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Zwischen Realität, Bestimmung und Horror - »The Haunting of Sharon Tate«

The Haunting of Sharon Tate (The Haunting of Sharon Tate)Zwischen Realität, Bestimmung und Horror
»The Haunting of Sharon Tate«

Die Basis dieses Films sind die Ereignisse von 1969, in denen die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate von Mitgliedern der "Manson Family" grausam ermordet wurde. Der Film beginnt damit, das Sharon Tate mit ihrem Ex-Verlobten Jay Sebring in das von ihr und Roman Polanski angemietete Anwesen am Cielo Drive in Los Angeles fahren, wo sie bereits von den Freunden, Wojciech Frykowski und Abigail Folger erwartet werden.

The Haunting of Sharon Tate (The Haunting of Sharon Tate)Man vertreibt sich die Zeit mit Spielen, Sonnenbaden und manchen persönlichen Gesprächen. Auch das sich ihr Ehemann Roman Polanski nicht eher von seiner Arbeit frei machen möchte, schlägt der jungen Sharon irgenwie aufs Gemüt. Der will sich nämlich von den gerade laufenden Filmarbeiten erst pünktlich zum errechneten Geburtstermin ihres gemeinsamen Kindes einfinden.

Da verwundert es auch nicht, wenn Sharon in einer nachdenklichen Minute die Aussage tätigt, Roman könnte eine heimliche Affäre haben. Die Sache wird jedoch bald noch aufwühlender, weil es in der Nacht plötzlich an der Tür klopft und ein recht befremdlicher Typ nach dem Musikproduzenten Terry Melcher fragt, der vorher in dem Anwesen gewohnt hatte. Laut Wojciech wird dieser Typ wohl von allen "Charlie" genannt und will einfach nicht glauben, das Melcher nicht mehr in diesem Haus lebt, zumal der ihm doch bereits einen Plattenvertrag versprochen hatte.

Damit nicht genug wird Sharon Tate in den Nächten immer mehr von grausamen Albträumen geplagt, in denen sie ihre und die Ermordung ihrer Freunde sieht. Als es in der Nacht wieder infernalisch an der Tür klopft, eilt Wojciech wieder an die Tür, wo er nur einen braunen Umschlag mit einem Tonband findet, auf dem dieser Charlie seine neusten Lieder aufgenommen hat. Dabei eilt auch der Hund raus und kommt über Nacht nicht mehr zurück.

Bei einem Spaziergang am nächsten Morgen haben Sharon Tate und Abigail Folger dann auch zuerst eine seltsam bedrohliche Begegnung mit zwei jungen, aber auch recht seltsamen Frauen, bevor sie ihren Hund vorfinden, der tot hinter einem Strauch liegt und in dessen offenen Wunden bereits Heerscharen von Maden ihr Geschäft verrichten.

The Haunting of Sharon Tate (The Haunting of Sharon Tate)Die Angstzustände von Sharon scheinen für die Freunde indessen immer hysterischer zu werden. Aber auch in der Nacht scheint Sharon sich zunehmend verfolgt im eigenen Haus zu fühlen. Das dabei dann auch noch wie von Geisterhand ein Tonbandgerät sich selbst einschaltet und einen Song von Charles Manson spielt, macht die angespannte Situation mit zusätzlichen Visionen des eigenen Todes auch nicht gerade besser. Zudem stellt sie sich immer mehr die Frage, ob das Leben eines Menschen unabänderlich vorgezeichnet ist, oder ob man den Verlauf vielleicht doch selbst ändern könnte.

Mit Hilfe des angestellten Studenten Steven Parent, kommt sie dahinter, das wenn man die Achtspur-Demobänder mit den von Manson aufgezeichneten Songs rückwärts abspielt, man geheime Botschaften heraushören kann. Dabei handelt es sich auch um den Titel des Beatles-Song "Helter Skelter". Doch dann scheint plötzlich auch noch die Telefonverbindung tot zu sein.

Sharon Tate will zwar das Anwesen mit Hilfe des Studenten verlassen, zumal sie mittlerweile selbst ihren Freunden nicht mehr traut, doch in diesem Augenblick greift die Manson Family an um ihr grausiges Blutbad anzurichten. Doch dann läuft scheinbar alles völlig anders ab. Es gelingt ihnen scheinbar nicht nur die Flucht, sondern vereint und mit äußerster Brutalität bringen sie auch im Vorfeld drei ihrer Peiniger zur Strecke um danach das Anwesen gemeinsam zu verlassen. Nur Sharon kehrt plötzlich wieder um. Denn die Frage steht für sie im Raum, ob es sich hierbei wirklich noch um die Realität dreht, oder ob dahinter nicht doch eine eher finsterer Wahrheit steckt.

