Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

George Orwell und der Aufstand der Tiere - »Animal Farm«

Animal Farm - Aufstand der Tiere (Animal Farm)George Orwell und der Aufstand der Tiere
»Animal Farm«

Eigentlich war der Film ANIMAL FARM nicht wirklich als Zeichentrickfilm für Kinderaugen gedacht, auch wenn man überall gerne bereit war, die Altersfreigabe möglichst weit unten zu halten. Und zu welchen Zwecken der Film letztendlich herhalten sollte, hätte George Orwell wohl ebensowenig gefallen, wie er auch das Ende der Geschichte im Film wohl eher abgelehnt hätte. Denn eigentlich wollte Orwell am Schluss keine Form von Happy End, sondern die Verfestigung der stalinistischen Diktatur aufzeigen.

Animal Farm - Aufstand der Tiere (Animal Farm)

Animal Farm - Aufstand der Tiere (Animal Farm)
Grundsätzlich wurde ANIMAL FARM als versteckte antikommunistische Propaganda gedreht, wobei die Farm von Bauer Jones faktisch als Parabel auf die damalige Sowjetunion gilt. Doch Orwell war so ziemlich alles, nur eben kein Antikommunist. Was er jedoch durch die Geschichte ANIMAL FARM nicht nur aufzeigen und kritisieren wollte, waren der Umstand, das die im Kern positiven sozialistischen Ideale durch den Stalinismus entarteten und so direkt wieder in eine totalitäre Tyrannei gipfelten. Da auch nach Stalins Tod zwar an dessen Personkult gerüttelt, aber gleichsam an der stalinistischen Politik im Kern festgehalten wurde, war es nur folgerichtig, dass der Zeichentrickfilm wie auch der Roman in den Ländern der im Volksmund sogenannten Staaten des Ostblock auf der Verbotsliste stand (ähnlich wie der dystopische Roman "1984"/ebenfalls von George Orwell, wo er äußerst kritisch einen totalitären Überwachungsstaat darstellt).

Die Parallelen waren hier schließlich auch schlicht zu offensichtlich. Denn es ließ sich z.B. auch nicht mit den sozialistischen Idealen vereinbaren, dass in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) die Bonzen der SED in Wandlitz Privilegien genossen, die dem Grundgedanken eines Arbeiter- und Bauernstaates völlig zuwider liefen. Oder anders gesagt: Erst die stalinistische Diktaur war die grundsätzliche Voraussetzung für die Entartung der sozialistischen Ideale hin zu einem staatsmonopolistischen Kapitalismus unter der Alleinherrschaft einer privilegierten Parteiführung.

Animal Farm - Aufstand der Tiere (Animal Farm)

Zwei verschiedene Betrachtungsweisen:
Das George Orwell eben kein Antikommunist war, lässt sich schon unschwer daraus erkennen, dass er im spanischen Bürgerkrieg selbst auf Seiten der Sozialisten/Kommunisten gekämpft hatte. Und genau hier hatte er auch erkennen müssen, dass zwischen den einstigen gesellschaftspolitischen Idealen seitens Karl Marx und Lenin und dem vorgehen der Stalinisten etwas ziemlich verkehrt lief. Genau dies versuchte er dann in seiner Parabel ANIMAL FARM auch kritisch aufzuarbeiten.

So behandelt die dystopische Fabel ANIMAL FARM von Orwell eigentlich die Ereignisse Russlands und danach der noch jungen Sowjetunion beginnend mit der Unterdrückung durch den Zaren Nikolaus II. (in Form des Bauern Jones), die Februar- sowie die Oktoberrevolution (Aufstand der Tiere und die Vertreibung von Bauer Jones) und die Entwicklung des Sozialismus (Animalismus), gefolgt von dessen Verdrehung hin zum Stalinismus (hier steht z.B. der Bau der Windmühle als Sinnbild für die Industrialisierung auf Kosten der sowjetischen Bauern) und damit ebenfalls hin zu einer Gewaltherrschaft, die den eigentlich sozialistischen Idealen völlig entgegenstand.

