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Ein phantastischer Filmklassiker - Vom skrupellosen Superverbrecher zum Schrecken des Zwerchfell

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 74
Vom skrupellosen Superverbrecher zum Schrecken des Zwerchfell

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden.


Manche Figuren machen in Filmen auch einige optische Verwandlungen durch.

Fantomas (Fantomas)Fantomas (Fantomas)
Dieser Superverbrecher hat es in sich: Er lässt seine Opfer die eigene Hinrichtung miterleben, indem er sie mit dem Gesicht nach oben unter der Guillotine fesselt, Präpariert Parfümflaschen mit Schwefelsäure oder setzt pestverseuchte Ratten auf einem Passagierschiff frei.

Man könnte meinen, hier handele es sich doch glatt um einen Zwilling des Heftromanverbrechers DR. MORTON aus dem Anne Erber-Verlag. Doch FANTOMAS ist locker um einiges älter als DR. MORTON und könnte daher wohl eher selbst als Vorbild gedient haben. Die Faszination zu FANTOMAS geht hier nämlich ebenfalls von seinem konsequenten Widerspruch zur geltenden Gesellschaftsordnung aus. FANTOMAS ist so skrupellos wie genial und seine Verbrechen zeichnen sich nicht nur durch einen hohen Einfallsreichtum, sondern gleichsam auch durch eine ziemlich kaltblütige Brutalität aus. Er ist schier die Zusammenfassung der bürgerlichen Ängste und die Faszination die er versprüht ist schlicht eine diffuse Mischung aus Anarchist und Faschist mit einer radikal eigenen Sichtweise auf den Kapitalismus. Und doch lässt er sich nicht einfach in die eine oder andere Schublade zwängen, denn seine Freiheit kennt keine Sachzwänge oder feste Orientierungen.

Ja, ich könnte mir FANTOMAS sogar gut als Oberschurken vorstellen, gegen den sogar ein britischer Geheimagent mit der doppelten Null seine Schwierigkeiten hätte. Doch 1964 wurde aus dem literarischen Superverbrecher mit der Maske ein annehmbarer Edelgauner und nicht ganz so netter Spaßvogel. Statt Angstschweiß auf der Stirn der Zuschauer zu verbreiten reizte die Jagd auf ihn eher das Zwerchfell der Selbigen. Schon die Jugendfreigabe ab 12 Jahre bei der DVD spricht hierzu Bände und doch saß man fasziniert vor dem Fernseher, als diese Verfilmung zum ersten mal über die bundesdeutschen Fernsehschirme flimmerte.

Da wurde meinem Gefühl nach wohl hin und her geklaut:
Bei seiner unterirdischen Verbrecherzentrale kam nicht nur mir damals gleich die Verbrecherzentrale von DR. NO (1962) in den Sinn, der dann wirklich gegen die doppelte Null – auch Bond genannt – antrat. Und weil der Film auch wirklich bei den Zuschauern einschlug wie eine Bombe, gab es dann gleich noch zwei Nachfolgefilme dieses eher spaßigen FANTOMAS. Und auch hier konnte man Querverweise zu JAMES BOND nicht verleugnen, man nehme nur in der ersten Fortsetzung (1965) das fliegende Auto, ein Citroen DS 19, dessen Modell man hierzu schlicht mit den Flügelteilen einer Boeing B-52 kreuzte, die man nur einem entsprechenden Revell-Bausatz entnehmen musste. JAMES BOND brauchte für diese Idee allerdings dann doch um einiges länger, denn das fliegende Auto aus diesem Film (JAMES BOND – DER MANN MIT DEM GOLDENEN COLT) flimmerte erst 1974 zum ersten mal über die Kinoleinwand. Bleibt daher eher die Frage: Wer hat denn vielleicht bei wem geklaut? Oder hat man sich vielleicht bei Zeiten gegenseitig irgendwie befruchtet?

