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Sardu's Theatre of the Macabre - »Bloodsucking Freaks«

Bloodsucking Freaks Sardu's Theatre of the Macabre
»Bloodsucking Freaks«

Ganz im Stil des legendären wie realen Theaters des Makabren, dem Grand Guignol, schwingt hier im Film BLOODSUCKING FREAKS in einem kleinen Theater in New York City Sardu das Zepter. Unterstützt wird er durch zwei freizügige wie bösen Amazonen und seinem zwergenhaften Gehilfen Ralphus. Und natürlich glauben die Zuschauer das es sich hierbei um recht gut gemachte Tricks handelt. Das Sardu und Ralphus hier allerdings junge Frauen ganz real foltern und verstümmeln, ahnt wirklich niemand.

Bloodsucking FreaksAn diesem Abend jedoch fallen Sardu gleich zwei Besucher seiner blutigen Show auf. Zum einen ist es ein bekannter Kritiker, der dessen "Spezialeffekten" nicht wirklich zu schätzen weiß und so aus seiner kritischen Abneigung auch keinen Hehl macht.

Zum anderen befindet sich auch die junge wie berühmte Balletttänzerin Natasha mit ihrem Freund unter den Zuschauern. Und die reizt ihn geradezu, mal etwas völlig neues mit etwas tänzerischer Kultur auf seine Bühne zu bringen.

Das hier gleich reihenweise junge Frauen förmlich vor aller Augen abgeschlachtet werden, kümmert indessen nicht einmal die Polizei, die wohl ebenfalls von einer gutgemachten Show ausgeht. Und in der Regel bekommt Sardu seine weiblichen Opfer recht hübsch in Kisten verpackt, regelmäßig zugestellt. Denn die werden aus den hintersten Winkeln der USA gekidnappt und daher in New York auch nie vermisst.

Da Sardu die zukünftige Show schon im Hirn herumspukt, lässt er durch Ralphus zuerst den bei ihm in Ungnade gefallenen Kritiker entführen und danach auch gleich noch die junge Natasha kidnappen. Letztere will er durch psychische und physischer Folter völlig willenlos machen und zum Gehorsam abrichten.

Doch Natasha ist nicht so leicht zu knacken, so das man sogar einen jungen, aber etwas gestörten Arzt hinzuziehen muss, um sie nach den Torturen wieder aufzubauen. Als Bezahlung erhält der Arzt später eines der anderen weiblichen Opfer von Sardu, der er zuerst ohne Narkose die Zähne zieht, um danach ihren Schädel mit einer Bohrmaschine zu bearbeiten. Das Sardu und Ralphus allerdings auch dessen Beseitigung bereits planen, ahnt dieser sadistische Arzt noch nicht.

Doch auch Natashas Freund macht sich auf die Suche nach ihr und lässt sich dabei durch einen korrupten Polizeibeamten helfen, der recht schnell auf Sardu und seine Machenschaften stößt. Und während der bei Sardu seinen eigenen Vorteil sucht, ist Natasha bereits völlig im Bann des Wahnsinnigen, der selbst allerdings zur eigenen Befriedigung auch so manche, eigene masochistische Anwandlung zeigt.

Bei der Vorstellung wird dann der Kritiker tanzend von Natasha ermordet, während ihr Freund immer noch versucht sie vor Sardu und Ralphus zu retten. Der korrupte Polizist versucht indessen, an das Vermögen von Sardu heranzukommen. Dumm nur, dass das Geld in einem Käfig versteckt ist, in dem einige zum Kannibalismus getriebene Damen gerade nackt und gespannt auf ihre nächste Fütterung warten.

Bloodsucking FreaksJede Menge nackter Haut mit tiefschwarzem Humor:
Der Film BLOODSUCKING FREAKS wurde in Deutschland z.B. sowohl als VHS als späterhin vom Label Astro auch auf DVD veröffentlicht. Weitere Veröffentlichungen erfolgten darüber hinaus durch das Label Vestrade Filmworks als VHS und als DVD in der bekannten "Red Edition" seitens des Label Laser Paradise, wobei die "Red Edition" 2012 gleich mal nach § 131 StGB wegen der Gewaltdarstellungen beschlagnahmt wurde. Darüber könnte man lachen, wäre die Sache eher als Witz gemeint gewesen, denn so manche Gewaltdarstellung wirkt eigentlich auch nur lachhaft. Diesem Artikel liegt übrigens die Blu-ray von XT-Video als "Limited Edition" zugrunde, die auch in voller Länge daherkommt.

Wahrscheinlich wäre dieser kleine Torture-Film auch ziemlich schnell in Vergessenheit geraten, hätte der hiesige Gesetzgeber nicht eben mit der Beschlagnahmung erst für die nötige Aufmerksamkeit gesorgt. Aber es mag hier auch etwas an der Tatsache gelegen haben, dass es dem Film BLOODSUCKING FREAKS gelungen ist, vor Jahren von dem berüchtigten Label Troma Entertainment unter die Fittiche genommen zu werden. Troma wiederum ist schließlich schon mit Filmen wie THE TOXIC AVENGER (1984) oder KILLER NERD (1991) und CLASS OF NUKE 'EM HIGH (1986) bereits aufgefallen. In den USA hatte Troma sogar die deutsche Filmkomödie KONDOM DES GRAUENS (1996) veröffentlicht.