Die eigentliche Idee zu ANIMAL FARM hatte Orwell bereits im Jahre 1937, ohne das er hierbei bereits in die späteren Details ging.  Die Idee basiert hierbei darauf, das Orwell seiner Zeit einen kleinen Jungen sah, der ein Zugpferd auf einem schmalen Pfad  beobachtet, wie er das Pferd schlug, damit dieses nicht von dem vorgegebenen Pfad abkam. Orwell wurde hier klar, dass über die Tiere, wenn sie sich ihrer Kraft bewusst wären, die Menschen dann keine Macht mehr in dieser Form über sie ausüben könnten. Aber eben auch, das die Menschen die Tiere ziemlich auf die selbe Art und Weise ausbeuten wie die Reichen das Proletariat.

Orwell sah sich bei der Veröffentlichung von ANIMAL FARM nicht wenigen Schwierigkeiten gegenüber, denn "Farm der Tiere" wurde von vier Verlegern abgelehnt. Nur ein Verleger schien die Geschichte zu akzeptieren, doch auch dieser sprang von der Puplikation auf ausdrücklichem Anraten des britischen Informationsministerium wieder ab. So erschien ANIMAL FARM erst 1945 in Großbritannien und 1946 dann auch in den USA.

Im Buch selbst stellte Orwell hierzu ein Vorwort ins Original seiner Fabel, indem er ebenso die britische Selbstzensur kritisierte, der damals wahrlich nicht daran gelegen war, den damaligen Alliierten Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg zu kritisieren. Auch die britische Regierung selbst unterdrückte die Veröffentlichung von ANIMAL FARM schließlich aus diesem Grund. Das Vorwort von Orwell selbst fiel so ebenfalls bei der Erstausgabe von 1945 der Zensur zum Opfer und war auch in den meisten der folgenden Ausgaben somit nicht enthalten.

Animal Farm - Aufstand der Tiere (Animal Farm)

Der kalte Krieg macht es möglich:
ANIMAL FARM wäre wohl nie als Zeichentrickfilm umgesetzt worden, hätte nicht schon gegen Ende des Zweiten Weltkrieg in den USA ein Umdenken in Sachen Sowjetunion stattgefunden. So sah man in Orwells Geschichte eine perfekte Möglichkeit, im nun anlaufenden kalten Krieg diese Geschichte zu Propagandazwecken zu nutzen, bei der man alle Altersklassen ansprechen konnte. So ließ 1950 (nach dem Tod von George Orwell) die CIA die Filmrechte kaufen, was sie auch später hinsichtlich der Verfilmung des Romans "1984" tat, um aus diesem Stoff nun gänzlich eine "antikommunistische Geschichte" daraus zu machen.

Die Umsetzung als Zeichentrickfilm von ANIMAL FARM erfolgte indessen durch die Engländer John Halas (geboren 1912 in Budapest/Österreich-Ungarn) und seiner Ehefrau Joy Batchelor, die bereits Erfahrungen im Bereich Trickfilme mit propagandistischen Inhalten während des Zweiten Weltkrieg gesammelt hatten. Dabei hielten sie sich allerdings doch recht nahe an der Vorlage. Nur zum Ende hin unterscheidet sich der Zeichentrickfilm erheblich von der literarischen Vorlage Orwells. Bei ihm machen die Schweine nämlich keine gemeinsame Sache mit den Menschen in ihrem begrenzten Kosmos weniger Farmen, sondern lösen eine "animalistische Weltrevolution" aus, in deren Ablauf auf jedem Bauernhof die Schweine die Führung übernehmen und sich das Ziel stellen, alle anderen Tiere mit immer weniger Nahrung immer mehr arbeiten zu lassen. Da man jedoch auf keinen Fall ein solch pessimistisches Ende des Films wollte, ließ man hier die Tiere eine zweite Revolution gengen die Schweine ausführen.

