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Planet Delta - Eine Kurzgeschichte

StoryPlanet Delta
Eine Kurztgeschichte

Er saß an ihrem Bett. John hielt Miriams Hand. Ihre Hand war kraftlos, dafür drückte John manchmal zwischendurch fester zu, damit sie spürte, dass sie noch am Leben war. Sie lag auf der Palliativstation, in ihrem Zimmer war ein zweites Bett, das John benützte, um ständig bei ihr zu sein. Heilung war keine mehr möglich, es ging nur noch um einen gnädigen Tod. Sie erhielt reichhaltig Morphium und verschiedene andere Beruhigungselexiere.

Manchmal sprach sie noch, leise. „Schade, dass ich nicht länger bei dir sein kann“, sagte sie. „Stell dir vor, in meinem letzten Traum hörte ich eine gesichtslose Stimme, die mir sagte: „Wenn du die Erdoberfläche verlassen haben wirst, gehst du zu den Sternen.“ Würdest du mich dort suchen?“, fuhr sie fort. „Ja, gewiss“, antwortete er, „ich werde dich suchen und ich werde dich finden, egal wie du aussehen magst, und ich werde an deiner Seite sein, das verspreche ich dir.“ Den folgenden Tag fiel sie in den ewigen Schlaf. Ihr Körper wurde zu Asche verbrannt, aus der ein Diamant erzeugt wurde, den John nun als Todesring statt als Ehering am Ringfinger der linken Hand trug.

John fühlte eine ungekannte Leere nach Miriams menschlichem Verlust. Auch wohlmeinende Freunde, die ihn aufforderten: „Komm, gehen wir doch mal wieder was gemeinsam trinken“, brachten keine Farben in die ihn umgebende Schwärze. Nein, er ging nicht aus, besuchte niemanden und lud auch niemanden zu sich ein. Er wollte zurzeit alleine sein. Eines Nachts im Traum erschien ihm Miriam, körperlos, doch ihre Stimme sprach: „Mein lieber John, ich bin nun ein Schwammwesen auf dem Planeten Delta, der den Polarstern umkreist“, und sie gab die Himmelskoordinaten ihres derzeitigen Standortes und den Bahnverlauf ihres Planeten durch. „Wirst du kommen?“, fragte sie abschließend. „Ja, ich werde zu dir kommen, ich werde alles dransetzen“, entgegnete John, „meine liebste Miriam.“

John, der Techniker war mit ausgeprägtem naturwissenschaftlichem Interesse, zudem Freizeit-Ausdauersportler, er hatte einen guten Körper und verfügte über einen scharfsinnigen Geist, ließ sich in einem Camp zum Astronauten ausbilden, was ein volles Jahr dauerte. Oft sprach in seinen Träumen Miriam zu ihm und er zu ihr. Sie sagte: „Weißt du, mein lieber John, bei mir hier oben ist kaum was los. Angst habe ich nur, dass mich ein Meteorit trifft. Obwohl: Die Chance dafür ist recht gering.“ „Ich habe schon Vorbereitungen getroffen, liebste Miriam, geht alles glatt, werde ich bald schon bei dir sein“, entgegnete John.

Einiges hatte sich zwischenzeitlich in der Raumfahrttechnik getan. Das Sol-Triebwerk war entwickelt worden. Ein Sol war die Geschwindigkeit des Lichtes. Die Höchstgeschwindigkeit betrug hundert Sol. Die Entfernung der Erde zum Polarstern waren vierhunderteinunddreißig Lichtjahre, und von dort zum Planeten Delta war es nur ein Katzensprung.

John musste für die Reise nicht viel lockermachen, dafür verpflichtete er sich, an Bord der Fähre Messungen durchzuführen und, wenn es nötig sein sollte, bei Störungen Hilfsdienste zu leisten. Er war kein reiner All-Tourist, der eine auf einen Monat verkürzte Raumfahrtausbildung verzeichnete, so wie viele andere, die in der Fähre eincheckten.

Die Fahrt dauerte etwas über drei Jahre. Die Fähre setzte auf Planet Delta auf, ganz in der Nähe des Schwammes, der Miriams Seele in sich trug. John lehnte es ab, Sauerstoff, Wasser, Nahrung und ein Zelt mitzunehmen. Er trug lediglich einen Raumanzug, als er vor Miriams Schwamm trat.

„Mein Geliebter, endlich bist du bei mir“, sprach Miriam. John legte sich neben sie und mutierte zu ihrer Lebensform.

Beleuchtete Gläser in der Bar der GRELLEn FORELLE - von Bright Angel
Zum Autor

Bright Angel (Pseudonym) wurde Mitte der 1960er Jahre in Kärnten geboren. Er ist ein unsteter Geist und ein rollender Stein. Er schreibt Lyrik, Prosa und Hörspiele und fotografiert. Er veröffentlichte Lyrik, Kurzprosa und Fotos in Zeitschriften und Anthologien und bei „Erozuna“, „Zukunftia“, „Gangway“ und „zugetextet.com“ im Internet.

Veröffentlichungen:

  • Gedichte in „Driesch“, Nr. 5  im Jahr 2011.
  • Kurzgeschichte in „Brückenschlag“, Band 27 im Jahr 2011.
  • Kurzgeschichte in „TrokkenPresse“, Nr. 5 im Jahr 2011.
  • Prosatext in „TrokkenPresse“, Nr. 2 im Jahr 2012.
  • Gedichte in und Gedicht auf „Brückenschlag“, Band 28 im Jahr 2012.
  • Miniaturen in „WORTSCHAU“, Nr. 17 im November des Jahres 2012.
  • Gedichte in „Spring ins Feld“, 13. Ausgabe, Dezember des Jahres 2012.
  • Kurzgeschichte in „Brückenschlag“, Band 29 im Jahr 2013.
  • Prosatext in „TrokkenPresse“, Nr. 3 im Jahr 2013.
  • Gedicht in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 59, 09/2013.
  • Kurzgeschichte in der Anthologie „Mein heimliches Auge, Das Jahrbuch der Erotik XXVIII“ vom konkursbuch Verlag
  • Claudia Gehrke im Jahr 2013.
  • Gedichte in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 60, 12/2013.
  • Gedichte in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 61, 04/2014.
  • Gedichte in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 62, 08/2014.
  • Kurzgeschichte und Gedicht in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 63, 11/2014.
  • Gedichte in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 64, 04/2015.
  • Kurzgeschichte und Gedicht in „DATT IS IRRE !“, Ausgabe 67, 04/2016.

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