Vornamen, Perücken und Asmo-Deus ...

Vornamen, Perücken und Asmo-Deus ...
Das mit der Haarfarbe kam daher, weil man Nicole eine Leidenschaft für Perücken mitgab, die auch Werner wenigstens in der Anfangszeit noch übernommen hat. Jeder der Autoren, vor allem in den ersten 110 Bänden, hatte seine eigene Vorstellung von Zamorras Gefährtin, Sekretärin und Zusatzgehirn. Vom Konzept her gesehen waren die Vorgaben für die Hauptfiguren sehr schwammig, und jeder Autor konnte sie vom Aussehen her so schildern, wie er mochte.
Da die meisten Autoren als Heldinnen meist die Frauen einbauen, die sie gerade vom Aussehen her faszinieren und diese Romanfiguren vor den geistigen Augen recht lebendige Züge annehmen können (jedenfalls bei mir war das so und bei Werner auch) haben sie mal lange, mal kurze, mal glatte oder mal gelockte oder gewellte Haare. Von der Farbe mal ganz zu schweigen. Durch den Trick mit Nicole Duvals Perücken-Tick konnte da dann jeder der Autoren machen, was er wollte. Nicole war in einem Roman mal blond, im nächsten eine schwarzhaarige Schönheit und im dritten eine attraktive Brünette. Hauptsache, sie war dabei genau so wie Bill Fleming die dritte unverzichtbare Hauptfigur des damaligen Roman-Schemas.
Die damalige Helden-Trinitatis der eigentliche Held, der gute und selbstlose Freund und die gut aussehende Frau zum Retten und für den Kuss auf Seite 62. Schon Werner hat durch eine Vielzahl von B-Helden, die nicht sang- und klanglos verschwanden, sondern innerhalb der Serie immer mal wieder dabei waren, dieses Standard-Konzept des Heftromans überwunden. Sicher einer der Gründe, warum sie Serie heute noch läuft. Irgendwo findet sich für jeden der Leser einer der B-Helden und -innen, mit denen er/sie sich identifizieren kann.
Zamorras Vorname dieses ewige Geheimnis hat irgendein Autor schon mal in einem Roman vor Band 110 gelüftet. Allerdings kann ich nicht mehr sagen, welcher Roman das war und wer ihn geschrieben hat.
Da hieß der Parapsychologe dann Pierre Zamorra, was für einen Franzosen nun wirklich kein ungewöhnlicher Vorname ist. Ob Jason Dark als geistiger Vater der Serie bei der Namensfindung des Parapsychologen damals an die spanische Stadt Zamora gedacht hat, weiß ich nicht. An das Land der Diebe, Halunken und Spitzbuben aus der Conan-Saga, das ebenfalls den Namen Zamora führt, hat er ganz gewiss nicht gedacht.
Werner hielt es für besser, dem Serienhelden nicht noch nachträglich einen Vornamen zu geben. Und das hat er auch eisern durchgehalten und selbst seine Co-Autoren haben sich immer daran gehalten. Bis jetzt jedenfalls.
Was jetzt natürlich auch anders werden kann. Denn der Vorname Zamorras, und zwar der wahre Vorname, auch das wäre mal so ein Mysterium für die neue Handlung. Womit wir wieder beim Thema wären. Die Kontroversen um die Zamorra-Handlung nach Werners zu frühem Dahinscheiden in eine für ihn sicher bessere Welt und dem Umgang mit seinem geistigen literarischen Erbe.
Das neue Autoren-Team mit der Redaktion als Führung ist sicher vom Grundsatz eines Hauseigentümers ausgegangen, der ein altes Haus gekauft hat, das sehr alt ist, von außen noch gut aussieht aber innen eben total marode ist, und man damit rechnen muss, dass es trotz der recht ansehnlichen Fassade demnächst einstürzen muss.
Natürlich sind solche alten Hütten meistens denkmalgeschützt wie vergleichsweise beim alten Zamorra-Konzept die Alt-Leser der Serie das Amt für Denkmalschutz darstellen, die strengste Auflagen geben, was da zu tun und zu lassen ist. Aber wenn irgendwann morgens früh die Hütte platt ist, dann muss sie eben neu aufgebaut werden. Und ein Neuaufbau ist meistens billiger und weniger zeitaufwändig wie ein sorgsames Restaurieren und Erneuern der alten Substanz, wo schadhafte Stellen entfernt und baufällige Teile ersetzt werden.