The Haunting of Sharon Tate (The Haunting of Sharon Tate)Esoterik-Spielchen oder vorbestimmte Schicksal:
Wirklich viel neues kann der Film um die Ermordung der Schauspielerin Sharon Tate nun wirklich nicht aus dem Hut zaubern. Dafür ist der Fall damals im Jahre 1969 seitens der Polizei auch bis ins kleinste Detail bereits untersucht und gelöst worden und lässt somit kaum Spielraum für weitergehende Interpretationen. Ich muss hier allerdings auch vorher warnen, das hier nun ein bis zwei harte Spoiler im Text enthalten sind, an denen man aber nicht wirklich vorbei kommt, will man hinter die Intention der Macher des Films gelangen. Wer also den Film vorher sehen möchte, der möge nun erst danach diesen Artikel bitte weiter lesen.

Um dem Film also eine gewisse Einzigartigkeit zu verleihen, greift man hier nicht nur auf die Gerichtsakten zum wahren Tatverlauf zurück, sondern arbeitet auch noch ein fiktives Szenario ein, was den Zuschauer erst einmal wirklich tief verwirren dürfte. Genau an diesem Punkt wechselt man also von einem Psychothriller hin zu einer Horrorgeschichte, wobei man jedoch am Ende die Fakten wieder auf einer phantastischen Ebene gerade rückt.

So bekommt hier Sharon Tate auf ihre Fragen nach einem vorbestimmten Schicksal als verstorbener Geist nun auch eine klare Antwort. Nämlich dass das Leben wie eine Eisenbahn erscheint, der es nicht möglich ist, von der einmal vorbestimmten Strecke des Schicksals abzuweichen.

Dabei muss man allerdings auch sagen, das diese durchaus etwas gruselige Wendung nicht unbedingt mit einem erhobenen Zeigefinger daher kommt, etwa mit der Mahnung, das man an seinem Schicksalsrad eh nichts mehr drehen könne. Und man muss auch feststellen, das die Macher des Films sich diese Idee nun nicht einfach nur aus den Fingern gesogen haben, um ihr Werk etwas aufzupeppen. Denn ein Geheimnis aus der Vergangenheit gibt es durchaus noch im Fall der Ermordung von Sharon Tate, welches bis heute auch in der Realität weiterhin durchaus Rätsel aufgibt.

The Haunting of Sharon Tate (The Haunting of Sharon Tate)Visionen des Todes:
Ein Film über den Tod von Sharon Tate und der Hergang in dieser Nacht können heute wie gesagt, kaum noch neue Erkenntnisse hervorzaubern. Dafür wurde die Tat schon damals recht minutiös rekonstruiert. Jede Abweichung von den Fakten wäre also in diesem Punkt ein rein fiktionales aufpäppen des bereits hinlänglich bekannten Kriminalfall.

Das Rätsel jedoch, welches sich bereits im realen Ablauf nicht so ohne weiteres erklären lässt, liegt hierbei als Ereignis über ein Jahr vor den Morden der Manson Family zurück. Am ersten August 1968 gab nämlich Sharon Tate selbst dem spirituell nahestehenden  Magazin "Fate" ein Interview. Und in diesem Interview spricht Sharon Tate über einen Albtraum der sie wohl sichtlich über längere Zeit bewegte. In diesem Albtraum sah sie sich und ihren Ex-Verlobten Jay Sebring gemeinsam in einem Haus mit durchgeschnittener Kehle, wobei es sich laut ihrer Aussage im Traum nicht etwa auch um eine Art Selbstmord gehandelt haben könnte, denn im Traum wurden sie laut ihrer eigenen Schilderung von Eindringlingen ermordet.

Die Frage, oder besser gesagt das Rätsel besteht also darin, ob Sharon Tate zu diesem Zeitpunkt (1968) eventuell bereits eine klare Vision ihres bevorstehenden Todes gehabt hatte? Genau dieses räselhafte Interview nahm man bei dem Film THE HAUNTING OF SHARON TATE mit in den Überlegungen auf und setzte dies mit der Frage im Film um, ob man selbst Herr über den Verlauf seines Schicksals ist, oder ob das Leben an sich nicht vielleicht doch in vorbestimmten und damit unabänderlichen Bahnen verläuft. Man spielt hier also durchaus sehr bewusst mit den Fragen einer festen und unumstößlichen Bestimmung, der man niemals entkommen könne und in der der gesamte Ablauf des eigenen Lebens bereits ab der Geburt vorbestimmt sei.

Auch diese spirituellen Gedankenspiele sind nicht unbedingt neu in Filmen, allerdings muss ich hier durchaus gestehen, das dieser zuerst völlig vor der Realität verdrehte Ablauf im finalen Bereich  recht plötzlich und für den Zuschauer eher überraschend in einen durchaus recht gruseligen Augenblick übergeht, der sich durchaus sehen lassen kann.

The Haunting of Sharon Tate (The Haunting of Sharon Tate)Meine Filmkritik:
Man könnte nun der Meinung verfallen, mit diesem eher gruseligen Trick verfalle der Film in eine Sparte, in der er die realen Vorkommnisse "zynisch" gesehen als "potentiell vermeidbar" abstempelt, wenn man nur die Zeichen wirklich erkannt hätte. Dieser Sichtweise mag ich mich hier allerdings nicht anschließen wollen, wie sie bereits in der Filmkritik seitens Filmstarts.de  kurz benannt wurden.

