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Rache über die Kinder - »Wie schmeckt das Blut von Dracula«

Wie schmeckt das Blut von Dracula Rache ist ein blutiges Gericht
»Wie schmeckt das Blut von Dracula«

Graf Dracula hatte ja gerade auch literarisch gesehen einen richtigen Lauf im ZAUBERSPIEGEL, da wollen wir das ganze doch noch mit einem weiteren Film noch etwas abrunden. Man erinnere sich da nur an die finale Szene, in der Dracula durchbohrt von einem großen goldenen Kreuz im Film stirbt. Das war der Film DRACULAS RÜCKKEHR mit Christopher Lee aus dem Jahre 1968. Und irgendwie fängt dieser Film von 1970 genau da wieder an, schließlich ist der Tod bei Dracula irgendwie recht relativ.

Wie schmeckt das Blut von DraculaDenn kurz bevor Dracula durch Paul (ja, irgendwie gibt es eine Menge Pauls bei Hammers Dracula) von einer Brüstung geradewegs in das große, goldene Kreuz stürzt, von dem er förmlich aufgespießt wird und nach seinem Todeskampf zu Staub zerfällt, wird ein aufdringlicher Händler nicht weit davon entfernt, geradewegs aus einer fahrenden Kutsche geworfen. Sein Gepäck folgt gleich hinterher und so macht sich der bereits etwas betagte Händler in der Nacht recht ungelenk auf einen beschwerlichen Fußmarsch. Und als er dann da so mehr schlecht als recht zwischen den Felsen herabsteigt, wird er Zeuge, wie eben Graf Dracula vom Kreuz durchbohrt sein irdisches Dasein lautstark aushaucht.

Doch was so ein richtiger Geschäftsmann ist, der wartet ab bis seine Zeit gekommen ist und sammelt alles von Dracula ein, was noch vorhanden ist, einschließlich dessen getrocknetes Restblut, was er vorsichtig in ein Reagenzröhrchen verfrachtet. Man weiß ja nie, wozu man das noch mal brauchen könnte. Nun könnte man eigentlich schon bei dieser Einleitung sagen, der Bösewicht ist tot und es jubeln die ungebissenen Jungfrauen. Doch weit gefehlt, denn Dracula ist nicht der einzige Bösewicht.

Ein ebenfalls nicht netter Mensch ist der sich Gentleman schimpfende alte William Hargott, der in seinem eigenen Heim und besonders gegenüber seinem hübschen Töchterchen Alice ein eisernes Regiement führt, wie es sich für einen Patriarchen in einem gottesfürchtigen Haus gehört. Da muss dann auch das holde Weib kuschen, welches der süßen Tochter doch eigentlich eine beständige Liebe gönnen würde. Allerdings ist William Hargott eben die Wahl seiner Tochter mehr als ein Dorn im Auge. Handelt es sich hier doch um den jungen Paul Paxton, in den sich Alice unsterblich verliebt hat. Da reicht dem Patriarchen schon ein stricktes Kontaktverbot zu ihm gegenüber seiner Tochter. Nur ein triftiger Grund könnte schließlich unseren grantigen Vater ja selbst in ziemliche Erklärungsnöte bringen.

Denn nicht nur der alte Hargott, sondern auch der alte Paxton und deren Freund Secker hüten ein recht düsteres Geheimnis. In schöner Regelmäßigkeit treffen diese drei Familienväter sich nämlich zu einem monatlichen Bordellbesuch, um dann mit den dortigen jungen Damen - welche kaum älter als ihr eigener Nachwuchs sind - in einem Hinterzimmer ihre perversen Spielchen zu treiben. Doch an diesem Abend muss wohl gerade der alte Hargott bei einer blutjungen Prostituierten seine ergrauten Triebe zurückhalten, denn der jüngere, wesentlich hübschere und sehr eigenwillige Lord Courtley schnappt ihm das hübsche Ding gleich vor der Nase weg, auch wenn er nicht einmal Geld besitzt, um sie für eine flotte Nacht bezahlen zu können. Und auch der tuntige Bordellbesitzer mag nicht mit aller Macht für seine zahlenden Kunden gegen Courtley aufbegehren wollen, denn der Lord soll schließlich mit Satan selbst im Bunde stehen.

