Oh, meine Götter, Teil 21: Herakles V – Nach den 12 Arbeiten

Oh, meine Götter!Teil 21:
Herakles V –
Nach den 12 Arbeiten

Wer trug eigentlich „Eulen nach Athen“?

Wurde Sisyphus je mit seiner Arbeit fertig? Und kam der Götterbote auch immer ausgerechnet dann, wenn der Empfänger gerade leider nicht Zuhause war? Kleine Ausflüge in das Reich der griechischen Mythologie.

Gustav Schwab: Sagen des klassischen AltertumsNachdem alle Arbeiten erledigt und Herakles aus dem Dienst von Eurystheus entlassen ist, kehrt er nach Theben zurück. Mit seiner Frau Medea kann Herakles allerdings nicht mehr zusammenleben, zu tief sitzt der Schmerz über die getöteten gemeinsamen Kinder. Medea wird kurzerhand seinem Freund Iolaos zur Frau gegeben, womit beide aber ganz zufrieden sind. Aber auch für Herakles soll eine neue Frau her.

Die Wahl fällt auf Iole, die schöne Tochter von König Eurytos auf der Insel Euböa (der trotz der Namensähnlichkeit nichts mit Eurytheus zu tun hat). Diesen König kennt Herakles noch von früher, denn er hat unseren Helden einst im Bogenschießen unterrichtet. Eurytos weiß aber um Herakles´ Vergangenheit und hat wenig Lust, seine Tochter mit ihm zu verheiraten. Schließlich kann niemand garantieren, dass Herakles nochmal wahnsinnig wird und auch seine zukünftigen Kinder mit Iole töten würde. Auch nachdem Herakles eine Weile in seinem Palast verweilt, lehnt Eurytos sein Begehr ab. Da hilft es auch nicht, dass Herakles sich inzwischen mit dem Königssohn Iphitos angefreundet hat und der ein gutes Wort für ihn bei seinem Vater einlegt.

Durch die Zurückweisung gekränkt, verlässt Herakles seinen alten Lehrer wieder. Er zieht einige Zeit durch das fremde Land und kehrt bei König Admetos in Thessalien ein. Der hat gerade seine Frau verloren, und das unter recht ungewöhnlichen Umständen. Admetos, der durch eine alte Geschichte mit dem Gott Apollo befreundet ist, war am Ende seiner Lebenszeit. Das passte ihm aber nicht sonderlich, also redete Apollo ein ernstes Wörtchen mit den Schicksalsgöttinnen, sodass die Admetos erlaubten, am Leben zu bleiben, wenn er einen Freund fände, der an seiner Stelle sterbe. Leider fand sich aber niemand außer seiner eigenen Frau für diese Aufgabe.

Als Herakles nun von dieser tapferen Frau erfährt, beschließt er, sie zu retten. An ihrem Grab lauert er Thanatos, dem Tod selbst, auf, ringt ihn nieder, und sagt ihm, er lasse ihn nicht eher wieder los, bis er die Frau freigebe. Da hat selbst der Tod keine andere Wahl, als zu tun, was Herakles verlangt. Er lässt Admetos´ Frau gehen und Herakles kann sie dem überglücklichen König zurückbringen.

Während Herakles bei Admetos ist, erreicht ihn ein Bote von der Insel Euböa. Der teilt ihm mit, dass er dort beschuldigt werde, Rinderherden von König Eurytos gestohlen zu haben. Angeblich soll er das aus Wut darüber getan haben, dass der König ihm seine Tochter Iole nicht zur Frau geben wollte. Herakles hat aber nichts dergleichen getan, und will mit Iphitos (dem Königssohn, mit dem er bei seinem Aufenthalt Freundschaft geschlossen hat) losziehen, um die Herden zu finden.

Herakles reist zurück nach Euböa und bespricht mit Iphitos die bevorstehende Suche. Als beide auf den Stadtmauern stehen, um nach den Rindern Ausschau zu halten, wird Herakles aus heiterem Himmel wieder von Heras Wahnsinn befallen. Er hält seinen Freund plötzlich für einen Verschwörer und stößt ihn von der Mauer. Iphitos stirbt und Herakles verlässt Euböa tief beschämt, als er wieder zu sich kommt.

Der Mord an seinem Freund lastet schwer auf Herakles´ Gewissen und außerdem ist er auch von den Göttern für diese Untat mit einer schweren Krankheit bestraft worden. So zieht er von einem Priesterkönig zum nächsten, um sich von seiner Schuld reinigen zu lassen. Das möchte aber niemand der aufgesuchten Könige tun, und Herakles wendet sich schließlich an ein Orakel. Der Orakelspruch lautet, dass der Held von seiner Schuld gereinigt und wieder gesund werden soll, wenn er sich zu dreijähriger Knechtschaft verpflichtet.

Das macht Herakles dann auch, und wird nach Asien als Sklave verkauft. Er kommt in den Dienst von Königin Omphale und fährt für sie fort mit seinen Heldentaten, fängt Räuber, schlägt grausame Herrscher zurück und noch so manches mehr. Irgendwann während der dreijährigen Knechtschaft werden sich Omphale und Herakles auch privat ganz sympathisch und heiraten schließlich. Den Verführungen des Morgenlandes ausgesetzt, vergisst Herakles aber schnell seine sonst so tugendhafte Gesinnung (bei den Argonauten war Herakles ja eigentlich der einzige, der immer artig auf dem Schiff geblieben ist) und „versinkt in weibischer Wollust“, wie es die Quelltexte so schön nennen. Omphale lässt das natürlich nicht so einfach mit sich machen, als sie davon Wind bekommt. Sie nimmt Herakles seine Löwenhaut ab und zieht sie sich selbst an, kleidet Herakles in Frauengewänder und lässt ihn von nun an Frauenarbeit verrichten. Das gefällt wiederum Herakles nicht besonders, und so macht er schnell, dass er wegkommt, als die drei Jahre um sind.

