WER IST CAROLYN KEENE? - Teil 2: Nancy Drew

Die Autorin von Nancy Drew und den Dana Girls
Teil 2: Nancy Drew
Dabei war Stratemeyer zunächst gar nicht so begeistert davon. Er war der Auffassung, dass in den Büchern, die er und seine Schar von Ghostwritern schrieben, für jeden etwas dabei war. Auch Mädchen konnten ihre Welt darin finden. Das sahen Harriet und Edna ganz anders und so sah Vater Edward sich genötigt, eine Serie zu konzipieren. Er machte sich ans Werk, aber schreiben würde er das Zeug ganz sicher nicht.
THE NANCY DREW MYSTERY STORIES
1929 avisierte Stratemeyer dem Verlag Grosset & Dunlap eine neue Serie mit dem Titel "Stella Strong Stories", mit dem Hinweis, dass dies ein Arbeitstitel war. Unter weiteren Vorschlägen befand sich auch "Nan Drew Stories". Die Geschichte will es, dass der Verlag den Titel auf "Nancy Drew Stories" erweiterte, Stratemeyer schliesslich ergänzte den Titel durch "Mystery". Well, es bleibt mir nichts übrig, als der Wikipedia dieses zu glauben, denn alle haben es getan, diese Mär findet man nämlich in allen Entstehungsgeschichten zu Nancy Drew im nahezu gleichen Wortlaut wieder.
Nachdem nun der Name festgelegt war, konnte die Arbeit daran beginnen. Stratemeyer schrieb ein exaktes Konzept sowie die Exposes für die ersten drei Romane. Dieses Material übergab er der Journalistin Mildred Wirt, die seit kurzer Zeit für Stratemeyer Syndicate arbeitete und drei Bücher für die Serie "Ruth Fielding" (eine Highschool-Serie) geschrieben hatte.
Edward Stratemeyer war bei allem was er tat sehr gewissenhaft. Und obwohl er die neue Serie als nicht sehr wichtig erachtete, übernahm er selbst das Lektorat der ersten drei Romane. Weiteres konnte er dann nicht mehr tun, denn er verstarb überraschend danach, drei Wochen vor der Erstveröffentlichung. So erlebte er den aussergewöhnlichen Erfolg der Serie nicht mehr.
THE NANCY DREW MYSTERY STORIES
1929 avisierte Stratemeyer dem Verlag Grosset & Dunlap eine neue Serie mit dem Titel "Stella Strong Stories", mit dem Hinweis, dass dies ein Arbeitstitel war. Unter weiteren Vorschlägen befand sich auch "Nan Drew Stories". Die Geschichte will es, dass der Verlag den Titel auf "Nancy Drew Stories" erweiterte, Stratemeyer schliesslich ergänzte den Titel durch "Mystery". Well, es bleibt mir nichts übrig, als der Wikipedia dieses zu glauben, denn alle haben es getan, diese Mär findet man nämlich in allen Entstehungsgeschichten zu Nancy Drew im nahezu gleichen Wortlaut wieder.
Nachdem nun der Name festgelegt war, konnte die Arbeit daran beginnen. Stratemeyer schrieb ein exaktes Konzept sowie die Exposes für die ersten drei Romane. Dieses Material übergab er der Journalistin Mildred Wirt, die seit kurzer Zeit für Stratemeyer Syndicate arbeitete und drei Bücher für die Serie "Ruth Fielding" (eine Highschool-Serie) geschrieben hatte.
Edward Stratemeyer war bei allem was er tat sehr gewissenhaft. Und obwohl er die neue Serie als nicht sehr wichtig erachtete, übernahm er selbst das Lektorat der ersten drei Romane. Weiteres konnte er dann nicht mehr tun, denn er verstarb überraschend danach, drei Wochen vor der Erstveröffentlichung. So erlebte er den aussergewöhnlichen Erfolg der Serie nicht mehr.
"Mr. Stratemeyer zeigte sich bitter enttäuscht, als er das erste Manuskript erhielt, The Secret of the Old Clock. Er fand die Heldin zu ausgeflippt. So etwas konnte nicht ankommen. Das Gegenteil trat ein. Als die ersten drei Bücher erschienen, brachten sie richtig viel Geld in die Kassen der Syndicate." (1)

So erschien noch im gleichen Jahr ein weiteres Buch. Ab Nummer vier hatte Edna Stratemeyer zunächst das Schreiben der Exposes übernommen. Als Edna wenig später aus der Firma ausstieg, übernahm Harriet das Zepter und schrieb bald auch selbst Romane. Die enorme Popularität führte schnell dazu, dass sich Warner Bros. dafür interessierte und vier Filme drehen liess (manchen Quellen zufolge sogar fünf, aber dazu später).

