Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wenn der Zwilling ein Dibbuk ist - »The Unborn«

The Unborn Wenn der Zwilling ein Dibbuk ist
»The Unborn«

Studentin Casey Beldon könnte eigentlich recht glücklich sein. Doch was tief in ihrer Seele auch weiterhin nagt, ist das Schicksal ihrer Mutter. Die schien nämlich plötzlich verrückt geworden zu sein und nahm sich in der Nervenheilanstalt eines Nachts das Leben. Aber könnte dieser Wahnsinn ein Fluch sein, der in der gesamten Familie seine Wurzeln hat? Casey weiß es nicht, jedoch verfolgen sie bald selbst am Tage albtraumhafte Visionen über einen teuflichen kleinen Jungen.

The UnbornAls sie dann noch auf eine seltsame Veränderung ihrer Augenfarbe durch ihre beste Freundin hingewiesen wird, verschlimmert sich das ganze weiterhin. Denn der betreffende Arzt fragt sie, ob sie Teil einer Zwillingsgeburt ist. Denn Casey war bisher im Glauben, ein Einzelkind zu sein.

Geschockt sucht sie ihren Vater auf, der ihr nun gestehen muss, dass sie im Mutterleib einen Zwillingsbruder hatte, der jedoch vor der Geburt gestorben ist, weil sich Caseys Nabelschnur um seinen Hals gewickelt hatte.

Als Babysitter macht sie allerdings ebenso im Vorfeld eine gruselige Entdeckung. Der kleine Matty Newton hält am Abend dem Baby im Kinderbettchen einen Spiegel vor, damit dieses sich darin sehen kann. Seitens ihrer Freunde erfährt Casey späterhin, dass man dies im ersten Lebensjahr nicht tun sollte, da nach einem Aberglauben dies für das Baby einen frühen Tod bedeuten würde. Als Casey den kleinen Matty jedenfalls darauf anspricht, kommt dieser ihr wie fremdgesteuert vor und behauptet, das etwas oder jemand nun geboren werden will. Tage später muss Casey selbst erfahren, dass das kleine Geschwisterchen von Matty plötzlich ohne jeden Grund wirklich verstorben ist.

Aufgrund der bisher verschwiegenen Tatsache, das Casey einen Zwillingsbruder gehabt hatte, beginnt sie nun mit weiteren Nachforschungen, wobei sie auch bald in einem Altersheim auf ihre bisher unbekannte Großmutter trifft. Die gibt sich Casey zwar zuert nicht zu erkennen, reagiert jedoch recht panisch, als sie erfährt, weshalb Casey sie aufsucht. Denn anhand der fortschreitenden Veränderung der Augenfarbe erkennt ihre Großmutter sofort Casey als einen Zwilling.

Auch danach wird Casey allerdings immer häufiger von seltsamen Klopfgeräuschen und erschreckenden Visionen über einen kleinen Jungen mit seltsamen blauen Augen heimgesucht. Und dann meldet sich ihre Großmutter wieder um sie nochmals zu treffen und sich ihr dann auch zu erkennen zu geben. So erfährt Casey, dass auch ihre Großmutter einen Zwillingsbruder hatte.

The UnbornAls Juden verschleppte man sie und ihren Bruder im Kindesalter in das Konzentrationslager Auschwitz, wo ein Nazi-Arzt grausame Experimente an Zwillingskindern durchführte. Dabei gelang es einem Dibbuk (Dämon) Besitz von dem menschlichen Körper ihres Bruders zu erlangen.

Hierbei versucht - so erklärt sie Casey - ein Dibbuk in die Dimension der Menschen durch einen Spiegel zu gelangen. Ein Umstand, den auch Casey nicht kalt lässt, denn häufig ist bei ihren erschreckenden Visionen auch ein Spiegel mit im Spiel. Warum und weshalb dieser Dibbuk es jedoch nun auf Gasey abgesehen hat, offenbart sich ihr allerdings immer noch nicht wirklich.

