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Infininauten – Eine Einleitung

Making of ... InfinautenInfininauten – Eine EinleitungWolfgang Trubshaw

Herzlich willkommen bei einer Reihe von halb bloghaften, halb werkstattberichtartigen Artikeln, die es ab heute (dank Horsts großzügiger Erlaubnis) wöchentlich beim Zauberspiegel zu lesen geben wird.

In diesen Artikeln wird Schritt für Schritt über meine weisheitstriefenden Überlegungen, durchtriebenen Planungen, erlangte Erkenntnisse, gemachte Erfahrungen und (hoffentlich nicht!) gezahltes Lehrgeld geschrieben werden – bei dem höchst fannisch-vermessenen Versuch, im Alleingang (planend, lektorierend, zeichnend, malend, layoutend, „druckvorstufend“ und natürlich ... schreibend!) eine Science-Fiction-Heftromanserie namens INFININAUTEN im Selbstverlag über BOD zu realisieren.

In diesem ersten, quasi vorworthaften Artikel der Reihe gehen wir es noch langsam an, möchte ich lediglich kurz über mich sprechen, um zu vermitteln, wo der Drang zu so einer Wahnsinnstat seinen Ursprung hat.

Mein Name ist Wolfgang Trubshaw, geboren 1976 in Wien, jener Generation angehörig, die mit Hörspielen (Commander Perkins, Perry Rhodan, TSB-Sinclair, MOTU, Flash Gordon, Funk-Füchse, etc.) aufgewachsen ist, die Hoch- und Endzeit der Heimcomputerei noch aktiv miterlebt hat, mit Das Schwarze Auge (v1 u. v2) tierischen Spaß hatte, aber vor allem: mit Heftromanen als erste echte Lektüre aufgewachsen ist.

Mit dem Heftchen-Virus angesteckt wurde ich von meiner Großmutter und teilweise auch von meiner älteren Schwester. Erstere las ausnahmslos Krimis, meine Schwester las ausnahmslos Gruselromane. Waren die Krimis nicht so ganz meines, waren es die Heftchen meiner Schwester umso mehr. Schon in Grundschultagen habe ich die Hefte nicht nur gelesen (lies: stapelweise verschlungen), sondern bereits (innerhalb der Grenzen meines Taschengeldes) auch gesammelt, besonders Professor Zamorra, der zu jener Zeit sehr fantasylastig war.

Über die Comics (zuerst Conan von Marvel, später die großen Phantastic-Comics, dann auch Manos in den Geister-Geschichten Bastei-Comics) kam ich indirekt zu Fantasy-Heftromanen (zu meiner Zeit ist MYTHOR noch gelaufen, und Basteis FANTASY hab ich von Anfang bis Ende am Kiosk live miterlebt). Und dadurch noch indirekter auch – vielleicht etwas unerwartet – zu Atlan.

Auf die Science-Fiction-Heftromane bin ich schon davor über Perry Rhodan gestoßen. Mein Weg führte mich von den Europa-Hörspielen in den ersten Silberband und von dort in den damals gerade aktuellen Band der Viertauflage, von welchem ich extremst abgeschreckt war, weil ich aber genau Null verstanden habe und kehrtwendend rüber in das späte TERRA ASTRA gewechselt bin, dessen abgeschlossene Romane wesentlich mehr meines war. Und erneut auch aus dieser Richtung hin zu Atlan.

Atlan zieht sich wie eine Art roter Faden durch jene Jahre, weil er so wunderbar anders war als Perry. Die heutige Reihe MADDRAX vom Bastei-Verlag mag an guten Tagen mit Perry Rhodan an schlechten Tagen mithalten können, aber gegen Atlan kann der gute Herr Drax ganz sicher nicht ankommen. Für mich versteht sich MADDRAX übrigens auch als Atlan-Verschnitt, somit nichts, was wirklich in irgendeiner Konkurrenzstellung mit Rhodan wäre. Aber ich schweife ab ...

