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PHANTASTIKA 2017 Oberhausen - Guter Bulle - Böser Bulle

Zauberwort - Der Leit(d)artikelPHANTASTIKA 2017 Oberhausen
Guter Bulle - Böser Bulle

Ein Spiel "Guter Bulle - Böser Bulle" hat für den "Guten Bullen" den Sympathievorteil. Er ist lieb, bietet eine Zigarette oder einen Becher Kaffee an, schmeichelt und findet nette Worte. Für Horst eine ungewohnte Rolle. Der "Böse Bulle" hingegen muss in seiner Rolle in die andere Richtung übertreiben, auf den Tisch hauen, den Verdächtigen verbal am Revers packen und schütteln, er macht sich unbeliebt.

Für Bettina eine eher unliebe Rolle, die Horst ja bekanntermaßen eher liegt. Während jedoch der "Gute Bulle" unter Umständen den langweiligeren Part in einem solchen Spiel übernimmt, darf der "Böse Bulle" aus sich herausgehen.

Die PHANTASTIKA am 02.-03. September 2017 bietet sich für das Spiel "Böser Bulle - Guter Bulle" förmlich an. Sie formulierte über sich selbst: Im wahrsten Sinne bietet PHANTASTIKA großen Spaß für die ganze Familie und jedem einzelnen Mitglied einer solchen! 

Bettina: Es war das erste Mal, dass die PHANTASTIKA als Event in dieser Form durchgeführt wurde. Es war kein Con, es war kein Spektakulum, kein Markt, keine Messe, kein ... die Macher kündeten es an als "eine bunte, professionell organisierte Veranstaltung, die als Stargast die Phantastik bietet". Das war das, was sie wirklich eingelöst haben - den Teil mit dem Stargast. Bunt war es tatsächlich, wenn auch in einigen Teilen nur oberflächlich lackiert. Und professionell organisiert ... naja.
Mich bewegt - Spiel hin oder her - Boshaftigkeit hin oder her - wieviel "Welpenschutz" eine solche Veranstaltung für sich beim ersten Mal beanspruchen darf. Ein Indoorspielplatz für Phantasten, eine Veranstaltung, die mit professionell formulierten Texten Werbung für sich macht, die fast 20 Euro Eintritt dafür verlangt, dass man in Hallen entlangflanieren kann, die mit (Merchandise-)Verkaufsständen gefüllt sind, nochmal extra Beträge für Workshops bezahlen muss, wo Schauspieler ... äh ... Schauspieler? Da war einer, oder? Klar muss eine solche Veranstaltung im Vorfeld schon ein bisschen auf die Kacke hauen, damit überhaupt zahlende Gäste kommen, aber welchem Anspruch muss dann eine entsprechend professionell aufgezogene Veranstaltung auch genügen müssen?
Horst Hermann: Um das berühmte Zitat um Superman zu paraphrasieren: Is es ein Con? - Ist es eine Messe? ... Es ist die PHANTASTIKA! Im Grunde - so schien es mir - will man von verschiedenen Veranstaltungsformen das Beste nehmen, um eine Bühne zu schaffen, auf der sich das Phantastische, eben die Phantastik, präsentieren kann. Das ist auch gelungen. Es fanden sich Verlage und Aussteller, die die Phantastik präsentierten.
Sie, die PHANTASTIKA, hat das erste Mal stattgefunden. Wie ich bereits schrieb: Wäre sie perfekt gewesen, wäre was schief gelaufen. Jede Veranstaltung, die das erste Mal über die Bühne geht, kann einfach nicht perfekt laufen. Es werden ganz automatisch Fehler gemacht, Dinge laufen schief, und so manches im Ablauf hakt. Das ist völlig normal und gehört zum Prozess der Entwicklung von allen möglichen Dingen, eben auch der PHANTASTIKA.
Also war diese erste PHANTASTIKA im Grunde eine Genralprobe, die zeigte, wo noch Stellschrauben bewegt werden müssen. Auch deshalb war/ist es nötig, nicht nur das Tolle hervorzuheben (was beibehalten werden soll/muss), sondern auch und gerade Schwachstellen (gefühlte, vermeintliche, echte) hervorzuheben. Dabei gilt es aber gerade für den guten Bullen Milde walten zu lassen und nach den mildernden Umständen zu suchen.
Daher sage ich mal: Die Veranstalter haben das angepackt, was vorher absehbar war. Dass dann im Endergebnis nicht alles geklappt hat und manches nicht ausgereift (aka professionell) wirkte, liegt eben in der Natur der Sache.
Welpenschutz für die PHANTASTIKA? Klar! Aber zugleich muss das Justieren fürs kommende Jahr beginnen. Aber auch das traue ich Veranstaltern um Mike Hillenbrand zu.