Animal Farm - Aufstand der Tiere (Animal Farm)

Wo Propaganda, da ist Disney nicht weit:
Das der Film visuell so Lebendig wirkt, lag indessen an dem Amerikaner John F. Reed, der hier als Animations-Regisseur seinen Job verrichtete.

Reed selbst stammte wiederum aus dem Hause Disney und hatte bereits als Zeichner bei den Disney-Zeichentrickfilmen "Fantasia" und "Pinocchio" mitgearbeitet.

Ihm verdankt man bei ANIMAL FARM den eher idyllischen Disney-Stil mit den kleinen, auflockernden Gags. Zu nennen wären hier gerade die Szenen mit der kleinen Ente, die hier wirklich Disney typisch umgesetzt wurde, um das Gesamtthema auch für die jüngeren Zuschauer aufzulockern.

Animal Farm - Aufstand der Tiere (Animal Farm)

Statt eines Einblick in die Handlung:
Wie ihr gemerkt haben dürftet, gab es bis hierhin noch keinen Einblick in die Handlung von ANIMAL FARM. Diesen werde ich mir hier auch heute sparen. Dafür lege ich diesen Zeichentrickfilm eigentlich jedem ans Herz, der ihn noch nicht gesehen haben sollte, aber auch denen, bei denen es schon lange her ist, dass sie ihn zuletzt gesehen hatten. Dafür gibt es hier nun einen einleitenden wie knappen Einblick z.B. auf die Symbolik der Gesetze, die sich die Tiere nach der Revolution selbst gaben und was daraus unter dem Schwein "Napoleon" (also nicht grundsätzlich allen Schweinen) wurde. Zudem blicken wir kurz natürlich auch zu einigen Figuren im Film, und wie sie nach Orwell symbolisch in der Realität einzuorden sind.

Animal Farm - Aufstand der Tiere (Animal Farm)

Die ursprünglichen Gesetze der Tiere:
1. Kein Tier soll in einem Bett schlafen
2. Kein Tier soll Alkohol trinken
3. Vier Beine gut, zwei Beine schlecht (wobei z.B. bei Hühnern die Flügel ebenfalls als Beine gezählt werden)
4. Kein Tier soll ein anderes Tier töten
5. Alle Tiere sind gleich

Diese Gesetze werden mit der Machtübernahme seitens Napoleon zusehends alle verwässert, wie z.B. das die Schweine im Haus von Bauer Jones dann doch in den Betten schlafen und hierfür das entsprechende Gesetz in ihrem Sinne ändern in:

"Kein Tier soll in einem Bett schlafen ... mit Laken".

Auch führt Napoleon die Todesstrafe wieder ein durch folgende Änderung:
"Kein Tier soll ein anderes Tier töten ... ohne Grund".

So werden Stück für Stück die Gesetze durch die Schweine um Napoleon verändert, indem plötzlich zu jedem Gesetz ein kleiner, aber entscheidender Zusatz angehängt wird, der das jeweilige  Gesetz dann plötzlich wieder für eine privilegierte Schicht (den herrschenden Schweinen) faktisch umwandelt.

Am Ende verschwinden diese Gesetze an der Wand der Scheune durch Napoleon dann völlig, die sich in der Urform alle Tiere (einschließlich der Schweine) selbst gegeben hatten. Nur das letzte Gesetz bleibt bestehen, wird aber so verändert, dass es die Herrschaft der Schweine unter der Führung Napoleons zementiert. Diese Änderung lautet wie folgt:
"Alle Tiere sind gleich ... aber manche Tiere sind gleicher".

Hinzu  kommen dann noch in der recht politischen Fabel eben die Tiere und für welche realen Figuren/Menschen sie eigentlich stehen. Auch hier wollen wir mal kurz etwas reinsehen, ohne hier nun auf Vollständigkeit zu pochen. Dabei sind übrigens durchaus nicht alle Schweine (Bolschewiki) negativ zu sehen, wie man eben auch aus der ursprünglichen Fabel von George Orwell her erkennen kann. So fangen wir denn mal an mit einer Doppelrolle.

