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Ein phantastischer Filmklassiker - Die Schwarzköpfe, die Blonden und die Saurier

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 106
Die Schwarzköpfe, die Blonden und die Saurier

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. In der Phantastik ist eine wichtige Frage immer: Was wäre wenn?


Eine Million Jahre vor unserer Zeit (One Million Years B.C.)Eine Million Jahre vor unserer Zeit (One Million Years B.C.)
Wie wir ja in vielen Artikeln zu den damaligen Science Fiction Filmen seiten der USA aus den 50er Jahren wissen, wurden hier nicht selten politische Ängste aufgearbeitet (besonders die, gegenüber den kommunistischen Staaten) und gleichsam unterschwellig mal mehr, mal weniger ersichtlich, eigene Propaganda betrieben. Und dann gibt es doch tatsächlich Filme, die zwar unterschwellige, aber gleichsam völlig ungewollte Aussagen transportieren, die man bei den eigentlichen Dreharbeiten überhaupt nicht transportieren wollte. Letzteres mag damals wirklich noch nicht einmal aufgefallen sein - weder bei den Machern noch bei den Zuschauern, aber dafür fällt es heute irgendwie um so mehr auf. Das liegt aber eher daran, das man in manchen Dingen mit den Jahren viel sensibler reagiert auf bestimmte Reize in Wort und Bild.

Nehmen wir nur damals den Sarotti Mohr. Niemand hatte sich damals etwas schlimmes bei einer Tafel Schokolade dieser Marke gedacht. Und wie waren wir früher in der Schulzeit hinter Negerkuss-Brötchen her. Zumal die Dinger im Laden gleich zwischen der Grund- und Hauptschule gelegen, noch besser schmeckten als die handelsübliche Stulle mit Nutella. Nun, wer sich heute plötzlich in der schlimmen Ecke eines möglichen Rassisten wiederfinden möchte, der bekommt diesen Freifahrtschein sogar gartis, wenn er weiterhin auf den gebrauch von Bezeichnungen wie "Mohr" oder "Neger" pocht. Aber was hat das nun mit dem Film EINE MILLION JAHRE VOR UNSERER ZEIT zu tun?

Eine Million Jahre vor unserer Zeit (One Million Years B.C.)Schwarzköpfe sind Wilde und Blonde sind intelligenter:
Ja, wenn man sich diese Aussage der Zwischenüberschrift mal auf der Zunge zergehen lässt, der dürfte schnell auf den eigentlichen Kern der Aussage kommen, die dieser Film eigentlich so nicht wirklich transportieren wollte.

Wir wissen ja alle, was die Nationalsozialisten unter Blond und Blauäugig verstanden. Darin sahen sie die arische Rasse, die nach ihrer Auslegung auch noch intelligenter und insgesamt auch als hochwertigere Rasse anzusehen war, gegenüber Menschen anderer Nationen, sofern man ihnen dann überhaupt noch den Status als Mensch zubilligte. Ein nicht unähnliches Bild transportiert leider auch (durchaus ungewollt) der Film EINE MILLION JAHRE VOR UNSERER ZEIT.

Die Mitglieder des Stamm der Steinzeitmenschen um unseren (sagen wir mal) "Helden" Tumak haben nämlich alle recht dunkle bis schwarze Haare. Sie pflegen auch nicht gerade eine soziale Gemeinschaft, sondern sind ziemlich wild, mitunter hinterlistig bis bösartig und offensichtlich auch nicht gerade mit reichlich brauchbarer Intelligenz gesegnet.

Ganz anders der Muschelstamm um unsere Filmschönheit im knappen Lendenschurz mit Namen Loana. Dieser Stamm ist recht sozial orientiert, erweist sich als recht kommunikativ und tritt der Welt zuerst einmal friedlich, hilfsbereit und offen gegenüber. Als gemeinsames Erkennungsmerkmal haben die Angehörigen dieser Gruppe allerdings auffälliger Weise alle blonde Haare.

Schiebt man sich mal diese Konstellationen auch einmal politisch durch den Kopf, dann erschnüffelt man zwangsläufig den braunen Stallgeruch, den diese Darstellungen unterschwellig transportieren (können). Aber keine Angst, liebe Leserinnen und Leser. Auch wenn einem Propaganda-Kriminellen wie Göbbels diese seltsame und durchaus sichtbare Konstllation gleich wie ein nackter Arsch ins Gesicht gesprungen wäre - die Macher des Films hatten damals mit Sicherheit nicht vor, hier eine versteckte Brücke für das rechte Phantasieprodukt einer arischen Rasse zu schlagen.

