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Die ultimative Illusion - »Dark City«

Dark CityDie ultimative Illusion
»Dark City«

John Murdoch wacht in einem Hotelzimmer auf, doch weiß er zum einen nicht, wie er dort hingekommen ist und was er hier eigentlich wollte. Dafür findet er die grausam ermordete Leiche einer Prostituierten vor und alles scheint darauf hinaus zu laufen, das John selbst der gesuchte Serienmörder ist, welcher mit dem Messer die Frauen zu Tode quält. Nur kann sich John auch daran nicht mehr erinnern. Und dann erhält er einen seltsamen Anruf eines Dr. Daniel Schreber.

Dark CityDr. Schreber fordert Murdoch auf, das Hotel schnellstens zu verlassen, da bereits einige seltsame Gestalten mit auffällig grauer Haut und völlig haarlos, Jagd auf ihn machen. Diese in Schwarz gekleideten grauen Männer nennt Dr. Schreber kryptisch nur "die Fremden". Auf seltsamen Wege erhält Murdoch nach der Flucht auch seine Brieftasche in einem Automatenrestaurant wieder und erfährt so, dass er auch mit einer hübschen, jungen Sängerin verheiratet ist, die mit Vornamen Emma heißt. Aber noch etwas anderes beunruhigt ihn, denn er scheint seltsame Fähigkeiten zu besitzen, von denen er ebenfalls bisher nichts wusste, und warum geht über der Stadt nie die Sonne auf?

Um zu prüfen, ob er überhaupt der Serienkiller ist, lässt er sich von einer jungen Prostituierten mitnehmen, verspührt allerdings hierbei absolut kein Bedürfnis, sie zu verletzen oder gar  bestialisch zu ermorden. So zieht er weiter bis plötzlich die Uhren auf 12 Uhr stehen. Die Millionenstadt scheint ab diesem Moment in einen tiefen Schlaf zu verfallen. Neue Wolkenkratzer schrauben sich aus dem Erdboden empor und ganze Stadtteile verändern sich wie von Geisterhand. Aber auch die Fremden sind mitsamt Dr. Schreber unterwegs und impfen mit Spritzen den hilflosen Menschen völlig neue Realitäten ihrer Lebensumstände ein. Nur Murdoch scheint - genau wie die Fremden und Schreber - nicht von diesem völligen Stillstand der Zeit und des Lebens betroffen zu sein. Doch die Fremden sind weiter auf der Jagd nach ihm und bald kommt es zu einer tödlichen Auseinandersetzung mit ihnen, in der Murdoch wieder auf seine besonderen Fähigkeiten zurückgreifen muss um erneut zu entkommen.

Willkommen in einer Welt, in der Geheimnisse mit Wahnsinn kollidieren.

(Zitat: DVD/BD-Eingangstext: Dark City)

Dark CityAuch Inspektor Frank Bumstead verdächtigt Murdoch, der Dirnenmörder zu sein und hängt sich seinerseits an dessen hübsche Frau Emma um ihm auf die Spur zu kommen. So befindet sich Murdoch weiterhin auf der Flucht vor den seltsamen Wesen, die man die Fremden nennt und die bei der Jagd auf ihn von Mr. Hand angeführt werden, aber eben auch vor der Polizei, die ihn für den gesuchten Mörder hält. Doch der Kollege von Inspektor Bumstead, Walenski scheint ebenfalls dem Wahnsinn verfallen zu sein und spricht nur noch von einer totalen Kontrolle durch seltsame graue Wesen in schwarzer Kleidung. Um Murdoch, der die gleichen Kräfte besitzt wie die Fremden und damit für diese Wesen zu einer Gefahr wird, endlich beseitigen zu können, zwingen diese seltsamen Wesen Dr. Schreber dazu, Mr. Hand mit den bisherigen Erinnerungen von Murdoch auszustatten. Damit gerät aber auch Emma ins Visier von Mr. Hand und den Fremden, welche alles daran setzen, eine menschliche Seele und Individualität zu erlangen, da ansonsten ihre Rasse dem Untergang geweiht scheint.

