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Rape & Revenge-Horror mit Spaßfaktor - »Even Lambs have Teeth«

Even Lamps have Teeth (Even Lamps have Teeth)Rape & Revenge-Horror mit Spaßfaktor
»Even Lambs have Teeth«

Muss man in Filmen unbedingt immer starke Frauen zeigen? Nein, eigentlich nicht wirklich, sofern man nicht ständig politisch korrekt sein möchte. Bei EVEN LAMBS HAVE TEETH könnte man vielleicht auch fragen, hätte es diesen Rape & Revenge Film eigentlich noch bedurft? Nun ja, hätte man diesen Film auf die absolut ernste Tour eingeschworen, dann hätte diese Frage durchaus ihre Berechtigung gehabt. Doch dieser Film bricht da aus dem bekannten Schema durchaus positiv heraus.

Even Lamps have Teeth (Even Lamps have Teeth)

Auffallend ist zudem bei EVEN LAMBS HAVE TEETH, dass der Film mit einer FSK-Freigabe ab 18 Jahren durchaus ungeschnitten in Deutschland vertrieben werden kann. Es gibt da nämlich durchaus Beiträge des Genre Rape & Revenge, die weitaus explizitere Gewaltszenen beigesteuert haben und deshalb in Deutschland einfach nicht an der Schere vorbei kommen. Man nenne hier nur einmal I SPIT ON YOUR GRAVE der sowohl im Original als auch im perfekt zu nennenden Remake wohl den Königsstuhl des Genre besetzt. Man sollte sich bei dem sehr guten Remake von 2010 nur nicht unbedingt die deutsche Version an Land ziehen, denn die könnte trotz der Freigabe ab 18 Jahren noch ihre Schnittstellen aufweisen. Schließlich verstand man bei der Freiwilligen Selbstkontrolle in Sachen Selbstjustiz im Film vor noch nicht langer Zeit wahrlich keinen Spaß. Schon garnicht, wenn dann auch noch Sex recht offensichtlich auf die harte Tour eingebunden wurde.

Doch kommen wir hier erst einmal zur Handlung von EVEN LAMBS HAVE TEETH, damit wir uns ein etwas genaueres Bild machen können, worum es hier eigentlich geht (was eigentlich aber auch kaum schwer zu erraten sein dürfte).

Even Lamps have Teeth (Even Lamps have Teeth)

Even Lambs have Teeth (Even Lambs have Teeth)
Als weiblicher Teenager braucht man immer Geld für neue Klamotten und wenn man es so nicht bekommt, dann muss man halt dafür etwas tun. Also entschließen sich Katie und Sloane dazu, einen Monat lang auf einer Hippie-Farm irgendwo im US-Hinterland den Freuden des Bio-Anbau zu fröhnen, damit die nächste ausgedehnte Shopping-Tour in New York finanziell gesichert ist. Hierzu werden sie von Katies Onkel Jason, einem Polizisten auf halber Strecke mitgenommen. Ab da müssen sie den weiteren Weg in einem Bus zurücklegen.

Zur Sicherheit sollen sie ihm jeden Tag eine SMS schicken mit einem Codewort am Ende. Der Trick dabei ist, das sich täglich das Codewort ändert, indem das letzte Wort jeweils mit einem anderen Buchstaben der Reihe des Alphabet nach beginnt. Die Mädels halten ihren Onkel zwar für etwas überdreht, sichern ihm aber die besagten SMS zu, damit er sicher ist, das es ihnen gut geht.

In einem Diner, wo sie auf den Bus warten, lernen sie dann auch schnell noch einige Jungs kennen, die ihnen bald auch bereitwillig anbieten, sie zu der besagten Farm zu fahren, da diese nicht weit von ihrem eigenen Heim liegt. Doch statt auf die Farm werden die Mädchen bald in deren Heim und von deren Familie betäubt und wachen halbnackt erst mitten im Wald wieder auf. Weglaufen können sie nicht, denn hier sind sie an zwei Schiffscontainer gekettet, in denen sie nun nicht nur die Nächte verbringen sollen.

Even Lamps have Teeth (Even Lamps have Teeth)

Die zwei scheinbar netten Jungs gehören nämlich zu einer durchgeknallten Familie, die Katie und Sloane nun wie Vieh an jeden Kerl der Umgebung für Sex verkaufen, sofern diese in den lukrativen Nebenerwerb im Wald eingeweiht sind. Und dies sind nicht unbedingt wenige und wahrlich auch nicht die nettesten Freier, denen es heftig im Schritt juckt. Dabei stellt sich ein Perverser als besonders sadistisch heraus, der stets eine Schweinemaske trägt. Selbst die Sache mit dem Codewort an ihren Onkel haben sie bereits herausgefunden. Nur leider wissen sie nicht, dass das letzte Wort täglich mit einem anderen Buchstaben des Alphabet wechseln muss.

