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Infininauten – Die Anfänge

Making of InfinautenInfininauten – Die Anfänge

Hallo beim ersten Artikel einer Reihe über das Entstehen einer Sciencefiction-Serie und die Mühen und Wehen des Selbstverlags über BoD. Nachdem vorige Woche kurz erklärt wurde, wie man auf so eine abartige Idee überhaupt kommen kann, wird diesmal ein erster Einblick in die Serie INFININAUTEN gewährt.

Jeder regelmäßige Leser von Heftromanen wird sich schon mal – so er auch nur Spurenelemente von Kreativität besitzt, nicht mal zwingend Drang oder Hang zum Schreiben – den Kopf über eigene Helden und eigene Serien zerbrochen haben. Liest man Krimis, wird man seinen eigenen Inspektor oder Schnüffler erdacht haben, liest man Fürstenromane sein eigenes steifhemdiges, schicksalsgebeuteltes Adelshaus, liest man Gruselromane seinen eigenen furchtlosen Höllenviehplattmacher, liest man Western seinen eigenen O-beinigen Wortkargen mit schneller Hand – die Liste ließe sich für jedes Genre ergänzen und fortsetzen. Und jeder Leser, der seit Jahrzehnten regelmäßig Heftromane liest, wird derer gleich dutzendfach haben.

Als jemand, der seit guten 25 Jahren Heftchen liest, gehöre auch ich in diese letzte Kategorie. Nach letztem Stand habe ich gleich sieben detailiert ausgearbeitete Grusel/Horror-Serien im Kopf, von sehr konservativen Para-Ermittlern aus den Siebzigern, hin bis zu judeo-christlich Gotteslästerlichem, das kein Heftromanverlag je auch nur mit der Kneifzange anrühren würde. Nichts davon braucht die (Heftroman-)Welt.

In der Fantasy ist es noch schlimmer. Die Anzahl an Hintergrundwelten, die ich mir im Laufe der Jahre ausgedacht habe, ist mir mittlerweile selbst nicht mehr überschaubar, zumal sie sich teilweise überlappen, ähnlich Parallelwelten. Ich leide in der Fantasy an chronischer „Ausuferitis“: Will ich bloß mal übers Wochenende eine in sich abgeschlossene Fantasy-Kurzgeschichte schreiben, bin ich einen Monat später gerade dabei, die Niederschlagstabellen des nordöstlichen Kontinents zu bedenken, während ich geichzeitig über die tausendjährige Geschichte des Kupferabbaus des Südkontinents grüble, und welche Handelsrouten sich in der Zeit aufgetan haben mögen. Die eigentliche Kurzgeschichte selbst steckt auf Seite drei fest . . .

Faszinierenderweise ist das bei der Sciencefiction für mich anders. Als die englischsprachigen Klassiker im Taschenbuch alle gelesen waren, ich draufgekommen war, dass die Herren der New Wave (Silverberg & Co.) Mitte der Siebziger ins elitäre Sülzen gekommen waren, hab ich den Schlussstrich gezogen. All das, was danach Cutting-Edge war, wie etwa Cyberpunk, war nie etwas, an dem ich groß Interesse hatte.

Somit habe ich von den drei großen Unterbereichen der Phantastik meine Kreativität fast ausschließlich mit Grusel/Horror und Fantasy verplempert, wohingegen Sciencefiction etwas war, das ich nur zur Ergänzung, und nur „passiv konsumierend“ mitgenommen habe, auf Sparflamme nebenher.

(Geduld, ich komme zum Punkt!)

Mitte 2007 bin ich darüber gestolpert, dass der Hamburger Kelter-Verlag im Jahr 2008 sein 70-jähriges Bestehen feiert. Also habe ich mich hingesetzt und gleich ein aus mehreren Titeln bestehendes, komplettes Instant-Spannungsromanprogramm für Kelter zu planen begonnen, das ich ihnen im Stile Grima Schlangenzunges zu ihrem Jubiläum einrede hätte wollen.

