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Hugin und Munin - Moderne Zeiten

StoryModerne Zeiten

In der Frühe eines jeden Tages entsendet Odin seine beiden Raben Hugin und Munin, um über die Welt der Menschen zu fliegen, alles zu beobachten und ihm davon zu berichtet.

Wenn die beiden von ihrem Rundflug zurückkehren, rasten sie auf dem Heimweg vor der Brücke Bifröst, die nach Asgard, der Wohnstatt der Götter, und der großen Halle Walhal führt.

Bei dieser Rast besprechen sie ihre Erlebnisse.

  • Sei gegrüßt, Bruder!

  • Sei ebenfalls gegrüßt.

  • Nanu? Du wirkst so erschöpft und verwirrt? Was ist dir begegnet?

  • Ach weißt du, es ist ja unsere Aufgabe die Welt der Menschen zu beobachten, damit wir Odin berichten können, was vor sich geht. Aber das fällt mir zunehmend schwerer.

  • Wir haben ja auch schon mehr als 2000 Jahre auf dem Buckel. Da ist es nicht einfach, noch den alten Schwung aufzubringen und die Welt noch zu verstehen.

  • Wir sind magische Geschöpfe. Das Alter kann uns nichts anhaben. Sonst wären wir längst in Hels Reich angekommen.

  • Stimmt. Ich gebe jedoch zu, dass ich jeden Morgen mehr mit mir zu kämpfen habe, dass ich tatsächlich losfliege, anstatt bei Freya am Herdfeuer sitzen zu bleiben.

  • Das ist in der Tat verlockend. Bei Freya hat alles irgendwie seine Ordnung, da kommt keiner auf alberne Ideen, alles durch neue Erfindungen zu verwirren, die dann doch nicht so recht funktionieren.

  • Das ist auch gut so. Aber was macht dir das Dasein so schwer?

  • Ich soll über Taten und Gedanken der Menschen berichten. Aber ich verstehe immer weniger davon, je mehr die moderne Technik um sich greift und die einfachsten Vorgänge kompliziert gestaltet.

  • Da sagst du ein wahres Wort! Man kann gar nicht überall zugleich sein, um die vielen Neuerungen mitzubekommen und begreifen zu lernen.

  • Richtig. So saß ich heute auf einem Baum im Stadtpark und wollte die Gespräche der Menschen belauschen. Sag nicht, das wäre unfein, es ist schließlich unsere Aufgabe. Aber wo früher zwei Stimmen waren, eine, die sprach und eine, die Antwort gab, ist heute nur noch eine Stimme, die in ein Handy spricht und die Antwort ist direkt am Ohr der Person, so dass ich die nicht verstehen kann. So kann ich meine Arbeit nicht machen.

  • Da hast du recht. Es ist nicht nur unvollständig, nur eine Hälfte vom Gespräch zu hören, sondern selbst die versteht man oft nicht mehr, weil sich alles nur noch um Technik dreht, die wir uns nicht mal mehr vorstellen können. Ob es Odin etwas nützt, wenn wir ihm von den Vor- und Nachteilen einzelner IPads berichten, das wage ich zu bezweifeln.

  • Ich auch. Wir sollen uns auf die Menschen konzentrieren, aber die interessieren sich nicht einmal mehr so richtig füreinander, sondern sie spielen lieber an der Playstation oder diese Onlinespiele. Wer bei World of Warcraft tot vom Schreibtischstuhl fällt, mag zwar meinen, im Kampfe gestorben zu sein, aber er erfüllt doch nicht die Bedingungen, dass ihn die Walkyren nach Walhall holen.

  • Hihi, jetzt muss ich mir gerade vorstellen, wie sie einen der gefallenen Tasten-Krieger mit derben Worten abweisen, weil ein Joystick eben doch kein Schwert ist.