Diese Filmreihe um FANTOMAS bestand übrigens aus diesen drei hier aufgeführten Kinofilmen, die man auch zusammen in einer schönen DVD-Box erstehen kann:

  • Fantomas (1964)
  • Fantomas gegen Interpol (1965)
  • Fantomas bedroht die Welt (1967)

Fantomas (Fantomas)Wirklich lustig war er ja nicht, aber...
Nein, ein wahrer Witzbold war die Figur des FANTOMAS nicht, der übrigens von Jean Marais gespielt wurde, der in den Filmen wiederum jeweils mehrere Rollen zum besten gab. So unter anderem auch den Reporter Fador, der im ersten Film gleich mal dem Superverbrecher so einiges in seinen Zeitungsartikeln andichtet, um auf Seite 1. zu landen (böser Fehler). Marais spielt seine Rollen durchaus sehr ansprechend, auch wenn man ihn in jeder Maske, einschließlich der blauen von FANTOMAS, locker erkennen konnte. Doch solche „Nebensächlichkeiten“ interessierten damals die Zuschauer nicht wirklich.

Gut, FANTOMAS entwickelte eine gewisse, mitunter seltsame Art von Humor in den Filmen, doch die Rolle des durchgedrehten Scherzkeks übernahm ein völlig anderer, der eigentlich in kaum einem Film wirklich ernst bleiben konnte. Die Rede ist hier von Frankreichs damaligem „Superkomiker“ Louis de Funes, der hier die Rolle des Kommissar Juve ausfüllte. Und Louis de Funes tat hier das, was er am besten konnte, nämlich alles bis zur Unkenntlichkeit verdrehen, wie ein Kobold herum zu hüpfen, Grimassen zu schneiden und über die Leinwand zu gleiten wie ein Herzpatient aus der Intensivstation auf Speed.

Doch seien wir mal ehrlich, etwas weniger Blödelei und eine Schaufel mehr Spannung hätte gerade diesen Filmen dann doch etwas besser zu Gesicht gestanden. Wenn man dann noch die Fotogalerien zu den jeweiligen Filmen so betrachtet, gab es (gerade bei den männlichen Zuschauern) nicht nur vor der Leinwand, sondern auch hinter den Kameras für viele eine heimliche Hauptdarstellerin. Eigentlich hatte die Schauspielerin Mylene Demongeot nur eine bessere Nebenrolle als Mitarbeiterin, Freundin und Betthase für Fandor/Marais in den Filmen intus. Doch schon in den jeweiligen Fotogalerien wird sie stets gegenüber den anderen männlichen Darstellern auffallend häufig immer in ein perfektes Licht gerückt und auch die Augen der zumeist männlichen Zuschauer blitzten gehörig auf, wenn sie als zuckersüße Helene in einer Szene auftauchte. Ja, im Grunde gab es an Personen in diesen Filmen nur zwei wirklich auffallende Figuren, die stets einen Aha-Effekt beim Zuschauer auslösten. Die eine Figur war FANTOMAS mit seiner blauen Maske und die andere war Helene, die selbst mit einem Müllsack bekleidet noch so manche Männerherzen hätte dahin schmelzen lassen.

Fantomas (Fantomas)Wollen wir langsam mal in die Handlung schauen:
Natürlich will ich jetzt nicht alle drei Filme hier präsentieren, denn eigentlich kann man recht günstig eben selbst an alle drei Filme in einer hübschen DVD-Box ohne Komplikationen gelangen. Ist, wie ich bestätigen kann, auch mitunter günstiger, als sich die drei Filme zu FANTOMAS einzeln zuzulegen. Auch will ich hier nicht verschweigen, dass die Grundhandlung der Filme immer grob nach dem gleichen Muster verläuft. Aber auch das tut dem Spaß keinen Abbruch. Man muss sich (bzw. sollte sich) nicht die Filme gleich hintereinander reinziehen. Das wäre Ermüdend und die Dosis an Blödsinn seitens Louis de Funes würde sich dann wohl auch schädigend auf die Gehirnzellen auswirken. Egal wie gerne man ihn nämlich sieht, man sollte ihn in Maßen genießen. Doch widmen wir uns nun erst einmal dem Auftakt der Filmreihe um den hier eher galanten Superverbrecher FANTOMAS.

