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Getting alive – Getting a life - Kapitel IV

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Getting alive - Getting a life  IV
Kapitel IV

Kennt der geneigte Leser denn die ‚Magie der geraden Zahlen‘? Nun, das ist ziemlich einfach. Es ist ein System, welches erdacht wurde, weil ein paar verirrte Star-Trek-Fans große Filmkunst einfach schlecht reden möchten [4]. Das führt sogar soweit, dass sich diese Formel in Aussage und Kritik auch bei den unwürdigen Nicht-Fans etabliert hat. Wer an diese grauenhafte Formel glaubt, der ist der Meinung, jeder für das Kino gedrehte Star-Trek-Film mit einer geraden Zahl in der fortlaufenden Nummerierung von Fortsetzungen wäre ein gelungener Film. Und was heißt das für die ungeraden Nummern? Oder was bedeutet das für ‚Star Trek – The Motion Picture‘, der überhaupt keine Nummer trägt  [1]? Oder wie wirkt sich das für J. J. Abrams Neuauflage 2009 aus, der noch offiziell mit einer Elf ausgestattet ist? Das treibt den Fan doch in die Schwindsucht.

Alles Quatsch. Die ungeraden Filme sind längst nicht so schlecht wie ihr Ruf. Außer vielleicht ‚Star Trek V – The Final Frontier‘ [2]. Oder vielleicht noch ‚The Motion Picture‘. Im Vorangegangenen Kapitel habe ich mich ja sehr positiv über Nummer Drei ‚The Search for Spock‘ ausgelassen und bleibe vorsichtshalber mal bei dieser Meinung, um keine Wankelmütigkeit vorgeworfen zu bekommen [3]. Und wer auch nur einen Funken Ehrgefühl im übersättigten Bauch hat, der ist von der Gewissheit beseelt, das nach ‚Star Trek VI – The Undiscovered Country‘ kein weiterer Film das Prädikat Star Trek verdient. Die Ausbeute an schlechten Star Trek Filmen ist also eher als gering einzustufen [5].

Trek Chicken

 

Fußnoten

[1]  - ‚Star Trek – The Motion Picture‘ war doch eigentlich genau der Film, der alles hatte, was das Fan-Herz beglücken musste. Ideologie und Verstand, aber keine vernünftigen Uniformen. Herr Gott, welcher Fan wollte denn schon mit Schlafanzügen durch die Straßen laufen? Welcher übernächtigte Kostümdesigner denkt sich denn so etwas aus? Jetzt war ‚Motion Picture‘ einer der seelenlosesten Filme der Siebziger [a] und dann muss der Casanova des Universums, James T. Kirk, im Strampelanzug die Erde retten. Ja, ja, „there is no comparison“ war dafür die Schlagzeile [b].

[a] - Bei der Premiere bestach ‚Motion Picture‘ ja durch atemberaubende Überlängen und ermüdende Special-Effects. Ausgerechnet Robert Wise, der bis dahin nie einen schlechten Film inszeniert hatte, verblüffte mit einer Litanei langer, spannungsarmer Szenen. Paramount schmiss ja 1979 aus Termindruck den Film merklich unfertig in die Kinos. Im Fandom erklang ein Aufschrei des Endzückens, als für die DVD-Directors-Edition, Robert Wise den Film mit zusätzlichem Budget so fertig stellen durfte, wie er ihn erdacht hatte. Robert Wise‘ Directors-Edition beweist endlich, das ‚Star Trek – The Motion Picture‘ nie der Film war und wird, und sein sollte, den sich so mancher erhoffte. Er ist weder besser, noch schneller, noch interessanter… er ist schlichtweg unverändert lahmarschig in all seinen Aspekten.

 

[b] – Soll heißen „es gibt nichts Vergleichbares“, was auf den ungerechtfertigten Vorwurf anspielt ‚Motion Picture‘ wollte im Windschatten dieses albernen Kinderkrams ‚Star Wars‘ fahren. Von dem ich übrigens auch großer Fan bin.

