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Ein phantastischer Filmklassiker - Ein mörderisches bis groteskes Kunstwerk

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 88
Ein mörderisches bis groteskes Kunstwerk

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Manchmal liegt das phantastische eher in der Umsetzung.


Vier Fliegen auf grauem Samt (Quattro Mosche velluto grigio)Vier Fliegen auf grauem Samt (Quattro Mosche velluto grigio)
Was hat eines der noch eher als Frühwerk (sein dritter abendfüllender Film) anzusehenden Filme von Dario Argento mit Bryan Edgar Wallace zu tun? Scheinbar nicht wirklich viel, wenn man davon absieht, dass seine Filme DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE (1969) und DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE (1971) damals in Deutschland als solche vermarktet wurden (siehe hierzu auch die Filmografie zu Bryan Edgar Wallace). Ob hier nun ein vollständiger Roman des Sohnes von Edgar Wallace oder nur teilweise einige Inhalte hiervon den Filmen von Dario Argento zugrunde liegen, konnte ich bisher kaum heraus recherchieren. Vielleicht hat da jemand bessere Informationen, denn mehr als das diese zwei Filme Argentos eben unter dessen Namen vermarktet wurden, fand ich bisher nicht. Das LEXIKON DES HORRORFILMS verweist hingegen sogar auf die irritierende Titelgebung des Films DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE, die hier scheinbar vorgibt, "nach einem Treatment von Bryan Edgar Wallace entstanden" zu sein, was aber wiederum völlig  "erstunken & erlogen" sei

VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT (1971) wurde indessen nie als Bryan-Edgar-Wallace-Film hierzulande vermarktet. Da dieser aber zu der sogenannten "Tier-Trilogie" von Argento gehört, wird dieser auch gerne mal der Vollständigkeit der Filmreihe wegen, als solcher mit benannt, ohne das er unter dem Wallace-Namen hier je vermarktet wurde.

Vier Fliegen auf grauem Samt (Quattro Mosche velluto grigio)Die "Tier-Trilogie" von Dario Argento, bestehend eben aus den Filmen DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE, DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE und VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT, zeichnet sich auch nicht gerade damit aus, dass sie mit inhaltlichen Zusammenhängen punkten könnten. Alleinigst die Tatsache, dass alle Titel ein Tier beinhalten, dass stets den Schlüssel zur Aufklärung des Geheimnisses darstellt, scheint der verbindende Faktor zu sein.

Nun mag mancher ungläubig bereits mit dem Kopf schütteln, denn im ersten Film der Trilogie kommt doch überhaupt kein Tier vor. Nun, hier liegt das Geheimnis in der Übersetzung des Titels. Der Originaltiel (L'UCCELLO DALLE PIUME DI CRISTALLO) bzw. der internationale Titel von DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE lässt sich wörtlich übersetzen als DER VOGEL MIT KRISTALLFEDERN bzw. MIT DEM GEFIEDER AUS KRISTALL. So kommt man dann auf das Bindeglied der "Tier-Trilogie" Vogel-Katze-Fliege.

Vier Fliegen auf grauem Samt (Quattro Mosche velluto grigio)Eher filmisches Kunstwerk als ernstzunehmender Psychokrimi:
Im Jahre 1970 hatte der Regisseur Mario Bava die italienischen Ciallos bereits entwickelt, die als Untergenre sowohl der Kriminalfilme als auch des Horrorfilm gelten. Die dabei auch gerade explizite Inszenierung der Gewalt war typisch für den Ciallo und kann auch als Wegbereiter des amerikanischen Slasherfilms angesehen werden. Hier taucht nun auch wieder der Name Edgar Wallace (der Vater von Bryan Edgar Wallace) auf, dessen Romanverfilmungen den frühen italienischen Ciallo durchaus mit prägten.

