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Ein phantastischer Filmklassiker - Zwei klassische Autoren im filmischen Mixer

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 91
Zwei klassische Autoren im filmischen Mixer

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Mitunter ist aber nicht drin, was auf der Verpackung steht.


Die Folterkammer des Hexenjägers (The Haunted Palace)Die Folterkammer des Hexenjägers (The Haunted Palace)
Ja, der Film der mir vorliegt, ist durchaus bekannt dafür, dass er in der EDGAR ALLAN POE CLASSIC-COLLECTION erschienen ist. Das ist bei Filmen aus dem Hause American International Pictures, kurz auch AIP abgekürzt, nichts ungewöhnliches.

Und dann haben wir natürlich den Regisseur Roger Corman, der mit dem genialen Schauspieler Vincent Price so einige Geschichten von Edgar Allan Poe heran gezogen hat, um diese zu verfilmen. Die einen mögen durchaus recht nahe an der literarischen Vorlage von Poe liegen, die anderen schweifen indessen eben von dieser literarischen Vorlage auch recht weit ab.

Doch in dem Film DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS beginnt die Verwirrung für den eingefleischten Poe-Kenner bereits Purzelbäume zu schlagen, denn mit Edgar Allan Poe hat dieser Film eigentlich kaum noch etwas zu tun. Gut, der Originaltitel THE HAUNTED PALACE stammt von einem Gedicht von Poe, aber sonst.

Auch wenn man sich der Extras zum Film auf der DVD annimmt, merkt man, dass manche sich hier etwas um die kleinen Realitäten des Lebens vorbei mogeln, wenn sie über den Film sprechen. So soll laut einer meiner Informationen Roger Corman nicht unbedingt glücklich gewesen sein als man bei AIP den Titel THE HAUNTED PALACE für seinen Film durchsetzte, damit er in die Reihe der Poe-Verfilmungen passte und entsprechend international vermarktet werden konnte. Schließlich wusste er als Regisseur und Produzent des Films recht genau, wie viel Poe wirklich in diesem Film steckte. Den eingefleischten Fans von H.P. Lovecraft dürften sich indessen die Nackenhaare gekräuselt haben, was man aus Lovecrafts Geschichte DER FALL CHARLES DEXTER WARD gemacht hatte. Der Originaltitel dieser Lovecraft-Geschichte war übrigens THE MADNESS OUT OF TIME, wurde dann aber auch unter dem Titel THE CASE OF CHARLES TEXTER WARD veröffentlicht. Aber auch sonst findet man so einiges aus dem erschreckenden Universum des H.P. Lovecraft innerhalb des Filmes wieder, ich nenne hier nur mal dessen berühmtes Buch des Schreckens, das NECRONOMICON. Und hatte Lovecraft seine Geschichte zu Charles Dexter Ward in seiner Heimatstadt Providence angesiedelt, so finden wir ihn hier plötzlich in Lovecrafts fiktivem Städtchen Arkham wieder.

Und Nein, ich meine hier nicht die Nervenheilanstalt ARKHAM aus den BATMAN-Comics, wo man in schöner Regelmäßigkeit dessen Gegner wie den Joker, den Riddler oder Harley Quinn hinter Schloss und Riegel setzt. Doch auch hier gibt es eine kleine aber feine Querverbindung, denn Lovecrafts Hautcharakter Charles Dexter Ward verschwand in dessen Geschichte wegen geistiger Verwirrung und seltsamer physischer Veränderungen zuerst auch einmal in einer solchen besagten Heilanstalt.

