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Das Kapitel ist geschlossen

SchicksalswächterDas Kapitel ist geschlossen ...
... wenigstens für mich

Nach einer längeren Zeit des Nachdenkens habe ich mich dazu entschlossen die Zamorra Kolumne zu beenden. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie mir einfach die Themen ausgegangen sind. Die Einhaltung der Terminvorgabe ist mir immer schwerer gefallen. Nun ist es an der Zeit, den Platz zu räumen. So ein Schritt fällt mir nicht leicht, da die Romanserie Zamorra mich über zwei Jahrzehnte begleitet hat. Aber schon seit längerer Zeit bin ich in der Situation, dass es mir fast schon gleichgültig ist, wie es im nächsten Roman denn nun weiter geht.


Die Serie ist zwar seit einiger Zeit wieder auf einem guten Weg, man hat auch viele neue Ideen für die Serie, aber ich habe immer mehr die Bindung zu Zamorra verloren. Was nicht an der Qualität der Romane liegt, denn Oliver Fröhlich, Adrian Doyle (Manfred Weinland) oder M. H. Rückert schreiben gute bis sehr gute Romane. Womit ich größere Probleme habe, sind Handlungsebenen oder Hintergründe wie die Schöpferwesen Thematik, die Vernichtung von LUZIFER oder die Auslegung/Wichtigkeit der Rolle der Schicksalswaage. Auch gefallen mir manche Charakterentwicklungen nicht. Den Erzdämon Asmodis möchte ich da als Beispiel nennen. Statt ihm wieder seine frühere Unberechenbarkeit zu geben, legt man diesem Charakter immer mehr Ketten an. Aber gerade dieser Charakter zieht aus seiner Unberechenbarkeit seine Stärke. Viele Punkte, die ich in zwei Jahrzehnten als Fixpunkt hatte, werden plötzlich infrage gestellt. Grundsätzlich ist das natürlich nicht falsch, vor allem wenn man sich bemüht, dies im Einklang mit den Serienhintergründen ablaufen zu lassen. Mir persönlich ist aber immer schwerer gefallen, die Serie noch als Fortsetzung dessen zu sehen, was ich über die Jahre gerne gelesen habe.

An diesem Punkt muss ich mir eingestehen, dass die Romanserie Professor Zamorra für mich immer noch untrennbar mit Werner Kurt Giesa verknüpft ist. Seine Geschichten, Charaktere und Hintergründe haben mich in zwei Jahrzehnten zu stark geprägt. Was natürlich auch auf die gemeinsame Zeit von WKG und Rolf Michael zutrifft. Sein Ausscheiden war auch ein großer Verlust, konnte aber kompensiert werden, da mit WKG noch ein Teil des Teams vorhanden gewesen ist. In der Folgezeit hat Giesa die Serie natürlich geprägt und immer weiter entwickelt. Sie entwickelte für mich dann den unverwechselbaren Charme aus Science-Fiction, Fantasy Elementen und Grusel/Horror, der meiner Meinung nach bis heute nicht mehr erreicht wird. Aber nur weil das für mich ein Nachteil ist, muss dies natürlich nicht auf andere Leser zutreffen.

Wie die Serie jetzt fortgesetzt wird, ist konsequent. Man kann WKG nicht kopieren, also wird dieser Versuch gar nicht unternommen. Stattdessen gibt man der Serie eine neue Identität, die nach wie vor mit den Serienhintergründen verknüpft ist, aber man lässt Raum für neue Ideen und Autoren. Die Beurteilung dieser Ideen liegt natürlich beim Leser. In meinem Fall ist es so, dass ich keinen Draht mehr zu der Serie finde. Es fällt mir nicht schwer gute Romane anzuerkennen, aber das Gesamtgebilde trifft nicht mehr meinen Geschmack. Ich habe lange Zeit versucht mich mit der Serie zu arrangieren, aber der Funke springt einfach nicht mehr über. Professor Zamorra ändert sich, das ist der Lauf der Dinge. Aber auch die persönliche Sicht verändert sich. Aus Gewohnheit werde ich Zamorra nicht lesen, insofern beende ich dieses Kapitel jetzt. Ich habe mich eine lange Zeit an den Geschichten erfreut, aber alles hat mal ein Ende. Dies sage ich ohne jeglichen Groll, denn dazu besteht überhaupt kein Grund. Lange Zeit hat mich Zamorra mit vielen guten Geschichten unterhalten.

Den Autoren von Professor Zamorra wünsche ich natürlich alles Gute. So wie es aussieht, scheint der neue Kurs bei den Lesern gut anzukommen. Hoffentlich kann die Serie noch lange bestehen und die Tradition weiter fortführen. Mit dem aktuellen Autorenteam ist Zamorra jedenfalls sehr gut aufgestellt. Sie werden bestimmt noch eine Menge Ideen und Wendungen im Repertoire haben. Ich wünsche dies jedenfalls den Lesern, die nach wie vor Spaß an Zamorra haben. Vielleicht entscheidet sich Bastei auch für alternative Wege im Vertrieb, man wird sehen.

Mit diesem Artikel ist aber die Kolumne nicht am Ende. Wer sie jetzt übernimmt, kann ich noch nicht sagen, aber es wird sich bestimmt ein Ersatz finden lassen. Jedenfalls ist Zamorra für mich das Sprungbrett zum Zauberspiegel gewesen. Ich kann mich noch gut an den Moment der ersten Kontaktaufnahme erinnern, als ich von Harantor aka Horst Hermann angesprochen wurde. Kurze Zeit später entpuppte er sich als Herausgeber des Zauberspiegels und schon war ich in seinem Netz gefangen. Bereut habe ich diesen Schritt bis heute nicht, obwohl man als unbedarfter Neuling auch Lehrgeld zahlen muss. Je mehr ich geschrieben habe, desto mehr Spaß hat es mir bereitet. Genau deswegen ziehe ich jetzt auch die Bremse bei der Kolumne zu Professor Zamorra. Wenn man nicht mehr mit Freude dabei ist, dann wird es Zeit die Finger davon zu lassen. Ich möchte auch keinen Platz blockieren. Dieser Platz sollte für jemanden reserviert sein der noch bei der Serie dabei ist.

Zum Abschluss wünsche ich allen Zamorra Lesern weiter viel Spaß in der Welt des Übersinnlichen.

Kommentare  

#1 Cartwing 2011-11-04 08:48
Kann ich alles sehr gut nachvollziehen. Habe auch nach 950 plötzlich die Lust verloren und das ist bis heute so geblieben. Als ich in den 800ern wieder eingestiegen bin, gab es einen Autor, der die Serie meiner Meinung nach entscheidend prägte und ohne den sie für mich undenkbar wäre: Volker Krämer. Ohne seine Ideen und seine Romane, die absolute Highlights waren, ist Zamorra (wieder mal) um einiges ärmer geworden. Mit den Romanen von Fröhlich und Schwarz wurde ich nie so richtig warm, ganz zu schweigen von Simon Borner.

Jedenfalls hoffe ich, deine interessanten PR-Artikel bleiben uns erhalten. :-)
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#2 Thomas Rippert 2011-11-04 09:18
Als Werner Kurt Giesa komplett übernommen hat, habe ich Zamorra bereits aufgegeben. :)
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#3 AltesEisen 2011-11-04 19:11
Zitat:
Jedenfalls hoffe ich, deine interessanten PR-Artikel bleiben uns erhalten.
Aber natürlich ;-) Danke für das Lob.
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