Fantomas (Fantomas)Der Gangster mit den 1000 Gesichtern:
Mit stets wechselnden Masken gelingt es dem genialen Verbrecher FANTOMAS jedes mal, sowohl seine Opfer als auch seine Gegner von der Polizei aufs Glatteis zu führen. Dabei muss er sich eigentlich keine wirklich großen Gedanken wegen Kommissar Juve und seinen Inspektor Bertrand machen. Der erste scheint nervlich stets unter Starkstrom zu stehen und sich geistig selbst zu überholen und Bertrand, eher unterwürfig und in Sachen Intelligenz nicht unbedingt ausgeschlafen, scheinen nämlich nicht gerade die größten Leuchten ihrer beruflichen Zunft zu sein.

Dafür ist der Journalist Fandor schon um einiges mehr auf Zack. Und wenn schon die nötigen Schlagzeilen nicht gleich zu ihm kommen, dann ist er auch gerne mal bereit, selbst welche zu entwickeln um auf die nötige Titelseite zu gelangen. Da kommt ihm dann das eher hilflose Katz und Maus-Spiel der Polizei mit dem Superverbrecher FANTOMAS gerade recht. Schnell wird so von Fandor hinter dem warmen Ofen ein Artikel in die Schreibmaschine gehackt, der seiner eigenen Fantasie entsprungen ist. Darin teilt er nicht nur vergnüglich gegen die hilflos wirkende Polizei und Kommissar Juve im besonderen aus, sondern entwickelt auch gleich die These, dass FANTOMAS eigentlich nur ein Phantasieprodukt der Polizei sein dürfte, um die eigene Unfähigkeit zu vertuschen und lästert dabei auch gleich noch ordentlich über den angeblichen Superverbrecher ab.

Dies lässt natürlich FANTOMAS nicht lange auf sich sitzen und stattet Fandor in den eigenen vier Wänden einen Besuch ab und zwingt ihn faktisch, diesen lächerlichen Artikel in seinem Sinne wieder gerade zu rücken. Fandor würde dies natürlich auch nur zu gerne tun, doch da hat er nicht mit dem übereifrig und entnervten Kommissar Juve gerechnet, der Fandor erst einmal aus dem Verkehr zieht, weil er ihn für FANTOMAS oder zumindest einen seiner Komplizen hält.

Da Fandor dem Ansinnen von FANTOMAS so nicht folgen kann, wird er nun flugs von ihm entführt, der sich dann auch bald in des Verbrechers futuristischem Luxusversteck wieder findet. Zur Strafe will FANTOMAS an Fandors Gehirn experimentieren, um den perfekten und nur ihm untergebenen Menschen zu erschaffen. Doch vorher soll Fandor noch mitverfolgen, wie FANTOMAS ihn mit seinem Gesicht (natürlich eine Maske von Fandor) in der Öffentlichkeit völlig durch jedes gesellschaftliche Schlammloch zieht. Denn bald würde Fandors Gesicht unlöschbar mit einem Schmuckraub im größeren Stil  verbunden sein. Da ist auch Kommissar Juve nicht weit entfernt und begibt sich sogleich auf die wenig erfolgreiche Jagd nach seinem Lieblingsgegner FANTOMAS.

Fantomas (Fantomas)Während Juve überzeugt davon ist, dass Fandor und FANTOMAS ein und die selbe Person sind, spielt der Superverbrecher mit dem guten Kommissar das gleiche Spiel noch einmal, was dann Juve selbst erst einmal in Polizeigewahrsam bringt, was keinen weniger freut als seinen Assistenten Bertrand, der ihn zwar recht unsanft, dafür aber mit viel Genuss durch die gesetzlich möglichen Mühlen dreht.

Doch FANTOMAS hat mittlerweile wieder zugeschlagen und Fandors Mitarbeiterin und Freundin Helene entführt. Das er der hübschen Blonden darüber hinaus sogar sehr zugetan ist, kann er dabei auch nicht verheimlichen. Doch das wiederum treibt die Eifersucht von FANTOMAS bisheriger Gespielin Lady Beltham in ungeahnte Höhen.  Um die süße blonde Versuchung wieder von der Seite ihres blau maskierten Geliebten zu entfernen, lässt Lady Beltham es sich daher nicht nehmen, ihr und Fandor zur Flucht zu verhelfen. Das gelingt auch, doch Fandor findet sich dafür bald in einer Zelle gleich neben Kommissar Juve wieder.

