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Ein phantastischer Filmklassiker - Von Leverkusen in die Show des Todes

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 119
Von Leverkusen in die Show des Todes

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Manche Zukunftsvisionen sind heute erschreckend nahe.

Das MillionenspielDas Millionenspiel
Ja, mit seinem Drehbuch zum SciFi-Film DAS MILLIONENSPIEL könnte man Wolfgang Menge glatt einen Visionär nennen, denn seit 1970 hat sich die Medienlandschaft besonders durch das Privatfernsehen drastisch verändert.

Allerdings ist die Idee nicht alleine im Hirn von Wolfgang Menge herangereift.

Denn für das Drehbuch hat er die Kurzgeschichte THE PRIZE OF PERIL des US-amerikanischen Schriftstellers Robert Sheckley adaptiert. Sheckley galt zu seinen Lebzeiten (er starb im Dezember 2005 in Poughkeepsie, New York) eigentlich sogar als einer der humorvollsten Autoren im Bereich der Sicence-Fiction-Literatur der USA.

Das MillionenspielEin kleiner Blick auf Robert Sheckley:
Sheckley war mit seinen mehr als 200 Kurzgeschichten sogar dafür bekannt, auch herkömmliche SciFi-Ideen zu veralbern. Manche davon wurden allerdings auch für Verfilmungen herangezogen. So eben für den deutschen Beitrag DAS MILLIONENSPIEL oder aber als anderes Beispiel die italienisch-französische Verfilmung DAS ZEHNTE OPFER aus dem Jahre 1965. Mit sicherer Regelmäßigkeit waren seine Geschichten allerdings eher durchtränkt mit jeder Menge Ironie und Satire, welche auch seine Kurzgeschichte THE PRIZE OF PERIL auszeichnete.

Doch wenn Wolfgang Menge als Drehbuchautor und Tom Toelle als Regisseur versucht haben sollten, etwas von dieser Ironie und Satire mit in den Film DAS MILLIONENSPIEL herüber zu retten, so ist ihnen dies nicht wirklich gut gelungen. Denn viel zu viele Zuschauer nahmen diesen Fernsehfilm damals recht ernst und einige sollen sich beim Fernsehsender sogar gemeldet haben, um selbst für eine Million Deutsche Mark in dieser tödlichen Show mitwirken zu können.

Was sie bei dem Film DAS MILLIONENSPIEL jedoch perfekt aus Sheckleys Kurzgeschichten mit herübernhemen konnten, ist der oftmals zynische Spiegel, den der SciFi-Autor den Menschen und der Wirklichkeit gerne vorhielt. Nicht umsonst endeten manche seiner Geschichten mit den Worten "...manchmal ist es hart, ein Gärtner für die Menscheit zu sein." Sheckley veröffentlichte seine Kurzgeschichten in verschiedenen SF-Magazinen der USA, darunter auch seine erste Geschichte im Magazin IMAGINATION. 1951 beschloss er dann, als freier Autor weiter zu wirken, weshalb sich auch die Bandbreite von der Science Fiction über Thriller und Krimis ausdehnte. Ab dem Jahr 1979 arbeitete er dann jedoch auch wieder fest für das Magazin OMNI als Literaturredakteur und gab auch verschiedene Gastdozenturen an verschiedenen Universitäten.

Das MillionenspielIn gewisser Weise eine Vorhersage der Zukunft:
Wie gesagt, der Fernsehfilm DAS MILLIONENSPIEL ist eigentlich ein ganz lupenreiner Beitrag aus dem Bereich des SciFi und der Phantastik im allgemeinen. Doch dieser Film schockiert heute eigentlich nicht mehr wirklich in der Art und Weise, wie er es sicherlich noch 1970 tun konnte. Denn dieser Film nimmt so einiges vorweg, was heute in der Medienlandschaft (leider) bereits zum täglichen Geschäft gehört.

