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Ein Filmklassiker - Vom guten Weißen und der bösen Rothaut

Ein FilmklassikerFolge 34
Vom guten Weißen und der bösen Rothaut

In dieser Reihe DER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch mitunter manche Klassiker des Films tummeln. Wir werden hierzu einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. von manchen Actionfilmen über Western bis hin zu besonderen Romanzen einen Einblick gewähren werden. Manchmal muss man die rosarote Brille auch mal zur Seite legen.

Das Wiegenlied vom Todschlag (Soldier Blue)Das Wiegenlied vom Todschlag (Soldier Blue)
Wer nun behauptet, der Film DAS WIEGENLIED VOM TODSCHLAG sei nicht wirklich ein Filmklassiker, der mag hierbei nicht einmal so ganz Unrecht haben. Dieser Western hatte nämlich ein Handicap in Form eines anderen Western im gleichen Jahr mit ähnlicher Ausrichtung.

Hierbei handelt es sich um den Film LITTLE BIG MAN mit Dustin Hoffmann, der als Jack Crabb seit seiner Jugend zwischen den verschiedenen Kulturen der Siedler und der Indianer hin und her gerissen wird und in dem es ebenfalls um ein Massaker an Indianern geht. Beide Filme kamen im Jahre 1970 in die Kinos und beide Western könnte man auch im engeren Sinne tatsächlich als Anti-Western bezeichnen. Dies liegt daran, dass sie die Kulturlüge der USA über den heldenhaften Pioniergeist und der Rechtmäßigkeit der Handlungen des weißen Mannes in den USA mehr oder weniger offen in Frage stellen.

Die Landnahme und die Massaker an den Ureinwohnern, die nicht einmal als vollwertige Menschen betrachtet wurden, sind nämlich alles Auswüchse von schändlich zu bezeichnender Verbrechen der einfallenden Siedler und Soldaten an den rechtmäßigen Einwohnern, den Indianern und ihren verschiedenen Stämmen. Die Indianerstämme befanden sich nämlich geschichtlich eigentlich ständigst im Widerstandskampf für ihre Freiheit und ihre Kultur sowie Heimat, welche ihnen von den weißen Siedlern Meter um Meter gestohlen wurde. Einher ging dies dabei auch mit dem Versuch der systematischen Vernichtung ihrer Kultur und der extremen Einschränkung ihrer Freiheit.

Seit Menschen aus Europa nämlich das erste mal den Fuß auf das Land setzten, welches später die USA werden sollte, setzte auch die Landnahme ein und damit die Unterdrückung und Zurückdrängung der Ureinwohner des Kontinent. Im Grunde ist dieser in den USA so viel gelobte Pioniergeist nämlich nichts anderes als ein systematischer Landraub, einhergehend mit der ebenso systematischen Ausrottung ganzer Stämme der Ureinwohner. Man musste nur von Seiten der Siedler und der hinter ihnen stehenden Regierungen wie Engländern oder Franzosen in Europa (und später nach der Unabhängigkeit der Kolonien) das Verbrechen schlicht zum Recht umändern.

In den Kinos mag da dann der Film LITTLE BIG MAN die Kassen weitaus heftiger klingeln gelassen haben, was wohl auch an dem Schauspieler Dustin Hoffmann gelegen haben dürfte, doch was die eigentliche Aussagekraft angeht, dürfte LITTLE BIG MAN für mich persönlich die wohl schlechtere Version sein. Regisseur Arthur Penn legte seine Version zwar eher wie einem Monumentalfilm an, dämpfte jedoch die ernste Thematik eher durch die durchgängig gebotene satirische Zuspitzung, was dem Film an sich nicht immer gut zu Gesicht stand. Was also den Erfolg an den Kinokassen angeht, dürfte LITTLE BIG MAN hierbei wohl eher den Status eines Filmklassiker beanspruchen können. Dies allerdings nur an den Einspielergebnissen fest zu machen und die wohl wichtigere Aussagekraft zu vernachlässigen, macht für mich daher noch lange keinen Filmklassiker aus. DAS WIEGENLIED VOM TODSCHLAG mag hiergegen an den Kinokassen weitaus schlechter abgeschnitten haben. Aber unter der Regie von Ralph Nelson hatte man zumindest den Mut, dem ungeschönten und irreführenden geschichtlichen Pathos der Pionierzeit einen entlarvenden wie offen grausamen Spiegel vorzuhalten und darüber hinaus auch Parallelen zu der gerade auf dem Höhepunkt stehenden, unmenschlichen Kriegspolitik der USA in Vietnam (z.B. das Massaker von My Lai) zu ziehen.