Jedenfalls kennt man das ja, dass egal, welches Hobby man längere Zeit passiv betreibt, man irgendwann einmal es auch aktiv betreiben möchte, und schon sehr früh begann ich (wie vermutlich sehr viele von euch ebenfalls, die diese Zeilen gerade lesen) mit dem Hobby Schreiberei.

Von meinem ersten Geisterjäger „Jake Blackwood“ (dessen Titel-Liste wesentlich länger war, als je ein zusammenhängendes Stück Prosa wurde), über meinen Haudrauf „Cymmryc der Barbahr“ (samt stummem H, jawoll! Dessen höchst frühreifer Autor in fragwürdigster Weise diesmal nicht enden wollende Prosa über Prinzessinenerrettungen und nachträgliche –schändungen von sich zu geben vermochte), hin zu dem, was man heute „Fan-Fiction“ nennt über Atlan, Zamorra, aber auch Captain Future (!). Die Palette war breit ...

Sukzessive wurde die Schreibe aber besser. Im Gymnasium folgte Eins auf Eins auf Eins (in Deutsch jedenfalls, Physik und Chemie und Mathematik sind ein anderes Thema). Als Teenager wurden dann die üblichen Hintergrundwelten geschaffen, für eigene Pen&Paper-Rollenspiele, für eigene Superhelden-Universen, was nicht! Und vermehrt auch hin zur Kurzgeschichte gewechselt.

Bei den Sinclair-Neuauflagen habe ich drei Kurzgeschichten unterbringen können (von drei Einsendungen – ich wünschte, ich hätte diese Quote auch bei Frauen gehabt), von denen aber nur die letzte mir auch heute noch gelungen wirkt. In den Heftroman selbst habe ich es jedoch nie geschafft (wer Interesse hat: Sammler-Edition Band 126).

Mit ein Grund, weshalb ich es wohl nie in den Heftroman geschafft habe, dürfte sein, dass ich es nie wirklich versucht habe, dass ich mich nicht dazu durchringen konnte und kann, zehn Jahre Fürstenroman zu schreiben, um irgendwann hernach vielleicht mal eine Chance bei etwas zu bekommen, das mich tatsächlich interessiert, sorry. Weil ich (als Wiener ist man auf so etwas seeeehr allergisch) die Vetternwirtschaft körperlich nicht ertrage, in einem Geschäft, in dem alte Bekanntschaften über das Autor-Werden entscheiden, ich als introvertierter und eher menschenscheuer, einzelgängerischer Zeitgenosse mal wieder der Blöde wäre.

Außerdem hatte ich immer das Pech, dass alles, was mir gefiel, eingestellt wurde oder aus der Mode kam, bevor ich ernsthaft eine Chance hatte, in dem Bereich etwas zu tun. Im Superhelden-Comic etwa hätte ich auch gerne einmal gearbeitet, aber das war noch zu einer Zeit, als Superhelden-Comics grafisch erträglich waren. Vor der ganzen Image-Kritzelei, die unprovoziert und mutwillig alles kaputt gemacht hat, was mir lieb war und woran ich glaubte, genau wie Nirvana in harter Musik unprovoziert und mutwillig alles kaputt gemacht hat. In Abwandlung einer Type-0-Negative-Liedzeile: Everything I love is dead ...

Und irgendwie ist mir im Heftroman auch „alles kaputt gemacht“ worden. Durch die Einblicke, die man dann im Internetzeitalter so bekommen hat. Durch Hellmann, durch Vampire, und mit jedem neuen Artikel, der von ehemals Aktiven in diesem Geschäft hier beim Zauberspiegel erscheint, kommt mir rückblickend mehr und mehr das Kotzen über die „Zustände“ in dem Bereich.

Ich will meine sich nicht weitergedreht habende, schöne heile Welt (nee, nicht östrogenverseucht Kelter-like, keine Sorge!). Eine schöne heile Welt, in der die fiese Maloche Heftchenmaschinerie keine solche ist, verdammt noch mal!