Und genau dies macht unsere drei betagten Lüstlinge neugierig, so das sie recht bald mit Lord Courtley ins Gespräch kommen wollen. Schließlich könnte er durch schwarze Magie ihnen gar die Unsterblichkeit frei Haus liefern. Sichtlich überrascht, aber interessiert nimmt Courtley diesen Gesprächsfaden auf. Schließlich findet man nicht an jeder Ecke willige Jünger (und seien sie noch so betagt an Jahren), die sich gleich freiwillig dem dunklen Pfad zur linken Hand verschreiben wollen. Und so treffen wir wieder auf unseren Händler, in dessen Laden unsere gestandenen Herren aus guter Gesellschaft gleich erst einmal tief in den Geldbeutel greifen müssen, um Courtley die entsprechenden Utensilien für eine besondere schwarze Messe zu besorgen.

Als es dann jedoch in einer alten und verlassenen Kirche zur Sache gehen soll, ekeln sich die drei alten Knaben vor dem schäumenden Blut aus einem makabren Pulverstaub, welches einmal das Blut des Grafen Dracula war. Und da es sie geistig beschleicht, Courtley könnte sie gar damit vergiften wollen, statt ihnen die Unsterblichkeit zu ermöglichen, prügeln und treten sie den jungen aber mittellosen Lord gleich mal zu Tode. Und da wohl sonst eh niemand in den alten Ruinen der Kirche herumschleicht, geht man davon aus, dass die Leiche von Courtley dort noch lange unentdeckt vor sich hin schimmeln dürfte. Und so sind sich Hargott, Paxton und Secker darin einig, stillschweigen zu bewahren und die Leiche dort gut versteckt zurückzulassen.

Allerdings haben unsere drei alten Halunken die Rechnung ohne den Grafen Dracula gemacht. Denn durch Lord Courtleys schwarze Messe wurde auch er wieder erweckt und wandelt erneut unter den Lebenden. Aufgebracht über die Ermordung seines treuen Dieners Lord Courtley auf Erden, schwört Dracula den Schuldigen eine baldige, gar grausige Rache. Schon bald beißt sich Graf Dracula dann auch schon wieder durch so manches junge wie weibliche Wesen, wobei auch die süße Alice Hargott natürlich auf seinem Speiseplan auftaucht. Doch seine Rache plant er höchst verschlagen, denn die drei Mörder sollen nicht durch seinen Biss sterben und so danach gar als untote Vampire wieder auferstehen. Vielmehr setzt Dracula nun seine ganzen Fähigkeiten ein, damit die betagten Herren der besseren Gesellschaft durch die Hände ihrer eigenen Kinder einen entgültigen Tod mit anschließenden Höllenqualen erleiden. So ganz hat er allerdings nicht mit dem jungen Paul Paxton gerechnet, der aus lauter Liebe zu Alice der geplanten Dinge nicht so ganz ihren Lauf lassen will. Und auch ein gar höheres Wesen will am Ende in Sachen Dracula und Happy End der Liebenden noch ein kleines Wörtchen mitreden.

Wie schmeckt das Blut von DraculaDas Ende der chronologischen Weiterführung von Dracula:
Ja, irgendwie folgten die bisherigen Filme einer gewissen chronologischen Reihenfolge, was man besonders zu Beginn von WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA recht schön sehen konnte. Setzt er doch recht auffällig wieder da an, wo der Film DRACULAS RÜCKKEHR endete. Das unser Händler nach dem Rausschmiss aus der Kutsche zuerst auf dem platten Waldboden wandelt und dann plötzlich zwischen den Felsen auftaucht, um Draculas Ende noch mitzuerleben, ist dabei recht unerheblich und kaum einer Kritik wert. Denn schließlich wissen wir als Zuschauer ja nicht, wie lange unser Händler da schon in der Nacht herumgerannt sein mag, und es wäre auch recht langweilig gewesen, ihm nun dabei eventuell ein paar Stunden zusehen zu müssen. Und das junge Burschen zu dieser Zeit alle den Modenamen "Paul" trugen, dürfte wohl eine ähnliche Verirrung gewesen sein, wie heute die Namen Kevin oder Chantal.