Wieder zu Hause angekommen, macht Casey sich daran, alle Spiegel zu vernichten und sich in der Bücherei ein sehr altes Buch über den Exorzismus im jüdischen Glauben anzueignen. Damit geht sie zu Rabbi Joseph Sendak, erzählt ihm ihre Geschichte und bittet ihn dann, bei ihr einen Exorzismus vorzunehmen, um den Dibbuk zu stoppen. Doch der lehnt zuerst einmal ab, will sich jedoch gleichsam in dem Buch für sie kundig machen.

Der besagte Dämon ist jedoch in unserer Dimension bereits sehr weit vorgedrungen. So bedroht er im Körper des kleinen Matty nicht nur Caseys Freundin, sondern greift in der Nacht auch auf grausige Art ihre Großmutter an und tötet sie. Aber auch Rabbi Sendak bekommt in der Nacht in Form eines Hundes mit völlig verdrehtem Kopf einen warnenden Besuch des Dibbuk, weshalb er sich nun entschließt, den Exorzismus bei Casey doch durchzuführen. Dies teilt er ihr auch mit und rekrutiert gleichsam auch einen christlichen Geistlichen, der beim Ritual ebenfalls zum Einsatz kommen soll. Schließlich agiert so ein Dämon völlig unabhängig von der jeweiligen Religionszugehörigkeit der Menschen.

Um das perfekt Umfeld für den Exorzismus zu schaffen, sucht man hierzu die Verlassene Nervenheilanstalt auf, in der sich Caseys Mutter damals umgebracht hatte. Dabei sind auch weitere Helfer und Caseys Freund zugegen um den Kampf gegen das Böse zu unterstützen. Doch recht schnell wird klar, dass der Dämon bereits sehr viel Macht in der Dimension der Menschen ausübt und alles daran setzt, mittels Casey seinen einmal gefassten teuflischen Plan umzusetzen.

The UnbornZwischen DER EXORZIST und ROSEMARY'S BABY:
Kritisch muss man bei dem Film THE UNBORN festhalten, dass er durchaus an einigen Klischees festhält, während er andererseits das Zeug gehabt hätte, diese auch positiv zu umschiffen. Das es sich hier allerdings um einen Horrorfilm handelt, der sich eher im Teenagerbereich tummelt, kann ich so als Kritikpunkt nicht wirklich nachvollziehen. Das Casey und ihr Umfeld aus zumeist jungen Leuten besteht, ist durchaus nachvollziehbar, allerdings beschränkt sich der Film hier nicht ausschließlich auf junge Darstellerinnen und Darsteller, weshalb diese spezielle Kritik eher wohl ins Leere läuft.

Und das hier Regisseur und Drehbuchautor David S. Goyer durchaus Parallelen zu Filmen wie DER EXORZIST oder ROSEMARY'S BABY bezweckte, wurde von ihm auch grundsätzlich nicht abgestritten, da er besagte Filme als Meilensteine des Horrorfilm in seine Überlegungen mit einbezog.

Gleichsam verband er dies mit der "Zwillingsthematik", die ihn schon seit längerem beschäftigte.

"Mir haben Zwillinge immer Angst gemacht. Bei einem Essen mit meiner Frau Jessika in Chigago sprachen wir darüber und kamen auf die Idee, wie jemand von seinem ungeborenen Zwilling verfolgt wird."

(David S. Goyer über den Film THE UNBORN)

Während seiner Recherchen zum Thema Zwillinge stieß Goyer auch auf die Schilderungen von grässlichen Experimenten, die die Nazis während des Holocaust an entsprechenden jüdischen Kindern durchgeführt hatten.

So hatte z.B. der sadistische KZ-Arzt Josef Mengele an jüdischen Kindern versucht, perfekte "blaue Augen" für die "arische Rasse" zu erzeugen, indem er tödlichen Farbstoff in die Augen von Kindern injizieren ließ, um ihre natürlichen dunklen Augen blau zu färben. Hier fand Goyer daher auch die Idee, der unnatülich blauen Färbung der Augen bei einem dämonisch besessenen Kind und baute gleichsam in einer Rückblende zur Kinderzeit der Großmutter eben die menschenverachtenden Grausamkeiten der Nationalsozialisten im KZ Auschwitz als Teil des Bösen mit ein.

Es geht also weniger bei dem Film THE UNBORN um neue Ideen seitens des Genre, sondern eher darum, bekanntes mit neuen Elementen zu verbinden um daraus eine ganz eigene, durchaus für das Genre ansprechende Verfilmung zu entwickeln.

