Splatterfilme sind sondern aber mit vielem an die Realität hereinreichen ...
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#2 Friedhelm 2016-08-20 09:56
Moin...
wo ich gerade mal wieder reinschaue...

"I Spit..." habe ich im Original nie gesehen - die Neuverfilmung allerdings schon. Konnte ich irgendwie nichts mit anfangen - der Grund ist mir selber nicht ganz klar. Und das kommt bei mir recht selten (wenn überhaupt vor...)

Was den Ausblick betrifft: Zitat:
dass der Film wirklich verdammt stimmungsvoll, also gruselig daher kommt, auch wenn er kein Tüpfelchen Farbe aufweist.
..

Gerade Schwarz/weiss sorgt für die nötige Atmo in diesem Genre. Farbe hat dem Horrorfilm eigentlich nur selten "geholfen" - evtl vielleicht in diversen Gore- und Splatterfilmen..

Und der Ausblick: Der Film basiert lose auf der Kurzgeschichte eines russischen Romanciers...
Einer der Darsteller wurde sogar in den Sixites als Nachfolger von Sean Connery (Bond) getestet...

Einen "Dracula" gibt es im Film gar nicht - es wirdvon einer Erzählerstimme nur berichet - " dass vielleicht Dracula selber in ihm (dem Schurken) gewesen sei..."

Die Hauptdarstellern war sogar in den späten Siebzigern in einem "Joe Dante-Film" zu sehen...

Evtl liegt ich ja richtig...
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#3 Laurin 2016-08-20 12:25
@ Postman:
Es gibt so einige Filme, da packe ich die deutschen FSK-Versionen nicht mal an, weil ich genau weiß, dass hier die Schere dran war. Das merkt man dann zwar auch am Preis, aber das nehme ich mal locker hin. Österreich ist da die wohl bessere Wahl für Filme. ;-)

@ Friedhelm: Das Remake das es auf dem deutschen Markt gibt (FSK 18/Geschnittene Version) kenne ich nicht. Kann aber sein, dass es vielleicht daran liegt. Postman hatte das ja oben anhand der Gründe schon richtig unterschieden. Daher empfehle ich hier ebenso nur die ungeschnittenen Fassungen.

Zum Ausblick: Ja, die Erzählerstimme spricht nur davon, dass es vielleicht Dracula selbst sein könnte. In der deutsch-synchronisierten Fassung der US-Kinofassung wird jedoch diese Figur dann weiterhin als Dracula betitelt in den Dialogen. Es hakt da also an der deutschen Synchronisation und der Tatsache, dass der Name Dracula durch die Hammer-Filme auch einen gewissen Marktwert hatte. Das Schwarzweißfilme die Atmosphäre solcher Horrorfilme sogar aufwerten kann, da dürften wir uns durchaus einig sein. :-)
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#4 Andreas Decker 2016-08-20 15:22
Ich kann mit dem Rape&Revenge-Genre nichts anfangen und sehe es mittlerweile genauso wenig wie den Großteil des Torture-Porn-Horror. Natürlich sind die Grenzen fließend im Horror-Genre. Aber bei Filmen wie ISOYG ist die Grenze zwischen Abscheu und Faszination recht schmal und wackelig, und spätestens bei einer dritten Fortsetzung des Remakes geht es nur noch um Kommerz. Was bei dem Thema eklig ist.

Camille Keaton, die ja nicht gerade viel Film gemacht hat, scheint die Rolle ja nie losgelassen zu haben. Ist ja jetzt eine Fortsetzung mit ihr in der Arbeit. Schon seltsam, in ihrem ersten Film hat sie wegen einer Abtreibung Traumatisierte gespielt.

Ob der aber wirklich als "Phantastischer Filmklassiker" gilt, darüber kann man lange und vermutlich sinnlos streiten. ;-) Mit der gleichen Berechtigung könntest du da "Ms.45" aufnehmen. Ist die gleiche Thematik, nur dass der Backwood-Horror fehlt, weil es in New York spielt.

Die Neuausgabe des Films der nächsten Woche steht auch auf meinem Merkzettel. Ich habe ihn schon lange in einer anderen Fassung, habe ihn auch oft gesehen.BS ist wirklich sehenswert in ihrer quasi Doppelrolle. Aber die Extras der Koch-Scheibe klingen wirklich verführerisch. Ich bin auf deine Einschätzung gespannt, ob sich das wirklich lohnt.
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#5 Laurin 2016-08-20 20:09
@ Andreas Decker:
Wie ich oben schon sagte, ob man solche Filme sehen will oder nicht, sollte man jeweils für sich selbst entscheiden. Ich persönlich habe da keine Schmerzgrenze, aber nicht jeder ist eben so schmerzfrei wie ich.
Was ich aber lustig finde ist der Satz mit dem "Kommerz". Zeig mir einen Film, bei dem es nicht um Kommerz geht (außer jetzt selbstgedrehte Familien- und Urlaubsfilme oder Fanprojekte). Natürlich jagt man Fortsetzungen hinterher, wenn die Kasse stimmt. Die Frage ist nur immer dabei, ob die Fortsetzungen das halten können, was man erwartet. Gilt für Rape & Revange-Filme ebenso wie für Tom & Jerry. :lol:
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#6 Andreas Decker 2016-08-22 13:45
zitiere Laurin:
Was ich aber lustig finde ist der Satz mit dem "Kommerz". Zeig mir einen Film, bei dem es nicht um Kommerz geht


Das war missverständlich formuliert, mir ging es um etwas anderes. Aber das jetzt aufzudröseln und vernünftig auszuformulieren ist, wie mir jetzt klar wird, zu zeitintensiv. ;-)
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#7 M. Botulino 2016-08-22 21:44
Falls jemand sehen möchte, was aus dem "Haupttäter", welcher in der Badewanne sein feuchtes Ende findet, geworden ist ("Eron Tabor"): Der Mann heisst in Wahrheit Ron Shetler und hat eine Gesangsschule in New York- zu sehen hier: www.ronshetler.com
Eine weitere Parallele zum Vorbildfilm "Last house on the left"- hier wie dort ist der Hauptdarsteller Musiker. Im Gegensatz zu "Last house" verzichtet "Spit" jedoch nicht nur auf die Künste seines Hauptdarstellers, sondern generell auf direkte Filmmusik jeweder Art, was den Film formal zum Kuriosum macht...
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