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Der Fluch der Baba Yaga in England - »Don't Knock Twice«

Don't Knock Twice Der Fluch der Baba Yaga in England
»Don't Knock Twice«

Wieder ein Film mit einem rachsüchtigen Dämon, den man durchaus unbeabsichtig ruft, weil man eigentlich die dazugehörige Legende in unserer aufgeklärten Zeit nicht glauben mag. Hört sich also irgendwie nicht wirklich neu an und ist es auch nicht. Regisseur Caradog W. James erfindet für die Fans des Genre also hier das sprichwörtliche Rad nicht neu. Macht aber irgendwie nichts, zumindest dann nicht, wenn man die Umsetzung der Handlung als wirklich gelungen betrachten kann.

Don't Knock TwiceÄhnlich wie ich, sah man es auch in der zum Film vorliegenden Rezension seitens HORRORMAGAZIN.DE, wenn man dort gleich zum Einstieg schreibt:

"Hier geht es um Geister, viele Gemeinheiten und eine harmlose Familie, die unvermutet in einen Strudel unschöner Ereignisse gerät. Wie gesagt: Nix Neues - aber geil umgesetzt."

(Angus Sc. in horrormagazin.de/zu "Don't Knock Twice")

Doch wenden wir uns hier erst einmal kurz der eigentlichen Handlung zu:

Bildhauerin Jess lebt mit ihrem Lebenspartner in einer recht großen Villa etwas außerhalb der nächsten Stadt und scheint mit sich und ihrem Leben nun wieder völlig im Einklang zu stehen. Denn in ihrer Jugend hatte Jess ein ziemlich großes Drogenprobelem zu bewältigen.

Der führte auch dazu, dass die junge Mutter ihr Kind in ein Waisenhaus abgab, um diesem eine bessere Zukunft in einer Pflegefamilie zu ermöglichen. Denn die Zukunft von Jess lag zu dieser Zeit eher in einem grauen Nebel wegen ihrer Sucht. Nun jedoch, viele Jahre später ist Jess clean und würde sich nun auch liebend gerne wieder um ihre fasst schon erwachsene Tochter Chloe kümmern, die nach wie vor im Heim lebt.

Die ist aber nicht wirklich davon begeistert, dass ihre leibliche Mutter nun wieder versucht, eine Beziehung zu ihr aufzubauen. In der Nacht trifft sich Chloe indessen wieder einmal mit ihrem Freund Danny, der leider auf eine ganz dumme Idee kommt. Gemeinsam mit ihr geht er zu einem recht verlassenen alten Haus, in der früher eine alte Frau mit Namen Mary Aminov lebte, die gerade bei den Kindern als Hexe verschrien war. Und genau die hatte sich damals mit einem Messer das Leben genommen, als man sie seitens der Polizei beschuldigte, für das spurlose verschwinden eines kleinen Jungen verantwortlich zu sein. So schnitt sie sich aus Verzweiflung mit einem Küchenmesser selbst die Kehle durch, nachdem Detective Boardman sie im Verhör in die Zange genommen hatte.

Eine Legende, die gerade auch durch die Kindern bekannt wurde, besagt indessen weiterhin, das wer durch den gruseligen Türklopfer an Mary Aminovs Haus zweimal an ihrer Tür klopft, erweckt einen Dämon, der das betreffende Kind (und eben nicht nur Kinder) für immer zu sich in die Hölle zieht. Natürlich kennen auch Danny und Chloe aus ihrer Kindheit die betreffenden gruseligen Geschichten. Aus reinem Übermut klopft Danny nun zweimal an der besagten Tür des verlassenen Hauses, welches schon optisch einem eine Gänsehaut über den Rücken ziehen lässt. Auch Chloe will nun nicht vor ihm als ängstliches Huhn dastehen und klopft ebenfalls zweimal an der Tür.

Don't Knock TwiceEs gibt Dinge, die sollte man einfach nicht tun, auch wenn es einem so richtig in den Fingern juckt. Das muss nun auch Danny erfahren, der bald plötzlich wie vom Erdboden verschwunden scheint. Aber auch Chloe wird in der Nacht von scheinbar schrecklichen Visionen eines wohl weiblichen Dämonen heimgesucht. Aus der Angst heraus entschließt sich Chloe zu Jess zu gehen und steht so eines Abends unvermittelt vor der Tür von Jess und ihrem Lebensgefährten.

