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Ein ganz böses Erbe - »Soul to Keep - Dein letztes Gebet«

Soul to Keep - Dein letztes Gebet Ein ganz böses Erbe
»Soul to Keep - Dein letztes Gebet«

Erin und ihr Zwillingsbruder Josh haben ein recht gruseliges Landhaus von ihrem Großvater geerbt, welcher in einem nahe gelegenen kleinen See auch noch ertrunken sein soll. Zumindest macht dieses Haus äußerlich nicht gerade den Eindruck, als würde es sich bei dieser Erbschaft um den ganz großen Wurf handeln. Allerdings machen sich die Geschwister auch keine wirklichen Gedanken darüber, wieso ihr Großvater plötzlich auf so völlig unnatürliche Weise aus dem Leben schied.

Soul to Keep - Dein letztes GebetUm das Erbe jedoch gebührend mit jeder Menge Alkohol, Drogen und Sex feiern zu können, laden sie schon mal ein paar Freunde, darunter auch die taubstumme Tara ein und machen sich auf den Weg zu dem abgelegenen Landhaus.

Dort fängt man gleich an, dass ausgedehnte Party-Wochenende richtig einzuläuten. Doch wie der Teufel es so will, werden sie recht bald durch einen Stromausfall überrascht und ein wenig Langeweile scheint sich auszubreiten. Also macht man sich nicht nur auf die Suche nach dem Stromkasten, sondern auch nach den Hinterlassenschaften des verstorbenen Großvaters.

Im Keller findet man dann auch recht flott einen seltsamen Ritualraum samt gruseligem Zeichen auf dem Boden, welches mit Tierknochen und Blut entsprechend reichlich geschmückt erscheint.  Hinzu kommt dann noch ein scheinbar magisches Buch, mit dem man sogar den Beelzebub persönlich beschwören können soll.

So siegt schnell die Neugierde der jungen Leute, zumal Grace durchaus auch besser mit dem magischen Buch und dessen Sprüche umzugehen weiß, als Erin und die anderen. Doch so ganz will das Ganze dann doch nicht so gelingen, denn das aus ihren Reihen ausgesuchte Opfer scheint noch nicht zu genügen und der fühlt sich am Ende auch nicht mehr so wirklich wohl bei diesem Ritual, welches doch eigentlich nur die Stimmung wieder etwas heben sollte. Denn wer glaubt denn schon ernsthaft an Zauberbücher und Dämonen?

Als alle anderen danach den Keller verlassen, ist es jedoch Grace selbst, die nun in das magische Zeichen am Boden tritt und sich selbst nun in das eigentlich beendete Ritual einbringt. Das aber ist eine große Falle, denn während die anderen wieder dazu übergehen, die wilde Party erneut aufzufrischen, scheint mit Grace eine extreme Verwandlung vorzugehen, was so manchen der männlichen Teilnehmer in wahres erstaunen versetzt.

Denn Freund und Partner hin oder her macht sich Grace nun wie eine sexuell ausgehungerte Bitch an die anderen Jungs heran und sendet dabei mit intensivem Körperkontakt eindeutige sexuelle Signale aus. Doch dahinter steckt nicht sie, sondern ein recht perfider Dämon, der direkt aus der Hölle in ihren Körper gefahren ist. Und das der nicht nur auf reichlich Körperkontakt mit entsprechenden Mengen an Körpersäften seitens der anwesenden Burschen steht, zeigt sich schon nach kurzer Zeit. Denn plötzlich übernimmt der Dämon in Grace einen ihrer Freunde, der nun quasi wie ihr verlängerter Arm den anderen Freunden nicht nur gewaltsam nachstellt, sondern es auch auf ihr Leben abgesehen zu haben scheint. Nun scheint es für die anderen wahrlich um ihr letztes Gebet zu gehen, denn der gesamte Bereich um das Landhaus scheint zudem noch von einer unsichtbaren magischen Macht umgeben zu sein, welche nichts und niemanden rein, allerdings die hilflose Gruppe junger Leute auch nicht mehr heraus lässt. der Dämon in Grace samt ihrem Handlanger scheinen jedenfalls nun leichtes Spiel mit ihren Opfern zu haben.

Soul to Keep - Dein letztes GebetEin paar Anleihen sind erkennbar:
Dem Film SOUL TO KEEP - DEIN LETZTES GEBET aus dem Jahre 2018, der bei uns 2019 wohl direkt auf DVD und BD veröffentlicht wurde, merkt man in gewissen Momenten durchaus an, dass man hier nicht unbedingt über ein üppiges Budget verfügte. Nun muss man allerdings auch entschuldigend sagen, dass es sich bei diesem Horrorfilm auch um das filmische Erstlingswerk der Regisseure David Allensworth und Moniere Noor handelt, die auch noch gleich in Sachen Produktion ihre Finger mit im Spiel hatten.