Der Hintergedanke bei dieser offensichtlichen Verschiedenheit der jeweiligen Stämme war seitens der Macher wohl eher recht simpler Natur gewesen. Man hat hier einfach die Unterschiede in der Sozialisierung der verschiedenen Gruppen auch optisch versucht für den Zuschauer darzustellen, ohne sich damals dabei ernsthafte Gedanken zu machen, welcher üble Geist dieser optischen Darstellung noch Jahre später entspringen könnte. Hätte man es auch damals nur geahnt, man hätte bestimmt in Sachen Haarfarben und optischer Darstellung von Unterschieden einen völlig anderen Weg eingeschlagen.

Eine Million Jahre vor unserer Zeit (One Million Years B.C.)Der moderne Homosapiens und die Saurier:
Wenn der (optisch) moderne Mensch jemals mit einem Saurier zusammen getroffen sein sollte, dann nur in der Form, das ihnen beim buddeln in der Erde ein solcher versteinerte Knochen in die Hände gefallen sein könnte.

Selbst der bekannteste Missing Link hinsichtlich der Trennungslinie zwischen Affen und Menschen (laut den Knochenfunden weiblich und vereinfacht von den Wissenschaftlern dann auch "Lucy" genannt) sah noch nicht annähernd so aus wie wir Menschen heute und hatte mit Sicherheit ebenfalls nie einen lebenden Kontakt mit einem Dinosaurier. Zwar gab es auch für diese, unsere Vorfahren, reichlich Gefahren aus der Tierwelt, aber da dürfte der Säbelzahntiger eher ganz oben auf der Liste der möglichen Gefahren gestanden haben. Daneben, wenn man sich eher in Richtung Reptilien orientieren möchte, dürfte eine Gefahr auch z.B. durch Krokodile bestanden haben. Lustiger Weise sind diese Reptilien aber nicht dem Genpool der Dinosaurier entsprungen, sondern sind Nachfahren von Echsen, die schon auf der Erde lebten, als von den Dinosauriern weit und breit noch nichts auf diesem, unserem Planeten zu sehen gewesen war.

Will man aber einen spannenden Film drehen, indem man die ersten Menschen mit eben diesen Sauriern konfrontieren will, dann darf man in Sachen Realität nicht wirklich zimperlich sein. Hier liegt dann auch der Kern, weshalb Filme wie EINE MILLION JAHRE VOR UNSERER ZEIT zu den phantastischen Filmen gehören. Und wenn es um Monster und Saurier geht, dann durfte damals ein Spezialist für solche Filmszenen nicht fehlen - Ray Harryhausen (FLIEGENDE UNTERTASSEN GREIFEN AN/1956). Harryhausen glänzt auch in diesem Film mit seinen Stop-Motion animierten Urzeitwesen, die nicht alle so wirklich real einmal vorhanden waren. So gibt es bis heute nirgendwo einen Beweis dafür, das es Schildkröten in diesen gewaltigen Dimensionen gegeben hatte wie in diesem Film dargestellt. Doch Harryhausen machte bei diesem Film auch etwas, was er vorher noch nie gemacht hatte und auch späterhin nie wieder machen sollte. Er arbeitete mit, hier ebenfalls in Großaufnahmen gezeigt, anderern Tieren wie z.B. einer echten Echse oder einer Vogelspinne (die wurden aber auch früher nie so riesig wie hier im Film angedacht). Don Chaffey, seines Zeichens in diesem Film der Regisseur, war zudem für Ray Harryhausen kein Unbekannter, denn man kannte sich bereits aus der Zusammenarbeit bei dem Film JASON UND DIE ARGONAUTEN, einem Fantasyfilm aus dem Jahre 1963. Und Chaffey wiederum konnte späterhin in Sachen schöne Steinzeitmenschen ja nochmals aus dem Vollen schöpfen, als er den Film CREATURES THE WORLD FORGOT von 1970/1971 drehte, der in Deutschland unter dem zuckersüßen Titel SEX VOR 6 MILLIONEN JAHREN lief. Raquel Welch wiederum wurde durch den Film EINE MILLIONEN JAHRE VOR UNSERER ZEIT in ihrem knappen Fell-Bikini nicht nur zum Weltstar, sondern auch zum absoluten Sexsymbol einer ganzen Generation. Sie selbst versprach sich allerdings im Vorfeld nicht wirklich viel von diesem Film. Im gleichen Jahr (1966) kam nämlich zudem ein weiterer PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER mit Raquel Welch in die Kinos unter dem Titel FANTASTIC VOYAGE/DIE PHANTASTISCHE REISE (den Film hatten wir ja schon in dieser Reihe tiefer beleuchtet).