Und deshalb, und nur deshalb, werde ich also die höchste Turmkammer in jenem eskapistischen Elfenbeinturm erklimmen (was dauern kann, da ich nicht der sportlichste Typ und obendrein Raucher bin), der da Selbstverlag heißt. Weil der Drang zu schreiben stärker ist denn je. Und ich will nicht nach Regeln eines Spiels spielen müssen, das mich so eigentlich nicht interessiert.

Im nächsten Artikel – dem eigentlichen Artikel Nr. 1 – widme ich mich dem WAS die Serie Infininauten eigentlich sein wird, und warum genau sie das sein wird. Warum es Science-Fiction geworden ist, nicht Horror oder Fantasy. Bis dahin!Wolfgang


Kommentare  

#1 Norbert 2008-05-07 09:35
Na, das ist doch mal wirklich interessant. Ich habe in Deinen einleitenden Worten sehr viel auch von mir wiedergefunden. Irgendwann fängt man wirklich an, seine Gedankenwelten umsetzen zu wollen. Ich kenne das zur Genüge. Allerdings scheiterte es bei mir immer am Job (bin Schichtdienstler) und an der eigenen sehr extremen Wankelmütigkeit.
Ich bin schon sehr gespannt auf Deine kommenden Artikel, da Du etwas machst, wofür ich nie die Energie aufbrachte. Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg bei Deinem Vorhaben und bleibe sicherlich ein treuer Leser Deiner Artikel. Auch auf das Endprodukt werde ich gespannt warten.
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#2 Cartwing 2008-05-07 18:01
Bin ebenfalls neugierig. Wobei - der Titel... :sigh: ich finde, da verknotet sich die Zunge zu sehr. Muss es denn unbedingt ein "Nauten" am Ende sein?
Ansonsten kam mir in deinem Text auch einiges bekannt vor. Bei mir hats mit dem Heftroman auch nie geklappt. Was aber hauptsächlich an meiner ausgeprägten Faulheit und dem Mangel an Ehrgeiz lag, es in die Rige der Heftautoren zu schaffen.
Dass man aber erst Liebesromane, Western oder Krimis schreiben muss, bevor man in sein bevorzugtes Genre wechseln darf, stimmt nicht so ganz. Siehe z.B. "Dämonenland". Da haben auch ein paar Neulinge Romane beisteuern können, weil sie einfach gut waren.
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#3 Wolfgang Trubshaw 2008-05-07 23:13
Danke für die guten Wünsche. Mangelnder Ehrgeiz (so das das richtige Wort ist) ist bei mir sicher auch ein Grund gewesen, wobei ich mir nie sicher bin, ob ich die gleiche Definition für das Wort habe wie offenbar der Rest der Welt.

Ja, das -nauten muss sein! :lol:
Ich habe der leichteren Aussprache halber bewusst das Logo mit dem Unendlichkeitssymbol zwischen "Infini" und "Nauten" gesetzt, damit man (zumindest wenn man dann irgendwann mal als Leser das gedruckte Machwerk in Händen hält) gar nicht auf die Idee kommt, In-fin-in-auten zu sagen, nur um hernach draufzukommen, dass es doch In-fi-ni-nauten heißt.

Und ja ...
*singt* Wo sind all die Reihen hin, wooo sind siiiie gebliiiieben? *hört wieder auf mit singen*
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#4 Lefti 2011-06-04 17:33
Zitat:
?Jake Blackwood? (dessen Titel-Liste wesentlich länger war, als je ein zusammenhängendes Stück Prosa wurde)
Jake Blackwood hört sich schon mal gut an. Wenn er jetzt noch in einem Steam-Fantasy-Setting mit Piraten usw. sein Unwesen treibt, könnte das ein guter Aufhänger für evtl. Kurzgeschichten sein.

Könntest Du noch die Titel-Liste veröffentlichen? :roll:
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