Alle drei Filme der "Tier-Trilogie" von Argento kann man mit einigem Recht daher dem Giallo zuordnen, so also auch den Film VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT. Dabei hält sich hier die Gewaltdarstellung durchweg noch im Großen und Ganzen in Grenzen und der Anteil des Krimi überwiegt in der Handlung nur zu deutlich. Die Erzähllogik der Handlung sorgt gleich zu Beginn schon für ein ungläubiges Staunen des Zuschauers. Auch mit der Logik sollte man es hier nicht wirklich genau nehmen, denn Argento arbeitet auch hier gerne mit sogenannten zufälligen Wahrscheinlichkeiten wie auch unwahrscheinlichen Zufällen. Das Geheimnis um den Mörder, so stellt man mit zunehmendem Verlauf fest, steht nicht so sehr im Vordergrund wie die z.B. Bildkomposition und die mitunter surreal erscheinende Handlung an sich. Ähnlich wie späterhin in seinem Film SUSPIRIA aus dem Jahre 1977 (der hier auch bereits in der Reihe vorgestellt wurde) entwickelt Argento hier eine Art filmisches Kunstwerk.

Vier Fliegen auf grauem Samt (Quattro Mosche velluto grigio)Doch dieses Kunstwerk leidet leider streckenweise an der mangelnden Spannung, die immer wieder zum Nachteil des Zuschauers einem stetigen auf und ab unterworfen ist. Das sprichwörtliche Grauen, dass auf leisen Sohlen in eine durchweg eher bürgerliche Welt einbricht, hält sich somit in gewissen Grenzen, was die Handlung daher auch mitunter eher grob konstruiert wirken lässt. Da hilft dann leider auch keine Schauspielerin wie Mimsy Farmer, die durch ihr sehr ansprechendes, äußeres Erscheinungsbild  den Film durchaus aufwertet, oder ein Bud Spencer, der hier als "God" (oder auch Gottfried) eine für ihn eher ungewöhnliche Rolle spielt. So manche witzige Passage wie etwa die, wo der Postbote Prügel von Roberto bezieht oder der Streifzug während einer Ausstellung von kuriosen Särgen in einem Bestattungsunternehmen, bringen mich als Zuschauer durchaus zu einem erheiterten Grinsen, retten das Gesamtwerk aber nur unwesendlich. Denn die schon reichlich übertriebene, klischeehafte Darstellung des homosexuellen Privatdetektiven fällt dann in der Charakterzeichnung eher wieder höchst negativ auf.

Schon in diesem Sinne fällt es mir nur sehr schwer, diesen Ciallo ebenfalls als ein Untergenre auch des Horrorfilms zu betrachten. Der Anteil an einem schlichten Kriminalfilm mit überzogenen Elementen ist hier einfach zu hoch und trotz der einen oder anderen blutigen Spitze reicht für meinen Geschmack das Ganze gerade mal in zarter Weise an einen leidlich härteren Psychothriller heran. Doch wenden wir uns nun der Handlung zu, die ich hier nicht so verwirrend wiedergeben möchte, wie sie bei der ersten Sichtung des Films auf mich wirkte.

Vier Fliegen auf grauem Samt (Quattro Mosche velluto grigio)Ein undurchsichtiges Spiel zwischen Mord und Totschlag:
Italien in den 70er Jahren. Robert Tobias ist Schlagzeuger in einer Rockband und kann sich gerade nicht wirklich konzentrieren. Da ist diese Mücke die die ganze Zeit um seinen Kopf herum schwirrt und ihn ärgert und ein Unbekannter, der ihn scheinbar seit längerem folgt und zu beschatten scheint. Statt die Mücke zu erschlagen, folgt er etwas später dem geheimnisvollen Fremden und stellt ihn in einem menschenleeren Theater zur Rede.

Statt jedoch Antworten zu bekommen, kommt es zu Handgreiflichkeiten, worauf der Fremde auch noch ein Messer zieht. Robert scheint ihn mit dieser Waffe im Zweikampf sogar tödlich getroffen zu haben, denn der Fremde bleibt reglos liegen und an dem Messer, dass nun Robert in Händen hält, klebt scheinbar dessen Blut. Doch damit nicht genug, scheint eine weitere Person im Theater zu sein und von dem Zweikampf sogar Fotos gemacht zu haben. Seltsamer Weise trägt diese Person eine recht bizarre, grinsende Maske und kann mit Leichtigkeit das Theater wieder unerkannt verlassen.

Robert, sich wegen der Tat schuldig fühlend und eher apathisch in seinen Reaktionen, verschweigt den Vorfall und spricht so weder mit der Polizei noch mit seiner Ehefrau Nina darüber.

