Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Die Kritiker und eine neue Conjuring-Ikone - »The Nun«

The Nun (The Nun)Die Kritiker und eine neue Conjuring-Ikone
»The Nun«

Nun versucht man ja schon eine ganze Weile, dem stetig wachsenden Conjuring-Universum von James Wan seitens der Kritik an den Karren zu fahren.

Da wundert es auch nicht, wenn sich nicht wenige schon kurz nach dem Kinostart daran machten, mit ihren Kritiken dem neuen Spin-off der Conjuring-Reihe unter dem Titel THE NUN das Wasser abzugraben.

Aber zwischen den Meinungen mancher Filmkritiker und den Zuschauern tun sich auch hier wieder einmal ganze Welten auf.

Denn egal wie sehr man seitens der Filmkritiker auch die Keule schwingen mag, es kratzte bisher nie am Erfolg auch von THE NUN, welcher als insgesamt drittes Spin-off der Conjuring-Reihe in die Kinos kam.

The Nun (The Nun)The Nun (The Nun)
So gab man sich z.B. in dem Internet-Portal Kino.de dann doch am 10.09.2018 überrascht, mit welchem Erfolg THE NUN in den Kinos einschlug. So musste man feststellen, das THE NUN in den USA in den Kinocharts gleich den ersten Platz belegen konnte. In den USA spielte THE NUN nämlich gleich 53,5 Millionen US-Dollar ein. Dies schaffte damals nicht einmal der erste Film CONJURING - DIE HEIMSUCHUNG (THE CONJURING), der damals ein Einspielergebnis in den USA von 41,8 Millionen US-Dollar schaffte.

Auch in Deutschland konnte THE NUN im Kino mit umgerechnet insgesamt 9,3 Millionen US-Dollar (über 916.800 Besucher) an Einnahmen mehr als deutlich überzeugen. Damit legte THE NUN von allen Conjurig-Filmen (bisher zwei) samt den bisherigen Ablegern ANNABELLE und ANNABELLE 2 den besten Start eines Films dieses Horror-Filmuniversum hin.

Das passte vorher allerdings nicht in die Sichtweise der Filmkritik seitens Kino.de vom 07.09.2018, wo man THE NUN mal so richtig durch die Filmkritik von Helena Ceredov rund machen wollte und dabei auch gleich mal einen Vergleich mit dem Film DER EXORZIST aus dem Jahre 1973 anstellte. Der Grund hierfür war auch schnell gefunden, schließlich ähnelte die Hintergrundgeschichte des Pater Burke laut Aussage in besagter Kritik der von Pater Damien Karras.

The Nun (The Nun)Nun muss ich sagen, dass Ähnlichkeiten durchaus vorhanden sind, wenn man von der Hintergrundgeschichte seitens Pater Lankester Merrin aus dem Film DER EXORZIST ausgehen würde. Und richtig ist natürlich auch, das DER EXORZIST mit dem Dämon Pazuzu selbst heute noch in dieser Form des Horrorfilm die Königsdisziplin darstellt. Aber der Vergleich, bzw. die Querverbindungen innerhalb der Kritik in Kino.de hinken eigentlich nicht nur, sondern sind in diesem Punkt eigentlich schon gehörig an den Haaren herbeigezogen. Das dieser Vergleich zumindest "etwas unfair" ist, musste Helena Ceredov dann auch gegen Ende ihrer Filmkritik sogar selbst feststellen, was die Kritik aber nun auch nicht hilfreicher macht. Dabei mochte man auch bei anderen Portalen wie Filmstarts.de, Spielfilm.de oder etwa seitens Robots & Dragons nicht zurückstehen wollen, wenn es darum ging, der Conjuring-Filmreihe ein Bein stellen zu wollen. Das sie damit allerdings keinen Erfolg bei den Zuschauern verzeichnen konnten, legten diese eindrucksvoll an den Kinokassen dar.

Grundsätzlich - und dies gilt auch immer für meine persönlichen Filmkritiken - sollte man sich nämlich nie einseitig von Kritiken leiten lassen, sondern sich immer auch ein eigenes Bild machen und dann für sich selbst entscheiden, ob ein Film gefällt oder eben nicht. Schließlich kann sich kein Kritiker (egal ob man einen Film negativ oder positiv bewertet) davon freisprechen, in gewissen Punkten eben doch eher subjektiv als opjektiv zu kritisieren. Und man sollte in diesem Punkt auch nie wie ein Fisch dem Schwarm anderer kritischer Stimmen hinterherschwimmen wollen. In dem Sinne dürfte in Sachen Filmkritik meine Einschätzung sich dann von den oben genannten doch etwas abheben.

