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Günther König - Ein Leben für den Western

Günter KönigGünther König -
Ein Leben für den Western
 
Seinen Namen kennt kaum ein Westernleser, und doch hat jeder von ihnen garantiert schon Dutzende von Romanen in den Händen gehalten, deren Illustration auf dem Umschlag von Günther König stammt. Mit etwa 5.000 (in Worten: fünftausend!) Veröffentlichungen in den 36 Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit für sämtliche Verlage in Deutschland, die Wildwestromane herausbrachten oder noch herausbringen, ist er zweifelsfrei der meistveröffentlichte Western-Illustrator Deutschlands.

 

Günther König wurde am 14. Juni 1920 in Bad Oppelsdorf bei Zittau als Sohn eines Försters und jüngstes von sechs Kindern geboren. In Zittau besuchte er die Volks- und Realschule.

Nach Abschluss der Mittleren Reife ging er nach Dresden, um dort auf der Textilfachoberschule und später an der Kunstakademie seine Ausbildung zu beginnen - die vom Krieg unterbrochen wurde.

Er wurde als Nennzehnjähriger von der Luftwaffe nach Schleißheim bei München einberufen. Als Funker flog er viele Einsätze. 1943 wurde er bei einem Nachtflug über den Alpen erstmals abgeschossen. Er musste mit dem Fallschirm abspringen und wurde einen Tag später am Wendelstein schwer verletzt geborgen.

Dreimal war er einziger Überlebender bei Abschüssen. Am Ende des Krieges geriet er in Linz in Kriegsgefangenschaft der Amerikaner, bei denen er sich mit Rötelzeichnungen-Porträts das erste Geld verdiente.

Danach spezialisierte er sich auf die damals riesigen Kino- und Theaterplakate. Für das Stadttheater Ingolstadt entwarf er Bühnenbilder. Dabei lernte er seine Frau, eine junge Schauspielerin, kennen und heiratete sie 1951. Ein Jahr später nahm er bei der Auto-Union in Düsseldorf eine feste Anstellung als Designer an und war für die Gestaltung von Messen und Ausstellungen verantwortlich. Nebenbei malte er auch weiterhin Plakate für einige Filmtheater.

1955 war in zweifacher Hinsicht ein besonderes Jahr für ihn: Einmal wurde seine Tochter geboren, zum zweiten geriet er durch Zufall an den BACH-VERLAG in Düsseldorf, der Leihbücher herausbrachte und Illustratoren für die Umschlaggestaltung suchte. Bald darauf verdiente er damit genug, um seinen ungeliebten Job bei der Auto-Union aufgeben zu können.

Andere Verlage wurden schnell auf ihn aufmerksam. Er malte Umschläge für die Leihbuch-Verlage BALOWA in Balve, den REKORD-Verlag in Viersen, den PAUL-FELDMANN-Verlag in Marl-Hüls und den SCHÄLTER-VERLAG in Hemer (Saba Bücher).

Die ersten Romanheft-Verlage übernahmen seine Arbeiten und der BASTEI VERLAG, ZAUBERKREIS-Verlag und PABEL-Verlag gaben ihm Aufträge, Bilder für die Heftwestern zu malen.
Ab 1960 arbeitete Günther König in München, wo er in der Nähe des zwölf Jahre später entstehenden Olympiastadions eine große Wohnung bezog. Es folgten Aufträge der Verlage SCHNEIDER (Jugendbücher) und HEYNE/MOEWIG, auch die anderen Romanheft-Verlage KELTER und MARKEN wollten ihre Western mit seinen Arbeiten ausstatten.

Günther Königs Technik war einmalig. Er hat sich immer mehr als guter Kunsthandwerker denn als Künstler verstanden und wusste, weshalb seine Illustrationen so erfolgreich waren: sie zeigten meist Schauspieler oder Szenen aus bekannten Western-Filmen. Mittels eines Antiskops (das Gerät wirft eine Fotovorlage vergrößert auf die Zeichenunterlage) brachte er die Szene mit Bleistift und schwarzer Tusche auf Zeichenkarton (meist in der Größe 40 x 30 cm). Danach begann er, das Bild auszumalen. Dazu benutzte er Eiweißlasurfarben, die er mit feinem Pinsel auftrug.

Diese besondere Technik ermöglichte es ihm, besonders weiche, fließende Übergänge zu schaffen, was besonders bei den Bildern von Vorteil war, auf denen sich Köpfe im Hintergrund befanden.