Das man mit dem typisch klassisch-gothischen Stil der Horror- und hier besonders der Vampirfilme bald bei einem jüngeren Publikum im Kino keinen wirklichen Blumentopf mehr gewinnen würde, war dem Hammer Studio allerdings auch irgendwie zu Ohren gekommen. Also verlegte man sich danach eher auf in sich abgeschlossene Filme zu Dracula und verlegte seinen Wirkungskreis in die wilden 70er Jahre (DRACULA JAGD MINI-MÄDCHEN/1972), baute ein wenig Kung-Fu darum herum (DIE SIEBEN GOLDENEN VAMPIRE/1974) und behielt zumindest Peter Cushing als Professor van Helsing dabei, oder aber man baute schlicht ein paar Liter Blut mehr in die Handlung ein, wie bei DRACULA - NÄCHTE DES ENTSETZENS von 1970. Ein weiterer Schritt lag dann auch darin, dass die weiblichen Darstellerinnen etwas mehr blank ziehen duften wie in DRACULAS HEXENJAGD aus dem Jahre 1971. Letzteres hätte wohl auch schon mit Linda Hayden (THE BLOOD ON SATAN'S CLAW/1970 oder MADHOUSE/1974) funktioniert, die mit ihren knackigen Kurven bestimmt auch nicht gegeizt hätte. Aber bei WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA rutschte erst einmal nur der Ausschnitt am Kleid etwas weiter herunter, ohne jedoch gleich auch die Glocken frei läuten zu lassen. Macht aber nichts, denn auch mit Stoff sah sie hier noch recht schnuckelig aus.

Dafür hätte man fasst sogar zwei der ganz großen Horror-Ikonen im Film gehabt, denn Vincent Price (DIE FLIEGE/1958 oder DER GRAUENVOLLE MR. X/1962) hätte eigentlich einen der drei alten Halunken spielen sollen. Und da Christopher Lee (EIN TOTER HING AM GLOCKENSEIL/1964 oder JAMES BOND: DER MANN MIT DEM GOLDENEN COLT/1974) zuerst mit einer erneuten Rolle als Graf Dracula haderte, standen Vincent Prices Chancen auch nicht schlecht. Dabei kam im Ursprungsskript zum Film die Figur Dracula allerdings auch zuerst nicht einmal vor, sondern wurde erst später hinzugefügt. Da Lee jedoch dann zusagte, zog dann Price wieder den kürzeren und musste Lee das Feld überlassen. Nicht das nun jemand denkt, zwischen Lee und Price hätte damals dicke Luft geherrscht, dem war mitnichten so. Vielmehr lag es am geringen Budeget, welches für den Film zur Verfügung stand. Und zwei fette Gagen waren für Hammer daher einfach nicht drin gewesen.

Ebenfalls bekannt, aber in Sachen Gage wohl etwas billiger war hingegen Geoffrey Keen (DIE SCHATZINSEL/1950 oder DOKTOR SCHIWAGO/1965) als William Hargott. Wirklich bekannt wurde er bei uns allerdings als Verteidigungsminister Sir Frederick Gray in insgesamt sechs James-Bond-Filmen. Den väterlichen Kotzbrocken haut er in WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA allerdings mit einer solchen Bravour hin, so das man selbst als Zuschauer sein Ableben mit einem wohlwollenden Lächeln zur Kenntnis nimmt. Strafe muss schließlich bei einem solchen Verhalten ja sein.

Wie schmeckt das Blut von DraculaMeine Filmkritik:
An sich gehört WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA durchaus zu einem der besseren Filme um den adligen Blutsauger seitens Hammer. Ein paar schaurige Szenen mehr mit Christopher Lee hätten den Film allerdings durchaus noch etwas mehr aufgewertet.