Bettina: Mit 18 Euro Eintritt bewegt sich die PHANTASTIKA wohl im mittleren Feld solcher Veranstaltungen, und ein höherer Eintrittspreis wäre IMHO auch ehrlich gesagt kaum zu kommunizieren gewesen. Bei einem Mittelalterevent wäre ich niemals dazu bereit, eine entsprechende Summe zu bezahlen, Musik hin, Ambiente her. Für eine Familie sind da mal 50€ über den Tisch, ohne auch nur eine einzige Bratwurst, ein einziges Getränk oder den obligatorischen Kauf für die Kinder erledigt zu haben. Und die Frage stelle ich mir als Konsument, ob das gerechtfertigt ist. Es waren die Stände von Verlagen und Händlern da, die mit meistens ansehnlichen und hübschen Präsentationen um das Interesse der Anwesenden warben. Die weiteren Programmteile habe ich mir nochmal gesondert vorgenommen, da mir einiges aufgefallen ist, das ich nicht unerwähnt lassen kann.
Überhaupt fiel es extrem schwer, in "Stimmung zu kommen". Es war entweder zu eng (eine Ausstellung mit Doctor Who - dazu kommt nochmal extra was) oder das Publikum verlor sich (Eingangsbereich, Hauptsaal ...). Die Luise-Albertz-Halle ist reichlich verbaut (ich fühlte mich an die klassischen 60-er/70-er Schulen aus Beton erinnert), und entsprechend drohte man sich zu verlaufen - wobei man in dem Fall Stände entdecken konnte, die man bei einem gezielten Herumwandern auf keinen Fall gefunden hätte. Das lag nicht nur an der verschachtelten Bauweise, sondern auch an den Wegweisern (bzw eher Nichtwegweisern) der Veranstalter. Hier wäre mehr definitiv mehr gewesen. Überhaupt frage ich mich, wie es zu der Entscheidung für diesen Ort kam, der mir nicht sehr geeignet für einen solchen Event erschien. Oder vielleicht anders verteilen? Oder vielleicht ... keine Ahnung. Ein hervorragendes Beispiel für die (verfehlte?) Location war die Suche nach dem Eingang. Wenn man ihn gefunden hatte, entdeckte man das Dienstfahrzeug des Bundesamtes für magische Wesen und den Lesebus, der Weg dahin war jedoch erstmal eine Herausforderung, denn es war nichts ausgeschildert.  