Das Wiegenlied vom Todschlag (Soldier Blue)Nelson, der Anspruch und die Reaktionen:
Ralph Nelson hatte zu diesem Zeitpunkt jedenfalls nie vorgehabt, einen der typischen Western zu drehen, die die Thematik mit offensichtlich aalglatter Art abhandelten. Zumeist ging es in gängigen Western nämlich um die bösen Indianer, die die friedlichen Siedler und/oder Farmer angriffen und niedermetzelten und wo ein verwegener Cowboy, Held oder Trapper den Kampf eben mit diesen schurkenhaften Ureinwohnern aufnimmt. Und oftmals kommen dann auch noch die Soldaten daher in ihren blauen Uniformen und kämpfen hart aber fair für die Rechte des weißen Mannes samt seinem Anhang. Als kleines Sahnehäubchen mit Kirsche gab es dann noch eine romantische Nebengeschichte dazu, oder/und man wedelte wie wild mit der stolzen Fahne des heldenhaften und aufopferungsreichen Pathos herum. Alles das hatte mit der Realität jedoch nicht wirklich immer etwas zu tun, wie es auch der Regisseur Ralph Nelson wusste.

Nelson hatte im Vorfeld allerdings auch schon den einen oder anderen Preis für seine bisherigen Arbeiten einfahren können. Als er jedoch den Nachfahren der Invasoren und Volksmördern mit DAS WIEGENLIED VOM TODSCHLAG die unangenehme Wahrheit auf die Leinwand brachte, hatte man ihn plötzlich nicht mehr so lieb wie vorher und so wurden nach der Aufführung des Films ihm gleich auch die verliehenen Preise direkt wieder aberkannt. Nelson hatte also scheinbar mit den drastischen Bildern des Überfall auf die Indianer in ein Wespennest aus gut gepflegten Geschichtslügen gestochen, was vielen nicht wirklich gefallen sollte.

Das Wiegenlied vom Todschlag (Soldier Blue)Die Wahrheit kann natürlich verdammt weh tun und in diesem Moment war es Ralph Nelson (Regie), John Gay (Drehbuch) sowie Gabriel Katzka und Harold Loeb (Produktion), die hier direkt in bisher unbekannten und brutalen Bildern einen Massenmord durch die Blauröcke aufzeigten und damit auch gleich dem Geschichtsbild der Lügen das Messer direkt im Herzen umdrehten.

Ralph Nelson hatte sich schließlich vorgenommen, hier nun das wahre Gesicht der Weißen gegenüber den Indianern ins richtige Licht zu rücken. Natürlich schwenkten auch Indianer nicht immer mit Friedenstauben um sich, doch wer wollte es ihnen verdenken? Schließlich raubte man ihr Land und ihre Lebensgrundlagen, drängte sie in Redervate ab und ließen ihre Alten, Frauen und Kinder im Blut ersaufen, wenn sie nicht spurten. Oftmals, wenn man also einen üblichen Western sah, musste man ja eigentlich fasst schon auf dem Standpunkt stehen, dass die "Rothäute" dann auf dem Kriegspfad waren, wenn sie vom Feuerwasser betrunken, oder von den Weißen mit selbigem nicht ausreichend beliefert wurden.

Der Sündenfall von Ralph Nelson lag schlicht darin, dass er in diesem Anti-Western die Indianer nicht als die Bösen vom Dienst vorführte, sondern die sich selbst ernannten Amerikaner Kriege führten und Blut vergossen um Stück für Stück das Land der Ureinwohner an sich zu reißen. Diese daher realistischen Eindruck durch drastische Bilder des Massakers umging der Film LITTLE BIG MAN, indem er die Grundaussagen durch die satirischen Einflüsse innerhalb der Handlung manchmal gar ein wenig ins Lächerliche zog. Zwar verfügt auch DAS WIEGENLIED VOM TODSCHLAG über einige Elemente, die den Zuschauer zum schmunzeln bringen konnten. Doch die blieben ausgesucht plaziert, so das sie nie die grundsätzlich kritische Sichtweise störend verwässerten.