Um dieses Geheimnis um die menschliche Seele zu ergründen, manipulieren ("tunen") die Fremden die Erinnerungen der Menschen der Megastadt im Schlaf und verändern beständig die Materie und Anordnung der Gebäude ("morphing"). So erhoffen sich die Fremden durch die Feststellung, welche Eigenschaften des Menschen angeboren sind und welche auf erlebte Erfahrungen basieren, deren Geheimnis um die Seele zu ergründen.

"Ein beängstigender Traum. Ein schwindelerregender Trip."

(Zitat: Marshall Fine, Gannett Newspapers/BD-Cover: Dark City)

Da auch Emma nun in großer Gefahr durch Mr. Hand schwebt, gerät Murdoch in eine gewisse Zeitnot. Jedoch erhält er bald unerwartet Hilfe von Inspektor Bumstead. Aber auch Dr. Schreber, eher eine recht undurchsichtige Person, scheint auf seiner Seite zu sein.  Doch um wirklich die Fremden stoppen zu können, wird er weitere Antworten auf Fragen finden müssen, welche wiederum das ganze bisherige Leben in Frage stellen könnten.

Dark CityDark City - Ein düsterer Psychotrip:
Ja, damit belasse ich es mal mit dem Einblick in die Handlung von DARK CITY, denn wer da mehr erfahren will, sollte sich diesen Film unbedingt selbst ansehen, in dem man Elemente der Dystopie, der Science Fiction, des Horror aber auch starke Anklänge des "Film noir"  wiederfinden kann.

Mir persönlich kamen gleich einmal gewisse Parallele zum Film MARTRIX (1999 mit Keanu Reeves als Neo) in den Sinn, wobei DARK CITY allerdings etwas vorher, nämlich 1998 erschienen ist. Der Film "eXistenZ" (mit Jennifer Jason Ligh als Allegra Geller) welcher ebenfalls 1999 in die Kinos kam, besitz aber ebenfalls gewisse Ähnlichkeiten hinsichtlich der Handlung von DARK CITY. Der Knackpunkt liegt hierbei wohl beim guten alten Platon und dessen Lehren, welche in allen drei Filmen laut mancher Filmkenner, Einzug gehalten haben sollen. In der Science Fiction ist dies aber eigentlich auch nicht wirklich neu, das man hier die sensorische Wahrnehmungen mitunter als nicht immer "real" definierte. Im Gegensatz hierzu stellt die Handlung in DARK CITY allerdings eher die Frage nach den Erinnerungen eines Menschen und welchen Stellenwert diese in seinem Leben und Empfinden einnehmen (können).

Einige weitere, eher auffällige Ähnlichkeiten bestehen bei DARK CITY hinsichtlich der Großstadtmetropole. So erinnert die in ewiger Dunkelheit liegende Stadt im Film schon mal an die dunkle Metropole von Gotham City bei BATMAN, hält aber auch Vergleiche zu der düsteren und mitunter trostlosen Darstellung der Großstadt im Film THE CROW (DIE KRÄHE) durchaus stand. Bei THE CROW verwundert dies indessen nicht wirklich, denn bei diesem Film aus dem Jahre 1994 führte ebenfalls Alex Proyas (I ROBOT/2004 mit Will Smith als Del Spooner) bereits Regie, der 1998 neben der Regie und der Produktion auch am Drehbuch von DARK CITY mitgearbeitet hatte. Warum die Stadt in DARK CITY allerdings nie das Sonnenlicht sieht, verrate ich an dieser Stelle hier nicht, denn das ist eine der sehr eindrucksvollen Fragen, dessen überraschende Antwort der Zuschauer erst im etwa letzten Drittel des Films beantwortet bekommt und der ich hier auch nicht vorgreifen möchte.

Dark CityVom deutschen Expressionismus bis Momo:
Aber auch sonst besitzt der Film viele für den Filmfreund doch recht bekannte Elemente und Vorlagen aus anderen Filmen, welche hier durchaus recht gekonnt in der Handlung von DARK CITY eingearbeitet und gekonnt verbunden werden.

Bezüge nimmt der Film DARK CITY nämlich durchaus z.B. auf den Film METROPOLIS (1927) von Fritz Lang, aber auch DAS CABINET DES DR. CALIGARI (Ein Filmspiel in 6. Akten von Carl Mayer und Hans Janowitz) unter der Regie von Robert Wiene aus dem Jahre 1920 liefert hier durchaus seine Vorlagen. Der deutsche Expressionismus hat also hier durchaus seine gewichtigen Spuren hinterlassen. Und weil es so schön ist, leistete auch noch der Film NOSFERATU von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahre 1922 hier einen gewissen Beitrag.