Jetzt wird erstmal Rache genommen an den Priesterkönigen, die ihn nach seinem Mord nicht entsündigen wollten, und so führt Herakles mal eben den einen oder anderen Krieg. Als er damit fertig ist, fällt ihm ein, dass er ja noch Grüße von Meleager aus dem Totenreich auszurichten hat. Er reist also zu König Öneus, Meleagers Vater, den wir ja noch aus der Sage mit dem kalydonischen Eber kennen, und will Deianira die Grüße von ihrem toten Bruder überbringen. Dabei stellt er fest, dass er sich auch mit dieser Königstochter ganz gut versteht, und heiratet auch Deianira.

Herakles bekommt mit Deianira einen Sohn, den er Hyllos nennt. Aber auch seine neue Familie führt nicht dazu, dass Herakles sich häuslich niederlässt. Er reist weiter von Abenteuer zu Abenteuer und ist nur manchmal zu Besuch bei König Öneus. Bei einem dieser Besuche erschlägt Herakles in seinem berüchtigten Heldenzorn einen unschuldigen Wasserjungen, und wird des Palastes verwiesen. Er nimmt seine Familie mit und macht sich auf den Weg zu König Keyx nach Trachis, einem alten Freund, der ihn aufnehmen soll.

Auf dem Weg dorthin kommen die drei an einen reißenden Fluss. Der Zentaur Nessos verdient sich hier seinen Lebensunterhalt, indem er Reisende sicher durch die Fluten trägt. Was ein echter Held ist, braucht dafür natürlich keine Hilfe, aber Deianira wird von Nessos über den Fluss getragen. Mitten im Fluss ziemlich wehrlos, wird die hübsche Königstochter von Nessos unsittlich berührt (ein Zentaur ist zur Hälfte eben auch nur ein Mann) und ruft um Hilfe. Als Herakles das hört und sieht, was los ist, schießt er einen Pfeil auf den Zentauren. Weil die Pfeile ja vergiftet sind, stirbt Nessos an der Wunde, kann aber noch ein paar letzte, geflüsterte Worte an Deianira richten. Er sagt ihr, sie soll ein wenig Blut aus seiner Wunde auffangen, und damit ein Unterkleid von Herakles einfärben. Danach soll Herakles ihr niemals untreu werden.

Warum weiß der Himmel, aber Deianira hört auf den sterbenden Nessos und tut wie geheißen. Lange Zeit hat sie aber keinen Grund, an Herakles´ Treue zu zweifeln, und das Fläschchen mit dem Zentaurenblut gerät in Vergessenheit. Die Familie gelangt zu König Keyx von Trachis und lässt sich dort nieder. Herakles zieht weiter durch die Welt und führt irgendwann Krieg gegen Eurytos, auf den er immer noch wütend ist wegen seiner verweigerten Tochter Iole. Man sollte meinen, es genüge, dass er den Sohn von Eurytos ermordet hat, aber dem ist anscheinend nicht so. Er besiegt Eurytos und nimmt Iole als Geisel gefangen.

So kommt Iole nach Trachis. Als Deianira hört, wer da im Kerker sitzt, hat sie doch ein bisschen Sorge um die Motive ihres Gatten. Iole ist nach wie vor jung und schön und scheint ihr eine große Konkurrenz um Herakles´ Zuneigung zu sein. Da fällt ihr das Blut von Nessos wieder ein, und sie beschließt, es zu benutzen. Sie färbt ein Unterkleid von Herakles damit und schickt es ihm.

Herakles, der zusammen mit seinem Sohn Hyllos gerade wieder irgendwo unterwegs ist, erhält das Unterkleid und legt es an. Kaum hat der Stoff seine Haut berührt, wird es glühend heiß und lässt sich nicht mehr ablegen. Unter Todesqualen wird Herakles nach Trachis zurückgebracht, weil er dort sterben will und nicht auf Reisen. Hyllos reist voraus und beschuldigt Deianira des Mordes an ihrem Mann. Verzweifelt über ihre Tat begeht die Unglückliche Selbstmord, noch bevor Herakles zurück ist.

Als Herakles Zuhause ankommt und von den Dienern hört, dass alles nur ein Versehen von seiner Frau war und diese sich aus lauter Trauer umgebracht hat, ist auch er tieftraurig. Er verlobt seinen Sohn Hyllos mit der gefangenen Iole und lässt sich auf den Berg Öta bringen, wo er einem Orakelspruch zufolge den Tod finden soll. Oben auf dem Berg lässt er einen Scheiterhaufen errichten, um sich verbrennen zu lassen.

Sobald der Scheiterhaufen angezündet ist, fahren Blitze vom Himmel herab und beschleunigen das Feuer. Als das Feuer lichterloh brennt, senkt sich eine Wolke herab und trägt Herakles unter Donnerschlägen zum Himmel empor. Herakles wird zum Olymp gebracht und in den Kreis der Götter aufgenommen. Sogar Hera kann nun, da sein irdisches Leben beendet ist, ihren Frieden mit ihm schließen, und gibt ihm später sogar ihre Tochter Hebe zur Frau.

Als der Scheiterhaufen zu Asche geworden ist, können Iolaos, Hyllos und die anderen Trauernden keine Überreste von Herakles finden. Da ist ihnen klar, dass ihr Freund in den Kreis der Himmlischen aufgestiegen sein muss und Herakles wird fortan zu einer von ganz Griechenland verehrten Gottheit.

Mehr dazu in:  »Sagen des klassischen Altertums« (1838-1840) von Gustav Schwab

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