Der muss auch am folgenden Tag für einige Zeit beruflich verreisen, so das Jess und Chloe alleine sein werden. Zwar freut sich Jess darüber, Chloe erst einmal wieder bei sich zu haben, doch dies kann nicht darüber hinweg täuschen, dass zwischen Mutter und Tochter doch ein eher gespanntes Verhältnis vorherrscht. So schiebt Jess die baldigen Vorkommnisse eher zuerst auf dieses angespannte Verhältnis zu Chloe. Doch bald muss Jess, nicht nur durch die seltsamen Träume die sie plötzlich plagen, erkennen, dass ein bösartiger Fluch ihrer Tochter gefolgt ist, welcher Chloe nun mit aller Gewalt in einen höllischen Abgrund ziehen will.

Jess ist nun wild entschlossen, ihre Tochter vor dem Bösen zu beschützen und sucht sich Informationen durch ihre in England lebende, osteuropäische Bekannte Tira, die bei Chloe sofort eine dunkle Aura zu erkennen glaubt und sie deshalb nicht in der Nähe ihres Babys wissen will. Chloe wiederum findet im Internet immer mehr Informationen, die nur den Schluss zulassen, das es sich hier bei dem Dämon um die eher im slawischen Raum bekannte Hexe Baba Yaga handelt, während Mary Aminov wohl eher nur ihre sklavische Dinerin auf Erden war. Doch bald gerät für Jess auch Detective Boardman ins Visier der schaurigen Umstände. Denn der hatte ebenfalls recht engen Kontakt zu den Kindern des Waisenhaus, wo damals plötzlich der betreffende Junge spurlos verschwunden ist. War er etwa der Kindermörder und hat Mary Aminov deshalb in den Selbstmord getrieben, so das es eventuell ihr Geist ist, der nun Rache sucht und deshalb nun auch Chloe bedroht?

Don't Knock TwiceAlthergebrachtes wirklich spannend präsentiert:
Nun muss man bei Filmen aus dem Bereich Horror immer mit einigen Ungereimtheiten in der inneren Logik rechnen. Da macht der Film DON'T KNOCK TWICE auch keine Ausnahme. Gleiches gilt auch für das eine oder andere Klischee, welches sich allerdings auch nicht wirklich immer sauber umgehen lässt.

Und wie bereits oben erwähnt hat die Grundhandlung des Films auch irgendwie ihr Frischedatum wohl überschritten und dürfte, was Filme mit ähnlichem Handlungsaufbau angeht, durchaus in den Grundzügen als recht bekannt erscheinen.

Bei allen diesen Dingen kneife ich allerdings gerne etwas mehr als nur ein Auge zu, wenn die Umsetzung mich anspricht und die Spannung keine Langeweile aufkommen lässt. Und beides ist bei DON'T KNOCK TWICE hier der Fall.

So dehnt man am Anfang die einführende, ruhigere Handlung hier auch nicht zu sehr aus, sondern lässt den Zuschauer recht flott in die gruseligen Fluten eintauchen. Der Film kann aber auch mit einigen anderen Sachen durchaus bei mir punkten. Zum einen sind es die durchweg glaubwürdigen Darstellerinnen und Darsteller, auch wenn z.B. der Lebensgefährte von Jess hier eher nur ein paar kleinere Auftritte absolviert, bevor er später eher schon etwas unspektakulär das Zeitliche segnen muss.

Aber auch das eher minimalistisch zu bezeichnende Budget des Films  führte dazu, dass hier die wirklich gruseligen Sachen noch in absolut bester Manier in Handarbeit umgesetzt und eben nicht nur per Computer eingefügt wurden. Ich will hier nun nicht behaupten, dass gut gemachte Spezialeffekte aus dem Computer mich nicht auch begeistern könnten, aber welcher Filmemacher ist heute noch wirklich in der Lage, ohne diese technischen Spielereien einen anständigen Horrorfilm in Gänze umzusetzen.