Eine Million Jahre vor unserer Zeit (One Million Years B.C.)Andere Besonderheiten unter dem Hammer:
Für die Hammer-Filmproduktionen war der Film EINE MILLION JAHRE VOR UNSERER ZEIT durchaus ein Jubelprojekt. Es war nämlich nicht nur ein ziemlich teurer Film mit ca. 420.000 Pfund Produktionskosten, der da mitten im Winter auf Lanzarote und Grand Canaria (neben den britischen Elstree Studios) gedreht wurde. Er spielte auch grandioser Weise über 3,6 Millionen Pfund ein. Zu dieser Zeit war die Welt bei Hammer also noch in bester Ordnung.

Lustiger Weise kommt der Film dabei ohne auch nur einen verständlichen Dialog bei den Darstellerinnen und Darsteller aus, weil die sich in einer Art lustigen Steinzeitsprache verständigten, die nie ein Zuschauer verstanden hatte. Nur im Prolog des Films gibt ein unsichtbarer Erzähler kurz ein paar verständliche Sätze von sich, um die Zuschauer auf das phantastische Spektakel einzustimmen.

Allerdings kann der Film auch mit einigen Löchern in der Logik  durchaus punkten. Sehen wir da mal von der bereits genannten Riesenspinne und der gigantischen Schildkröte ab, so muss man auch sagen, das es weitere Ungereimtheiten im Film gibt.

So trifft Tumak in einer Höhle auf ein Bindeglied zwischen der Tierwelt und dem Homosapiens. Diese "Affenmenschen" als Vorstufe des modernen Menschen scheinen fröhlich dem Kannibalismus zu fröhnen, wobei die Frage besteht, ob die ersten Menschen regelmäßig in deren Höhlensystem reinfallen um den Mittagstisch auch immer ordentlich zu füllen. Zum weiteren dürften diese Affenmenschen" als Vorläufer des modernen Menschen ebenfalls bereits die Welt für immer verlassen haben.

Eine Million Jahre vor unserer Zeit (One Million Years B.C.)Des weiteren scheint Tumak viele Tage und Nächte durchgewandert zu sein ohne den nötigen UV-Schutz für zarte Haut vorher aufgetragen zu haben, bis das er auf die intelligenteren blonden Schönheiten trifft. Als es gegen Ende (er hat Loana unlängst mit zu seinem Stamm genommen) dann zum Showdown kommt, gelingt es Loana mal eben so auf die Schnelle, ihren eigenen kleinen Stamm in der Nähe des Meeres aufzusuchen um Hilfe zu holen, als läge der Stamm der blondierten Steinzeitmenschen gerade mal um die Ecke bei den Schwarzköpfchen. Man fragt sich bei der Szene dann unwillkürlich, wo und wie Tumak denn vorher da durch die Welt gewandert sein mag? Ist er gar tagelang im engen Kreis um einen großen Felsen gelaufen um die nötige Sonnenbräune samt Hautblasen zu bekommen? In solchen Momenten kann ich dem Zuschauer heute leider nur einen brauchbaren Tipp geben: Einfach mal am Kopf kratzen und dann darüber hinweg sehen, dann klappt das schon.

Der Film EINE MILLION JAHRE VOR UNSERER ZEIT kann zudem eigentlich als Remake des Films TUMAK - DER HERR DES URWALDS aus dem Jahre 1940 gesehen werden, wobei man dieses mal mit weitaus besseren Effekten das ganze aufzuhübschen gedachte, wo dann eben Ray Harryhausen ins Spiel kam.

Die Handlung des Films ist im übrigen eigentlich recht schnell herunter gebetet, so das wir nun flott einen kleinen Blick auf diesen Film hier werfen wollen, bevor der Artikel von mir wieder biblische Ausmaße annimmt.