Stand Bauer Jones als Mensch (gleichsetzbar aber auch als so bezeichnete Menschewiki) für Zar Nikolaus II., der den Luxus liebte, aber wohl kaum seine Untertanen, die er hierfür in Hungersnöte trieb. So war hier sein direkter Widersacher das Schwein Old Major, der den anderen Tieren ihre elende Situation vor Augen führte. Dabei füllt Old Major durchaus eine Doppelrolle aus, denn er steht (positiv von Orwell betrachtet) gleichsam für Karl Marx wie auch Wladimir Iljitsch Lenin.

Das Schwein Schneeball steht indessen für Leo Trotzki, welcher im Exil von Stalins Schergen ermordet wurde. Im Film wird Schneeball so von Napoleon und seinen Hunden vertrieben und ermordet. Napoleon schiebt ihm dabei alle Misserfolge auf der Farm in die Schuhe und bezichtigt ihn ein Verräter gewesen zu sein (in der Fabel selbst - also nicht im Film zu sehen - ließ Napoleon auch andere Schweine hinrichten, die sich seiner Tyrannei entgegenstellten).

Napoleon steht hierbei (ganz klar) für Josef Stalin, der zuerst eher aus dem Hintergrund heraus agiert und mit den Welpen des Hofhundes seine gefährliche Geheimpolizei großzieht. Er vertreibt Schneeball, lässt diesen durch die Hunde töten und errichtet so seine Gewaltherrschaft über die Tiere der Farm.

Animal Farm - Aufstand der Tiere (Animal Farm)

Das Pferd Boxer versinnbildlicht hierbei das Proletariat, dessen elendige Situation eines der wesentlichen Gründe für die Revolution war, dann aber unter dem Stalinismus wiederum am meisten ausgebeutet wurde. Quasi ist Boxer der bejubelte Held der Arbeiterklasse, welcher jedoch nun widerum am Ende zum Opfer wird. Der Esel Benjamin ist dabei sein bester Freund, steht der Entwicklung jedoch eher skeptisch gegenüber.

Der schwarze Rabe Moses, der im Film nur ein paar mal ins Bild kommt, verkörpert hierbei die Kirche. Im Film wird er nur als stiller Beobachter gezeigt, der zwar alles sieht aber nie Stellung bezieht. Im Buch selbst vertröstet er hingegen die anderen Tiere hinterlistiger Weise in ihrem schweren Los auf ein besseres Jenseits. Dabei versucht er auch die Moral der Tiere aufrecht zu halten, während ihre Situation unter dem Regime von Napoleon immer grausamer wird.

Die anderen Tiere wie Schafe, Ziegen oder Kühe symbolisieren das "gemeine Volk" welches alles gedankenlos wiederholt was ihm vorgesagt wird. Sie hinterfragen nichts und werden durch die Propaganda für die Zwecke von Napoleon missbraucht. Die Hühner stehen hierbei für die Bauern, welche enteignet und vermehrt für die gewaltsame Industrialisierung unter Stalin von ihren Höfen in die Fabriken gezwungen wurden, was erneut auch wieder zu Hungersnöten führte. Dies wird symbolisiert durch den Verkauf ihrer Eier an einen Menschen.

Die Hunde wiederum, welche von Napoleon abseits aufgezogen und auf seine Person eingeschworen werden, stehen in der Fabel für die Tscheka, also der Staatspolizei (GPU) und das Volkskommissariat für innere Angelegenheiten (NKWD), die jeden unter Stalin verfolgten, welcher (egal ob aus dem Volk oder der Kommunistischen Partei) seinen Interessen (auch nur gefühlt) entgegen stand. Als kleiner Hinweis sei hier gesagt, dass damals auch viele deutsche Kommunisten der KPD am Ende des Zweiten Weltkrieg dem NKWD zum Opfer gefallen sind.

Das Schwein Schwanzwutz (oder auch "Quiekschnautz") steht hierbei sowohl für Wjatscheslaw Molotow als auch für die Propaganda im Sinne von Josef Stalin.

