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Dreiecksflossen

Schrott auf DVD und BluRayDreiecksflossen

Was ist ein schlechter Film? Nun, diese Betrachtung ist sehr subjektiv, denn es liegt immer im Empfinden des Zuschauers.

Filme die ich schlecht finde, muss ein anderer nicht zwangsläufig auch so ansehen. Für mich sind zum Beispiel die weitaus meisten der heutigen A-Filme schlecht. Da wird es manch einen Leser geben, der nun die Stirn runzelt und ein Fragezeichen über dem Kopf trägt.

Nach der Jahrtausendwende kamen sie und bevölkerten in nie dagewesener Zahl die Meere, Seen und Flüsse. Manchmal bewegen sie sich auch unter Sand und Schnee, fliegen durch die Lüfte und haben zuweilen mehrere Köpfe. Haie sind zum Synonym für den Trashfilm geworden und die Macher halten nicht inne sie auf die Menschen loszulassen. Da werden noch weitere Übersichten folgen. Zunächst habe ich mich mit etwas unbekannteren und belangloseren Titeln beschäftigt.

Hai AttackHai Attack (2012)
(Swamp Shark)
Regie: G.E. Furst (Griff Furst), mit Kristy Swanson, Robert Davi, Christopher Berry, Jason Rogel, Jeff Chase, Lo Graham.
Das ist doch mal ein richtig doofer Titel, ein Gemisch aus Deutsch und Englisch. Wer darf sich denn so etwas ausdenken und auf das Coverbild klatschen? Immerhin trifft er auf den Inhalt zu, aber eigentlich würde das auf Zombiewjeden dieser Sharkheuler (Mist, jetzt habe ich es auch getan) zutreffen. – Ist ein Repack-Titel, er erschien ursprünglich unter seinem Originaltitel bei uns.

Die liebe Kristy Swanson war mal eines meiner Schnuckelchen, nachdem sie in DEADLY FRIEND (1986) jenes Mädel spielte, das durch einen Computerchip zu unseligem Leben wiedererweckt wurde. Sie ist bis heute ein bekanntes Gesicht im TV, aber im Kino hate sie nie die Kurve gekriegt. Sie spielte in BUFFY THE VAMPIRE SLAYER (1992) die Titelrolle, welche jedoch erst Jahre später Sarah Michelle Gellar durch die TV-Serie zu Weltruhm verhalf. Auch die Comic-Verfilmung THE PHANTOM (1995) blieb weit hinter den Hoffnungen zurück. Also ging sie ins Fernsehen, wo ich sie zeitweilig aus den Augen verlor.

Nun ist HAI ATTACK auch nicht gerade ein Film der sie mir in das Herz zurück bringt, aber ich freue mich schon darüber sie zu sehen. Der Film ist nicht ihre erste Erfahrung mit den beißfreudigen Fischen. Ein paar Jahre zuvor setzte sie sich in RED WATER (2003) schon mit einem von ihnen auseinander.

Hier nun ist sie Rachel, eine Restaurantbesitzerin. Sie lebt am Rande eines Sumpfgebietes in Louisiana und beherbergt in einem Wassergehege ein paar kleine Alligatoren als Touristenattraktion. Eines Nachts jedoch werden die Kleinen gefressen und Rachel ist fest davon überzeugt, dass der Angreifer ein Hai war. Das mutet grotesk an und der örtliche Sheriff (Robert Davi) glaubt ihr natürlich nicht. Darf er auch nicht, denn er selbst hat durch ein Missgeschick dafür gesorgt, dass das Biest sein Unwesen treibt. Er handelt illegal mit Tieren. Also beschließt Rachel den Hai selber zu verfolgen und zu töten. Unterstützung erhält sie dabei von einem Agenten der Regierung, der dem Sheriff auf der Spur ist. Es kommt dann wie immer. Die Schwester von Rachel gerät in Gefahr, weil sie mit ein paar Leuten unterwegs ist, der Ort feiert ein Fest, der Hai ist irgendwie überall. Am Ende scheitert er an einer Schiffsschraube.

