# 145: Ich, der Jugendschützer
# 145: Ich, der Jugendschützer
Als Mitarbeiter des Krankenhauses in Buxtehude war ich (bei lässiger und nicht strikt formaler Sichtweise) Mitarbeiter des Landkreises Stade. Dort arbeitete auch ein Mannschaftskamerad von mir vom SV Dornbusch. Der stellte gerade für ein Fußball-Hallenturnier eine Mannschaft zusammen und ihm fehlte ein Keeper. Verteidiger und Stürmer waren vorhanden, aber jemand, der das Tor hütete, fehlte. Der Landkreis war offensichtlich für eine Betriebsmannschaft nicht geeignet. Aber da war ja ich, der die EKGs im kreiseigenen Krankenhaus in Buxtehude schrieb.
Nun, das Turnier verlief mehr oder weniger erfolgreich und wie gewöhnlich schnappte ich mir den einen oder anderen Ball. Zwischen den einzelnen Spielen unterhielt man sich. Irgendwann kamen wir auch auf Hobbys zu sprechen. Da schlug dann meine Stunde und ich redete über Heftromane und ich echauffierte mich über den Jugendschutz.
Insbesondere zog ich über die Indizierungen des Dämonenkillers her und kam dann auch auf Dr. Morton zu sprechen. Ebenso dann auf die Rolle der Jugendämter. Ich legte effizient dar, dass der Jugendschutz sich da auf einen schwachen Gegner stürzte und sich im Grunde blamierte. Zumal auf der Leinwand viel mehr geboten wurde. Dann kam Norman Spinrads Der stählerne Traum an die Reihe. Ich machte mich über die BPS lustig und konnte mich nicht mehr einkriegen. Die Schlacht der Gutachter und dieses sinnlose Festhalten an den offensichtlichen Dummheiten. Dazu dann auch noch der Zoff um den Film Die letzten 120 Tage von Sodom. Der war dem Jugendschutz nur durch den Kunstvorbehalt und dem Ruf seines Regisseurs Pier Paolo Pasolini entronnen. Wenn der Film von einen italienischen Horrorfilmer gedreht worden wäre, dann hätte es ihn erwischt. Und dann machte ich mich über die beantragenden Jugendämter lustig. - Es wurde viel gelacht. Auch nach dem Turnier in der Kneipe noch. Insgesamt ein unterhaltsamer Tag.
Monate später, ich hatte das Fußballturnier längst vergessen, stieß ich auf dem Grabbeltisch von Hertie (oder wars schon Karstadt?) in Stade auf die ungenehmigte Neuauflage der Dr. Morton-Romane bei Richter. Und ein diabolischer Spaß kam mir in den Sinn. Ich kaufte eines und sandte es an das Jugendamt.
Zwei Wochen später erhielt ich es per Post zurück. Das Begleitschreiben endete mit der Bemerkung: 'So doof sind wir nicht ...'
Kommentare
Ach ja, DIE 120 TAGE VON SODOM, den Film mußte ich glatt weggeben weil meine damalige Verlobte ihn nicht im Haus haben wollte. Ein Verlust ist es aber nicht wirklich (habe ja noch das Buch von de Sade , so eine Art Unvollendete Lektüre).
Ich habe mir damals mal den Spaß gemacht, verschiedene Romane parallel zu lesen. Z.B. den 1. Tony Ballard im Original und im Dämonen-Land (wo viel gekürzt wurde) - oder bei "Haus der bösen Puppen" hat Michael Schönenbröcher einen neuen Schluss geschrieben, weil ihm der alte zu heikel erschien.
Ich mag Mike. Er hat viel für den Heftroman getan. Aber seine Kürzungen (und wenn es nur das viele Rauchen ist, dass er schon lange vor dem Nichtraucherschutz bei Bastei unterdrückte) finde ich (auch als überzeugter Nichtraucher) ziemlich daneben. Wie gesagt, es blieb ja nicht beim Rauchen.
Gut das ich kein Schriftsteller bin, ich läg mit denen im Dauerkrieg!
@Laurin: Die Selbstzensur nennt sich Selbstkontrolle und da besteht in der Tat die Gefahr, dass die päpstlicher als der Papst ist. Und oft steckt diese Selbstkontrolle noch in den sechziger/siebziger Jahren fest, als der BPS (Heute BPjM) sich dem Heft noch intensiv widmete.