  • Wäre ja auch noch schöner, wenn künftig in den Reihen der Einherjer diese Bubis sitzen, die nur an solchen Spielknöpfchen herummfummeln können! Die sind dann beim letzten Gefecht bestimmt nicht zu gebrauchen.

  • Aber Loki hat an ihnen seine helle Freude.

  • Der muss ganz und gar außer sich sein vor Freude bei den Zuständen. Denk nur an die vielen Streitereien, die durch die neumodischen Gerätschaften ausgelöst werden! Mobbing unter Jugendlichen, Neid und Missgunst überall, weil der eine sich ein teures Gerät leisten kann und der andere nicht, Zank, weil so viele Geräte einen Höllenlärm verursachen, wenn der eine sie benutzt und der Nachbar seine Ruhe haben will.

  • Oh ja, da muss ich dir recht geben! Jeden Sonnabend im Sommerhalbjahr röhren über den Tag verteilt in allen Gärten der Vorstadt die Rasenmäher! In der Frühe geht es los, wenn der Letzte fertig ist, sind andere schon bei der obligatorischen Grillerei mit lauter Musik. Wer da auf Ruhe hofft, muss ja schier verzweifeln. Früher waren Gärten Oasen von Ruhe und Erholung und doch war mehr Leben darin als heute, wo auf den totgepflegten Rasenflächen kein Blümchen mehr wächst, geschweige denn Gemüse oder Obst. Wozu sollte eine Biene sich die Mühe machen, da überhaupt hinzufliegen? Ganz am Rand ist vielleicht noch eine kleine Blumenrabatte oder ein Busch, aber der größte Teil der Gärten ist einfach nur öde.

  • Ja, angeblich, damit die Kinder Platz zum Spielen haben. Aber die hocken doch vor dem Bildschirm und gehen kaum mal raus in diese grüne Wüste.

  • Wenn sie rausgehen, schreit ja auch schon gleich ein Nachbar, dass sie zu viel Lärm machen würden. Und das, obwohl er selber mit Rasenmäher, Laubgebläse und anderem schweren Gerät Krach macht wie eine ganze Armee beim Angriff.

  • Ja, so ein Laubgebläse! Kostet Geld, braucht Benzin, macht Radau, verpestet die Luft! Was ist gegen die gute, alte Harke einzuwenden, die die selbe Arbeit still und umweltfreundlich erledigt und oft sogar in der gleichen Zeit?

  • Mit der Harke kann der Besitzer nicht angeben. Mit der Sense auch nicht. Und die Händler verdienen kaum was dran. Deshalb müssen sie ja neumodischen Dinger mit Gewalt anpreisen. Die gehen dann auch schneller kaputt, so dass das nächste Geschäft schon sicher ist. Oder sie sind zwar nicht kaputt, aber es gibt ein Neueres, Größeres, Schöneres.

  • Da braucht man kein Prophet sein, um zu ahnen, dass viele von diesen Geräten eher zum Angeben da sind als zum Arbeiten. Für viele andere Dinger gilt das ja auch.

  • Sicher. Vor ein paar Jahren reichten ja noch die Rasenmäher, die man über den Rasen schiebt. Heute muss es ja einer sein, der selbst fährt und seinen Eigentümer aufsitzen lässt. Dabei sind die Flächen doch meist recht klein, die damit gemäht werden.

  • Aber so haben die Besitzer dann trotz Gartenarbeit so wenig Bewegung, dass sie noch zusätzlich ins Fitnessstudio müssen.

  • Von dieser Entwicklung profitieren die, die an den teuren Maschinen gut verdienen, und die, die die Leute dann an Fitness-Maschinen schwitzen lassen.

  • Fehlt nur noch, dass einer eine Hammerwurf-Maschine erfindet, damit Thor nicht mehr selber mit dem Mjöllnier werfen muss!

  • Wenn sich das Ding gut verkaufen lässt, wird das bestimmt auf den Markt kommen. Nur Thor wird bestimmt nicht den Mjöllnir einer Maschine anvertrauen. Der wirft selber oder er lässt es.

