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Wilde Zeiten: Mara Corday - Ein kurzer Traum

Wilde Zeiten - Das US-B-Kino der 50igerMARA CORDAY
Ein kurzer Traum

Mara Corday gehört zu jenen Menschen, die von Kindesbeinen an zum Film wollen. Beinahe täglich ging sie während ihrer Jugendzeit ins Kino, studierte die Schauspieler/innen und kannte die Filme, die sie meist mehr als ein Mal sah, bald auswendig. Glückliche Fügung – ihre Eltern zogen in die Nähe Hollywoods als sie 13 Jahre alt war. Schon bald ging sie auf Entdeckungstouren in den Studios und konnte Autogramme von allen großen Stars zusammensammeln. Sie wollte zu ihnen gehören, doch der Weg war letztendlich zu weit. Sie strandete im B-Film und wurde schließlich ein braves Hausmütterchen.

Mara CordayDabei standen die Türen durchaus offen. Schon zu Beginn der 50'er Jahre zierte sie des Öfteren die Cover verschiedener Zeitschriften, führte Mode auf den Laufstegen vor. Wie sich später zeigen sollte, hatte sie auch durchaus Talent. Aber irgendwie kam sie nie zu einer großen Rolle. Sie drehte nur einen größeren Film. Ansonsten ärgerte sie sich mit den Produzenten herum, die das, was sie gern gespielt hätte, ignorierten. So heiratete sie Ende der 50'er und zog sich zurück.

Eigentlich heißt sie Marilyn Joan Watts. Geboren wurde sie am 3. Januar 1930 in Santa Monica/Kalifornien. Das wenige Taschengeld, das sie bekam, setzte sie schon in frühester Kindheit in Kinokarten um. So oft es ihr möglich war ging sie, in der Regel begleitet von ihrem älteren Bruder Richard, in das örtliche Kino, um die Welt der großen Stars zu bewundern, zu denen sie eines Tages auch gehören wollte.
 

Nach dem Umzug in Richtung Hollywood bekam sie eine Anstellung als Platzanweiserin in einem Kino. In ihrer Freizeit pilgerte sie zu den Studios und es gelang ihr nach und nach all ihre Idole auch persönlich zu treffen. Schon mit 15 Jahren begann sie Modell zu stehen und eines ihrer (Bikini-)Fotos gewann den Wettbewerb einer Zeitschrift. Sie wurde nun häufiger für Modemagazine engagiert und es gelang ihr zudem, kleine Theater- und Fernsehauftritte zu bekommen.

 
 

Mara Corday als CovergirlDer bekannte Agent Paul Kohner nahm sie unter Vertrag. Dennoch stagnierte sie in kleineren Rollen (zumeist ohne Namensnennung) und im Fernsehen. Erst als der Produzent Hal Wallis 1953 ihr Foto sah, lud er sie zu zu einem Screentest. Doch Wallis Firma ging Pleite. Kohner schleppte die Aufnahmen zu Universal, wo man sich recht beeindruckt gab. Es folgten ein paar Nebenrollen. Schließlich gab man ihr eine erste Hauptrolle in einem der B-Western des Studios. An der Seite von Lex Barker brillierte sie in THE MAN FROM BITTER RIDGE (Duell mit dem Teufel, 1955). Die Regie führte Jack Arnold. Noch im selben Jahr sollte sie in einem weiteren Film Arnolds die weibliche Hauptrolle spielen.

 
 

Promotionfoto THE MAN FROM BITTERRIDGETARANTULA war der für Universal finanziell erfolgreichste Film des Jahres 1955, womit Jack Arnold schon im zweiten Jahr hintereinander den Universal-Blockbuster des Jahres inszeniert hatte (gemessen am Kostenfaktor waren sowohl TARANTULA wie auch CREATURE FROM THE BLACK LAGOON (Der Schrecken vom Amazonas, 1954) erfolgreicher als diverse A-Filme, auch wenn diese mehr einspielten).

 

„Sie sagten mir: „Dein nächster Film wird TARANTULA sein“. Ich sagte: „Das freut mich!“, denn es war wieder Jack Arnold. Ich verstand mich sehr gut mit Jack.“*

 

In beiden Filmen machte sie eine gute Figur. Man hat ihr oft nachgesagt, in TARANTULA nur ein Liebchen gespielt zu haben. Das stimmt aber nur vordergründig, denn die Charaktere, die von John Agar und Leo G. Carroll gespielt wurden, waren deutlich dramatischer ausgelegt. Anders als die kreischenden Mädels in den Horror/SF-Filme jener Zeit spielt sie ihre Rolle jedoch mit einer unterschwelligen Arroganz und Unterkühlung, die letztlich ein solcher Charakter auch verlangt.

 

Während der Dreharbeiten kam es übrigens zu einem etwas kuriosen Streit. Mara wollte ein wenig mehr Schauwerte haben. Für die Szene, in der sie aus dem Haus des Professors flüchtet, das gerade von der Riesentarantel zerstört wird, wollte sie ein sehr gewagtes, leichtes Nachthemd tragen (immerhin war sie vor Beginn des Angriffs gerade dabei ins Bett zu gehen). Arnold und Produzent William Alland reagierten entsetzt. Schließlich drehe man hier einen ernsthaften Film und keine Sexkomödie.