Von daher passt der Vergleich mit der Abriss-Birne vorzüglich. Bevor jemand was so richtig gemerkt oder begriffen hat, was die ganze Hütte platt gemacht hat, war es bereits geschehen - und nur einige wenige Teile können hoffen, entweder in alter Form oder runderneuert in den neuen Bau des Konzeptes eingefügt zu werden. Egal, wie immer der Denkmalschutz schreit und jammert die Sache ist unumkehrbar. Wie mein Freund Werner Kurt Giesa damals die wenigen vorhandenen Fundamente der Zamorra-Serie (Jason Darks Rahmen-Exposè mit den drei handelnden Figuren und dem Château in Frankreich) genommen hat, um darauf sein Gedankengebäude zu errichten, so gehen die heutigen Autoren daran, auf einigen fragmentarischen Fundamenten etwas völlig Neues aufzubauen.
Alleine der Tod Merlins oder die Trennung Nicoles von Zamorra das wäre bei Werner eine Art Gotteslästerung gewesen.
Wäre ich damals von Werner wieder mit ins Boot genommen worden, hätte ich selbstverständlich an mein altes Konzept mit der Höllenhierarchie angeknüpft und Werner den Weltraum überlassen dafür aber mit Himmel und Hölle gespielt. Werner kannte das Konzept, was ich hatte, sehr genau. Aber im Verlauf der Jahre, in denen wir von der Freundschaft her immer weiter auseinander gedriftet waren, hatte er ja viele neue Freunde gefunden, denen er im Zamorra die Chance gegeben hat.
Hypothetisch gesprochen: Wäre ich aber von Werner wieder mit reingenommen worden und ich habe ihm das mehrfach angeboten , dann hätte ich mir nach seinem Ableben ein Team von zusätzlich zwei, maximal drei Autoren zusammengestellt, mit denen die Zamorra-Handlung entweder durch persönliche Treffen, einen gemeinsamen Chat oder eine Telefonkonferenz entwickelt worden wäre. Es hätte dann pro Roman ein Exposé gegeben, das allerdings analog wie bei Perry Rhodan wenig Spielraum für eigene nachträgliche Ideen geboten hätte.
Das alte Konzept, was Werner und ich damals hatten, war nur möglich, weil Werner fast an jedem Wochenende bei mir in Ahnatal war und wir innerhalb der Bier-Konferenzen die Marschrichtung im Zamorra festlegten. Später, als er dann mit Heike in Altenstadt wohnte, hatte Werner einen neuen Freundeskreis und auch fast an jedem Wochenende Gäste. Vornehmlich echte Zamorra-Fans, mit denen dann nächtelang über die Serie diskutiert wurde und die Ergebnisse dieser Diskussionen konnte Werner dann in der Handlung verwenden. Ich habe ja schon mal in einer Teestunde erzählt, dass ich auf Cons immer mal von Fans drauf angesprochen wurde, wie mir diese oder jene Figur oder Handlungsebene im Zamorra gefallen würde und erfuhr so, wer sie eigentlich erfunden hatte. Aber so was bleibt bei solchen gemütlichen Abenden auch nicht aus wenn Brain-Storming - Gehirn-Sturm - angesagt ist.
So gern ich in Leserbriefen oder e-mails, die an mich geschickt werden, lese, dass die Zamorra-Romane aus der alten Zeit die Besten waren sie sind seit 25 Jahren Vergangenheit und wurden zu einer Zeit geschrieben, als viele der heutigen Leser noch nicht mal geboren waren.
Wenn Werner auch die Grundlinie nie verlassen hat, die damals gelegt wurde, hat er die Serie jedoch in seinen eigenen Gedankengängen weiterentwickelt. Oder eben in den Gedankengängen, die seine Frau Heike und später auch neben dem schon erwähnten Wochenend-Freundeskreis ein Super-Zamorra-Fan namens Christoph Funke dazu beitrugen.
Ja, so hieß einer der Ideengeber von Werner, wenn ich mich recht erinnere, und Werner hat ihn als Sparks in die Serie mit eingebaut. Das war damals der Roman »Wenn Sparks Dämonen jagt«, in dem Werner versucht hat, humorvoll zu sein. Eben genau dieser Roman, den Hermann und ich völlig unabhängig in die Ecke geschleudert haben (das haben wir uns erst Jahre später gestanden) und die Zamorra-Serie danach nur noch sporadisch verfolgten.