Das Wiegenlied vom Todschlag (Soldier Blue)Der reale Hintergrund:
Der Film DAS WIEGENLIED VOM TODSCHLAG basiert hierbei durchaus nämlich auf einer wahren Geschichte der USA. Hierbei handelt es sich um das Massaker von 1864, wo die US-Kavallerie in Sand Creek (Colorado Territorium) ein ganzes Indianerdorf niedermetzelten. Rund die Hälfte der darin lebenden Ureinwohnern waren Frauen und Kinder von sowohl Cheyenne- als auch Arapaho-Indianern.

Die eigentliche Nacherzählung dieser Geschichte war indessen eingebettet in eine umfangreiche, allerdings auch rein fiktive Geschichte, welche sich um Aussagen von Überlebenden eines von Indianern angeblich verübten Massakers an Kavallerinsten rankt. Diese Behauptung konnte jedoch nie wirklich vergessen machen, dass es sich auch in Zukunft immer noch um ein schändliches Verbrechen der gewaltsamen Landnahme im Westen des Kontinents handelte und das die Soldaten sich bei dem Massaker an den Indianern schlimmer als die Tiere aufführten.

Der Film löste allerdings auch deshalb erheblich kontroverse Diskussionen aus, weil er gerade bei dem Überfall auf das Indianerdorf mit bis dahin ungewohnt drastischen Gewaltdarstellungen aufzeigte, mit welcher Menschenverachtung und purem Hass die Kavallerie vorging, indem sie selbst Frauen und Kinder bei lebendigem Leib verstümmelten, vergewaltigten und mordeten.

Doch kommen wir nun zum eigentlichen Überblick, was die Handlung des Film DAS WIEGENLIED VOM TODSCHLAG betrifft.

Das Wiegenlied vom Todschlag (Soldier Blue)Vom Anspruch, Vorurteilen und der erschreckende Realität:
Als es zu einem Überfall der Cheyenne auf einen Goldtransport kommt, finden rund 22 Soldaten während der Kampfhandlungen den Tod. Einzige Überlebende sind der junge Soldat Honus Gant und die junge Cresta Lee, die selbst einmal von Indianern verschleppt wurde und unter den Cheyenne gelebt hatte. Nun allerdings ist sie die Verlobte eines Armeeleutnants, den sie jedoch rein aus finanziellen Gründen zu heiraten gedenkt.

Nun versuchen sich Honus und Cresta weiterhin darin, sich zum Armeestützpunkt durchzuschlagen. Dabei kommt man sich zuerst nicht gerade viel näher, denn Cresta versucht aus ihren Erfahrungen bei den Indianern heraus, Honus davon zu überzeugen, dass die Lebensweise der Cheyenne und anderer Indianerstämme sogar moralisch höherstehend sei als das der Weißen. Damit trifft sie allerdings auf jede Menge Vorurteile von Honus gegenüber den Indianern, welcher jedoch in der Wildnis eher hoffnungslos verloren erscheint.

Das Wiegenlied vom Todschlag (Soldier Blue)Es dauert auch nicht wirklich lange und die beiden geraten auch noch in eine Auseinandersetzung mit den Kiowas, die Honus erst einmal im Kampf aus der Hose holen und späterhin einem windigen Waffenhändler, welcher Gewehre an die Cheyenne verkaufen will. Diese Lieferung an Waffen und Munition kann Honus zwar zerstören, wird aber durch den Waffenhändler Isaac B. Lemmert am Bein verwundet. Honus hat es hier wiederum Cresta zu verdanken, die ihn vor dem Waffenhändler in einer Höhle rettet, während der ihnen weiterhin nachstellt. Erst als Cresta hiernach den verletzten Honus pflegt, kommen sich die beiden mit ihren eigentlich ungleichen Sichtweisen näher.

