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SHERLOCK HOLMES

Kino mit Ingo

SHERLOCK HOLMES

Seinen Ruf erwarb sich Sherlock Holmes dadurch, dass er selbst die kniffligsten Kriminalfälle löst. Mit seinem unerschütterlichen Partner Dr. John Watson kommt der berühmte „beratende Detektiv“ flüchtigen Verbrechern auf die Spur, indem er sich auf seine unschlagbare Beobachtungsgabe ebenso verlässt, wie auf seine erstaunlichen Schlussfolgerungen und die Kraft seiner Fäuste. Derzeit braut sich über London allerdings ein Sturm zusammen, der selbst Holmes gefährlich werden könnte … Doch genau solche Herausforderungen sind ganz nach seinem Geschmack.


Holmes (Robert Downey jr.)Watson (Jude Law)Nach einer Serie brutaler Ritualmorde gelingt es Holmes (Robert Downey Jr.) und Watson (Jude Law) im letzten Moment, ein weiteres Opfer zu retten und den Mörder zu stellen: Es ist Lord Blackwood (Mark Strong), der keinerlei Reue zeigt. Obwohl Blackwoods Hinrichtungstermin immer näher rückt, terrorisiert er seine Mitgefangenen und Wärter damit, dass er offenbar mit übernatürlichen Mächten im Bunde steht. Blackwood warnt Holmes und behauptet, dass der Tod ihm nichts anhaben kann, ja, dass der Tod am Galgen sogar zu seinem Plan gehört.

 Und tatsächlich sieht es so aus, als ob Blackwood mit seinem Versprechen Recht behält: Seine augenscheinliche Auferstehung versetzt London in Panik und stellt Scotland Yard vor ein Rätsel. Doch damit, so Holmes, „hat das Spiel erst begonnen“.

Holmes und Watson versuchen Blackwoods tödliches Komplott zu vereiteln und geraten dabei ins Reich der schwarzen Magie und verblüffender technischer Apparate – oft hilft nur die Logik, um sich in diesem Labyrinth des Verbrechens zu behaupten … aber auch der eine oder andere rechte Haken erweist sich als durchaus nützlich.

SHERLOCK HOLMES spielt im London des Jahres 1890, als die Stadt noch der Mittelpunkt der Welt zu sein schien: Neue Techniken ermöglichten den Fortschritt der Menschheit, in rasantem Tempo ersetzten neue Erfindungen das Hergebrachte. Aber neben den prestigeträchtigen Hochglanzprojekten ist das London der 1890er-Jahre auch ein Morast, in dem alle kriminellen Elemente der damaligen Gesellschaft versickern. Dadurch wird die Stadt zum idealen Betätigungsfeld für Sherlock Holmes.

Für Regisseur GUY RITCHIE war ROBERT DOWNEY JR.  als Titelheld der Schlüssel seiner neuen Interpretation von „Sherlock Holmes“.

„Ich halte Robert für den perfekten Holmes.  „Er ist zwar Amerikaner, beherrscht den englischen Akzent aber vollkommen – er wirkt einfach international. Auch Robert ist auf seine Art ein Genie. Er ist äußerst smart und schlagfertig – es gelingt ihm ohne Schwierigkeiten, eine Figur wie Holmes zu verkörpern, ohne dass das künstlich oder aufgesetzt wirken würde.“  (1)

Holmes’ ungewöhnliche Schrullen und sein verhaltener Idealismus schlugen in dem Schauspieler eine besondere Saite an.

 „Er ist ein Archetyp. Er wirkt fast wie ein Mönch: Er hat ein klares Ziel vor Augen, seine Moral wird durch seine Entschlossenheit und seine Taten bestätigt. Wenn er sich einmal nicht durch eine kreative Aufgabe inspiriert oder motiviert fühlt, kann er in einen Zustand verfallen, in dem er drei Tage lang kaum ein Wort spricht. Doch wenn er gefordert wird, mobilisiert er ungeheure Energieströme, die fast übermenschlich sind. Er sagt: ‚Nichts regt mich mehr an als ein Fall, bei dem alles schief läuft.‘ Und das Besondere an ihm ist letztlich seine leidenschaftliche Neugier und seine Fähigkeit, nicht nur die Augen aufzumachen sondern die Details auch richtig zu interpretieren.“   (2)

Doch Holmes wäre nicht Holmes, hätte er nicht Watson an seiner Seite, der ihm den Weg ebnet und als treuer Freund unterstützt. Wie bei Holmes hatten die Filmemacher das Gefühl, dass Dr. Watson in den Büchern viel dynamischer wirkt als in den bisherigen Kino- und TV-Verfilmungen.