Zu nennen wären steigende Werbeeinnahmen durch gezielte Werbeunterbrechungen und damit die Jagd nach den hohen Einschaltquoten, die die stetigen Überschreitungen von Grenzen beinhaltet. Aber auch das Privatfernsehen, welches in seiner Existenz eben abhängig ist von hohen Einschaltquoten und Werbeeinnahmen, war damals fasst noch SciFi in Deutschland und seinen Wohnstuben. Niemand hätte sich damals wirklich vorstellen können, dass es Shows wie Big Brother einmal geben würde, oder Shows, in denen die Kandidatinnen und Kandidaten völlig nackt auf einer Insel um einen Preis und menschliche Zuneigung spielen müssen. Vom verspreisen lebender Würmer und Kakerlaken in einem Dschungelcamp ganz zu schweigen, nur damit irgendwelche C-Promis überhaupt in den Medien im Gespräch bleiben können.

Die Jahre des deutschen Privatfernsehen hat die Grenzen immer weiter nach außen verschoben und verschieben diese noch heute munter weiter. Genau deshalb habe ich mittlerweile so meine Bauchschmerzen dabei, den Film DAS MILLIONENSPIEL wirklich noch in den Bereich der PHANTASTIK oder der SciFi zu verordnen. Würde das erschießen von Menschen nämlich nicht vor laufender Kamera in diesem Land bei Strafe verboten sein, würde ich solche Shows wie DAS MILLIONENSPIEL heute durchaus bereits für eine mögliche Realität halten.

Für möglich halten würde ich auch die fiktiven Reaktionen der Zuschauer aus dem Film, die Aussteiger aus der Show noch als Feiglinge brandmarken und diese damit eventuell gar in den Suizid treiben. An der Verrohung der Gesellschaft sind allerdings nicht nur die Privatsender verantwortlich. Das Internet, in dem selbst die Kleinsten gleich Hautnah bei realen Verstümmelungen und Morden in der ersten Reihe sitzen, oder die BILD-Zeitung des Springer-Konzern, die neben einem großen Sportteil manipulativ in die Politik eingreift und auch rechtsnationalen AfD'lern in der Flüchtlingsfrage schon mal die passende braune Munition liefert, haben diese Republik und ihre Gesellschaft an immer neue Grenzen geführt, die man sich eventuell besser erspart hätte. Da ist dann nachträglich gesehen die Diskussion um Ballerspiele am PC oder der Spielekonsole, Jugendfreigabe bei Filmen und die damalige Hetze gegen die Groschenheftromane und Comics (damals gerne auch Schundliteratur genannt) schon als lächerlicher Popanz einer sogenannten demokratischen Gesellschaft zu bezeichen. Solche Diskussionen sind jedenfalls ebenso stumpfsinnig geworden, wie das Geschrei mancher deutscher Politiker gegen Kindersoldaten von anderen Staaten und anderen Kontinenten, während die Bundeswehr heute noch nie so viele Jugendliche unter 18 Jahren für ihre späteren weltweiten militärischen Abenteuer geködert hat (da gibt es zwar immer noch Unterschiede, doch auch die schrumpfen gewiss mit der Zeit ebenfalls immer mehr zusammen). Oder anders ausgedrückt, wenn man schon Scheiße baut, dann sollte man zumindest nicht so tun, als wenn der eigene Haufen nach Flieder duftet. Nein, so weit wie in dem Film DAS MILLIONENSPIEL sind wir (zum Glück) noch nicht, aber ich möchte stark meine Zweifel anmelden, wenn jemand behaupten würde, dass es sich hier "nur" um eine satirisch bis zynische  Zukunftsvision handelt, die niemals in der Realität möglich wäre. Dafür habe ich seit meiner Jugend schon zu viele Pferde kotzen oder besser gesagt, zu viele Politiker, Wirtschaftsbosse und Medienverantwortliche rotzfrech lügen gesehen.

Das MillionenspielDer Fernsehfilm und was kam danach:
War für viel der Fernsehfilm DAS MILLIONENSPIEL, welches der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am 18. Oktober 1970 um 20:15 Uhr erstmaligst ausstrahlte schon ein gewichtiger Schock, so war nach Sendeschluss die Diskussion um den Film noch lange nicht beendet.

"Wir begrüßen sie zum letzten Spieltag des Millionenspiels..."

