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Zwielicht 13 - Eine neue Ausgabe des Horrormagazins

Zwielicht 13Zwielicht 13
Eine neue Ausgabe des Horrormagazins

Die neueste Ausgabe des deutschen Horrormagazins bietet wieder eine bunte Mischung von Erstveröffentlichungen, Übersetzungen und Artikeln.

Die beiden Herausgeber Michael Schmidt und Achim Hildebrand verfolgen weiter ihr bewährtes Konzept. Es gibt brandneue deutsche Stories und ein paar ältere Übersetzungen aus dem Englischem plus einige interessante Artikel.

Zwielicht 13Die erste Geschichte ist eine Übersetzung aus dem Englischen.

Albert Richard Wetjen schildert in "Schiff des Schweigens" scheinbar eine typische Seefahrtsgeschichte. Die Story stammt aus dem Jahr 1932 und wurde von Matthias Käther übersetzt. Es geht um das Auffinden eines Geisterschiffes. Nahezu unbeschädigt, aber gänzlich ohne Besatzung treibt es auf dem Meer. Einziges Lebewesen an Bord ist ein alter Papagei.

Echtes Seemannsgarn!

In "Elsa" von Carl Denning geht es um einen Mann, der seine Frau getötet hat. Sie verfolgt ihn als Geist. Schon nach kurzer Bekanntschaft hatten beide geheiratet. Bald darauf beginnt das Grauen.

Eine etwas andere Vampirgeschichte.

Um einen Mönch geht es in "Der Mönch und die Pest" von Lea Reiff. Im Jahre 1530 wird Bruder Donatus in Köln mit der Pest konfrontiert. Doch außer Gebeten scheint es keine Abhilfe gegen die Krankheit zu geben. Doch Donatus hat noch einen Spruch aus dem Nachlass des jüngst verstorbenen und im Kampf gegen die lutherischen Ketzer bewährten Priors mit dem man einen Engel beschwören können soll. Und tatsächlich sieht er bald eine Lichtgestalt. Doch dann begegnet er Dr. Faustus und den Gelehrten Agrippa.

Eine ausgefeilte Geschichte mit historischem Hintergrund.

Gehören Sie zu den Vätern, die abends beim Schlafengehen noch unter das Bett ihrer Tochter schauen, ob dort auch kein Monster versteckt ist? In Nina Tellers "Das Monsterritual" geht es um so einen Vater. Dummerweise entdeckt er unter dem Bett seine Tochter Hannah, die aber gleichzeitig auch im Bett liegt. Erschrocken geht er raus und macht die Tür zu. Er hört: "Daddy, sie will mir weh tun.". Als er gleich darauf wieder rein schaut, sind beide Mädchen weg. Der Scheidungsvater, dessen Kind nur zu Besuch bei ihm weilt, ist außer sich. Was soll er tun? Nach einigen Stunden taucht die Kleine wieder auf, aber ... ist es seine Tochter oder doch das Monster?

Toll gemacht, aber definitiv nichts für junge Väter.

In "Du musst" von Tomas Schauermann spielt ein altes Kinderlied eine wichtige Rolle. Es erklingt immer im Kopf von Michael, wenn er sich daran macht, Leute umzubringen. Früher musste er immer auf seinen kleinen Bruder Peter aufpassen, weil seine alkoholabhängige Mutter überfordert war. Und Peter hatte eine kleine Musikbox, deren einziges Lied er mit Begeisterung hörte.

Eine Geschichte mit einem bekannten Motiv, das aber originell umgesetzt wird.

In die Welt der Perchtenläufe führt uns Werner Hermann mit "Der Pentagondodekaeder von Grammatneusiedl". Eine Gruppe von sieben Männern werkelt das ganze Jahr über an den Masken und Kostümen für die winterlichen Umzüge. Eine alte Maschinenhalle dient für die geheimen Vorbereitungen. Dort stoßen die Männer auf einen alten Keller und einen geheimen Gang, an dessen Ende sie auf eine Grabkammer stoßen. Dort befindet sich ein Steinsarg mit der Inschrift "Was verschlossen ist, soll nicht geöffnet werden". Die alkoholisierten Männer hindert das natürlich nicht, den Sarg aufzubrechen. Enttäuscht finden sie eine mumifizierte Werwolfsgestalt. Eine tolles Requisit für den nächsten Umzug oder? Doch nach und nach zeigt sich, das die Gestalt keinesfalls tot ist und Bestandteil eines heidnischen Kultes ist.