Letztlich ist er einer dieser 08/15-Feger, von Active Entertainment für SyFy hergestellt. Er versteht sich mal nicht als Spaßfilm, doch richtig ernst nehmen kann man das Ding auch nicht. Durchschnittsware halt, die man so nebenbei schauen kann ohne sich zu ärgern. Hängen bleibt allerdings nichts, wenn man davon absieht, dass mit Kristy und Robert zwei Stars auftreten, die ihre beste Zeit schon hinter sich hatten. Der Hai ist annehmbar getrickst, wenn er auch nicht sonderlich oft im Bild ist. Die Darsteller sind in Ordnung, von ihnen wird auch nicht viel verlangt. Er besitzt eine farbenfrohe aber unaufdringliche Farbgebung und mal wieder haben die Teenies kein Netz. Manchmal frage ich mich, warum die Leute in Filmen Mobiltelefone mit sich herum schleppen, wenn sie diese in wichtigen Momenten sowieso nie benutzen können.

HAI ATTACK ist einer von diesen durchschnittlichen Filmen. Wenn man von der Arbeit kommt und sein Gehirn nicht mehr anstrengen will, dann ist er ein akzeptabler Zeitvertreib, denn er fordert nicht und tut nicht weh.

Jurassic SharkJurassic Shark (2012)
(Jurassic Shark)
Regie: Brett Kelly, mit Emanuelle Carriere, Christine Emes, Celine Filion, Angela Parent, Duncan Milloy, Phil Dukarsky.

Da war ich irgendwie gar nicht drauf vorbereitet. Ich nahm den Film mit, weil ich diese ganzen Hai-Knaller sowieso lustig finde. Und dann sah ich vorab das Zeichen von TomCat Films. Uff, den hatte ich gar nicht auf der Rechnung. Toll, damit war der Abend gerettet.

Vorab klärt uns der Film darüber auf, dass der Megalodon das größte und gefährlichste Meeresraubtier in der Geschichte der Erde ist. Er konnte bis zu 16 Meter lang werden. Na toll, das will mir ein TomCat Film doch nicht ernsthaft zeigen. Vielleicht einen Minihai aus Pappe, der ein paar Zehnägel verspeist.

Nö, tatsächlich kriegen wir einen CGI-Hai zu sehen, mächtig groß und beinahe unbeweglich, und noch schlechter als schlecht einkopiert. Außerdem bekommen wir ihn nicht oft zu sehen. Soll man sich da wundern, wenn man weiß wo der Film herkommt?

Drei Girlies machen mit ihrem Freund einen Bootsausflug, den der Typ sehr schnell im Rachen des Megalodons beendet. Die Mädels retten sich an Land, doch leider sind auch Menschen gefährliche Feinde. Vier Männer und eine Frau haben ein Bild von ungeheurem Wert gestohlen. Dieses versank leider im See, als der Hai ihr Boot zum kentern brachte. Zwei Männer sind bereits draufgegangen. Eines der Mädchen lässt nun ihr Leben, als sie zum Tauchen gezwungen wird. Nach und nach werden die Leute gefressen, bis unsere zwei Heldinnen den Riesenfisch mittels einer Dynamitstange in die Luft jagen.

Mir tun die Leute tatsächlich leid, die sich gerne all diese grotesken SyFy-Haifetzer 'reinziehen und dann mit diesem Videoschrott konfrontiert werden. Dass ich den Film mag kann nur bedeuten, dass er billig aussieht, keine Story aber tausend Drehbuchlöcher besitzt, tödlich miese Schauspieler zeigt und Effekte hat, die selbst einen alten Ed Wood Film noch perfekt aussehen lassen.

"Gasch!" macht der schwarze Schlumpf, springt vor und beißt dem blauen in den Stummelschwanz, worauf dieser ebenfalls schwarz wird. Ich habe versucht mit ähnlicher Konsequenz meinen Nachbarn zum Trashfilm zu bekehren, ihn an einen Stuhl gefesselt und ihm JURASSIC SHARK vorgeführt. Es hat nicht funktioniert. Er litt unendliche Qualen, fiel etwa Mitte des Films ins Koma und ich musste den Vorgang beenden, damit ich mich nicht des Mordes schuldig machte.

