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Auf dem Weg ins Desaster? - Norma Feye »Himmelfahrt« (Orion Space Opera 6)

0Auf dem Weg ins Desaster
Norma Feye »Himmelfahrt« (Orion Space Opera 6)

"Erfolg unwahrscheinlich, Überlebenschancen gering, Einsatzgebiet unbekannt. Der freiwillige Rettungstrupp ist es gewöhnt, alles auf eine Karte zu setzen und dennoch nach Hause zu kommen.
Sich ohne Vorbereitung ins Abenteuer zu stürzen, ist aber nur Selbstmördern zu empfehlen. Als sich die wenigen sicher geglaubten Fakten in Luft auflösen, wird den Helden klar: Dieses Mal haben sie überreizt." (Klappentext)

HimmelfahrtEs geht nahtlos weiter
Die Expedition in unerforschte Bereiche war bisher nicht besonders erfolgreich. Immerhin ist man nunmehr auf eine fremde Hochzivilisation gestoßen. Norma Feye liefert mit "Himmelfahrt" ihren zweiten Beitrag zur O.R.I.O.N. Serie ab. Sie schließt nahtlos an die Ereignisse von Band 5 "Schwarzauges Schergen" von Guido Krain an. Der Erstkontakt auf dem Planeten Hellhole war ein Fiasko. Das Ergebnis: Tausende von toten Eingeborenen und einige per Transmitter entführte Besatzungsmitglieder. Cody Callahan, der Kommandant der EOS, kann zunächst nicht mehr tun als darauf hoffen, dass das Rettungsteam um Oberst Robert Lovington, das ebenfalls durch den Transmitter gegangen ist, etwas erreichen kann. Und da gibt es noch die junge Zaquin, die die Leute von der EOS ihrerseits gewissermaßen gefangen genommen haben. Kann und wird sie Hinweise auf den Aufenthaltsort der vermissten Menschen liefern? Cocuny, wie die junge Dame heißt, steht ganz unter dem Bann der religiösen Indoktrination, die in allen Fremden Dämonen sieht. Doch mit viel Geduld gelingt das scheinbar Unmögliche. Die EOS bekommt Hinweise auf das Heimatsystem der Fremden.

Unterdessen stößt das Rettungsteam auf Quitan, dem Hauptplaneten der Fremden, auf heftigen Widerstand. Nur mit Mühe gelingt es sich in die Unterwelt gigantischer Tempelanlagen zu retten. Aber wie soll es weitergehen? Dann gibt es eine überraschende Wendung. "Die Suchenden", eine Untergrundbewegung innerhalb der Zaquin, nimmt Kontakt zu Lovington und seinen Leuten auf. Mit ihrer Hilfe gelingt es sogar, die Entführten aufzuspüren und zu befreien, jedenfalls diejenigen, die noch am Leben sind. Sehr zum Ärger von Zsunva, der Oberbefehlshaberin der Zaquin, die auf die Vernichtung der Eindringlinge aus ist. Einige der Zaquin entschließen sich sogar, ihren Planeten zu verlassen und mit den Menschen zu gehen.

Als die Eos das System der Zaquin erreicht, kommt es zu einer dramatischen Zuspitzung. Es gelingt, Kontakt zu den Vermissten herzustellen. Ein riskanter Rettungsplan wird entwickelt. Während die Eos die Schiffe der Zaquin beschäftigt, soll ihr Beiboot, die Aquila, die eigenen Leute aufnehmen, die sich mittels gestohlener Gleiter vom Planeten lösen sollen. Das ganze ist höchst riskant, jede Verzögerung kann das Ganze scheitern lassen. Und Zsunva ist auch noch nicht geschlagen. Obwohl sie ihr Flaggschiff verloren hat, stellt sie sich an die Spitze der Verteidigungsstreitkräfte.

Dramatik
Einige Zitate mögen schlaglichtartig die Stimmung gegen Ende des Bandes beleuchten:

"Es gelang mir nicht, meinen Sturz zu verlangsamen, ich rutschte, über dem Abgrund hängend, Stück um Stück weiter. Als ich mich nur noch mit den Fingerspitzen an die Kante klammern konnte, gelang es mir, mich für einen Moment zu bremsen. "Skye!" Über mir tauchten die Gesichter von Roger und Vincent auf. Sie mussten mich schreien gehört haben. Ich sah ihre Angst und ihre ausgestreckten Hände. die nach mir griffen - und rutschte ab, ehe sie mich erreichten. Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. ... Lautlos begann die Zeit wieder zu laufen. Immer schneller ging es abwärts. Dann war es vorbei." (S.205)

"Als sich die Ersten von ihnen durch die Spalte zwischen Schott und Wand schoben, sah Vincent ihnen einfach nur entgegen. Bewusstlosigkeit drängte auf ihn ein und verengte mit ihrer bedrohlichen Dunkelheit sein Sichtfeld. Seine überaktiven Sinne beruhigten sich. Die Farben verschwanden, die Geräusche verstummten. Als der Zaquin vor ihm die Waffe hob und die Mündung auf seinen Kopf richtete, erlebte Vincent zum ersten Mal Stille." (S. 217)

"Schlagartig wurde es in der Zentrale der Eos dunkel. Gleichzeitig schien die Faust eines Riesen das Schiff herumzureißen. Die Kontrollen der Trägheitsdämpfer schlugen Alarm. Keine Sekunde später schrillten weitere los. 'Schirme durchschlagen', rief eine hektische Stimme. Der Kommandant konnte nicht erkennen, wessen es war. 'Schwere Schäden in Sektor vier. Graviton vier, sieben und zehn ausgefallen, Askalon-Moderator ionisiert, Hauptreaktor überladen, Dissonanzschirm zusammengebrochen', sekundierte Rene mit eisiger Ruhe über das Akkustiksystem der Brücke. 'Laterale Partikelkanonen sind zum Teufel gegangen! Zielerfassung reagiert nicht!' schrie Cox." (S.236)

"Dort, wo vor dem Treffer und dem Blackout die Aquila gewesen war, glüht jetzt nur noch eine langsam zerfasernde Explosionswolke." (S.237)

Fazit
Norma Feye lässt es in "Himmelfahrt" so richtig krachen. Es beginnt mit Kämpfen in der Tempelanlage und endet mit einer dramatischen Flucht und einer Raumschlacht im planetaren Raum. Zwischendrin gibt es durchaus auch ruhigere Passagen, wie die Kontaktaufnahme mit den Suchenden oder die Gespräche mit Cocuny an Bord der Eos. Norma Feye gelingt es auch, die Gesellschaft der Zaquin jenseits von Schwarz/Weiß Klischées zu beschreiben. Die stark hierarchisch gegliederte Kultur hat mit der Vielehe einen Weg gefunden, mit dem Ungleichgewicht der Geschlechter umzugehen. Für mich fraglich bleibt, ob wirklich so viele der Besatzungsmitglieder gestorben sind, wie es den Anschein hat. Jedenfalls wird es nicht ganz einfach sein, im Folgeband "Friedhof der Assassine" von Guido Krain eine nachvollziehbare Begründung für ihr Überleben zu finden.
Himmelfahrt
Himmelfahrt
O.R.I.O.N. Space Opera Bd. 6
von Norma Feye
Cover und Illustrationen: Shikomo
240 Seiten
ISBN 978-3-95810-009-1
Euro 14,90
Arunya 2017

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