Vier Fliegen auf grauem Samt (Quattro Mosche velluto grigio)In der folgenden Zeit tauchen jedoch immer wieder Fotos von der Tat in Roberts unmittelbarer Nähe auf, die noch gefolgt werden von seltsamen schriftlichen Botschaften. Roberts Zustand verschlechtert sich rapide. Er wird nervös und hat in der Nacht immer wieder Albträume über eine seltsam ausgeführte Enthauptung auf einem orientalischen Marktplatz. Ein hinterhältiger wie auch  ziemlich aggressiver Angriff auf Robert in der Nacht, zeigt ihm, dass der geheimnisvolle Fremde mit ihm ein ziemlich bizarres Katz und Maus Spiel betreibt, das ihn bald an den Rand eines Nervenzusammenbruch zu treiben scheint. In dieser Situation vertraut sich Robert endlich seiner hübschen Frau Nina an. In diesem Augenblick werden sie aber auch heimlich durch die Haushälterin Amelia belauscht. Amelia scheint dabei mehr zu wissen, als sie sollte und wendet sich an den Täter um diesen zu erpressen. Dies hätte sie aber besser gelassen, denn im weiteren Verlauf wird sie in der Nacht in einer einsamen Parkanlage grausam ermordet.

Robert vermutet den seltsamen Täter, der ihn bedroht, ebenfalls in seinem näheren Umfeld und engagiert auf Anraten seines Kumpels Gottfried, auch "God" genannt, der ein Aussteigerleben führt, einen Privatdetektiven. Neben Gianni Arrosio, dem homosexuellen Detektiv, soll auch ein Sonderling helfen, den man nur den "Professor" nennt.

Neben Amelia kommt es indessen durch den sonderbaren Täter zu weiteren Morden an Menschen aus Roberts direktem Umfeld. Hierzu gehört auch Carlo Marosi, dem angeblichen Opfer des Zweikampf mit Robert. Dessen Tod war nur gespielt und das Messer war nur ein Trickmesser das ihm niemals hätte gefährlich werden können. Doch als nun wirklich Menschen gewaltsam sterben, will er nicht mitschuldig werden und aussteigen. Doch der geheimnisvolle Fremde tötet daraufhin auch ihn kaltblütig.

Nina, die sich durch Roberts Verhalten ausgeschlossen fühlt, verlässt das gemeinsame Haus, wo sich nun auch ihre Cousine Dalia befindet. Der Detektiv Arrosio scheint indessen tatsächlich eine Spur gefunden zu haben, wird aber ebenfalls auf einer Toilette ermordet. Auch Dalia, die sich nach der Abwesenheit von Nina erfolgreich an Robert heran gemacht hatte, wird bald ein Opfer des geheimnisvollen Fremden.

Vier Fliegen auf grauem Samt (Quattro Mosche velluto grigio)Ein Pathologe fordert daraufhin von den nächsten Angehörigen eine Einwilligung um an Dalia ein neues Verfahren durchführen zu können. Dieses Verfahren soll das letzte Bild wieder sichtbar machen können, was das Opfer zuletzt vor dem Tode gesehen hat. Das neue Verfahren gelingt, jedoch hilft es nicht weiter, denn es zeigt nur vier Fliegen auf grauem Samt, die Dalia als letztes vor ihrem Tod gesehen haben muss.

Robert besorgt sich indessen einen Schusswaffe und verschanzt sich nun in seinem Haus, sicher, dass der geheimnisvolle Mörder bald auch sein Leben beenden will. Zwar verschafft sich in der Nacht jemand Zugang ins Haus, doch statt des Geheimnisvollen ist es Roberts Ehefrau Nina, die zurück kehrt. Während Robert versucht, Nina zu überreden, dass Haus wieder zu ihrem eigenen Schutz zu verlassen, fällt ihm an ihr ein Medallion auf, in dem auf grauem Samt eine Fliege eingeschlossen ist. Nun wird Robert klar, dass sein geheimnisvoller Gegner niemand anderes als seine eigene Frau Nina sein kann.

