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Ein Selbstversuch - »Weltkrieg«

WeltkriegEin Selbstversuch
»Weltkrieg«

C. Bekker "Feuerbrunst". Die Luftwaffe in der Luftschlacht über Deutschland 1942-1944 - Weltkrieg Erlebnisberichte Flieger Nr. 52
Über den Nachfolger des Landser wurde hier im Zauberspiegel einiges gemutmaßt. Harte Fakten waren aber Mangelware. Also habe ich einmal einen Selbstversuch gestartet und mir aufs Geradewohl einen Band aus der großen Palette von Erlebnisberichten herausgegriffen.

FeuersbrunstEher zufällig bin ich dabei auf das Thema Luftkrieg gestoßen, mit dem ich mich im Rahmen einer historischen Ausstellung schon einmal befasst habe.

Dieser Band überrascht mich schon zu Beginn mit folgendem Zitat:

"Es gibt keinen wie auch immer gearteten Grund , der es rechtfertigen würde, auch nur ein einziges menschliches Leben in einem Krieg zu opfern!
Dies allen politischen, religiösen und rassistischen Fanatikern der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zur Mahnung.
Nur die Landesverteidigung (Art. 115a Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland; Art. 9a des Bundesverfassungsgesetzes der Republik Österreich; Art. 58 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft) als Akt der Notwehr ist akzeptabel." (S.4)

Der Autor
C. Bekker entpuppt sich im Impressum als Cajus Bekker. Dahinter verbirgt sich laut Wikipedia der deutsche Journalist und Marine-Schriftsteller Hans Dieter Berenbrok. Die biografischen Daten lauten: *12.August 1924 in Düsseldorf, † 10.März 1975. Er verfasste Mitte der 50er Jahre ein Werk über die Kriegsmarine, dass von der Adenauerregierung im Rahmen der Wiederaufrüstung an Jugendörfer und Jugendheime kostenlos verteilt wurde, um unter Jugendlichen den Boden für die Akzeptanz der Bundeswehr zu bereiten. Seit 1955 war er Lektor und Redakteur für das angesehene maritime Programm im Gerhard Stalling Verlag (Oldenburg/Hamburg).

Bibliografie:

  • „Kampf und Untergang der Kriegsmarine. Ein Dokumentarbericht in Wort und Bild", Hannover 1953, 278 S.
  • "... und liebten doch das Leben. Die erregenden Abenteuer deutscher Torpedoreiter, Froschmänner und Sprengbootpiloten", Hannover 1956, 236 S.
  • "Radar - Duell im Dunkel. Dramatische Höhepunkte der wissenschaftlichen und technischen Kriegsführung", Oldenburg/Hamburg 1958, 352 S.
  • "Ostsee - Deutsches Schicksal 1944/45. Der authentische Bericht vom letzten Einsatz der Kriegsmarine", Oldenburg/Hamburg 1959, 319 S.
  • "Die versunkene Flotte. Deutsche Schlachtschiffe und Kreuzer 1925-1945", Oldenburg/Hamburg 1961 (Bildband)
  • "Flugzeugträger - Giganten der Meere", Oldenburg/Hamburg 1962 (Bildband)
  • "Angriffshöhe 4000. Ein Kriegstagebuch der deutschen Luftwaffe", Oldenburg/Hamburg 1964, 484 S.
  • "Verdammte See. Ein Kriegstagebuch der deutschen Marine." Oldenburg/Hamburg 1971
  • "Das große Bildbuch der deutschen Kriegsmarine", Oldenburg/Hamburg 1972

Bekker soll seine Bücher nicht als "wissenschaftliche Seekriegswerke" verstanden haben, sondern seine Aufgabe in der Vermittlung "der Leistungen der deutschen Flieger und Marinestreitkräfte" gesehen haben.

Angriffshöhe 4000. Ein Kriegstagebuch der deutschen LuftwaffeDas Buch
"Angriffshöhe 4000. Ein Kriegstagebuch der deutschen Luftwaffe" erschien erstmals 1964. Bis 1972 gab es allein vier Auflagen im Gerhard Stalling Verlag. Bei Amazon findet man aber noch vier weitere Ausgaben. Die erste ebenfalls 1964 im Verlag Buch und die Welt. Bei Naumann und Göbel gab es eine weitere Buchausgabe, die leider nicht datiert ist. Im Bechtermünz Verlag erschien dann 1998 noch eine Buchausgabe. Ebenfalls 1998 gab es eine Buchausgabe im Urbes Verlag Hamburg.

Es existieren auch verschiedene Taschenbuchausgaben. Aus dem Jahre 1992 stammt eine Ausgabe von Weltbild. Im Jahr 1999 erschien eine TB-Ausgabe bei Heyne. Auch der Pavillon Verlag brachte dann 2003 eine Taschenbuchausgabe. Umfasste die erste Buchausgabe noch 484 Seiten, so waren es im TB zuletzt nur noch 380.

