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Mitunter etwas schockierend: »Trauma - Das Böse verlangt Loyalität«

Trauma Mitunter etwas schockierend
»Trauma - Das Böse verlangt Loyalität«

Die Freundinnen Julia und Magdalena, die auch ziemlich stark lesbisch angehaucht sind, haben sich mit den Schwestern Andrea und Camila verabredet, in einen kleinen Ort mit dem Namen Las Augustinas (Chile) zu fahren, wo sie gemeinsam eine gewisse Zeit in einem Anwesen des reichen Onkels von Andrea verweilen wollen. Doch schon zu Beginn bemerkt man, dass zwischen den Frauen so einige Spannungen vorherrschen, die den gemeinsamen Ausflug trüben können.

TraumaAls man nach einer langen Autofahrt an einer heruntergekommenen Bar nach dem genauen Weg zum gesuchten Anwesen fragen will, werden die vier Frauen nicht gerade freundlich behandelt. Ja, die Situation nimmt durch die männlichen Gäste recht schnell sogar bedrohliche Formen an.

Glücklich und unbeschadet von dort wieder abgefahren, zieht man sogleich bald durch das hübsche Anwesen mitten in der freien Natur und beginnt am Abend sogar zu feiern, wobei die Frauen auch hier durchaus mächtig untereinander rumzicken können. Hier fragt sich dann der geneigte Zuschauer auch schon irgendwie, warum die vier Frauen überhaupt gemeinsam in diese verlassene Gegend aufgebrochen sind. Die dicke Luft zwischen ihnen kann man jedenfalls förmlich greifen.

Der Spaß jedoch hört in der Nacht plötzlich auf, als zwei Fremde Männer (Vater und Sohn) in das Anwesen eindringen. Die zwei wirken bereits auf den ersten Blick ziemlich bedrohlich und scheinen die vier Mädels dann auch in der Nacht äußerst brutal vergewaltigt zu haben. Am nächsten Morgen wird die junge Camila zudem noch von hinten erschossen, als ihr Versuch, sich nach diesem Grauen selbst umzubringen, mit der vorgefundenen Waffe misslingt.

Völlig entkräftet und noch immer unter Schock rufen die verbliebenen Drei die einzigen am Ort befindlichen Polizisten, als Vater und Sohn das Anwesen endlich wieder verlassen haben, in dem sie wie die Axt im Walde gewütet hatten. Doch nur der jüngere Polizist verspricht den drei Frauen, die Täter zur Verantwortung zu ziehen, während der ältere lieber die Sache auf sich beruhen lassen würde. Schließlich kennt er den älteren der zwei Vergewaltiger recht gut und weiß um dessen schreckliche Erfahrungen unter der damaligen Militärdiktatur in Chile, welche ihn fürs Leben nicht nur traumatisiert, sondern auch unberechenbar gemacht hatte.

Als die Zwei aber in der Nähe der besagten heruntergekommenen Bar auch noch die kleine Tochter des Barbesitzers entführen, machen sich die Polizisten samt den drei Mädchen auf den Weg, diesem Wahnsinnigen und seinem irren Sohn entgültig das Handwerk zu legen. Doch wird überhaupt jemand von ihnen diesen Tag noch überleben können?

TraumaGreife niemals zu einer deutschen Filmfassung:
Damit wir uns hier richtig verstehen, es handelt sich hier um die deutsche BD-Fassung mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren. In Rückblenden wird in dem Film TRAUMA - DAS BÖSE VERLANGT LOYALITÄT dann sogar wohl knapp 6 Minuten lang gezeigt, wie der ältere Täter in seiner Jugend gezwungen wurde, seine schon brutal zugerichtete Mutter auch noch selbst zu vergewaltigen. In der deutschen Fassung sieht man jedoch nur eine recht kurze Sequenz von dem Jungen mit seiner Mutter aus eher glücklicheren Momenten. Die entscheidenden Szenen sind hier nämlich trotz der hohen Altersfreigabe bereits der Schere zum Opfer gefallen. So sollte man die reißerischen Bemerkungen auf dem Cover der deutschen BD daher auch mit einer gewissen Vorsicht genießen.