Bloodsucking FreaksNun gibt es seitens Troma nicht nur billige wie grenzwertige Filmgurken. Denn auch Horrorfilme wie MUTTERTAG von 1980 (der vom Gesetzgeber hier ebenso ungeliebt behandelt wird) schafften es unter dieses Label, der übrigens zu einer meiner liebsten Horrorfilme gehört. Allerdings kam der Film BLOODSUCKING FREAKS auch in einigen Ländern unter  Alternativtiteln auf den Markt. Hier mal eine kleine Auswahl:

  • The Incredible Torture Show
  • Sardu, Master of the Screaming Virgins
  • The House of the Screaming Virgins
  • Heritage of Caligula
  • Bloodsucking Freaks

Nun ist der Film nicht unbedingt etwas besonderes, was die eher doch dünne Handlung und die meisten Darstellerinnen und Darsteller angeht. Auch das Blut wirkt schlicht zu hell und gleicht eher dem Saft einer überreifen, zerquetschten Tomate. Auch was die Spannung betrifft, ist er nicht gerade hoch angesiedelt, da doch die Grundhandlung mehr als recht durchschaubar ist. Und trotzdem kommt irgendwie dann doch keine wirkliche Langeweile auf, zumal die blutigen Folterspiele immer wieder mit einigen Gags aus der Kiste des schwarzen Humors durchsetzt wurden. Entsprechend sahen dann auch einige Kritiken durchaus wohlwollend auf diesen Film.

"[...] aus heutiger Sicht nicht jedem zu empfehlen, auch wenn der Foltermarathon zwischendurch immer wieder durch sehr gelungene Gags aufgelockert wird."

(DIE-BESTEN-HORRORFILME.DE)

"An Gore bekommt man für das Filmalter sehenswertes geboten. [...] Für mich ein kleines Meisterwerk abseits vom Mainstream."

(NIGHTMARE-HORRORMOVIES.DE)

Völlig aus der Rolle viel dabei in Sachen Kritik nur mal wieder das LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS, aber was hatte man von einem katholisch-religiösen Spielverderber auch anders erwartet.

Bloodsucking FreaksWährend die einen jedoch schon die Frauenrechtlerinnen wegen der diversen Folterszenen im Film auf den Barrikaden gesehen haben, sieht man den Film BLOODSUCKING FREAKS von Joel M. Reed seitens SCHNITTBERICHTE.COM sogar als sozialkritisches Werk mit einem klaren Statement für mehr Frauenrechte.

Nun gut, ob es gerade den Frauenrechten nutzt, wenn man beim Dart die Pfeile auf eine Zielscheibe wirft, die man einer Frau auf den nackten Hintern gemalt hat, kann ich gerade nicht so wirklich nachvollziehen. Allerdings müsste ich hier lügen, wenn ich nicht gestehen würde, dass ich z.B. bei dieser Szene lachen musste. Das ganze hat einfach etwas völlig surreales wie kurioses an sich.

Wie gesagt, man sollte bei BLOODSUCKING FREAKS nicht von einer Perle des Genre ausgehen. Die Darstellerinnen und Darsteller glänzten nicht gerade mit brillianter Schauspielkunst, die Effekte (gerade die blutigen) reizen oft zu einem ungläubigen Grinsen und die eine oder andere Art der Folter reichen hier durchaus auch für einige Schenkelklopfer der Erheiterung. Aber man kann nicht behaupten, dass dieser "Torture-Schocker" aus dem Jahre 1976 mit Langeweile glänzen würde. Und Seamus O'Brian geht hier in seiner Rolle als sadistischer Sardu richtig auf. Denn ihm liegt eigentlich in den jeweiligen Szenen wenig daran, die weiblichen Opfer sterben zu sehen. Vielmehr ergötzt er sich offensichtlich an ihren Qualen, und je länger die andauern, um so besser für Sardu. Außerdem wirkt er dabei wirklich unverschämt sorglos und hat bei jedem Schrei noch ein lustiges Lächeln auf den Lippen. Ganz ähnlich einem kleinen Kind, welches einer Fliege gerade die Flügel ausreißt.

Bloodsucking FreaksMeine Filmkritik:
Mal ehrlich, musste man bei diesem Film gleich die Keule der Beschlagnahmung herausholen? Zwar wird hier eine Menge nackter Haut und schrilles Kunstblut zum Besten gegeben, aber bis auf vielleicht ein oder zwei Szenen wirkt das ganze doch ziemlich unrealistisch bis sogar eher komisch.

Wenn es sich hier um Kinder von 12 oder 14 Jahren drehen würde, könnte ich zumindest den erhobenen Zeigefinger noch locker gelten lassen. Aber eine einfache Einstufung auf 18 Jahre ohne Schnitte hätte es schon 2012 sicherlich getan.