 Da Cresta weiß, das sie und Honus niemals ein gemeinsames Leben führen können, lässt sie ihn in der höhle zurück und versucht sich alleine durch die Wildnis zu schlagen. Dabei wird sie jedoch von den Spurenlesern der Armee aufgegriffen, welche sich aufgemacht haben, eine Strafaktion gegen die Indianer durchzuführen. Hierzu zählt auch ihr Verlobter, den sie wegen des Geldes und kaum aus Liebe hätte heiraten wollen. Cresta setzt sich daraufhin ab um die Indianer vor den rachsüchtigen Soldaten zu warnen. Zwar versucht der Häuptling das schlimmste zu verhindern und reitet den Soldaten mit einer weißen Fahne entgegen, doch die verschließen alle Augen vor einem möglichen Friedensangebot und eröffnen mit Kanonen das Feuer auf das Dorf der Cheyenne. Während die marodierenden Soldaten danach das gesamte Dorf der Indianer dem Erdboden gleich machen, kommt es zu grausamen Morden, eiskalt ausgeführten Verstümmelungen und Vergewaltigungen an vielen Frauen und Kindern des eher hilflosen Stamm.

Nun erkennt auch Honus, der mittlerweile ebenfalls zu den Soldaten gestoßen ist in diesem Blutbad, wer die wirklichen Monster sind und protestiert aufs energischste. Doch statt ihm zuzuhören wird auch er gefangen genommen und von seinen eigenen Kameraden in Ketten gelegt. Die junge Cresta indessen wird mit den wenigen noch überlebenden Indianern dieses unmenschlichen Massakers abgeführt.

Das Wiegenlied vom Todschlag (Soldier Blue)Meine Filmkritik:
Ja, dieser Western, oder bleiben wir doch bei der besseren Bezeichnung - diesem Anti-Western - mag durchaus über einige Längen verfügen. Dies dürfte zumindest dann wirklich ins Auge fallen, wenn man sich nämlich einen herkömmlichen Western erhofft hatte, bei dem man auch gefahrlos mal das eigene Hirn abschalten kann.

Nur kann der Film DAS WIEGENLIED VOM TODSCHLAG wahrlich nicht mit diesen handelsüblichen Western über einen Kamm geschoren werden. Auch die Dialogpassagen dienen nämlich einem gewissen Zweck, der widerum darin liegt, sich Gedanken über fehlerhafte geschichtliche Überlieferungen hinsichtlich der Indianer und der jungen Zeit der späteren USA zu machen.

Hierbei scheut man sich dann auch nicht, in damals noch nie in einer solchen Offenheit gezeigten, blutigen Bildern aufzuzeigen, dass es eben nie den Tatsachen entsprach, wenn in diversen Western die Indianer bei einem Schuss einfach nur Tod vom Pferd gefallen sind und es sich ansonsten eher um Wilde handelte, welchen man eigentlich nie den Rücken zudrehen durfte, die sich ständig mit "Feuerwasser" betranken oder hinterhältig mordend durch die Prärie ritten. Genau dieses völlig falsche Geschichtsbild ist allerdings noch heute in den USA immer noch weit verbreitet und wurde durch Unmengen von Hollywood-Geschichtsverdrehungen, auch Western genannt, massiv über die Grenzen der USA transportiert.

Da der Film auch das eigentliche Grundthema nicht durch Unmengen von satirischen Versatzstücken faktisch überzieht, gebührt ihm nach meiner persönlichen Meinung weitaus mehr Beachtung als der im gleichen Jahr entstandene Film LITTLE BIG MAN, welcher von der Grundthematik ins gleiche Horn zu stoßen versucht, das Thema dann allerdings Massenkompatibel mitunter eher wieder um einiges verniedlicht.

Darstellerisch können in DAS WIEGENLIED VOM TODSCHLAG die Schauspielerinnen und Schauspieler ebenfalls alle positiv punkten. Herausragend hierbei Candice Bergen, die mit manchen Sprüchen und den Tischmanieren (gut, gegessen wurde am Lagerfeuer) das anfängliche Bild eines hübschen, sexy Blondchen erfolgreich gegen die Wand fahren durfte. Aber auch Peter Strauss gibt hier als pflichtbewußter, aber eher unerfahrener Soldat ein durchaus ansprechendes Bild ab. Als schmieriger Waffenhändler kann dann auch Donald Pleasence punkten, der mit der hübschen Zahnprotese für den Film zuerst allerdings etwas gewöhnungsbedürftig aussieht. Danach wechselte er ja eher in das Genre der Horrorfilme, wo er z.B. durch den Slasherfilm HALLOWEEN wirklich nachhaltig einem breiteren Punblikum bekannt wurde.