Jedenfalls wird es wohl einige Zeit dauern, bis das der Onkel den Mädchen zu Hilfe eilen wird. Da hilft für die zwei Mädchen nur eines, jede Gelegenheit zur Flucht selber nutzen. Als ihr Onkel sie dann endlich sucht, findet der hinter jeder Tür allerdings nur ziemlich übel zugerichtete Leichen vor, denn statt das Weite zu suchen, haben sich Katie und Sloane daran gemacht, ihre Peiniger zu bestrafen, denn sie waren wohl nicht die ersten und werden sicherlich auch nicht die letzten Mädchen sein, die dieses üble Schicksal erleiden. Also ist für sie hier Schluss mit lustig und es wird alles genutzt, womit man zustechen, zuschlagen und eine möglichst breite Blutspur hinterlassen kann. Schließlich sollen diese Hinterwäldler nicht glauben, dass man zwei Mädchen vor einer geplanten Shopping-Tour ungeschoren das Leben vermiesen darf.

Even Lamps have Teeth (Even Lamps have Teeth)

Verblendete Sichtweisen:
Mal ehrlich, da wird in manchen Film-Foren im Internet richtig mit der Kritik auf den Film EVEN LAMBS HAVE TEETH eingeschlagen. Sei es nun, weil er eigentlich in Sachen Handlung auf bewährten Pfaden wandelt, weil man den Humor bei einem Rape & Revenge Film als unpassend betrachtet oder weil hier ein scheinbar fragwürdiges Frauenbild präsentiert wird.

Nun kann man es drehen und wenden wie man möchte, aber in Sachen Rape & Revenge dürfte das Frauenbild eigentlich immer irgendwie fragwürdig sein, weshalb man sich aber den Spaß auch an diesem Genre nicht nehmen lassen sollte. Wer dann doch lieber ein (zumindest mit einigen Abstrichen) intelligentes, hartes und durchsetzungsfähiges Frauenbild bevorzugt, dem rate ich hier lieber gleich die Finger von solchen Filmen zu lassen und sich hierfür die DVD oder BD von MATILDA von 1996 anzusehen, denn dort bekommt man dann das anvisierte harte Frauenbild in Form von "Fräulein Knüppelkuh" (gespielt von Pam Ferris) gleich kiloweise geliefert und darf mit ihr eine Runde kuscheln im "Luftabschneider-Schrank" einlegen.

Even Lamps have Teeth (Even Lamps have Teeth)

Klischees als Spielwiese des schwarzen Humor:
Nun geht man in Sachen Gewalt und blutiger Rache auch bei EVEN LAMBS HAVE TEETH nicht gerade zimperlich ans Werk. Doch die überdrehte Art, mit der die zwei Mädels hier ihren Rachefeldzug durchziehen und der recht gut platzierte schwarze Humor sorgen einfach dafür, das die Gewaltspitzen in der Handlung sogar eher etwas in den Hintergrund treten, bzw. positiv gesehen nicht mehr als wirklich extrem wahrgenommen werden.

Auch explizite Sex-Szenen werden hier eigentlich nicht geboten. Vielmehr spielt man hier mit einer Erotik der offensichtlichen Sorte, wenn man die Mädels zumeist in Unterwäsche oder in verdammt knappen Shorts präsentiert. Auf reichlich nackte Tatsachen oder Vergewaltigungsszenen während ihrer Gefangenschaft muss man hier indessen verzichten. Da wird seitens der Macher eher das betreffende Kopfkino bzw. die ausschweifende Phantasie der Zuschauer angekurbelt.

Man sieht also, dass der Film EVEN LAMBS HAVE TEETH sich durchaus in gewissen Punkten von den üblichen Verdächtigen des Rape & Revenge Genre abhebt. Man spielt hier förmlich bewußt mit den betreffenden Klischees, wenn z.B. einer der Bösewichte sich stets eine Schweinemaske über den Kopf stülpt und es sich dann noch am Schluss herausstellt, dass es sich hierbei auch noch um den ansässigen Pfarrer handelt (was schon einer gewissen Komik nicht entbehrt). Auch mit der Erotik bzw. dem Sex wird hier offensiv gespielt, weshalb man als Zuschauer während der Handlung eigentlich jeden Moment damit rechnet, nun explizitere Szenen geboten zu bekommen, um dann aber doch wieder einen Szenenwechsel hinnehmen zu müssen, bevor es wirklich ans Eingemachte geht.

Bleiben am Schluss noch Katie und Sloane selbst zu nennen, die sich in einem Laden mal eben mit einem Augenzwinkern mit Tennisbällen, Nägeln und diversen anderen Utensilien eindecken, um diese dann für ihren blutigen Rachefeldzug etwas umzugestalten. Das hat schon etwas von McGyver für Anfänger (ihr wisst schon, der Serienheld, der aus einem Kaugummi eine Bombe basteln kann).

