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Der letzte Wagen nach Raivavae ... - Horst Hübner zum 75.

Horst HübnerDer letzte Wagen nach Raivavae ...
Horst Hübner zum 75.

Mitte Juli erreichte mich eine E-Mail aus dem Schwäbischen. Sie stammte vom Redaktionsleiter der Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote, Klaus Michael Oßwald. Was sollte eine Lokalzeitung wohl von uns wollen? Neugierig machte ich sie auf und stellte fest, dass die Zeitung unter anderem in Gaildorf erscheint. In diesem Ort wurde Horst Hübner heute vor 75 Jahren geboren. Und dieser Geburtstag war auch der Grund der E-Mail aus dem Schwäbischen ...

 

Der Zeitungsbericht Zum 75. Geburtstag Horst Hübners wollte die Zeitung an den Weltenbummler, Journalisten und Autor erinnern, der ja leider vor nunmehr zweieinhalb Jahren von uns gehen musste. Seine Heimatregion sollte erfahren, welch Paradiesvogel in Gaildorf das Licht der Welt erblickte. Der Nachruf fiel mir seinerzeit nicht leicht. Überhaupt nicht.

Seine Recherche in Sachen ›Hübner‹ hatte Klaus Michael Oßwald zum Zauberspiegel geführt. Uns war es ja gelungen, einen Teil der Lebenserinnerungen Hübners zu seinen Reisen, seiner Zeit in Diensten des Bastei- und des Marken-Verlages und einige der Charakterköpfe durch penetrantes Nachfragen zu erhalten. Ich bin glücklich, ihn so lange genervt zu haben, bis das auch klappte. Denn sonst hätte der Herr Oßwald lange suchen können, um etwas über Horst Hübner zu erfahren, und wir wären um einige herrliche Geschichten ärmer.

Ich höre heute noch manchmal die CD, auf die wir Horst Hübners Erzählungen gebannt haben. Immer, wenn ich seinen munteren Erzählungen lausche, verfalle ich in Wehmut, und Erinnerungen tauchen auf. Erinnerungen an unsere Begegnungen und Telefonate. Erinnerungen daran, wie er Rolf mit geradezu diebischer Freude über seine Identität als P. Eisenhuth in die Irre führte. Das machte ihm Spaß, und ich hatte auch meine Freude daran. So viele Erinnerungen ...

Auch bei diesem Besuch entstanden - Horst Hübner und ichHerr Oßwald bat um ein Foto. Ein Foto, das Bettina bei unserem einzigen gemeinsamen Besuch im Herbst 2008 im Hause Hübner ›geschossen‹ hatte. Natürlich war es keine Frage, dieses Bild zur Verfügung zu stellen. Aber da war wieder die Erinnerung an diesen Besuch. Das war ein wunderschöner Tag.
 
Und hätten wir nicht noch Bettinas Tante in Hürth besuchen wollen, hätten wir wieder endlos gequatscht. Hätte ich gewusst, dass kaum ein halbes Jahr später die Krebsdiagnose gestellt wurde ... Nicht grämen. Nicht ärgern. Es ist, wie es ist.

Das nächste Mal waren wir dann in Bergisch Gladbach, um an der Trauerfeier teilzunehmen und den sterblichen Überresten Horst Hübners zu folgen, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Das war dann kein so wunderschöner Tag.
 
Obwohl: Wir wurden mit den anderen Trauergästen zum Kaffee gebeten. Wie das so ist, wenn man sich nach einer Beerdigung trifft: Es werden Erinnerungen an den Verstorbenen ausgetauscht. Ich kam mit Menschen ins Gespräch, die ich nie zuvor getroffen hatte. Wir unterhielten uns über Horst. Die Römer sagten »De mortuis nil nisi bene!« [Über die Toten (soll man) nur in guter Weise (reden)!], aber das war es nicht. Es war keine Pflichtübung, die man schweren Herzens erfüllte. Es gab bei allen so viele Erinnerungen an Horst, und die waren sehr lebendig, und er hat so viele positive Spuren in den Leben der Anwesenden hinterlassen, dass man offensichtlich gar nicht anders konnte, als dem römischen Sprichwort gerecht zu werden.

Und heute nun wäre Horst 75 Jahre alt geworden. Ja, ich hätte Rolf zu der Feier begleitet und ja, ich folge Rolfs Anregung und sitze in dem Moment, da der Text online geht, vor einer dampfenden Tasse Kaffee und erhebe sie, um Horst – wo immer er sein mag - zum Geburtstag zu gratulieren. Vielleicht lese ich dann noch einmal die gestrige Teestunde.

Horst und Renate HübnerIch selbst würde mir wünschen, er könnte noch einen Roman nur für mich schreiben. Ein Roman, der so ist wie sein erfolgreichster Roman, eben »Der letzte Wagen nach Montana« oder einen wie »Der Spiegel des Grauens«.

Aber manche Wünsche bleiben eben unerfüllt. Und selbst wenn ich ihm dafür ein paar tausend Euro bieten würde, er würde ihn auch nicht schreiben. Er sagte, seine Zeit als Autor sei vorbei und nun wären andere dran. Basta!

Es sei denn, wir hätten damals Rolfs Konzepte an den Mann bzw. den Verlag gebracht, denn so dumm wie James Bond war Horst nicht. Beides hätte ihn gereizt. Die »Sattelgefährten« wie auch »Rick Jones« hätten ihn zu einem Comeback verleiten können. Auf meinem 30. war es, als Rolf und Horst die Köpfe zusammensteckten und aufgeregt wie kleine Kinder tuschelten. Da blitzte es in den Augen Horst Hübners. Das war seine Welt.

Doch es wurde nichts draus. Schade drum.

Aber nun will ich meinen Kaffee genießen, die CD ins Laufwerk schieben und ein bisschen in Erinnerungen schwelgen. Ihr entschuldigt mich.
 
Und morgen rufe ich mal wieder Renate Hübner an und werde mit ihr über das Hier und Heute plaudern. Es geht ja auch um das Jetzt. Wir halten immer noch Kontakt ...

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