Oh, meine Götter, Teil 19: Herakles III – Job zwei bis sechs

Oh, meine Götter!Teil 19:
Herakles III –
Job zwei bis sechs

Wer trug eigentlich „Eulen nach Athen“?

Wurde Sisyphus je mit seiner Arbeit fertig? Und kam der Götterbote auch immer ausgerechnet dann, wenn der Empfänger gerade leider nicht Zuhause war? Kleine Ausflüge in das Reich der griechischen Mythologie.

Gustav Schwab: Sagen des klassischen AltertumsDer zweite Auftrag von König Eurystheus führt Herakles in den Sumpf von Lerna, einen antiken Ort an der Ostküste Griechenlands. Dort haust die Hydra, ein neunköpfiges Schlangenwesen, das regelmäßig die umliegenden Felder verwüstet und grasende Herden reißt. Acht ihrer Köpfe sind sterblich, der mittlere aber nicht. Dieses gefährliche Ungeheuer soll unser Held nun erlegen.

Zusammen mit seinem Neffen Iolaos reist Herakles auf einem Pferdewagen in besagten Sumpf. Dort angekommen, ist die Höhle der Hydra schnell ausgemacht. Herakles lässt Iolaos den Wagen in der Nähe der Höhle halten und schießt brennende Pfeile in die Höhle, um die Hydra aus ihrem Versteck zu treiben. Das funktioniert ganz gut, denn schon bald kommt das zischende Untier hervor. Herakles geht mutig auf die Hydra zu und beginnt, mit seiner Keule auf ihre vielen Köpfe einzuschlagen. Er kann zwar einige treffen und zerschmettern, doch wo immer er einen Kopf zerstört hat, wachsen zwei neue. Gut, dass Iolaos mitgekommen ist, denn als er sieht, dass Herakles keine rechten Fortschritte machen kann mit seinem Köpfezerschmettern, entzündet er schnell eine Fackel. Mit dieser brennt er die Stümpfe, die Herakles auf den Hälsen der Hydra hinterlässt, aus. So können dort keine Köpfe mehr nachwachsen, und Herakles kann das Biest unter Kontrolle bekommen. Schließlich ist nur noch der mittlere und unsterbliche Kopf übrig. Auch diesen schlägt Herakles ab, vergräbt ihn in der Nähe der Höhle und wälzt einen schweren Stein darüber. Den Körper der Hydra spaltet er in zwei Teile. Seine Pfeilspitzen taucht er in das giftige Blut der toten Kreatur, wodurch seine Geschosse von nun an ziemlich üble Wunden hervorrufen.

Die dritte Arbeit, die Herakles erfüllen soll, ist das Fangen einer Hirschkuh. Das wäre nun als solches nichts Besonderes, doch es handelt sich nicht um irgendeine Hirschkuh. Herakles soll Kerynitis fangen, ein herrliches Tier mit goldenem Geweih, eines der fünf Tiere, an denen die Göttin Artemis ihre erste Jagdprobe abgelegt hat. Einzig die Hirschkuh Kerynitis wurde damals nach erfolgreicher Jagd von der Göttin wieder frei gelassen. Und diese Hirschkuh soll nun von Herakles lebendig zu König Eurystheus gebracht werden.

Dies wird eine recht langwierige Aufgabe für Herakles. Ein ganzes Jahr lang sucht er ganz Griechenland nach dem Tier ab, bis er sie endlich am Ufer des Flusses Ladon findet. Nun hat Herakles aber keine Idee, wie er die Hirschkuh unversehrt fangen und nach Mykene bringen soll. Das einzige, was ihm einfällt, ist, sie mit einem Pfeilschuss zu betäuben (vermutlich hat Herakles noch andere Pfeile dabei als die giftigen Hydra-Pfeile). Als er das bewusstlose Tier auf seinen Schultern in Richtung Mykene trägt, trifft er auf die erboste Artemis. Wie kann jemand es wagen, das ihr geweihte Tier töten zu wollen! Doch das Missverständnis ist schnell aufgeklärt, als Herakles ihr versichert, er habe dem Tier kein Leid antun und es nur betäuben wollen. Die Göttin lässt ihn ziehen, und so kann Herakles auch hinter seine dritte Aufgabe ein Häkchen setzen.

Herakles bleibt keine Zeit zum Ausruhen, denn König Eurystheus hat schon die nächste Arbeit für ihn parat. Als viertes soll der Held den erymanthischen Eber fangen und lebendig nach Mykene bringen. Was Eurystheus mit all diesen Tieren vor hat, weiß er allein, aber auch der Eber ist der Göttin Artemis geheiligt und macht sich sicher auch gut im königlichen Tierpark.