Eine Million Jahre vor unserer Zeit (One Million Years B.C.)Böse Wilde, kluge Blondine und jede Menge Urviecher:
Die ersten Menschen besiedeln in eher noch kleinen Stammesgruppen die Erde und besitzen nur rudimentär eine Art Sprache. In Akhobas Stamm gilt hierbei noch das Recht des stärkeren, weswegen er auch seine Söhne Tumak und Sakana stets gegeneinander ausspielt. Eines Abends herrscht so dicke Luft in der Gemeinschaftshöhle und es kommt zum Kampf zwischen Akhoba und Tumak, worauf letzterer von einem Felsvorsprung stürzt.

Doch Tumak ist nicht Tod. Ausgestoßen durchwandert er das Land und trifft hierbei auf eine riesige Echse, einer gewaltigen Vogelspinne und einem Brontosaurier, vor denen er besser in Deckung geht. Dabei gerät er auch in eine andere Höhle, in der fasst noch tierische Affenmenschen hausen, die dem Kannibalismus fröhnen. Auch ihnen kann Tumak jedoch entkommen um eines Tages völlig entkräftet ans Meer zu schleifen. Dort wird er von dem Stamm der Muschelmenschen aufgefunden, die sich bereits zivilisierter sind, sich friedlicher verhalten und kleverer geben. Bevor man sich aber dem geschwächten Tumak wirklich annehmen kann, muss man sich erst einmal einer gigantischen Schildkröte erwehren. Doch Tumak hat selbst bald recht schnell so seine Probleme, sich in ihre völlig andere Gemeinschaft einzufügen, selbst als er sie vor dem Angriff eines gefräßigen Sauriers beschützt. Nur die schöne Loana hat sich mächtig in Tumak verliebt und folgt ihm auch, als die Muschelmenschen ihn ihrerseits ebenfalls verstoßen.

Gemeinsam mit Loana tritt er den Weg zurück an, wobei sie sich wiederum in diesem kargen Land vielen Gefahren und grausamen Sauriern erwehren müssen. An der Stammeshöhle angekommen, kommt es bald zur erneuten Auseinandersetzung zwischen Tumak und seinem Bruder Sakana, der in seiner Abwesenheit Akhoba bekämpft und dessen Platz eingenommen hatte. Als Loana von einem Flugsaurier gefangen und zu seinem Nest mit den Jungen verschleppt wird, eilt Tumak ihr hinterher um sie zu retten.

Sakana, der nun seine Chance gegen Tumak gekommen sieht, stachelt indessen andere seines Stammes zum Kampf auf. Loana indessen gelingt es zum Stamm der Muschelmenschen zurück zu kehren und diese zu Hilfe zu holen im Kampf gegen den bösen Sakana und seinen Kriegern.

Es kommt zur entscheidenden Schlacht zwischen Gut und Böse, als plötzlich der nahe Vulkan ausbricht und bei dessen Naturgewalten viele mit in den Tod reißt. Als auch diese Katastrophe ihr Ende findet, liegt es an Tumak und Loana, mit den restlichen Überlebenden beider Stämme einen völlig neuen Stamm zu bilden, wo jeder nun für den anderen sorgen wird.

Eine Million Jahre vor unserer Zeit (One Million Years B.C.)Meine Filmkritik:
Der Film mag unterschwellig einen rassistischen Tatsch transportieren, den man eigentlich damals mit Sicherheit nicht wollte. Zudem hinkt auch die Logik mitunter sichtbar hinterher und wenn man es denn mal ganz genau sehen möchte, dann verfügt der Film gesamt gesehen nur über zwei wirklich gute Elemente. Zum einen dürften das die Stopp-Motion-Monster von Ray Harryhausen sein und zum anderen die knappen Fell-Bikinis, wo man neben Raquel Welch auch ehrlicher Weise die ebenso hübsche Schauspielerin Martine Beswick aus dem kleinen Stamm der "Schwarzköpfchen" nennen sollte, die ebenfalls eine gute Figur (hat) macht.

Gesamt gesehen ist der Film jedoch auch durchweg sehenswert und kurzweilig in seiner recht einfach gestrickten Art, um das Familienleben der Steinzeitmenschen im falschen Zeitalter.