Im Jahr 1972 konzipierte der PABEL-VERLAG, der inzwischen zusammen mit dem MOEWIG-VERLAG vom HEINRICH BAUER VERLAG aufgekauft worden war und die neue Redaktion in München etabliert hatte, eine neue Westernserie mit dem Titel RONCO - DER GEÄCHTETE. Der Chefredakteur des Verlags, Kurt Bernhardt, erinnerte sich an einige Illustrationen Günther Königs mit großen Köpfen im Hintergrund. Mit genau solchen Bildern wollte er die neue Serie ausstatten. Er übertrug Günther König die Gestaltung der Serie. Es war der Beginn einer neunjährigen fruchtbaren Zusammenarbeit, in der genau 798 Titelbilder für die RONCO- und die später folgende LOBO-Serie entstanden.
Nachdem PABEL Anfang der Achtzigerjahre seine gesamten Westernserien einstellte, kehrte Günther König zu seinem früheren Stammverlag BASTEI zurück und arbeitete von nun an fast ausschließlich für seinen Mentor und Freund Rainer Delfs, der Mitte der Achtzigerjahre als Chefredakteur zum BASTEI-VERLAG zurückgekehrt war. Daneben gestaltete er unter anderem die Umschläge der von Dietmar Kuegler geschriebenen Jugendbuchserie PECOS im KIBU-VERLAG, Menden (Der Pony-Express-Reiter, Der Weg der Cowboys).

Bis zu seinem Tod am 30. November 1991 in Miesbach - dorthin war er 1980 übersiedelt - schuf er trotz seines schweren Krebsleidens wöchentlich zwei Western-Illustrationen. Auch noch zwei Jahrzehnte nach seinem Tod werden seine Bilder von den Verlagen BASTEI UND KELTER, die als einzige Verlage in Deutschland noch Western veröffentlichen, gern als Nachdrucke verwendet.

Günther König lebt in seinen Western-Illustrationen weiter. Auch zukünftige Generationen von Lesern werden sich noch an seinen Titelbildern erfreuen, die in einzigartiger Weise die Dramatik der Pionierzeit ausstrahlen.

Ergänzung von Uwe Schnabel
Günter König hat bei seinen 5000 Titelbildern (siehe oben) nicht nur Heftserien wie Ronco und Lobo gestaltet, sondern auch die ersten drei Jahre der Serie Lassiter geprägt. Seine Titelbilder wurden in den frühen Nummern der ersten Auflage zweitverwendet (sie waren erstmals für Hefte der Bastei-Serie Wildwestroman Sonderband benutzt worden), hier sind seine Nummern zwischen Band 1 - 150 der ersten Auflage aufgeführt: 23, 28 - 32, 34 - 68, 72, 74, 76, 78, 79, 82, 84, 89, 94, 97, 101, 103 - 105, 109, 111, 113 - 116, 118, 121, 123, 125, 127, 128, 129, 131, 133, 136, 137, 143, 149, 150.

Auch Krimi-Titelbilder hat er gezeichnet; bei Kommissar X sind diverse Titelbilder zwischen Band 866 und Band 1371 von ihm. Wen man den Angaben auf den Originalzeichnungen glauben darf, sind mindestens 10 % seiner Bilder Krimi-Titelbilder. So steht bei der Originalvorlage von Kommissar X Nr. 1338 die Bezeichnung König-K-1311 und bei Kommissar X-0948, die Bezeichnung König-K-1307.
Im Bereich Grusel-Titelbilder ist er nicht so fleißig gewesen. Drei Vampir-Horror-Roman-Titelbilder sind von ihm (Nr. 260, 294, 298), bei den Nummern 318 und 332 vermute ich es. Zusätzlich hat er noch das Titelbild von Dämonenkiller-Taschenbuch Nr. 45 gezeichnet.

Kommentare  

#1 Alfred Wallon 2012-03-05 13:48
Für mich war und ist Günter König nach wie vor der beste deutsche Westernmaler. Ich sehe ihn von der Bedeutung her sogar noch vor Klaus Dill.