Dazu kommen noch etliche fremdsprachliche Ausgaben. So habe ich beispielsweise zwei englischsprachige Ausgaben aus den Jahren 1968 (Doubleday) und 1994 (Da Capo Press) und eine französische Ausgabe von 1966 (Albin Michel) bei Amazon gefunden. Ich denke, eine intensivere Suche könnte noch mehr zutage fördern.

Selbst wenn man berücksichtigt, dass die diversen Buchausgaben mit Abbildungen versehen sind, bleibt die Tatsache, dass die sechzig Seiten des Romans kaum den gesamten Originaltext umfassen können. Im Impressum heißt es denn auch: Quelle: C. Bekker, Angriffshöhe 4000. Da der Autor selbst schon lange tot ist, muss es einen ungenannten Bearbeiter geben. Vielleicht ist der Text auch einfach nur in mehrere Teile aufgespalten worden. Als Band 43 der Reihe Flieger ist nämlich C. Bekker, "Adlertag". Die deutsche Luftwaffe in der Schlacht um England erschienen. Und Band 45 stammt ebenfalls von C. Bekker. "Im Bombenhagel". Deutsche Kampfflieger über der Ostfront 1941-43 heißt der Titel.

Angriffshöhe 4000. Ein Kriegstagebuch der deutschen LuftwaffeDas Thema
Inhaltlich geht es in diesem Band um die "Luftschlacht über Deutschland". Er umfasst den Zeitraum von 1942 - 1944, wobei sporadisch auch noch Einzelheiten aus dem Jahr 1945 präsentiert werden. Im Kern konzentriert sich der Text auf die deutschen Nachtjäger, die sich in dieser Zeit mit den immer größer werdenden hauptsächlich britischen Bomberflotten Kämpfe lieferten. Es geht um die allgemeine Strategie, um die Taktik der Luftkämpfe und um technische Einzelheiten und Erfindungen. Dazwischen gestreut werden aber auch immer kurze Sequenzen aus der Erinnerung beteiligter deutscher Flieger, deren Erfolge auch immer wieder aufgezählt werden (Abschüsse). Es wird der Eindruck vermittelt, dass die Niederlage der deutschen Luftwaffe nicht am Unvermögen oder am mangelnden Einsatzwillen der Soldaten gelegen hat, sondern auf Fehlentscheidungen von Hitler und der NS-Führung zurückzuführen ist, die der Luftwaffe und den technischen Entwicklungen nicht das notwendige Verständnis entgegen brachten. Die Perspektive der Kriegsgegner wird nur selten gestreift, meist wenn es um die alliierte Strategie geht.

Hier einmal zur Illustration ein paar kurze Textbeispiele:

"Fragend sieht Professor Wilhelm Emil 'Willy' Messerschmitt seinem Chefpiloten entgegen. 'Sie ist wirklich wundervoll', strahlt Wendel, 'ich war noch nie auf Anhieb so begeistert von einem neuen Muster." (Zur Me 262 V-3) (S.34)

"Das Geheimnis der schlagartigen Störung aller deutschen Radargeräte: Die Silberpapierstreifen mit Tarnnamen in England "windows", in Deutschland "Düppel" genannt, sind genau auf die halbe Wellenlänge der 'Würzburg'-Geräte zugeschnitten. Sie reflektieren die Suchimpulse der deutschen Nachtjagd- und Jägerleitgeräte besonders gut. Millionen winziger Echos werden auf die Bildschirme geworfen. Das ist Nebel, hinter dem sich die Bomber verbergen." (S.20)

"Berühmte Nachtjäger fielen: Major Prinz zu Wittgenstein und Hauptmann Manfred Meurer bereits am 21. Januar 1944 - der Prinz, nachdem er kurz vor seinem eigenen Abschuß durch eine 'Mosquito' noch fünf britische Bomber vernichtet hatte. Brillantenträger Oberst Helmut Lent stürzte nach 110 Luftsiegen ab, als ihm beim Landen ein Motor ausfiel. Zusammen mit seiner Besatzung fand auch er den Tod" (S.63f)

"Die Messerschmitts hängen 1.000 Meter über den 'Fliegenden Festungen'. Sie machen jede Kursänderung mit. Dann werfen sie. Dicht hintereinander. Ziehen in einer Linkskurve hoch, um nicht in die Explosionswirkung der eigenen Bomben zu fliegen. Die Bomben haben Zeitzünder. Es kommt darauf an, die Entfernung Jäger-Bombe und damit den Flugweg der Bombe richtig einzuschätzen. Das kann nur über den Daumen gepeilt werden. Deshalb zeigen viele Bomben keine Wirkung. Sie liegen zu weit hinten. Oder sie fallen durch den Verband und explodieren zu tief. Plötzlich aber blitzt es mitten unter den Boeings auf. Feldwebel Fest hat einen Volltreffer erzielt! Nein, nicht nur einen. Drei B 17 'Fortress' scheinen in der Luft stehenzubleiben. Sie knicken zusammen. Flächen wirbeln durch die Luft. Dann stürzen sie mit langen Rauchfahnen. Am Himmel segeln ungezählte Fallschirme." (S. 26f)