Animal Farm - Aufstand der Tiere (Animal Farm)

Meine Filmkritik:
Der stark von seiten der CIA finanzierte englische Zeichentrickfilm war schlicht als reine und ungefilterte Propaganda gegen den Kommunismus produziert worden. Da man sich hier allerdings recht stark eben an der Diktatur durch Stalin orientierte, kann man diesen durchaus recht gut umgesetzten Film ANIMAL FARM auch im Sinne des Sozialisten Orwell sehen, der hier eher den Wandel einer positiven sozialistischen Revolution wieder zurück in eine erneute Diktatur kritisierte.

So kann man hier auch durchaus die Lehre ziehen, dass ein positiver gesellschaftlicher Wandel eben kein Selbstläufer ist, welcher nicht wieder umgewandelt und pervertiert werden könnte. Dies bedeutet als Lehre auch seitens Orwell, dass man niemals seinen kritischen Blick einschläfern lassen sollte durch blumige Versprechungen.

Orwell war in diesem Punkt auch ein würdiger Vertreter der sozialistischen Idee, in der es auch an einer starken Kontrolle von unten nach oben nicht mangeln durfte. Da letzteres jedoch weder in der Sowjetunion noch im gesamten Ostblock (oder China) wirklich ausgeprägt schien, kam Orwell in seiner Fabel ANIMAL FARM am Ende zu einer eher pessimistischen Sichtweise der Zukunft, indem er eine ab Stalin sich verfestigende Diktatur voraussah.

Erst nach 1989 und dem Zerfall der Sowjetunion sah man im Ende des Film ANIMAL FARM den Niedergang des Ostblock vorweggenommen. Das mag im ersten Augenblick auch so erscheinen, wird aber weder Orwells eigentlichem Ansinnen wie auch der Realität über viele Jahrzehnte hinweg nicht gerecht. Denn unter Stalins Nachfolger Nikita Chruschtschow (der Parteichef der KPdSU von 1953 bis 1964, welcher gerne auch schon mal mit seinem Schuh aufs Rednerpult einschlug), wurde Kritik an Stalin zwar opportun, an den diktatorischen Zuständen aber änderte sich dabei durchaus nichts in der damaligen Sowjetunion.

In diesem Sinne ist der Film ANIMAL FARM durchaus ein lehrreicher Zeichentrickfilm, den man aber nicht ohne erklärenden Beistand dem jüngsten Nachwuchs einfach zum konsumieren vor die Nase setzen sollte. Man sollte schließlich auch nie vergessen, wer hinter dem Zeichentrickfilm stand (CIA und Disney bilden hier durchaus versteckt eine wahrlich unheilige Allianz) und welchem propagandistischen Ziel dieser in Zeiten des kalten Krieg produzierte Zeichentrickfilm eigentlich diente (oder zumindest dienen sollte). Die Altersfreigabe ab 6 Jahre halte ich hierbei allerdings auch für falsch, da Kinder in diesem Alter die vermittelten Inhalte kaum ungefiltert richtig gewichten können.

Nein, George Orwell würde sich angesichts dieses Zeichentrickfilms und was man gerade an dessen Ende verändert hatte, noch heute im Grabe umdrehen, weshalb auch ich eher dazu tendiere, hier dem Nachwuchs zuerst lieber die Original-Fabel seitens Orwell zu lesen zu geben. Aus diesem Grund vergebe ich auch hier nur vier von insgesamt fünf Punkte als Bewertung für die Umsetzung in Bild und Ton, jedoch ohne hierbei die eigentliche Grundaussage bewerten zu wollen, die eher dem Idealbild des US-Antikommunismus entspricht. Schließlich möchte ich hier nicht unbedingt der CIA und ihrem damaligen Ansinnen auch noch Honig um den Mund schmieren. Der Zeichentrickfilm ANIMAL FARM wurde in Deutschland übrigens zuerst unter dem Alternativtitel AUFSTAND DER TIERE aufgeführt.