Er hat ein Gesamtwerk abgeliefert, das einzigartig ist - und ich hoffe, dass man seine Bilder noch lange zu sehen bekommt.
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#2 JLo 2012-03-05 22:33
An Rainer Delfs bzw. Uwe Schnabel:
Ich bin nicht der große Western-Kenner, bin aber für die Beiträgezu Ronco und jetzt Günther König sehr dankbar. Königs Zeichenstil begeistert!
Welche Quellen gibt es noch zu seinen Bildern? Ich bin z.B. der Auffassung, dass ca Ende 73 bis Anfang 74 die Titelbilder zu "Mister Dynamit" von ihm stammen.
Beste Grüße!
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#3 Andreas Decker 2012-03-06 14:41
Günter König hat schon ein beachtliches Werk hinterlassen. Auch wenn sein Arbeitsstil heute gerade im Comicbereich verpönt ist (Stichwort Tracing), konnte dieser Künstler wenigstens noch malen. Verglichen mit den abscheulichen Computercovern von heute ist das echte Kunst!

Mr.Dynamit läßt sich leicht herausfinden. Eine der wenigen Serien, die die Titelbildkünstler im Impressum angaben. Ich habe aus der Zeit 73/74 nur die Nachdrucke. Die sind alle von Firuz Askin, allerdings hat man da die Bilder der Erstausgabe fast alle ersetzt. Durchaus möglich dass da König-Bilder dabei waren.
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#4 Rohde Helmut 2012-03-13 22:20
An Uwe: Bei der Listung der König LASSITER-Cover bis Nr. 150 (ich habe diese Liste vor Jahren mal für die WILDWESTER webseite aufgestellt) habe ich damals die Nummern 25 und 141 vergessen. Die solltest Du oben noch ergänzen
An JLO: Ich denke, da irrst Du Dich. Meines Wissens nach hat König keine MISTER DYNAMIT Cover gestaltet. Das war in 1973/74 wohl eher der Plakatemaler Lutz Peltzer.
Noch eine Frage: Seid Ihr sicher, dass die oben abgebildeten BASTEI WESTERN HITS Nr. 567 und 569 wirklich G.König zuzuordnen sind ? Ich weiss, dass er in den beiden Heften auf Seite 4 unten als Illustrator angegeben wird - sein Stil ist das allerdings überhaupt nicht. Wenn die Info von Herrn Delfs stammt stimmt sie natürlich - seltsam ist es dennoch.
Frdl. Grüße Helmut
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#5 JLo 2012-03-13 23:58
Hallo Helmut,
Peltzer ist mit natürlich ein Begriff, aber es gibt einen Sprung bei den MD-Titelbildern: Bis Juli 73 ist es eindeutig Peltzer - und ab September 74 ist es eindeutig Askin. Dazwischen... Band 427 (Der Mann mit der Lupara) könnte schon von König sein - deswegen suche ich ja hier Rat / zusätzliche Meinungen.
Schöne Grüße, John
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#6 Rohde Helmut 2012-03-19 14:41
Moin John, es hat mir keine Ruhe gelassen, und ich habe mir am Wochenende die entsprechenden Dynamit-Bücher nochmals gezogen. "Der Mann mit der Lupara" und auch die 428 "Da Paradies des Satans" sind beide von Peltzer - zum einen, weil's vorne im Impressum steht - zum anderen habe ich von der 428 das Originalcover und da steht Peltzers Adresse hinten drauf. Bei den Folgebänden bin ich nicht sicher - einiges scheint mir schon von Askin zu sein. König ist es , meine ich, nicht. Aber genau weiss ich's eben auch nicht.
Beste Grüße von Helmut
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#7 Andreas Decker 2012-03-19 23:36
Bei der Neuauflage von Dynamit wurden einige Bilder ausgetauscht, die vermutlich nicht mehr als zeitgemäß empfunden wurden. Teilweise sind es dieselben Motive, nur neu gestaltet, teilweise auch ganz neue Bilder. Alle von Askin.

Mr.Dynamit ist meines Wissens die einzige Pabel-serie, bei der die Titelbildzeichner grundsätzlich im Impressum angegeben sind.
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#8 Anders Nilsson 2019-05-21 15:19
I live in Sweden and try to document the sources of the cover illustrations on all Swedish western paperbacks. Günther König is represented, but few of his drawings have visible signatures. I have earlier looked for pictures by the Italian artist Carlo Jacono and it seems to me that the picture in the 'Cowboy Lexikon' plate above in 3rd row center was made by Jacono and not König. Correct me if I'm wrong!
And many thanks for a good and informative page/ Anders Nilsson
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