Es dauert lange bis wir den Megalodon zu sehen bekommen. Die beiden Bikini-Schönheiten am Anfang sterben in höherem Wellengang, der mir zeigen soll, dass der Hai anwesend ist. Der Angriff auf die Boote wird durch heftiges Ruckeln und schnelle Schnitte suggeriert. Wenn er dann endlich ins Bild kommt, dann wirkt er wie ein Standbild vor dem das Opfer zu schreien beginnt. Es knirscht, als würden Knochen brechen, dann wird einfach abgeblendet. Manchmal wird auch ein bisschen CGI-Blut auf die Kameralinste gespritzt. Also ehrlich, die Machart ist so schlecht und billig, dass es einem die Schuhe auszieht. Eigentlich muss man es gesehen haben um es glauben zu können. Davon aber möchte ich wiederum jedem abraten, denn meine Beschreibung sollte reichen um zu wissen, dass das Ansehen dieses Films zur Erblindung führen kann.

Dass ich solch ein Zeug durchstehe hat mit Erfahrung zu tun. Ich bin wohl inzwischen unkaputtbar und so sehr sich derartige Filmemacher auch Mühe geben, sie kriegen mich nicht klein - dazu liebe ich diesen Kram zu sehr.

The Bay: Hai-AlarmThe Bay: Hai-Alarmo (2005)
(Spring Break Shark Attack)
Regie: Paul Shapiro, mit Shannon Lucio, Riley Smith, Justin Baldoni, Bianca Lishansky, Kathy Baker, Bryan Brown.

Nö, da hört's doch auf. Ich mag wirklich Blödsinn, kann den hohlsten Shark-Fetzern etwas abgewinnen, aber irgendwann kommt der Punkt da ich nicht mehr mag. Haie dürfen in der Luft fliegen, sich durch Sand und Schnee wühlen, aber sie müssen wenigstens da sein. Dieser billige TV-Film bietet leider kaum mal einen Hai, dafür muss man sich mit dumpfbackigen jungen Leuten am Strand auseinander setzen.

Ein Film vom Reißbrett, mit Charakteren vom Reißbrett, mit einer Story vom Reißbrett und mit (kaum vorhandenen) Effekten vom ... na ja. So erleben wir das große Vergnügen von Teenagern, die lediglich von solch weltbewegenden Fragen beseelt sind wie: Ist der oder der Junge niedlicher? Sind die Titten von der oder von der Tussi größer? Natürlich gibt es auch kleine Streitereien und Eifersüchteleien. Wenn man das gut eine Stunde lang ertragen hat, dann bekommt man zur Belohnung ein paar Dreiecksflossen zu sehen. Oh bitte, erspart mir eine Angabe des nicht vorhandenen Inhalts, der sich mit dem eben genannten erschöpft. Irgendwo in diesem Treiben tauchen für ein paar kurze Szenen Kathy Baker und Bryan Brown auf. Letzterer hat mit blutigen Ködern die Haie an den Strand gelockt um diesen in Verruf zu bringen, damit sein eigener wieder besser besucht wird. Als er sieht, dass die Katzenhaie (so ein Meeresbiologe) einige Menschen bei einer Strandparty zerfetzen, tut ihm das Alles so unendlich leid, denn das habe er nicht gewollt. Was hat er denn erwartet? Dass die Haie auf Schmusekurs gehen? Ich habe selten eine derart dümmliche Erklärung für ein solches Szenario gehört. Übrigens lassen sich die Viecher mit ein paar kleinen Ködern auch wieder vom Strand weg locken. Mann, da fängt man doch an den TomCat-Megalodon zu lieben, dessen Vernichtung mittels einer armseligen Dynamitstange richtig logisch daher kommt.

Dieser Film hat weder eine nachvollziehbare Handlung noch bietet er Nervenkitzel, er zeigt absolut farblose Charaktere und, was das Schlimmste ist, bis auf ein paar Momentaufnahmen keine Haie. So dümpelt der Film vor sich hin. Währenddessen habe ich meine Schnecke beobachtet die über den Tisch kroch, das war viel aufregender - und durch das, was sie sagte, verriet sie mir einen höheren IQ als jede Person in diesem Film.

Abstand halten, Leute. Selbst JURASSIC SHARK bietet mehr Hai-Action und ist ob seiner Dusseligkeit unterhaltsamer als dieser Quark, der auch noch die Dreistigkeit besitzt sich ernst zu nehmen.

Zombie SharkZombie Shark (2015)
(Zombie Shark)
Regie: Misty Talley, mit Jason London, Becky Andrews, Carter Burch, Leslee Castey, Laura Cayouette, Shane Coe.