Animal Farm - Aufstand der Tiere (Animal Farm)Animal Farm - Aufstand der Tiere
(Animal Farm)
Alternativtitel: Aufstand der Tiere
Regie: John Halas, Joy Batchelor
Animation: Ralph Ayres
Animations-Regisseur: John F. Reed
Produktion: Halas & Batchelor Cartoon
Musik: Matyas Seiber
Genre: Animationsfilm
Spielzeit: 72 Minuten (BD)
DVD/FSK: 6 Jahre
Vertrieb: Winklerfilm
Großbritannien 1954




Kommentare  

#1 Hermes 2019-01-14 01:00
Ein schöner, lehrreicher Beitrag. Ein sehr bekannter Film über dessen Hintergründe hier noch das eine oder andere Detail aufgedeckt wird.
Zitieren
#2 Schwarzbart 2019-01-14 02:54
Schon interessant, wie hier argumentiert wird. Es gibt da nur ein winziges, völlig bedeutungsloses Detail: Wann jemals war Sozialismus wirklich richtig gut? Wann hätte er jemals irgendwo funktioniert?

Ich lasse mich gerne aufklären...
Zitieren
#3 Harantor 2019-01-14 11:13
Gegenfrage: Wann hat es jemals jemand ernsthaft mit Sozialismus versucht und nicht eine Diktatur hinter diesem Schlagwort versteckt?
Zitieren
#4 Laurin 2019-01-14 16:34
@ Schwarzbart:
Um die Frage zu beantworten, musst du mir erst einmal auch ein sozialistisches System nennen. Oder anders gesagt, die Antwort findest du eigentlich schon im Artikel selbst. Man sollte eben nicht auf die Floskel hereinfallen von den sogenannten ehemaligen "realsozialistischen" Staaten (etwa des damaligen Ostblock).

Wie oben schon geschrieben, funktionierten alle diese Systeme durch einen Staatsmonopolistischen Kapitalismus (also staatlich gelenkt) und eben nicht durch den Sozialismus. Marx und Engels hätten sich bei diesen Staatsgebilden im Grabe herumgedreht und auch Lenin würde wohl wütend wieder auferstehen, wenn er gewusst hätte, was Stalin nach seinem Tod verbockt hatte. Selbst das heutige China funktioniert nach staatlich gelenktem Monopolkapitalismus reinsten Wassers, auch wenn die einzige Regierungspartei immer noch (fälschlicher Weise) den Kommunismus im Namen trägt. Das ist ungefähr so, als würdest du eine Tüte Haselnüsse kaufen weil Haselnüsse drauf steht, und drin sind nur Kieselsteinchen. Das bringt Harantor in seinem Kommentar hier schön in einem Satz auf den Punkt.
Man kann es aber auch vereinfachen: Wenn eine sogenannte sozialistische oder kommunistische Partei kein Vertrauen in das eigene Volk hat, es bespitzelt, unterdrückt und nicht durch einen demokratischen Prozess an der Gestaltung des Sozialismus beteiligt, dann ist dieser Staat weder sozialistisch, noch wäre die staatstragende Partei gar kommunistisch orientiert. Was wir also hatten waren Ansätze, die jedoch durch die Durchsetzung einer Diktatur von oben nach unten zunichte gemacht wurden. Und das galt eben nicht nur für die Sowjetunion, sondern für alle sogenannten "sozialistischen" Staaten (z.B. die anderen Staaten des so bezeichneten Ostblock) die z.B. damals seit Stalin an der kurzen Leine geführt wurden.
Aber wie gesagt, lies dir noch mal den Artikel genau durch, denn da steht eigentlich alles zu diesem Punkt drin. Im Umkehrschluss heißt dies aber noch lange nicht, das etwas, was mal schief gegangen ist also folglich unmöglich wäre. Dabei könnte ich mit dir sogar mal privat etliche Stunden darüber diskutieren, was im Kapitalismus schief geht und rein von der Natur dieses politischen Systems immer schiefgehen muss. ;-)
Aber ich glaube, dafür ist der Zauberspiegel nicht das richtige Forum.
Zitieren
#5 Schwarzbart 2019-01-14 23:52
In einem Interview sagte Gregor Gysi einmal, dass Jugoslawien ein fast "idealer", sozialistischer Staat gewesen sein soll - dieser aber "kaputtgemacht" worden sei - also von Dritten.