Schon aus diesem und einigen anderen Gründen mehr, hat für mich der Film DAS WIEGENLIED VOM TODSCHLAG die Bezeichnung "Filmklassiker" eben viel eher verdient. Da muss ich dann auch nicht lange um den heißen Brei reden und kann ihm auch ohne Wenn und Aber die vollen fünf von insgesamt fünf Punkten als Bewertung zusprechen.

Das Wiegenlied vom Todschlag (Soldier Blue)Auch was eine Empfehlung angeht, kann ich diesen Film nur jedem wärmstens ans Herz legen, welcher sich einmal von dem offensichtlichen Einheitsbrei an Western um ein völlig falschen Bild von Indianern und Weißen lösen möchte.

Gerade wegen den offen gezeigten Gewaltdarstellungen gerade im Bereich des letzten Viertel, hatte man diesen Anti-Western damals in Deutschland auch mit einigen diversen Kürzungen trotzdem mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren bedacht. Erst Jahre später hatte man offensichtlich die Wichtigkeit der Aussagekraft dieses Films erkannt und ihn deshalb auch auf eine Altersfreigabe von 16 Jahren herabgestuft.

Ausblick:
Kommen wir beim nächsten FILMKLASSIKER wieder mal zu einem Thema, welches auch meinen Blutdruck und meinen Greuel vor  offensichtlichen wie schamlosen Geschichtsfälschungen nicht so in höhere Wallungen bringt.

Der Held, um den es beim nächsten Filmklassiker geht, dürfte jedem eigentlich sehr bekannt sein. Selbst dann, wenn man eigentlich noch nie in seinem Leben auch nur eines seiner Abenteuer etwa gelesen oder gesehen haben sollte.

Für den Hauptdarsteller war dieser Held, den er auch in weiteren drei Fortsetzungen spielte, der eigentliche internationale Durchbruch. Einen Makel hatte dieser Film jedoch, weil er laut dem LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS sich nicht "zwischen Mystifizierung, Ironie und trickreicher Action [...] entscheiden kann". Da haben wir also mal wieder so einen Fall, wo ich es glatt mal schaffe, mit einer kritischen Aussage dieses "Lexikon" konform zu gehen. Müsste ich mir also mal wieder rot im Kalender anstreichen, kommt ja wahrlich selten genug vor.

Der Film selbst konnte bei einem Budget von mehr als 50 Millionen US-Dollar jedoch ein vielfaches wieder einspielen, auch wenn zum Beispiel Darsteller wie Arnold Schwarzenegger oder Patrick Wayne (ja, der Sohn von Western-Legende John Wayne) zwar für die Hauptrolle angedacht gewesen waren, am Ende aber die besagte Rolle nicht bekommen hatten. Aber Denkspiele sind ja erlaubt und bei diesem konkreten Denkspiel waren noch zwei weitere Größen aus Hollywood durchaus mit im Spiel gewesen.

Der Film fällt aber auch wegen einer anderen Besonderheit auf, denn es gibt sowohl eine Kino- wie auch eine Fernsehfassung. Und bei den Fernsehfassungen gibt es Langfassungen die über 180 Minuten lang sind und in den USA zumeist über zwei Abende über die Mattscheibe flimmern. In diesen Langfassungen wurde der Film allerdings noch nie auf Deutsch synchronisiert und selbst in den USA bekommt man auf (damals auch VHS) DVD, BD nur die Kinofassung, weil die TV-Langfassungen noch nie auf DVD oder BD (geschweige denn damals als VHS) auf den Markt kamen.

Der Held selbst gehört nun nicht wirklich zu meinen Lieblingen, wenn es denn mal um Helden aus einem bestimmten Berech der Phantastik geht. Doch links liegen kann man ihn deshalb natürlich nicht so einfach lassen. Am besten hat es allerdings bei diesem Helden der Schneider, denn wenn der Held sich in seine Abenteuer stürzt, trägt er (zumindest damals) zumeist über viele Jahre den gleichen Anzug. Da kann man also nicht viel in Sachen Mode verkehrt machen. Und wenn der Anzug dann doch vielleicht einmal kaputt gehen sollte (was eigentlich schon schwer genug sein sollte), dürfte man ja genügend Ersatz von der Stange haben. Zumindest hat es dieser Held jedoch geschafft, aus seinen sehr frühen Tagen den Weg aus den Kinderzimmern zu nehmen und zu einem kleinen Wahrzeichen in den USA zu werden, auch wenn er recht offensichtlich nicht in den USA geboren wurde.