Werner konnte seinerzeit sehr spannend schreiben. Aber, was er als Humor ansah, darüber mochten andere Leute lachen. Wobei ich damals eigentlich angefangen habe, lustige Passagen in die Serie mit einzubauen. Speziell in Wortgefechten von Michael Ullich und Carsten Möbius. Meine Ex-Frau sagte damals, dass es schon sonderbar wäre, wenn man jemanden lachen sieht und dann feststellt, dass er einen Grusel-Roman liest wie es ihr damals im Bus von der Arbeitsstelle nach Hause passiert ist.
Nun, ich hatte damals noch das Ohr an der Szene und kannte so die Sprüche, die es gab. Speziell von Tina und Sandra (bekannt als Tina Berner und Sandra Jamis) kam eine Vielzahl von Redewendungen der damaligen Teenie- und Disco-Szene, die hier brandaktuell mit eingebaut wurden. Werner kannte diese Sachen aus dem Jugendzentrum in Lippstadt, wo er gelegentlich ehrenamtlich mitarbeitete, und hatte auf diese Art seine Kontakte zur Szene. Das Jugendzentrum war allerdings beendet, als Werner immer mehr ins Profi-Schreibe-Geschäft kam und zu wenig Zeit für diese Dinge hatte. Und selbstverständlich dann, nachdem er mit Heike zusammen war.
Werner hatte im Gegensatz zu den anderen Autoren der damaligen Heft-Szene die Handlung so in die Gegenwart gebracht, dass der Leser sie nicht als eine imaginäre Zeit, sondern als seine eigene Zeit erkennen konnte. Schon mit seinem ersten Roman hatte W.K. angefangen, als Musik, die gerade gespielt wurde, den aktuellen Titel von Abba zu nennen. Das gab es in anderen Heftromanen kaum, weil die dortigen Autoren hier eben nicht am Puls der Zeit waren.
Diese Art, die Zamorra-Serie speziell für jugendliche Leser aktuell zu halten, dürfte einen Großteil des damaligen Erfolges ausmachen. Und eben natürlich, dass Werner schon von Anfang an die eingefahrenen Gleise der alten Spukburgen und ähnlicher bekannter Kulissen aus den alten Hammer-Filmen verließ und durch sein Dämonen-Raumschiff mit den Meeghs und später den Mächtigen völlig neue Wege beschritt.
W.K. Giesas Vorteil war, dass Jürgen Grasmück, der ja nicht nur als Dan Shocker Grusel-Romane schrieb, sondern auch als Jürgen Grasse oder Jay Grams Science-Fiction geschrieben hatte, diese neue Art der Science Fiction dem Zamorra-Redakteur unterjubelte. Wie ich schon öfter erwähnte, war dieser Redakteur im Nebenberuf auch noch Jason Dark und hatte mit vier Sinclair-Heften und einen Taschenbuch pro Monat mehr als genug zu tun, als dass er sich lange damit befassen konnte, die angekauften Zamorra-Romane auch zu lesen.
So, und nur so war es möglich, dass Werner diesen Weg gehen konnte. Jeder andere Redakteur hätte trotz aller Spannung in den Romanen (lest sie mal, dann wisst ihr genau, was ich meine) die Texte an die Agentur und damit an den Autoren zurückgehen lassen mit der allbekannten Bemerkung, dass der Zamorra eben eine Grusel-Serie sei und kein Ableger von Perry Rhodan oder Ren Dhark.
Zumal Werner schon mit seinem »Dämonen-Raumschiff« und dem Folgeband »Verschollen in der Jenseitswelt« eigentlich einen Zweiteiler schrieb. So weit mir bekannt ist, hatte es innerhalb dieser Serie vorher noch keine Mehrteiler gegeben. Deshalb wurde auch Werners danach geschriebener Einzel-Roman »Lockruf aus dem Jenseits« im Erscheinen vorgezogen und kam mit der Schnapszahl Band 111 im Jahr 1978 heraus.
Die Leserbrief-Reaktionen, wenn es denn welche gegeben hat, müssen jedenfalls positiv gewesen sein. Denn relativ schnell bekam Werner von der Redaktion den Auftrag: »Schreiben Sie mal was über die Entstehung des Amuletts«, was zu Werners erster Trilogie führte.
Die Bände »Das Flammenschwert«, »Der Teufel aus dem Orient« und »Merlin, der Magier«, erschienen 1979 als »Kreuzzugs-Trilogie«, sind nicht nur der Grundstein für Werners Gedankengebäude, auf dem er anschließend seinen Zamorra-Wolkenkratzer baute, sondern danach war er auch als Hauptautor der Serie etabliert. Die anderen Autoren hatten in dieser Serie ohnehin nur zum Broterwerb mitgeschrieben. Werner machte mit diesen drei Romanen die Serie zu seiner Serie.