Ein scheinbar sozial eingestellter Gefängniswärter verhilft ihnen aber auch hier wieder zur Flucht in einem Gefangenentransporter. Doch frei will dieser die beiden nicht lassen, denn hinter der Maske des Gefängniswärters verbirgt sich kein anderer als FANTOMAS, der liebend gerne doch noch einige Experimente mit ihren Gehirnen veranstalten würde. Doch dieses mal scheitert das ganze an einem simplen Unfall.

Juve und Fandor wollen nun, endlich wieder in Freiheit, den Spieß umdrehen und verfolgen nun ihrerseits FANTOMAS erst zu Lande, und später, Dank Helene, die mit einem Hubschrauber anrückt, dann auch noch in der Luft. Doch FANTOMAS wäre nicht der geniale Verbrecher, wenn er nicht auch noch das Meer mit ins Spiel bringen würde, weil ein Mitglied seiner Bande längst mit einem Schnellboot auf ihn wartet. Weit draußen auf hoher See holen Juve und Fandor FANTOMAS eigentlich schon fasst ein, doch auch hier ist ihnen das maskierte Genie wieder einen Schritt voraus, denn längst wartet dort draußen sein persönliches U-Boot, um ihn endgültig in Sicherheit zu bringen. Fandor und Juve damit perfekt ausgetrickst, bleibt nichts anderes übrig, als hilflos und reichlich resigniert im Wasser herum zu plantschen, bis sie denn von der hübschen Helene mit einem Ruderboot aus ihrer misslichen Lage wieder abgeholt werden. FANTOMAS hat indessen gut Lachen und freut sich schon sichtlich auf das nächste Zusammentreffen mit seinen Gegnern.

Fantomas (Fantomas)Noch mal ein Blick auf den literarischen FANTOMAS:
Das Licht von Raub, Mord und Totschlag erblickte FANTOMAS im Februar 1911 durch das Autorenduo Marcel Allain und Pierre Souvestre. Dieser erste Kriminalroman trug damals ebenfalls schlicht und einfach den Titel „FANTOMAS“. Daraus schufen die Autoren eine erfolgreiche Kriminalromanserie die sie gemeinsam im Jahre 1913 mit dem letzten Roman (Nummer 32.) unter dem Titel LA FIN DE FANTOMAS beschlossen. Doch damit war noch längst kein Ende in Sicht, denn Marcel Allain schob von 1925 bis 1963 noch weitere  11. Romanfortsetzungen um den sowohl genialen wie kaltblütigen Superverbrecher nach.

Die Romane dienten aber auch für zahlreiche Verfilmungen als Vorlage, wobei die fünfteilige Filmserie von Louis Feuillade und in der Titelrolle mit Rene Navarre (1913/1914) stellvertretend zu nennen wäre. Für Rene Navarre war die Rolle des FANTOMAS jedoch kein wirklicher Glücksgriff, weil er nun stets an der Rolle des Meisterverbrechers gemessen wurde.

Von 1916 bis 1920 wurde auch in Deutschland eine insgesamt 16-teilige Reihe zu den Romanen verfilmt mit A. Lör in der Hauptrolle. Hier wurde der Meisterverbrecher FANTOMAS allerdings namentlich etwas eingedeutscht und hieß nun PHANTOMAS.

Die drei von Andre Hunebelle in den 60ern gedrehten FANTOMAS-Filme mit Louis de Funes und Jean Marais wurden jedoch von den Kritikern förmlich in der Luft verrissen. Wirklich gestört hatte dies aber damals wohl niemanden so wirklich, denn die Filme erfreuten sich bei den Zuschauern einer recht hohen Beliebtheit und waren auch aus finanzieller Sichtweise an den Kinokassen ein durchschlagender Erfolg.