Die Folterkammer des Hexenjägers (The Haunted Palace)Die gesamte Story weist auf eine Lovecraft-Verfilmung hin:
Edgar Allan Poe war eigentlich eher bekannt dafür, die Dekadenz z.B. des Adels in seinen schauerlichen Geschichten auf die Spitze zu treiben und so dem dunklen Schrecken anheim fallen zu lassen. Das Böse hatte so einen Ursprung, grub sich mitunter durch mehrere Generationen wie ein Krebsgeschwür nach oben, bis das es sich in einem unaussprechlichen Grauen entlud. Bei Poe war das Böse nicht von Anbeginn der Zeit vorhanden und schwebte auch nie völlig unbesiegbar über der Menscheit. Das Böse in seiner Schauerliteratur hatte bei ihm stets einen Ausgangspunkt, einen Werdegang und eben in der Hauptseite seiner Geschichten einen Höhepunkt. Hier unterschied sich Poe wesentlich von H.P. Lovecraft, in dessen literarischem Universum die unausprechlichen Schrecken schon existierten, bevor es den Menschen überhaupt gab und wohl noch existieren werden, wenn der Mensch die Bühne des Lebens verlassen haben wird.

Das Böse bei Lovecraft benötigt keine Ursache um zu dem zu werden, was es letztendlich ist. Es benötigt keinen Werdegang um sich zum Grauen zu steigern. Das Böse bei Lovecraft ist, so könnte man es auch bezeichnen, der Schlüssel von Anfang und Ende, das Alfa und das Omega indem der Mensch nur ein reiner Spielball des universellen Schreckens ist. Ist bei Poe zumeist der Mensch selbst der Schmied seiner dunklen Abgründe, so hängt bei Lovecraft der Mensch über den Abgründen des Schreckens stets wie am seidenen Faden.

Auch in diesem Punkt ist der Film DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS viel eher eine Lovecraft-Verfilmung und weicht so erheblich von anderen Poe-Verfilmungen ab. Zudem finden wir im Film eine Menge Versatzstücke aus anderen Horrorklassikern wie z.B. dem Fackeln schwingenden Mob der Einwohner von Arkham, der recht deutlich an die gleiche Szene aus der Verfilmung FRANKENSTEIN mit Boris Karloff erinnert.

Aber auch von DRACULA oder DER WOLFSMENSCH finden wir hier (neben dem Darsteller Lon Chaney jr. selbst) Motivelemente wieder, und sei es nur der beständige Nebel der zu jeder Zeit durch die Häuserschluchten zu ziehen scheint. Joseph Curwen (der Hexenmeister) wird hier nicht wie bei Poe recht bekannt vom Wahnsinn getrieben, sondern erscheint vielmehr wie ein Charles Manson, durchtrieben bis aufs Blut, wissentlich lüsternd nach jeder möglichen Bösartigkeit und auf ewig getrieben nach Macht, die es stets gilt, zu neuen Höhen getreiben zu werden, ähnlich der übersteigerten Karrieresucht eines Schauspielers oder Bankers. Er nutzt das Böse, hinterfragt es in letzter Konsequenz aber nicht, frei nach der Prämisse: Der Weg ist das Ziel - wissend und doch so blind.

Die Folterkammer des Hexenjägers (The Haunted Palace)Die deutsche Titelschmiede und die eigentliche Handlung:
Wirklich passend ist der Poe-Titel THE HAUNTED PALACE nicht und doch passt er eher als der eingedeutschte Titel, der konsequent wieder eine Stilblüte der Dummheit darstellt und in der die eigentliche Handlung des Films durch völlige Abwesenheit glänzt. Der Titel impliziert nämlich eher eine Handlung, wie man sie sich aus Filmen wie DER HEXENJÄGER VON BLACKMOORE oder HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT (wurde hier ja bereits bei den PHANTASTISCHEN FILMKLASSIKERN besprochen) erwartet hätte. Tatsächlich kommt in dem gesamten Film weder eine Hexe vor und selbst Curwen ist hier eher als ein Okkultist bzw. ein Alchimist zu umschreiben, aber mit Sicherheit nicht als das, was man sich unter einem "Hexerjäger" im üblichen Sinne vorstellt. Da spielt es auch keine Rolle, dass der aufgebrachte Mob Curwen zu Beginn an einen Baum fesselt und lebendig verbrennt, worüber dieser noch im Vorfeld des Todes einen wüsten Fluch über die Menschen von Arkham ausstößt, der sich scheinbar nach 110 Jahren zu erfüllen scheint. Hier dürfte man wenn, wohl eher von einem "Hexer" als einem Hexenjäger reden können.