Horst Hermann: Die Location in Oberhausen ist Fluch und Segen zugleich für die PHANTASTIKA. Das Congress Centrum macht was her. Es ist hinreichend repräsentativ für eine solche Veranstaltung, die wohl in letzter Konsequenz zum Ziel hat, die Phantastik-Zentral-Veranstaltung im deutschsprachigem Raum zu werden. Der Saal, das Foyer, die Wandelgänge, Konferenz- und Nebenräume bieten hinreichend Platz, um einem mehrere tausend Nasen zählenden Publikum zu ermöglichen, diese Veranstaltung zu besuchen. Aber: Diese Räumlichkeiten sind eben auch ein Kostenfaktor, der es nötig macht, dass Geld eingenommen wird. Es kostet also was. Da fand ich die Eintrittspreise eher zivil. Dass dann Workshops extra Geld kosten, kann ich auch nachvollziehen, denn die Ausrichter derselben wurden nicht durch die Veranstalter finanziert, sondern mussten ihre Kosten wieder einspielen (es zumindest versuchen wie die ganze PHANTASTIKA).
Was man braucht sind mehr Sponsoren (auch aus der Branche), die helfen, Eintrittspreise zu drücken, denn immerhin kann die angestrebte Breitenwirkung nur nützlich sein. Der Pool der Leute, die Geld geben, muss sich deutlich vergrößern.
Ein weiteres Problem des CC in Oberhausen ist die der große Saal. Jou, der macht was her, aber wenn zu einer Lesung oder einem Panel nicht zuviele Leute kamen, wirkte das als stünden die Ränge leer. An diesem Umstand müssen die Veranstalter richtig arbeiten. Wie kann man den Saal nutzen, ohne die Vortragenden und deren Publikum zu stören? Das ist eine Frage, die Mike Hillenbrand und seine Leuten Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Denn: Bis zur Preisverleihung kann man den Saal auch nicht leerstehen lassen. Da muss was passieren. Ganz deutlich. Auch bei der Preisgala selbst muss da was passieren. Von der Pressetribüne aus (auf der Empore) wirkte der Saal ziemlich leer, auch wenn schon ein recht beeindruckendes Publikum im Saal war, aber der Saal war noch nicht einmal ganz zur Hälfte gefüllt. Da liegt der Hase im Pfeffer.
Auch von einer Gala konnte man nicht sprechen. Die Nummern der Kinder der Musikschule über den Abend verteilt, hätten der Preisverleihung und auch der Stimmung im Saal gut getan. Aber der Saal wird den Veranstaltern als Herausforderung gegenüberstehen, und es steht zu hoffen, dass man Lösungen findet.
Manches war einfach zu versteckt und abseits Laufwege aufgestellt. Simple Hinweistafeln könnten hier Abhilfe schaffen, damit auch jedes Angebot die gebührende Aufmerksamkeit erhält. Das Catering könnte im Foyer zentral angesiedelt sein und mit mehr Sitzplätzen ausgestattet werden, um zum einen einen Ruheraum zu bieten, aber zum anderen auch als Ort der Begegnung dienen.


Bettina: Die "Walking Acts" waren originell und wirklich ansehnlich, der künstlich wirkende Cyirgendwas, der mich an Star Wars erinnerte (vielleicht liege ich bei der Zuordnung falsch), der Imperialer Sturmtruppler (ich bin doch unwillkürlich tatsächlich erschrocken, als ich dem Kerl unerwartet plötzlich gegenüber stand), die Steampunkacts oder die beiden kuscheligen Felltiere auf zwei Beinen (siehe Bildergallerie). Vielleicht waren sie sogar das Originellste an der ganzen Sache, die Dekofiguren in Form von Pirat und Vampir (habe ich welche übersehen?) trugen nur wenig zum Ambiente bei, sondern wirkten eher gewollt und standen einigermaßen verloren herum.  
Die verschiedenen Formen der Phantastik waren in Themenwelten gegliedert worden. Es gab Phantastisch Sehen - Hören - Lesen - Spielen - Technik und Perry Rhodan, der aufgrund seiner Bedeutung auf dem Markt der deutschen Phantastik eine eigene Erwähnung verdient hatte. Wie zu erwarten, waren die Themenwelten in ihren Ausmaßen sehr unterschiedlich. Die Stoffbanner waren gut gestaltet, aber gingen etwas verloren, ich vermute, es waren nicht genug. Phantastisches Spielen mit drei Spieltischen??
Ich hatte mich besonders auf die Doctor Who Ausstellung gefreut, und es gab nicht nur einen Freund, der auf ein entsprechendes Foto wartete. Die TARDIS war neben dem kleinen verlorenen Jungen mit der Gasmaske denn auch die einzigen ansehnlichen Stücke. Ja, er ist ein Fan, ja, es ist damit auch gesagt, dass es nicht professionell gestaltet ist ... aber echt ... eine TARDIS aus Sperrholz zu bauen ist natürlich cool, aber in keinem Fall ein echtes Wunderstück, und die anderen Stücke waren von einer Qualität, die ich vor zwanzig Jahren vielleicht cool gefunden hätte.
Man hat sich von Seiten der Veranstalter sehr darum bemüht, ein ausgewogenes Programm zu kreieren, es gab eine Menge Workshops, darunter deutlich mehr als nur Lesungen und deutlich phantasievolle Veranstaltungen. Das ist genau das, was ich von so einer Veranstaltung erwarte. Dabei für einzelne nochmal gesondert Teilnehmergebühren zu verlangen ist bestimmt unausweichlich, wenn man eine gewisse Qualität anbieten will. Man geriet jedoch in ein Ungleichgewicht, das kaum zu vermeiden ist: Mit einer gewisser Wahrscheinlichkeit kommen bekannte Schauspieler nicht umsonst zu so einer Veranstaltung, außerdem hat sich die Unsitte eingebürgert, dass "Schauspieler aktueller oder ehemaliger Serien und Kinofilmen für viel Geld ihr Autogramm verkaufen" (und so ihr Honroar aufbessern?!) - kaum finanzierbar für eine erste Phantastika. So sind die großen Namen, die anscheinend leider notwendig sind (oder gibt es andere Möglichkeiten?) um eine entsprechende Zahl an zahlenden Besuchern anzuziehen.