Eine abgedrehte Story, passend zur aktuellen Jahreszeit, sprachlich hervorstechend,

Auf eine südliche Insel geht es bei Waldemar Klauser in "Dark Waters". Ein Fotograf und seine Geliebte werden von den primitiven Eingeborenen freundlich empfangen. Alles deutet auf eine romantische Geschichte. Doch dann geht er mitten in der Nacht allein schwimmen.

Eine fast schon romantische Story mit überraschendem und subtilem Grauen.

Drei Jugendliche erkunden bei Johanna Landes in "Flüsternde Schatten" eine alte verlassene Fabrik. Doch in der Dunkelheit lauern die Schatten. Was wird aus Alissa, Benni und Noah?

Eine Geschichte wie im Kino. Der Leser begleitet die lange Zeit ahnungslosen Protagonisten wie sie ins Verderben ziehen.

In den Bereich der Musik führt Ansgar Sagedi den Leser in seiner Story "Der perfekte Riff". In einer alten Lagerhalle üben Amateurmusiker. Dazu gehört auch der Gitarrist Patrick von der Band "Dogs with woks". Eines nachts stirbt dort eine junge Musikerin an einer Überdosis Drogen. Sie war auf der Suche nach dem perfekten Riff. Bald ist auch Patrick auf der gleichen Suche.

Ein Ausflug in die Welt der Musik, eines der bevorzugten Themen von Michael Schmidt.

Tobias hat ein Date mit Anna. Davon berichtet Gard Spirlin in "Dann singe ich ein Lied für dich". Um das Mädchen zu beeindrucken, stellt er sich früh am Morgen in die Schlange um eines der brandneuen Phone-X zu ergattern. Dabei begegnet er einer alten Frau, die ihn anbettelt. Der schlecht gelaunte Tobias denkt jedoch nicht daran, ihr etwas zu geben. Ein Fehler!

Eine amüsante Fluchgeschichte.

Ein wenig SF schwingt mit bei "Mann beißt Hund" von Jana Grüger. Ein begnadeter Computernerd hat sich in die schöne Marlena verguckt. Jeden Abend sieht er durch sein Fenster wie sie mit ihrem Hund "Spaghetti" an seinem Fenster vorbei geht. Seit jeder Mensch und jedes Tier einen Transponder tragen muss, ist es ihm ein leichtes sich in diese Bewusstseine zu hacken. Das ist zwar verboten, aber solange er nicht erwischt wird ... Eines Tages hackt er einen Autofahrer. Und wie es der Zufall will, handelt es sich dabei um einen Besucher von Marlena. Als es zu ersten Annäherungen zwischen Marlena und ihm kommt, klingt der Hacker sich aus. Aber das Ganze lässt ihm keine Ruhe. Nach kurzer Zeit hackt er sich in das Bewusstsein des Hundes. Mit den Augen des Tieres beobachtet er einen Streit zwischen Marlena und dem Besucher. Als dieser handgreiflich wird rasten Hund und Hacker aus.

Für mich einer der Favoriten in diesem Band.

Um den jungen Informatiker Marek Syndikus geht es in "Luzide Träume" von Jens-Philipp Gründler. Er beherrscht die Kunst seine Träume zu gestalten und zu beeinflussen. Für den mit einem deformierten Gesicht geborenen ist dies ein Ausgleich für die Ausgrenzungserfahrungen im realen Leben. Doch im Traum wird er verfolgt. Eine Sekte hat es auf ihn abgesehen. Und es ist wie Computerspielen. Sobald er einen Gegner niedergerungen hat, erscheint ein neuer mächtigerer Widersacher.

Ein interessantes Thema, aber die Verknüpfung von Handycap und Traumwelt ist an einigen Stellen für mich nicht ganz nachvollziehbar.