[2] – Spock war tot. Wie erklärte man also einen Leonard Nimoy am Filmset von Star Trek III, wenn sein Charakter im Film vorher gestorben war? Richtig, Leonard Nimoy führt Regie. Und weil seine Arbeit so gut und nah am Herzen des Geistes von Star Trek war, übernahm er gleich noch den Regiestuhl für ‚Star Trek IV – The Voyage Home‘. Diese Offerte veranlasste Meister Shatner umgehend dazu, nur für Nummer Vier zu unterschreiben, wenn ihm zugesichert wird, das er dann selbst bei Nummer Fünf dirigieren darf. Nun ist daraus letztlich ein extremer Film geworden, der in Amerika mit der Schlagzeile warb ‚Warum machen sie Sitzgurte in Kinos diesen Sommer?‘. die Spötter wissen warum, mein Freund Shatner hingegen hat sich da was ganz anderes darunter vorgestellt. ‚Star Trek V – The Final Frontier‘ beinhaltet Szenen, die seit Jahrzehnten für Trekkies und Trekker gleichermaßen überfällig waren und durchaus zu den Besten in den Trekfilmen zählen, wie zum Beispiel die Lagerfeuer Sequenz. Aber das Suchen und Finden von Gott? Das Thema war ein Überbleibsel von den ersten Entwürfen des ‚Motion Picture‘ und die Produzenten wussten, warum sie die Finger davon ließen. Und dann die Spezial-Effekte… die gaben dem Film wirklich den Rest. Zeitdruck, Streik und ein zu geringes Budget taten Shatner wenig Gutes, den Fans noch viel weniger und anderen Zuschauern überhaupt nichts. Wie Robert Wise, wollte Bill Shatner für die DVD-Special-Edition zusätzliches Budget, um den Film so fertig zu stellen, wie er es geplant hatte. Paramount lehnte höflich aber bestimmt ab.

[3] – Im Gegensatz zu ‚Star Trek IV –The Voyage Home‘, war Nummer Drei kaum eigenständig, weil er zwangsläufig und nicht aus freien Stücken überbrücken musste, was ‚Wrath of Khan‘ angefangen und ‚Voyage‘ glamourös zu Ende führte. Naja, und dann dieser Öko-Firlefanz im Vierten, der dann auch noch Klientel ins Kino zog, das sonst nur Kröten über die Straße trägt.

[4] – Mach dich niemals über Star Trek lustig, das lernt man schnell und das lernt man schmerzlich. Wer einen phänomenalen Star-Trek-Konvent veranstaltet, der ist auch davon überzeugt, begnadeter Filmemacher zu sein. Und weil man an so einem Wochenende die Leute so beieinander hat, das sie nicht weglaufen können, gibt man ihnen das Beste vom Besten an Unterhaltung: Selbst gedrehte Star Trek Filme [a]. Mit unserem messerscharfen Kollektivverstand, wussten wir natürlich, dass wir mit Qualität und Aufwand überhaupt nicht kommen konnten. Meine besten Freunde und ich versuchten uns in den Untiefen der Komödie, weil damit alles erlaubt war und qualitative Abstriche erklärbar wurden [b]. Das Publikum war begeistert, sie lachten, klatschten und riefen unsere Namen. Wir verbuchten von Jahr zu Jahr größere Erfolge und wurden im Fandom kopiert [c]. Natürlich zerriss man sich hinter vorgehaltener Hand das Mäulchen, das wir uns selbst unmöglich gemacht hätten, die Schande des Universums wären und wir mit ST-Romanen gesteinigt werden sollten. Auch der Hardcore-Fan lacht sehr gerne, aber auf keinen Fall über die Liebe seines Lebens. Hier und da tauchten damals auch  Briefe in diversen Newslettern auf, in denen Selbstverbrennung angekündigt wurde, wenn man die Ketzer aus Nürnberg nicht stoppen sollte [d]. Wir machten weiter und produzierten schlechte Filme, weil wir selbst schlecht waren.