„Watson wurde manchmal als eine Art tollpatschiger Trottel dargestellt, der sich deutlich von Holmes’ überragendem Genie absetzt. Dabei ist das gar nicht so. Watson spielt eine viel bedeutendere Rolle. Die beiden sind ein echtes Team.“  (3)

In mancher Hinsicht war die Besetzung des Dr. Watson durch JUDE LAW genauso entscheidend wie Downey als Holmes.

„Sobald wir Jude besetzt hatten, konnten wir uns überhaupt nicht mehr vorstellen, dass jemand anderer den Watson spielt. Ich wollte einen attraktiven Watson: Er soll keineswegs unterwürfig oder zweitklassig sein, sondern ebenfalls ein Held, der Holmes auf Augenhöhe begegnet. Ich bin überzeugt, dass Conan Doyle sich diese Art Beziehung vorgestellt hat.“  (4)

Jude Law hatte die Geschichten über Holmes und Watson schon als Kind gelesen und wunderte sich entsprechend, wie wenig von Watsons Potenzial bisher ausgeschöpft worden ist.

 „Er hat einen grausigen Krieg mitgemacht, hat schreckliche Dinge erlebt und körperlich gelitten. Aufgrund dieser militärischen Erfahrungen wollte ich ihn etwas formeller, als Vollprofi darstellen, während Holmes eher unkonventionell, exzentrisch und amateurhaft auftritt. Und Watson läuft ihm durchaus nicht trottelig hinterher, er springt genauso mitten ins Geschehen und rennt Holmes manchmal sogar voraus  (5)

Gleich als Downey und Law sich kennen lernten, begannen die beiden Schauspieler ihre intensive Zusammenarbeit, die sich in ihren Darstellungen niederschlägt.

„Robert und Jude sind gute Freunde geworden. Man spürt auf der Leinwand deutlich, wie gut sie harmonieren. Fast telepathisch stellen sie eine Übereinstimmung her und erreichen so eine Dynamik, die ihre Partnerschaft trägt.“  (6)

Homes (Downey) und Watson (Law) Doch die erfolgreiche Partnerschaft zwischen Holmes und Watson wird überraschend auf die Probe gestellt, als Watson sich in Mary Morstan (KELLY REILLY) verliebt und sie heiraten will.

„Mary liebt Watson sehr, und sie bewundert Holmes, der sich von ihr aber irgendwie bedroht fühlt. Er ist überzeugt, dass Watson nach seiner Hochzeit wegziehen und damit die Partnerschaft gefährden wird … und damit könnte er Recht haben.“  (7)

Holmes ist erschüttert, denn Watson ist fest entschlossen, mit Mary ein neues Leben zu beginnen.

„Holmes ist ein Eremit und konzentriert sich ganz auf seine detektivische Arbeit. Er glaubt nicht an die Liebe, weil sie seine Arbeit beeinträchtigen könnte. Er hält nichts von der Ehe oder sonst übliche Beziehungen zu Frauen – dazu ist er zu unkonventionell.“  (8)

Holömes und Irene Adler Doch die Ausnahme der Regel heißt Irene Adler. Die Amerikanerin aus New Jersey reist viel und ist in ihrer Unverfrorenheit ihrer Zeit weit voraus. Selbst mit den Gesetzen nimmt sie es nicht sehr genau. Irene taucht in den Sherlock-Holmes-Geschichten zwar nicht oft auf, spielte aber eine sehr denkwürdige Rolle in Conan Doyles Kurzgeschichte „A Scandal in Bohemia“ (Skandal in Böhmen) als die einzige Frau, die Holmes jemals übertroffen hat.