Auf dem Weg in die Gegend, in der der Eber leben soll, macht Herakles bei Pholos Halt, einem Zentauren, der anders als seine Artgenossen sehr gastfreundlich ist und Herakles zum Essen einlädt. Aber so ganz ohne guten Trunk rutscht das Essen so schlecht, und so überredet Herakles des Zentauren dazu, ein altes Weinfass im Keller zu öffnen. Dieses Fass ist aber ein gemeinschaftlicher Besitz aller Zentauren, und als die anderen Halbwesen den Duft des Weines riechen, eilen sie wütend und bewaffnet herbei. Herakles tötet die ersten Zentauren, die sich in das Lager von Pholos wagen, und verfolgt die übrigen mit seinen vergifteten Pfeilen. Die Zentauren flüchten zu Chiron, einem anderen Zentaur, der ein alter Freund Herakles´ ist. Versehentlich wird Chiron von einem der giftigen Pfeile getroffen. Er ist zwar unsterblich und stirbt nicht an dem Gift, leidet aber schreckliche Qualen unter der zugefügten Wunde. Herakles tut sein Irrtum furchtbar leid, er verabschiedet sich unter Tränen von seinem Freund und verspricht, ihm eines Tages den Tod als Erlöser zu schicken. Zurück in der Unterkunft des Pholos muss Herakles feststellen, dass dieser sich ebenfalls an einem der Pfeile gestochen hat und tot ist. Herakles beerdigt seinen Freund tief betrübt.

Nach so viel Ärger um ein bisschen Wein ist das Fangen des Ebers eher unspektakulär. Herakles findet das Tier, treibt es mit lautem Gebrüll aus dem Dickicht und verfolgt es in ein tiefes Schneefeld. Dort jagt er den Eber, bis dieser müde wird und fängt ihn schließlich mit einem Strick. So kann er ihn wie befohlen lebendig nach Mykene bringen.

Die fünfte Arbeit, die Herakles verrichten soll, klingt etwas weniger ruhmreich. Herakles soll für den König von Elis den Stall ausmisten. Augias heißt dieser König und besitzt über 3000 Rinder. Da schon seit geraumer Zeit niemand mehr saubergemacht hat, hat sich eine beträchtliche Menge Mist angesammelt, die Herakles nun innerhalb von einem Tag wegschaffen soll.

Als Herakles vor Augias tritt und ihm das Ausmisten seiner Ställe anbietet , erwähnt er zunächst nicht, dass Eurystheus ihn schickt. Augias kommt das Ganze so reichlich komisch vor, und er befürchtet, dass Herakles sich durch einen Trick an ihm bereichern will. Allerdings ist es völlig unmöglich, all den Mist innerhalb von einem Tag wegzuschaffen, also denkt sich Augias, lass den jungen Helden mal ruhig machen, und bietet ihm ein Zehntel seiner Viehherden, wenn der Stall am Ende des Tages sauber ist.

So macht sich Herakles an die Arbeit. Doch statt sich die Hände mit einer so Halbgott-unwürdigen Aufgabe schmutzig zu machen, gräbt er an zwei gegenüberliegenden Seiten des Stalles ein Loch. Durch einen Kanal leitet er zwei große Flüsse durch den Stall und lässt den ganze Mist einfach wegspülen. Als Herakles seine unmögliche Aufgabe so also geschafft hat, leugnet Augias, dass er ihm eine Belohnung dafür versprochen hat. Ein eigens einberufenes Gericht entscheidet aber zu Herakles´ Gunsten, unter anderem, weil der Sohn des Königs für ihn aussagt.

Zurück in Mykene, will Eurystheus die fünfte Arbeit nicht anerkennen, denn es war schließlich nicht ausgemacht, dass Herakles irgendeinen Lohn für sein Tun erhält. Trotzdem schickt er unseren Helden direkt weiter zur sechsten Aufgabe. Als nächstes soll Herakles die Stymphaliden verjagen. Diese großen Raubvögel mit eisernen Schnäbeln und Klauen hausen um den See Stymphalos in Arkadien und haben die Fähigkeit, ihre Federn wie Pfeile abzuschießen, wodurch sie eine große Gefahr für die Bevölkerung darstellen.

Als Herakles am See ankommt, ist er fassungslos, so groß ist die Schar der Vögel. Ratlos überlegt er, wie er bloß eine so ungeheure Menge an Vögeln verjagen soll. Da erscheint hinter ihm die Göttin Athene. Sie gibt ihm zwei große eiserne Klappen, die Hephaistos, der Gott der Schmiedekunst, ihr gemacht hat. Mit diesen Klappen klettert Herakles auf eine Anhöhe in der Nähe und schlägt sie kräftig gegeneinander. Das macht ein solches Getöse, dass die Stymphaliden davonfliegen. Sie verlassen die Gegend und kommen nicht wieder.

Auch nach erfolgreich absolvierter sechster Aufgabe darf Herakles nicht ausruhen. Eurystheus wird unseren Helden als nächstes nach Kreta schicken. Aber dazu mehr in der nächsten Woche.

Mehr dazu in:  »Sagen des klassischen Altertums« (1838-1840) von Gustav Schwab

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