Auch handelt es sich hier nicht um einen richtigen Schocker wie I SPIT ON YOUR GRAVE, der nur zwei Jahre später (1978) die Gemüter durch die derben Vergewaltigungsszenen wesentlich mehr erregte. Vielmehr handelt es sich hier um ein eher kleines Torture-Movie mit jeder Menge gewolltem schwarzen Humor und so manchen ungewollt komischen Szenen, welches man so locker hätte durchwinken können. Aber wie gesagt, wenn man einen Film erst einmal wirklich interessant machen will, dann muss man hier nur mit dem Gesetzbuch draufklatschen. Eine bessere Werbung gibt es sprichwörtlich jedenfalls nicht für Nüsse.

Der Horror als solches hielt sich bei mir jedenfalls in Grenzen, die nackten Tatsachen waren ab und zu ganz nett anzusehen, zogen mir allerdings auch nicht die Schuhe aus und die Handlung hatte positiv betrachtet durchaus etwas durchgeknalltes. Dabei übertrieben es z.B. die kannibalistischen Frauen es etwas arg, wenn es um die eigene animalische Darstellung an sich ging. Das sah dann schon etwas aufgesetzt aus. Aber alles in allem ist der Film BLOODSUCKING FREAKS als C-Movie kein völlig billiger Reinfall. Denn auf seine ganz eigene Weise kann er durchaus köstlich unterhalten und lässt eben irgendwie keine wirkliche Langeweile aufkommen. Schließlich sucht man bei diesem Film zwangsläufig schon bald nach dem nächsten Gag, egal ob es nun ein gewollter, oder doch eher ungewollter Gag ist.

Bloodsucking FreaksDa kann ich dem Film also auch wegen der offensichtlichen Mängel nicht wirklich böse sein, auch wenn ich mir mal wieder einen so richtig harten Gore-Streifen durchaus gewünscht hätte, der bisher eher Spurlos an mir vorbeigegangen sein könnte. Denn wie gesagt, in diesem Zeitraum der 1970er Jahre hatte man auch in diesem Punkt schon härteres in die Kinos gebracht. Und irgendwie wird man dann ja doch als Fan der harten Welle auch wieder bei BLOODSUCKING FREAKS irgendwie in diesem Punkt besänftigt, wenn z.B. der Arzt zur Bohrmaschine greift, oder das Gehirn per Strohhalm aus dem Kopf des Opfers schlürft.

Ziehe ich die gewollten wie ungewollten Gags hinzu, komme ich bei BLOODSUCKING FREAKS durchaus noch auf vier von insgesamt fünf Sternchen als Bewertung. Der Film selbst dürfte, was die finanzielle Seite angeht, durchaus mit der heißen Nadel gestrickt worden sein, allerdings gelingt es ihm über die gesamte Länge hin, eine ansprechend dreckige Atmosphäre zu schaffen, so dass das Ganze nicht zu sehr auf ein grottiges Niveau eines Billigfilm abrutscht.

Man sollte allerdings mit solchen Filmen auch umgehen können, denn nicht jedem ist es gegeben, sich Horrorfilme dieser Art zu gönnen. Wem solche Filme nämlich nicht so liegen, dem werden sich auch kaum die diversen Gags erschließen oder überhaupt im Sofa aufrecht halten können. Ein gewisses Händchen für Gore-Produktionen kann hier also für Zuschauer und Interessierte recht hilfreich sein. Bei der vorliegenden Blu-ray von XT-Video sollte man allerdings auch darauf achten, das Kinderhände nicht so einfach an diesen Silberling kommen können. Für die ganz jungen Buben und Mädels könnte das gesehene dann doch etwas verstörend wirken. Also bitte nicht aus Versehen zwischen die Disney-Filme verstauen.

Als diverse Extras gibt es auf der BD dann noch Filmkommentare z.B. von Regisseur und Produzent Eli Roth (HOSTEL/2005 oder THE GREEN INFERNO/2013)zum Film, der in jüngeren Jahren in einem weiteren Extra auch einige der Darsteller interviewen konnte. Leider ist dieses Bonusmaterial nur auf Englisch und damit ohne hilfreichen deutschen Untertitel aufgespielt.

Bloodsucking FreaksBloodsucking Freaks
(The Incredible Torture Show)
mit Seamus O'Brian, Niles McMaster, Viju Krem, Luis de Jesus, Alphonso DeNoble, Dan Fauci, Alan Dellay, Lynette Sheldon, Rita Montone, Juliet Graham, Arlana Blue, Ellen Faison, Ernie Pysher u.a.
Regie und Drehbuch: Joel M. Reed
Produktion: Joel M. Reed, Cleve Polar, Alan C. Margolin
Musik: Michael Stahl
Genre: Torture Porn/Horror/Exploitationfilm
Laufzeit: 89 Minuten (BD)
DVD/FSK: FSK Ungeprüft
Extras: Kommentar und Interview von und mit Eli Roth u.m.
Vertrieb: XT-Video/Limited Edition
USA 1976

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