Der Grund für ihre Taten liegen in ihren schlimmen Kindheitserfahrungen, die sie zu einer psychisch labile junge Frau gemacht haben. So wollte ihr Vater immer einen Sohn statt einer Tochter und tyrannisierte und misshandelte sie deshalb.  Doch bevor sie sich an ihrem Vater dafür rächen konnte, verstarb er plötzlich. Nun konzentrierte sich ihre Rache auf Robert, den sie heiratete und der ihrem verhassten Vater zumindest optisch recht ähnlich scheint. Ihr Plan war daher von Beginn an, Robert langsam in den Wahnsinn zu treiben, um ihn dann als Höhepunkt ihrer Rache zu töten. Da sie im Besitz von Roberts Schusswaffe ist, verletzt sie ihn mit einem Schuss, doch dann dringt plötzlich Gottfried in die Wohnung ein, worauf Nina die Flucht ergreift.

Gottfried kümmert sich um den verletzten Robert, statt ihr zu folgen. Nina setzt ihre Flucht indessen mit überhöhter Geschwindigkeit im Auto fort und fährt so frontal hinten auf einen LKW auf, dessen herunter gelassene Ladeklappe sie enthauptet.

Vier Fliegen auf grauem Samt (Quattro Mosche velluto grigio)Meine Filmkritik:
Nein, mit Logik sollte man diesen Film von Dario Argento nicht angehen. Vielmehr wirkt er wie auf die visuellen Augenblicke hin ausgerichtet. Eben, als wenn man keine wirklich durchdachte Filmhandlung verfolgt, sondern eher versucht, hier ein visuelles Kunstwerk zu schaffen.

Dieser Ciallo, der bis auf ein kleines phantastisches Element (das letzte Bild auf dem Auge einer Toten) sich innerhalb der Handlung recht schwer tut, ist selbst für einen guten Ciallo recht untypisch. Italienische Ciallos sind ja faktisch ein Untergenre zwischen Kriminal- und Horrorfilmen, ähnlich den bekannten amerikanischen Slasherfilmen, die ebenfalls nicht zwingend ein phantastisches Element beinhalten müssen (aber können).  Bei ihnen passt der Oberbegriff Horrorfilm ebenfalls durchaus, was man bei dem Film VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT nicht wirklich behaupten kann. Man tut sich hier ja schon schwer, den Film trotz dieses kleinen Element in einer Reihe von Filmen zu nennen, die mitunter auch nur einen leichten phantastischen Einschlag/Effekt besitzen.

Das man diesen Film von Argento überhaupt in die Sparte der Ciallo einordnen kann, liegt an einigen brutaleren Szenen, die den Film aber wahrlich nicht besser machen. Es gibt hier zwar durchaus den einen oder anderen spannenden Moment, doch sind diese Spannungsmomente rar gesät und der Gesamtfilm besteht so einfach aus zu viel belanglosem Leerlauf, den man hätte besser nutzen können, wenn man etwas mehr Logik und Sinn hinein gepackt hätte. Da will dann auch ein Lob als filmisches Kunstwerk nicht wirklich flüssig über die Lippen kommen.

Das Spiel der Darsteller konnte dabei dann auch nur so gut sein, wie Drehbuch und Regie es wirklich zulassen wollten. Meckern kann man z.B. nicht über die schauspielerische Darstellung, die z.B. Mimsy Farmer hier abliefert, doch leider verschwendet man ihr Können, indem sie nur zu oft eher als hübscher Blickfang  genutzt wird. Das sie am Ende dann nicht Opfer sondern Täterin ist, verwundert den Zuschauer nicht wirklich, so das diese Wendung schlicht vom Zuschauer eher nur noch zur Kenntnis genommen wird. Auch  Jean-Pierre Marielle, eigentlich ein guter Schauspieler, fällt so nur negativ als Detektiv auf, weil seine Darstellung als Homosexueller jedem dümmlichen Klischee folgt, dass man hier finden konnte. Einzig Bud Spencer kann in seiner eher untypischen Rolle überraschen, reißt den Film aber ebenfalls nicht aus dieser offensichtlichen Belanglosigkeit heraus.

Der Zuschauer mag hier also des öfteren sich verwundert die Augen reiben und weiter der Handlung folgen, weil er immer noch auf einen Moment bzw. eine Wendung wartet, die den Film noch auf ein gewisses Maß an Spannung und passendem Niveau anhebt. Doch ab der Hälfte müsste selbst dem letzten Zuschauer aufgefallen sein, dass die schön wiedergegebene Zeitkolorit das einzige ist, dass diesen Film bis zum Ende wirklich noch sehbar macht.