Richtig böse wirkt die Handlung sogar ab dem Augenblick, wo man mitbekommt, dass selbst die schnucklige Alice Hargott eigentlich für Dracula zuerst nur einen weiteren blutigen Snack darstellt, hinsichtlich seiner Rachepläne jedoch nur als ein Abfallprodukt erscheint, so das dann auch nur der junge Paul Paxton vor Liebe zu ihr lang hinschlägt. Schließlich hat man als Vampir ja alle Möglichkeiten der Welt, wenn es um die passenden weiblichen Begleitungen geht.

Etwas übel aufgetoßen ist mir jedoch das Ende des Films. Denn  hier greifen die himmlischen Heerscharen oder gar Gott höchst persönlich dann mal mit einem üblen Trick ins Finale ein und schwupp ... Draculas letzte Sekunden haben geschlagen.  Das wirkt dann doch leider irgendwie wie ein billiger Taschenspielertrick und an den Haaren herbeigezogen, weil den Machern dann scheinbar doch nichts besseres (und entsprechend spannenderes) mehr eingefallen ist. Das finale Ende hätte man also hier durchaus wesentlich spannender und auch irgendwie schauriger umsetzen können.

Sei es drum, so verspielt man sich hier zumindest bei mir einen Scharfzahn als Bewertung, so das ich bei WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA daher nur auf gute vier von insgesamt fünf Punkte als Höchstbewertung komme. Dabei war die Idee, die Rache durch die eigenen Kinder der angepeilten Opfer ausführen zu lassen, nicht von schlechten Eltern.

Und wie Draculas Blut nun schmeckt, wissen wir wohl auch jetzt noch nicht, aber ein lecker Cappuccino tuts im Zweifelsfall ja auch. Für Fans wie Nostalgiker dürfte der Film aber trotzdem ein Muss sein und für Sammler der Hammer-Filme dürfte sich die Frage wirklich kaum stellen, ob man sich den Film nun ins Regal stellen sollte oder nicht. Meine positive Empfehlung für diesen Horror-Klassiker gibt es jedenfalls wieder kostenlos oben drauf.

Wie schmeckt das Blut von DraculaWie schmeckt das Blut von Dracula
(Taste the Blood of Dracula)
mit Christopher Lee, Geoffrey Keen, Linda Hayden, Gwen Warford, Isla Blair, Anthony Higgins, Peter Sallis, Ralph Bates, John Carson, Roy Kinnear, Michael Ripper, Martin Jarvis, Russell Hunter, Madeline Smith u.a.
Regie: Peter Sasdy
Drehbuch: Anthony Hinds (als John Elder)
Produktion: Aida Young
Musik: James Bernard, Philiph Martel
Genre: Horror
Laufzeit: 95 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Extras: Super-8-Fassung, Bildergalerie, Trailer, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen & Uwe Sommerlad
Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises GmbH
Großbritannien 1970


Kommentare  

#1 Friedhelm 2020-02-08 14:51
Zitat:
Das unser Händler nach dem Rausschmiss aus der Kutsche zuerst auf dem platten Waldboden wandelt und dann plötzlich zwischen den Felsen auftaucht, um Draculas Ende noch mitzuerleben, ist dabei recht unerheblich und kaum einer Kritik wert.
Klar fragt man sich unweigerlich, wie lange der arme Händler (Roy Kinnear) denn unterwegs war - ist aber tatsächlich unerheblich. Der Verweis auf den Vorgänger wurde hier eindeutig besser gelöst, als noch bei "Draculas Rückkehr" - da stand schon die Frage im Raume, wie der Vampir aus seinem Schlossgraben in den Gebirgsbach gekommen ist. Es sei denn, dass es eine Verbindung gab - möglich ist alles. :-* ;-)