  • Die Einherjer kommen bestimmt auch nicht auf die Idee, gemütlich in Odins Halle sitzen zu bleiben und Roboter in den Kampf zu schicken. Dafür stürzen sie sich doch viel zu gerne selber ins Getümmel und wollen sich selber beweisen, was sie können.

  • Das sind eben noch echte Kerle,  keine Nerds.

  • Stimmt. Die brauchen keinen Strom und kein Benzin. Naja, manchmal produzieren sie schon Abgase, aber das ist nur natürlich, wenn sie Zwiebeln verzehrt haben.

  • Bruder!

  • Hihi! Ist doch wahr! Aber nun ernsthaft: Es wäre für die Menschen so einfach, die Umwelt zu schonen und was für die Gesundheit zu tun, wenn sie manche kleine Arbeit von Hand ausführen würden anstatt eine Maschine dafür zu brauchen. So werden unnötig Energie und Bodenschätze verbraucht, das Zeug rund um den Globus transportiert und am Ende wächst der Müllberg ins Unermessliche. Dabei könnte man so manches viel einfacher und praktischer haben. Geld ließe sich dabei auch sparen. Aber das sind einfach keine Methoden, über die irgendjemand wirklich nachdenken will.

  • Das ist nicht auf den Garten beschränkt. In den Haushalten gibt es auch immer mehr Gerätschaften, die kaum gebraucht werden. Ein elektrischer Büchsenöffner, wenn man nur zwei Dosen im Monat aufmacht? Kann man die nicht auch mit einem mechanischen Öffner aufkriegen? Elektrische Fensterheber bei den Scheiben im Auto. Ist das bisschen Kurbelei zu viel verlangt? Außerdem: Je mehr Technik da ist, desto mehr geht auch irgendwann kaputt. 

  • Ja, und es dauert immer länger und wird immer schwieriger, die Dinger überhaupt ans Laufen zu kriegen. Die Bedienanleitungen versteht kaum noch einer. Nicht nur, wenn sie über ein Computerprogramm aus einer fremden Sprache übersetzt sind und der Text so voller Fehler ist, dass man das nicht wirklich lesen kann. Da muss immer mehr eingestellt, programmiert, justiert und was weiß ich gefummelt werden, da braucht man schon für eigentlich simple Geräte ein Studium als Informatiker. Hilfe beim Verkäufer? Fehlanzeige. Die pickligen Jüngelchen in den Elektronik-Märkten erzählen was, wo im Satz fünf Wörter vorkommen, die der Normalbürger nicht versteht, und verdrehen dann genervt die Augen. Kein Wunder, dass viele Leute sich da abgehängt fühlen. So was zu kaufen und sich damit zu ärgern, das bringt doch keine Verbesserung für den Kunden.

  • Ich sehe das ja noch ein, wo wirklich große Anstrengungen nötig sind, wenn man keine Technik zur Verfügung hat. Einen Baum mit Axt und Handsäge fällen und zerkleinern anstatt eine Motorsäge zu benutzen, zum Beispiel. Aber so Kleinigkeiten, die man mit einem Handgriff erledigen könnte? Die Brotschneidemaschine wird auch nicht mehr gekurbelt, sondern braucht Strom und macht Lärm. Bei einer Großküche, wo Hunderte von Brotscheiben gebraucht werden, meinetwegen, aber im Ein-Personen-Haushalt?

  • Manchmal ist es mühsamer, die Geräte herbeizuholen und anschließend wieder zu reinigen und wegzustellen, als wenn man einfach ein Messer oder einen Schneebesen nimmt und das von Hand macht. Davon ab, die Wohnungen müssen immer größer werden, um genug Platz zu bieten für den ganzen Kram. Ich habe schon einige Frauen gehört, die genau diese Punkte beklagt haben.