An sich mag ich die Filme von Dario Argento recht gerne und halte ihn auch für einen begnadeten Mann sowohl im Regiestuhl als auch in Sachen Drehbuch. Doch hier muss ich ehrlich zugeben, sehe ich den Film VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT eher als eine frühe Fingerübung des Meisters an, die leider in Zukunft recht wenig das innere meines Recorders sehen wird um dafür eher als Staubfänger in meiner persönlichen Filmsammlung zu verbleiben.

Alleine wegen der ungewöhnlichen Rolle von Bud Spencer und der wirklich hübschen Schauspielerin Mimsy Farmer vergebe ich dem Film VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT so noch zwei von insgesamt fünf möglichen Punkten. Was jedoch die Gesamthandlung, die Logik innerhalb dieser Handlung und die "künstlerische" Umsetzung angeht, hülle ich mich in der Punktevergabe hier mal in tiefes Schweigen.

Ob man den Film VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT nun unbedingt in seiner Filmsammlung haben muss, überlasse ich daher jedem selbst. Dabei kann ich jedem nur den Tipp geben, auf eine spätere, billige Version auf DVD zu hoffen, oder hier bei einer gebrauchten und damit günstigen Gelegenheit zuzuschlagen. Der Neupreis  aus dem Hause Koch Media mit DVD, BD und einer DVD mit Extramaterialien zum Film sowie dem dazu gehörigem 24-seitigem Booklet dürfte nach Sichtung des Films gefühlt als überteuert gelten. Eine  weitaus günstigere Version als BD oder DVD ohne viel Schnickschnack hätte es hier wohl sicherlich auch getan.

Ausblick:
Ja, der nächste Film ist wieder im Bereich des SciFi angesiedelt, obwohl ich nicht so ganz ausschließen möchte, dass hier auch durchaus Elemente des Horrors mit eingeflochten wurden. Das eine oder andere würde nämlich durchaus auch ohne Weltraum, Raumschiffe und ferne Planeten funktionieren und beim Zuschauer eine ordentliche Gänsehaut auslösen.

Ich weiß, ich sollte hier nun wirklich nicht zu viel verraten, zumal am darauf folgenden Sonntag ihr zu dem Thema noch etwas mehr im ZAUBERSPIEGEL auf die Augen bekommt. Aber ein paar Tipps kann ich euch dennoch geben:

George Lucas hatte in seinem ersten STAR WARS Film (KRIEG DER STERNE) ja dafür gesorgt, dass Raumschiffe nicht immer wie aus dem Ei gepellt sein müssen. Der "Rasende Falke" z.B. sollte durchaus das äußerliche Bild einer Schrottmühle vermitteln. Doch gegenüber dem Raumschiff von nächstem Samstag kann man wohl im "Rasenden Falken" noch vom Boden essen, selbst nachdem Chewbacca mit dem behaarten Hintern auf der besagten Stelle gesessen hat. Denn in manchen Räumen tropft nur so der Wasservorrat dahin (wo kommt der eigentlich permanent her?), dass jeder Klempner hier eine Lebensaufgabe an den Rohren antreten könnte.

Nun gut, nicht im ganzen Raumschiff sieht es aus, wie bei Hempels im Rattenkeller, aber immerhin, man greift bei diesen Bildern schon aus Reflex zu Reinigungsmittel, Eimer und Schrubber samt Desinfektionsmittel der brutalen Sorte.

Ein Oscar war auch drin. Also nicht in diesem Raumschiff, sondern als Auszeichnung. Gekriegt hat den aber weder ein Schauspieler noch der Regisseur oder einer der anderen aus der direkten Produktion. Und doch, der, der diesen Oscar einsteckte, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass dieser SciFi-Film zum Kult wurde.

Dann sollte ein wahrlicher Hollywood-Star die männliche Hauptrolle übernehmen. Doch der Zahn wurde schnell gezogen und dieser Star bekam dann doch diese Hauptrolle nicht, zumal er sich dann einer Geschlechtsumwandlung hätte unterziehen müssen. Ich weiß, so etwas tut wohl böse weh innerhalb der empfindlichsten Regionen eines Mannes.