Doch umreißen wir hier einfach mal kurz die Handlung des Horrorfilm THE NUN, der seit dem 16.01.2019 auch auf DVD bzw. BD erhältlich ist.

The Nun (The Nun)Der Schrecken in einem rumänischen Kloster:
Wir schreiben das Jahr 1952. Im rumänischen Kloster St. Carta ist es für den Vatikan scheinbar zu einem "Selbstmord" einer Nonne gekommen. Natürlich will man nun wissen, was dort vorging und entsendet Pater Burke dorthin, um diesem seltsamen Selbstmord auf den Grund zu gehen. Ihm zur Seite stellt man die junge Novizin Schwester Irene.

Das der Vatikan nicht von einem normalen Selbstmord ausgeht, zeigt sich bei diesem eher seltsamen Gespann eigentlich erst auf dem zweiten Blick, denn Pater Burke hatte einmal (aber leider Erfolglos) einen Exorzismus an einem Jungen durchgeführt, der von einem mächtigen Dämon besessen war. Schwester Irene wiederum besitzt die Gabe, mit Visionen den Schrecken des Bösen vorherzusehen. Und in diesem Punkt quälen sie seit einiger Zeit Visionen über eine Nonne, die direkt aus der Hölle zu stammen scheint. Das es sich in ihren Visionen um den Dämon Valak handelt, ahnt indessen zur Zeit weder Pater Burke noch Schwester Irene.

Gemeinsam mit "Frenchie" (der, wie sich am Ende zeigt, eigentlich mit richtigem Namen Maurice heißt), der den Nonnen im Kloster bisher die Lebensmittel brachte und dabei auch die erhängte Nonne vorgefunden hatte, machen sie sich auf zum Kloster um der Sache auf den Grund zu gehen. Frenchie hatte die von Krähen verunstaltete Leiche jedoch in den Kühlraum auf den Boden gelegt. Als man jedoch ankommt, sitzt die Leiche plötzlich auf einer Bank im Kühlraum.

The Nun (The Nun)Schnell wird man bald auch fündig, was die Geschichte des Kloster St. Carta angeht. So wurde es als Burg ehemals im Mittelalter von einem Herzog erbaut, welcher hier blutige Opfer während seinen okkulten Ritualen erbrachte um eine Pforte der Hölle zu öffen. Um seinem Treiben ein Ende zu setzen, entsannte die Kirche Kreuzritter, die den Herzog töteten und die Pforte zur Hölle mit einem Spritzer des letzten Blutes Christi versiegelten, welches sich in einem uralten Artefakt befindet. So konnte die abgrundtief böse Kreatur, die der Herzog aus der Hölle rief, nicht auf Erden wandeln. Danach wurde die Burg dann in ein Kloster umgewandelt, wo die Nonnen im ewigen Gebet dem Bösen erfolgreich Einhalt gebieteten.

Dies änderte sich jedoch im Zweiten Weltkrieg, wo herabfallende Bomben einen Riss in der Pforte der Hölle verursachten. Ab diesem Augenblick wurde das Böse in diesem Kloster mit den Jahren immer mächtiger. Auch in dem Dorf in der Nähe von St. Carta spricht man daher nicht gerne von dem Kloster, denn man glaubt auch dort, das dort mittlerweile das absolute Böse sein Unwesen treibt. Dieser Glaube wird seit kurzem auch darin gestützt, dass es im Dorf ebenfalls schon zu einem seltsamen Selbstmord eines Bauernmädchen gekommen ist.

Im Kloster, wie auch auf dem nahe gelegenen alten Friedhof sehen sich Pater Burke und Schwester Irene indessen einem immer schlimmeren Terror ausgesetzt. Dabei finden sie auch in einem Grab, in dem Pater Burke vom Bösen eingeschlossen wurde, die schaurigen okkulten Schriften des damaligen Erbauers der Burg.  Doch beide lassen sich nicht abschrecken um dem Geheimnis von St. Carta auf die Spur zu kommen, dabei wissen weder Pater Burke noch Schwester Irene bald nicht mehr, was Realität ist und ob die Lebenden die sie vorfinden nicht eher bereits die Toten sind.