  • Männer scheinen das anders zu sehen. Und das Lesen einer Bedienanleitung ist absolut unter ihrer Würde. Das wäre ja ein Eingeständnis, dass sie auch nicht alles wissen, nur weil sie im Stehen pinkeln können. Bedienanleitungen sind Frauensache, echte Männer haben das nicht nötig. Am Ende wundern sie sich, wenn immer das Garagentor aufgeht, wo sie doch eigentlich in ein anderes Fernsehprogramm zappen wollen. Trotzdem lernen sie nichts draus für das nächste Mal. Überhaupt: Warum denn eine Fernbedienung für den Fernseher, wenn man noch rüstig genug ist, da hinzugehen und das Knöpfchen zu drücken?

  • Die Fernbedienung ist ein Symbol für die Macht im Hause. Wer die hat, bestimmt, welcher Film geguckt wird und ist somit der König. Guck mal in die Fenster, wo in den Wohnzimmern das Dingen liegt. Wenn irgend möglich, bei den Männern, selbst, wenn die sonst nichts auf die Reihe kriegen.

  • Richtig. Gerade dann. Die können anscheinend von Technik nicht genug kriegen. Schon die Jungen spielen nicht mehr Schiffe versenken mit Papier und Bleistift, sondern es muss ein Computerspiel sein, dass die Geräusche von Torpedos von sich gibt und bei einem Treffer einen lauten Knall.

  • Die Puppen können heute aber auch fast alle singen und sprechen, manche laufen und tanzen sogar. Außerdem muss soviel Zubehör dabei sein, dass das Zimmer immer voller wird. Früher haben Mutti und Oma zu Weihnachten aus Stoff- und Wollresten neue Puppenkleider angefertigt und der Vater vielleicht ein Bettchen und einen Schrank. Damit fühlte sich ein Mädchen wie eine Prinzessin beschenkt.

  • Das setzt aber auch die Fingerfertigkeit und den Willen bei den Erwachsenen voraus, sich  ein bisschen Mühe zu geben anstatt nur bequem zu kaufen. Und bei aller Fingerfertigkeit könnten die Puppensachen doch nicht so viele technische Funktionen haben wie das heute üblich ist. Anscheinend ist Spielzeug, das nicht Lärm und bunte Lichter von sich gibt, uninteressant geworden.

  • Ferngesteuerte Flugzeuge, mit denen sie die Vögel am Himmel jagen, Autos, die sie alten Damen zwischen die Füße treiben können, Roboter, die durch die Wohnung laufen und die Mutter erschrecken … Es gibt nichts, was es nicht gibt.

  • Oh ja, und dann diese Mini-Motorräder oder Mini-Quads, wo kleine Kinder drauf sitzen und mit einem Höllentempo herumflitzen, bis ein Unglück geschieht. Aber die Väter wollen ja so ein Technik-Spielzeug, weil sie eigentlich selber damit spielen wollen und das Kind nur als Vorwand dient.

  • Wie bei der elektrischen Eisenbahn. Die Kinder sollen die Eigentümer sein, dürfen sie aber nicht anfassen, weil sie ja was kaputt machen könnten. Die dürfen dann mal zugucken, wie Papa die Bahn fahren lässt.

  • Die Kinder hätten mehr davon, wenn sie statt dessen Gelegenheit hätten, mit den Eltern zusammen etwas zu basteln, aufzubauen, kochen oder sonst was tun könnten, wobei sie lernen und Anleitung und Fürsorge wahrnehmen könnten.

  • Da magst du recht haben. Aber bedenke, dass sie ja in eine Technik-Welt hineinwachsen und schon beizeiten sich damit zurechtfinden müssen.