Die Rolle von Holmes’ großer Liebe und Achillesferse besetzten die Filmemacher mit RACHEL McADAMS. 

„Rachel überzeugte mich als die ideale Irene. Sie spielt sie mit einer fantastisch harmlosen Fassade, hinter der sich eine Schlange mit höllischen Absichten verbirgt. Man kann ihr wirklich nicht trauen: Sie lächelt sogar noch, wenn sie jemandem das Messer an die Kehle drückt. Ihre Sanftmut ist eine Maske, die sie einsetzt, um sich in dieser Männerwelt zu behaupten.“   (9)

Während Irene Holmes ablenkt, stellt sie für ihn gleichzeitig ein Puzzle dar, das sich durchaus mit seinen Profi-Fällen vergleichen lässt. Und der Profi in ihm muss sich voll und ganz auf Lord Blackwood konzentrieren. Blackwoods ursprüngliche Verbrechen – offensichtliche Ritualmorde an jungen Frauen – haben Holmes kaum herausgefordert, doch Blackwoods augenscheinliche „Auferstehung“ von den Toten ist für Holmes ein perfekter Fall.

Mithilfe des Spiritualismus stilisiert sich Blackwood selbst zu einem mächtigen Herrn der Finsternis, der die Mächte des Bösen einsetzen will, um die Weltherrschaft an sich zu reißen.

„Im späten Viktorianismus interessierte man sich intensiv für das Spirituelle. Zu jener Zeit gab es Leute wie Aleister Crowley und Rasputin, die sich dem Okkulten verschrieben und es blendend verstanden, den Menschen einzureden, dass sie über die Kräfte aus dem Jenseits gebieten konnten. Holmes findet es außerordentlich spannend, jemanden wie Blackwood zu entlarven.“  (10)

Im Film wie in den Büchern bewähren sich Holmes und Watson in handfesten Auseinandersetzungen, und ihre Fähigkeiten werden immer wieder auf die Probe gestellt. Holmes ist in den Martial Arts versiert, eine Fertigkeit, die er mit dem Hauptdarsteller und mit dem Regisseur von „Sherlock Holmes“ gemeinsam hat, denn auch Downey und Ritchie praktizieren Martial Arts seit etlichen Jahren. Gemeinsam entwickelten sie Holmes’ ganz persönlichen Kampfstil.

„Doyle nennt es in den Romanen Baritsu, was aus dem Jujitsu-Hybrid des 19. Jahrhunderts mit dem richtigen Namen Bartitsu entstand. Entwickelt hat ihn Edward William Barton-Wright. Guy hat sich persönlich für Jujitsu entschieden. Ich praktiziere Wing Chun Kung Fu. Daraus entwickelten wir für unseren Film eine eigene Kombination von Martial-Arts-Stilen.“ (11)

Watson mit Revolver Auch Watson kann sich in einer Schlägerei behaupten – nicht weil ihm das gefällt, sondern weil er keine Wahl hat. Entsprechend prügelt er im Vergleich zu Holmes’ elegantem Kampfstil einfach drauf los.

„Watson ist es gewohnt, im Nahkampf sein Leben zu verteidigen. Sein Stil ist viel offener, aber durchaus nicht weniger effektiv als Holmes’ Methode. Tatsächlich denkt Holmes oft viel zu lange über die beste Schlussfolgerung nach, während Watson mit allem um sich schlägt, was ihm unter die Finger kommt  (12)

Kameramann Philippe Rousselot setzte die Kamera und die Beleuchtung ein, um die Kämpfe möglichst körperlich und unmittelbar zu gestalten.

„Guy gestaltet den Film so, als ob die Zuschauer mitten im Geschehen wären.Ein gutes Beispiel dafür ist der Kampf im Punch Bowl. Er legte größten Wert auf jedes Detail, vom kleinsten Schweißtropfen bis zur körperlichen Reaktion des Widersachers auf jeden Treffer, aber auch auf die Bewegungen und Balgereien in der Zuschauermenge  (13)

Guy Ritchie setzt diese Sequenzen auch ein, um Holmes’ Gedanken während des Kampfes zu analysieren. Er und Rousselot benutzten bei diesen blitzartigen Momentaufnahmen eine digitale Hochgeschwindigkeitskamera namens Phantom, mit der man extreme Zeitlupeneffekte erzielen kann.