Auch kann ich nicht erkennen, wo die Handlung nun an sich verwirrend sein sollte. Eher würde ich die unvorhergesehene und an der Realität völlig vorbeilaufende Wendung als überraschend bezeichnen, weil man mit diesem Vorgehen und der darauf folgenden düsteren Lösung absolut als Zuschauer nicht rechnet. Hinzu kommt, das die Umsetzung im Ganzen durchaus als gelungen anzusehen ist, auch wenn in Sachen Dialoge manchmal die Handlung etwas zu tiefgründig ausgebaut wird. Die Macher geben auch hier nicht einfach nur plump an, das es sich bei dem Film THE HAUNTING OF SHARON TATE um eine "wahre Geschichte" handelt, sondern werben vielmehr damit, das sie sich hier durch die eiskalten Morde der Manson Family und damit von der wahren Geschichte des Todes von Sharon Tate eher zu diesem Film und dessen eigenwilligen Form inspirieren gelassen haben.

Vorab hatte mich allerdings abgeschreckt, das man für die Hauptrolle der Sharon Tate gerade die Sängerin und Ex-Disney-Schauspielerin Hilary Duff ausgewählt hatte, was mich nämlich dann nicht gerade mit großem Interesse zum Film greifen ließ. Die Teenager-Rollen wie in der damaligen Serie LIZZIE MCGUIRE (65 Folgen/2001 bis 2004) oder späterhin die eher seichten Liebesfilmchen wie POPSTAR AUF UMWEGEN (2003) oder BUSINESSPLAN ZUM VERLIEBEN (2010) schienen ja bisher eher auf die Schauspielerin zugeschnitten zu sein. Einen kleinen Ausflug in das besagte schaurige Genre hatte sie zwar schon mal in der Serie GHOST WHISPERER - STIMMEN AUS DEM JENSEITS (2009) absolvieren können, doch dieser Ausflug in die etwas düstere Phantastik machte sie für mich noch nicht plötzlich zur ersten Wahl für einen Psychothriller mit Anleihen ans Horror-Genre.

The Haunting of Sharon Tate (The Haunting of Sharon Tate)Genau diese Meinung musste ich allerdings nach der Sichtung des Film THE HAUNTING OF SHARON TATE revidieren. Hilary Duff  liefert nämlich hier eine durchweg ansprechende Performance ab, die ich ihr bisher so in einem Genre-Film wirklich nicht wirklich zugetraut hätte. So nimmt man ihr in ihrer Rolle als Sharon Tate die zunehmend ängstliche, bald aber schon verzweifelte bis hysterische Darstellung recht gerne ab. Aber auch die Nebendarstellerinnen und Darsteller, die nicht unbedingt aus der ersten Garnitur der Schauspielerei stammen, liefern hier saubere Arbeit ab und können mit ihrem Spiel durchaus überzeugen.

Hervorheben möchte ich da denn auch noch Ben Mellish, der eher nur schweigend und zumeist immer etwas im Halbdunkel gefilmt, wie die Reinkarnation des jungen Charles Manson erscheint und ohne reden zu müssen, trotzdem immer sofort eine bedrohliche Stimmung entfacht. Aber auch Bella Popa (als Sadie) und Fivel Stewart (als Yellow) machen hier als die mörderischen Mädchen des Manson-Clan eine recht ansprechende wie überzeugende Figur.

Natürlich hätte man aus diesem Stoff und in dieser Handlungsform auch noch mit gutem Willen etwas mehr herausholen können, doch man sollte schließlich auch nicht zu gierig sein in diesem Punkt, weshalb ich dem Film THE HAUNTING OF SHARON TATE noch locker vier von insgesamt fünf Messerklingen vergeben kann. Schließlich passen hier auch die musikalischen Klänge wie die Faust aufs Auge und können eine durchaus finstere wie bedrohliche Grundstimmung perfekt in die Handlung transportieren. Und wer den Film nun immer noch nicht gesehen hat, aber trotzdem nach meiner Warnung wegen der Spoiler weiter gelesen haben sollte, dem kann ich durchaus diesen düsteren Thriller trotzdem empfehlen. Denn etwas in stark verkürzter Form hier zu lesen ist noch lange nicht so effektiv wie den Film selbst gesehen zu haben, der auch nach dem Ende den Betrachter noch eine Weile beschäftigt.  

Penny Dreadful (Penny Dreadful)The Haunting of Sharon Tate
(The Haunting of Sharon Tate)
mit Hilary Duff, Jonathan Bennett, Lydia Hearst, Pawel Szajda, Ryan Cargill, Fivel Stewart, Bella Popa, Ben Mellish, Tyler Johnson u.a.
Regie und Drehbuch: Daniel Farrands
Produktion: Shanan Becker, Charles Arthur Berg, Eric Brenner
Musik: Anthony Cabacungan, FANTOM
Genre: Drama/Horror/Thriller
Laufzeit: 90 Minuten (BD)
Bonus: Interviews zum Film/Trailer/Trailer-Show
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Universum Film GmbH, München
USA 2019


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