Curwens Rückkehr hängt hierbei entscheidend davon ab, dass ein passender Verwandter auftaucht, dessen Körper er als Gefäß für seinen Geist übernehmen kann. Ein paar Fehlschläge scheint es ja laut den Dialogen im Film hierbei schon gegeben zu haben. Und der Fluch wirkt in Wahrheit im Dauerzustand von seinen Lebzeiten bis über seinem Tod hinaus, denn die missgebildeten Nachkommen sind schlicht die Resultate einer sexuellen Verbindung von den durch Curwen entführten gebärfähigen Töchtern von Arkham und der höllischen Ausgeburt, die Curwen im Schloss festhält und mit Hilfe des Necronomicon und den daraus stammenden magischen Beschwörungen für seine Zwecke kontrolliert.

Und dann wäre da noch die Folterkammer. Die sucht man im Film auch vergebens, denn der geheime Bereich im Schloss selbst ist absolut keine Folterkammer, egal wie sehr die holden Weiblichkeiten hier auch gefesselt kreischen mögen. Genau genommen ist dies die Halle, in dem gezielt die Kreatur des Schreckens von Curwen gefangen gehalten und nur frei gesetzt wird, um den weiblichen Opfern den Samen des Schreckens zukommen zu lassen. Am Anfang des Films wird z.B. dem Zuschauer nicht wirklich klar, was Curwen und seine Ehefrau hier mit ihrem jungen, weiblichen Opfer vorhaben, zumal dieses scheinbar verwirrt aber offensichtlich lebend den Ort des Schreckens wieder verlassen kann bzw. sogar darf. Das es sich hier um ein Ritual mit einer eindeutig sexuellen Komponente handelt, wird dem Zuschauer erst gegen Ende des Films wirklich klarer, womit auch die Missbildungen der Nachkommen in Arkham sich faktisch als Resultate dieser Rituale der Vereinigung selbst erklären. Ja, damals im Jahre 1963, als der Film THE HAUNTED PALACE in die Kinos kam (in Deutschland kam der Film erst im Oktober 1969 in die Lichtspielhäuser), war man noch nicht wirklich bereit dazu, die stark sexuelle Komponente auch offensichtlicher darzustellen. Das ging noch recht verschämt von statten, so das man sich das eine oder andere, wie den Akt mit einer Höllenkreatur, noch selbst zusammen phantasieren musste, wenn man denn mal endlich dahinter kam.

Die Folterkammer des Hexenjägers (The Haunted Palace)Das ewige Böse bei Lovecraft:
Der Film DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS bietet durchaus einige kleine Versatzstücke, die man aus den Werken von Edgar Allan Poe entlehnt hat, auch wenn eigentlich mit absoluter Übermacht die literarische Welt des H.P. Lovecraft hier zum tragen kommt. Zum inhaltlichen Verständnis sollte man hier auch eher von einer Lovecraft-Verfilmung sprechen, auch wenn es hier wiederum einige recht offensichtliche Änderungen zu Lovecrafts Geschichte um den Charakter von Charles Dexter Ward gibt. Wenn auch mitunter mit erschreckender Grausamkeit das Böse letztendlich bei Poe immer verliert, wie man bei Geschichten DER UNTERGANG DES HAUSES USHER oder DIE MASKE DES ROTEN TODES (beide als Verfilmung bereits hier in der Reihe besprochen) sehr schön sehen kann, bleibt bei Lovecraft das absolute Böse beständig und zeitlos präsent, egal wie die jeweilige Kurzgeschichte im Gesamtkanon seines literarischen Gesamtwerk um die "Großen Alten" auch ausgehen mag.