(Filmzitat aus spiegel-online)

Der Film DAS MILLIONENSPIEL war 1970 auch der erste große Fernsehskandal der Bundesrepublik Deutschland. Als der Film dann beendet war, folgte in Deutschland ein Aufruhr, der einige Wochen noch andauern sollte. Geschockt von dem, was hier recht realistisch in diesem SciFi-Thriller gezeigt wurde, hagelte es bei der Redaktion des WDR tausende Beschwerden und Hass-Kommentare per Brief, Telegram oder gleich per Telefon.

Ein Anrufer empfand dies als die "allergrößte Schweinerei", die ihm jemals im Fernsehen untergekommen sei. Ein anderer meinte gar, dass wohl beim WDR "Rauschgiftsüchtige" das Programm gestalten würden. Wieder andere wollten die Verantwortlichen des WDR samt den Machern des Fernsehfilm gleich in die "Klapsmühle" schicken.

Ein anderer wurde sogar noch deftiger, als er die betreffenden Verantwortlichen und Macher als "Arschlöcher" bezeichnete, denen man wohl die "Fresse polieren" und die "Zähne einschlagen" sollte. Er kommt dann aber zu dem Schluss, dass man dieses Problem auch gleich schneller mit einem Maschinengewehr lösen könne.

Dieter Thomas Heck fand die Idee am Anfang allerdings recht gespenstisch, als er zum ersten mal das Drehbuch gelesen hatte, aber eben auch auf eine andere Art durchaus genial. Heck selbst mauserte sich ja damals ab 1969 zum beliebtesten Moderator der Musiksendung HITPARADE im ZDF (Erstaustrahlung: 18. Januar 1969). Im Film DAS MILLIONENSPIEL machte er da gleich weiter als Showmaster Tilo Uhlenhorst für die fiktive Spielshow um Leben und Tod. Aber auch bei den Dreharbeiten hatte weder Heck noch ein anderer der Beteiligten jemals wirklich damit gerechnet, welche wirklich heftigen Reaktionen diese Geschichte auslösen würde.

"Sollte der Kandidat vorzeitig den Tod finden, so erwartet sie ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm mit vielen beliebten Künstlern."

(Filmzitat spiegel-online)

Das MillionenspielDie Filmzitate stammen hierbei von einer Fernsehmoderatorin des WDR und gehörten damit mit zu der von Wolfgang Menge angestrebten authentischen Darstellung der Show, die zudem noch mit diversen gut gemachten Außenaufnahmen und eingestreuten Dokumentationen aufwartete, welche dem Gesamtbild für den Zuschauer einen starken realistischen Anstrich geben sollte. Diese Form der Darstellung hatte wie gesagt Erfolg, denn es gab durchaus auch über 40 Reaktionen auf den SF-Thriller, in dem sich Menschen als "Kandidaten" für DAS MILLIONENSPIEL oder aber gleich als Killer bewarben. Dabei hatten auch Dieter Thomas Heck eine Menge Briefe erreicht, wobei er sich bei einem Brief nachträglich wirklich etwas geschockt zeigte. Eine Frau hatte ihm nämlich per Brief mitgeteilt, wie finanziell schlecht es ihr und ihrer Familie gehe, weshalb ihr Ehemann sich wohl auch gerne als Gejagter zur Verfügung stellen würde.

"Es war erschütternd, zu lesen, wie eine Frau anbot, ihren Mann in den Tod zu schicken."

(Zitat: Dieter Thomas Heck/spiegel-online)

Nun war 1970 an einem auf Kommerz ausgerichteten Privatfernsehen noch lange Zeit nicht zu denken und Werbeeinblendungen innerhalb einer laufenden Sendung war auf den wenigen öffentlich-rechtlichen Kanälen völlig Tabu. Aber auch hier zeigte sich, dass der Regisseur Toelle sowie der Drehbuchautor Menge ihrer Zeit weit voraus waren. Da gab es ein schrilles Fernsehballett und sexualisierte Werbeeinblendungen des ebenso fiktiven Sponsoren-Konzern "Stabilelite", oder für Produkte wie das Schlankheitsprodukt "Null-Pille, der Antibabyspritze "Evilove" oder das Potenzmittel "Quell Monte Carlo". Es wurde also durchweg eine geballte Menge an Hemmschwellen bereits in diesem frühen SciFi-Film eingerissen, die in den heutigen Zeiten von Big Brother und Co. längst schon gefallen sind. Es fehlt nur eben die live übertragene Ermordung lebensmüder Kandidaten. Zuschauer die solche Kandidaten als "Helden" feiern würden, dürfte es heute allerdings schon genug geben.  

