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Wehe wenn sie wiederkommen - »Die Rückkehr der reitenden Leichen«

Die Rückkehr der reitenden Leichen Wehe wenn sie wiederkommen
»Die Rückkehr der reitenden Leichen«

Nun müssen wir hier nicht unbedingt die gesamte Handlung der Fortsetzung von DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN durchkauen, denn die Fortsetzung basiert so ziemlich auf den gleichen Mustern wie Amando de Ossorios Erstling der Filmreihe. Dafür bekommen wir allerdings auch mal die lebenden Templer zu sehen, als sie für Angst und Schrecken sorgten. Geschnitten wurde hier bei der FSK-16er-Fassung natürlich auch so einiges.

Die Rückkehr der reitenden Leichen Dabei traf es allerdings auch ein paar überflüssige Dialoge.

So sehen wir hier die Templer, wie sie ihre okkulten Riten zelebrieren und hierbei wieder einmal auf blutige Weise eine junge Dorfschönheit opfern (das mit der Jungfrau vergessen wir hier aber gleich mal ganz schnell, denn das nimmt man der jungen Dame auch hier nicht ab). Dafür sind die Bewohner des Dorfes im Aufruhr über die Tempelritter in ihrer Festung in der Berglandschaft von Berzano, und greifen diese daher auch sogleich an, um das Grauen endlich für immer zu beenden.


Doch der Anführer der Templer stößt hierbei gleich mal einen gehörigen Fluch aus:

 "... wann das auch ist, wird in diesem Dorf kein Stein auf dem anderen bleiben."  <

(Diese Dialogszene fehlt in der internationalen Fassung, befindet sich aber auf dem Doppel-Tape seitens dem Label ASTRO/Zitat SCHNITTBERICHTE.COM)

Damit die Templer jedoch nach ihrer Verbrennung auf den Scheiterhaufen den Weg hinab zum Dorf nicht mehr finden, brennt man ihnen gleich zu Beginn erst einmal die Augen aus. Wie gesagt, unsere Templer-Zombies sind ja blind, aber nicht taub.

500 Jahre später ist das Dorf zu einer Kleinstadt angewachsen und man will den Jahrestag der Vernichtung der Templer auch mit einem Feuerwerk feiern. Nur der bucklige wie auch geistig ziemlich angeschlagene Dorftrottel Murdo stößt immer wieder kryptische Warnungen wegen dem Fluch der Templer aus. Das hält die Menschen jedoch nicht vom feiern ab, worunter sich auch der Feuerwerker Jack Marlowe befindet. Und der erkennt natürlich in Vivian - der Verlobten des korrupten Bürgermeisters - seine frühere Liebe wieder.

So hatte Amando de Ossario auch auf dieser Ebene gleich mal etwas für Zündstoff gesorgt. Die eingearbeitete Liebesgeschichte zwischen unserem Helden und seiner Jugendliebe kann jedoch irgendwie auch etwas vernachlässigt werden, denn mehr Aufmerksamkeit dürften bald die finsteren Machenschaften des Bürgermeisters auf sich lenken, nur um sein eigenes Überleben zu retten. Da schreckt er dann auch nicht davor zurück, die kleine Nina direkt in die Arme der untoten Templer schicken zu wollen.

Zudem scheint eh sein Handlanger DaCosta mehr an Vivian interessiert zu sein. Denn im weiteren Verlauf versucht er diese aus unerwiderter Liebe sogar zu vergewaltigen, worauf er bei einem Zweikampf mit Marlowe jedoch auch sein Leben verliert. Der Bürgermeister selber hat jedoch da weniger Glück, denn den bekommen die untoten Templer selbst in die mörderischen Klauen.

Im Auge behalten sollte man indessen auch den Dorftrottel Murdo, denn der schleicht bald in den Ruinen der Festung der Tempelritter herum, bringt diesen durch ein Mädchen ein Blutopfer, worauf diese dann tatsächlich aus ihren Grüften auferstehen um grausame Rache zu nehmen. Das sie Murdo hierbei am Leben lassen, liegt wohl auch daran, das dieser ihnen verspricht, sie geradewegs in den Ort zu führen, wo sie dann in der Nacht unter den Einwohnern ihr Massaker anrichten können.