Horst Hermann: Mit den Themenwelten gab es gute und richtige Ansätze. Diese gilt es auszubauen und noch besser zu präsentieren. Die Walking Acts sollten noch interaktiver werden, vielleicht gar als Führer durch die Veranstalter ausgebaut werden. Aber wie auch immer, diese könnten unverzichtbarer Bestandteil der Veranstaltung werden. Sie bringen Stimmung, einen unbestreitbaren Schauwert. Großartig ... und ausbaufähig.
Anderes braucht wie die Doctor Who-Ausstellung mehr Platz, eine bessere Präsentation, damit sie roch richtig wirken kann. Das muss großzügiger werden. Vielleicht in der fast leeren Haupthalle auf einer beweglichen Bühne, um bei Bedarf verschoben werden zu können? Nur ein Gedankenspiel ...
Nur an Auf- und Verteilung gilt es noch zu feilen ...
Ich wünsche mir auf der einen Seite auf der PHANTASTIKA richtig viel Programm. Das muss krachen. Lesungen, Panels, Podiusmdiskussionen und mehr. Die PHANTASTIKA ist ja eben kein Con, sondern ein Aushängeschild für das Phantastische. Wenn man sich auf das Wetter verlassen könnte, wären sogar Aktionen auf den Freiflächen rund um das CC denkbar, die auch Zufallsbesucher anlocken könnte. 
Auf der anderen Seite sollte auch von den Ständen mehr Initiative ausgehen. Lesungen und Aktionen an den Ständen. Nicht nur dasitzen und die Besucher flanieren lassen, sondern aktiv (auf St. Pauli würde man sagen) ›kobern‹... Musik, Lesung, Spiel ... Hörspiel ›live‹, Quiz mit Gewinnen. Die Stände waren mir oft zu passiv ohne Schwung und Elan. Nur zeigen ist nicht abendfüllend. Mehr aktive Präsentation erscheint mir wünschenswert. Im Sinne der Veranstaltung und der eigenen Darstellung. Das trägt zur Lebendigkeit der Veranstaltung bei.


