Marlieses kleine Schreibschule - Folge 1

Marliese's kleine SchreibschuleFolge 1
Monster mit Sprachfehler

Du hast eine Idee und möchtest daraus eine Geschichte machen. Je länger du darüber nachdenkst, desto mehr begeistert dich die Idee.

Dann setzt du dich hin und willst beginnen. Ein leerer Computer-Bildschirm starrt dich an, du starrst zurück und fragst dich, wie du, verflixt noch mal, deine tolle Geschichte überhaupt anfangen sollst.


  • Wo spielt die erste Szene?
  • Wer spielt darin mit?
  • Worum geht es?
  • Wohin soll die Szene führen?
  • Und wie sollst du die Szene überhaupt erzählen?

Marliese AroldSicher hast du dir schon Gedanken gemacht, wer in deiner Geschichte vorkommen soll. Du denkst an ein grünes, rot getupftes Ungeheuer, das einen Sprachfehler hat und immer gleich sehr böse wird, wenn es deswegen gehänselt wird. Das Monster sucht nach einem Weg, seinen Sprachfehler loszuwerden, um ein normales Leben zu führen.

Okay. Und wie anfangen?

Du stellst dir vor, das Monster erwacht eines Morgens in seiner Höhle. Die Sonne scheint, es ist ein herrlicher Tag, das Ungeheuer kriecht fröhlich aus der Höhle, dehnt und streckt sich, bis ihm einfällt: „Mist, mein Sprachfehler ist ja noch immer da!“

Du kannst die Geschichte in der Ich-Form erzählen. Etwa so:
Eben hatte ich noch wunderschön geträumt. Ich lief an einem Weiher entlang und am anderen Ufer stand ein bildschönes Monster, schrill orange, mit violetten Streifen. Es hatte gerade gebadet, und seine Haut glänzte vor Nässe. Ich überlegte, wie ich am besten auf die andere Seite käme, aber kaum war ich ins Wasser gewatet und wollte die ersten Schwimmzüge machen, wachte ich auf.
Kein Weiher. Kein wunderschönes Monster. Ich lag in meiner Höhle, auf meiner schimmeligen Matratze. In der Ecke gammelten noch ein paar Zuckerrüben vor sich hin, die heute mein Frühstück sein sollten. Aber draußen vor der Höhle schien die Sonne und die Vögel zwitscherten. Der wochenlange Regen war endlich vorbei.
Fröhlich sprang ich auf meine Füße, rannte zum Höhlenausgang und blinzelte in die Sonne! Ein herrlicher Tag – wie geschaffen für einen Ausflug! Vielleicht würde ich ja den Weiher finden, den ich in meinem Traum gesehen hatte.
Ich dehnte und streckte mich, dachte an das Monster mit den lila Streifen und stellte mir vor, wie wir Freunde werden würden. Wir würden zusammen tolle Abenteuer erleben ... Ich grinste glücklich vor mich hin. Doch dann erinnerte ich mich plötzlich wieder daran, warum ich keinen einzigen Freund hatte ...
Meine Freude über den herrlichen Tag war wie weggeweht. Ich presste meine Lippen zusammen.
Ich hatte einen schlimmen Sprachfehler. Wenn ich „S“ sagen wollte, zischelte ich wie eine Schlange. Statt „Saft“ sagte ich „Schaft“, statt „Senf“ „Schenf“ und ganz schlimm war es bei „Sessellift“ – „Scheschellift“. Deswegen war ich auch noch nie ins Gebirge gereist.
Du kannst die Geschichte auch ganz anders erzählen, nämlich als „Er-Erzählung“.
Das grüne Monster mit den roten Punkten lag in seiner Höhle und schnarchte. Es hatte gerade einen wunderschönen Traum und ahnte nicht, dass der wochenlange Regen endlich aufgehört hatte. Die Sonne schien, die Grashalme funkelten in ihrem Licht wie Diamanten, und die Vögel zwitscherten, dass es eine Freude war.
Ein Sonnenstrahl stahl sich in die Höhle und kitzelte das Monster an der dicken Nase. Es bewegte sich im Schlaf. Dann hob es den Kopf und öffnete müde die Augenlider.
„Ha-hatschi!“
Mit einem Satz kam das Monster auf die Beine und lief begeistert zum Ausgang.
„Die Schonne!“, rief es fröhlich. „Endlich scheint die Schonnne! Dann kann ich ja heute einen Auschflug machen!“
Du siehst, es gibt verschiedene Arten, wie man eine Geschichte erzählen kann. Probiere aus, welche dir für deine Geschichte am besten gefällt!

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