Dies spiegelt sich auch im Film DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS wieder. Curwen, der durch den Körper seines Nachfahren Charles Dexter Ward agiert, ist kein damals gerne in Szene gesetzter, verrückter Wissenschaftler und auch kein Halbwesen das getrieben dem Bösen dient. Vielmehr ist Curwen eher die Essenz aus beidem. Somit benötigt die Geschichte überhaupt keine Begründung oder eine Figur, die die Kette des Unheils überhaupt erst in Bewegung setzt. Curwen ist das Unheil in Person, denn er ist weder das durch besondere Vorkommnisse "gehetzte" Wesen, dass eigentlich aus Unwissenheit seiner Gegner missverstanden wird (ähnlich dem Frankenstein-Monster), noch ist er ein wohlwollender Charakter, dem mit der Zeit nur alle Grundsätze jeglicher Moral verlustigt gegangen sind und er damit nun über jedes Ziel hinaus schießt, um der Wissenschaft zu dienen (ähnlich wie Dr. Frankenstein). Curwen ist eher ein Ketzer um der Macht willen. Denn im Grunde versucht er nichts anderes, als eine "neue Rasse" über die erzwungenen Vereinigungen zwischen der Kreatur des Schreckens und den weiblichen Opfern zu schaffen, über die er dann gottgleich zu herrschen gedenkt. In diesem Sinne ist er das Böse schlechthin und wie wir am Ende des Films erfahren werden, wird er seine Kreise ganz im Sinne Lovecraft weiter ziehen, denn er ist auch ein Täuscher und Blender, der am Ende jeden glauben lässt, Charles Dexter Wards Geist hätte zurück in seinen Körper gefunden und somit den bösartigen Geist Curwens für immer besiegt. Auch dieses Ende ohne einen entscheidenden Sieg über das Böse, in dem der Schrecken geschlagen wird und so die Moral als scheinbar naturgegebener Status des zivilisierten Menschen wieder Einzug halten kann, steht H.P. Lovecraft literarischem Werk weitaus näher als eben dem von Edgar Allan Poe.

Der Mensch, der dieses Tal betritt, wird in den Häusern Gestalten finden, ungeheuerlich und schrecklich anzusehen. Das Grauen geht hier um und über allem schwebt der Hauch des Todes.

(Filmzitat: Die Folterkammer des Hexenjägers)

Die Folterkammer des Hexenjägers (The Haunted Palace)Das Geschwür des Bösen in Arkham:
Im Jahre 1756 tront ein düsteres Schloss über einer Ansiedlung in Neu-England, die die Bewohner Arkham genannt haben. Dort in der Finsternis verschwinden immer wieder die heiratsfähigen Töchter in dem finsteren Gemäuer des Okkultisten Curwen. Dem unaussprechlichen Schrecken ausgesetzt ist es Weeden, ein Mitglied der Gemeinde von Arkham, der zum Widerstand gegen die teuflischen Umtriebe des Okkultisten Curwen auf dessen Schloss aufruft, der mit seiner Frau gerade wieder ein neues, junges Opfer dem düsteren Grauen ausliefert. Man zieht geschlossen von dem Städtchen zum Schloss, wo Curwen gerade sein verstörtes Opfer wieder in Freiheit setzen will und überwältigt ihn. Dem Grauen ein Ende setzend bindet man ihn an einen Baum, um ihn wie einen Hexer zu verbrennen. Doch noch ehe die flammen seinen Leib verzehren, stößt Curwen einen Fluch über die Menschen von Arkham und allen ihren Nachkommen aus.

110 Jahre später trifft Charles Dexter Ward mit seiner hübschen, jungen Frau Ann in Arkham ein, um sein Erbe zu regeln. Charles ist ein Nachfahre von Curwen und eigentlich wil er nur sein Erbe besichtigen um es in naher Zukunft zu veräußern. Der Gedanke, im düsteren Arkham auf Dauer sesshaft zu werden, hegen weder er noch seine Frau zu beginn. Doch bereits in der örtlichen Schänke, wo man auf die Männer der Gemeinde stößt, schlägt ihnen Misstrauen, Ablehnung und offene Feindseligkeit entgegen.

Doch als sie Dank eines Hinweises durch den Arzt der Gemeinde zum Schloss gelangen, scheint sich unheimliches zu ereignen, denn der verderbte Geist des verstorbenen Joseph Curwen scheint aus dessen düsterem Porträt an der Wand nach Charles zu greifen. Auch  taucht mit Simon ein Verwalter des Anwesens auf, dessen Erscheinung Ann  in Angst versetzt. Sie ahnen nicht, dass dieser wie auch ein weiterer Anhänger und Diener Curwens durch die Zeit kaum gealtert, auf die Rückkehr ihres Meisters hin arbeiten.