Weitere »Goodies«
Der Roman enthält auf Seite 2 eine Biografie von Oberst Hermann Buchner. Dieser Jagdflieger gehörte zu den ersten Düsenjägerpiloten und war nach dem Zweiten Weltkrieg in der österreichischen Luftwaffe tätig. Anscheinend befindet sich hier eine Rubrik Ritterkreuzträger. Auf der vorletzten Seite befindet sich die farbige Zeichnung eines Staffelkapitäns und auf der Rückseite die Zeichnung einer Me 262 A-2 "Sturmvogel" mitsamt der technischen Daten.

Meine Gedanken
Hier ist also ein mehr als 50 Jahre alter Titel, der erstmals in einem renomierten maritimen Verlag erschienen ist und später u.a. auch bei Heyne im Programm stand. Auch wenn der Text aus dem Jahre 1964 stammt, so sind die Fakten und technischen Einzelheiten zum Luftkrieg immer noch zutreffend. Die im Roman angewendete Methode Faktenschilderungen mit kurzen Erlebnisberichten zu vermengen (Oralhistorie) ist schon länger gebräuchlich. Damit lassen sich der Alltag und die Motive der geschilderten Flieger - hauptsächlich geht es ja um die deutschen Flugbesatzungen - gut herausarbeiten. Auffällig ist, dass das auch angeschnittene Thema der englischen Bomberstrategie - Bombardierung von Wohngebieten - nüchtern abgehandelt wird. Anders als im Dritten Reich wo die Propaganda diese als "Terrorangriffe" brandmarkte und damit den Volkszorn anzustacheln versuchte. Die Perspektive der Kriegsgegner wird ansonsten weitgehend ausgeblendet. Eine Einordnung in den großen Gesamtkontext des Zweiten Weltkrieges wird bestenfalls auf militärischer Ebene vorgenommen.

Anhand nur eines Bandes kann man natürlich nicht allgemein über eine Reihe urteilen. Für den vorliegen Band aber lässt sich sagen: Rechtsextremes Gedankengut sieht anders aus - siehe nur das Eingangszitat. Für Pazifisten ist der Band dennoch gänzlich ungeeignet. Die deutschen Flieger werden als tapfere Verteidiger der Zivilbevölkerung in den bombardierten Städten präsentiert. Bedient wird sicher auch das in den fünfziger Jahren gängige Bild. Schuld an allem Übel sind nur die bösen Nationalsozialisten, die Soldaten der Wehrmacht dagegen haben lediglich ihre Pflicht erfüllt (und die Heimat verteidigt).

Interessant wäre es auch zu wissen, ob das hier angewandte Verfahren, einen älteren Buchtext zu stückeln und auf Romanlänge einzukürzen, eine Ausnahme darstellt oder bei WELTKRIEG häufiger zur Anwendung kommt.

Vielleicht finden sich ja noch andere Leute, die mal einen Selbstversuch mit WELTKRIEG wagen, und wir bekommen so ein differenzierteres Bild des LANDSER-Nachfolgers.

Kommentare  

#1 Harantor 2018-08-04 00:01
Wer einen Selbstversuchen machen will, ist herzlch willkommen. Vielleicht mit einem Roman, der zuvor extra als Landser geschrieben wurde. Vielleicht geben diese Romane mehr Aufschluss
#2 Des Romero 2018-08-04 06:12
Deutschland muss sich wieder für den Krieg rüsten; Jugendliche bereit sein, ihr Leben auf den globalen Schlachtfeldern zu lassen. Das meint nicht nur der ehemalige Bundespräsident Gauck, sondern auch die Bundeswehr. Sie wirbt an Schulen, auf Volksfesten und auf Plakaten mit Krieg und erreicht Millionen. Angesichts solcher Auswüchse mutet es grotesk an, in einer Abenteuerserie, die lediglich einige tausend Leser erreicht, nach vermeintlich rechtsextremen Inhalten zu forschen. Der Rechtsextremismus ist in Deutschland schon lange nicht mehr das große Problem.
Zitat:
Es gibt keinen wie auch immer gearteten Grund , der es rechtfertigen würde, auch nur ein einziges menschliches Leben in einem Krieg zu opfern!
Dieses Zitat aus den Weltkriegsromanen sollten sich unsere "Volksvertreter" einmal zu Herzen nehmen.

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