Bettina: Eine besondere Erwähnung verdient die Verleihung des Deutschen Phantastik Preises. Man hatte dafür den großen Saal gewählt, angeblich mit weit über 1.400 Stühle bestuhlt - dabei blieb mindestens die Hälfte der Stühle leer. Die einen behaupten, es wären 700 Gäste gewesen, andere sprachen von 200 - die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Es entstand eine sehr seltsame Situation, als mit einem Mal die Helfer und Security den Saal irgendwann leerten, um die Vorbereitungen für die Verleihungsveranstaltung auf der Bühne zu Ende zu bringen. Böszüngig könnte man behaupten, der Hauptgrund sei gewesen sicher zu stellen, dass auch wirklich nur zahlendes Publikum am "Galaabend" anwesend war.
Überhaupt frage ich mich, wie man so die Bedeutung des Preises unterstreichen und vergrößern will.
Der Saal Berlin war vollkommen überdimensioniert, bzw. das Konzept des Klatschviehs ungeeignet. Das große Dilemma des Preises wurde an diesem Abend überdeutlich.
Ich finde den Preis wichtig, das will ich hier ausdrücklich betonen, aber wie ernst man ihn nimmt, wurde allein daran sichtbar, dass gut die Hälfte der Preisträger nicht anwesend waren und nicht einmal einen Vertreter in Form von Verleger, Produzent etc geschickt hatten - und ich rede hier NICHT von ausländischen Preisträgern. Ein paar wenige haben mitteilen lassen, dass sie nicht kommen können. Aber das wars auch schon. Markus Heitz und Kai Meyer, um nur zwei der großen Namen auf dem deutschen Markt der Phantastik zu nennen, machten deutlich, dass sie Wert auf die Wahrnehmung des Preises legen, auch wenn sie nicht gewinnen. Die unbekannten Namen unter den Preisträgern waren überhaupt das überraschende. Die Verleihung des Preises an die Autoren und Künstler wird hoffentlich dazu beitragen, ihren Erfolg zu fördern.
Tommy Krappweis und Lucy van Org waren an diesem Abend die großen Sympathieträger, Tommy als "Rampensau" während einer Laudatio und Lucy van Org mit grandiosem Charme als Moderatorin des Abends. Lucy war es auch, durch die jene Rahmengeschichte, mit der man der Verleihung einen roten Faden geben wollte, halbwegs erträglich wurde. Hermann Ritter hat viele Talente, eine solche vorgefertigte Moderation gehört zweifelsohne nicht dazu. Er tat mir fast schon leid, wenn er und Lucy van Org das Märchen der Rahmengeschichte immer wieder aufgriffen und präsentierten. Ich hätte ihn gerne in einer anderen Rolle gesehen - eben zum Beispiel als Laudatoren, wenn er frei(er) plaudern kann. So grandios die Idee war, Dipl.-Ing. Volker Schmid vom Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als Laudator zu gewinnen und ihn einen Clip über die Welt aus der Sicht des Weltraums präsentieren zu lassen, so zäh war der interessante Weltrekordversuch des Kopfrechenkünstler Gert Mittring. Man bemühte sich darum, der Sache einen spannenden Rahmen zu geben, aber es entwickelte sich zu einer wirklich zähen Geschichte.
Die Einspieler, die so bombastisch laut und übertrieben daher kamen, passten für mich eher in eine Zeit in zehn Jahren, wenn der DPP tatsächlich diese Rolle in der Phantastik spielt.
Leider gingen die Auftritte der Kinder und Jugendlichen unter, die sich so darum bemühten, ebenfalls zu dem Preis beizutragen. Es ist so schade, dass man sie nicht nach ihren Auftritten gesondert nochmals würdigte, den Anwesenden das Entstehen der Beiträge kurz erklärte. Das hätten sie zweifellos verdient.
Horst Hermann: Der DPP wurde schon deutlich langweiliger und alberner verliehen als auf der PHANTASTIKA. Manches gut gemeinte Element ging aber in die Hose. Die Jingles sehr dröhnend, aber ein ein guter Anfang. Die Idee die Kategorien an einen roten Faden zu binden. Schöne Idee, leider in einer wenig faszinierenden Ausführung. Leider hat Hermann Ritter auch nicht seinen besten Tag erwischt, denn er strahlte als Co-Moderator so, als habe man ihm Baldrian als Aufputschmittel verabreicht. Lucy van Ork ... ah ... Org und Tommy Krappweis wären zwei Rampensäue gewesen, die die Moderation deutlich lebendiger gestaltet hätten.
Aber man lernt bestimmt. Und irgendwann kann das auch mal ne Gala werden, die schmissig über die Bühne geht. Die Nummern der Kindern als Pausenfüller wären deutlich schöner gewesen, als manch anderer Akt.
Was mir fehlte war die angestrebte Breitenwirkung des Preises. Zuviele Außenseiter als Gewinner. Eine der schwierigen Aufgaben der Macher um Mike Hillenbrand wird sein, die Basis der Abstimmenden so zu gestalten, dass wirklich die Werke mit hoher Breitenwirkung gewinnen.
Es muss in Zukunft auch danach gestrebt werden, dass die Preisträger auch wirklich anwesend sind. Das wäre wirklich interessant.
Da liegt aber noch viel Arbeit vor den Machern des DPP und seiner Präsentation. Dabei muss es nicht unbedingt kürzer sein, aber abwechslungsreich und ohne Längen wäre schon ein echter Fortschritt. Wenn die Showacts zwischen den Kategorien abwechslungsreicher und temporeich wären, könnte man auch klaglos bis 23:00 Uhr da sitzen, aber da wäre die Möglichkeit, Getränke erwerben zu können auch sehr hilfreich.
Vielleicht wäre die Veranstaltung auch als Dinner anzulegen, so dass die Extrakosten sich rechnen. Da könnte man auch mehr nehmen für den Eintritt, wenn es eine Gegenleistung gäbe, die über das reine verteilen von Preisen hinausginge. Es muss nicht immer Kaviar sein. Aber das sind Überlegungen für die nächsten Monate. Aber durch die Tische würde der Saal voller wirken.