Fantomas (Fantomas)Juan Louis Bunuel und Claude Chabrol drehten dann 1980 eine weitere vierteilige Miniserie zu FANTOMAS, bei dessen Produktion auch das ZDF mit beteiligt war. Der Vierteiler, in dem Helmut Berger in der Rolle des FANTOMAS glänzte, lehnte sich wieder eindeutiger an die damaligen Romanvorlagen an.

In einer französisch/italienischen Produktion von 1974 mit dem Titel DER MANN OHNE GESICHT (Artikel hierzu ebenfalls im Zauberspiegel von mir zu lesen) und mit Gert Fröbe als Kommissar Sorbier in einer Hauptrolle, griff zwar auf ein Drehbuch von Jacques Champreux zurück, der die Figur des FANTOMAS mit dem Thema der Tempelritter verband. Mangels finanzieller Mittel war man jedoch nicht in der Lage, die Rechte für den Namen FANTOMAS einzukaufen und den rot maskierten Verbrecher entsprechend im Film auch so zu benennen.

Doch auch in anderen Produktionen tauchte FANTOMAS als „Herrscher der Märchenwelt für Erwachsene“ auf. So trat er mit der hübschen blauen Maske auch in der tschechischen Fernsehproduktion DIE MÄRCHENBRAUT und später in der Fortsetzung, DIE RÜCKKEHR DER MÄRCHENBRAUT als Gauner wie auch als Helfer in Erscheinung. Aber auch in der deutsch/tschechischen Gemeinschaftsproduktion LUZIE, DER SCHRECKEN DER STRASSE (gleichsam eine Kinderserie) tauchte FANTOMAS auf, wobei er hier der Romanvorlage gerecht - mit Zylinderhut und Augenmaske - sich mit BATMAN anlegen durfte (hier durch die Knetfiguren FRIEDERICH & FRIEDERISCH dargestellt).

Doch auch Wald Disney ließ seine Comics nicht unberührt von diesem Superverbrecher. Keinem geringeren als Donald Duck der europäischen Disney-Comics verpasste man ein Kostüm und Maske und ließ ihn mit dem nun von FANTOMAS abgewandelten Namen PHANTOMIAS  und dem Flair eines Enten-BATMAN Heldentaten in Entenhausen erleben.

In Mexico erlebte unser Antiheld FANTOMAS ebenfalls schon reichliche Abenteuer in einer eigenen Comic-Serie unter dem Titel FANTOMAS, THE ELEGANT MENACE. Diese Comicserie schafften es bisher allerdings meines Wissens nach nie auf den deutschen Comic-Markt.

Fantomas (Fantomas)Meine Filmkritik:
Ja, mitunter hätten diese drei Filme auf Kosten der Komik etwas mehr Spannung bzw. Nervenkitzel aufweisen dürfen. Louis de Funes übertreibt es hier auch mitunter etwas mit den Blödeleien als Kommissar Juve. Das hatte er in anderen Filmen (nicht immer, aber mitunter) besser im Griff. Doch in erster Linie hatte man hier wohl gezielt eher am komödiantischen Rad drehen wollen, auch wenn man das ganze mit etwas Krimi und einem Schuss Action ala JAMES BOND angereichert hatte.

Auch folgen alle drei Filme eigentlich durchweg dem gleichen Handlungsmuster, so das die Überraschungen nur in den verschiedenen Schauplätzen und einigen Besonderheiten lagen, wie z.B. dem fliegenden Citroen DS 19. Doch wem die Späße von Louis de Funes zu sehr am Nervenkostüm zerrten, der wurde dafür mit dem niedlichen Anblick der hübschen Mylene Demongeot belohnt. Faktisch wie ein buntes Pflaster für das eigene Nervenheil.

Sieht man mal von diesen Punkten ab und stürzt sich z.B. bei der DVD-Box nicht gleich selbst ins Unglück und zieht sich alle drei Filme hintereinander rein, der dürfte dann aber doch noch voll auf seine Kosten kommen. Denn wer einmal frei von mittelschwerer Filmkost mal nur Spaß, Spiel und Spannung ohne tieferen Anspruch sucht, der bekommt bei diesen FANTOMAS-Filmen locker das gewünschte geliefert.