 

„Ich machte eine Menge hübscher Sachen für ihre Promotion-Fotos (für Universal), aber sie ließen mich nie etwas Aufregendes in den Filmen tun. Ich war Indianerin, Wissenschaftlerin oder ein Western-Girl. Sie gaben alle freizügigen Rollen an Mamie Van Doren, sie war ein kleiner Vamp.“*

 

Während der Dreharbeiten kam es zu einer Begegnung mit dem damals unbekannten (und in den Credits auch nicht genannten) Schauspieler Clint Eastwood, der hier einen der Flugzeugpiloten spielte, die das Rieseninsekt mit Napalmbomben platt machen. Es war der Beginn einer sehr engen und festen Freundschaft, die bis heute angehalten hat.

 

„Clint ist wie ein Bruder. Ich bewundere ihn, ebenso wie Roddy McDowall. Ich denke, er ist der freundlichste Mensch im Filmbusiness. Er ist ein liebenswerter Mensch und besitzt diesen beißenden, ironischen Humor.“*

 
 

Dan Duryea und Mara Corday in FOXFIREEbenfall noch 1955 bekam sie die Möglichkeit, eine größere Nebenrolle in einem A-Film zu spielen. Neben Jane Russell und Dan Duryea trat sie in dem Drama FOXFIRE (Goldenes Feuer) auf, in dem sie aber kaum glänzen konnte. Es sollte ihr einzig wirklich größerer Film bleiben.

 

1957 heiratete sie den Schauspieler Richard Long und brachte ein Kind zur Welt. Es war das entscheidende Jahr in ihre kurzen Karriere. Sie drehte zunächst THE BLACK SCORPION, zu der der legendäre Trickspezialist Willis O'Brien (KING KONG, 1933) die Trickeffekte beisteuerte. Der Film ging trotz hoher Qualitäten bei der Effektarbeit in der Masse der Monsterfilme jener Zeit unter.

 

Folgenschwer für die Entscheidung zu einer weitere Karriere wirkte sich der nächste Film aus, THE GIANT CLAW (Angriff der Riesenkralle, 1957). Der Film gehört heute zu den legendärsten Trashfilmen der 50'er. Nicht nur, dass der Streifen, der sich um einen riesigen Vogel dreht, der alles vernichtend planlos durch die Gegend fliegt, keine Handlung hat, die Effekte sie so jämmerlich, dass man als Zuschauer entweder verzweifelt oder lachend zusammenbricht.

 
 

Plakat zu THE GIANT CLAW„Ich traf Sam Katzman, den Produzenten. Er schwärmte in einem fort von den Effektleuten in Mexiko, die er engagiert hatte. „Mann, das wird wirklich großartig. Den größten Teil meines Budgets investiere ich in die Spezialeffekte“. Also drehten wir den Film und taten so, als würden wir einen Riesenvogel sehen. Wir spielten so, als würden wir Angst empfinden. Als ich den Film dann sah, konnte ich es nicht fassen. Es war unglaublich. (...) Ich sah ihn im Kino zusammen mit Richard und ich versank tief im Stuhl. Ich sagte: „Oh mein Gott, ist das nicht furchtbar?“ Dann dachte ich nach: 'Vielleicht hat Richard recht. Es ist besser mit der Schauspielerei aufzuhören, als weiterhin so etwas zu tun.“*

 

Es folgten dennoch zwei Filme, denn schließlich gab es Verträge zu erfüllen. Zunächst spielte sie in dem Action-Thriller UNDERSEA GIRL (1957) eine Reporterin, die zusammen mit einem Polizisten (Dan Seymour) auf die Spur einer international operierenden Gangsterbande kommt. Es folgte GIRLS ON THE LOOSE (Asphalt-Hyänen, 1958). Der Film macht einmal mehr deutlich, dass die Entscheidung nach THE GIANT CLAW für den Zuschauer falsch war. In diesem Film geht es um eine Gang von Frauen, die auf Beutezug geht. Hier durfte Mara Corday all das spielen, was sie in den vorherigen Filmen vermisst hatte. Ein großartiger kleiner Film, der leider zu sehr untergegangen ist.

 
 

Mara Corday in GIRLS ON THE LOOSE1958 war Mara Corday Playmate des Monats Oktober, obgleich sie nie für das Magazin „Playboy“ Modell gestanden hatte. Sie hatte, als sie noch unbekannt durch das Fernsehen und kleine Filmnebenrollen tingelte, für ein Magazin Modell gestanden, das die Fotos aber nicht veröffentlichte. Sie gerieten in Vergessenheit und wurden dann an den „Playboy“ verkauft. Ihr war es recht, handelte es sich doch nicht um allzu freizügige Fotos. Zudem wurde sie hier einmal von ihre Sexy Seite präsentiert.

 

In den folgenden zwei Jahren wurde die Entscheidung allerdings noch erleichtert, denn sie brachte zwei weitere Kinder zur Welt. So spielte sie bis 1960 nur in einigen TV-Folgen mit, dann war Schluss. Die Familie war wichtiger und der Job als Mutter nahm sie über Gebühr in Anspruch.

 

Vier Mal wurde sie untreu. Das geschah aber erst, nachdem ihr Mann 1974 verstarb. Sie spielte in kleineren Rollen in vier Filmen von Clint Eastwood mit, aus reiner Freundschaft.

 

*Alle Zitate aus einen Interview mit dem Filmbuchautor Tom Weaver.

 

Filmografie in der IMDb

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