The Nun (The Nun)Was sich für Kritik besser eignen würde:
Nun, wenn man sich so manche andere negative Kritik richtig durchliest, dann findet man durchaus Ansatzpunkte, wieso manche Filmkritiker hier nun nicht so freudig ihre Meinungen kundtun.

Hier hätten wir z.B. die eingestreuten, durchaus komischen Elemente. Die stammen zum größten Teil von Frenchie, einem jungen Dorfbewohner, der irgendwann mal hier in dem rumänischen Dorf hängengeblieben ist. Nur, das junge Leute mitunter auch mal eine eher lockeres Mundwerk ihr eigen nennen, wenn ihnen eine hübsche junge Frau begegnet (hier Schwester Irene), dürfte eigentlich nicht überraschend sein. Und das Pater Burke die Reisetaschen im Dorf aus versehen auf die Ladefläche eines alten LKW abstellt, während Frenchie eigentlich mit einem Pferdefuhrwerk gleich hinter dem LKW wartet, wirkt zwar auch recht lustig, aber eben auch nicht unpassend oder übertrieben innerhalb der Handlung. Eigentlich bin ich persönlich über die seltenen wie leicht komischen Einlagen sogar dankbar, lockern sie doch die ansonsten recht düstere bis beklemmende Atmosphäre des Film durchaus etwas auf, ohne dabei jedoch völlig fehl am Platz zu wirken. Seien wir da doch mal realistisch, denn selbst in den schlimmsten Zeiten gibt es auch immer kleine Situationen, bei denen man doch mitunter schmunzeln kann und darf.

Ein weiterer Punkt dürfte sein, dass der Film THE NUN sich in seiner Machart doch etwas von den bisherigen Filmen der Conjuring-Reihe unterscheidet. Kamen nämlich die bisherigen Conjuring Filme und die Spin-offs zur Horrorpuppe "Annabelle" eher schaurig-subtil und zu Beginn in einem eher ruhigeren Fahrwasser daher, so kann man bei THE NUN feststellen, dass hier das Böse eher schon recht früh und brachial zuschlägt, was den eigentlichen Horrorfaktor noch um einiges erhöht und so auch eine völlig andere Ebene beim Publikum anspricht. Damit mag nicht jeder warm werden, der hier auf einen typischen Conjuring-Film gehofft hatte. Doch auch hier sehe ich dies persönlich etwas anders, denn wenn sich eine Filmreihe nicht mitunter auch für inhaltliche Veränderungen öffnet, wirkt der Film eher recht vertraut und verliert so bald auch an Reiz und Spannung.

The Nun (The Nun)Gerne und mit wachsender Freude wird dann auch von Kritikern immer wieder das Wort "Klischee" ins Feld geführt. Hier gebe ich gerne zu, dass es an manchen Klischees bei THE NUN nicht mangelt. Nur wenn man hier ehrlich ist, kann man bei diesem Genre so einige Klischees auch kaum wirklich umgehen, weil sie einfach nicht zu umgehen sind. Denn wenn man Horror auf der Basis der christlichen Elemente wie Hölle und Himmel, Böse und Gut, Glaube und Widersacher anpackt, kann man keine Mauern einreißen, die als wesentliche Elemente die Stabilität der gesamten Handlung tragen. Und wenn man schon von Klischees im negativen Sinne redet, sollte man sie in einer Kritik auch irgendwie benennen können. Leider werfen viele Kritiker aber recht gerne nur das negativ besetzte Wort "Klischee" in den Raum, ohne wirklich an diesen Knochen auch mal etwas Fleisch anzusetzen. Ein solches Vorgehen wertet daher zwar ebenfalls ab, ohne jedoch wirklich eine kritisch nachvollziehbare Aussage damit zu verbinden, die eine fruchtbare Diskussion einleiten könnte. Dies bekommt so für mich persönlich aber schnell auch einen recht faden Beigeschmack eines eher sinnfreien Schlagwortes, welches Kritik ohne wirklich nachvollziehbarem Inhalt präsentiert. Und mal Hand aufs Herz, einen Priester und eine angehende Nonne aus dem Jahr 1952 nicht klischeehaft in einem Film wiedergeben zu wollen, dürfte schon irgendwie an eine künstlerische Utopie grenzen.