Dass er selbst ursprünglich mit dem »Zamorra« nichts zu tun haben wollte und auch Horror-Romane nur deshalb schrieb, weil es für ihn die einzige Möglichkeit war, ins Schreibe-Geschäft zu kommen, habe ich in früheren Teestunden schon erzählt. Wenn man einen Dan Shocker als Mentor und Agenten hat und durch ihn ins Geschäft gebracht werden will, dann geht es eben nur auf dieser Schiene. Wäre es G.F. Unger gewesen, dann hätte Werner den Weg über den Western nehmen müssen.
Aber nach der Kreuzzugs-Trilogie, zu der ich zu einem anderen Zeitpunkt noch einiges sagen muss, hatte W.K. Giesa innerhalb der Serie volle Zügelfreiheit und die anderen Autoren überließen ihm gern das Feld zumal sie mit Werners etwas unorthodoxen Gedankengängen nicht so recht klar kamen.
Ab dem »Lockruf aus dem Jenseits« baute sich Werner sein eigenes geistiges Château Montagne oder Avalon. Er brachte Strukturen in die Reihen der Freunde Zamorras wie auch in die seiner Gegner. Machten früher die Autoren in einem einzigen Band fast die gesamte Hölle platt, so übernahm Werner den Begriff der Schwarzen Familie (wenn ich recht informiert bin aus dem Dämonenkiller, was ja irgendwo passt, denn der Zamorra galt ja als Antwort auf den Dämonenkiller) und stellte als vorläufigen Ober-Teufel Zamorra den Fürsten der Finsternis also Asmodis, entgegen.
In den Grimorien wie z. B. der immer mal im Zamorra genannten Goethia (Werner hatte dieses Buch wir haben es uns damals gemeinsam mit dem Necronomicon bestellt) wird der Assi eigentlich Asmodeus genannt so eine Art Gegen-Gott, wenn man es als Asmo-Deus liest. Aber Asmodis war ein Name, der schon vorher durch die Grusel-Roman-Welten geisterte, den der Leser kannte und den man sich leicht merken konnte. Und das war für W.K. Giesa Grund genug, den Begriff Asmodis zu übernehmen.
Die Schwarze Familie, das klingt etwas nach Mafia wer hat hier was von Vatikan gemurmelt -, und genau diese Struktur war damals auch damit gemeint. Es war immer klar, dass der Große Boss, also der Kaiser Luzifer, irgendwo im Hintergrund war und Asmodis mit anderen Macht-Dämonen wie z. B. Nocturno, der Herrscher der Nacht, nur vorgeschoben waren. Und die kommandierten natürlich jede Menge Gangster hier natürlich Dämonen genannt.
Die Schwarze Familie, das war auch die Höllen-Struktur, die ich damals vorfand und anfangs nur einfach etwas ausbauen wollte wozu wir aber noch kommen.
Denn inzwischen habe ich, speziell nach dem Lesen von Mike Rennikes Schicksalswächter-Kolumne etwas nachgedacht über die Situation, die jetzt vom neuen Autoren-Team heraufbeschworen wurde.
Doch das lasse ich bis zur nächsten Woche ... genau so wie die Geschichte der Höllen-Hierarchie ... aber ich denke, die Dinge, die mir da eben wieder mal so eingefallen sind, waren für euch auch mal ganz interessant.
Alsdann bis in einer Woche und wer sich innerlich religiös auf die Osterwoche vorbereiten will, der sollte einfach mal wieder meine Passion lesen ... die Ereignisse in Jerusalem ab Palmsonntag, wie es vermutlich wirklich war ...
Da die meisten Autoren als Heldinnen meist die Frauen einbauen, die sie gerade vom Aussehen her faszinieren und diese Romanfiguren vor den geistigen Augen recht lebendige Züge annehmen können (jedenfalls bei mir war das so und bei Werner auch) haben sie mal lange, mal kurze, mal glatte oder mal gelockte oder gewellte Haare. Von der Farbe mal ganz zu schweigen. Durch den Trick mit Nicole Duvals Perücken-Tick konnte da dann jeder der Autoren machen, was er wollte. Nicole war in einem Roman mal blond, im nächsten eine schwarzhaarige Schönheit und im dritten eine attraktive Brünette. Hauptsache, sie war dabei genau so wie Bill Fleming die dritte unverzichtbare Hauptfigur des damaligen Roman-Schemas.