[a] – Zuerst zogen wir ST III durch den Kakao, gefolgt von Nummer Vier. Dann erst kam die Zwei, mit Fünf und Sechs im Anschluss. Weil wir von uns so überzeugt waren, stampften wir in unglaublicher Zeit schnell mal einen eigenen ‚Star Trek VI – Part II‘ aus dem Rekorder und schlossen unsere Glückssträhne mit ‚Generations‘, dem selbstredend kein Star Trek im Titel zustand.

 

[b] –  Angemalte Holzbretter dienten als Raumschiffkonsolen. Abgehängte Betttücher waren außerirdische Behausungen. Spezial-Effekte kopierten wir standesgemäß aus den Originalfilmen.  Gastauftritte von ST fremden Stars klauten wir ebenfalls aus Originalfilmen und synchronisierten ganz schlecht mal drüber. Um die Logistik gering zu halten, übernahm jeder Darsteller mindestens zwei Figuren. Eine Darstellerin wurde dafür bekannt, mindestens vier in Rollen in jedem Film zu übernehmen und man kennt sie noch heute unter dem Namen ‚Das maskierte Wunder'. Und geschnitten wurde das Ganze dann schon mal analog über die Pausentaste des zweiten Videorekorders. Die Bildqualität war grauenerregend.

 

[c] – Unserer Initiative zufolge, war es natürlich nur eine Frage der Zeit kopiert zu werden. Das sage ich in aller Bescheidenheit. Was mich eher wütend machte, waren die qualitativen Ansprüche, welche die Plakiateure an sich selbst stellte und erheblich mehr Geld (wir hatten keines), viel mehr Zeit und auch mehr Liebe investierten. Niemals würde ich zugeben, dass es bessere Filme als unsere waren. Niemals. Wir, jawohl WIR, machten uns nicht über Star Trek lustig, sondern nannten unsere Filme aus dem Brustton der Überzeugung ‚Hommage‘ (mit sehr lang gehaltenem, mehr gehauchtem A). Aber selbst die Hommage wollten uns die Spielverderben wieder mal absprechen.

 

[d] – Wir kamen aus Fürth, das kleine Kaff Nürnberg liegt in der Nähe, und unsere Kongresse veranstalteten wir in Weißenbrunn. Deswegen kann man schlecht recherchiertes Geschwätz von Fan-Banausen auch ignorieren.


[5] – Verbohrte Fans, diese „wir sind doch alle eine große Familie“ Plauderer, zählen die Kinofilme der ‚Next Generation‘ fortlaufend zu den wirklichen Künsten des wahren Star Trek. Somit erhöht sich die Ausbeute an schlechten Filmen um ein Vielfaches.


Kommen Sie endlich mal auf den Punkt und lesen das abschließende, fünfte Kapitel.

Kommentare  

#1 Thomas Rippert 2008-09-19 15:28
Nun mag man mich gerne pfählen, aber:

"Star Trek ? The Motion Picture?...er ist schlichtweg unverändert lahmarschig in all seinen Aspekten."

Als ich damals die erste Staffel von TNG gesehen hatte, dachte ich nur: "Hey, das ist ja genau so wie der erste Knofilm. Die sind ja alle fast scheintod!"

und auch:

"Star Trek V ? The Final Frontier? beinhaltet Szenen, die seit Jahrzehnten für Trekkies und Trekker gleichermaßen überfällig waren und durchaus zu den Besten in den Trekfilmen zählen, wie zum Beispiel die Lagerfeuer Sequenz."

Welche ich im Nachhinein als überpeinlich empfand, da sie so gerne von Trekkies auf Cons (bzw. dem einzigen auf dem ich jemals war und das auch noch gezwungenermaßen da eine Comic-Börse mit angeschlossen war und ich Jason Dark treffen wollte, was ich dann auch habe - sozusagen als Belohnung für die ganzen Spocks und Klingonen) nachgespielt wurde und man sich fast in Grund und Boden schämte.