Dabei gelingt es nur einer kleinen Gruppe, die Flucht in die Kirche anzutreten, die die Templer-Zombies nicht betreten können. Statt nun allerdings einheitlich vorzugehen, zersplittert sich auch diese Gruppe, wozu auch Marlowe und Vivian, als auch Bürgermeister Duncan, DaCosta oder die kleine Nina gehören. Diese (nennen wir es einmal Dummheit) sorgt natürlich dafür, dass die Templer auch jetzt noch aus diesem Personenkreis ihre Opfer abschöpfen können.

Erst am nächsten Morgen versuchen Marlowe, Vivian und die kleine Nina einen verzweifelten Fluchtversuch in aller Stille, um die blutrünstigen Templer nicht auf sich zu lenken. Erst jetzt bemerken sie dabei, das sie nur alle hätten bis zum Sonnenaufgang ausharren müssen. Denn am Tage verlieren die untoten Templer ihre Macht und können sich nicht mehr bewegen (gut, manche machen einen auf Klappstuhl und sinken zu Boden). Hier unterscheidet sich übrigens die Schilderung der Templer-Zombies gegenüber denen aus dem ersten Film DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN. Denn da kommen sie auch erst in der Nacht aus ihren Grüften, reiten aber durchaus auch in der nahenden Dämmerung oder bei Sonnenaufgang noch munter herum.

Und aus welchem Loch sie ihre Zombie-Pferde kitzeln, erfährt man natürlich auch in DIE RÜCKKEHR DER LEBENDEN LEICHEN nicht.

Die Rückkehr der reitenden LeichenSpaß mit dem reitenden Trash:
Den Spaniern gelingt es irgendwie, Horrorfilme irgendwie farbiger zu gestalten. Das Blut ist hierbei roter als Rot und was die Logik angeht, so sollte man diese innerhalb der Handlung am besten auch in ihrem Grab ruhen lassen. Von daher kann man den Film DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN (1973) durchaus auch als eine spaßige Trash-Perle bezeichnen. Wer da nun etwas mehr über den ersten Film mit dem Titel DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN wissen möchte, der darf sich den entsprechenden Artikel von mir im ZAUBERSPIEGEL aus der damaligen Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER (2016) nochmals (oder nun zum ersten mal) reinziehen.

Die Rückkehr der reitenden LeichenWenn man sich als Kino-Nostalgiker erinnert:
Was die Schauspielerinnen und Schauspieler angeht, so dürfte man hier nur auf sehr wenige bekannte Gesichter stoßen. Die dänische Schauspielerin Lone Fleming, die hier in der Rolle der Amalia auftritt, hatte bereits als Elizabeth "Bella" Turner eine Hauptrolle in Amando de Ossarios Erstling der Filmreihe, DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN (1971). Allerdings spielt sie auch eine wichtige Rolle in Ossarios Horrorfilm DER EXORZIST UND DIE KINDHEXE aus dem Jahre 1975.

Fernando Sancho, der hier den Bürgermeister Duncan spielt, dürfte jedoch so manchem dann doch etwas bekannter vorkommen. Spielte er doch in Filmen wie 100 000 DOLLAR FÜR RINGO (1965), DJANGO - DER BASTARD (1967) oder etwa in ZWEI AUSGEKOCHTE HALUNKEN (1972) oder ZWEI TOLLE KÄFER RÄUMEN AUF (1978) mit, um nur einige hier mal zu nennen. Und der durchtriebene Bösewicht, stand ihm schon optisch immer gut zu Gesicht.

Den Helden Jack Marlowe, der am Ende natürlich auch die Liebe seines Lebens abräumt, spielt indessen Tony Kendall. Und Kendall dürfte man schon alleine aus den insgesamt sieben Verfilmungen zur Heftromanserie KOMMISSAR X (z.B. KOMMISSAR X - DREI GELBE KATZEN) von 1965 bis 1971 her bestens kennen. Er spielte aber auch in Filmen wie DER DÄMON UND DIE JUNGFRAU (1963), DIE DREI SUPERMÄNNER RÄUMEN AUF (1967) oder DJANGO - EINE PISTOLE FÜR HUNDERT KREUZE (1971) mit und brannte sich dadurch auch in die Erinnerungen der damaligen deutschen Kinogänger ins Gehirn ein.