Die damalige Helden-Trinitatis der eigentliche Held, der gute und selbstlose Freund und die gut aussehende Frau zum Retten und für den Kuss auf Seite 62. Schon Werner hat durch eine Vielzahl von B-Helden, die nicht sang- und klanglos verschwanden, sondern innerhalb der Serie immer mal wieder dabei waren, dieses Standard-Konzept des Heftromans überwunden. Sicher einer der Gründe, warum sie Serie heute noch läuft. Irgendwo findet sich für jeden der Leser einer der B-Helden und -innen, mit denen er/sie sich identifizieren kann.
Zamorras Vorname dieses ewige Geheimnis hat irgendein Autor schon mal in einem Roman vor Band 110 gelüftet. Allerdings kann ich nicht mehr sagen, welcher Roman das war und wer ihn geschrieben hat.
Da hieß der Parapsychologe dann Pierre Zamorra, was für einen Franzosen nun wirklich kein ungewöhnlicher Vorname ist. Ob Jason Dark als geistiger Vater der Serie bei der Namensfindung des Parapsychologen damals an die spanische Stadt Zamora gedacht hat, weiß ich nicht. An das Land der Diebe, Halunken und Spitzbuben aus der Conan-Saga, das ebenfalls den Namen Zamora führt, hat er ganz gewiss nicht gedacht.
Werner hielt es für besser, dem Serienhelden nicht noch nachträglich einen Vornamen zu geben. Und das hat er auch eisern durchgehalten und selbst seine Co-Autoren haben sich immer daran gehalten. Bis jetzt jedenfalls.
Was jetzt natürlich auch anders werden kann. Denn der Vorname Zamorras, und zwar der wahre Vorname, auch das wäre mal so ein Mysterium für die neue Handlung. Womit wir wieder beim Thema wären. Die Kontroversen um die Zamorra-Handlung nach Werners zu frühem Dahinscheiden in eine für ihn sicher bessere Welt und dem Umgang mit seinem geistigen literarischen Erbe.
Das neue Autoren-Team mit der Redaktion als Führung ist sicher vom Grundsatz eines Hauseigentümers ausgegangen, der ein altes Haus gekauft hat, das sehr alt ist, von außen noch gut aussieht aber innen eben total marode ist, und man damit rechnen muss, dass es trotz der recht ansehnlichen Fassade demnächst einstürzen muss.
Natürlich sind solche alten Hütten meistens denkmalgeschützt wie vergleichsweise beim alten Zamorra-Konzept die Alt-Leser der Serie das Amt für Denkmalschutz darstellen, die strengste Auflagen geben, was da zu tun und zu lassen ist. Aber wenn irgendwann morgens früh die Hütte platt ist, dann muss sie eben neu aufgebaut werden. Und ein Neuaufbau ist meistens billiger und weniger zeitaufwändig wie ein sorgsames Restaurieren und Erneuern der alten Substanz, wo schadhafte Stellen entfernt und baufällige Teile ersetzt werden.
Von daher passt der Vergleich mit der Abriss-Birne vorzüglich. Bevor jemand was so richtig gemerkt oder begriffen hat, was die ganze Hütte platt gemacht hat, war es bereits geschehen - und nur einige wenige Teile können hoffen, entweder in alter Form oder runderneuert in den neuen Bau des Konzeptes eingefügt zu werden. Egal, wie immer der Denkmalschutz schreit und jammert die Sache ist unumkehrbar. Wie mein Freund Werner Kurt Giesa damals die wenigen vorhandenen Fundamente der Zamorra-Serie (Jason Darks Rahmen-Exposè mit den drei handelnden Figuren und dem Château in Frankreich) genommen hat, um darauf sein Gedankengebäude zu errichten, so gehen die heutigen Autoren daran, auf einigen fragmentarischen Fundamenten etwas völlig Neues aufzubauen.
Alleine der Tod Merlins oder die Trennung Nicoles von Zamorra das wäre bei Werner eine Art Gotteslästerung gewesen.
Wäre ich damals von Werner wieder mit ins Boot genommen worden, hätte ich selbstverständlich an mein altes Konzept mit der Höllenhierarchie angeknüpft und Werner den Weltraum überlassen dafür aber mit Himmel und Hölle gespielt. Werner kannte das Konzept, was ich hatte, sehr genau. Aber im Verlauf der Jahre, in denen wir von der Freundschaft her immer weiter auseinander gedriftet waren, hatte er ja viele neue Freunde gefunden, denen er im Zamorra die Chance gegeben hat.