:lol:
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#2 Holzi 2008-09-19 18:59
Jaja... Der Horror-Fan lacht über den Star Trek-Fan, der Star Wars-Fan über den Horror-Fan und alle zusammen über den Buffy-Fan. Sehr erwachsen... :P :-*
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#3 Thomas Rippert 2008-09-19 20:25
Ich "lache" doch nicht. Ich mag Star Wars und Trek und Horror und Buffy und Dr. Who und Fantastic Four und und und...ich wundere mich nur ab und an welche Stilblüten das Fandom so treiben kann. Von mir aus kann jeder gerne in roter Uniform (warum tragen eigentlich die meisten rot? ) durch die Cons oder auch gerne Wohnzimmer rennen, ich muss es ja nicht machen und ich belächle es (zumindest bei den meisten) auch nicht.

Auch wenn ich alles was jemals mit dem Siegel "Trek" versehen war gesehen habe (und viele auch freiwillig mehrmals, besonders die "Kirk-Einheit", das (Trek) nur als Beispiel) und selbst streckenweise in einer Trekdiskussion mitreden kann, so bezeichne ich mich immer noch nicht als Fan. ;-)
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#4 Mainstream 2008-09-20 11:21
:eek:
Moment mal, junger Mann:
Deine Beobachtungen, das die meisten rote Uniformen tragen ist falsch! Es sei denn Du meinst die Bordeaux farbenen Filmuniformen. Denn im Trek-Fandom ist jeder Captain, oder Admiral. Drunter geht es nicht, weil man es sich in seiner Scheinwelt auch so verdient hat. Bitte schön, wer will den schon Gefreiter-Arsch spielen?

Du bezeichnest dich nicht als Fan? Feigling!

Die Lagerfeuerszene ist denoch eines der wenigen Highlights im Film, trotz Deiner peinlichen Beobachtungen. Wobei Du dabei noch Glück hattest.
Richtig peinlich ist ein voll kostümierter und geschminkter Klingone der sich mit einem gebrülltem "Pack Plech" den Weg durch eine Menge unbescholtener Bürger frei macht, die weder mit Trek noch sonstwas mit SciFi zu tun haben.

Im Übrigen weiß der Fan im allgemeinen nie wann Schluß ist, und das trifft auf Trek genauso zu wie auf Wars oder ähnliches. So wird aus 95 Prozent aller lustig gemeinter Auftritte eine extrem peinliche Show.

Ach, ich komme schon wieder ins schwärmen. Ich mach lieber Schluß.
:sigh:

:lol:
Einen hab' ich noch:
Ist Dir schon mal aufgefallen, wer sich grundsätzlich ein voll ausgestattetes Darth Vader Kostüm leistet?
1,65 Meter kleine Menschen, deren Schultern so schmal sind, das der Umhang wie ein Müllsack herunter hängt.
:-x
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#5 Thomas Rippert 2008-09-20 12:48
Da gebe ich Dir in vielen Dingen recht, Mainstream. Besonders dem mit "Darth Vader"... :lol:

Die Lagerfeuerszene hat mich im Film auch sehr angesprochen, nur die Improvosation die ich erleben durfte war es eben nicht. Da ich den Veranstalter kannte und er gerade neben mir stand, da er mich im Schiedsrichterausschuss für das beste Köstum haben wollte (was ich aber dann nicht gemacht habe), als das ungeplant über und auf die Bühne ging. Er drehte sich mit geweiteten Augen zu mir um und meinte nur: "Das tun die mir doch jetzt nicht ernsthaft an, oder? Bitte, bitte nicht!" und schon erklang "Row, row, row you´re boat..."

Auch wundert mich ja, das jeder ein Captain oder höher ist/sein will - immer nur die "Befehlsebene" und fast immer "Kommando" also Brückenpersonal. Wer wären die Captains ohne ihre gute Mannschaft?

Und Fan bin ich wirklich nicht, da ich nicht dem Bild eines landläufigen Fans entspreche. Ich finde das Fans ihr Hobby leben, das tue ich nicht - ich "benutze" solche Dinge für eine paar nette Stnden, mehr nicht!

It´s fun, that´s it. ;-)
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