„Das Phantom kann eine Sekunde bis zu 40, 50 Sekunden ausdehnen. Kamera speichert in kürzester Zeit sehr viele Bildinformationen – die perfekte Methode, um zu illustrieren, wie Holmes’ Verstand arbeitet. Er kann ungeheuer viel Information in den Bruchteil einer Sekunde komprimieren.“  (14)

Bei einer entscheidenden Action-Sequenz auf einem mehrere Stockwerke hohen Set, für das Teile der Tower Bridge nachgebaut wurden, probte Ritchie unter Anleitung von Oram, Henson und Kampf-Coordinator Richard R. Ryan sehr ausführlich mit den Darstellern. Um die chaotischen Kämpfe in diesen Szenen wirkungsvoll zu gestalten, bemühte sich Ritchie um eine Mischung aus einstudierten Bewegungen und Spontaneität.

Sherlock Holmes’ London sollen die Zuschauer quasi anfassen können – deshalb zeigt Guy Ritchie die Stadt am Scheideweg zwischen der Vergangenheit und dem beginnenden neuen Zeitalter – eine riesige, düstere Metropole, in der sich kühne neue Gebäude gegen die alten durchsetzen.

Für alle Filmabteilungen gab es die Vorgabe: Das Design sollte sich möglichst authentisch an der damaligen Realität orientieren, aber gleichzeitig einen neuen, originellen Blick auf Holmes’ Welt ermöglichen.

„Unser Holmes wirkt zerknittert und ungepflegt. Man hat das Gefühl, dass er seine Kleidung achtlos auf die Erde wirft, wenn er sie nicht mehr braucht, und wenn er sich wieder anzieht, dann sucht er sich das aus einem Haufen zusammen. Ein Beispiel: Bei dem Essen mit Watson und dessen Verlobten trägt Holmes einen Smoking, aber Hemd und Krawatte sitzen nicht ganz so, wie es sich gehört. Seine Kleidung wirkt ein bisschen so, als ob sie aus einem Secondhand-Laden stammt.“
„Aus den Büchern wissen wir und auch im Film erleben wir, dass Holmes sich manchmal wochenlang in seiner Wohnung verkriecht, auf dem Sofa liegt und gar nichts tut. In einer solchen Situation wird er wohl nicht gerade gepflegt aussehen.
“
(15)

In auffälligem Kontrast zu Holmes kleidet sich Watson untadelig und schick, makellos und sehr elegant. Als ehemaliger Soldat, der vor Kurzem aus dem Krieg in Afghanistan zurückgekehrt ist, lässt seine Kleidung auf seinen Militärdienst schließen.

„Dicker Harris-Tweed lässt Watson sehr solide wirken – er steht mit beiden Beinen auf der Erde. Seine Anzüge mit Weste sind von Braun- und Blautönen geprägt, und er trägt einen kantigen Bowler, der angemessen männlich wirkt und sehr gut zu Watson passt.“  (16)

Auch bei Irene Adlers Kostümen geht es um die Details. Beavan benutzte authentische Vorlagen aus dem 19. Jahrhundert, um sie dann mit einer besonderen Note zu versehen.

„Der Schnitt und die Muster entsprechen der damaligen Zeit, aber ich beschloss, durch die Farbe starke Akzente zu setzen – auffälliges Rosa und Blau –, um sie besonders hervorzuheben.“ (17)

Produktionsdesignerin Sarah Greenwood schuf mit ihrem Team einen Look für die Sets, der absolut authentisch wirkt. Die größte Herausforderung für das Produktions-Design-Team bestand in der gewaltigen Bandbreite des Films. Diese ungeheure Bandbreite bewältigte man durch die Verwendung von Originalschauplätzen, durch besonders für den Film eingerichtete Sets in Großbritannien und im Computer generierte Bilder. Dann wechselte das Team nach New York City, um im Studio die Szenen auf den größeren Innensets des Films zu drehen.