Hypothetisch gesprochen: Wäre ich aber von Werner wieder mit reingenommen worden und ich habe ihm das mehrfach angeboten , dann hätte ich mir nach seinem Ableben ein Team von zusätzlich zwei, maximal drei Autoren zusammengestellt, mit denen die Zamorra-Handlung entweder durch persönliche Treffen, einen gemeinsamen Chat oder eine Telefonkonferenz entwickelt worden wäre. Es hätte dann pro Roman ein Exposé gegeben, das allerdings analog wie bei Perry Rhodan wenig Spielraum für eigene nachträgliche Ideen geboten hätte.
Das alte Konzept, was Werner und ich damals hatten, war nur möglich, weil Werner fast an jedem Wochenende bei mir in Ahnatal war und wir innerhalb der Bier-Konferenzen die Marschrichtung im Zamorra festlegten. Später, als er dann mit Heike in Altenstadt wohnte, hatte Werner einen neuen Freundeskreis und auch fast an jedem Wochenende Gäste. Vornehmlich echte Zamorra-Fans, mit denen dann nächtelang über die Serie diskutiert wurde und die Ergebnisse dieser Diskussionen konnte Werner dann in der Handlung verwenden. Ich habe ja schon mal in einer Teestunde erzählt, dass ich auf Cons immer mal von Fans drauf angesprochen wurde, wie mir diese oder jene Figur oder Handlungsebene im Zamorra gefallen würde und erfuhr so, wer sie eigentlich erfunden hatte. Aber so was bleibt bei solchen gemütlichen Abenden auch nicht aus wenn Brain-Storming - Gehirn-Sturm - angesagt ist.
So gern ich in Leserbriefen oder e-mails, die an mich geschickt werden, lese, dass die Zamorra-Romane aus der alten Zeit die Besten waren sie sind seit 25 Jahren Vergangenheit und wurden zu einer Zeit geschrieben, als viele der heutigen Leser noch nicht mal geboren waren.
Wenn Werner auch die Grundlinie nie verlassen hat, die damals gelegt wurde, hat er die Serie jedoch in seinen eigenen Gedankengängen weiterentwickelt. Oder eben in den Gedankengängen, die seine Frau Heike und später auch neben dem schon erwähnten Wochenend-Freundeskreis ein Super-Zamorra-Fan namens Christoph Funke dazu beitrugen.
Ja, so hieß einer der Ideengeber von Werner, wenn ich mich recht erinnere, und Werner hat ihn als Sparks in die Serie mit eingebaut. Das war damals der Roman »Wenn Sparks Dämonen jagt«, in dem Werner versucht hat, humorvoll zu sein. Eben genau dieser Roman, den Hermann und ich völlig unabhängig in die Ecke geschleudert haben (das haben wir uns erst Jahre später gestanden) und die Zamorra-Serie danach nur noch sporadisch verfolgten.
Werner konnte seinerzeit sehr spannend schreiben. Aber, was er als Humor ansah, darüber mochten andere Leute lachen. Wobei ich damals eigentlich angefangen habe, lustige Passagen in die Serie mit einzubauen. Speziell in Wortgefechten von Michael Ullich und Carsten Möbius. Meine Ex-Frau sagte damals, dass es schon sonderbar wäre, wenn man jemanden lachen sieht und dann feststellt, dass er einen Grusel-Roman liest wie es ihr damals im Bus von der Arbeitsstelle nach Hause passiert ist.
Nun, ich hatte damals noch das Ohr an der Szene und kannte so die Sprüche, die es gab. Speziell von Tina und Sandra (bekannt als Tina Berner und Sandra Jamis) kam eine Vielzahl von Redewendungen der damaligen Teenie- und Disco-Szene, die hier brandaktuell mit eingebaut wurden. Werner kannte diese Sachen aus dem Jugendzentrum in Lippstadt, wo er gelegentlich ehrenamtlich mitarbeitete, und hatte auf diese Art seine Kontakte zur Szene. Das Jugendzentrum war allerdings beendet, als Werner immer mehr ins Profi-Schreibe-Geschäft kam und zu wenig Zeit für diese Dinge hatte. Und selbstverständlich dann, nachdem er mit Heike zusammen war.
Werner hatte im Gegensatz zu den anderen Autoren der damaligen Heft-Szene die Handlung so in die Gegenwart gebracht, dass der Leser sie nicht als eine imaginäre Zeit, sondern als seine eigene Zeit erkennen konnte. Schon mit seinem ersten Roman hatte W.K. angefangen, als Musik, die gerade gespielt wurde, den aktuellen Titel von Abba zu nennen. Das gab es in anderen Heftromanen kaum, weil die dortigen Autoren hier eben nicht am Puls der Zeit waren.
