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Er liebte sein Publikum

FotoSven Schreivogel schrieb diesen Nachruf auf den 2007 verstorbenen Joachim Hansen. Der Nachruf war bisher unveröffentlicht.

Er liebte sein Publikum
Zum Tod des Schauspielers Joachim Hansen (1930 - 2007)

Joachim Hansen ist tot. Mit Bestürzung las ich in der Zeitung, dass der beliebte Schauspieler jetzt im Berliner Universitätsklinikum an den Folgen einer Gehirnblutung verstarb. Zuvor hatte er knapp fünf Wochen lang im Koma gelegen.


FotoHansen, geboren 1930 in Frankfurt an der Oder, war ein Star des deutschen Nachkriegsfilms. Sein Debüt hatte er 1956 in „Der Stern von Afrika“, und obwohl er rund 100 mal für Kino und TV vor der Kamera stand, ist es die Rolle des Jagdfliegers Marseille, mit der ihn sein Publikum ein Leben lang identifizierte.

Er spielte auch in „Hunde, wollt Ihr ewig leben?“, der 1959 im Filmatelier Göttingen entstand, sowie in vielen Heimatfilmen, darunter in dem Zweiteiler „Und ewig singen die Wälder“ / „Das Erbe von Björndal“. Später war der Schauspieler, der vor seiner Karriere eine Dolmetscherschule besucht hatte und deshalb perfekt englisch und französisch sprach, auch in internationalen Produktionen wie „Der Adler ist gelandet“ und „Die Brücke von Remagen“ zu sehen. Für zwei Jahrzehnte wurde Kanada zu seiner zweiten Heimat, wo er seit 1986 mit seiner Frau Marion und seinem Sohn Maximilian lebte und in der Provinz British Columbia eine Hobbyfarm betrieb. Hier konnte er sich vom Schauspielberuf erholen und neue Kraft tanken.

Ich lernte Joachim Hansen 1994 in Göttingen kennen. Damals war ich als junger Redakteur für ein Filmmagazin tätig. Beeindruckend fand ich seinen sympathischen Charakter und vor allem seine Bodenhaftung – weitab von jeglicher Arroganz, die so manchem „Star“ von heute zu eigen ist. Er war ein Star ohne Berührungsängste, sich nie zu schade für ein Autogramm, denn er liebte sein Publikum. „Das Publikum ist wichtig – sonst niemand!“ hatte er mir im Interview gesagt. So stand er am liebsten auf der Theaterbühne, und auch seine Rezitationsabende waren immer ein besonderes Erlebnis. Hier zeigte sich seine Liebe zur Literatur: „Ich bin Schauspieler geworden, weil ich das, was Goethe, Schiller und die anderen großen Dichter geschrieben haben, auf der Bühne spielen wollte.“ Nach dem Interview trafen wir uns noch ein paar Mal, wenn Hansen während einer Tournee einen Zwischenstopp in Göttingen einlegte. Trotz seiner beachtlichen Leistung, die er im Kino, im TV und auf der Bühne erbracht hat, blieb er stets ein bescheidener Mensch.

Joachim Hansen starb am 13. September in Berlin. Er wurde 77 Jahre alt.

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