Eine wendungsreiche Geschichte liefert Stefan E. Pfister mit "Der Fettwächter". Es beginnt mit einer nächtlichen Autofahrt. Gregor Hilton hört Autoradio und fährt durch die Dunkelheit. Er sehnt sich nach Feierabend, einem kalten Bier und einer Dusche. Plötzlich eine Bewegung auf der Straße. Gerade eben gelingt es noch zu Bremsen. Dann liegt eine zierliche rothaarige Frau vor dem Wagen. Katja ist anscheinend nichts passiert und sie bittet Gregor sie in die nächste Stadt zu fahren. Er freut sich über die Gesellschaft und beginnt ihr eine Gruselgeschichte zu erzählen. Doch nichts ist so wie es scheint...

Eine unterhaltsame Geschichte mit einigen unvorhersehbaren Wendungen.

In "Das Alp-Traumhaus" von David Wright O'Brien bekommt es der Bauunternehmer Kermit mit einem exzentrischen Kunden zu tun. Mr. und Mrs. Stoddard haben exakte Vorstellungen wie ihr neues Haus aussehen soll und sie bestehen auf eine hundertprozentige Umsetzung ihrer Ideen. Dabei werden die unterschiedlichsten Baustile kombiniert und Bauvorschriften großzügig ignoriert. Krönung des ganzen Hauses ist ein Glockenturm ohne Glocke. Da die beiden bereit sind, einen ordentlichen Aufpreis zu entrichten lässt sich Kermit darauf ein. Doch kaum ist der Bau fertiggestellt und das Paar eingezogen, beschweren sie sich beim Unternehmer. Angeblich gibt es Ratten im Haus. Kermit will sich persönlich davon überzeugen und inspiziert das Anwesen. Dabei stellt sich heraus, dass es sich bei den Geräuschen tatsächlich um menschliche Stimmen handelt. Die Quelle der Geräusche liegt im Glockenturm. Dort befindet sich eine Art Tor durch Raum und Zeit.

Eine Geschichte aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, die immer noch erstaunlich fesselt.

In eine apokalyptische Welt entführt Catharina Bombardi den Leser in "Rote Blumen im Schnee". In einem kleinen Dorf leben lauter missgestaltete Menschen. Dort gilt ein grausames Gesetz. Missgestaltete Kinder werden sofort nach der Geburt umgebracht. Als die kleinwüchsige Liza entbindet will sie ihrer Pflicht nachkommen. Doch zu ihrem großen Erstaunen stellt sie fest, dass ihr Kind schön und gerade gewachsen ist. Als sie sich daraufhin verbarrikadiert, kommt der Kindesvater und tötet sie. Doch auch er ist von dem schönen Baby fasziniert. Er bringt es vor den Rat. Einige Leute stimmen ihm zu, das Kind zu verschonen, doch es gibt auch andere, die ihre eigenen Pläne verfolgen.

Eine richtig schauderhafte Geschichte!

Wie ein Jugendbuch beginnt "Die Hand" von Thomas Kodnar. Ein Junge hat nach der Schule keine Lust direkt nach Haus zu gehen. Lieber erkundet er zusammen mit seiner Schulfreundin Marie einen trocken gelegten Kanal. Dort findet er eine Hand. Kurz entschlossen nimmt er sie mit nach Haus. Doch am nächsten Morgen macht er die schreckliche Entdeckung, dass seine eigene Hand verschwunden ist. Stattdessen befindet sich dort sein Fundstück, das bald eigenständig handelt.

Wieder eine Geschichte, die anfangs harmlos beginnt, dann aber den Leser richtig das Gruseln lehrt.

Bei "Das Sterben der Unartigen" von Rolf Kor steht der Polizist Markus im Mittelpunkt. Der Mann ist regelrecht lebensmüde. Er zweifelt an seinem Beruf und der Welt. Tatsächlich sind Polizisten dort ziemlich überflüssig geworden. Verhält sich jemand falsch, erhält er Besuch und wird mitgenommen und taucht niemals wieder auf. Verantwortlich dafür ist ein Wesen, eine höhere Macht. Markus setzt alles darin dieses Wesen zu stellen.

Eine nachdenklich stimmende Geschichte. Im Grunde geht es um die alte Frage: Rechtfertigt der Zweck jedes Mittel?