Diese Art, die Zamorra-Serie speziell für jugendliche Leser aktuell zu halten, dürfte einen Großteil des damaligen Erfolges ausmachen. Und eben natürlich, dass Werner schon von Anfang an die eingefahrenen Gleise der alten Spukburgen und ähnlicher bekannter Kulissen aus den alten Hammer-Filmen verließ und durch sein Dämonen-Raumschiff mit den Meeghs und später den Mächtigen völlig neue Wege beschritt.
W.K. Giesas Vorteil war, dass Jürgen Grasmück, der ja nicht nur als Dan Shocker Grusel-Romane schrieb, sondern auch als Jürgen Grasse oder Jay Grams Science-Fiction geschrieben hatte, diese neue Art der Science Fiction dem Zamorra-Redakteur unterjubelte. Wie ich schon öfter erwähnte, war dieser Redakteur im Nebenberuf auch noch Jason Dark und hatte mit vier Sinclair-Heften und einen Taschenbuch pro Monat mehr als genug zu tun, als dass er sich lange damit befassen konnte, die angekauften Zamorra-Romane auch zu lesen.
So, und nur so war es möglich, dass Werner diesen Weg gehen konnte. Jeder andere Redakteur hätte trotz aller Spannung in den Romanen (lest sie mal, dann wisst ihr genau, was ich meine) die Texte an die Agentur und damit an den Autoren zurückgehen lassen mit der allbekannten Bemerkung, dass der Zamorra eben eine Grusel-Serie sei und kein Ableger von Perry Rhodan oder Ren Dhark.
Zumal Werner schon mit seinem »Dämonen-Raumschiff« und dem Folgeband »Verschollen in der Jenseitswelt« eigentlich einen Zweiteiler schrieb. So weit mir bekannt ist, hatte es innerhalb dieser Serie vorher noch keine Mehrteiler gegeben. Deshalb wurde auch Werners danach geschriebener Einzel-Roman »Lockruf aus dem Jenseits« im Erscheinen vorgezogen und kam mit der Schnapszahl Band 111 im Jahr 1978 heraus.
Die Leserbrief-Reaktionen, wenn es denn welche gegeben hat, müssen jedenfalls positiv gewesen sein. Denn relativ schnell bekam Werner von der Redaktion den Auftrag: »Schreiben Sie mal was über die Entstehung des Amuletts«, was zu Werners erster Trilogie führte.
Die Bände »Das Flammenschwert«, »Der Teufel aus dem Orient« und »Merlin, der Magier«, erschienen 1979 als »Kreuzzugs-Trilogie«, sind nicht nur der Grundstein für Werners Gedankengebäude, auf dem er anschließend seinen Zamorra-Wolkenkratzer baute, sondern danach war er auch als Hauptautor der Serie etabliert. Die anderen Autoren hatten in dieser Serie ohnehin nur zum Broterwerb mitgeschrieben. Werner machte mit diesen drei Romanen die Serie zu seiner Serie.
Dass er selbst ursprünglich mit dem »Zamorra« nichts zu tun haben wollte und auch Horror-Romane nur deshalb schrieb, weil es für ihn die einzige Möglichkeit war, ins Schreibe-Geschäft zu kommen, habe ich in früheren Teestunden schon erzählt. Wenn man einen Dan Shocker als Mentor und Agenten hat und durch ihn ins Geschäft gebracht werden will, dann geht es eben nur auf dieser Schiene. Wäre es G.F. Unger gewesen, dann hätte Werner den Weg über den Western nehmen müssen.
Aber nach der Kreuzzugs-Trilogie, zu der ich zu einem anderen Zeitpunkt noch einiges sagen muss, hatte W.K. Giesa innerhalb der Serie volle Zügelfreiheit und die anderen Autoren überließen ihm gern das Feld zumal sie mit Werners etwas unorthodoxen Gedankengängen nicht so recht klar kamen.
Ab dem »Lockruf aus dem Jenseits« baute sich Werner sein eigenes geistiges Château Montagne oder Avalon. Er brachte Strukturen in die Reihen der Freunde Zamorras wie auch in die seiner Gegner. Machten früher die Autoren in einem einzigen Band fast die gesamte Hölle platt, so übernahm Werner den Begriff der Schwarzen Familie (wenn ich recht informiert bin aus dem Dämonenkiller, was ja irgendwo passt, denn der Zamorra galt ja als Antwort auf den Dämonenkiller) und stellte als vorläufigen Ober-Teufel Zamorra den Fürsten der Finsternis also Asmodis, entgegen.