Das dieser FANTOMAS eher pflegeleicht daher kommt und eigentlich wenig mit dem Verbrecher der Romanvorlagen gemein hat, sollte man aber hierbei immer fleißig im Hinterstübchen halten. Wer also eher Mord und totgeschlagene Schwiegermütter erwartet, der setzt bei diesen Filmen schlicht auf das falsche Pferd. In Sachen Kurzweil mit phantastischen Ideen und Spaß (bis der Arzt kommt) liegt man bei diesen drei Filmen aber nie verkehrt, solange man auf einen Komiker als Nervenbündel steht. Daher gibt es von mir lockere vier von fünf möglichen Punkten. Den einen Punkt Abzug muss ich hier aber leider einplanen, weil Louis de Funes es dann doch ab und zu etwas mit dem Blödsinn überzieht. Wir werden mit der Zeit in der Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER auch nochmals auf den Komiker treffen, denn phantastisches muss nicht immer trocken und ernst daher kommen. Hier macht unser Louis es dann aber mal richtig und dosiert seine Scherze zwar immer noch recht derbe, aber durchweg gut dosiert. Um welchen Film es sich aber dann handelt, verrate ich hier noch nicht.

In diesem Sinne sei gesagt, wer auch den Spaß in der Phantastik zu schätzen vermag, der ist nicht schlecht beraten, wenn er seinem persönlichen Filmarchiv diesen Film (oder besser doch gleich die gesamte DVD-Box) einverleibt.

Ausblick:
Leute, ich habe noch einen Superverbrecher der maskierten Art, aber auf den müsst ihr noch etwas warten.
Im nächsten Film gehen wir geschichtlich um einen ordentlichen Batzen an Zeit zurück und Österreich lässt grüßen … irgendwie … sehr morbide.

Damals jedenfalls war es laut Film nicht gerade ratsam, sich irgendwie Feinde zu machen, denn eine falsche Beschuldigung und das Elend nahm wohl seinen Lauf.

Auch kann ich euch schon mal verraten, dass stetiger Tropfen eine recht ungesunde Wirkung entfalten kann. Besonders auf die eigene Psyche. Dabei kommt es nicht auf die Masse an, sondern auf die Regelmäßigkeit und die Dauer.

Auch das Produktionsland dieses klassischen Schockers sorgt für eine gehörige Überraschung. Eigentlich bin ich ja immer noch der festen Überzeugung, dass die Filmemacher eben dieses Produktionslandes keine vernünftigen Horrorfilme hin bekommen. Hier aber haben sie mal auf (fasst) voller Länge bei mir punkten können. Und wo der eine oder andere Schwachpunkt liegt, da kann man dann getrost auch mal wohlwollend drüber hinweg sehen. Frei nach dem Motto: Das Gesamtwerk zählt.

In einer guten Sammlung von PHANTASTISCHEN FILMKLASSIKERN sollte meiner bescheidenen Meinung nach dieser Beitrag jedoch niemals fehlen.

Im Produktionsland selbst ist dieser Film wenn erhältlich, mit einer Freigabe ab 18 Jahre aber mit Sicherheit schon geschnitten. Ungeschnitten drehen sich da die Jugendschützer meistens wie wild im Uhrzeigersinn auf ihrem Bürostuhl, bevor sie vor Verzweiflung (und wohl auch der Fliehkraft geschuldet) an der nächsten Wand langsam herabrutschen. Das ich mich aber nicht mit geschnittenen Dingen abgebe (oder zumindest recht selten), dürfte ja mittlerweile bekannt sein.

Ach ja, Feuer spielt in diesem Film auch noch eine nicht unbedeutende Rolle. Aber jetzt muss ich schon verdammt schwer aufpassen, denn jedes weitere Wort zum Film könnte schon für das heutige Rätsel fatal sein. Ich verrate einfach mal noch so viel, dass man in diesen Zeiten, in denen der Film spielt, die Intelligenz eines Menschen nicht unbedingt daran fest machen konnte, ob er des lesen und schreiben mächtig war. Eine PISA-Studie wäre in diesen dunklen Zeiten zumindest erschreckend verlaufen. Aber auch sonst war schon damals die ungeschnittene Version nichts für schwache Nerven, was ihn mitunter manchmal auf den Index brachte, wo er auch heute noch teilweise sein Dasein fristet.