Das ganze lässt sich dann auch noch weiter verfolgen über Filme wie BRAZIL von 1985 von Terry Gilliam, welcher gerne zum Vergleich herangezogen wird durch seine stilbildende Form der Vermischung von düsteren und anachronistischen Elementen des Expressionismus mit den neueren Elementen des (moderneren) Noir-Film. Und hat man dann bei DARK CITY immer noch einige Schwierigkeiten, eine vergleichende Darstellung des Vampir aus NOSFERATU mit "den Fremden" heranzuziehen, so kann man hier auch gerne auf das Buch MOMO von  Michael Ende und den darin erscheinenden "grauen Herren" verweisen. Die bekannteste Verfilmung zu MOMO dürfte hierbei der gleichnamige Film aus dem Jahre 1986 unter der Regie von Johannes Schaaf und in den Hauptrollen, Radost Bokel und Mario Adorf sein.

Hier könnte man auch noch einiges mehr im Film DARK CITY vorfinden, was als Vorlage die Handlung berreicherte, oder  sich als versteckte Hinweise darstellen, die bis hin zur Bibel reichen. Doch der Abgabetermin drängt wieder einmal und so überlasse ich es den Interessierten, sich im Internet auf die Suche nach weiteren interessanten Informationen zum Film DARK CITY zu begeben.

Dark CityMeine Filmkritik:
Wie gesagt, zuerst hatte ich bei der Handlung des Film DARK CITY aus unerfindlichen Gründen gleich den Film MATRIX und seine Fortsetzungen im Kopf. Das greift allerdings, wie man oben sehen kann, eigentlich viel zu kurz. Doch bleiben wir einfach mal bei diesem ersten Vergleich, dann lässt sich sagen, dass der Film MATRIX natürlich mit seinen vielen Spezialeffekten punkten kann. Bei DARK CITY sind da leider einige wenige Effekte nicht wirklich so ganz sauber herüber gekommen. Aber hier sehe ich einmal gerne darüber hinweg, weil hier zwischen DARK CITY und MATRIX doch in Sachen Handlung und Spannung für mich persönlich Welten liegen und DARK CITY hier für mich wesentlich besser punkten kann.

Was den Handlungsaufbau, die anhaltende Spannung und den Gänsehauteffekt angeht, hat bei mir der Film DARK CITY schon deshalb gegenüber MATRIX eindeutig die Nase vorne, weil MATRIX mit stärkeren Action-Elementen das zu überdecken versucht, was ihm am Gänsehauteffekt und logischer Handlung irgendwie doch abgeht.

MATRIX dürfte an diesem Punkt allerdings eher den Action-Fans mehr bieten können, die dafür in Sachen düstere wie stimmungsvolle Handlung gerne bereit sein werden, mal ein Auge zudrücken. Allerdings versucht DARK CITY auch nicht mit Action zu punkten, sondern verlegt sein Augenmerk eher sehr stark auf eben eine sehr düstere Atmosphäre und auf das hervorragende Schauspiel seiner Darsteller.

Man ist, besonders wenn man auf das letzte Drittel des Films schaut, sehr gerne bereit, den Film DARK CITY gleich in die Genre-Sparte des Science Fiction einzuordnen. Meiner bescheidenen Meinung nach, ist das Element des Horror aber auch der Fantasy hier ebenso hoch anzusetzen, so das man hier eigentlich locker von einem sehr gelungenen und gut umgesetzten Genre-Mix sprechen darf.

Was also die Handlung angeht, das schauspielerische Können der einzelnen Darstellerinnen und Darsteller, sowie der perfekt gebotenen düsteren Atmosphäre, ziehe ich persönlich gerne gleich fünf von insgesamt fünf Punkte als Bewertung aus dem Hut hervor.