Aber auch der Spanier Frank Brana dürfte in manchen Erinnerungen früherer Kinogänger vielleicht Wurzeln geschlagen haben. Spielte er doch in Filmen wie UNTER DER FLAGGE DER FREIBEUTER (1961), ZWEI GLORREICHE HALUNKEN (1966, neben Clint Eastwood und Lee Van Cleef), SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD (1968, neben Charles Bronson), VIER FÜR EIN AVE MARIA (1968, neben Bud Spencer und Terence Hill) oder im Superhelden-Streifen SUPERSONIC MAN (1979) mit.

Danach wird es aber auch schon etwas düsterer, wenn es um die weiteren Darstellerinnen und Darsteller aus DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN geht. Weder ist die Ansammlung von weiteren Filmauftritten der weiteren Darsteller, weiblich wie männlich, mehr als recht überschaubar, oder die Filme haben es eventuell nie in die deutschen Kinos geschafft, bzw. sind wenn, dann nicht wirklich im Gedächtnis hängen geblieben.

Die Rückkehr der reitenden LeichenMeine Filmkritik:
Nun kann man Amando de Ossario nicht negativ damit treffen, wenn man behaupten würde, er hätte sich in Sachen Film und Regie zu lange an logischen Details aufgehalten.

Ossarios Filme, und hierzu zählen auch die insgesamt vier Filme um die Templer-Zombies, lassen sich durchaus mit Recht als purer Trash betrachten. Doch hatte man die Bezeichnung "Trash" damals noch eher als negative Filmkritik eingesetzt, so kann man heute mit einigem Abstand durchaus von wahren Trash-Perlen sprechen, die Nostalgiker des Genre immer wieder begeistern können (und das bei jedem auf eine ganz eigene Weise) und die irgendwie einfach auch Spaß machen.

Das Ossario ein Händchen für Trash hatte, hatte er auch bei dem Horrorfilm THE LORELEY'S GRASP - DIE BESTIE IM MÄDCHENPENSIONAT fulminant unter Beweis gestellt. Denn der Film um die Lorelei-Bestie vom Rhein konnte man ohne Umschweife als unterirdisches Trash-Märchen beschreiben. So verirren sich ganze Pinienwälder plötzlich an den deutschen Rhein und dem Monster kann man locker das Gummi ansehen. In diesem Film spielte übrigens Tony Kendall den erfahrenen Jäger Sigurd, dessen Erfahrung jedoch wohl eher darin lag, mit seinem üppigen Brusthaar reihenweise die Mädels zu hypnotisieren, um deren lustvolle Hormone bis durch die Decke schießen zu lassen. Ein wirklicher Blickfang hierbei war die Schauspielerin Helga Line als tödliche "Lorelei", die zwar wohl damals altersmäßig die 40 erreicht hatte, optisch jedoch locker als 25-jährige hätte durchgehen können, was wohl an verdammt guten Genen gelegen haben muss.

Auch in diesem Film um die tödlichen Umtriebe der Lorelei packte Ossario so ziemlich alles was ihm in die Finger gefallen ist, in einen Mixer und drehte alles einmal richtig durch zu einem Trash-Film, der aber irgendwie trotz der vielen unterirdischen Patzer trotzdem irgendwie passte, weil er schlicht Spaß machte. Der Film  mit dem Originaltitel GARRAS DE LORELEI aus dem Jahre 1973 war zwar nie ein Film für die großen Kinos in Deutschland, allerdings schien er in den berüchtigten Bahnhofskinos damals durchaus die Besucher anziehen zu können. Jedenfalls hatte man da für die deutsche Kinoverwertung im Titel nicht umsonst das Wörtchen "Mädchenpensionat" gewählt. Wusste man damals doch, wie schlüpfrig da manche Gedankengänge gerade von männlichen Zuschauern werden konnten.