Don't Knock TwiceSelbst die Idee, hier die aus dem slawischen Raum bekannte Figur der Baba Yaga einzuführen, wusste mich durchaus zu begeistern. Ein Punkt übrigens, dem andere Kritiker nicht immer folgen wollen. So schrieb Michael Drewniok in seiner Rezension zum Film DON'T KNOCK TWICE wie folgt in FILMBESPRECHUNG.DE:

"Offensichtlich darf die Logik überhaupt vernachlässigt werden. Unbeantwortet bleibt jedenfalls die Frage, wieso ausgerechnet der Baba Yaga umgeht. Er ist ein Schrecken, der im slawischen Kulturraum beheimatet ist. ((Ist Baba Yaga für die Dauer dieses Films abwesend, oder koordiniert er seinen Auslandseinsatz von daheim?))"

(Michael Drewniok in filmbesprechung.de/zu Don't Knock Twice)

Das es im englischen Kulturraum wahrlich genügend "Spukgestalten" gibt, die man hätte verwenden können, dürfte seitens Drewniok wahrlich nicht verkehrt angemerkt sein. Es mag auch auf den ersten Blick etwas befremdlich wirken, dass die Baba Yaga hier in Wales aktiv wird. Doch dies liegt eben im ersten flüchtigen Blick begründet und ist aufgrund der Handlung allerdings kein wirklich grober wie unlogischer Schitzer. Man muss sich hierbei nur den Film auch richtig ansehen.

Denn sowohl die alte Frau die sich laut Film selbst umgebracht hatte, als auch die junge Frau und Mutter, die für Jess Model für eine Skulptur stand, enstammen nämlich eben diesem slawischen Raum. Zudem - und das müsste Drewniok schließlich als Kenner der phantastischen Literatur wissen - pflegen Dämonen und Geister keinen Reisepass mit sich zu führen oder sich an wirklich profanen nationalstaatlichen Grenzen zu orientieren. So scheint es hier also eher etwas mit der Logik innerhalb der Filmkritik zu hapern. Und wenn wir schon einmal dabei sind, so frage ich mich doch etwas ernsthaft, wieso Drewniok die Baba Yaga in seiner Rezension hier eher männlich als "der" oder "er" bezeichnet? Denn hätte er sich den Film wirklich genauer betrachtet, so hätte es ihm auffallen müssen, dass dieser Dämon weiblicher Natur ist.

Don't Knock TwiceUnd auch das Wort "Baba" steht in der slawischen Sprache für "alte Frau" bzw. auch recht vereinfacht für "Großmutter". Auch entspricht die mythologische Figur der Baba Yaga (oder Baba Jaga bzw. Baba Roga usw.) recht häufig der europäischen Hexe, wie man sie z.B. aus dem Märchen "Hänsel und Gretel" her kennen dürfte. Sie entspricht aber auch als drittes Element einer Dreifaltigen Göttin, bestehend aus Jungrau, Mutter und altem Weib und ist so in der slawischen Mythologie für Tod und Wiedergeburt zuständig. Im serbokroatischen Sprachraum nennt man sie auch Baba Zima bzw. Baba Roga, wobei "Zima" für "Kalte" bzw. "Kaltherzige" steht und "Roga" für "die Gehörnte".

Und da man die Hölle oder einen ähnlich übergeordneten Raum gleicher Entsprechung nicht generell mit unseren Landesgrenzen oder uns bekannten Zeitabläufen aus Bequemlichkeit gleichsetzen sollte, dürften sich so mancher hier von Drewniok gebotene logische Fehler auch irgendwie erledigt haben. Und da Phantastik auch immer etwas mit Phantasie (seitens Autoren, Filmemachern usw.) zu tun hat, bleibt unter dem Strich mit DON'T KNOCK TWICE eine für mich recht ansprechende wie spannende filmische Umsetzung übrig, die zwar im Prinzip dem Genre nichts neues hinzufügt, das Vorhandene wie Bekannte jedoch optimal bei einem kleinen Budget umzusetzen weiß.

Don't Knock TwiceMeine Filmkritik:
Ja, die Grundhandlung ist wahrlich nicht neu und so leid es mir tut, aber die, die auf bisher noch nie dagewesene Ideen im Genre warten, bzw. diese immer wieder anmahnen, werden auch noch recht lange weiter warten müssen. Denn auch jedes Genre bewegt sich in gewissen Grenzen, die sich nicht so ohne weiteres beliebig ausdehnen lassen. Da kann z.B. auch schon eine Grenze beim Film darin liegen, dass man für seine tollen Ideen leider (noch) keine finanziellen Förderer findet.