Darin war neben einer Fantasy-Serie über einen adoleszenten, pummeligen Ninja (der die Manga-, Anime- und Tradingcards-Bubis „anmarketingen“ sollte), oder etwa einer Männerschicksals-Serie über die Mitglieder einer Amateurfussballmanschaft (Kratzer im Lack, Scheidungsopfer, Bierzelt-Aufriss, etc.) eben auch eine Sciencefiction-Serie namens . . .

Infinauten-Logo

INFININAUTEN – Bezwinger der Unendlichkeit

Eingereicht habe ich das Programm an Kelter nie. Vielleicht fehlte mir die Zuversicht, den Grima überzeugend bis zu Ende geben zu können. Vielleicht hatte ich auch nur zu lebhaft vor Augen, wie Schlangenzunge endete. Vielleicht ist mir aber auch nur gedämmert, dass ich gerade dabei war, der dunklen Seite der Macht zu verfallen, indem ich genau den gleichen zynischen Schrott anbot – gute Konzeption hin oder her – durch den mir mein Bild vom Heftroman im Laufe der Zeit ruiniert worden war.

Und mir dämmerte, dass ich von den ganzen Titeln eigentlich kaum wo wirklich mit Hingabe mitschreiben hätte wollen!

Ja warum schreib ich den Schrott dann?! fragte ich mich introspektiv überrascht und kam sehr ins Grübeln. Titel um Titel selektierte ich aus und entsorgte ihn im Papierkorb am Desktop. Übrig blieb nur INFININAUTEN.

Wieder kam ich ins Grübeln. Doch, Infininauten wollte ich schreiben, sehr sogar! Ich kam drauf, dass die ganzen anderen Titel wohl nur Beiwerk hätten sein sollen, und es mir eigentlich nur um INFININAUTEN gegangen war. Hätte Kelter mich INFININAUTEN machen lassen, hätte ich ihnen aber auch alles, was sie wollten, geschrieben.

Aber hatte diese Serie echten „Wert“? War sie nicht auch nur eines von vielen Serien-Konzepten, die ich mir im Laufe der Jahre ausgedacht hatte, wie die ganzen Fantasy-Settings und Geisterjäger?

Ich stellte einen einzigen aber fundamentalen Unterschied fest: Ich hatte mir die Infininauten nicht ausgedacht!
Soll heißen, es war nichts, dass ich bewusst aufgebaut hatte und eingehend geplant hatte. Die Infininauten waren einfach so da in meinem Kopf.

Natürlich kommt nichts „einfach so“ in einen Kopf rein (und an „göttliche Inspiration“ glaube ich als Atheist schon garnicht). Ich vermute, dass es sich wie Staub und Staubmäuse verhält. Ich hatte mein ganzes Leben an Grusel/Horror-Konzepten gewerkelt, sprich unter dem Grusel/Horror-Sofa wehte immer frischer Wind durch und blies den Staub weg. Bei der Fantasy war es genauso.

Aber dadurch, dass ich die Sciencefiction schöpferisch derart lange „vernachlässigt“ hatte, dürfte sich offenbar unter dem SF-Sofa der „Staub“ ungenutzter Ideen, für anderes zu sperriger Konzepte und Überresten meiner alten Fan-Fiction über Atlan und Captain Future angesammelt haben. Und sich ganz ohne mein Zutun statisch aneinander geklebt haben!

Experiment (eines Spannungsromanprogramms für Kelter) misslungenStaubmaus lebt!
Quietschfidel und riesig mutiert auch noch!

Was genau ist nun INFININAUTEN – Bezwinger der Unendlichkeit und worum geht es darin?

Angesiedelt ist die Serie in der fernen, fernen Zukunft, weit jenseits eines Zeitraums, in welchem das Fortzählen in irdischen Jahrhunderten, ja selbst Jahrtausenden Sinn machen würde.