Also um welchen Film handelt es sich nächsten Samstag? Na, noch keine Idee? Dann haltet euch bis nächsten Samstag zurück ohne vor Verzweiflung von der Teppichkante zu springen. Denn wenn ihr euch dabei weh tut, steht nicht die gesamte Dorfgemeinschaft drumherum und jubelt noch.

Fantomas (Fantomas)
Fantomas
(Fantomas)
mit Jean Marais, Louis de Funes, Mylene Demongeot, Jacques Dynam, Robert Dalban, Marie-Helene Arnaud, Pierre Collet, Henri Attal, Andree Tainsy, Christian Toma, Anne-Marie Peysson u.a.
Regie: Andre Hunebelle
Drehbuch: Jean Halain, Pierre Foucoud
Genre: Action/Komödie
Laufzeit: 104 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Tobis Home Entertainment/Universum Film
Frankreich 1964

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Kommentare  

#1 Mainstream 2016-12-03 17:22
-
Den "Ausblick" kenne ich nur als 12 minütigen
Zusammenschnitt in der Super-8-Fassung.
Natürlich nur die ganzen Brenn- und Folterszenen.
Schon komisch, was in den Siebzigern alles auf
Super-8 zu sehen war, obwohl es indiziert war.
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#2 Laurin 2016-12-03 21:17
@ Mainstream:
Ist doch nett, wenn man zumindest die Szenen für die ganze Familie auf Super-8 zusammen gefasst hatte. :lol:
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#3 Andreas Decker 2016-12-04 11:10
Ich wollte den Fantomas immer mal lesen, aber die 80er-Filmversion fand ich so zäh und öde, dass ich mich nie rangetraut habe. Obwohl es in Frankreich ja Dutzende ähnlicher Figuren gibt, die mittlerweile ins Englische übersetzt wurden. Hier interessiert das keinen.

Ich sehe meistens rein, wenn die drei Filme irgendwo wiederholt werden. Der 2te ist eigentlich der Beste, der 3te ist so hirnrissig. Auch wenn ich mich jedesmal über das Ende amüsiere mit diesen schlecht reingeschnittenen Air Force-Inserts. Ich frage mich dann immer, wie es Fantomas geschafft hat, die Rakete im Schloss einzubauen. Irgendwo stößt auch Superschurkengenialität an ihre nicht mehr nachvollziehbaren Grenzen :D

Hach ja, Mylene Demongeot 8) Obwohl ein paar von de Funes Witzchen in den Filmen unvergesslich sind. Wie er immer seinen armen Assi zusammenfaltet ist auch 40 Jahre später noch witzig.

Sind die DVDs restauriert oder bearbeitet? Die Qualität der Fernsehfassungen ist ja nicht gerade toll.

Den Film der nächsten Woche habe ich mir letztens gegönnt. Wo sie noch heute debattieren, wer was regisseurt hat. ;-) Vor allem das Interview bei den Extras mit dem damaligen Anfänger, der eine beachtliche Karriere machte, ist klasse. Wie der den Interviewer anmotzt, klasse.
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#4 Estrangain 2016-12-04 11:44 Zitieren
#5 Laurin 2016-12-06 17:10
Na, jetzt komme ich mal dazu, zu antworten. :-)

@Andreas Decker:
Von einer restaurierten Fassung finde ich auf der DVD-Box nichts. Wird wohl die Fernsehfassung sein.
Ja, de Funes war schon eine Marke für sich und eigentlich immer gerne gesehen. Aber ab und zu gehen mit ihm auch mal die Gäule durch. Von den drei Filmen mag ich den ersten und den zweiten auch am liebsten.

@ Estrangain:
Ja, FANTOMAS scheint so einige inspiriert zu haben. Aber in dem Punkt gebe ich auch Andreas Decker recht, die 80er Jahre Version war wirklich verdammt zäh. Das hätte man viel besser machen können. Vielleicht traut sich ja mal wieder jemand an die Figur heran ... wer weiß.
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