Denn die Schere hat hier wohl nicht nur einmal zugeschlagen, auch wenn die deutsche Fassung bereits mit 95 Minuten daher kommt. Nun muss man gestehen, dass man auch hier nicht alle Gewaltszenen gänzlich entfernt hat, jedoch einen Vergleich mit Filmen wie etwa A SERBIAN FILM aus dem Jahre 2010, hält wohl eher nur die ungeschnittene Fassung von TRAUMA - DAS BÖSE VERLANGT LOYALITÄT wirklich noch irgendwie stand, was zumindest die Gewaltszenen angeht.

In der Veröffentlichung für den deutschen Markt, die mir seit kurzem vorliegt, führen so manche Schnitte sogar dazu, dass man eigentlich den Sinn des brutalen Vorgehen von Vater und Sohn faktisch nicht nachvollziehen kann. Erst gegen Ende bekommt man innerhalb eines weiteren Rückblick etwas zu sehen, dass der besagte Vater es damals in seiner Jugend unter seinem eigenen faschistoiden Vater nicht wirklich leicht hatte und bei einem Feuergefecht mit den Freiheitskämpfern selbst zum Mörder geworden ist. Ob dies als (nun nachträgliche) Erklärung für das völlig wirre Verhalten des nun selbst alten Mannes samt seines nicht gerade intelligenten Sohnes aber ausreicht, wage ich hier einfach mal zu bestreiten.

Dieser Filmbeitrag aus Chile, der in der Originalfassung wirklich wohl Szenen aufweist, um die eher zartbesaitete Zuschauer lieber einen gewaltigen Bogen machen sollten, wurde schlicht für den deutschen DVD- und BD-Markt sehr drastisch verstümmelt und verliert so durchaus auch wesentliche Elemente, anhand man die dann gebotene Handlung zumindest hätte glaubhaft und stimmig nachvollziehen können.

Damit wir uns hier nicht ganz falsch verstehen. Der Film TRAUMA - DAS BÖSE VERLANGT LOYALITÄT ist kein Zuckerschlecken auch in dieser deutschen Fassung. Doch kann er weder mit wirklich guten Darstellerinnen und Dartellern punkten und selbst in der unzensierten Originalfassung dürfte die Handlung auf den Betrachter eher etwas surreal wirken, was allerdings auch nicht immer positiv sein muss.

TraumaMeine Filmkritik:
Wenn man zu solchen Filmen greift, bzw. greifen will (sie sind schließlich wahrlich nicht jedermanns Sache und man sollte mit explizit dargestellenten Gewaltszenen auch umgehen können), dann kann ich hier wieder einmal nur den Rat geben, besser gleich im deutschsprachigen Ausland nach der unzensierten Fassung Ausschau zu halten.

Ein Film, der sich allerdings zumindest dann wirklich lohnt, ist TRAUMA - DAS BÖSE VERLANGT LOYALITÄT auch dann noch nicht. Wenn man ihn also noch nicht gesehen haben sollte, muss man hier auch nicht auf manche reißerische Werbung bzw. Rezensionen zum Originalfilm hereinfallen. In der Sparte wirklich schockierender Filme gibt es nämlich ebenfalls durchaus besseres. Da muss man sich eigentlich nur nochmals die unzensierte Fassung von A SERBIAN FILM ansehen, um hier die feinen Unterschiede in der Qualität erkennen zu können. Denn darstellerisch laufen die hier gezeigten Schauspielerinnen und Schauspieler auch nicht gerade auf brauchbarem Hochformat.

Man muss TRAUMA - DAS BÖSE VERLANGT LOYALITÄT nun nicht unbedingt gesehen haben, um bei solchen Filmen nun mitreden zu können. Wirklich sollte man dann aber die Finger von Veröffentlichungen für den deutschen Markt lassen, auch wenn sie mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren daher kommen. Denn diese Altersfreigabe bedeutet noch lange nicht, dass man hier auch einen filmischen Beitrag unverstümmelt in die Finger bekommt. Das ich hier überhaupt zugegriffen hatte liegt dabei schlicht an zwei nicht unwesentlichen Faktoren: Zum einen wurde mir die Version als BD für den deutschen Markt quasi für einen Apfel und ein Ei angeboten, und zum anderen hatte ich mich erst im Nachhinein erst einmal wirklich intensiver mit dem Film und seine eigentliche Handlung beschäftigt, denn angeboten wurde er mir erstmal als "Horrorfilm", der schockierend sein soll. Gut, geschockt kann man ja auf vielfache Weise sein.