  • Dagegen habe ich ja auch nichts. Aber so, wie das abläuft, da ist einiges im Argen. Guck nur mal hin, wenn du Kinder und Jugendliche siehst. Stöpsel im Ohr, damit ständig die Musik dröhnen kann. Wenn die statt dessen mal einen Vogel pfeifen hören, kriegen sie ja den Schreck ihres Lebens, weil sie gar nicht mehr wissen, was das ist. Und in ein paar Jahren brauchen sie dann noch ein neues Gerät, nämlich ein Hörgerät, weil sie von all der Dauerbeschallung taub werden. Sofern sie nicht vorher überfahren worden sind, weil sie die Autos nicht gehört haben. Schöne neue Technik-Welt über alles, aber Natur kennen sie höchstens noch vom Bildschirm! Das hat dann zufolge, dass ein Halbwüchsiger alle Funktionen am neuesten Smartphone kennt, aber nicht Kuh und Bulle unterscheiden kann und noch nie ein gutes Buch gelesen hat.

  • Dafür gibt es ja jetzt diese E-Books.

  • Ganz toll für den Handel: Fällt einem beim Lesen ein echtes Buch in die Badewanne, kauft er ein neues für 10 €. Fällt das E-Book-Ding ins Wasser, muss er für ein neues Gerät und die Text-Dateien, die mit dem alten Teil abgesoffen sind, einige hundert Euro hinlegen.

  • Außerdem: Wer weiß, wie lange die Texte dafür zu haben sind? Vielleicht gibt es in ein, zwei Jahren neue Geräte, die man teuer kaufen muss, und für die alten, auch wenn sie noch funktionieren, keine Texte mehr? So eine Entwicklung ist doch in allen möglichen Bereichen gang und gäbe.

  • Richtig. Man muss am Kaufen bleiben. Deswegen lassen sie sich immer wieder etwas einfallen, um die Leute wieder in die Läden zu locken.

  • Viele lassen sich ja auch zu gerne locken. Wenn Bequemlichkeit oder Status in Aussicht gestellt werden, kann man fast alles verkaufen.

  • Das ist so. Und wenn die Ernüchterung kommt, dass die große Verbesserung ausbleibt, ist es zu spät. Dann ist das Geld weg, die Leute haben das Teil zu Hause und machen lange Gesichter. Aber schon lockt der nächste Kauf, um dieses Manko auszugleichen.

  • Ich könnte mich aber immer kaputtlachen, wenn dann so Experten so von der Technik abhängig sind, dass sie die einfachsten Sachen nicht mehr auf die Reihe kriegen, wenn mal so eine Maschine den Dienst quittiert hat. Neulich habe ich einen Mann beobachtet, dessen Auto nicht ansprang. Schließlich zog er sein Handy raus und sagte die Verabredung ab. Die Freundin, die er besuchen wollte, wohnt ganze 2 Kilometer entfernt.

  • Das war wohl zu weit zum Laufen? Ist er fußlahm oder hatte er großes Gepäck?

  • Keins von beidem. Der Depp hat ein superteures Fahrrad in der Garage. Aber das ist ja nicht mehr Verkehrsmittel, sondern Sportgerät. Da er aber einen Besuch machen wollte und kein Training, ist er gar nicht erst auf die Idee gekommen, den Drahtesel zu benutzen.

  • Ich hoffe, die Freundin hat ihm den Laufpass gegeben.

  • Weiß ich nicht. Aber ich muss immer an den Witz denken, wo der Strom in einem großen Gebäude ausfällt. Einige Leute sind stundenlang im Fahrstuhl eingesperrt, andere stehen solange auf der Rolltreppe und kommen nicht weiter.

  • Manch einer hat sich auch so an den Taschenrechner gewöhnt, dass er die simpelsten Aufgaben nicht mehr im Kopf rechnen kann.

  • Warte mal ab. Mit diesen Apps für alle möglichen Funktionen wird das noch besser. Oder mit den Navis. Manch einer schaltet das Ding sogar auf der Fahrt zur Arbeit an, obwohl er dieselbe Strecke seit Jahren jeden Tag fährt. Was macht so einer, wenn das Ding mal kaputt ist? Muss er dann frei nehmen, weil er den Weg nicht findet?