Ich hoffe mal, ich habe nicht zu viel verraten und ihr strengt etwas das Köpfchen an beim raten und googelt nicht gleich wie wild los. Also lasst die Köpfe rauchen bis die Schwarte kracht ... wobei ich euch natürlich viel Spaß dabei wünsche.

Das Wiegenlied vom Todschlag (Soldier Blue)Das Wiegenlied vom Todschlag
(Soldier Blue)
mit Candice Bergen, Peter Strauss, Donald Pleasence, Dana Elcar, John Anderson, Bob Carraway, Jorge Rivero, Martin West, Mort Mills, James Hampton, Ralph Nelson, Aurora Clavell, Jorge Russek, Barbara Turner, Ron Fletcher u.a.
Regie: Ralph Nelson
Drehbuch: John Gay
Produktion: Gabriel Katzka, Harold Loeb
Musik: Roy Budd
Genre: Western
Laufzeit: 115 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Kinowelt
USA 1970

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Kommentare  

#1 Friedhelm 2018-09-01 01:03
Die Indianer sind bekanntlich die wahren Amerikaner - und es gibt ja auch so einige, ambitionierte Filme. Nun habe ich "Das Wiegenlied vom Todschlag" -einmal abgesehen vom Trailer- nie "wirklich genossen". Gleiches gilt fürArthur Penns "Little Big Man" , der irgendwann einmal imTV lief.

Dafür kann ich mich noch gut an John Fords "Cheyenne/Cheynne Atumn" erinnern,, einen viel älteren Film aus dem Jahre 1964 - der das Schicksal der amerikanischen Ureinwohner streift.

Zum Ausblick:

Es ist spät, ich bin müde, aber dieses Rätsel dürfte einfach zu lösen sein. "Ist's ein Flugzeug, ist's ein Vogel? Nein, es ist der Typ mit dem "S"auf der Brust und dem roten Spielhöschen..

Und was die Namen derer betrifft, die ihn damals spielen sollten, da waren dann auch noch James Caan und Clint Eastwood oder Robert Redford mit im Spiel.
Letztendlich hat man sich dann für den noch unbekannten Mr. R. entschieden. Damit sollte die Figur glaubwürdiger werden - ein Umstand, der -laut den Produzenten- mit einem bereits etablierten Superstar wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre: "Hey schau, da fliegt Robert Redford als Superman über die Leinwand.."
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#2 Postman 2018-09-01 08:04
Ich fand den Film schon immer wegen trotz des dämlichen Hauptdarstellers absolut empfehlenswert.

So stellt man sich meist den durchschnittlichen einfältigen weißen Amerikaner vor. Zumindest bläst er aber nicht ins gleiche Horn und hat seine Menschlichkeit bewahrt und verwehrt sich den Brutalitäten, was schon mal recht unüblich ist und dem Film über den Durchschnitt heraushebt.

Gerade weil man mit einem weiteren biederen amerikanischen Saubermann-Western rechnet, ist es um so schockierender, als die ersten blutigen Shotouts zu sehen sind.

Das Finale schockierte mich damals sehr (hatte den wohl mit 12 oder 13 gesehen), aber er zeigt nur dass was man oft heutzutage romantisieren will.

Darum kann ich auch mit der glorifizierten amerikanischen Westernromantik rein gar nichts anfangen, da sie meist verschweigt, dass die Indianer Zug um Zug beseitigt wurden. Was die Waffen nicht fertigbrachten, hat man mit Krankheiten oder dem Abschlachten von Büffeln geschafft.