Unter dem Strich werden bekanntlich nie alle mit dem Ergebnis zufrieden sein, das wissen auch die Macher des Films sehr wohl. Nur seien wir ehrlich, die Macher drehen ihre Filme auch nicht, um von Kritikern in die Kuschelecke geleitet zu werden, sondern für ein Publikum, welches einen spannenden, schaurigen und ansprechenden Film des Genre erwartet. Und hier kann ich sagen, dass dies im Fall von THE NUN durchaus sehr gut gelungen ist.

The Nun (The Nun)Wo "The Nun" bei mir ebenfalls punkten kann:
Der Film THE NUN hat durchaus nicht wenige Szenen, die ein wenig an so manche Klassiker des Horrorfilm erinnern. Sei es der Nebel auf dem Friedhof, seien es die urwüchsigen Landschaftsbilder, die man auf Originalschauplätzen in Rumänien gefilmt hat und die man sich bei manchem alten Vampirfilm statt recht offensichtlichen Studioaufbauten gwünscht hätte.

Dabei greift man Dinge auf, die den schaurigen bis beklemmend wirkenden Faktor noch erhöhen, wie z.B. die kleinen Glöckchen an den Gräbern. Die gab es z.B. zu Zeiten der Pest in manchen Regionen wirklich und sollten verhindern, dass man aus versehen einen Menschen lebendig beerdigte. Der so fälschlich Begrabene konnte so an einer Leine im Sarg ziehen und auf sich aufmerksam machen, wenn andere Menschen in der Nähe waren. Schließlich war es damals auch nicht unbedingt selten vorgekommen, das man für tot gehalten wurde, ohne es jedoch auch tatsächlich zu sein.

Gesamt betrachtet bekommt man hier einige wirklich recht interessante und schöne Außenaufnahmen bei den Dreharbeiten geboten, die sich für einen Genre-Beitrag durchaus sehen lassen können. So filmte man z.b. auf dem Vorplatz des Parlament von Bukarest und machte recht ansprechende Szenen auf der Corvinilor-Burg in Hunedorara sowie in Sighisoara in Transsylvanien.

Aber auch bei der Besetzung der jeweiligen Rollen machte man keine halben Sachen. So überzeugt Demian Bichir ( CHE - REVOLUCION/2008 oder ALIEN: COVENANT/2017) als Pater Burke ebenso, wie Taissa Farmiga (AMERICAN HORROR STORY/in 24 Episoden von 2011 bis 2018 oder THE FINAL GIRLS/2015), die die Rolle der jungen Novizin Schwester Irene mit stets glaubwürdigem Leben füllte. Interessant hierbei dürfte sein, das Taissa Farmiga die jüngere Schwester von Vera Farmiga ist, die in beiden Conjuring-Filmen die Rolle der Lorraine Warren spielte und in kurzen Szenen auch zu Beginn und am Ende des Film THE NUN zu sehen ist, in denen man die umspannende Verbindung zu beiden Filmen der Conjuring-Reihe hinsichtlich THE NUN sehr schön herstellt.

Aber auch Jonas Bloquet (3 DAYS TO KILL/2014) als Maurice "Frenchie" Theriault, spielt seine Rolle als Franko-Kanadier, der in dem rumänischen Dorf hängen geblieben ist, auch mit den manchmal (oder gerade wegen den) etwas flapsigen Sprüchen, die er ab und an hierbei loslässt, seinen Part durchaus recht ansprechend wie auch glaubwürdig. Einen bierernsten jungen Burschen in diesem Genre-Film hätte ich zumindest als durchaus weniger glaubwürdig, da gekünstelt empfunden. Und wer sich etwas im Conjuring-Universum auskennt, der dürfte sich spätestens an den besagten Maurice erinnern, über den die Warrens von einem Exorzismus in einem Hörsaal berichten (CONJURING-DIE HEIMSUCHUNG). Denn auch hier verbinden sich nun die jeweiligen Filme perfekt ineinander, wobei ich hier in diesem Punkt allerdings nicht weiter spoilern möchte.

Auch hervorzuheben ist hier sicherlich die Darstellerin Bonnie Aarons (PLÖTZLICH PRINZESSIN!/2001 oder CONJURING 2/2016) als die dämonische Nonne Valak. Mal ganz ehrlich, in dieser Verkleidung und mit der Maske möchte ich dieser Schauspielerin auch nicht wirklich in der Dunkelheit begegnen. Alleine schon ihre optische Präsenz (da die Figur des Dämons hier keinerlei Dialoge benötigt) im Film wirkt richtig angsteinflößend.