Das MillionenspielEin folgenschwerer kleiner Fehler:
Der folgenschwerste Fehler, der den Produzenten damals unterlaufen ist, dürfte der Rechtsstreit sein, der bald darauf einsetzte. Dabei handelte es sich nicht einmal um einen Rechtsstreit hinsichtlich der gebotenen Handlung, die eben bei vielen Zuschauern für einen gefühlten moralischen Weltuntergang sorgte, sondern es drehte sich direkt um die Filmrechte selbst. Denn der WDR hatten ihrerseits die Filmrechte gleich für die Kurzgeschichte DER TOD SPIELT MIT aus der Kurzgeschichtensammlung DAS GETEILTE ICH von Robert Sheckley beim Goldmann-Verlag erworben und wähnten sich so auf der sicheren Seite. Doch man hätte hier besser etwas tiefer gegraben, denn der Goldmann-Verlag selbst besaß die Rechte zwecks einer Verfilmung überhaupt nicht und hätte diese daher auch nicht an den WDR vergeben dürfen. Wegen Blauäugigkeit ist die Sache also  wohl dumm gelaufen, kann man hierzu eigentlich nur feststellen.
   
Doch kommen wir hier nun einfach mal zum Inhalt des Film DAS MILLIONENSPIEL selbst, den man ja heute (eventuell sehr bewusst) nicht mehr alle Nase lang im Fernsehen geboten bekommt. In diesem Punkt kann ich da nur auf die Konserve (DVD) verweisen. Als BD ist der Film meines Wissens nach jedenfalls nicht erhältlich. Dies dürfte eventuell gerade bei den jüngeren Lesern auf Interesse stoßen, die diese durchweg düstere Vision der Zukunft noch nicht kennen, welches heute durchweg auch leider wiederum eine Bildungslücke darstellen könnte.

Das MillionenspielDer Leverkusener, die Köhler Bande und der Millionengewinn:
In der Spielshow DAS MILLIONENSPIEL des (fiktiven) Privatsenders TETV treten Freiwillige an, um am Ende eine Million Deutsche Mark zu gewinnen. Doch dieses Spiel, live im Fernsehen übertragen, hat es tatsächlich in sich. Denn diese betreffenden Kandidaten müssen über sieben Tage die Flucht antreten durch verlassene Wohnungen, über Häuserdächer und schmutzigen Hinterhöfen. Denn sie werden gehetzt von der Köhler-Bande, die alles daran setzt, diese Kandidaten vor dem erreichen des Ziels zu töten.

Auch Bernhard Lotz aus Leverkusen gehört zu den Freiwilligen, die ohne Schlaf, wenig Essen und in panischer Angst bis zum völligen körperlichen Zusammenbruch um Sieg oder Tod kämpfen muss. Dabei ist für ihn nicht nur die Aussicht auf den Gewinn von einer Million Mark ausschlaggebend dafür, dieses Spiel nicht abzubrechen ... was er durchaus könnte. Denn einige seiner Vorgänger hatten hierbei durchaus schon im Vorfeld das Handtuch geworfen und wurden von den Menschen aus ihrem Umfeld grausam als Feiglinge abgestempelt, was manche sogar bis in den Selbstmord trieb.

Die gesamte Republik sitzt nämlich, egal ob aus schierer Faszination oder aus reinem Entsetzen, vor den Bildschirmen. Lotz selbst bleibt nur eine Chance, wenn er untertauchen kann. Zwar gibt es durchaus Mitmenschen, die ihm helfen, aber nicht wenige sind auch zu gerne bereit, ihn der Köhler-Bande auszuliefern. So sind über die gesamte Show hinweg die Killer eigentlich immer dicht an Lotz Fersen.