Die Amerikaner führen sich selbst heute noch wie die Axt im Walde auf, da die helleren Köpfe meistens in den östlichen und westlichen Ballungszentren sitzen und auf dem flachen Land oder im Süden eher die fanatischen Kirchen- und Waffenjünger zu finden sind. Darum kann auch einer wie Trump dort heutzutage Präsident werden ...
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#3 Laurin 2018-09-01 11:46
@ Friedhelm:
Zitat:
"Nun habe ich "Das Wiegenlied vom Todschlag" -einmal abgesehen vom Trailer- nie "wirklich genossen". Gleiches gilt fürArthur Penns "Little Big Man" , der ja irgendwann einmal imTV lief. "

Wie gesagt, ich kann dir diesen Film nur wärmstens empfehlen. "Little Big Man" hatte ich das erste mal auch im Fernsehen gesehen. Als ich ihn bei einem Bekannten das zweite mal sah, war mir dann wirklich klar, dass er seinem Anspruch aber leider nicht wirklich gerecht wurde.

In Sachen "Ausblick" haust du ja mal wieder voll ins Schwarze. "Ist es ein Flugzeug? Ist es ein Vogel oder ist es Omas altes Unterkleid?" Ja, auch Superhelden müssen sich dem Spaß mal aussetzen. :lol:

@ Postman:
Ich stimme dir da in allen Punkten zu. Gerade das, was du hier in der Kürze deines Kommentar so treffend herausgearbeitet hast, macht den Film "Das Wiegenlied vom Todschlag" so empfehlenswert und in meinen Augen auch wichtig.
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#4 R. Windeler 2018-09-01 17:05
Joe Hembus (1933 – 1985), sowohl als Filmkritiker wie auch als Kundiger in Sachen Western-Geschichte von unbestreitbarem Renommeé, war der Film nur ein kurzes und knappes Urteil wert. Bezug nehmend auf den Verleih-Slogan „Der härteste Film der Welt“ schrieb er in seinem famosen Western-Lexikon: „Die Härte des Films, das heißt die ausführliche und detaillierte Darstellung des Massakers, wird weder von seinen moralischen noch von seinen formalen Qualitäten gedeckt.“
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#5 Postman 2018-09-01 17:51
zitiere R. Windeler:
Joe Hembus (1933 – 1985), sowohl als Filmkritiker wie auch als Kundiger in Sachen Western-Geschichte von unbestreitbarem Renommeé, war der Film nur ein kurzes und knappes Urteil wert. Bezug nehmend auf den Verleih-Slogan „Der härteste Film der Welt“ schrieb er in seinem famosen Western-Lexikon: „Die Härte des Films, das heißt die ausführliche und detaillierte Darstellung des Massakers, wird weder von seinen moralischen noch von seinen formalen Qualitäten gedeckt.“


Und was soll uns dass sagen?
Jeder soll sich doch sein eigenes Urteil dazu bilden.

Darum werden auch solche Massaker verharmlost oder ganz vergessen.
Jeder denkt man drückt mal kurz ab und als Beteiligter macht man dann einfach so weiter. Von den vielen traumatisierten, vergewaltigten oder verstümmelten Menschen spricht oder hilft man nur ungern, denn dies erinnert zu deutlich an die Bestie Mensch die er manchmal ist.

Man erinnere sich nur an das "Lexikon des Horror-Films" aus dem Hause Bastei, in welchem zwei deutsche Autoren (einer schrieb oder schreibt sogar bei Maddrax mit) noch zu Zeiten ohne Internet ihre Unfähigkeit Filme zu beurteilen auf Papier zur Schau gestellt hatten und damit zum Gespött in der Filmszene wurden.

Da kam fast kein Goreklassiker gut weg, obwohl der Blutgehalt eines Filmes rein gar nichts über die Qualität aussagt. Das kommt dabei heraus, wenn man reine Logiker oder alternativ gesagt Männer ohne Eier auf solche Filme loslässt.

