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Alte Liebe rostet nicht … - Der „Zauberspiegel“ und ich

Stefan RobijnAlte Liebe rostet nicht …
Der „Zauberspiegel“ und ich

Den Namen Horst Hermann von Allwörden hörte bzw. las ich zum ersten Mal im Jahr 1983. Ich war gerade ein „Sincorra“ geworden, so nannte der größte Sinclair/Zamorra Club Deutschlands, der SIZA Club Bremen, seine Mitglieder, und hatte die ersten Magazine erhalten.

Mit meinen zarten 14 Jahren war so ein Clubmagazin natürlich das absolute Nonplusultra und ich las jede Story und jeden Artikel etwa gefühlte 500-mal durch.


Sogar die Verlagsvorschauen, welche für mich so etwas wie ein privilegierter Blick in die Zukunft waren, der nur Auserwählten zuteil wird …

Auf Horst wurde ich erstmals auf der Leserseite aufmerksam, wo man sich in beinahe jedem Brief über ihn und seine „Hitparade“ beschwerte und sich vereinzelt gar fragte, warum jemand, der mit der John Sinclair-Serie offenbar überhaupt nichts anzufangen vermag, denn Mitglied in einem Sinclair-Club sein kann. Meine Neugierde war geweckt und ich wollte wissen, was es mit dieser ominösen Hitparade auf sich hatte. Zwar war an das entsprechende Magazin leider nicht mehr heranzukommen, aber ich fand schnell heraus, dass es sich dabei um eine von Horst erstellte Platzierungsliste aller Horror–Serien handelte, bei der John Sinclair nur Platz 17 oder 18 belegte. Ein Schlag ins Gesicht eines Fans …


Ich weiß noch, wie sehr ich mich als Fan, der ich ja immer noch war, einerseits über diese Platzierung ärgerte, aber auf der anderen Seite auch neugierig auf die komplette Liste war. Doch bis ich diese schließlich in den Händen hielt (im Rahmen des Artikels „Es ist doch alles SO einfach), sollte noch einige Zeit vergehen. Der SIZA Club brach auseinander, der ADHFC sammelte die Scherben auf, aber nur ein Bruchteil der angeschriebenen Mitglieder trat diesem neuen Verein bei. Woran lag es? Vielleicht daran, dass einer der Clubleiter ein gewisser Horst von Allwörden war …? Der berüchtigte Hexen-Herrmann, der es gewagt hatte, die Sinclair-Fans vor den Kopf zu stoßen?

Wie dem auch sei, jedenfalls war ich einer von denen, die dabei sein wollten, schon allein deshalb, weil ich natürlich weiterhin gern mit Fanzines beliefert werden wollte, und nachdem dann das erste „Pendragon“ bei mir eingetrudelt war, wurde schon beim ersten Durchblättern klar, dass es sich dabei um mehr als nur einen adäquaten Ersatz für das SIZA-Magazin handelte. Vor allem gab es hier einen deutlichen Unterschied zum SIZA-Club: Die Mitglieder wurden von Anfang an zur Mitarbeit aufgefordert. Arbeitsgemeinschaften wurden gegründet, die Zeit der Karteileichen sollte vorbei sein. Und so wurde auch aus der ehemaligen Karteileiche SINCORRA 400-irgendwas schließlich ein aktiver Mitarbeiter, der stolz seinen ersten Beitrag veröffentlichte: Eine Rezension zum ersten „Ron Kelly“.

Weitere Beiträge folgten, ich war hochmotiviert, doch irgendwann wurde auch der ADHFC leider aufgelöst und ich war wieder auf der Suche nach einer Alternative. Natürlich hatte ich bereits registriert, dass es neben dem Pendragon auch den Zauberspiegel gab, aber aus irgendeinem Grund hatte ich mit diesem Begriff nie viel anfangen können (vermutlich hielt ich es für ein reines Fantasy-Zine), bestellte mir also erst relativ spät mein erstes Exemplar (die Nr. 11) und war schlichtweg begeistert.

Neben den Artikeln wussten vor allem die ausführlichen Rezensionen zu gefallen, und hier insbesondere die Sinclair-Abteilung mit den angehängten „kleinen Zitaten großer Leute“. Inzwischen hatte ich mich selbst längst von der Serie abgewandt und somit konnten die mit viel bissigem Spott verfassten Verrisse von Horst mein kleines Fanherz nicht mehr zum Zerreißen bringen. Hätte mir zu diesem Zeitpunkt allerdings jemand gesagt, dass ich diese Rubrik etwa 20 Jahre später übernehmen würde, so hätte ich vermutlich bezweifelt, dass es dazu je kommen würde. Zum einen natürlich, weil ich gar nicht geglaubt hätte, dass die Serie so lange läuft, und zum anderen weil ich mir wohl kaum hätte vorstellen können, die Hefte zu reinen Rezensionszwecken zu lesen. Nun ja …    

Nachdem dann irgendwann auch mit der Printausgabe des Zauberspiegels Schluss war, dauerte es lange, bis ich – aus reiner Neugierde, ob es den Horst noch gibt und was er so treibt - im Internet auf Spurensuche ging - und erst mal nicht viel fand. Zumindest nichts zum Thema Zauberspiegel. Aber ich blieb dran und irgendwann im Jahr 2007 wurde ich dann doch fündig. Und wie. Ich konnte es kaum glauben, aber es gab ihn tatsächlich wieder, den Zauberspiegel. Noch am selben Tag schrieb ich eine Mail an Horst, wir telefonierten, und nur eine Woche später erschien mein erster Artikel (zum Thema „Torn“). Und ähnlich wie es schon meine Kollegen beschrieben haben, wurde auch ich gleich als Mitarbeiter geführt, der ich bis heute geblieben bin. Zurzeit befasse ich mich mit den 400er-Bänden der Sinclair-Serie und freue mich, mit den „kleinen Zitaten“ eine Tradition der guten alten Printausgabe des Zauberspiegels fortsetzen zu können.  

Viel hat sich in meinem Leben verändert, seit der letzte Zauberspiegel aus Papier erschienen ist. Eines aber ist bis heute geblieben: Meine Leidenschaft für den Heftroman. So, wie ich damals Macabros verschlungen habe, verschlinge ich heute Maddrax, PR, Vampira und Co., aber damals wie heute stehe ich dazu und glaube fest daran, dass der Heftroman ebenso überleben wird, wie der Zauberspiegel überlebt hat.

Na ja, zumindest ein paar Jahre werden sie schon noch schaffen …
Stefan Robijn

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