Im Millionenspiel-Studio selbst unterhält der Showmaster Thilo Uhlenhorst die Zuschauer immer wieder mit Einspielungen aus Lotz bisherigem Leben oder durch das auftretende Fernseballett. Aber auch sexualisierte Werbeeinblendungen lockern diese menschenverachtende Show für die Zuschauer auf, wobei sich das Unternehmen Stabilelite als Sponsor der tödlichen Spielshow besonders hervortut. Aktuelle Neuigkeiten liefern zudem die vielen Außenreporter, die mit ihren Kameras jede neue Entwicklung in der Menschenjagd direkt vor Ort hautnah dokumentieren und kommentieren.

Was die Zuschauer an den Bildschirmen jedoch nicht mitbekommen, sind die diversen Diskussionen hinter den Kulissen der Show, wo die Verantwortlichen die Show selbst manipulieren um die Einschaltquoten möglichst hoch zu halten. So hängt auch Lotz Überleben mit davon ab, ob man ihm an strategisch wichtigen Punkten von seiten der Macher hilft oder doch eher schaden will.

Der Höhepunkt der mörderischen Show ist die sogenannte Todesspirale, eine über 28 Meter lange Röhre, durch die Lotz gehen muss. Doch diese Röhre besitz Öffnungen, durch die die Killer ihn durchaus jederzeit erschießen können.

Lotz selbst steht vor dem Finale selbst vor dem völligen Zusammenbruch, wird sogar angeschossen und muss ärztlich versorgt werden. Doch er erreicht völlig erschöpft das Ziel und erhält aus den Händen von Mulian einen Umschlag, in dem sich der Scheck über eine Million Deutsche Mark befindet. Doch laut Aussage eines Arzt befindet sich Bernhard Lotz in einem schweren Schockzustand, weshalb er mit einer Krankenliege aus dem Studio getragen werden muss. Showmaster Uhlenhorst erklärt indessen dem jubelndem Publikum die fünfzehnte Ausgabe des mörderischen Spiels für beendet und kündigt sogleich das nächte MILLIONENSPIEL in drei Wochen an.   

Das MillionenspielMeine Filmkritik:
Vom Inhalt her steht mir der Film sogar etwas nahe. Grenzt doch die Stadtgrenze meiner kleinen Stadt Burscheid gleich an der des Stadtgebiet von Leverkusen. In meiner Zeit als noch junger Mensch hatte ich meinen größten Freundeskreis in Leverkusen und wenn es am Wochenende ins Kino ging, dann war auch hier der direkte Weg eben nach Leverkusen, weil es in Burscheid leider zu diesem Zeitpunkt kein Kino mehr gab.

Da wird einem dann doch irgendwie komisch in der Magengegend, wenn im Film DAS MILLIONENSPIEL der Kandidat einer solchen menschenverachtenden Show eines fiktiven Privatsenders wie TETV als "Leverkusener" bezeichnet wird. Und dieses seltsame Gefühl, was einen da beschleicht, sorgt dann ebenfalls dafür, das man das gesehene eben nicht mehr so einfach als einen SciFi-Fernsehfilm betrachten kann, der mit der Realität absolut nichts zu tun haben soll. Natürlich hat man die Entwicklung der Medien in den vielen Jahrzehnten ebenso mitbekommen, weshalb man auch hier nicht mehr wirklich von einer fiktiven Entwicklung sprechen mag. Doch wirklich bewußt ist diese Entwicklung, da schleichend, einem damals nicht wirklich geworden.

Für mich ist der Film an sich eher schon eine Warnung als ein SciFi-Film über eine sehr nahe, wenn auch immer noch etwas fiktiven Zukunft.

Der SciFi-Thriller wirkt dabei im Kopf noch lange nach und man kann eigentlich nur die Hoffnung hegen, welche den Zuschauer des Films dazu anhält, hier sich einmal Gedanken über die heutige Medienlandschaft an sich zu machen. Denn perfide Shows müssen wir uns gerade seitens der Privatsender bereits genügend bieten lassen. Ob man sie aus reiner Sensationslust ansieht oder nicht, muss dabei jeder für sich selbst entscheiden, ein einfaches Zurück in der Zeit ist nämlich nicht möglich.