Die Folterkammer des Hexenjägers (The Haunted Palace)Der Kampf im Inneren von Charles Dexter Ward wird immer intensiver und zeitweise gelingt es dem Geist von Curwen bereits, über einige Zeit völlige Kontrolle über dessen Körper zu erlangen. Als Charles und Ann  einmal durch die Gassen von Arkham gehen, werden sie mit Bewohnern und Kindern aus Arkham konfrontiert, die erschreckend missgebildet sind. Sie ahnen nicht einmal, dass dieses Grauen das Resultat der schrecklichen Umtriebe ihres Vorfahren Curwen ist.

Scheinbar hat man nur in dem Arzt von Arkham einen Freund gefunden, da er die Geschichten um Curwen und seiner Schreckensherrschaft des Bösen, die die Bewohner sich erzählen, für reinen Aberglauben hält. Doch dem Geist von Curwen gelingt es indessen immer besser, Macht über den Körper von Charles zu erlangen, weshalb er damit beginnt, mithilfe des teuflischen Buches Necronomicon, seine verstorbene Frau wieder ins Leben zurück zu holen.

Da Curwen die Seele von Charles fasst völlig aus dessen Körper verdrängt hat, versucht er auch mit Hilfe des Arztes, seine Frau Ann los zu werden. Doch sie will aus Liebe zu Charles nicht von seiner Seite weichen, ahnt aber nicht, dass längst ein anderer im Körper ihres Mannes die Geschicke lenkt. Zum Leidwesen seiner Anhänger gelüstet es Curwen im Körper von Charles auch nach grausamer Rache gegenüber den Nachfahren, die ihn einmal dem Feuertod überantwortet hatten.

Bald verbrennen die ersten männlichen Bewohner auf geheimnisvolle Weise und finden so einen grausamen Tod. Aber auch sonst überschlagen sich die Ereignisse, denn Curwen will nun Ann zu seinem neuen Opfer machen, wenn sie ihn schon nicht freiwillig verlässt und kettet sie in der geheimen Halle des Schlosses an, um mit einem okkulten Ritual aus dem Buch Necronomicon ihre Vereinigung mit der Kreatur des Schreckens herbei zu führen. Gleichsam eilen die Bewohner von Arkham erneut mit Fackeln zum Schloss, um nun entgültig das zurück gekehrte Böse im Feuer zu vernichten.

Während das Schloss durch den wütenden Mob in Flammen aufgeht, gelingt es dem Arzt, Ann zu befreien, bevor das dämonische Wesen ihrer habhaft wird. Auch Charles Dexter Ward, scheinbar durch das in den Flammen zerstörte Porträt von Curwen wieder Herr über seinen Körper, gelingt die Flucht aus den Flammen.

Der Schrecken, der von Joseph Curwen ausging scheint nun für immer  besiegt zu sein. Doch niemand, nicht einmal Ann bemerkt wirklich, dass Curwen nach wie vor nun völlige Kontrolle über den Körper von Charles Dexter Ward besitzt, dessen Seele nun für immer in der Welt ewiger Schatten verloren ist.

Die Folterkammer des Hexenjägers (The Haunted Palace)Meine Filmkritik:
Fassen wir kurz zusammen: Die sogenannte Verfilmung nach Edgar Allan Poe besitzt hier nur noch verschwindend geringe Versatzstücke eben dieses klassischen Autors mancher Schauergeschichten. Man kann also mit recht behaupten, dass dieser Film fälschlich als eine Poe-Verfilmung angepriesen wird, da der Film mehr als Offensichtlich nach Elementen von H.P. Lovecraft, einem weiteren klassischen Autor des Grauens, gedreht wurde. Der Film müsste also richtiger Weise als eine Lovecraft-Verfilmung beworben werden.