Nancy hatte zwei enge Freunde, nämlich Bess Marvin und George Fayne, sowie einen Boyfriend mit Namen Ned Nickerson, die natürlich ständig in die Ermittlungen einbezogen wurden. Nancy war ein Allround-Talent. Man mag es kritisieren, aber wann immer es passend war, entwickelte sie eine neues Talent. Wenn man bedenkt, dass sie erst 16 war, ist die Tatsache, dass sie fliessend Französisch konnte, Autos und Motorboote zu lenken vermochte, Reiten, Schwimmen, Tanzen und Kochen in Perfektion beherrschte recht beachtlich. Und wenn es nötig war, dann konnte sie auch noch mehr. Dennoch traf man den Nerv der (vor allem weiblichen) Leserschaft. Sie vereinigte alles in einer Person, von dem die Heranwachsenden nur träumen konnten.
Zeitgenössische Kritiker warfen der Autorin vor, rassistisches Klassendenken zu fördern, da Nancy zu perfekt war und sich in Kreisen aufhielt, die Normalsterbliche nicht erreichen konnten. So war sie zum Beispiel zum Essen nie in einem Schnellrestaurant anzutreffen. Die Leserschaft interessierte dieses indes wenig. Vielleicht war es ja gerade der Traum von einem besseren Leben, das die Mädchenherzen höher schlagen liess. Immerhin war Wirtschaftskrise und die Flucht aus der Armut boten lediglich fiktive Bücher und Filme.
Entgegen der Vorgaben Stratemeyers hatte Mildred Wirt ihre Protagonistin als willensstarkes, sehr eigenständiges junges Mädchen charakterisiert (Stratemeyer hatte eher das normale Girl vorgeschwebt, das sich auf dem Weg zur liebenden Hausfrau und Mutter befand). Wirt hatte dabei Einiges von sich in die Figur gelegt. Sie selbst hatte sich in einer Männerdomäne durchgesetzt, war als erster weiblicher Student von der Universität von Iowa im Fach Journalismus mit Auszeichnung abgegangen, hatte überdies auch Englisch studiert und abgeschlossen und war als Jounalistin für Periodika in Iowa tätig.
Aufgrund des Erfolges änderte man dann auch nichts. Vermutlich konnten Edna und Harriet sich auch besser in den Stoff hineinversetzen als ihr Vater. Die Kritiker verstummten nicht, doch eine Änderung folgte erst 1959, allerdings aus markttechnischen Gründen.
Die Bände 8-10 schrieb dann mit Walter Karig ein Mann, bevor Wirt die Serie bis Nr. 25 fortsetzte. Karig war sozusagen der erste Revoluzzer unter den Syndicate-Ghostwritern. Gegen den Vertrag war er machtlos, aber er forderte sein Recht ein, dass die drei Bücher in der "Library of Congress" (Staatsbibliothek der USA) unter seinem Namen geführt wurden. Die Syndicate ging massiv dagegen vor und die Library knickte schliesslich ein. Auch heute noch werden die Romane unter "Carolyn Keene" geführt.

1959 wurde ein Schnitt gemacht. Nancy Drew hatte sich der modernen Welt anzupassen. Über das, was sämtlichen davor erschienen Romanen angetan wurde, scheiden sich die Geister. Sie wurden gekürzt, inhaltlich verändert, ja teilweise komplett neu geschrieben. Für das Kürzen, Um- und Neuschreiben wurde eine ganze Redaktion beschäftigt. Viele der Romane bearbeitete Adams persönlich. Mildred Wirt Benson hat bis zu ihrem Tode im Jahre 2002 nie eine der neuen Bearbeitungen ihrer alten Romane gelesen. Sie wollte es sich nicht antun.
Man trug den Kritikern Rechnung. Die Romane wurden von allzu diskriminierenden Attitüden befreit. Nancy wurde bodenständiger. Zwar war sie finanziell immer noch unabhängig, aber sie hielt sich nicht mehr nur in besseren Kreisen auf. Ausserdem wurde das, was in den 30'ern noch als normal angesehen war, in den 50'ern schon als Rassistisch galt, eliminiert. Die Rollen der Farbigen in den Romanen wurden sozusagen "geschönt". Komplette Sequenzen wurden gestrichen oder umgeschrieben, um die Bücher rasanter zu machen. Jeder Roman wurde von den üblichen 25 Kapiteln auf 20 heruntergekürzt.
Nancy wurde zwei Jahre älter gemacht. Nun 18, konnte sie z.B. legal Auto fahren. Ab sofort war sie dann auch im Sportwagen unterwegs. Ihre Haare wurden rotbraun, sie verlor ihre Mutter schon im Alter von drei Jahren, sodass die Rolle der Haushälterin als eine Art Mutterersatz mehr in den Vordergrund geschoben werden konnte.
Auch die neuen Romane von Harriet Adams wurden dem aktualisierten Konzept angepasst. Die neuen Generationen von Leser/innen wussten nichts von den alten Romanen und wenn doch, dann konnten sie nur die neu überarbeiteten Versionen erwerben. Der Popularität von Nancy Drew tat das Ganze nicht weh. Obwohl inzwischen viele Teenager-Ermittlerinnen in Konkurrenz getreten waren, so war die Mutter aller Detektivinnen immer noch marktbeherrschend.