„Guy ist es gewohnt, an Originalschauplätzen zu filmen, und gestaltet das sehr effektiv. Es bringt eine Menge, wenn man draußen dreht. Aber es ist in vieler Hinsicht auch komplizierter, weil man die Locations absperren muss etc. Doch was die Größe und Dimension der Schauplätze angeht, gewinnt man ungeheuer viel, vor allem, wenn es sich um eine Metropole wie London mit ihrer überall präsenten historischen Dimension handelt.“  (18)

Kelly Reilly Die Filmemacher drehten an Schauplätzen in London, Liverpool und Manchester, um das London wieder auferstehen zu lassen, wie es Ende des 19. Jahrhunderts ausgesehen hat.

Im Film bewegen sich Holmes und Watson durch alle Ebenen der Londoner Gesellschaft – von den schmutzigen Industriegebieten bis zur formalen Pracht. Der Film beginnt in den dunklen Winkeln der Kirche St. Bartholomew the Great aus dem 12. Jahrhundert, wo Holmes und Watson den bösen Blackwood stellen, um den brutalen Ritualmord an einer jungen Frau zu verhindern.

Weitere berühmte britische Gebäude in diesem Film sind St. Paul’s Cathedral; der Reform-Club, einer der ältesten und berühmtesten Privatclubs der Stadt (in dem Conan Doyle sogar Mitglied war); das alte Marine-College in Greenwich; Somerset House mit Blick über die Themse; und der Brompton-Friedhof in Kensington, wo der einzige Zeuge von Blackwoods Auferstehung seine bestürzende Aussage macht.

Eine der aufwändigsten Sequenzen – die Verfolgungsjagd durch ein in Betrieb befindliches Schlachthaus des 19. Jahrhunderts – findet in einem nicht mehr verwendeten Lagerhaus im Londoner East End statt, wo Greenwood mit ihrem Team ein überzeugendes, brutales Labyrinth aus beweglichen Maschinen aufbaute. Das gesamte Set wird geprägt von Messern, Sägen und riesigen Haken, die an Ketten von der Decke hängen.
Im Zuge ihrer Ermittlungen geraten Holmes und Watson in ein provisorisches Labor, wo Blackwoods Mitarbeiter Luke Reordan, gespielt von Oran Gurel, geniale und seltsame Experimente durchführt. Ein Gebäude in den Londoner Spitalfields wurde in eine sichtbare Ausformung von Reordans abartiger Psyche verwandelt: Gekritzelte Anmerkungen und lateinische und hebräische Bibelzitate sind an die Wände gepinnt, Kruzifixe und heidnische Amulette hängen von der Decke, überall liegen sezierte Frösche und Ratten herum.

Eine ausgedehnte Kampf- und Verfolgungssequenz beginnt in Reordans Labor und wird auf der anliegenden Werft fortgesetzt, wo gerade ein riesiges Schiff gebaut wird. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung bekommen es Holmes und Watson mit Blackwoods hünenhaftem Helfershelfer Dredger zu tun, der von dem Schauspieler und Profi-Wrestler Robert Maillet gespielt wird.
Dieses große Set wurde auf den Chatham Historical Docks am Stadtrand von London gebaut. Das Bauteam konstruierte die linke Seite des originalgroßen Schiffs, das 70 Meter lang und fünf Meter hoch war, wobei der fünf Meter lange Mittelteil sogar eine Höhe von zehn Metern hatte. In der Endfertigung wurde das Schiff mithilfe von Computereffekten noch weiter erhöht.
Mark Strong (Lord Blackwood) Zur Anfertigung der Bauteile waren fünf Wochen nötig, und weitere fünf Wochen brauchte das Team, um sie am Chatham-Set zusammenzusetzen. Dabei arbeitete Greenwoods Team eng mit der Abteilung für Spezialeffekte zusammen, denn es ging darum, zusammenbrechende Laufstege, ruckelnde Plattformen und hölzerne Balken mit Sollbruchstellen für die Dreharbeiten gleich mit einzuplanen.

