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Charakter durch Feature?

SternengeflüsterCharakter durch Feature?

Wirkliche Charaktere in einer Heftromanserie zu schaffen, ist schwierig. Denn das Medium ist darauf ausgelegt, schnell gut zu unterhalten. Außerdem sollen Leser ja jederzeit dazustoßen können. Da ist langfristige Charakterentwicklung ungünstig. Stattdessen sind Typen, also bloße Schablonen, weitaus praktischer, denn sie sind auch von Neulesern schnell zu erschließen. Bei Serien, die von mehreren Autoren geschrieben werden, steigt bei komplexeren Charakteren zudem die Gefahr, dass sich die Autoren nicht mehr für jeden Schreiben können, weil sie den jeweilige Ton nicht treffen.


„Sternenfaust“ hat es mittlerweile geschafft, komplizierte Geschichten zu erzählen, ohne dabei für jede 100 Bände in Anspruch zu nehmen. Wenn es also einer Heftromanserie gelingen sollte, zu einer komplexen Handlung noch komplizierte Charaktere zu erschaffen, dann „Sternenfaust“. Die größte Schwierigkeit ist dabei die große Anzahl der Protagonisten. Da die Sternenfaust ein großes Raumschiff ist, hat sie natürlich eine große Besatzung. Und selbst wenn man nur die Schlüsselpositionen berücksichtigt, hat man ein großes Arsenal an Akteuren.

Die prägen sich aber nicht einfach dadurch ein, dass sie gelegentlich erwähnt werden. Das hat sich in den vergangenen Zyklen gebessert. An vielen Stellen wurde sich um die Charaktere wirklich bemüht. Leider blieb es oft bei einzelnen Auftritten, die einen Charakter zwar einprägten, aber wenig langfristige Entwicklungen mit sich brachten.

Einer der schrägsten Versuche war sicher die Beziehung zwischen Joelle Sobritzky und Max Brooks. Seit dem Auftritt der beiden war klar, dass Max Brooks Gefühle für Sobritzky hatte. Doch es dauerte über 70 Romane bis das Thema überhaupt wieder ernsthaft aufgegriffen wurde. Das wirkte etwas inkonsequent. Und als die beiden es dann endlich geschafft haben, zusammenzukommen, wurde sofort wieder eine Trennung geschrieben. Da fragt man sich ein wenig, warum dieser Handlungsstrang überhaupt existierte, wenn die Konsequenzen nur kurzfristig sind. Allerdings sind weder Sobritzky noch Brooks das, was sie früher waren. Und das führt zu einem interessanten Trend der Serie.

„Besondere“ Menschen waren seit dem Erzengel-Zyklus ein Teil der Serie. Es begann mit Captain Mulcahy, dem ein Chip eingesetzt wurde, mit der nichts mehr vergaß. In den folgenden Zyklen kam Turanagi, eine Verbindung aus einem Erdanaar und einem Christophorer dazu. Und auch die Space-Oma, die zu einem großen Teil darüber definiert wurde, dass sie alt und Autorin ist, lässt sich dazu zählen. Zugegeben, Mulcahy wurde konsequent weiterentwickelt. Die Handlung um seinen gewalttätigen Vater wurde sogar in der alternativen Zeitlinie wieder aufgegriffen. Aber weder mit Turanagi noch mit der Space-Oma gelangen bisher wirklich überzeugende und eindrucksvolle Charakterszenen. Dennoch gehören diese zu den Besatzungsmitgliedern unter denen man sich am ehesten etwas vorstellen kann, da sie sich schlicht durch ihre Grundeigenschaften vom Rest absetzen.

 Im vergangenen Roman „Der dunkle Herrscher“ entwickelte sich Max Brooks nun zu einer noch nicht genau bestimmten Lebensform weiter. Hieraus lässt sich sicher noch eine gute Handlung erschreiben, zumal die Chance, dass die unausgesprochene Trennung mit Sobritzky noch mit begleitenden Dialogen versehen wird, noch besteht. Der Roman zeigt aber, dass dieser Zyklus hinsichtlich der Protagonisten tatsächlich große Chancen bietet. Denn neben der beinahe schon „traditionellen“ Erweiterung eines Charakters muss sich Mutawesi auf eindrucksvolle Art und Weise mit seiner Phobie vor Spinnenwesen auseinandersetzen. Das beides führt zu einem gelungenen Roman.

In diesem Zyklus müssen außerdem zwölf Akoluthoren gefunden werden, was zwölf Dodekoren, also Träger dieser Amulette bedeutet. Bisher gelangten die Dodekoren eher durch Zufall an die Akolulthoren. Hier besteht jedoch die Chance, den Amuletten nicht einfach nur über den Weg zu laufen. Stattdessen könnten auf der Suche Hindernisse aufkommen, die nur von bestimmten Charakteren der Sterennfaust überwunden werden können. Dadurch entstünde eventuell ein doppelter Gewinn für die Serie: Die Jagd nach den Akoluthoren würde komplizierter und spannender werden und für die ausgewählten Charaktere gibt es zumindest ein einschneidendes Ereignis, an das sich in späteren Romanen gut anschließen lässt.

Ob dieser Weg der Fall ist, ist freilich ungewiss. Zwei Dinge sind aber klar: „Sternenfaust“ hat in den letzten Zyklen bezüglich der Charaktere enorme Fortschritte erzielt. Da in diesem Zyklus die Sternenfaust immer mit dabei sein muss, ist es wahrscheinlich, dass weitere Fortschritte erreicht werden können. Ob die Suche nach den Akoluthoren tatsächlich die Chance nutzt, die Charakterpotentiale der Serie weiter auszunutzen, kann man ab morgen weiter nachlesen. Denn dann kommt der Roman „In Pranurs Gewalt“ in den Handel, wo ein Akoluthorum von einem Planeten geborgen werden muss, von dem noch nie jemand lebendig zurückgekehrt ist.

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