Zitat:
Dabei kam im Ursprungsskript zum Film die Figur Dracula allerdings auch zuerst nicht einmal vor, sondern wurde erst später hinzugefügt. Da Lee jedoch dann zusagte, zog dann Price wieder den kürzeren und musste Lee das Feld überlasse
Es ist fast davon auszugehen, dass die Macher von "Hammerfilms" den damals schon drohenden Konkurs doch lieber mit einem weiteren "Dracula-Film" aufhalten wollten. Zudem sollte Neuentdeckung Ralph Bates eh ein bisserl gepuscht werden - und Christopher Lee als Dracula ersetzen. Weil die ersten, gedrehten Sequenzen mit ihm dann aber wenig vielversprechend aussahen, wurde Lee wieder bekniet. Und der liess sich seinen Auftritt garantiert sehr gut bezahlen. In der Tat wäre Bates als Vampir-König (selbst mit dem berühmten Cape) viel zu blass gewesen - ihm fehlte einfach alles, was den charismatischen Christopher Lee ausmachte. Bekanntlich ist das Vorhaben, Bates zum neuen Frankenstein zu küren, nach einem Film ebenso schiefgegangen.

Amüsant fand ich die "Alt-Herren-Riege", mit ihren sündigen Geheimnissen. Und es macht wirklich Spass Geoffrey Keen und seine beiden Kollegen, dabei zuzusehen, wie sie ihrem geheimen Treiben nachgehen - und schlussendlich der Finsternis zum Opfer fallen.. :cry:

Allerdings lässt sich hier deutlich erkennen, dass "Dracula" eigentlich gar nicht vorgesehen war. Der Vampir wirkt hier zuweilen wie ein Fremdkörper. Das mag daran gelegen haben, dass man diese Figur einfach in die fertige Story reingeschrieben hat. So sah das jedenfalls für mich aus... :-*
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#2 Laurin 2020-02-09 00:46
@ Friedhelm:
Nun ja, für Ralph Bates war die Rolle als Lord Courtley ja quasi erst einmal der Einstieg bei Hammer (vorher durchlief er ja als Schauspieler erst einmal einige Fernsehserien), und diese Rolle spielte er meiner Meinung nach nicht einmal schlecht. Ob er allerdings auch einen guten Dracula abgegeben hätte, wage ich auch mal zu bezweifeln.

Ehrlich gesagt sah ich auch für die damalige Zeit nirgendwo einen Darsteller, der wirklich charismatisch an Christopher Lee herangekommen wäre. Da ist es nur zu verständlich, wenn man Lee seitens Hammer immer wieder bekniete und auch mit einer wirklich ansprechenden Gage winkte.

Die "Alt-Herren-Riege" fand ich auch recht interessant aufgebaut. Die hätte Vincent Price mit seinem Talent eventuell sogar noch weiter aufgewertet. Nur wurde ja daraus nichts, weil Hammer da alleine in der Frage der Gage wohl schon die Kosten über den Kopf gestiegen wären. Das Dracula als Vampir eher manchmal wie ein Fremdkörper erscheint, liegt schlicht darin begründet, dass man hier eben diese Figur erst nachträglich noch eingefügt hatte, das Drehbuch aber nicht wirklich ganz stimmig umgeschrieben wurde. Da habe ich eher den Verdacht, dass für Hammer in dem Punkt auch das zeitliche Gesamtkonzept nun zu eng wurde, um hier nochmals gründlich das Drehbuch zu überarbeiten, bzw. wirklich entsprechend von A bis Z anzupassen. Auch hier gehe ich mit Dir konform und bin der Meinung, dass man die Figur des Dracula einfach in die fertige Story reingeschrieben hatte. Frei nach dem Motto, es wird schon passen und keinem wirklich auffallen.
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#3 Friedhelm 2020-02-09 12:34
Ohne "Dracula" hätte die Geschichte wahrscheinlich auch besser funktioniert, zumal es eh ein paar Fragezeichen gibt - u.a. ist eigentlich kaum einsehbar, warum der Vampir seinen "treuen Diener" denn nun unbedingt rächen will. Hatte er ein persönliches Verhältnis zu ihm, oder wie? In den anderen Teilen der Reihe waren seine "Getreuen" ihm nicht "die Bohne wert... ;-)
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#4 Andreas Decker 2020-02-10 09:55
Gehört auch zu meinen bevorzugten Hammer-Draculas. Auch wenn Hargott eine Karrikatur ist, hat Subtilität in einem Hammerstreifen eigentlich nichts zu suchen, also paßt es schon.

