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Feurige Monsterspinnen

Schrott auf DVD und BluRayFeurige Monsterspinnen

Was ist ein schlechter Film? Nun, diese Betrachtung ist sehr subjektiv, denn es liegt immer im Empfinden des Zuschauers.

Filme die ich schlecht finde muss ein anderer nicht zwangsläufig auch so ansehen. Für mich sind zum Beispiel die weitaus meisten der heutigen A-Filme schlecht. Da wird es manch einen Leser geben, der nun die Stirn runzelt und ein Fragezeichen über dem Kopf trägt.

Schon der Titel LAVALANTULA sagt uns wohin die Reise geht. Nach dem überraschenden und enormen Erfolg der TheAsylum-Reihe SHARKNADO (ab 2013) suchte man allerorten nach Konzepten, die jenem die Stirn bieten konnten. Dabei zeigt sich wieder einmal, dass man Solches nicht planen kann. SHARKTOPUS, aus dem Hause New Horizons, ist noch ob seiner skurrilen Monsterkreationen ein annehmbarer Erfolg, aber der entstand schon vor dem Haiwirbelsturm.

Bei CineTelFilms wollte man nicht noch eine Hai-Serie. Also suchte man sich eine andere Tierart die den Menschen oft Angst macht. Was liegt da näher als Spinnen, die neben Schlangen bei manchen Leuten sogar Phobien auslösen. Getreu des vorgegebenen Konzeptes mussten diese aber eine Besonderheit aufweisen. Sie kommen also aus einem Vulkan, sind heiß wie Lava und können Feuer spucken. Einfach wie effektvoll.

Es bedurfte der Umsetzung und man fand einen erfahrenen Regisseur. Mike Mendez hatte zwei Jahre zuvor mit dem Heuler BIG ASS SPIDER eine liebevolle Hommage an den Monsterfilm der Fifties gedreht. Er bot sich an auch diese Spinnen auf das Publikum loszulassen, schrieb gleich noch am Drehbuch mit. Man konnte Steve Guttenberg verpflichten, dem eine Rolle auf den Leib geschrieben wurde. Jener wiederum holte mit Michael Winslow und Marion Ramsey noch zwei alte Weggefährten ins Boot. Nun ist ja die POLICE ACADEMY-Reihe nicht gerade ein artverwandter Stoff. Als Zuschauer ist man aber nicht undankbar, die bekannten Gesichter wieder einmal zu sehen.

Der Erfolg gab den Machern recht. LAVALANTULA wurde zwar kein zweiter SHARKNADO, lief aber gut genug um eine Fortsetzung zu lancieren.

LavalantulaLavalantula (2015)
(Lavalantula)
Regie: Mike Mendez, mit Steve Guttenberg, Nia Peeples, Patrick Renna, Carlos Bernard, Michael Winslow, Marion Ramsey, Leslie Easterbrook.
Wenn man sich, so wie ich, viele von diesen Kloppern aus den Häusern TheAsylum, CineTelFilms, UFO, New Horizons oder Active Entertainment anschaut, dann bekommt man das Gefühl, dass einer vom anderen klaut. Natürlich ist es irgendwann nicht mehr einfach einen originären Stoff zu erfinden. Was LAVALANTULA jedoch gemacht hat ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten.

LAVALANTULA ist das Remake eines nur zwei Jahre zuvor für den SyFy-Channel produzierten Films, den ich zufällig vier Tage vorher sah. Von den Kreaturen bis zum Handlungsablauf klaut er alles bei ARACHNOQUAKE (der Film folgt am Ende), der leider in der Versenkung verschwand und heute in irgendwelchen Horror- und Katastrofenboxen verramscht wird. Mike Mendez ist ein besserer Regisseur als Griff Furst und CineTelFilms eine bessere Produktionsfirma als Active Entertainment, weshalb dem vorliegenden Film mehr Beachtung geschenkt wurde. Außerdem besaß der Vorgänger keine Stars in der Headline.

Colton West (Steve Guttenberg) ist ein abgehalfterter Filmstar, der seinen Unterhalt mit kleinen Rollen in billigen Filmen verdient. In den 90'ern war er ein gefeierter Actionstar, der seinen größten Erfolg mit der Inkarnation des maskierten Superhelden "Red Rocket" feierte. Plötzlich bricht der Vulkan in der Nähe von Los Angeles aus und Spinnen unterschiedlicher Größe werden mit den Lavabrocken ausgespien. Sofort machen sich die Biester daran die Umgebung zu terrorisieren. Colton fährt nach Hause um bei seiner Familie zu sein. Sein Sohn ist unterdessen mit ein paar Freunden unterwegs. Sie werden von den Spinnen angegriffen und flüchten in ein Lagerhaus. Eines der Mädchen wird gebissen und dient den Spinnen als Wirtskörper für den Nachwuchs. Colton kapert einen Bus mit japanischen Touristen und kehrt in die Stadt zurück. Er trifft auf seine Frau und kann schließlich auch seinen Sohn retten. Da die staatlichen Stellen hilflos sind, setzen die Mitglieder seiner Filmcrew einen eigenen Plan um. Sie locken das Muttertier aus dem Versteck. Colton schlüpft in sein Kostüm des Red Rocket, platziert eine Bombe im Rachen der Riesenspinne und rettet damit seine Stadt.