Bettina: Welches Fazit zieht Bettina zu diesem Tag? Hat die PHANTASTIKA ihren Zweck erfüllt und ist sie ein Erfolg gewesen?
Ich kann das wirklich nicht beurteilen, denn mir fielen so viele unterschiedlichste Dinge auf, die so unterschiedliche Eindrücke hinterlassen haben. Diese rangierten von "boah, geht gar nicht, wie kam man auf die Idee?" bis zu "boah, wie coll, wie toll, total schön, geil". Ich habe mich über eine Menge Dinge geärgert und mich immer wieder dabei ertappt zu denken "das geht nicht, da muss man doch..." und rammte Horst während der Verleihung des DPP immer wieder erstaunt, enttäuscht, begeistert den Ellenbogen in die Seite, bis er mir zuzischte, ich sollte ruhig sein.
Das PHANTASTIKA-Team hofft angeblich, "genau dieses Millionenpublikum in Deutschland zu erreichen, das sich für phantastische Elemente interessiert". Der Weg dahin ist in der Tat noch weit. Aber es ist ein enorm wichtiger Weg, und - bei einem gewissen Erfolg - hat die Phantastika das Potenzial, der nationalen Phantastik einen neuen Schub zu geben, ähnlich, wie es damals die ersten erfolgreichen Fantasyromane von deutschen Autoren taten. Diese Impulse sind dringend nötig, damit eine Weiterentwicklung möglich ist. Natürlich weiß ich alles besser, habe tausend Ideen und keinen Cent übrig. Aber ich spreche sicher nicht nur für mich, wenn ich sage, dass wir als Zauberspiegel mehr als bereit dazu sind, zum Erfolg beizutragen, der in mehr als Interviews und (scharfzüngige) Artikel besteht.
Und welches Fazit zieht Horst zu diesem Tag? Hat die Phantastika ihren Zweck erfüllt und ist sie ein Erfolg gewesen?
Horst Hermann: Mein Fazit ist einfach: die Reise der PHANTASTIKA hat begonnen, und nun beginnt die eigentliche Arbeit, die Veranstaltung zu verbessern. Nicht nur wir dürften gesehen haben, dass die Veranstaltung noch Luft nach oben hat und es so manches gibt, was man verändern und verbessern muss. Ich halte Mike Hillenbrand und sein Team nicht für so größenwahnsinnig, dass sie an die Perfektion der ersten Auflage der PHANTASTIKA und glaube, es gäbe da nichts was besser gemacht werden kann.
Aber jetzt hat man eine Referenzgröße, man hat Erfahrungswerte, man hat Meinungen (wenn auch einige davon deutlich zu euphorisch waren). Aber es war trotz allen Gemeckers eine zumindest interessante Veranstaltung, und ich freue mich darauf, diese auch in den kommenden Jahren begleiten zu dürfen. Mir hat die Atmosphäre gefallen. Mir gefiel, dass auch Leute abseits der Fanszene sich im CC Oberhausen aufgehalten haben.
Ihren Zweck und ihren Anspruch kann die PHANTASTIKA mit ersten Auflage nur in Ansätzen erfüllt haben. Es gilt, sich die gewünschte Strahlkraft zu erarbeiten. Das ist nur mit einem langen Atem möglich. Es steht zu hoffen, dass sich noch mehr Produzenten des Phantastischen der Veranstaltung zuwenden und dieser zum Erfolg verhelfen. Die Grundlage ist gelegt. Das Fundament steht. Nun gilt es dieses Event (wie man heute so sagt) aus und aufzubauen, so dass in zehn Jahren kein Preisträger und kein wichtiger Produzent von Phantastischem in den diversen Medien noch zu fehlen wagt. Oberhausen als der Treffpunkt zwischen Machern und Publikum. Das ist ein lohnendes Ziel, an dem wir als Zauberspiegel sehr interessiert sind und mitwirken wollen. Auf gehts ...

Kommentare  

#1 Toni 2017-09-18 22:06
Zumindest die Pressebühne war gut besetzt :lol:

Ich glaube, dass Gert Mittring immer noch im Saal über seine Rechenaufgabe sitzt...

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