Man kann aber auch nicht abstreiten, das der Film EINE MILLION JAHRE VOR UNSERER ZEIT durchaus mit den Jahren eine gewisse Schicht an Staub angesetzt hat, die er nun einfach nicht mehr los wird. Optisch betrachtet ist der Film daher durchaus ein Klassiker eher aus dem Bereich der Fantasy, den man zumindest mal gesehen haben sollte, um mitreden zu können, andererseits kann man aber auch sagen, das dieser Klassiker nicht wirklich optimal gealtert ist. Wer aber einfach mal zwischen Dinos und Fantasy einfach abschalten will und auf kurzweilige Unterhaltung ohne tiefere Ansprüche zurückgreifen möchte, ist mit dem Film EINE MILLION JAHRE VOR UNSERER ZEIT bestens bedient.

Zeitlich gibt es allerdings einige Ungereimtheiten. So wird der Film durchaus mit einer Laufzeit von 96 Minuten angegeben. Die Laufzeit der DVD hingegen wird mit ca. 88 Minuten angegeben. Fehlen also irgendwie mindestens 8 Minuten an Filmlänge. Ich kann mir jedoch nicht wirklich vorstellen, das man hier, um auf die Altersfreigabe von 12 Jahren zu kommen, wirklich heftigere Szenen entfernt hätte. Wenn man doch das eine oder andere als zu heftig betrachtet haben sollte, so hatte irgendwer wohl tonnenweise Tomaten auf den Augen. Gesamt gesehen tue ich mich hier nämlich schon verdammt schwer, diesen Film überhaupt ernsthaft als "Tierhorror" zu klassifizieren, wie er im Internet des öfteren eingeordnet wird. Und wo das LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS hier in ihrer Kritik ernsthaft "Gruseleffekte" zu sehen glaubt, bleibt mir ebenso ein Rätsel. Denn wer sich bei diesem Film ernsthaft "gruselt", der dürfte auch bei den Episoden von "SpongeBob Schwammkopf" Angstzustände bekommen. Das der EVANGELISCHE FILMBEOBACHTER den Film dann nicht nur als "überflüssig" ansieht (klar, das passt nicht in die religiösen Lehren einer Massensekte), sondern für Kinder auch als völlig ungeeignet betrachtet, haut dem Fass dann entgültig den Boden aus. Ehrlich gesagt finde ich es ungeeigneter, in schulischen Klassenräumen überall einen vorher gequälten und dann gekreuzigten Menschen aufzuhängen, als Kinder vor solchen, absolut ungefährlichen Fantasy-Filmen bewahren zu wollen. In diesem Sinne kann ich den religiösen Bezahlclubs in Deutschland nur immer wieder anraten, sich auf ihr Kerngeschäft zu beschränken, nämlich nett lächeln und (wirklich sehr) still beten.  

Eine Million Jahre vor unserer Zeit (One Million Years B.C.)Für anspruchsvolle Filmfreunde, die masochistischer Weise darauf bestehen, das ein Film ihre geistigen Qualitäten ununterbrochen quält, für die dürfte dieser PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER dann jedoch nicht unbedingt zum lohnenden Standartprogramm einer eigenen Filmsammlung gehören. Da lobe ich für mich dann doch das "sowohl als auch" in Sachen Filmsammlung und Anspruchshaltung. So kann ich diesem Dino-Abenteuer-Märchen durchaus noch schön polierte vier von insgesamt fünf Punkten zugestehen. Na gut, eigentlich nur drei, aber den vierten Punkt vergebe ich schon deshalb, weil die hübschen Mädels in ihren knappen Fellen mir anschließend immer so süße Träume bescheren.

Ausblick:
Wenn ein gut gemachter FILMKLASSIKER schon mal bei der Filmmusik voll meinen Nostalgie-Geschmack trifft, dann hat er direkt einmal schon einen dicken Stein bei mir im Brett.

Der Film der nächsten Woche in meiner Reihe DER FILMKLASSIKER kann, was die Musik angeht, da absolut meine kleine Hippie-Seele streicheln.

Wer dann noch darüber hinaus so ziemlich allen Gemeinheiten aber auch düsteren Wunschträumen in Sachen möglicher Schwiegermütter frönen will, kommt bei diesem Klassiker auch irgendwie auf seine Kosten.