The Nun (The Nun)Meine Filmkritik:
Wie oben bereits gesagt, halte ich schon den reinen Vergleich von THE NUN mit einem Film wie DER EXORZIST für völlig daneben. Oder anders gesagt, hier vergleicht man Äpfel mit Birnen weil man eine gewollt negativ ausgerichtete Kritik sonst wohl nicht wirklich begründen könnte. Es bietet sich vielleicht der Vergleich an, weil es hier in beiden Filmen um einen Dämon geht und als Retter einige Vertreter der Kirche. Nur sollte man, wenn man schon Vergleiche zieht, eben diese Kirche bitte auch im Dorf belassen. Selbst die Ähnlichkeiten (oder man kann hier auch gerne Klischees sagen) beider Filme sind schlicht bei dieser Thematik nicht zu umgehen, da sich die Handlung eben bei beiden Filmen im Bereich des Horrorfilm  bewegt, welche eng verbunden auf das Christentum zugechnitten sind. Dabei dürfte allerdings jedem schon nach wenigen Minuten auffallen, dass man bei THE NUN nie wirklich vorhatte, nun eine Kopie von DER EXORZIST zu drehen.

Als ausgemachter Fan des Film DER EXORZIST konnte ich bei dieser Kritik also wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln. Dafür hatte ich mir den Film THE NUN gleich nach erhalt auf BD nicht nur einmal angesehen, sondern am Folgetag gleich nochmals. Denn THE NUN hatte mich gleich von seiner Handlung, aber auch von seiner Bildgewalt und dem grandiosen Spiel seiner Darstellerinnen und Darsteller so gepackt, das ich mir den Film einfach gleich nochmals ansehen musste.

Wer da aber etwas ins Durcheinander gerät z.B. hinsichtlich des besessenen Jungen, der im Kloster wieder vor Pater Burke auftaucht, sowie manchen finsteren "Bewohnern" des Klosters und dem Dämon Valak, dem sei hier verraten, das es sich hierbei immer um Valak handelt, der neben seiner Erscheinung als dämonische Nonne auch durchaus seine Gestalt wechseln kann um so seine Opfer zu terrorisieren. Nicht anders verhält es sich bei der Äbtissin des Klosters bzw. den scheinbar noch lebenden Nonnen, denn auch sie sind längst dem Dämon Valak zum Opfer gefallen und bilden so nur Visionen bzw. Geister, welche z.B. Schwester Irene nicht direkt als solche erkennt.

Es mag dagegen im Film für einige zu häufig auf die Jump-Scare (eine Bildsequenz, die von einem plötzlich abgespielten, sehr lauten Geräusch begleitet wird) gesetzt worden sein, so das diese Kritik durchaus eine gewisse Berechtigung besitzt. Ich persönlich hatte dies jedoch ehrlicher Weise ebenfalls nicht als wirklich negativ für den Film empfunden. In Sachen Jump-Scare hatte ich jedenfalls schon andere Filme gesehen, wo dieser Effekt mich wirklich zu nerven vermochte. Allerdings musste wohl im August 2018 bei YouTube ein kurzer Clip für den Film THE NUN mit einem Jump-Scare der dämonischen Nonne aufgrund von Beschwerden seitens der Betrachter gelöscht werden. Die Löschung erfolgte jedoch vielmehr aus dem Grund, weil in diesem Punkt wohl auch gegen die Richtlinien des Bereibers der Plattform verstoßen wurde.