Karin Reddemann erzählt in "Nette Kerle" eine wirklich fiese böse Geschichte. Dabei fängt alles so harmlos an. In einer Kneipe sitzt Stockberg, trinkt und wartet auf Gesellschaft zum Klönen. Als ein zweiter Gast eintrifft, überlegt er wie er Kontakt aufnehmen soll. Anfangs ignoriert der Fremde alles, dann lässt er sich doch auf ein Gespräch ein. Schließlich reden die beiden über die Tageszeitung. Vor drei Jahren gab es in der Gegend eine Mordserie. Der mutmaßliche Täter verschwand nach der letzten Tat spurlos. Die beiden geben ihre Vermutungen dazu zu Besten. Nach und nach fallen die Hemmungen. Doch nichts ist wie es scheint.

Eine wirklich bitterböse Geschichte mit dichter Atmosphäre.

Den Abschluss bildet eine Geschichte von Algernoon Blackwood, um den sich die Herausgeber schon seit längerem bemühen. "Eine ägyptische Romanze" erschien ursprünglich 1922. Den Engländer George Sanfield verbindet eine tiefe Freundschaft mit Morris, obwohl dieser in Ägypten lebt und nur selten nach England kommt. Auf Anraten seines Freundes hat Sanfield große Teile seines Vermögens in ägyptische Papiere investiert. Plötzlich gibt es dort Unruhen und die Kurse der Anlage gehen unaufhaltsam in den Keller. Dazu kommt, dass Sanfield auch Probleme in seiner Anwaltskanzlei bekommt und möglicherweise mit seiner Entlassung rechnen muss. Als er krank vor Sorge einschläft, hat er einen merkwürdigen Traum. Er befindet sich in Ägypten und trifft auf Morris, der ihn aber nicht sehen und hören kann. Zusammen eilen sie in eine Art Hospital und ans Bett einer jungen Frau, die mit dem Tode ringt.

Trotz ihres Alters immer noch eine beeindruckende Geschichte, die mit dem Thema Reinkarnation spielt.

Die Artikel
Karin Reddemann beschäftigt sich in "völlig unmöglich, damit aufzuhören, Leute zu vergiften" mit einigen der berühmtesten Giftmischern der Geschichte. Dazu gehören Gesche Gottfried und Anna Margaretha Zwanziger. Beide wurden Anfang des 19. Jahrhunderts hingerichtet.

Achim Hildebrand widmet sich in "Legenden des Kannibalismus" der Menschenfresserei. Er schildert ausführlich Leben und Geschichte von John Johnston, den Leberfresser. Dieser lebte von 1824 bis 1900 in den Vereinigten Staaten.

Ralf Steinberg befasst sich in "Jenseits der sonnendurchfluteter Sommertage" mit zehn verschiedenen Büchern. Die Werke stammen aus der Zeit von 1934 bis heute. Am aktuellsten sind Frank Hebben mit "Vampirnovelle" und Oliver Plaschka mit der Neuausgabe von "Fairwater - Der Spiegel des Mr. Bartholomeo" aus dem Jahre 2018. Steinberg beschränkt sich dabei nicht auf deutschsprachige Autoren, sondern geht auch auf Übersetzungen ein. So finden sich in der Liste der besprochenen Titel etwa George R.R. Martin mit "Armageddon Rock" und Guy Endore "Der Werwolf von Paris".

Meine Gedanken
Wieder einmal verstehen es Michael Schmidt und Achim Hildebrand ein amüsantes, abwechslungsreiches Storyangebot zu präsentieren. Ohne jede Einengung durch thematische Vorgaben bietet Zwielicht 13 wieder gruselige Unterhaltung und weiterführende Informationen. Selbstverständlich gibt es am Ende auch wieder Infos zu Autoren und Herausgeber. Das sehenswerte Cover stammt von Björn Ian Craig. Mein Fazit: Absolut empfehlenswert!

  • Zwielicht 13
    Michael Schmidt/Achim Hildebrand
    Cover: Björn Ian Craig
    316 Seiten
    ISBN 9781088592427
    Euro 13.-
    Zwielicht 2019

 

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