Freunde des Actionfilm oder von Western mit schnellen blauen Bohnen kommen am nächsten Samstag allerdings nicht auf ihre Kosten. Vielmehr ist hier wieder das Gefühlsleben gefragt, die Romantik und die verschlungenen Pfade, die so etwas nehmen kann.

Der junge Mann, um den es in diesem Film geht, ist gerade mal Volljährig geworden, was damals noch den 21. Geburtstag betraf. Der Abschluss am College kann sich auch sehen lassen und eigentlich könnte nun alles rund laufen, als er zu seinen Eltern nach Südkalifornien zurück kehrt. Doch unser junge Mann weiß irgendwie noch nicht, was er mit diesen Voraussetzungen eigentlich alles anfangen soll (können könnte er ja) und dann wird man noch auf der Familienparty wie ein Wundertier von den Eltern jedem vorgeführt.

Gut, mit unserem jungen Mann könnte man da schon richtig Mitleid empfinden, wäre da nicht eine gestandene Frau, die darüber hinaus auch noch ihr erfahrenes Auge auf unseren Knaben geworfen hat. Dass das nicht wirklich gut gehen kann, dürfte eigentlich schon auf der Hand liegen.

Mehr mag ich über diesen Film nun hier aber nicht verraten, denn eigentlich habe ich hier schon wieder zuviel des Guten für die Ratefreunde unter euch offenbart. Der Film selbst ist wahrlich in seinem Genre ein Klassiker, der nur leider im Fernsehen nicht mehr so oft gewürdigt wird, wie es ihm eigentlich zustehen müsste. Zumindest in der Hinsicht, wenn man betrachtet, was für filmische Klöpse von den verschiedenen Sendern sonst so alle Nase lang wiederholt werden (was mitunter auch schon an Körperverletzung grenzt).

Und wer jetzt immer noch nicht weiß, mit welchem FILMKLASSIKER ich euch dieses mal prüfen will, der darf sich am nächsten Samstag auch überraschen lassen. Bis dahin wünsche ich euch noch ein schönes Restwochenende.

Eine Million Jahre vor unserer Zeit (One Million Years B.C.)
Eine Million Jahre vor unserer Zeit
(One Million Years B.C.)
mit Raquel Welch, John Richardson, Percy Herbert, Robert Brown, Martine Beswick, Jean Wladon, Yvonne Horner, Malya Nappi, Terence Maidment, William Lyon Brown, Lisa Thomas u.a.
Regie: Don Chaffey
Drehbuch: Michael Carreras
Produktion: Michael Carreras, Hammer-Films
Genre: Fantasy/Tierhorror
Laufzeit: 88 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment
Großbritannien 1966

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-08-26 13:41
Natürlich ist das SF - als hätte es in der Steinzeit schon Fellbikinis gegeben. Das nenne ich mal echte SF, die Dinos sind da Kinderkram.

Ich glaube, was die Dunklen und die Blonden angeht, denkst du da zu weit. Wenn überhaupt haben sich die Briten an H.G.Wells und der Optik des Films Die Zeitmaschine orientiert. Die blonden Eloy und die dunklen Morlocks.

Ich habe den Film schon ewig nicht mehr gesehen. Wenigstens ist Raquel in Würde gealtert. Ihr ist das Schicksal von Viktoria Vetri aus "Als die Dinos die Erde beherrschten" erspart geblieben.

Echt, den Film willst du nächste Woche nehmen? Die - in TV und Filmen - am meisten zitierte MILF-Geschichte des amerikanischen Kinos? Respekt :lol:
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#2 Friedhelm 2017-08-26 14:00
Den Film habe ich -zugegebener Maßen - tatsächlich noch nie gesehen. Dafür habe ich mir mal, in den frühen Siebzigern, den Film mit der Vetri im Kino angesehen. Damals war ich irgendwie über das "Sprachbild" der Darsteller irritiert.

Zur Ausblick:Der besagte Film lief erst vor einer Woche ...(oder so..)..- auf irgendeinem der öffentlich/rechtlichen Programme. Da gibt es einen Simon & Garfunkel-Song..."Dear Mrs.. soundso..", den man früher auch des öfteres im Radio hören konnte.
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#3 Mainstream 2017-08-26 18:40
_
"Are you trying to seduce, Ms ... "
Ich freue mich.
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#4 Laurin 2017-08-26 19:35
@ Andreas Decker:
Zitat:
Ich glaube, was die Dunklen und die Blonden angeht, denkst du da zu weit. Wenn überhaupt haben sich die Briten an H.G.Wells und der Optik des Films Die Zeitmaschine orientiert. Die blonden Eloy und die dunklen Morlocks.