Nun darf man Kritiken ja so oder so auffassen und auch meine persönliche Meinung hierzu ist natürlich nicht in Stein gemeißelt. Aber schon die weltweiten Einnahmen von 365,55 Millionen US-Dollar sprechen für den Film THE NUN eine eindeutige Sprache, die sich mit der negativen Sichtweise mancher Filmkritiker schlicht kaum deckt. Für mich persönlich war THE NUN im letzten Jahr jedenfalls ein ähnlich filmisches Highlight wie der erste Teil der Neuverfilmung von Stephen Kings ES, wobei ich mich hier durchaus auch freuen würde, wenn es wie bei dem Spin-off von ANNABELLE auch zur dämonischen Nonne Valak noch eine weitere Fortsetzung geben würde. Bei dem Erfolg den der Film THE NUN an den Kinokassen bereits bewiesen hat, könnte dieser Wunsch auch durchaus in Erfüllung gehen. Geradezu anbieten würde sich hierfür die kurz angerissene Geschichte hinsichtlich der Figur von Maurice in CONJURING - DIE HEIMSUCHUNG. Ansonsten bleibt es erst einmal zu hoffen, dass es nicht mehr zu lange dauert, bis CONJURING 3 in die Kinos kommt, welcher laut ersten Informationen ebenfalls inhaltlich von den ersten beiden Conjuring-Filmen abweichen soll. Aber auch ein weiteres Spin-off zu THE CROOKED MAN ("der krumme Mann" aus CONJURING 2) dürfte dieses kleine, aber sehr interessante wie spannende Horror-Filmuniversum bald bereichern.

Von meiner Seite aus kann ich hiermit dem Film THE NUN - zumal er mich von Anfang bis Ende begeisterte - hier nur die vollen fünf von insgesamt fünf auf den Kopf gestellte Kreuze als Bewertung vergeben, und dies mit einer eindeutigen Empfehlung, sich diesen Genre-Film unbedingt anzusehen, wenn man es denn noch nicht getan hat.

The Nun (The Nun)The Nun
(The Nun)
mit Taissa Farmiga, Demian Bichir, Bonnie Aarons, Jonas Bloquet, Charlotte Hoppe, Sandra Teles, Ingrid Bisu, Ani Sava, August Maturo, Michael Smiley, Tudor Munteanu, David Horovitch, Jonny Coyne, Scarlett Hicks, Manuela Ciucur u.a.
Regie: Corin Hardy
Drehbuch: James Wan, Gary Dauberman
Produktion: James Wan, Peter Safran
Musik: Abel Korzeniowski
Genre: Horror
Laufzeit: 96 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Extras: Über 10 Minuten nicht verwendeter Szenen, Die Conjuring-Chronologie, Grauenvoller Planet u.m.
Vertrieb: Warner Bros. Home Entertainment
USA 2018


Kommentare  

#1 Andreas Decker 2019-02-06 10:19
Auch wenn ich James Wan durchaus mag, fand ich schon Conjuring schwer unoriginell und das Drehbuch Malen nach Zahlen. Ich habe auch keine der Fortsetzungen gesehen. Aber ich gebe gern zu, dass mir dieser Pseudo-Reality Ansatz völlig am Allerwertesten vorbeigeht. Insofern stehe ich dieser "Franchise" eher ratlos gegenüber. Und der kommerzielle Erfolg ist nun wirklich kein Gradmesser für Qualität oder Originalität.

The Nun - tolle Eindeutschung von The Nun übrigens - habe ich bis jetzt noch nicht gesehen, obwohl ich Nonnenfilme mag. Nur einen witzigen Verriss von John Llewellyn Probert habe ich gelesen, einem publizierten englischen Horrorautor und Filmkritiker, dessen Urteil ich meistens sehr schätze. Der fand das Drehbuch schlichtweg schlecht und den Film könnte nicht mal die durchaus gelungene EuroGothic-Atmosphäre in den ersten zwanzig Minuten retten, danach ginge es den Bach runter.

Wenn er mal im Pay-TV kommt, werfe ich mal einen Blick rein.

Gruselige Nonnen bieten immer wieder guten Stoff. Ich habe letztens den spanischen Horrorfilm Veronica von 2017 gesehen. Der war recht solide, und die Nonne dort war lebendig und hatte nur einen Kurzauftritt, war aber effektiv inszeniert. Damit kann man eigentlich wenig falsch machen.
Zitieren
#2 Laurin 2019-02-06 15:59
@ Andreas Decker:
Okey, wenn man mit dieser Art Horror absolut nichts anfangen kann, dann sollte man auch die Finger davon lassen. Schließlich kann nicht jedem alles gefallen. Und kommerzieller Erfolg ist natürlich kein Gradmesser für irgendetwas. Allerdings stehen hinter diesem kommerziellen Erfolg jede Menge Menschen die den Film durchaus für gut befunden haben und das ist ein Gradmesser (jedenfalls weit mehr als ein paar Kritiker, bei denen ich mich manchmal ernsthaft frage, ob sie den Film wirklich gesehen haben).