Dabei sind so einige Gewaltszenen wirklich nicht von schlechten Eltern, doch das ganze Drumherum, einschließlich der musikalischen Unterfütterung sowie dem gesamten pointierten Handlungsablauf sorgen dafür, dass man die Gewaltspitzen der Handlung eigentlich kaum noch für voll nimmt, sondern eben als Teil eines recht tiefschwarzen Humors begreift.

Even Lamps have Teeth (Even Lamps have Teeth)

Meine Filmkritik:
EVEN LAMBS HAVE TEETH ist wahrlich kein Rape & Revenge der üblichen Sorte, bei dessen diversen Genre-Beiträgen man in den letzten Jahren auch einigen verzichtbaren Müll geboten bekam, welcher einfach nur Klischees aufwärmte und das dann noch so billig produziert wurde, dass es schon wieder in den Augen schmerzte.

Der Film hat allerdings auch nicht die Ambitionen, sich nun in die oberen Ränge der wirklich guten Rape & Revenge Filme wie etwa I SPIT ON YOUR GRAVE usw. einreihen zu wollen. Vielmehr spielt man mit den Klischees, setzt dies allerdings ganze gekonnt dann auch um und unterfüttert das Ganze mit einer ordentlichen Portion schwärzestem Humor, der spätestens ab dem Rachefeldzug von Katie und Sloane so richtig zum tragen kommt.

Zugegeben macht einem der Beginn der Handlung es nicht gleich wirklich leicht, diesen Beitrag des Genre nun sofort ins Herz zu schließen, aber dranbleiben lohnt sich auf jeden Fall. Schließlich zeigt der Film, das Selbstjustiz auf die blutige Art durchaus auch Spaß machen kann und an diversen Stellen sogar den einen oder anderen Lacher heraus zu kitzeln vermag.

Was die Darsteller angeht, so wissen die sich auch mit dem Verlauf der Handlung durchaus zu steigern. Hat man zu Beginn etwa das Gefühl, z.B. bei den Darstellerinnen Tiera Skovbye (A Cristmas Story 2/2012) und Kirsten Prout (Eclipse - Biss zum Abendrot/2010) auf die typischen Verdächtigen in Sachen hübsch anzusehen aber mit geringem Talent gesegnet zu stoßen, so gelingt es ihnen doch recht vorzüglich, sich mit dem Verlauf der Handlung beim Zuschauer richtig ins Herz zu spielen und den anfänglich negativen Verdacht Stück für Stück durchaus etwas zu entkräften.

Even Lamps have Teeth (Even Lamps have Teeth)

Sind hierbei auch im Film einige recht ansprechende Gewaltspitzen zu sehen, so sollte man jedoch bei EVEN LAMBS HAVE TEETH nicht unbedingt im Vorfeld davon ausgehen, dass man hier nun mit Gewaltszenen mit dem Vorschlaghammer verwöhnt wird. Als Fan von Rape & Revenge Filmen der wirklich derben Art würde ich hier eher von einem (durchaus gelungenen) Einsatz von Gewalt im oberen Mittelfeld sprechen.

Der Film liegt mir übrigens als Pierrot Le Fou - Uncut #7 - Mediabook als DVD und BD mit 24 seitigem, reichlich bebilderten Booklet und einem innen liegenden Filmposter vor. Er ist aber auch wahlweise als normale DVD bzw. BD erhältlich.

Gesamt betrachtet kann ich dem Film EVEN LAMBS HAVE TEETH durchaus gerade wegen dem tiefschwarzen Humor noch locker vier von insgesamt fünf Hot Pants als Bewertung vergeben. Der eine Punkt Abzug ist hierbei dem etwas holprigen Start des Films zu verdanken, welcher etwas billig erscheint, von dem man sich aber nicht abschrecken lassen sollte. Fans die dem blutigen Rachefeldzug auch einige lustige bis überdrehte Elemente abgewinnen können, sollten sich EVEN LAMBS HAVE TEETH jedenfalls nicht entgehen lassen. Und wer sich trotzdem immer noch an einem nicht vorhandenen, politisch korrekten Frauenbild reibt, dem empfehle ich als Alternative drei Episoden von SEX AND THE CITY zu schauen oder besser gleich eine Schlaftablette zu nehmen um die heimische Matratze zu besuchen.

Even Lamps have Teeth (Even Lamps have Teeth)Even Lambs have Teeth
(Even Lambs have Teeth)
mit James Purefoy, Pete Postlethwaite, Rachel Hurd-Wood, Max von Sydow, Mackenzie Cook, Alice Krige, Jason Flemyng, Ian Whyte, Patrick Hurd-Wood, Marek Vasut, James Babson, Samuel Roukin, Geoff Bell, Robert Russell, Rory McCann, Laura Baranik, Ben Steel, Philip Winchester, Philip Waley u.a.
Regie und Drehbuch: Michael J. Bassett
Produktion: Paul Berrow, Samuel Hadida
Musik: Klaus Badelt
Genre: Fantasy/Horror
Laufzeit: 103 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Constantin Film
Frankreich/Tschechien/Großbritannien 2009



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