Dark CityDark City
(Dark City)
mit Rufus Sewell, Jennifer Connelly, Kiefer Sutherland, William Hurt, Richard O'Brien, Melissa George, Ian Richardson, Mitchell Butel, Nicholas Bell, Colin Friels, John Bluthal, Bruce Spence, Ritchie Singer, Frenk Gallacher u.a.
Regie: Alex Proyas
Drehbuch: Alex Proyas, David S. Goyer, Lem Dobbs
Produktion: Alex Proyas, Andrew Mason
Genre: SciFi, Dark Fantasy, Krimi
Laufzeit: 100 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertreib: Warner Home Video Germany
USA/Australien 1998

Kommentare  

#1 Des Romero 2018-05-23 06:06
Irgendwie ist mir Jennifer Connellys Darbietung des Liedes "Sway" im Gedächtnis geblieben. Sie hat mir so gut gefallen, dass ich die Szene spontan in Lassiter Band 2345 eingebaut habe inkl. Songtext.

Abseits davon kann ich mich Deinem Fazit nur anschließen. Der Film erzeugt eine unheimliche, faszinierende Atmosphäre und löst Stück für Stück das Geheimnis um die Stadt, in der niemals die Sonne scheint. Das Ende würde ich sogar vergleichen mit "Welt am Draht" bzw. "The 13th Floor": überraschend, verblüffend und kaum vorhersehbar.
Mein einziges Manko ist Kiefer Sutherland. Ihn fand ich nicht wirklich passend für die Rolle, was daran liegen mag, dass ich auch nicht sein größter Fan bin. Aber damit muss ich allein klarkommen.
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#2 Andreas Decker 2018-05-23 10:23
Ist lange her, dass ich den gesehen habe. Hat mich vom Design und Atmosphäre damals sehr an Kafka von Soderbergh erinnert.


Mir hat das Ende nicht gefallen. Nach dem ganzen Aufbau fand ich diese Auflösung und was sich daraus ergab eine Enttäuschung. Aber es sah gut aus, und der Film hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. Genau wie "Strange Days".
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#3 Laurin 2018-05-23 14:10
@ Des Romero:
Ja, die Jennifer Connelly, die könnte mir auch die Einkaufsliste von unten nach oben vorlesen und ich würde ihr gespannt dabei zusehen. Und Kiefer Sutherland mag ich eigentlich auch als Schauspieler, zumindest, so lange ich seine Serie "24" ausblende, mit der ich absolut nichts anfangen konnte. Den Film DARK CITY selbst könnte ich auch mit dem so überraschenden NAKED LUNCH vergleichen. Eben überraschend, etwas surreal und perfekt in Szene gesetzt.

@ Andreas Decker:
Der Vergleich sagt mir jetzt ehrlich nicht viel, da ich "Kafka" von Soderbergh nicht kenne. Du meintest doch den Film "Kafka" mit Jeremy Irons in der Hauptrolle als Kafka?
Aus dem Ende hätte man durchaus auch noch mehr herausholen können, aber ich will da mal nicht zu kleinlich sein bei einem solch opulent düsteren Filmvergnügen. Und ja, der Film hätte um einiges mehr an Aufmerksamkeit verdient gehabt.
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#4 Rüdiger 2018-05-23 17:07
die grausam ermordete Leiche ... ?

;-)
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#5 Andreas Decker 2018-05-24 11:39
zitiere Laurin:

@ Andreas Decker:
Der Vergleich sagt mir jetzt ehrlich nicht viel, da ich "Kafka" von Soderbergh nicht kenne. Du meintest doch den Film "Kafka" mit Jeremy Irons in der Hauptrolle als Kafka?



Ja, den mit Irons. Interessante Version. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob er funktioniert, aber sehenswert ist er. (Wie das meiste mit Irons.)
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#6 Laurin 2018-05-24 12:22
zitiere Andreas Decker:
zitiere Laurin:

@ Andreas Decker:
Der Vergleich sagt mir jetzt ehrlich nicht viel, da ich "Kafka" von Soderbergh nicht kenne. Du meintest doch den Film "Kafka" mit Jeremy Irons in der Hauptrolle als Kafka?



Ja, den mit Irons. Interessante Version. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob er funktioniert, aber sehenswert ist er. (Wie das meiste mit Irons.)


Ja, Irons hat da schon so einiges abgeliefert was mir darstellerisch gut gefallen hatte.
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