Nach Abschluss der Dreharbeiten in Großbritannien reiste das Team über den Atlantik, um in den Studiohallen der Marcy Avenue Armory in Williamsburg/Brooklyn/New York weiterzuarbeiten. In dieser riesigen Halle entstanden drei wichtige Sets: der Dachboden über der Punch Bowl, die Innenräume von Sherlock Holmes’ Wohnung in der Baker Street Nr. 221B sowie ein Teil der berühmten Londoner Tower Bridge, wie sie in der Bauphase 1890 aussah.
Der Dachboden über der Bar Punch Bowl, wo Holmes an Boxkämpfen mit bloßen Fäusten teilnimmt, ist eng und schmutzig – hier meditiert Holmes, während er versucht, dem Geheimnis von Lord Blackwood auf die Spur zu kommen.
Ein weiteres bedeutendes Set sind Holmes’ Privatgemächer in der Baker Street 221B – sie gehören zu der Wohnung, die er sich mit Watson und der gemeinsamen Haushälterin Mrs. Hudson (GERALDINE JAMES) teilt.

Zeitgenössische Möbel, Vorhänge und viele Einrichtungsgegenstände, die man auf Flohmärkten, in Antiquitätenläden und Leihhäusern fand, wurden von England nach New York verschifft, um die Räume der Wohnung in der Baker Street einzurichten.

„Alle Requisiten haben wir aus England mitgebracht, weil sich der britische Viktorianismus deutlich vom amerikanischen Viktorianismus unterscheidet. Dieser ganz besondere Stil ist nur noch schwer zu finden.“  (19)

Das chaotische Durcheinander der Wohnung entspricht Conan Doyles Beschreibung von Holmes’ schlecht organisierten Gewohnheiten, aber auch dem genialen, komplexen Verstand des Detektivs.

Bücher mit Eselsohren, Zeitungen, orientalische Gemälde und Teppiche, unbezahlte Rechnungen, Landkarten von Großbritannien, Anatomiezeichnungen, ein Tigerfell als Vorleger, halb gegessene und dann vergessene Mahlzeiten finden sich in Holmes’ Privatgemächern – ganz zu schweigen von Watsons recht tolerantem Hund Gladstone. Entsprechend seinem Beruf finden sich dort auch Perücken, Schnurrbärte und falsche Nasen für seine Verkleidungen, außerdem ein gepolsterter Pfosten, an dem Holmes seine Martial-Arts-Übungen macht.

„Das sind nur Kleinigkeiten, aber für ihn sind sie sehr wichtig. Erst durch diese Details fühle ich mich auf diesem Set richtig wohl. Zu seinem Beruf gehört es nun mal, dass er viel Zeit allein verbringt, aber wenn er nicht angeregt wird, empfindet er das schlimmer als den Tod. Also bietet die Baker Street hoffentlich alles, was ihn davon abhält, sich zu Tode zu langweilen.“   (20)

Watsons Praxis befindet sich ebenfalls in der Baker Street und wurde als Studioset gebaut: Im Gegensatz zu Holmes’ Räumen herrscht dort Ordnung, die Arztdiplome hängen an den Wänden neben Patriziergemälden, Kerzenhaltern in Form von Schwertern, und die medizinische Ausstattung ist sauber aufgereiht.

Nicht alle Studiosets stellen Innenräume dar. Das mit Abstand größte Set war der Schauplatz der Kampfsequenz auf dem Höhepunkt des Films: die Tower Bridge. Heute zählt sie zu den Wahrzeichen von London. Den Namen erhielt sie vom Londoner Tower, der sich am nördlichen Ende der fast 250 Meter langen Brücke befindet und auch das Design der beiden 60 Meter hohen Brückenpfeiler beeinflusst hat. 1890 befand sich die Tower Bridge noch im Bau, die Stahlkonstruktion und Laufstege waren noch ganz den Elementen ausgesetzt, was der abschließenden Auseinandersetzung im Film einen faszinierenden und unberechenbaren Schauplatz verschafft.

Das Tower-Bridge-Set wurde vor einer Greenscreen errichtet, mit deren Hilfe man später durch visuelle Effekte das Panorama der Stadt und der Themse des Jahres 1890 einfügen konnte.