Letztlich stellt sich also ja eigentlich Frage: Wenn all die "sozialistischen Experimente" gescheitert sind - ist es dann überhaupt möglich, einen "echten" Sozialistischen Staat zu erschaffen - oder ist der Sozialismus nur eine Utopie?
Zitieren
#6 AARN MUNRO 2019-01-15 11:05
Ja, der Film und das Buch sind eine sehr schöne Satire auf den damals real existierenden Stalinismus.
Sozialismus in seiner echten Form nach Marx kann in kleinen Gruppen funktionieren ... aber nicht in großen Staatsgebilden. Das aber jetzt wirklich ausführlich auszuführen, verlangt einen eigenen Thread.
Zitieren
#7 Laurin 2019-01-15 18:24
@ Schwarzbart:
Einen sozialistischen Staat zu schaffen dürfte ebenso möglich sein, wie man früher auch z.B. den Feudalismus oder die Monarchie für etwas neues überwinden konnte. Es darf aber nicht an einer Demokratie mangeln, die mehr umfasst, als nur alle paar Jahre ein Kreuz auf einem Wahlschein zu machen. Und das man dann selbst nicht vor Angriffen von außen geschützt ist, bekommen wir seit Jahren vorgemacht, wo man selbst wegen des Interesse an den Rohstoffen ganze Staaten von außen destabilisiert und in Bürgerkriege stürzt oder wo danach Terrorgruppen an die Macht wollen. Man muss es eben nur wollen und man muss aus den gravierenden Fehlern (z.B. Stalinismus) die richtigen Lehren ziehen um Fehler nicht zu wiederholen.

@ AARN MUNRO:
Nun ja, "kleine Gruppen" nennt man bei uns ein geselliges Zusammensein. ;-) Marx hatte sich aber nie theoretisch mit z.B. einem Kegelclub oder einer Anglergemeinschaft beschäftigt. :lol:
Zitieren
#8 AARN MUNRO 2019-01-16 11:32
zitiere Laurin:


@ AARN MUNRO:
Nun ja, "kleine Gruppen" nennt man bei uns ein geselliges Zusammensein. ;-) Marx hatte sich aber nie theoretisch mit z.B. einem Kegelclub oder einer Anglergemeinschaft beschäftigt. :lol:



Ich meinte jetzt etwa Dorfgröße oder eine Kleinstadt. Sagen wir 500 bis 5000 Leute. Dort, wo Du wirklich einen freiwillgen, gemeinsamen Konsens im sozialistischen Zusammenleben erreichen kannst.Dort, wo die Leute Dinge noch teilen können und nicht besitzen wollen. Keinen "Planeten der Habenichtse" aber auch keinen minimalen Stammtisch von vier Leuten. Obwohl es sogar in einer linken WG manchmal schon schwierig war, Konsens zu erreichen.
Zitieren
#9 Laurin 2019-01-16 13:51
@ AARN MUNRO:
Weder in einem Dorf noch in einer Kleinstadt kann man den Sozialismus umsetzen, wie soll das gehen innerhalb eines kapitalistischen System? Richtig ist, das man in solchen überschaubaren Verhältnissen eine gewisse Solidarität untereinander schaffen kann, keine Frage, aber das hat mit Sozialismus noch herzlich wenig zu tun da du dann immer noch nach kapitalistischen Spielregeln leben musst.

Und Sozialismus bedeutet eben auch nicht ein System, in dem nur noch Friede, Freunde und Eierkuchen das Zusammenleben bestimmen. Würde ich davon ausgehen, wäre ich wirklich ein Utopist.
Zitieren

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.
Mehr Infos Ok