Man kann sich also denken, dass die Handlung hier auch nicht unbedingt das Rad völlig neu erfindet. Vielmehr hat man hier daher die eine oder andere Idee aus anderen Horrorfilmen aufgegriffen und in einen veränderten Kontex gestellt. Als Beispiel sei hier nur erwähnt, dass es für den kundigen Zuschauer kein Problem sein dürfte, hier auch Versatzstücke z.B. aus dem Film THE EVIL DEAD (deutscher Titel: TANZ DER TEUFEL) aus dem Jahre 1981 seitens des Regisseur und Drehbuchautor Sam Raimi heraus zu erkennen. Erfrischender Weise nehmen David Allenworth und Moniere Noor hier innerhalb der Handlung ihres Films aber keine plumpe Neuinterpretation von bereits hinlänglich bekanntem vor, sondern nutzen die aufgegriffenen Ideen eher, um daraus dann doch ihr ganz eigenes Ding zu machen.

Auch die entsprechenden Darstellerinnen und Darsteller dürften hier dem deutschen Publikum nicht sonderlich bekannt sein, was wohl auch dem schmalen Budget geschuldet sein dürfte. Doch die Darstellerinnen Aurora Heimbach (als Erin), Kate Rose Reynolds (als Grace) oder der Darsteller Derek Long (als Toby) - um nur beispielhaft mal drei von ihnen herauszugreifen - wissen durchaus den gesamten Film mit positivem Leben zu füllen, auch wenn man ihnen natürlich noch manchmal anmerkt, dass sie (noch) nicht zur ersten Garde des US-Filmgeschäft zählen.

Man sollte sich hier nun aber auch nicht vorstellen, es hier mit einem Schocker zu tun zu haben, wie damals eben den vom Jugendschutz und den Gerichten recht grausam behandelten Film TANZ DER TEUFEL, der dann auch noch indiziert und beschlagnahmt wurde. Aber die Handlung weiß trotzdem durchaus gut zu unterhalten und einen gewissen Spannungsbogen zu bieten, der allerdings zwischendurch trotzdem ab und an ein wenig schwächeln kann. Für einen lockeren Filmabend reicht es aber durchaus, ohne das man sich nun Sorgen machen müsste, sich hier nun mit rund 94 Minuten übelstem Trash abgeben zu müssen. Da gibt es wahrlich Erstlingswerke im Genre, die man sich wirklich nur einmal im Leben antun sollte (oder dürfte, falls man nicht völlig masochistisch veranlagt ist). SOUL TO KEEP - DEIN LETZTES GEBET gehört allerdings definitiv nicht in diese negative Kategorie, so das man durchaus nach einer gewissen Zeit auch hier gerne mal wieder auf die betreffende DVD oder BD zurückgreifen dürfte.

Man sollte sich allerdings durchaus klar darüber sein, dass man hier eben nicht mit überhöhten Hoffnungen auf neue oder überraschend innovative Ideen trifft. Wie bereits gesagt, SOUL TO KEEP - DEIN LETZTES GEBET erfindet das Rad in Sachen Horror nicht neu, sondern greift vielmehr aus der Fülle der bereits bekannten Möglichkeiten das heraus, was die eigene Handlung eben positiv voranbringt, aber auch dem schmalen Budget angemessen ist.

Soul to Keep - Dein letztes GebetMeine Filmkritik:
Man kennt das ja. Das Cover des Films spricht einen irgendwie an und der angefügte Einleitungstext zur Handlung macht einen darüber hinaus auch noch neugierig. Trotzdem hadert man erst einmal eine gewisse Zeit, weil einem die Namen der Darstellerinnen und Darsteller einfach nichts sagen und alles irgendwie dann doch nach einer Billigproduktion aussieht. Und ja, auch bei SOUL TO KEEP - DEIN LETZTES GEBET findet man einen gewissen Trash-Faktor, der dieses ungute Gefühl eventuell dann noch zu bestätigen scheint.