Gleichsam orientiert sich der Film nicht wirklich eng an der Geschichte DER FALL CHARLES DEXTER WARD von H.P. Lovecraft und bedient sich darüber hinaus auch einigen weiteren Elementen aus dem lovecraftschen Universum des Schreckens. Hinzu kommt, dass man auch locker vom Hocker so manches aus früheren klassischen Horrorfilmen hier mit verarbeitet hat, was jedoch im Gesamtbild dem Film durchaus recht gut zu Gesicht steht. Hinzu kommt, dass man hier im Original den Titel eines Poe-Gedicht dem Film aufgepfropft hat und der deutsche Titel mal wieder völlig neben der Spur liegt.

Macht das alles diesen Film von Roger Corman nun schlechter oder gar unansehnlich? Mitnichten!

Persönlich halte ich diesen Film aus der Filmschmiede AIP und unter der Regie von Roger Corman neben dem Film SATANAS - DAS SCHLOSS DER BLUTIGEN BESTIE (DIE MASKE DES ROTEN TODES, 1964 von Roger Corman mit Vincent Price) für einen der besten der sogenannten Poe-Verfilmungen. Die Atmosphäre des Films ist absolut düster und durch den permanenten Nebel im Film auch in gewisser Weise surrealistischer Natur. Das Spiel der Darsteller, zu denen auch Lon Chaney jr. (DER WOLFSMENSCH/1941 oder DRACULAS HAUS/1945) oder Debra Paget (PRINZ EISENHERZ/1954 oder DER TIGER VON ESCHNAPUR/1959) gehören, ist durchweg als beachtlich zu betrachten, wobei es besonders Vincent Price gelingt, mit seiner Mimik den Wechsel zwischen Charles Dexter Ward und Joseph Curwen nachvollziebar und eindringlich wiederzugeben.

Natürlich lassen die Spezialeffekte mitunter aus heutiger Sicht zu wünschen übrig. So kann man durchaus sehen, dass die fehlenden Augen usw. der missgestalteten Menschen schlicht abgeklebte bzw. angeklebte Gesichtspartien sind. Doch sollte man sich davon nicht abschrecken lassen und den Film heute auch nicht negativer bewerten. Das Budget für den Film dürfte damals durchaus für AIP normal in einem niedrigen Bereich gelegen haben und Roger Corman galt ja bei seinen Filmen auch selbst als Sparfuchs. Zudem kann man in Sachen Spezialeffekte der damaligen Filme ja keine Maßstäbe von Heute anlegen.

Es ist aber auch gerade der immense Einfluss seitens Lovecraft, der diesen Horrorfilm recht düster und hoch spannend gestaltet. In diesem Punkt weicht die Handlung auch entscheidend von der Form ab, die eine Verfilmung einer reinen Poe-Geschichte auszeichnen würde. Das Böse nach Lovecraft erhält nämlich gegenüber dem von Poe einen völlig anderen, intensiveren und eher absolutistischen Stellenwert. Was also schon den Unterschied dieser beiden  Autoren  innerhalb ihrer klassischen Werke der Schauerliteratur prägte, wird in dieser Verfilmung recht schön und nachvollziehbar dargelegt.

Die Folterkammer des Hexenjägers (The Haunted Palace)Langeweile kommt zu keinem Moment in der Handlung auf und auch heute noch schafft es dieser Film, eine wohlig, angenehme Gruselstimmung zu vermitteln die nachwirkt. Von meiner Seite aus gesehen, ist der Film DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS ein absolutes Muss in jeder Sammlung PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER und erhält daher von mir die vollen fünf von insgesamt fünf Punkten mit dem Prädikat: Absolut sehenswert.

Ausblick:
Halten wir uns heute einmal recht kurz mit dem AUSBLICK, denn der Artikel läuft Gefahr, eine gewisse Überlänge zu erreichen.

Der nächste Film, den ich euch hier nahe bringen werde, kam gerade Ende letzten Jahres als Sonderedition mit vielen Extras und Booklet wieder auf den DVD/BD-Markt. Ich selbst besitze den Film allerdings als die ebenfalls noch erhältliche DVD-Version, die auch etwas günstiger zu bekommen ist.