Yeah, und weil es sich um einen Gute-Laune-Film handelt ist das Ganze natürlich herrlich überdreht. Wenn Guttenberg am Ende mit seinem Raketenanzug durch die Straßen fliegt, dann bedarf es keinen Alkohol um den Zuschauer in Feierlaune zu versetzen. Ist schon ein Spaß, der Film. Guttenberg befindet sich in Hochform und haut einen deftigen Oneliner nach dem anderen heraus.

Ein wenig ärgerlich ist nur die Tatsache, dass der Film abgekupfert hat, besonders deshalb, weil Mendez dieses doch gar nicht nötig hat. Seine Inszenierung ist sehr gut, er weiß mit der Kamera, mit den Schauspielern und mit den Tricks umzugehen, bringt Spannung und Comedy in eine goutierbare Waage. Aber - es ist eben alles schon dagewesen. Das Erdbeben am Anfang, das Herauskrabbeln aus Löchern im Boden, das Speien von Feuer, der Angriff auf den Bus, die Suche nach Verwandten, die riesige Mutterspinne – alles ARACHNOQUAKE. Irgendwie peinlich für die Macher.

Das Design und die Animation der Spinnen sind besser als beim Vorgänger. Die Dramaturgie ist etwas ausgefeilter, die Darsteller engagierter. Außerdem - der Film hat Nia Peeples. Als coole Actionheroine in Billigfilmen ist sie fast unschlagbar. Sie beherrscht alle Facetten der entsprechenden Mimik und kann Schwerter und Wummen so halten, dass es wirkt.

Dieser Film schlug natürlich besser ein als der billige kleine SyFy-Vorgänger. Und auch wenn er nicht annähernd die Originalität und "Bedeutung" von SHARKNADO errang, so bekam er doch eine Fortsetzung. Den Betrachter beschleicht aber das Gefühl, als wollte man den Erfolg erzwingen.

Lavalantula2Lava2lantula (2016)
2Lava2lantula
Regie: Nick Simon – mit Steve Guttenberg, Michael Winslow, Marion Ramsey, Michele Weaver, Jimmy Bellinger, Martin Kove.

Es wird nicht funktionieren. Teil 2 macht all das falsch was der erste Film richtig gemacht hat, denn er wiederholt einfach alles nur. Das ist zu wenig und so einfältig waren nicht einmal die Macher des SHARKNADO-Franchises. Keine neue Idee, nichts was anders wäre, lediglich die Mutterspinne am Schluss ist größer als jene vorher.

    Dieses Mal suchen die Lavalantulas Miami heim. Wieder ein Erdbeben, wieder Löcher im Boden, aus denen die Viecher an die Oberfläche kommen. Colton West schreitet erneut ein, weil ein Familienmitglied in Schwierigkeiten ist. Am Ende wird die Superspinne mit Brandschutzmittel bekämpft und schließlich zerbombt. Gääääähn.

Der Regisseur hat gewechselt und Nick Simon besitzt nicht annähernd das Talent eines Mike Mendez. Besonders seine Schauspielerführung ist unterirdisch. Mit aller Macht wird versucht die Komik in den Vordergrund zu schieben. Dabei gerät das Meiste einfach zu laut und albern. Offenbar sind die Darsteller angehalten worden zu übertreiben. Derartiges Overacting ist tödlich für jeden Film. Steve Guttenberg liefert wohl die grausigste Leistung seiner Karriere ab. Ein cooler Held zu sein bedeutet nicht, ein aufgesetzt grimmiges Gesicht zur Schau zu tragen und debile Sprüche herauszuhauen. Überhaupt sind die Dialoge an Dümmlichkeit kaum zu überbieten.

Ansonsten - Spinnen, Spinnen, Spinnen. Mehr Krabbelviecher bedeutet weder mehr Spaß oder noch mehr Qualität. Es wird geballert was das Zeug hält und die armen Tierchen werden ohne Ende umgenietet. Na toll. Irgendwann habe ich das Treiben nur noch gelangweilt verfolgt, da eben nichts passiert was einen noch aus der Lethargie holen könnte. Und so sehr ich mich gefreut habe einmal wieder Martin Kove zu sehen, so sehr habe ich mich geärgert. In seiner Rolle als Militärbefehlshaber wurde auch er offenbar nur dazu angehalten Grimassen zu schneiden und Blödsinn zu labern.