  • Genauso wenig verstehe ich, wieso manch einer in ein Gewässer fährt, das er vor sich sieht, nur weil das Navi ihn zum Weiterfahren auffordert. Kommt ja immer wieder vor, oder dass einer, der eigentlich sein Ziel schon sehen kann, wegen so einer Stimme aus einem kleinen Kasten dann in eine ganz andere Richtung fährt und irgendwo im Schlamm stecken bleibt. Man kann wohl die ganze Verantwortung für sein Tun an so ein Gerät abgeben, was?

  • Wenn es schief geht, kann man ja immer noch den Hersteller auf Schmerzensgeld verklagen.

  • Die alten Götter haben eigentlich immer die Menschen in eigener Verantwortung handeln lassen. Da musste jeder zusehen, wie er mit den Folgen zurechtkam, auch wenn sie manchmal natürlich geholfen haben. Aber so werden sie ja immer unselbständiger.

  • Ja, die Walkyren haben auch schon beklagt: Früher hatten die Männer Muskeln. Heute haben sie Technik.

  • Irgendwann wird das einmal heißen: Früher hatten die Menschen Hirn. Heute haben sie die Apps für alles und jedes.

So schwingen sich die beiden Raben in die Luft, grüßen Heimdall und fliegen über die Regenbogen-Brücke ins Reich der Asen, um dem Göttervater von den Erlebnissen des Tages zu berichten.

Kommentare  

#1 Alter Hahn 2012-05-20 04:57
Wie heißt es so schön in Goethes "Faust"?

Der Herr: "Kommst du nur immmer anzuklagen? Ist auf der Erde ewig dir nichts recht?"
Mephistopheles: "Nein, Herr, ich find es dort - wie immer - herzlich schlecht..!"

Jedenfalls freue ich mich, dass du deine Gespräche von Hugin und Munin nun auch die Zauberspiegel-Leser lesen lässt. Sie werden es zu würdigen wissen...
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#2 Kerstin 2012-05-20 20:10
Ja, eigentlich war ich selber ganz erstaunt, das hier zu finden. Aber vielleicht rührt sich dann auch mal was bei dem einen oder anderen in den grauen Zellen.
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#3 McEL 2012-05-21 22:47
zitiere Kerstin:
Aber vielleicht rührt sich dann auch mal was bei dem einen oder anderen in den grauen Zellen.

Das wäre zwar wünscheswert, aber darauf würde ich nicht wetten ... ;-)
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#4 Larandil 2012-05-21 23:32
TL,DR. Liege ich sehr falsch, wenn ich als Zusammenfassung "Früher war alles besser, technischer Fortschritt ist total scheisse" vermute?
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#5 Alter Hahn 2012-05-22 00:26
Larandil

Kerstins Beitrag ist das, was man gemeinhin "Satire" nennt. Und nicht mal so überzogen, wie die heutige "Comedy" - sondern dieser Beitrag hat einen geistvollen Hauch von Kabarett. Allerdings setzt das richtige Verstehen von Kerstins - oder besser der Gedankengänge der Raben - eine gewisse geistige Beweglichkeit voraus.

Zusammenfassung "Früher war alles besser - technischer Fortschritt ist total sch..." Da würde ich sagen - noch mal lesen und die angesprochenen Dinge zu begreifen versuchen. Aber - für uns Männer ist es ein gewisser Lernprozess, manches von Kerstins Ansichten zu akzeptieren.

Allerdings - ich habe es da viel einfache, denn Kerstin ist seit vielen Jahren eine meiner besten Freundinnen, mit der ich "richtige Gespräche" führen kann.