In einem Fall wird das Entstehungsjahr mit 1972 angegeben, an anderern Stellen mit 1973. Hier dürfte das Jahr 1972 aber wohl die richtigere Angabe sein. Auch wie bei dem Film oben gibt es auf der deutschen Wikipedia keine wirklich erhellenden Einträge. Da muss man eben wie bei DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS auf die englische Wiki ausweichen. Letzteres ist bei meinem eher mangelhaften Kenntnissen in der englischen Sprache keine wirkliche Option. Es heißt also wieder mal das Internet etwas intensiver zu durchforsten, wenn man über die Handlung des Films hinaus noch die eine oder andere Information abgreifen möchte. Dabei fällt z.B. auf, dass der deutsche Titel nicht unbedingt der bekannteste ist.

Der Film ist übrigens keine übliche Produktion aus Großbritannien oder den USA. Hier können wir also gerne den Blick wieder nach Europa lenken. Und dieses mal ist neben zwei südlichen Ländern aus Europa auch Old Germany mit involviert. Da muss man sich nur mal die damals recht hübsche Hauptdarstellerin betrachten, die wahrlich damals keine Unbekannte war. Aber um es gleich zu sagen, der vergangene Winter wird auch als Jahreszeit keinen Hinweis auf ihren Namen liefern.

Und dann ist da noch der Bösewicht selbst, der früher hier im Fernsehen mit seiner US-Kriminalserie ware Fan-Stürme entfachte, wenn er seinen Gegenüber mal wieder als "Baby" titulierte. Ach ja, mit James Bond hatte er auch mal zu tun. Dafür gab dieser Bond-Darsteller aber in dem von mir sehr geschätzten Film LANCE - STIRB NIEMALS JUNG ebenfalls wieder eine eher kurze aber gute Figur ab. Unser Bösewicht dürfte indessen damals auch einen Orden der Süßwarenindustrie verdient haben, denn auch hierzu gab es in seiner damaligen US-Krimiserie so einen festen Bestandteil der recht auffällig war.

Und was den Regisseur des Films angeht, der dürfte den Freunden des gepflegten Horrorfilms wahrlich nun auch kein Unbekannter sein und lieferte in dieser Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER bereits seine filmischen Kostproben.

Und wenn ich jetzt mit noch mehr Zaunpfählen in Sachen Film der nächsten Woche winke, dann hebe ich mir in meinem Alter hier glatt noch einen Bruch. Also kann das Rätsel dieser Woche doch nun wirklich nicht so schwer sein ... oder?

In diesem Sinne, viel Spaß beim rätseln und bis zum nächsten Samstag.

Die Folterkammer des Hexenjägers (The Haunted Palace)
Die Folterkammer des Hexenjägers
(The Haunted Palace)
mit Vincent Price, Debra Paget, Lon Chaney jr., Frank Maxwell, Leo Gordon, John Dierkes, Elisha Cook, Milton Parsons,  Cathy Merchant u.a.
Regie und Produzent: Roger Corman
Drehbuch: Charles Beaumont
Produktionsstudio: American International Pictures - AIP
Genre: Horror
Laufzeit: 84 Minuten
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: e-m-s New Media AG
USA 1963

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-04-01 13:04
Ich mag den Film. Charles Beaumont hat hier den Lovecraft geschickt geplündert, um hier sein Drehbuch zusammenzubekommen. Da sind drei Geschichten verwurstet, und das recht geschickt. Beaumont war schon ein guter Drehbuchautor.

Welche Fassung nimmst du denn nächste Woche? Das Original oder die umgeschnittene, mit nachgedrehten Szenen auf "Der Exorzist" getrimmte Fassung, die einfach nur schlecht ist?
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#2 Laurin 2017-04-01 15:17
@ Andreas Decker:
Nächste Woche kommt der Originalfilm von 1972 zum Zuge. Die auf DER EXORZIST getrimmte Fassung liegt mir nicht vor und nach der Ansicht des Originals werde ich um den auch einen riesen Bogen machen. Warum erfährst du aber erst nächste Woche.
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#3 Thomas Mühlbauer 2017-04-01 18:54
@Harantor

Netter Versuch (zum 1. April) :-)
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