Das ist auch mal toll. Eine Wissenschaftlerin arbeitet an einem Mittel, das totes Gewebe wieder reaktivieren soll und testet dieses ausgerechnet an Haien. Natürlich verduftet einer davon aus der Gefangenschaft. Bruce, wie er genannt wird, macht den Strand einer Urlaubsinsel unsicher und egal wen oder was er beißt, es erwacht wieder und beißt andere. Dadurch entsteht eine kleine Flotte von Zombie-Haien und auch ein paar Leute schwanken durch die Gegend. Drei Mädels und ihr Freund machen eine Bootstour zur Insel. Der Junge wird erstmal gefressen. Es erscheint ein Soldat der versucht Bruce wieder einzufangen. Bald muss eines der Mädels das Leben lassen. Man kommt auf die Idee die Viecher mittels Sonartönen anzulocken und dann die Forschungsstation zu sprengen. Bruce, der schlaue Hai, entkommt natürlich, frisst ein weiteres Mädchen und geht auf den Soldaten und die Verbleibende los. Aber Haie sind halt doch nicht so schlau und haben noch nie etwas von Final Girls gehört.

Hört sich lustig an, ist aber unsäglich. Das ist der schlechteste Film, den ich bisher von Active Entertainment gesehen habe. Die Schauspieler, allen voran der erfahrene Jason London, agieren unterirdisch, die CGI-Haie sind eine absolute Lachnummer. Letztens habe ich mir einen Käse gekauft der nur aus Löchern bestand, vermutlich war jener das Drehbuch dieses Films. Ein Regisseur war nicht anwesend. Die Schnittarbeit ist unfassbar, denn es gibt verschiedene Schauplätze, doch selbst wenn etwas los ist, dann kann es durchaus passieren, dass das Geschehen erst einmal vergessen wird.

Eigentlich lässt sich in diesem Schrott wirklich gar nichts Positives finden. Na ja, ich bin ja nicht so niveauverliebt und kann sogar Müll noch lieb haben. Diesen farbigen Barbesitzer finde ich ganz putzig, der immer einen dusseligen Spruch auf den Lippen hat. Leider spielt er nur eine Nebenrolle.

Der Film versucht sich nicht ernst zu nehmen, doch seine Witze sind so albern, dass man nicht lachen kann. Er ist auch einfach zu schlecht gemacht, sodass man ihm im Grunde nicht folgen mag. Kann man irgendwie auch nicht, denn der Fortlauf wird durch schlechtes Timing ständig unterbrochen.
Wir raten ab, würde der Filmdienst schreiben - ich kann dieses nur bestätigen

Kommentare  

#1 Laurin 2019-04-14 01:29
Also spätestens im Bereich des Hai-Horror kann ich keine schlechten Filme an Land ziehen (gewollt oder ungewollt). Fasse ich so eine DVD oder BD an, kriege ich schon kleine Stromstöße an den Fingern, so das ich sie gleich wieder fallen lasse. Oder anders gesagt, sie reizen mich absolut nicht mehr, seit ich damals den "Weißen Hai" (JAWS) und dessen Fortsetzungen (da schon mit etwas Bauchschmerzen) gesehen hatte.

Als den besten Film mit mörderischen Haien fand ich eh "Deep Blue Sea" von 1999. Dagegen halte ich persönlich sogar Spielbergs JAWS für ziemlich überbewertet (halt eben nur bei den damaligen Tricks, aber die Story gab nicht wirklich viel her).
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#2 Friedhelm 2019-04-14 20:14
Also, ganz ehrlich? Diese mageren "Haimovies" verlocken, glaube ich, wohl niemanden mehr zum reinschauen. Das ist alles nicht nur billig und lahmarschig, sondern auch völig abgelutscht. Und dann sieht man auch in diesen Filmen nur Schauspieler, die diese Benennung gar nicht verdienen - oder ihren Zenit längst überschritten haben.

@Laurin: Leider kann ich dir überhaupt nicht zustimmen - Spielbergs Original-Hai hat eigentlich (fast) alles, was für einen thrilligen Kinobesuch nötig ist. Okay, man muss die Zeit seiner Entstehung berücksichtigen, aber auch heute weiss der Streifen noch zu unterhalten.
"Deep Blue Sea" fand ich auch nicht unbedingt schlecht, aber diese "Digitalhaie haben mich irgendwie auch nicht geflasht..
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