Das man hierbei die Hauptdarstellerin Odette Annable schon mal in Unterwäsche bewundern darf, spricht eigentlich nicht gegen den Film, zumal niemand als Beispiel für das Zähneputzen usw. am Abend das eigene Bad im Wintermantel oder im Kartoffelsack betritt. Mangels inhaltlich fundierter Kritik reduziert man jedoch seitens  des LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS den Film dann scheinbar bewußt auf solche Nebensächlichkeiten oder verweist darauf, dass man sich im Film doch mehr mit der "jüdischen Religionsmystik" hätte beschäftigen sollen. Die Filmkritik versteift sich hierbei eindeutig auf eine für Filme  allgemein erhoffte Prüderie und gibt gleichsam als Anleitung die Beschäftigung innerhalb der Handlung mit langweiligen Religionsfragen den Vorzug. Wenn man also einen Film (besonders aus diesem Bereich des Genre) völlig vor die Wand fahren will, muss man sich nur an die Filmkritiken seitens des LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS halten. Alternativ kann man allerdings auch das Budget gleich verbrennen.

The UnbornEine gute Wahl hinsichtlich der Schauspieler:
Was die Besetzung des Films angeht, kann man hier durchaus von einem recht hohen Niveau ausgehen. So konnte mich Odette Annable (bekannt auch aus CLOVERFIELD/2008 oder OPERATION ENDGAME/2010) durchaus in ihrer Rolle als Studentin Casey überzeugen. Etwas geschwächelt hatte bei mir indessen Cam Gigandet als Mark Hardigan, dem Freund von Casey. Gigandet kennt man z.B. als bösen Vampir aus dem Film TWILIGHT - BISS ZUM MORGENGRAUEN (2008) und dürfte für die Rollen als Bösewicht wirklich besser geeignet sein, auch wenn er sich in THE UNBORN gefreut hatte, mal auf der Seite der Guten stehen zu dürfen.

Gary Oldman müsste man hierbei eigentlich nicht weiter vorstellen, kennt man ihn doch aus Filmen wie DAS FÜNFTE ELEMENT/1997, LOST IN SPACE/1998, BATMAN BEGINS/2005 oder PLANET DER AFFEN: REVOLUTION/2014. Ganz zu schweigen von seiner Rolle in den HARRY POTTER Verfilmungen als "Sirius Black". Als durchaus in seinem Verhalten weltoffenen Rabbi Sendak macht er auch in THE UNBORN wieder eine recht gute Figur.

Aber auch auf einen der jüngsten Darsteller möchte ich hier auswahlweise etwas eingehen. Der 1998 in Kalifornien geborene Atticus Shaffer dürfte eigentlich jeder kennen, der einmal zumindest eine Episode der US-Comedyserie THE MIDDLE (2009 - 2018) auf dem Sender PRO7 gesehen hat. Aber auch in einer Episode der Serie THE CLASS (seit 2007) stach er durch seine Gastrolle positiv hervor. Weiterhin spielte er bereits in vielen weiteren Fernsehserien mit. Im Film THE UNBORN zeigt er sich indessen mal als kleiner Junge nicht von seiner lustigen Seite und wirkt als Maddy Newton als eher verstörender Part ebenso recht überzeugend.

The UnbornMeine Filmkritik:
Muss ich hier eigentlich noch erwähnen, dass dieser Film im Genre nicht das Rad neu erfindet? Wohl kaum, zumal man dies auch eigentlich nicht vorhatte. Vielmehr wollte David S. Goyer durchaus bekanntes mit neuen Elementen verbinden und im Genre so einen gewissen Wiedererkennungswert für die Fans beibehalten.

Was durchaus richtig ist, dürfte die Kritik hinsichtlich einiger Klischees sein, die man in THE UNBORN durchaus hätte recht gut umschiffen können. Atmosphärisch gelingen dem Film dagegen einige recht interessante, düstere Szenen, weshalb sich die Sichtung von THE UNBORN durchaus schon lohnt.