Ich will da nun auch nicht John Llewellyn Probert in seine Sichtweise hineinreden. Mag auch sein das er mit dem Drehbuch nicht warm wurde. Wie gesagt, es muss nicht allen gefallen. Da ich auch weder weiß, wer Probert ist oder wie er sich in seinen Büchern Horror vorstellt, will ich da auch nicht weiter auf dessen Meinung eingehen.

Den Horrorfilm "Veronica" habe ich indessen da und werde wohl irgendwann mal einen Artikel hierzu verfassen (gut das du mich an den Film erinnerst, den hatte ich schon fasst vergessen). Für einen spanischen Horrorfilm ist der auch nicht übel, aber an "The Nun" kommt für mich persönlich "Veronica" ja nun nicht mal im Ansatz heran (sonst wäre es mir eher im Gedächtnis geblieben, dass ich da noch die DVD irgendwo rumstehen habe).
Zitieren
#3 Andreas Decker 2019-05-30 15:24
Habe den Film gesehen. Und fand ihn ausgesprochen schwach. Das Drehbuch war auf schon ärgerliche Weise schlampig gestrickt, Dinge, die ewig aufgebaut wurden wie zb. dass ihr Irene Gelübde noch nicht abgelegt hat – was alle gefühlte fünf Minuten wiederholt wurde, selbst die blöden Geister mussten es ihr unterjubeln – hatten am Ende keine Bedeutung. Da war sie dann eine richtige Nonne, und es war für die Handlung völlig egal. Andere Dinge wurden aufgebaut, wie die Selbstmorde im Dorf – kann die Nonne also doch über das Kloster hinweg Einfluss nehmen? – nur um nie wieder erwähnt zu werden. Die ganze Barszene war völlig überflüssig.

Das Ende war der mittlerweile in Horrorfilmen übliche Unsinn mit dem "Twist", der um jeden Preis rein muss. Wenn man in der Mitte in aufwendigen Szenen zeigt, dass sich vor Ort das Tor zur Hölle befindet, und unsere Helden scheinbar lediglich verhindern können, dass besagtes Böse kein Gefäß findet, indem es fröhlich in die Welt hinausziehen kann – ist es abstrus, wenn sie am Ende einfach abreisen und den Bau sich menschenleer selbst überlassen. Darum ist das Tor doch nicht verschwunden, nur weil die Sonne scheint und alle fröhlich den Friedhof beackern! Ich weiß, man sollte bei solchen Filmen nicht zu sehr die Logik bemühen, die Autoren tun es ja auch nicht, aber hier wurde es irgendwann völlig sinnfrei.
Man kann Seiten mit Elementen füllen, die keinen Sinn machten. Was aber das Publikum anscheinend nicht gestört hat. Hauptsache die böse Nonne macht "Buh" im Keller. Es waren ein paar schöne Aufnahmen und eine gelungene Kulisse, ja, andererseits kannte man die Hälfte der visuellen Ideen schon aus anderen Wan-Produktionen, zb Dead Silence.

Unter dem Strich fand ich den Film größtenteils richtig langweilig und unoriginell. Ich würde höchsten zwei Kreuze verteilen, und die auch nur wegen Kulisse und ein paar gelungener Einzelszenen.
Zitieren
#4 Friedhelm 2019-05-30 22:48
Also ich bin da ganz bei Andreas Decker - oder zumindest teilweise. "The Nun" kann (wie fast jeder neuzeitliche Horrorfilm) eigentlich nur jene überzeugen, die noch nie einen Horrorfilm gesehen haben. Überhaupt finde ich ja, dass diese ewigen Geistermovies so langsam zuviel werden, weil ja auch immer wieder der gleiche Aufbau präsentiert wird. Okay, das war früher bei den alten Gothics auch der Fall - da hat es mich aber (aus welchem Grund auch immer) irgendwie nicht soooo gestört.

Was ich gut fand, das war dann doch die örtliche Atmo. Der Film spielt ja wohl in Transylvanien - das weckt dann schon Erinnerungen an die guten, alten Vampirmovies früherer Jahrzehnte (z.b. Hammers Draculamovies).

Mein Fazit: Ich war in keiner Minute wirklich in Gruselstimmung - überrascht hat mich an diesem Film irgendwie gar nichts.
Zitieren

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.