Als gebranntes Kind scheut man da also schon mal davor zurück, hier mit beiden Händen direkt zuzugreifen. Denn wirklich üble Machwerke sieht man sich dann gezwungener Weise schließlich auch nur einmal wirklich im Leben an (es sei denn, man vergreift sich gerade im Vollrausch). SOUL TO KEEP - DEIN LETZTES GEBET  ist daher, was die Handlung betrifft, keine wirkliche Überraschung. Trotzdem weiß der Film, seine Handlung, die Mühe bei der Umsetzung und die darstellerischen Leistungen durchaus so weit zu gefallen, so das der Film an sich auch nicht als Fehlgriff zu betrachten sein dürfte. Man sollte natürlich die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Aber sie hängen eben auch nicht so wirklich Tief, dass man kaum noch darunter Limbo tanzen könnte.

Für ein Erstlingswerk mit recht geringem Budget hat man hier jedenfalls alles herausgeholt, was sich an realistischen Möglichkeiten geboten hatte. Wenn dann dabei auch noch ein Film herauskommt, der durchaus durchblicken lässt, dass man mit mehr Mitteln und Möglichkeiten auch noch mehr hätte herausholen können, dann ist dies auch schon mal ein positiver Wert an sich, den man nicht kleinreden sollte. Schließlich gibt es auch gestandene Filmemacher, die eventuell mit etwas mehr an Mitteln und Möglichkeiten trotzdem alles kläglich in den Sand setzen können.

Was auf dem Cover allerdings etwas stört, ist die Bezeichnung "Uncut", womit sich nur zu oft Filme schmücken, die recht billig abgedreht wurden, um sich damit zumindest noch etwas interessanter zu machen. Denn bei einem Film, der ungeschnitten eh schon mit einer FSK-16er-Freigabe daher kommt, wirkt dieser Vermerk auf dem Cover schon fasst etwas wie gewollt, aber dann echt nicht gekonnt.

Was SOUL TO KEEP - DEIN LETZTES GEBET betrifft, wurde ich jedenfalls für einen typischen Horrorfilm aus dem C-Movie-Bereich mit recht schmalem Budget und eher unbekannten Darstellern durchaus mal positiv überrascht, weshalb ich hier auch gerne bereit bin, vier von insgesamt fünf Höllenfliegen als Höchstbewertung zu vergeben.  Bei einer Empfehlung halte ich mich allerdings hier etwas zurück, zumal ich die hohen Ansprüche vieler Fans des Genre kenne. Man muss den Film auch nicht mit aller Gewalt gesehen haben, allerdings versaut man sich mit SOUL TO KEEP - DEIN LETZTES GEBET einen Filmabend aber auch nicht, sofern man seine Erwartungen auf einen gesunden Level einstellt.

Soul to Keep - Dein letztes GebetSoul to Keep - Dein letztes Gebet
(Soul to Keep)
mit Aurora Heimbach, Kate Rose Reynolds, Sandra Mae Frank, Jordan Theodore, Derek Long, Jessie Jordan, Brian Donovon, Annabelle Red, Craig Fogel, Conner McKenna, Amelia Sheeler, Tony Spitz u.a.
Regie: David Allensworth, Moniere Noor
Drehbuch: David Allenworth, Eric Bram
Produktion: David Allenworth, Moniere Noor, Patrick Kendall, Matt Meyer
Musik: Irv Johnson
Genre: Horrorfilm
Laufzeit: 94 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Lighthouse Film Entertainment
USA 2018

Kommentare  

#1 Friedhelm 2020-02-23 16:28
Zitat:
un muss man allerdings auch entschuldigend sagen, dass es sich bei diesem Horrorfilm auch um das filmische Erstlingswerk der Regisseure David Allensworth und Moniere Noor handelt,
Jo, und so wie sich das liest, haben die beiden wahrscheinlich dafür nicht mehr als ein Wochenende verbraucht - und hofften wohl auch -wie bereits viele andere vor Ihnen- mit diesem Filmchen einen ähnlichen Kracher landen zu können wie der gute Sam Raimi. Solche Versuche sind in den letzten Jahrzehnten ja nur selten erfolgreich gewesen - dafür gibt es bekanntlich etliche Beispiele.

Das wäre wieder so ein Ding, an dem ich "grusslos" vorbeiziehen würde. :-x
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#2 Laurin 2020-02-24 19:01
@ Friedhelm:
Ob die Produktion des Films an einem Wochenende gepackt wurde, kann ich nun nicht wirklich sagen, aber unter den vielen Nieten in der Taschengeldklasse ist der Film sogar noch ein kleines Schmuckstück.
Aber andererseits muss man ihn nun nicht unbedingt gesehen haben. Etwas besonderes verpasst du jedenfalls auch nicht wirklich. ;-)
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