Auch die insgesamt vier Filme um die reitenden Leichen muss man in diesem Kontex der Trash-Filme sehen, wobei auch die Qualität innerhalb dieser Filmreihe schwankte. Dabei ist der Film DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN nicht gerade innovativ zu betrachten, denn so einiges kennt man schließlich aus dem Film DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN bereits zur Genüge. Doch gelingt es Ossario hier trotzdem, eine gewisse gruselige Atmosphäre zu gestalten, die uns heute vielleicht schmunzeln lässt, in den 1970er Jahren jedoch dazu ausreichte, die Filmreihe über die Kinos und die Zeit hinaus bekannt zu machen.

So kann ich, rein aus nostalgischen Gründen, und weil mir dieser Film auch heute immer noch irgendwie Spaß bereitet, durchaus drei von insgesamt fünf Sterne als Spitzenbewertung vergeben.  Den Fan des Horrorfilm seit der Jahrtausendwende dürfte dieser wie auch die anderen drei Filme der Templer-Zombies wohl nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken können, aber für den allgemeinen Kenner des Horrorfilm dürfte dieser Film durchaus immer noch einen netten Filmabend wert sein.

Die Rückkehr der reitenden LeichenDie Rückkehr der reitenden Leichen
(El ataque de los muertos sin ojos)
mit Tony Kendall, Esperanza Roy, Lone Fleming, Fernando Sancho, Lolreta Tovar, Frank Brana, Ramon Lillo, Jose Canalejas, Maria Nuria, Jose Thelman, Marisol Delgado, Juan Cazalilla,  Luis Barboo, Betsabe Ruiz u.a.
Regie und Drehbuch: Amando de Ossario
Produktion: Ramon Plana
Musik: Anton Garcia Abril
Genre: Horror
Spieldauer: 80 Minuten (DVD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Carol Media
Spanien 1973

Zum Regisseur und Film von Norbert Aichele
AMANDO DE OSSORIO - Eine kleine Werkschau

Kommentare  

#1 Friedhelm 2019-11-20 00:34
Und wieder kann ich den "kleinen Nostalgiker raushängen" :-* "Die Rückkehr.." habe ich an irgendeinem Sonntag, um 16 Uhr ungeschnitten in unserem Kino "Capitol" gesehen(ungefähr 1974). Da war es dann wie bei den "Planet-der-Affen-Movies" - will sagen, ich habe die einzelnen Teile in verkehrter Reihenfolge gesehen. Aber bekanntlich machte das bei den "reitenden Leichen" nicht die Bohne aus, weil es da keinen echten "Fortsetzungscharakter" gab.

Ich muss allerdings sagen, dass mir der Erstling immer noch am besten gefiel. Den habe ich dann später mal (ca.1979) bei uns im "City-Kino" (dem "Capitol-Umbau") ,in der Nachtvorstellung, genossen.

Ich bin tatsächlich der Meinung, dass man die alten, spanischen "Trashperlen" (und hier eben "die Rückkehr) tatsächlich auch ungeschnitten sehen sollte, denn die Kunstbluteffekte sind irgendwie "einmalig". Und ich stimme dir natürlich zu - die neuzeitlichen Horrorfilm-Fans werden darüber kräftig ablachen...,leider.
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#2 Laurin 2019-11-20 13:15
@ Friedhelm:
Ich frage mich bei den Kürzungen eh, wie man die entsprechenden gekürzten Szenen so dermaßen ernst nehmen konnte. Wirklich realistisch wirkte das jedenfalls alles nicht. :-*

Und ja, im Grunde konnte jeder der vier Filme auch ganz für sich alleine stehen. Das einzige wirkliche Bindeglied waren halt die untoten Templer.

Allerdings muss ich hier durchaus feststellen, dass bei richtiger Reihenfolge die Filme immer etwas schlechter wurden, was den Spannungsbogen anging. Von daher konnte man "Die Rückkehr ..." durchaus noch recht gut ansehen.
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