Und dann sind da noch diverse Austern und andere Muscheln sowie eine Schafsleber, die ihren Auftritt feierten, weil sie optisch ein wirklich schönes Bild abgaben. Warum? Wieso? In welcher Hinsicht? Das werde ich euch hier doch nicht verraten.

Und wem das als Hinweise noch nicht ausreicht, dem sei gesagt, dass es nicht bei einem Film blieb, sondern auch diverse Romane und andere Bücher ebenso folgten wie jede Menge Comics. Ja, selbst BATMAN oder JUDGE DREDD hatten in ihren Heftchen schon mit dem Tierchen zu tun, dass für uns Zuschauer in diesem Film schaurig von der Leine gelassen wurde.

Doch mehr mag ich nun nicht mehr verraten. Jetzt müsst ihr euch selber schon etwas anstrengen um den Titel dieses Film heraus zu bekommen. So schwer kann dieses Rätsel doch nun wirklich nicht sein ... oder?

Vier Fliegen auf grauem Samt (Quattro Mosche velluto grigio)
Vier Fliegen auf grauem Samt
(Quattro Mosche velluto grigio)
mit Michael Brandon, Mimsy Farmer, Bud Spencer, Jean-Pierre Marielle, Oreste Lionello, Fabrizio Moroni, Marisa Fabbri, Aldo Bufi Landi, Steffano Satta Flores, Calisto Calisti, Francine Racette, Costanza Spada u.a.
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento, Luigi Cozzi, Mario Foglietti
Produktion: Salvatore Argento
Genre: Giallo
Laufzeit: 99 Minuten (DVD), 103 Minuten (BD)
Extras: DVD mit Interviews, Trailer, Bildergalerie sowie 24-seitigem Booklet
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Koch Media
Italien/Frankreich 1971

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-03-11 12:52
Ich finde den auch nicht so toll. Farmer habe ich schon besser gesehen, in Das Parfüm der Dame in Schwarz ist sie richtig gut. Brandon ist einfach schlecht, Spencer spielt alle an die Wand. Mir gefiel bei der erneuten Sichtung sogar Marielle. Die Geschichte des Privatdetektivs fand ich trotz des schwer erträglichen homosexuellen Portraits - die tatsächlich immer noch besser als in vergleichbaren Filmen ist - wesentlich witziger als die dämliche Postbotengeschichte mit ihrem stupiden Klamauk. Das waren Nägel auf einer Tafel, so deplatziert war das.

Logik und Giallo gehören nicht unbedingt zusammen. Das muss man lernen. Obwohl ich nun immer der Erste bin, der Storylogik einfordert, habe ich mich überzeugen lassen, dass man das im Giallo anders sehen sollte. :-) Sonst ist das vertane Zeit.

Das Problem bei den "Tierfilmen" ist, dass sie sehr ähnlich sind in der Story. Aber so manche Bilder sind hier wirklich einprägsam, und die Atmosphäre stimmt. Doch als Einstiegsfilm für Argento ist er wenig geeignet. Da sollte man wirklich Suspiria oder den tollen Profondo Rosso nehmen, aber ungeschnitten und als vernünftige DVD.

Kochs MB ist eigentlich ganz nett und verglichen mit anderen sogar noch recht preiswert. Immerhin kriegt man 3 DVDs, BD, DVD und Extras. Andere haben die 30 Euro-Grenze hinter sich gelassen. Die Extras sind ein Mehrwert, das Bild wirklich gut.

Hm, ich hätte schwören können, du hast den nächsten Film schon besprochen. :-) Der lässt sich nicht umschreiben, ohne dass es klar wird. Es ist bedauerlich, dass unseren Autoren heute nicht mehr so wegweisende Konzepte einfallen.
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#2 Laurin 2017-03-11 13:54
@ Andreas Decker:
Der Mensch strebt, solange er irrt. :lol:
Nö, den Film aus dem AUSBLICK hatte ich noch nicht besprochen.

Ja, preislich geht die Koch-Version noch. Aber der Film an sich ist nicht gerade eine Leuchte. Im Giallo sollte es, wenn es mit der Logik nicht so ganz hinhaut, zumindest stimmig sein. Da hapert dieser Film allerdings auch. :-*
Und Mimsy Farmer geht eigentlich immer, Hauptsache sie lächelt süß in die Kamera. ;-)
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