Von mir erhält der Film DAS MILLIONENSPIEL durchweg die vollen fünf von insgesamt fünf Punkte in der Bewertung. Schade das man den Film via Fernsehen kaum noch zu sehen bekommen wird. In Sachen DVD scheint man auch gut beraten zu sein, hier zuzugreifen, denn mitunter ist die DVD zum einen nicht unbedingt eine Billigware (da am günstigsten nur eine Zwei-Disk-Version mit einem weiteren Film erhältlich) und zum anderen gegebenenfalls nur gebraucht günstiger zu erhalten. Dabei wird zusätzlich als zweite DVD als Inhalt noch der Bonusfilm SMOG angeboten. Zur Zeit sind noch die 2 Disk und die 3 Disk-Version käuflich erhältlich.

Ausblick:
Der nächste Film in der Reihe DER FILMKLASSIKER hat laut manchen Angaben einige Anleihen beim Horrorfilm genommen. Nun gut, die reichen aber bei weitem noch nicht aus, um ihn auch nur ansatzweise unter der Rubrik DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER bringen zu können. Da dürften die diversen Filme der Edgar Wallace-Reihe wohl weitaus mehr Chancen haben.

Eine Produktion aus Deutschland ist dieser Film allerdings auch nicht, aber dafür haben wir einen Darsteller dazwischen, der durchaus in einigen Filmen der Edcar Wallace-Reihe mitspielte und dabei nicht gerade bei den Zuschauern als netter Kerl aus der Nachbarschaft galt. Die Rolle die er jedoch in diesem Film spielt, dürfte noch zu verkraften sein, denn der Bösewicht vom Dienst ist er hier nun nicht wirklich.

Wo man den Film allerdings hinstecken kann, ist in den weit gestreuten Bereich der Agentenfilme, bei dem auch ein wenig auf zumindest etwas weibliche nackte Haut gesetzt wird. Aber Vorsicht: Nun solltet ihr in Sachen Handlung nicht die Messlatte der Erwartungen so hoch legen wie bei einem witzig-spritzigen Streifen seitens James Bond. Auch da mag dieser Beitrag nun nicht wirklich mithalten wollen.

Punkten kann er indessen mit schönen Außenaufnahmen rund um Istanbul bzw. der Türkei, was ja auch schon einmal ein Lichtblick sein kann. Und unser Held, oder sagen wir mal Agent, kommt zu diesem Abenteuer auch irgendwie wie die Jungfrau zum Kinde. Jedenfalls nimmt er die Reise in die Türkei nicht auf sich, weil ihn seine Großmutter um Hilfe bittet. Da dürfte die eigentliche holde Dame schon um einiges jünger sein. Wem sich das dann auch noch etwas wie ein Paradebeispiel für ein Abenteuer aus einem Trivialroman bzw. einer solchen Serie anhört, der dürfte ebenfalls nicht ganz verkehrt liegen. Ich selbst habe bis zu diesem Film allerdings noch nie etwas von dieser trivialen Erfolgsserie gehört, was aber nun nichts heißen muss. Aber dabei muss es sich ja nun auch nicht unbedingt um eine Reihe bzw. Serie aus deutschen Landen handeln. An dieser "Literaturverfilmung" selbst war übrigens Italien mit beteiligt, wobei sie den Film allerdings nicht alleine gestemmt haben.

An dem Film über den "leichenreichen" (nett ausgedrückt) Agenten war noch als Produktionsland ein weiteres Land beteiligt. Ich lasse euch da mal die Wahl zwischen Dänemark, Frankreich oder der Mongolei. Na, wer kommt dem Titel des Films jetzt vielleicht näher?

Und wer jetzt noch in Sachen Filmtitel völlig in der Finsternis schwebt, dem sei hier noch geholfen mit diesen kleinen Denkanstößen: Im Film geht es um eine Art Garten, auch wenn der Gärtner nicht der Mörder ist. Der Böse ist ein verrückter Forscher und der will die Menschheit gleich mal vor sich selbst retten, indem er sie eigentlich gleich beseitigen will. Und ja, dies hört sich schon wirklich verrückt an, als hätte man es hier mit einem Heftroman zu tun. Der FILMDIENST gibt dabei die Laufzeit mit 111 Minuten an, während die DVD mit 105 Minuten daher kommt. Dafür soll die 111-Minuten-Fassung ab 18 Jahre sein, während die DVD ab 16 Jahre in Sachen FSK daher kommt (werden wohl ein paar nackte Brüste geschnitten worden sein). Allerdings halte ich die Freigabe der Kinoversion ab 18 Jahre für einen absoluten Treppenwitz aus den frühen Jahren dieser Republik.