Als Harriet Adams 1982 verstarb, übernahm im Wesentlichen Nancy Axelrad das Ruder, schrieb die meisten Exposes und auch diverse Romane. Am System hatte sich im Übrigen nichts geändert. Noch immer schrieben Namenlose die Romane unter den Pseudonymen der Syndicate. Auch als die Rechte 1984 an Simon & Schuster übergingen und Stratemeyer Syndicate endgültig 1986 an jenen Verlag verkauft wurde, wurde nichts erneuert. Man gründete die Firma Mega Books nach dem Vorbild der Syndicate und blieb beim Bewährten.
Simon & Schuster begann das Potential kommerziell auszuwerten. Schon 1986 erschien die erste Spin-Off Serie mit dem Titel "The Nancy Drew Files". Sie richtete sich an ein etwas älteres Publikum und rückte das romantische Leben Nancys in den Vordergrund. Die Serie lief bis 1997. In den 80'ern gab es mehrere Sonderbände beider Serien sowie einige Crossover Romane mit den Hardy Boys.
Von 1994 bis 2005 gab es eine Serie namens "Nancy Drew Notebooks". Diese war speziell für Schulkinder konzipiert. Darin begegnen wir Nancy Drew und ihren Freunden als Achtjährige. In ihnen ging es um kindgerechte "Kriminalfälle" (nach der Devise: Wer hat meinen Lolli gestohlen?) und sollten pädagogisch sein. Die Serie wurde recht erfolgreich. So wechselte sie dann den Verlag und erscheint seit 2006 bei Aladdin Paperbacks (Partnerfirma von Simon & Schuster) als "Nancy Drew and the Clue Crew". All das natürlich unter dem Namen Carolyn Keene.


Es gab bis heute sechs Spielfilme um Nancy Drew. Nachdem die Bücher geradezu eine Euphorie auslösten, erwarb Warner Bros. sehr schnell Verfilmungsrechte. So wurden 1938/39 vier schnell abgedrehte B-Filme auf den Markt geworfen. Regie führte William Clemens. Die Drehbücher verfasste Kenneth Gamet, die zwar vage auf Romanvorlagen beruhten, letztlich aber völlig eigene Stories waren. Die Rolle der Nancy Drew spielte Bonita Granville, Carson Drew wurde von John Litel verkörpert. Frankie Thomas spielte den im Namen etwas abgeänderten Ted (statt Ned) Nickerson. Die Filme sind:

NANCY DREW REPORTER (1939)
NANCY DREW TROUBLE SHOOTER (1939)
NANCY DREW AND THE HIDDEN STAIRCASE (1939)
Frankie Thomas war später der Ansicht, dass sie eigentlich fünf Filme gedreht hätten, wobei er sich eines eventuellen Titels nicht bewusst war. Dieses ist durch nichts zu beweisen. Mag sein, dass er aufgrund der engen Drehpläne durcheinander gekommen ist.
Erst 2002 wurde für das Fernsehen wieder ein Film gedreht. Unter dem schlichten Titel NANCY DREW (dt. Nancy Drew Auf der Suche nach der Wahrheit) bekam man etwas zu sehen, das ausser dem Namen nichts mit der Figur aus den Büchern zu tun hatte. Regie führte James Frawley, die Rolle der Nancy verkörperte Maggie Lawson.

1977/78 gab es eine TV-Serie namens THE HARDY BOYS/NANCY DREW MYSTERIES, in der von Folge zu Folge die Protagonisten wechselten. Nancy wurde gespielt von Pamela Sue Martin (vielen vor allem bekannt als Fallon in DYNASTY/DENVER CLAN). In der zweiten Season trat Nancy nur noch als Gaststar in Crossover-Folgen mit den Hardy Boys auf, was Pamela dazu veranlasste, die Rolle hinzuwerfen. Eine noch folgende dritte Season hiess nur noch THE HARDY BOYS MYSTERIES.
1996 gab es schliesslich noch eine weitere TV-Serie mit dem Titel NANCY DREW. Die Serie lief auch bei uns im gleichen Jahr. Titelheldin war Tracy Ryan. Mangels Erfolges wurde die Reihe nach nur einer Season wieder eingestellt.

Lustig trieb es auch der Schneider Verlag. Von 1980 bis 1994 wurden sechs Übersetzungen unter dem Logo "Ein Fall für Nancy Drew" veröffentlicht. Mittendrin, im Jahr 1984, gab es zwei weitere Titel unter dem Logo "Ein Fall für Jenny Jones", wieder hatte Nancy einen neuen Namen.
1989 bis ? Veröffentlichte der Bastei-Lübbe Verlag 12 Übersetzungen unter dem Logo "Nancy Drew Die jüngste Detektivin". Es handelte sich um neuerere Abenteuer, die schon bei Simon & Schuster erschienen waren.
Zitat (1)
Mildred Wirt Benson, zitiert nach dem von ihr verfassten Artikel "The Ghost of Ladora" für die University of Iowa.
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