In den Grimorien wie z. B. der immer mal im Zamorra genannten Goethia (Werner hatte dieses Buch wir haben es uns damals gemeinsam mit dem Necronomicon bestellt) wird der Assi eigentlich Asmodeus genannt so eine Art Gegen-Gott, wenn man es als Asmo-Deus liest. Aber Asmodis war ein Name, der schon vorher durch die Grusel-Roman-Welten geisterte, den der Leser kannte und den man sich leicht merken konnte. Und das war für W.K. Giesa Grund genug, den Begriff Asmodis zu übernehmen.
Die Schwarze Familie, das klingt etwas nach Mafia wer hat hier was von Vatikan gemurmelt -, und genau diese Struktur war damals auch damit gemeint. Es war immer klar, dass der Große Boss, also der Kaiser Luzifer, irgendwo im Hintergrund war und Asmodis mit anderen Macht-Dämonen wie z. B. Nocturno, der Herrscher der Nacht, nur vorgeschoben waren. Und die kommandierten natürlich jede Menge Gangster hier natürlich Dämonen genannt.
Die Schwarze Familie, das war auch die Höllen-Struktur, die ich damals vorfand und anfangs nur einfach etwas ausbauen wollte wozu wir aber noch kommen.
Denn inzwischen habe ich, speziell nach dem Lesen von Mike Rennikes Schicksalswächter-Kolumne etwas nachgedacht über die Situation, die jetzt vom neuen Autoren-Team heraufbeschworen wurde.
Doch das lasse ich bis zur nächsten Woche ... genau so wie die Geschichte der Höllen-Hierarchie ... aber ich denke, die Dinge, die mir da eben wieder mal so eingefallen sind, waren für euch auch mal ganz interessant.
Alsdann bis in einer Woche und wer sich innerlich religiös auf die Osterwoche vorbereiten will, der sollte einfach mal wieder meine Passion lesen ... die Ereignisse in Jerusalem ab Palmsonntag, wie es vermutlich wirklich war ...
Kommentare
Was mich aber nun wirklich interessiert - eine immer gebetsmühlenartig, wiederkehrende Behauptung der jetzigen Macher ist, dass Werner den Tod Merlins selber geplant hat und sie nur seine nachträglichen Erfüllungsgehilfen sind.
Dem entgegen :
"Alleine der Tod Merlins oder die Trennung Nicoles von Zamorra ? das wäre bei Werner eine Art ?Gotteslästerung? gewesen"
Was ist denn nun richtig?
Grüße, Alter Wolf.
Diese Rückblicke und auch den Artikeln der anderen über Zamorra lassen mich wieder (wenn auch nur blaß) an die Romane erinnern, die ich damals gelesen habe.
Was die 'alte Hölle' unter Luzifer betrifft, ich hätte da so ne Idee... so eine Art Luzifer reloaded
Und Zamorra würde bei dieser Geschichte auf jemanden treffen, die noch keiner (so weit ich es weiß) im Gruselroman getroffen hat.
Aber das ist nur so ne Idee in meinem Kopf, die ich hier nicht breittreten will...
Bei John Sinclair dürfte das ganze eher eine Explosion sein, da die Serie so eng mit dem Autor verzahnt ist, das ich da nicht wirklich dran glaube das sie ohne Jason Dark weiterlaufen wird. Ich mag da garnicht dran denken welchen Sturm es im Wasserglas der Hardcore-Fans geben würde, wenn Sinclair dann in die Hände eines Autoren-Team übergeben wird. Um hier die Wogen einigermaßen glatt zu halten, müßte langsam mit dem Einbinden anderer Autoren in die Serie begonnen werden. Ansonsten geht die Serie wohl eher mit ihrem Schöpfer vom Markt.
hast du eigentlich den Roman Der Anti-Christ geschrieben, in dem Zamorra mit Asmodis bei der Kreuzigung Jesu dabei sein sollte?
Wäre nur ein riesiger Verwaltungsakt, denn sämtliche Akten von Geburtsurkunde über Ausweis, Pass, Führerschein usw müssten geändert werden. Mal von den Kosten abgesehen.
Ansonsten hatte ich schon die gleiche Idee.
Stellt sich nur noch die Frage, ob das nun tatsächlich der Vorname ist oder ob Band 3 eher ein umgeschriebener John Sinclair war, um mit dem bekannten Namen die neue Serie zu pushen.
Who knows??
Merlin selber sollte für die Handlung keine Rolle mehr spielen. Die Trennubg Zamorra und Nicole war ihm bekannt und wurde auch begrüßt und gebilligt.
Gruß Christoph Funke