Und Linda Hayden ist immer nett anzusehen. Neben Lee hat sie die größte Karriere im Genre-Film gemacht. Ich habe es nie nachgelesen, aber vermutlich wollte Hammer von ihrem "Skandal-Film" Baby Love von 68 profitieren, wo sie ein Schulmädchen spielt, das zur Waise wird und dann den Vater der Pflegefamilie verführt. Und die Mutter auch, wenn die Erinnerung nicht trügt. Oder war es der Sohn?

Ihr größter Beitrag zum Thema berüchtigter Film ist später dann "House on Straw Hill", so eine Exploitation-Granate mit Udo Kier, die in England die Kampagne gegen die Video-Nasties und für die Zensur befeuert hat. Heute ist der ganz schön öde, aber Laurin sollte er gefallen :lol: Das ist der Film, den sie laut einem Interview "bereut" hat.

Bei Dracula ist das sleazige Viktorianisch herrlich und offenbar mit viel Liebe ausgearbeitet. Kaum zu glauben, dass die Szenen im Variete-Puff auf der deutschen Videofassung mal zensiert waren. Friedhelm hat recht, Draculas Motivation macht nicht viel Sinn, das ist doch alles recht klein gedacht. Aber die Story hat immerhin Biss, wenn sich Dracula die Kinder der Väter vornimmt. Da kann man auch das suboptimale Ende verzeihen.

Und Ralph Bates bleibt natürlich unvergessen durch Dr.Jekyll and Sister Hyde" .
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#5 Laurin 2020-02-10 18:10
@ Friedhelm:
Wenn ich da ehrlich bin, frage ich mich allerdings nachträglich, was für ein Film es denn ohne Lee als Dracula hätte werden sollen? Wollte man da vielleicht eher in Richtung Okkultismus?

@ Andreas Decker:
Nun, ich habe wegen HOUSE ON STRAW HILL mal gleich nachgesehen, aber den bekommt man weder nur sündhaft teuer, oder nur in englischer Sprache. Aber BABY LOVE werde ich mir demnächst wohl mal antun. ;-)
An sich muss ich aber auch sagen, das man das Viktorianische wirklich ganz ansprechend und farblich auch recht nett hier umgesetzt hatte. Ich frage mich da nur wirklich, was die Zensur bei den Szenen im Puff geritten hatte, dass die bei der Videofassung der Schere zum Opfer gefallen sind. Da war doch nun wirklich alles nur angedeutet und absolut nichts zu sehen, was ein solches Vorgehen rechtfertigen würde.
Lässt man so manche Suche nach der Logik mal bei Seite, dann ist dieser Dracula-Film aber durchaus einer der sehenswerten seitens Hammer mit Christopher Lee. Nur im Finale haben sie meiner Meinung nach aber richtig gepennt.
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#6 Friedhelm 2020-02-10 21:57
Man muss nur lange genug suchen, dann findet man auch. Inzwischen weiss ich also, dass der von Ralph Bates gespielte Lord Courtley, in der Origin-Story, nach seinem Tod als Vampir wiederkehren und sich -statt Dracula- an den drei Herren rächen sollte. Es war tatsächlich geplant, Lee (und damit Dracula) durch Bates zu ersetzten.