„Mithilfe der modernen Technik können wir dem damaligen London im Film sogar eine Hauptrolle geben. Die Umgebung wirkt ganz real. Mit unserem hervorragenden Team haben wir hoffentlich ein historisches London geschaffen, wie es so noch nie auf der Leinwand zu sehen war.“  (21)

Das letzte fehlende Element war Hans Zimmers Musik, die die dramatische Handlung, die Verspieltheit, Action und Intrigen untermalt.

„Die Story ist sehr vielschichtig, stellt viele Figuren vor, sodass wir musikalisch eine große Bandbreite von Themen in den Film einbringen können.“  (22)

Sherlock Holmes
DARSTELLER
ROBERT DOWNEY JR.
als Sherlock Holmes 
JUDE LAW  als Dr. John Watson 
RACHEL MCADAMS  als Irene Adler 
MARK STRONG  als Lord Blackwood 
EDDIE MARSAN  als Inspector Lestrade 
ROBERT MAILLET  als Dredger 
GERALDINE JAMES als Mrs. Hudson 
KELLY REILLY  als Mary Morstan
WILLIAM HOUSTON als Constable Clark 
HANS MATHESON  als Lord Coward 
JAMES FOX  als Sir Thomas Rotheram 
WILLIAM HOPE  als Ambassador Standish 
CLIVE RUSSELL  als Captain Tanner

DER STAB
Regie:
GUY RITCHIE
Drehbuch: MICHAEL ROBERT JOHNSON, ANTHONY PECKHAM, SIMON KINBERG
Produktion: JOEL SILVER, LIONEL WIGRAM. SUSAN DOWNEY, DAN LIN
Ausführende Produzenten: MICHAEL TADROSS,  BRUCE BERMAN
Co-Produzent: STEVE CLARK-HALL
Kamera: PHILIPPE ROUSSELOT, AFC, ASC
Szenenbild: SARAH GREENWOOD
Schnitt: JAMES HERBERT
Musik:  HANS ZIMMER
Kostüme:  JENNY BEAVAN
Sherlock Hoömes
Deutscher Kinostart: 28. Januar 2010
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

www.SherlockHolmes-DerFilm.de

(1) Guy Ritchie
(2) Robert Downey Jr.
(3) Guy Ritchie
(4) Guy Ritchie
(5) Jude Law
(6) Joel Silver
(7) Kelly Reilly
(8) Lionel Wigram
(9) Guy Ritchie
(10) Lionel Wigram
(11) Robert Downey Jr.
(12) Robert Downey Jr.
(13) Philippe Rousselot
(14) Guy Ritchie
(15) Lionel Wigram
(16) Jenny Beavan
(17) Jenny Beavan
(18) Steve Clark-Hall
(19) Innenausstatterin Katie Spencer
(20) Robert Downey Jr.
(21) Lionel Wigram
(22) Hans Zimmer

Kommentare  

#1 Harantor 2010-02-02 00:05
Uns erreichte folgende Anfrage:

ich hab da mal eine nicht ganz einfache frage zu dem neuen sherlock holmes film..ich bin auf der suche nach einem buch was in der filmszene (wo er im hauptquatier des ordens ist und erfährt das lord blackwood der sohn des obersten ist) scherlock holmes gereicht wird .. könnt ihr mir sagen aus welcher zeit diese aufzeichnungen und bilder sind oder welches buch das sogar sein könnte...oder wo ich ähnlichen dargestellte aufzeichnungen und bilder finden könnte

abgebildet auf den bildern in dem buch was scherlock holmes in der hand hielt war zum beispiel 1x ein pentagramm, 1x 2 engel und im hintergrund ein teufel...usw.

ich würd mich wahnsinng freuen wenn ihr mir helfen könntet.


Wer kann helfen?
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#2 Pisanelli 2010-06-08 14:06
Boh, ich habe die DVD gestern gesehen und bin doch relativ enttäuscht - da habe ich mir ja wesentlich mehr erwartet.
Aber dieser Sherlock Holmes war nur schlechter angezogen. Die Actionszenen war guter Durchschnitt, aber nichts Besonderes. Die Story an sich war schwach, da gibt es bessere Filme im Genre: Vidoq etwa.
Das einzige, was mir gefiel, waren die Dialoge und ein wieder mal unverschämt gut aussehender Jude Law ;-)
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