Ich glaube dir das ja gerne und wie ich oben ja schrieb, glaube ich nicht, das es den Machern des Films selber aufgefallen ist, zumal man 1966 noch nicht wirklich auf so etwas wirklich geachtet hatte.
Heute sieht das jedoch anders aus in Sachen politischer Korrektheit und ich kenne da so einige Personen die z.B. Reden und Schriftstücke in diesem Bereich abklopfen, damit man in diesem Bereich keinen Strick gedreht bekommt und die würden gleich zu Anfang direkt den Finger in diese Wunde legen. ;-)
Aber seit wann sind Fellbikinis SF? :eek: Die SF-Fans kommen doch eh mit leichter Bekleidung oder gar Nacktheit und Sex nicht wirklich klar. :P
Und diese "MILF-Geschichte" halte ich sogar für den ultimativen, modernen Romantik-Klassiker. Da kann ich doch nicht mit offenen Augen dran vorbei gehen. :D

@ Friedhelm:
Dafür hatte ich den Film mit der Vetri bisher noch nie gesehen (von ihm gehört schon, aber sonst...).

Was den Ausblick angeht, hast du sogar recht. Wenn ich mich nicht irre, kam der auf ARTE, die in Sachen Filme durchaus öfter ein goldenes Händchen aufweisen. Und von Simon & Garfunkel stammen drei Songs im Film. ;-)

@ Mainstream:
Das freut mich. Da hatte ich dann ja mal ein glückliches Händchen. :-)
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#5 Grubert 2017-08-27 14:07
Ja, die deutsche DVD ist gekürzt. Laut OFDB:

"Die ausländische GB-DVD von Warner/Studio Canal läuft satte 96 Minuten. Ausserdem bietet die ausländische DVD eine bessere Bildqualität und den Trailer sowie 2 interessante Interviews.
Da eh nur im Prolog kurz ein Sprecher zu hören ist, am besten die ausländische Fassung nehmen. Der Rest des Filmes ist dialogfrei, und kommt mit "Höhlensprache" daher.

Nachtrag von Dennis O.:
Diese Veröffentlichung entspricht der geschnittenen amerikanischen Fassung des Films. Die britische DVD-Fassung ist ungeschnitten."
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#6 Grubert 2017-08-27 14:08
Übrigens war an sich die deutsche KF ungekürzt, hatte also eine Lauflänge von 100 min.
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#7 Laurin 2017-08-27 14:47
Weiß auch jemand, warum gekürzt wurde?

Der Grund könnte zwar ziemlich banal sein, weil man einfach nur den Film straffen wollte. Aber vielleicht könnte hier ja auch informativ was dahinter stecken für den Filmfreund.
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#8 Grubert 2017-08-27 19:02
zitiere Laurin:
Weiß auch jemand, warum gekürzt wurde?

Der Grund könnte zwar ziemlich banal sein, weil man einfach nur den Film straffen wollte. Aber vielleicht könnte hier ja auch informativ was dahinter stecken für den Filmfreund.


Bei solchen Fragen lohnt sich immer ein blick auf Schnittberichte.com.
Und voila: www.schnittberichte.com/schnittbericht.php?ID=5211044

Alles was der Herr wünscht ...
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#9 Erlkönig 2017-08-27 21:14
Den Film im "Ausblick" haben sogar die "Simpsons"
in einer Folge mal ein wenig parodiert. Das wertet den Film natürlich gewaltig auf. :-)
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#10 Laurin 2017-08-29 17:11
@ Grubert:
Danke, hatte ich nicht dran gedacht, da mal nachzusehen. Wir schieben das hier einfach mal auf mein Alter. :lol:
Die Schnitte sind ja an sich völlig banal und aus heutiger Sicht eigentlich nicht mehr nachvollziehbar.

@ Erlkönig:
Ahh ... schon wieder die gelbe Gefahr für noch funktionierende Neuronen. Aber da bin ich ehrlich, die "Simpsons" gehören schon seit langem nicht mehr wirklich in meine Sparte "Sehvergnügen", so das ich hierzu nicht mitreden kann ob da was aufgewertet wird. :o
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