Das erklärt somit, warum Dracula ansich so deplaziert wirkt - weil er ja eigentlich keinen wirklich Grund für seine Rache hat. :-*

Ob es , im Falle des Erfolges, dann eine neue Reihe mit einem Vampir namens Courtley gegeben hätte, entzieht sich allerdings immer noch meiner Kenntnis. ;-)
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#7 Andreas Decker 2020-02-11 09:51
@Laurin

Du hast Glück. House on Straw Hill ist für April bei Schröder Media mit deutscher Tonspur angekündigt für einen Zehner. Jedenfalls bei meinem Händler, bei Amazon steht es noch nicht. Ist aber eine lahme Ausgabe, keine Extras. Ich habe die Arrow, die war toll. Hatte eine zusätzliche Doku, wie man in England die Video Nasties verboten hat.Dagegen wirkt die FSK wie ein Kindergeburtstag.

Bei schnittberichte gibt es die "geschärfte" Dracula-Fassung zu sehen. Ehrlich gesagt, wenn du beim zusehen blinzelst, hast du sie verpasst, so kurz ist das alles. Das ist 40 Jahre oder so her, vielleicht wollten sie damals eine Kaufhaus-Fassung verkaufen. Über die Hammer-Filme gibt es so viele Geschichten in der Richtung. Angeblich - ist vielleicht nur eine urbane Legende - haben sie für Japan noch mehr nackte Tatsachen reingeschnitten. Ist zwar schwer vorstellbar, wenn man Vampire Lovers sieht, aber wer weiß :lol:
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#8 Friedhelm 2020-02-11 14:31
@AndreasDecker: tatsächlich hat "Hammer" wohl unterschiedliche Schnittfassungen verbreitet. Die Japaner wurden mit einer härteren Fassung beglückt als der europäische Raum - warum auch immer. :cry:
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#9 Laurin 2020-02-11 17:20
Was denn nun? mehr nackte Tatsachen oder eine härtere Fassung in Japan?
@ Friedhelm, ich seh das mal so, wenn die in Japan mehr nackte Tatsachen geboten bekommen haben, kam das harte doch wohl eher beim Zuschauer. :P :-*
Aber lassen wir mal die zweideutigen Wortspiele, denn ich glaube, man darf hier froh sein, dass das mit Ralph Bates als Vampir an uns vorbei gegangen ist, wobei ich ihn durchaus nicht schlecht gefunden habe in seiner gebotenen Rolle. Und in Japan ist Nacktheit ja auch kein Problem, sofern man nicht gleich die Geschlechtsteile der unteren Region in die Kamera hält, als gäbe es kein Morgen mehr. Ob da aber mehr gezeigt wurde als in VAMPIRE LOVERS glaube ich auch nicht so wirklich. Da klingt bei uns sogar eher die Möglichkeit mit der Kaufhaus-Fassung direkt logisch.

@ Andreas Decker:
Habe da gleich mal bei Schröder Media reingesehen. Schade das die sich auf den reinen Film beschränken, ohne das nette Drumherum. Aber in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen. In dem Sinne mal Danke für die Information - ich werde die Ankündigung von HOUSE ON STRAW HILL jetzt mal fest im Auge behalten. ;-)
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#10 Friedhelm 2020-02-11 19:31
Zitat:
Was denn nun? mehr nackte Tatsachen oder eine härtere Fassung in Japan? @ Friedhelm, ich seh das mal so, wenn die in Japan mehr nackte Tatsachen geboten bekommen haben, kam das harte doch wohl eher beim Zuschauer
:cry:

Es müsste eigentlich heissen: "Die Japaner wurden , u.a. auch mit einer härteren Fassung beglückt. Aber ob nun, nackte Tatsachen oder blutiger - "härter" war früher in unserem Lande eigentlich für beides ein Begriff.
Die Spanier haben das ja auch gemacht - da gibt, als bestes Beispiel, bei diversen "Paule Naschy-Movies" ja auch zwei Versionen.

Und was Ralph Bates betrifft: als "normaler Psycho" ging er schon durch - nur eben als Graf Dracula wäre er glatt durchgefallen. Er war einfach kein Typ, der eine solche ikonische Rolle tragen konnte - das sah man übrigens auch in seinem einzigen auftritt als Dr. Frankenstein("Frankensteins Schrecken/The Horror of Frankenstein,1970"). In der Rolle hätte er auch den seligen Peter Cushing niemals ersetzen können.
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