Um den Artikel zu begreifen, muss man sich folgendes vor Augen führen. Kerstin hat uns, den Lesern, hier durch Hugin und Munin mit ihrer "germanischen Denkungsweise" einmal den Eulenspiegel vorgehalten. Allerdings fühlen sich viel Leute durch Satire dieser Art angegriffen - vor allem, wenn sie sich in dem vorgehaltenen Eulenspigel wieder erkennen.

Jedenfalls hoffe ich für die Zauberspiegel-Leser, dass Kerstin auch noch ihre anderen Hugin-und Munin -Betrachtungen dieser modernen Welt hier veröffentlichen lässt. Sie sind es auf jeden Fall wert... ich kenne die Artikel und weiß, wovon ich rede...
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#6 Larandil 2012-05-22 05:57
Ah ... nein, das sehe ich nicht so. Für mich kommt's wie eine Predigt daher. Satire hätte es werden können, wenn Hugin und Munin ungefähr nach einem Drittel des Gezeters - oder auch früher - zu Odin geflogen wären und Bericht erstattet hätten, mit dem Verdacht, dass irgendein hinterlistiger Plan der Riesen dahintersteckt, um den Nachschub an Einheriern vor Ragnarök empfindlich zu treffen. So dass Odin sich aufmacht zur Quelle Mimirs, um dort dem Problem auf den Grund zu gehen, denn wen sollte ein Ase sonst fragen? Loki der Listenreiche fällt als Agent ja nun mal aus, seit er für die Nummer mit Baldur und dem Mistelzweig büßt.

Keinem Menschen würde es einfallen, mit einer Kollektion gekröpfter Chrom-Vanadium-Ringmaulschlüssel anzugeben (okay, wenigen Menschen ...) - also was ist so besonders am iPhone und am Laubbläser? Und woher kommt dieser Kult um "gesparte Zeit", in der man sich dann ganz prima langweilen kann und die man mit Macht totschlagen muss? Was treibt Menschen dazu, nicht nur freiwillig/ohne Not an Krücken zu gehen, sondern sogar darum zu wetteifern, welche dieser Krücken den meisten Tand und Zierrat trägt? Was ist nur los mit den Menschen, wo doch in jedem von ihnen eigentlich ein Held darauf brennen sollte, sich zu beweisen?
Da können doch einfach nur die Zwerge ihre Hände im Spiel haben ...

Tja. Verpaßt. Statt dessen:

bei der ersten Bildschirmladung sagte ich mir noch: "Ja, das ist wohl wahr."
Beim zweiten Schirm voll "Ja ..."
Beim dritten "Ja, gut, so langsam hat's bestimmt auch noch der Letzte verstanden, was die Autorin sagen will. Und weiter?"
Aber weiter ging es mit noch drei weiteren Bildschirmen, in denen es praktisch das Gleiche zu betrachten gab wie vorher schon. Sechs Seiten literarisch Erbrochenes über den modernen Tanz ums goldene Kalb. Ohne irgendeine Überraschung zum Schluß.

Und im Kommentarteil dann eine Neufassung des Märchens von der Kaiserin neuen Kleidern. Denn nur totale Vollhorste könnten sich ja jener fundamentalen Wahrheit verweigern, oder etwa nicht?
Horam perdidi ...
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#7 Larandil 2012-05-22 11:24
zitiere Kerstin:
Ja, eigentlich war ich selber ganz erstaunt, das hier zu finden. Aber vielleicht rührt sich dann auch mal was bei dem einen oder anderen in den grauen Zellen.

zitiere McEL:
Das wäre zwar wünscheswert, aber darauf würde ich nicht wetten ... ;-)


Hallo die Damen. Wie ist denn so die Luft da oben auf dem hohen Ross?
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#8 Kerstin 2012-05-22 14:44
Das Schöne an dem hochgelegenen Sitz ist ja, dass man sich da nicht mehr von jedem Bein pinkeln lassen muss. Somit ist die Höhenluft deutlich reiner.
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