Aber nun sind die Rätselfreunde wieder nach dem deutschen Titel gefragt. Und die dürfen sich in den nächsten Tagen richtig das Hirnschmalz zum brodeln bringen. Denn wenn ich noch mehr verrate, dann könnte ich glatt auch gleich den Titel hier hinschreiben. In diesem Sinne, viel Spaß wieder beim raten und Servus bis zum nächsten mal in DER FILMKLASSIKER.

Das Millionenspiel
Das Millionenspiel
mit Dieter Thomas Heck, Jörg Pleva, Dieter Hallervorden, Friedrich Schütter, Elisabeth Wiedemann, Suzanne Roquette, Joachim Richert, Werner Sommer, Josef Fröhlich, Peter Schulze-Rohr, Ralf Gregan, Heribert Faßbender, Giesela Marx, Andrea Grosske u.a.
Regie: Tom Toelle
Drehbuch: Wolfgang Menge
Produktion: Peter Märthesheimer
Nach einer Kurzgeschichte von: Robert Scheckley
Bonus: DVD/Film Smog
Genre: SciFi-Thriller
Laufzeit: 96 Minuten
Gesamtspielzeit Zwei-Disks-Version: 180 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises
Deutschland 1970

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2018-02-24 12:51
Ist so lange her, dass ich den Film gesehen habe, ich habe da nur noch eine rudimentäre Erinnerung dran. Heck hatte ich schon längst wieder verdrängt.

Aber was du da über die Unterbrecherwerbung schreibst, so visionär war das nun auch wieder nicht. Im Ausland war das ja der Standard, nur hierzulande der Albtraum öffentlich-rechtlicher Redakteure. Mittlerweile hat sich die Werbung ja auch ins Bezahlfernsehen geschlichen, selbst Sky ist so dreist, auf einigen seiner Kanäle mitten in Fernsehfolgen Unterbrecherwerbung zu schalten. Zur Rechtfertigung auf Beschwerden gab es ein Meisterwerk an hohlem Corporate-Speak, das man auf ein "Danke für Ihren Beitrag" reduzieren kann.

Menge war gut im adaptieren, ich habe das Original von "Ekel Alfred" zwar nie gesehen, aber es soll ja recht ähnlich gewesen sein. Die italienische Fassung vom "Millionenspiel" habe ich als sehr bemüht in Erinnerung, aber vielleicht liegt es auch an meiner Abneigung für Andress, die ich für so gnadenlos überschätzt halte. Da war der Menge schon aussagekräftiger.

Da ziehst du aber einen obskuren Eurospy aus der Versenkung. ;-) Wenn es denn das Abenteuer von FX-18 von 1968 ist. Witzigerweise habe ich über den gerade was im Rahmen der Luther-Reihe geschrieben, darum komme ich drauf. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es da schon ein paar schneidenswerte Nuditäten gegeben hat. Wenn genug Leichen auf der Straße lagen, hat das um die Zeit für ein 18er-Siegel gereicht. Das must du mal mit einem Italo-Western aus der Zeit vergleichen, da ging es immer um die Gewalt. Sex kam da kaum vor.
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#2 Laurin 2018-02-24 14:10
@ Andreas Decker:
Ja, das Original von "Ekel Alfred" habe ich auch noch nie gesehen. Wusste nicht einmal bis zu deinem Kommentar, dass es hierzu auch noch eine Originalversion gab bzw. gibt. Eine italienische Fassung von "Millionenspiel" kannte ich bisher auch nicht. Da fällt mir eher der SciFi-Film "RUNNING MAN mit Arnold Schwarzenegger ein (USA/1987) nach dem Roman MENSCHEN JAGD von Stephen King (geschrieben unter dem Pseudonym Richard Bachman). Da soll man sich ja das eine oder andere (wie das Fernsehballett) von Menges DAS MILLIONENSPIEL abgeschaut haben.