Nun ja, ich kann es hier drehen und wenden wie ich will, aber wirklich schockiert hatte mich danach eben nur die völlige Verstümmelung eines Filmes, der so leider auch irgendwie seiner grundsätzlichen Aussage verlustigt geht. Was eine Bewertung angeht, so komme ich bei der deutschen Version mal gerade auf maximal zwei von insgesamt fünf Punkten als Höchstbewertung, womit allerdings auch der annehmbare Durchschnitt mehr als deutlich unterschritten ist.

TraumaTrauma - Das Böse verlangt Loyalität
(Trauma)
mit Daniel Antivilo, Catalina Martin, Macarena Carrere, Ximena del Solar, Felipe Rios, Dominga Bofill, Eduardo Paxeco, Claudio Riveros, Florencia Heredia u.a.
Regie und Drehbuch: Lucio A. Rojas
Produktion: Rodrigo J. Fernandez
Musik: Ignacio Redard
Genre: Horror
Laufzeit: 95 Minuten (BD)
Deutsche Fassung: Um ca. 10 Minuten gekürzt
DVD/FSK: 18 Jahre
Vertrieb: Indeed Film
Chile 2017

Kommentare  

#1 Friedhelm 2019-11-19 12:39
Zum Film selber kann ich gar nix sagen - aber was Werberatschläge betrifft, da habe ich auch so meine Erfahrungen gemacht - insbesondere in früheren Zeiten.

Zitat:
Wenn man ihn also noch nicht gesehen haben sollte, muss man hier auch nicht auf manche reißerische Werbung bzw. Rezensionen zum Originalfilm hereinfallen.
Ist doch wirklich nicht neu - reisserische Slogans, um einen mittelmässigen Streifen zu hypen, gehören doch schon viel länger zur Filmhistory. Früher konnte man auf den Plakaten diverser SF-Movies so wunderbare Teaser lesen wie: "Der phantastischste utopische Film,der je gedreht wurde (u.a. bei "U-2000".. "Caprona"usw.usw..)

Im Horrorfilmen - und jenen Genres, zu denen "Trauma" wohl auch zählt, waren da wirklich kaum fassbare "Anreisser" auf den Plakaten zu finden. Ich erwähne da immer wieder gerne so etwas wie: "Wenn Sie diesen Film gesehen haben, trauen Sie sich in Ihre Straße nicht zurück" , Das war "Die Straße des Bösen/Homebodies,1974" - Titel eindeutig an "Die Wiege des Bösen angelehnt." In dem Film ging es einfach nur um ein paar Rentner, die ihren Vermieter killen, weil der ihnen die Wohnung kündigt (Haus wird abgerissen.oder so..). Und das geschieht ohne ausuferndes Gekröse.

Wenn ich denn mal Bock auf blutiges Geslashe kriege (kommt eigentlich selten vor..), bin ich zumindest immer seeeeehr vorsichtig, bezgl irgendwelcher Texte auf den DVD-Hüllen, die mir einen schrecklichen Filmgenuss versprechen. Meistens frage ich dann vorher unseren Videothekar - und der winkt in den meisten Fällen schon vorher ab..
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#2 Laurin 2019-11-20 13:23
@ Friedhelm:
Nun ja, die reißerische Werbung hätte, was explizite Gewaltdarstellungen angeht, wohl durchaus schon gepasst. Nur wenn man da locker mindestens 10 Minuten der Zensur opfert, dann verliert auch die entsprechende Werbung jeden Boden unter den Füßen. :sigh:

Das man den Film nun aber auch nicht unbedingt gesehen haben muss, egal ob gekürzt oder ungekürzt, liegt schlicht daran, das die Handlung an sich nicht gerade das gelbe vom Ei war und auch die Darstellerinnen und Darsteller nicht (zumindest bei mir) wirklich ankamen, weil manches im Verhalten doch recht auffällig gestellt wirkte. Im Grunde war es mir als Zuschauer daher auch bald eigentlich völlig egal, wer da als nächstes den Löffel wegwerfen musste, denn sympathisch kamen mir durch die Bank alle nicht herüber.
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