Etwas holprig fand ich hierbei also weder die eigentliche Story, noch die Handlung an sich. Jedoch wenn es dann zum eigentlich finalen Exorzismus ging, wirkte doch so manche Szene eher etwas aufgesetzt und daher auch leider wenig glaubwürdig. Dabei reden wir hier eigentlich aber auch schon fasst vom Schluss des Films, so das der Unterhaltungswert dieses Horrorfilm durchaus in seiner Gesamtheit über dem Durchschnitt liegt.

Weniger nachvollziehen konnte ich bei der Recherche zum Film, der mir als DVD seit längerem vorliegt, und der auch kürzlich erst beim Sender ZDF NEO nochmals gezeigt wurde, die betreffenden negativen Filmkritiken. Da hatte ich manchmal schon das seltsame Gefühl, man kritisiere hier nicht Teile oder den Film insgesamt, sondern beklage hier lieber, was man selber gerne gesehen hätte, aber nicht einmal im Ansatz bekommen hat.

Im Grunde, und das vergessen manche Kritiker scheinbar recht schnell, ist Kino kein Wuschkonzert. Das heißt, wenn ich Filme sehen will, die ich aber nicht so geboten bekomme wie ich sie haben will, dann muss ich mir die wohl selber drehen. Ansonsten geht es vielmehr darum, wo innerhalb eines Films die Schwächen und die Stärken liegen und was davon eventuell überwiegt. Wenn ich das begriffen habe, kann ich eine Kritik verfassen, anhand der sich dann auch vernünftig diskutieren lässt.

Natürlich hat auch der Film THE UNBORN einige kleinere Schwächen zu bieten. Recht viele fallen dabei jedoch nicht so ins Gewicht, bzw. schmälern den Unterhaltungswert und die Spannung so entscheidend, dass man hierzu einen völligen Verriss des Film hätte starten könnte. So kann man dem Film THE UNBORN auch nicht wirklich vorwerfen, dass er sich, was die Grundhandlung angeht, Anleihen bei Klassikern des Genre wie etwa DER EXORZIST geholt hatte. Spätestens wenn ich den kurzen Einleitungstext auf der DVD durchlese, weiß ich nämlich, das man sich hier eigentlich nicht wirklich von diesen Klassikern her völlig abheben wollte. Vielmehr handelt es sich hier bei THE UNBORN sogar um eine kleine Verbeugung gegenüber diesen Klassikern des Genre.

Um es hier vorweg zu sagen, konnte man den Film THE UNBORN nie wirklich mit etwas Sachverstand auf eine Stufe mit Filmen wie ROSEMARY'S BABY oder eben DER EXORZIST stellen. Dafür waren und sind die betreffenden Klassiker einfach zu wegweisend, und vom Niveau im Genre wohl nie zu überflügeln. Auf seiner Stufe jedoch betrachtet, macht THE UNBORN eigentlich wenig wirklich falsch, besitzt eine ansprechend düstere Atmospähre, hat Unterhaltungswert und glänzt mit durchweg gutem Schauspiel seiner Darstellerinnen und Darsteller. Positiv muss ich hier für den Film auch aussprechen, dass David S. Goyer es hier mitunter recht gut verstanden hat, kurze verstörende Bilder in den Film zu integrieren, die den Spamnnungsbogen durchaus zu heben wissen.

Eine etwas flüssiger gestaltete Handlung, ein paar mehr verstörende Bilder und eine ernstzunehmende Darstellung des Exorzismus hätten aus THE UNBORN durchaus eine kleine Perle des Genre machen können. Dies ist allerdings leider nicht immer so sauber gelungen, so das ich persönlich hier aber doch noch recht gute drei von insgesamt fünft Punkte als Bewertung vergeben kann.

The UnbornThe Unborn
(The Unborn)
mit Odette Annable, Gary Oldman, Meagan Good, Jane Alexander, Cam Gigandet, Atticus Shaffer, Ethan Cutkosky, Rachel Brosnahan, Carla Gugino, Idris Elba, James Remar u.a.
Regie und Drehbuch: David S. Goyer
Produktion: Michael Bay, Brad Fuller, Andrew Form
Musik: Ramin Djawadi
Genre: Horror
Laufzeit: 87 Minuten (DVD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Universal Pictures Germany
USA 2009

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.