Zum Ausblick: Da hast du ja gerade das richtige Händchen gehabt bei deiner "Luther-Reihe". FX-18 haut hin ... oder war es WC-Toilettenreiniger? :lol:
Und das Jahr 1968 haut auch hin (war ein tolles Jahr). Kann aber auch sein das sie statt ein paar Brüste ein paar Leichen weggeschnitten hatten. In Sachen Italo-Western kenne ich mich da nun nicht wirklich gut aus. Hängen geblieben ist mir da nur ein DJANGO-Western, wo der ein Maschinengewehr in einem Sarg hinter sich am Pferd herzog. Ist aber auch schon verdammt lange her. ;-)
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#3 Thomas Mühlbauer 2018-02-24 14:51
Was mag das nur für ein Teufelsgarten sein? :-*
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#4 DarkDancer 2018-02-24 15:42
Hmm.. Das 10. Opfer basiert zwar auch auf einer Short Story von Sheckley aber mitnichten auf der Vorlage für das Millionenspiel.
Greetz
DD
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#5 Laurin 2018-02-24 16:21
@ DarkDancer:
DAS ZEHNTE OPFER (verfilmt 1965) basiert auf Sheckleys Erzählung THE SEVENTH VICTIM (Das siebte Opfer) von 1953. Da geht es zwar auch wohl um die Jagd auf Menschen in einer weltweiten Spielshow, aber in einem anderen Kontext.
Jetzt weiß ich auch, welchen Film Andreas Decker meinte (habe den ja selbst als eine der Verfilmungen von Sheckleys Kurzgeschichten im Artikel genannt). Ich wusste nur Ursula Andress gerade nicht irgendwo wirklich einzuordnen, weil ich den Film auch nie gesehen habe.

@ Thomas Mühlbauer:
Ja, so ein Garten macht Mühe, sauber von Leichen gehalten zu werden. :D
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#6 DarkDancer 2018-02-24 16:39
@Laurin das ist mir bekannt. Ich stutzte nur weil Andreas von einer italienischen Fassung sprach. Eine solche ist mir nämlich nicht bekannt und ich dachte das Er sich wohl auf das 10. Opfer bezieht.
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#7 Andreas Decker 2018-02-24 17:46
Ich habe auch "Das Zehnte Opfer" gemeint, eine Co-Produktion Italien/Frankreich. Aber ich wusste nicht mehr, dass das zwei verschiedene Vorlagenstories sind. Insofern taugt der Vergleich natürlich nichts. ;-)
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#8 Laurin 2018-02-24 18:38
@ DarkDancer:
Ich hatte das jetzt eigentlich auch etwas genauer eher für die Allgemeinheit geschrieben und mit deinem User-Namen versehen, weil du es ja hier richtig gestellt hattest. ;-)
Habe es wohl etwas blöde getippt.

Allerdings muss ich Andreas Decker auch in einem Punkt recht geben. Habe jetzt nämlich mal auf YouTube den Trailer von DAS ZEHNTE OPFER und eine Tanzszene daraus mit ein wenig ausziehen seitens Ursula Andress angesehen und in beiden macht sie nicht wirklich eine gute Figur. Wenn sie so im ganzen Film rüberkommt, dann gute Nacht. :zzz
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#9 DarkDancer 2018-02-24 20:25
zitiere Laurin:
@ DarkDancer:
Ich hatte das jetzt eigentlich auch etwas genauer eher für die Allgemeinheit geschrieben und mit deinem User-Namen versehen, weil du es ja hier richtig gestellt hattest. ;-)
Habe es wohl etwas blöde getippt.

Allerdings muss ich Andreas Decker auch in einem Punkt recht geben. Habe jetzt nämlich mal auf YouTube den Trailer von DAS ZEHNTE OPFER und eine Tanzszene daraus mit ein wenig ausziehen seitens Ursula Andress angesehen und in beiden macht sie nicht wirklich eine gute Figur. Wenn sie so im ganzen Film rüberkommt, dann gute Nacht. :zzz


Ich verrate glaube ich keinen Spoiler mehr wenn ich hier auf zwei ganz besondere Waffen hinweise derer sich die gute Ursula bedient.
Allein für die Szene lohnt sich der Film.
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