Erkennt man dies erst einmal, dann wird man hier durchaus den Wert eher in der Umsetzung suchen. Es sei denn, man ist eh vom entsprechenden Genre übersättigt. Dann sollte man auch einmal (zumindest als Ausgleich) zu anderen Ufern des Film oder der Literatur aufbrechen. Man isst ja auch nicht jeden Tag Pizza, nur weil man sie eigentlich gerne mag.

Die Umsetzung von DON'T KNOCK TWICE jedenfalls ist recht ansprechend gelungen, wenn man den Aufbau der Spannung, die Umsetzung der Handlung, die entsprechenden schaurigen Effekte und die Leistung der Darstellerinnen und Darsteller multipliziert. Das man trotzdem immer ein Haar in der Suppe finden kann, will ich wahrlich auch nicht bestreiten. Allerdings sollte man trotzdem etwas auf dem Teppich bleiben, denn ein Haar in der Suppe ist noch kein Weltuntergang wenn ich trotzdem gut unterhalten werde. Und genau dieses Haar wird man wohl überall und in jedem Genre vorfinden können.

Und da ich auch weiß, das Rezensionen nie objektiv sein können (egal wie sehr man sich auch bemüht), kann ich hier auch nur mein persönliches Fazit abgeben. Und dieses lässt hier keinen Zweifel zu, als für Fans des Genre eine glatte Empfehlung für diesen Film auszusprechen und ihn für gut umgesetzt zu befinden. Zwar beinhaltet auch DON'T KNOCK TWICE die eine oder andere (wirkliche) Logikschwäche, doch wer in erster Linie spannende Unterhaltung sucht und zu schätzen weiß, der darf hier bedenkenlos zugreifen. Grund genug für mich also, diesem recht ansprechenden Horrorfilm glatte vier von insgesamt fünf Türklopfer als Höchstbewertung zu vergeben.

Don't Knock TwiceDon't Knock Twice
(Don't Knock Twice)
mit Katee Sackhoff, Lucy Boynton, Nick Moran, Pooneh Hajimohammadi, Javier Botet, Richard Mylan, Pascale Wilson, Sarah Buckland, Ania Marson, Callum Griffiths u.a.  
Regie: Caradog W. James
Drehbuch: Mark Huckerby, Nick Ostler
Produktion: Jamie Carmichael, Nicky Earnshaw, Ned Dowd u.a.
Musik: James Edward, Steve Moore, Barker
Genre: Horror
Laufzeit: 97 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Extras: Trailer, Inside Don't Knock Twice u.a.
Vertrieb: Splendid Film
Großbritannien 2016

Kommentare  

#1 Friedhelm 2019-09-22 12:03
Jetzt wirds erstmal "lustisch..." - es gibt offensichtlich Filme, die man so schnell wieder vergisst, dass nicht einmal mehr die Erinnerung an das Gesehene vorhanden ist. Weiss ich nämlich jetzt wirklich nicht mehr. Aber die Story kommt mir hier dann doch seeeehr bekannt vor. :oops:

Und ja, lieber Konrad, ich weiss, dass es vergebene Mühe ist, auf etwas zu warten, das wirklich noch nie da war. (Hatten wir ja schon des öfteren..) :P

Weil ich es nun einmal nicht mehr erinnere,, bin ich glatt so weit, mir dieses Ding einfach mal auszuleihen. Und lief der Film nicht letztens noch auf Tele 5? Oder war's dann doch wieder einer mit gleichem Strickmuster? Werden wir sehen - und wenn ich "Don't Knock Twice" tatsächlich schon gesehen habe - und wohlmöglich auch noch "not amused" war, ja ...dann beiss ich ins Geländer... :cry:
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#2 Laurin 2019-09-22 12:39
Nun, ob der bei Tele 5 lief, weiß ich nicht, da ich genau den Sender nicht mehr vernünftig rein bekomme, seit ich keine eigene Schüssel mehr habe, sondern an der hauseigenen Schüssel mit dranhänge. Das nennt man den Fluch einer Hausrenovierung. Dabei mochte ich Tele 5 sogar recht gerne. :cry:

Allerdings mag ich DON'T KNOCK TWICE durchaus, zumal er eine schöne düstere Atmosphäre aufbaut. ;-)

Und sollte der schlimmste Fall bei dir eintreten, gib was Senf auf das Geländer, dann schmeckt es nicht so rostig. :lol:
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