Es fehlt zudem Nia Peeples, die vielleicht etwas hätte retten können. So gibt es auch hierbei einen Unterschied zu SHARKNADO. Dort hat man bisher bis zu Teil 5 die Hauptdarsteller zusammenhalten können. Der 2. Teil dort war übrigens um Längen besser als Teil 1. Ein geniales Feuerwerk an abgefahrenen Ideen, großartig aufgelegten Darstellern und einer doofen aber schlüssigen Story. All das fehlt 2LAVA2LANTULA (was für ein blöder Titel). So muss man hoffen, dass die Macher sich etwas einfallen lassen oder besser noch - ganz aufhören. Fliegende Haie geben halt doch mehr her als feuerspeiende Spinnen.

ArachnoquakeArachnoquake (2012)
Arachnoquake 
Regie: G.E. Furst (Griff Furst), mit Megan Adelle, Gralen Bryant Banks, Paul Boocock, Edward Furlong, Tara Ashleigh, Tracey Gold.
New Orleans hat ein Problem. Gestern gab es ein Erdbeben. Heute laufen plötzlich überall Spinnen herum, die merkwürdig aussehen, unterschiedlich groß sind und sogar Feuer speien können. Paul, ein Loser von 30 Jahren, muss ein paar Erlebnishungrige mit seinem Bus durch die Stadt fahren. Das gestaltet sich nun schwieriger als erwartet, denn die Biester sind überall. Auch Matt, Trainer einer weiblichen Baseballmannschaft, fährt seine Mädels zu einem Auswärtsspiel, muss jedoch mitten im Wald mit dem Bus einen Baum knutschen, weil die Straße von Spinnen belagert wird. Alle Leute sind irgendwie auf der Flucht. Die Viecher sind aggressiv und pflanzen zudem ihre Eier in die Körper anderer Lebewesen. Nach sehr kurzer Inkubationszeit kommen sie dann effektvoll den Körper zerstörend heraus. Paul, der von seinem Vater ständig herabgewürdigt wird, entpuppt sich schnell als wahrer Held. Als die monströse Spinnenkönigin aus ihrer Höhle hervor bricht und zwischen zwei Hochhäusern ein Netz spinnt, zwängt er sich in einen Taucheranzug und lässt sich von der achtbeinigen Dame verschlucken, um deren innere Gasblase, die das Feuer ermöglicht, zu sprengen.

Es handelt sich um ein typisches SyFy-Creature-Feature, das recht schnell, action- und humorgeladen aber auch inhaltlich hohl für Unterhaltung sorgt. Also kaum der Rede wert. Das bleibt letztlich auch so, selbst wenn man den Film bis zum Ende geschaut hat. Das wiederum fällt nicht schwer, denn er ist recht kurzweilig. Das hat verschiedene Gründe. Für einen SyFy-Film ist die Trickarbeit überraschend gelungen. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass ARACHNOQUAKE keine der üblichen TheAsylum-Produktionen ist, sondern aus dem Hause Active Entertainment kommt. Die Animation und das Design der Kreaturen ist ebenso augenfällig wie spaßig. Hinzu kommen einfach aber effektiv gestaltete Charaktere. Die Schauspieler füllen ihre Rollen mit sichtlichem Spaß und hauen manchmal haarsträubende Oneliner heraus. Ernst nehmen darf man das Ganze nicht, der Film will Solches auch gar nicht erreichen.

Es tauchen immer wieder mal lustige kleine Filme um Monsterspinnen auf. Dieser hier macht zwar Spaß, fällt aber hinter ARAC ATTAC (EIGHT LEGGED FREAKS, 2002) oder meinem persönlichen Favoriten BIG ASS SPIDER (2013) leicht zurück. Er bedient sich zu offen des klassischen Katastrophenszenarios, sodass er schon inhaltlich nicht wirklich zu überzeugen weiß. Es wäre aber unfair ihn ob dessen abzuqualifizieren. Man sieht ihm an, dass er nicht teuer war. Dennoch - er sieht besser aus als man ob seiner Herkunft vermuten könnte. Als unterhaltsamer Zeitvertreib, wenn man sein Gehirn mal nicht strapazieren möchte, taugt er allemal etwas. Das ist mehr als man positiv über viele SyFy-Filme sagen kann.

TARANTULA (1955) steht weiterhin turmhoch über allen Nachfolgern, doch er war und ist kein Spaßfilm, weshalb ARACHNOQUAKE wie auch eben vorgenannte Filme mutig und berechtigt aus seinem Schatten treten können.

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