Die titelgebenden Infininauten sind die Besatzung eines kleinen Raumschiffs namens EXTRABALL.

Kommandiert wird das Schiff von einer undenklich alten Frau namens Lizz Athanget, einem der letzten echten, sich nicht evolutionär weiterentwickelt habenden Menschen der Galaxis, die eine einmalige, wenn auch höchst aufwändige und sie daher suchtartig-besessen antreibende Methode gefunden hat, den Alterungsprozess und ihre natürliche Sterblichkeit zu umgehen, somit schon für sich ganz allein eine Bezwingerin jener Unendlichkeit ist, die da Zeit heißt.

Zusammen mit dem sie durch die Ewigkeiten als Aufpasser und Spielkammerad seit Kindheitstagen begleitenden Roboter namens Leetus, der in all dieser Zeit ständig mit den neuesten Technologien aller Ecken der Milchstraße upgedated worden und somit vielleicht zur höchstentwickeltsten KI der Galaxis geworden ist, sowie mit dem von Lizz einzig aufgrund der seiner Spezies eigenen Langlebigkeit vor zumindest auch schon einer „halben Ewigkeit“ rekrutierten Tsy‑Ruusa, einem schlangenähnlichen Universalwissenschaftler, bezwingt die EXTRABALL auch jene Unendlichkeit, die da Raum heißt.

Lizz Athanget ist auf der Suche nach einer außerirdischen Rasse, die ihr in ihrer Kindheit das Tor zum ewigen Leben geöffnet hat. Die Kommandantin hat mit der Menschheit zeitlebens nur Probleme gehabt und den Niedergang der Spezies Homo Sapiens vielleicht nicht wohlwollend, aber doch emotional unbeeindruckt mitverfolgt, teilweise indirekt und doch wissentlich selbst dazu beigetragen.

Sie sieht in jener außerirdischen Rasse, den Mundlosen Sprechern, einen Prototyp der Menschheit, der vor Urzeiten die Rasse auf der Erde in Gang gebracht haben muss, dann aber verschwunden ist, und erst durch deren Verschwinden wurde der Menschheit ermöglicht, zu einem sich selbst vernichtenden Moloch heranzuwachsen. Athanget, die praktisch elternlos aufgewachsen ist, hofft mit dem Aufspüren der Mundlosen Sprecher in eine Art (fast schon religiös überzeichneten) Elternschoß zurückkehren zu können, den sie nie gekannt hat.

Doch die Spuren jener Rasse im Kosmos sind sehr spärlich, und das Verfolgen jener Spuren stürzt die Besatzung der EXTRABALL in haarsträubende Abenteuer – die in der Serie in Form von in sich abgeschlossenen Heften erzählt werden.
Eine echte zyklische Continuity wird es explizit nicht geben.

Abgerundet wird das Infininauten-Team vom körperlosen (und eigentlich namenlosen, aber von Lizz so getauften) Energiewesen Lichterloh, das an Bord der EXTRABALL meist die Schiffscomputer ausfüllt und außerhalb des Raumschiffs als komprimierte Energie zumindest kurzzeitig fast beliebige Gestalt annehmen kann. In Band 1 der Serie stößt obendrein der Empath und Linguist Urgru zur Crew, wenn auch eher unfreiwillig.

Das soll es als ganz grober Überblick vorerst gewesen sein. In einem zukünftigen Artikel wird noch näher auf die Figuren eingegangen werden, für die nächsten beiden Artikel allerdings wenden wir uns einer etwas trockeneren Materie zu, nämlich BoD.

In Artikel 2, den ihr in einer Woche hier vorfindet, statte ich BoD einen ersten Besuch ab, überlege mir die Machart des Formats und welche Kosten auf mich zukommen. Auch auf die Preisgestaltung und Aussicht auf Erfolg des Projekts werde ich etwas eingehen.

Bis dahin!

Wolfgang

 

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