Filme sind wie ein Gemälde und manche sind einfach stumpf um alles aufzunehmen oder das Gesehen im Kopf weiterzuspinnen. Viele Klassiker wollte man schon in der Entstehungszeit verbieten, glücklicherweise sind viele solcher Filme mittlerweile oft rehabilitiert und weltweit anerkannt.
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#6 Laurin 2018-09-01 22:58
Nun ja R. Windeler, es kommt mir immer etwas spanisch vor, wenn Leute, denen man ein gewisses Fachwissen zuschreibt, etwas nur mit einem "kurzen und knappen Urteil" bewerten. Mag auch sein, dass er sich (wer auch immer Joe Hembus war, ich habe bisher zumindest noch nie etwas von ihm vernommen, was aber auch nichts heißen mag), in "Western-Geschichte" auskennt, was immer das jetzt sein mag? Ich gehe mal davon aus, dass hiermit das Filmgenre gemeint ist, denn ansonsten hätte es Geschichte der Vereinigten Staaten heißen müssen. Und wenn dem so ist, mag ihm die Darstellung gegen den Strich gegangen sein, was aber seine persönliche Meinung nur eben kurz und knapp widerspiegelt.
Das eine Antwort so knapp ausfiel mag auch daran liegen, dass er sich nicht unbedingt tiefere Gedanken über das gesehene gemacht haben könnte, sondern nur seiner Abneigung geschuldet war. Das besagte Zitat von Joe Hembus hatte ich indessen durchaus bei Wikipedia ebenfalls gelesen, findet aber bei mir im Artikel deshalb keine Berücksichtigung, da die Kritik in der eigentlich inhaltlich nicht wirklich etwas ausgesagt wird, an sich eben eher auf eine persönliche Befindlichkeit oder Abneigung gegenüber der Darstellung im Film hindeutet. Ein typischer Saubermann-Western war DAS WIEGENLIED VOM TODSCHLAG schließlich nicht und sollte es auch durchaus bewusst nicht sein.
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#7 Grubert 2018-09-01 23:31
Da denkt (bzw dachte) Joe Hembus schon etwas komplizierter. In seinem Western Lexikon konnte er sich schon aus Platzgründen mit vielen Filmen nur kurz befassen. Aber in diesem kurzen Satz steckt tatsächlich eine ganze Menge drin, für mich beschreibt er tatsächlich fast den ganzen Film. Aber letztendlich ist das natürlich auch nur eine Meinung.

Ich stimme ihm da übrigens in diesem Fall komplett zu. Soldier Blue ist auch für mich einer der schwächeren Indianer Western aus den frühen 70ern, und da hier schon der Vergleich mit Penns Little Big Man gezogen wurde, den halte ich für den weitaus komplexeren und auch differenzierteren Film zum Thema, und vor allem für den weitaus besser inszenierten. Wobei Penn allerdings auch noch ganz andere Absichten hat als nur die Darstellung der Indianerproblematik, sein Film ist auch eine umfassendere Abrechnung mit allgemeinen Western Mythen

Kritische Indianerwestern wurden damals sehr viele gedreht, und letztendlich gab es auch schon in den 50ern eine Reihe von Western die sich mit der Vernichtungspolitik der Weißen auseinandersetzten (aber natürlich nicht mit so drastischen Bildern). Da hatte Soldier Blue absolut nichts neues zu bieten. Das einzig halbwegs Neue waren halt die graphischer dargestellten extremen Grausamkeiten. Aber ich finde das Little Big Man da mit einer einzigen Szene (in der Hoffmans Indianer-Frau mit Kind erschossen Wird) verstörender ist als das gesamte ausführliche Schlußmassaker von Soldier Blue.

Penn hatte übrigens, nach seinem Gewaltklassiker Bonnie and Clyde, für Little Big Man bewußt auf übermäßig viel Filmblut verzichtet.
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#8 Laurin 2018-09-02 15:36
Zitat Grubert:
"Aber letztendlich ist das natürlich auch nur eine Meinung."
Genau das ist der Punkt. Es handelt sich um eine Meinung. Die bleibt jedem natürlich unbenommen.
Decken muss sie sich mit einer anderen Meinung allerdings auch nicht (und tut es auch nicht). Da ich beide Filme kenne (also auch LITTLE BIG MAN), gebe ich dir aber hier recht, dass Penn hier auch eine Abrechnung mit den allgemeinen Western Mythen über die Frage der Indianer hinaus schaffen wollte.
Was aber explizit die Frage der Indianer und den Umgang mit ihnen angeht, so gelingt dies meiner Meinung nach Penn wiederum nur eher unzureichend und wirkt manchmal in diesem speziellen Punkt eher sogar verniedlichend auf mich.
Aber wie gesagt, dies sind Meinungen und keine Gesetzmäßigkeiten wie man es aus dem Kommentar von R. Windeler etwas herauslesen könnte (aber eben auch nicht muss).
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